MSV geht mit der Mode – Grell und bunt beim Auswärtsspiel

Mittwoch hatte ich es schon auf der Heimfahrt von Duisburg aus nach Köln bei Radio DU gehört. Da hieß es, gleich mehr zu den neuen Auswärtstrikots des MSV. Pink sollen sie sein. Oh, nein, dachte ich sofort, und fühle mich angesichts der Fotos hier und hier auch bestätigt, selbst wenn ich jetzt sehe, dass die Farbe der Trikots nach meinem Verständnis eher einem rosa bis hellem lila entspricht. Ist aber egal, sieht trotzdem schrecklich aus.

Ich habe den Verdacht, irgendwo in dieser Welt der freien Wirtschaft hat es vor etwa zwei Jahren einen Marketing-Workshop für Sportsponsoren gegeben zu dem Thema, das etwa so wird gelautet haben: “Sponsoring und das Problem der knappen Zeit – Aufmerksamkeit ist das kostbarste Gut unserer Tage”. Das war ein zweitägiger Workshop, so stelle ich es mir vor, bei dem auch Modedesigner und Farbpsychologen eingeladen waren. Und die waren sich schnell einig, diese normalen Trikots machen irgendwie nichts her. Die kennt jeder, fallen nicht weiter auf und dienen doch glattweg vor allem als Identifikationsmittel für den Verein. Das Sponsorenbanner auf der Brust rauscht inzwischen einfach durch. Die Zahlen der Marktforscher lagen auf dem Tisch. Und dann hat einer der Farbpsychologen seine Powerpoint-Präsentation ans Laufen gebracht und die wirklich wirksamen Farben schmissen sich unübersehbar an die Wand. “Und hier”, rief der Farbpsychologe begeistert, “dieses Orange, da sieht man nur noch Fläche, nicht mal mehr die Konturen der Spieler.”

Und der Sponsorenvertreter von Bielefeld rief: “Unglaublich, wieviel mehr Bier wir verkaufen könnten. Aber was sollen wir nur machen, die Fans werden uns beschimpfen, wenn wir solche Farben nehmen. Fans sind konservativ, die gehen doch nicht mit der Mode.”

Der Farbpsychologe aber wusste Rat, denn er war nicht nur in Farbe gut, sondern auch im Rechnen. “Auswärts” , sagte er, “auswärts gibt es doch, so weit ich weiß, viel weniger Fans eines Vereins als im eigenen Stadion. Weniger Fans heißt weniger lautstarkes Schimpfen. Wäre das nicht eine Möglichkeit?”

Die Sponsorenvertreter blickten einander an und allmählich begannen ihre Augen zu leuchten. Der Krombacher-Mann wollte auf jeden Fall das orange. Und hinten, still in der Ecke saß die Zukunft vom MSV, ein Vertreter der RAG, die wollten damals erst, was sie heute behaupten zu sein: Neu, anders, weiß und ohne Bergbau. Deshalb haben sie auch lila als ihre Evonik-Farbe gewählt, schließlich beschäftigten sie während des Unternehmensumbaus schon lange ein Team von Farbpsychologen. Und wie gut trifft es sich nun heute, dass in der Sportwelt die Botschaft des damaligen Marketing-Workshops weiterhin ihre Wirkung entfaltet. Bei Auswärtstrikots ist es nicht ganz so schlimm, wenn es schlimm wird.

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