Wenn ich in dieser komplexen Gegenwart mit all ihren unüberschaubaren Abhängigkeiten und Einflüssen Ereignisse voraussage, hinterlässt das wahrlich ein gutes Gefühl. Ich erliege dann gerne der Illusion, ich hätte dieses Leben vollends im Griff. Alleine deshalb, weil ich letzte Woche schon vermutet hatte, die Macher von “Mitten in Meiderich” würden den nicht allzu weiten Weg nach Aachen fahren, bereitet mir das Ende der sechsten Folge der MSV-Doku große Freude. Zudem können sie mit dem dort zu sehenden kurzen Hübner-Statement nach dem Spiel zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Die Freude des MSV-Fans über den Sieg verbindet sich mit dem Clip. Wir erinnern uns mit dem Phänomen der klassischen Konditionierung an die Grundlagen der Biologie des Lernens. Zudem nutzt die Doku die Tagesaktualität, weil die Weiterverpflichtung der sportlichen Leitung zum Thema werden kann. Dieses tagesaktuelle Thema ist aber genau deshalb von dokumentarischem Interesse, weil es im Ankündigungstext vollmundig heißt: “Ein Tag im Leben von Bruno Hübner”.
Große Worte, die noch einmal auf das Grundproblem der Mini-Doku verweisen und mir wieder zeigen, dass die Macher das Konzept nicht wirklich durchdacht haben. Mit den sechs Minuten des Clips ist natürlich kein Tag eines Sportdirektors einzufangen. Aber diese Kritik ist Schnee von gestern, die Rahmenbedingungen stehen nun einmal fest und ich habe sie mehrmals schon genannt. Innerhalb dieser Grenzen halten die Macher aber zum ersten Mal auch nach einem Auswärtsspiel das mich zufrieden stellende Niveau.
Wir sehen Bruno Hübner in der Geschäftsstelle, erfahren, dass nur das einstimmige Ja von Chefscout Dieter Mertens, Peter Neururer und Bruno Hübner selbst den Ausschlag für eine Spielerverpflichtung gibt. Wir sehen den Auftakt zur endgültigen Verpflichtung von Bruno Soares und erleben dabei den alten MSV-Bekannten Hannes Bongartz in Berater-Funktion. Dann folgt der Schnitt auf Peter Neururer vor der Pressekonferenz zum Aachen-Spiel, inhaltlich ein Gewinn wegen der deutlichen Aussage Peter Neururers, dass die Weiterverpflichtung von Bruno Hübner Grundbedingung für die eigene Vertragsverlängerung sei. Da der Neururer-O-Ton aber in eine Neururer-Sequenz eingebettet ist, wirkt er als kleiner Bruch aus altbekannten Gründen. Es gibt keinen langen Erzählfaden, was zugegebenermaßen bei der Kürze der Clips auch schwierig ist. Aber ohne diesen auch einmal mehrere Folgen überdauernden Erzählfaden, braucht die einzelne Folge, wenn sie rundum inhaltlich und formal gelungen sein soll, zwingend die Konzentration auf das gewählte Thema und das war in dem Fall Hübner und nicht Neururer. Dennoch, wie gesagt, ich bin zufrieden, ist doch der Blick aufs Tagesgeschäft die Grundlage für die interessanteren Folgen von “Mitten in Meiderich”.





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