Genau so wie das Spiel gestern vom MSV Duisburg gegen den TSV 1860 München vor allem in der ersten Halbzeit aussah, hatte ich es mir nach Milan Sasics Ankündigung einer veränderten Heimtaktik vorgestellt. Ich hatte mir zudem allerdings auch noch ein Tor für den Verein aller Vereine vorgestellt. Nun, ja! Zwei Mannschaften machen hinten dicht und choreografieren immer wieder an der Mittellinie eine 20-Mann-Synchron-Tanzformation. Hin und wieder bricht einer aus der Gruppe aus und für einen Moment beschleunigt sich das Spiel in Richtung eines Tores, weil zwei bis drei Mitspieler es für eine gute Idee halten, mitzulaufen. Fast alle Gegenspieler sind dann ebenfalls dabei. Auf diese Weise ist es dem MSV Duisburg in der ersten Halbzeit sogar gelungen, sich etwas zu erarbeiten, was annähernd Torchance genannt werden kann. Wie wir es vom MSV Duisburg aber auch kennen, ergibt sich aus so einer einzelnen Möglichkeit keine Reihe. Es entsteht kein kontinuierlicher Druck. Die Mannschaft kehrte immer wieder in die Synchronformation an der Mittellinie zurück. Mit zunehmender Spielzeit erschwerte der aufgeweichte Boden das Spiel beider Mannschaften dann immer mehr und die gleichförmige Bewegungen der Zwanzigmanngruppe löste sich in Kleingruppen auf.
Dem Münchner Torschützen Djordje Rakic erleichterte der Boden allerdings sein Spiel. Tom Starke wird nämlich im RevierSport zitiert, er habe “zu viel Matsche” am Handschuh gehabt. Was als Erklärung dafür gelten soll, warum er den erst gefangenen Ball Rakic überließ. Es war ein kurioses Tor aus unserer Sicht von der Gegenseite aus. Wir sahen zwar eine torgefährliche Aktion, doch Tom Starke hatte doch den Ball gehalten. Aus der Ferne war danach keinerlei Unruhe oder schnelle Bewegung im Strafraum zu erkennen. Doch auf einmal hatte ein Münchner Spieler den Ball am Fuß und schon jubelten die Münchner Spieler.
In der zweiten Halbzeit war es aber klar, wenn in diesem Spiel ein Tor fallen sollte dann nur, weil irgendeiner der Spieler einen eklatanten Fehler machen würde. Dass es dann ein Duisburger Spieler sein musste, ist bitter. Einmal mehr haben wir die Grenzen dieser Mannschaft erlebt. Es ist ja nicht so, als hätten sich die Spieler nicht bemüht. Doch es fehlt dieser Mannschaft im Spiel nach vorne die Durchsetzungskraft. Ich erkenne bei meinem nicht sehr ausgeprägtem fußballtaktischen Wissen – vielleicht liest jemand mit und wir können das gemeinsam noch besser aufdröseln – also, mir scheint es bei Heimspielen für die Offensive der Mannschaft genau zwei taktische Möglichkeiten zu geben. Dummerweise führen beide mit nur geringer Wahrscheinlichkeit zum Erfolg. Eigentlich brauchen offensives Mittelfeld und Sturm zusätzliche Unterstützung für die Angriffsbemühungen. Das sind meist Vorstöße der Außenverteidiger. Haben die Außenverteidiger diese taktische Anweisung für das Spiel, entblößt die Mannschaft die Defensive gerade gegen Gegner mit einem gut organisierten Angriffsablauf zu sehr. Wird aber auf diese Vorstöße verzichtet, üben die Angriffe des MSV Duisburg zu wenig kontinuierlichen Druck auf den Gegner aus. Nur solch ein Druck führt aber zu Fehlern des Gegners. Deshalb muss auf den zufälligen Erfolg einzelner Spielaktionen gehofft werden.
Es bleibt Enttäuschung und die Suche nach etwas im Spiel, was die Stimmung hebt. Fündig werde ich bei Kevin Grund. Wenn ich mir seine Leistung in Erinnerung rufe, bekomme ich gute Laune. Nun wissen wir, auch beim MSV Duisburg gibt es zumindest einen dieser souveränen jungen Spieler, von denen ganz Deutschland bei den Erstligisten schwärmt. Das war beeindruckend, was er in seinem ersten Spiel im Profi-Betrieb gezeigt hat. Er war ballsicher, zeigte gutes Stellungsspiel, war antrittsschnell, sprintstark und bewies ein überlegtes Passspiel, wenn nach seiner Balleroberung sofort wieder Druck auf ihn ausgeübt wurde. Ich denke schon wieder an die Zukunft und an eine Mannschaft, die sich auflöst. Da ist es gut, so einen Spieler mit Vertrag im Verein zu haben.






Erwähnte ich bereits, dass ich Ihre Bericht mit großer Freude lese? Mal vom Inhaltlichen abgesehen liebe ich Ihren Style be der Spielanalyse.
Ich selbst sah das Spiel gestern mit gemischten Gefühlen. Sicherlich überrascht es nicht, dass ich es nicht ganz unschön finde, dass es 60 gelungen ist, einen potentiellen Gefahrenherd für St. Pauli auf kleiner Flamme zu halten. Auf der anderen Seite kann ich mich als häufiger Gast dieses Blogs einer gewissen Sympathie für die Zebras nicht erwehren. Und fand den faux-pas von Starke für Sie sehr betrüblich.
An der Choreographie jenseits der Mitte müssen Sie in der Tat noch arbeiten.
Neues Spiel, neues Glück.
Sie lassen mich erröten. Hilft aber alles, die Enttäuschung zu überwinden.