Manchmal verrennt man sich beim Nachdenken über ein Problem. Das Problem hieß: Misstrauen bei Betrachtung der zu erwartenden Leistung eines Fußballspielers zum Ende der Saison hin. Ich habe vorgestern die Verantwortung für die Lösung des Problems zu einseitig bei denjenigen gesehen, die mit dem Fußball ihr Geld verdienen. Die Zuschauer des Fußballs stehen aber ebenfalls in einer Verantwortung. Die Spieler kamen gestern ihrer Verantwortung nach, ein Teil der Zuschauer nicht. Diese Mannschaft des MSV Duisburg wollte gestern gewinnen. Diese Mannschaft versuchte, was ihr möglich war. Was sollen da Pfiffe im Stadion? Vor dem Spiel gegen Christian Tiffert, während des Spiels gegen die Mannschaft, als nach der Halbzeitpause zunächst die Versuche immer wieder scheiterten, den Ball kontrolliert in Tornähe zu bringen.
In den Fußballspielen der Gegenwart erleben wir sowohl in Bundesliga als auch in der 2. Liga so häufig solche Spielverläufe. Die Defensive beider Mannschaften steht sehr gut und die fortwährenden Angriffe der einen Mannschaft wirken in Strafraumnähe oft hilflos. Es ist so viel einfacher, im Training die kollektive Bewegung gegen den Ball führenden Spieler zu üben als den Angriff. In Ballbesitz kommt es für den Erfolg viel mehr auf die technische Fertigkeit jedes einzelnen Spielers an. Es ist eine Binsenweisheit, dass der Raum für den Ball und damit der Raum, das Spiel zu gestalten, so gering geworden ist. Wo setzt man also beim Training an?
Zu sehen war eine zu Beginn sehr entschlossene Mannschaft des MSV Duisburg, die wusste, sie muss dieses Spiel gewinnen. Doch wir sahen wieder, wie schwierig es im heutigen Fußball ist, die Verantwortung für das Spielgeschehen zu übernehmen, ohne in der Defensive große Lücken zu schaffen. Gestern spielte der MSV Duisburg in der Defensive wirklich gut. Dennoch wurde Ballverlust manchmal gefährlich, weil unsere Außenverteidiger diese Vorwärtsbewegung mit unterstützen müssen, um den notwendigen Druck auf den Gegner zu erzeugen. Die Ballverluste geschehen aber. Diese Mannschaft steht also immer vor der Aufgabe, den notwendigen Druck zu erzeugen, ohne die Kontermaschinerie des Gegners zu füttern. Das gelang gestern gut, im Vergleich zu so vielen anderen Spielen der Saison, in denen die Mannschaft offensiv spielen sollte. Dass in der Vorwärtsbewegung eine gesicherte Ballkontrolle selten mit einer gefährlichen Aktion endete, ergibt sich aus dem Zusammenwirken von guter Defensive der Fürther und den spielerischen Möglichkeiten während der Vorwärtsbewegung des MSV Duisburg. Die Angriffe kann die Mannschaft über das gesamte Spiel hin nicht so präzise vortragen, wie es nötig wäre, weil die technischen Fähigkeiten der einzelnen Spieler bei der Ballverarbeitung nicht dauerhaft so gut sind, um Angriffe mit vielen zwingenden Chancen abzuschließen.
Die großen Chancen in der zweiten Halbzeit ergaben sich deshalb durch Standardsituationen. Wer darauf hinweist, um zu mäkeln, dem sei gesagt, das ist bei anderen Mannschaften, auch der Bundesliga, häufig nicht anders; und auch diese Standardsituationen müssen erst einmal erarbeitet werden. Außerdem: wann haben wir diese mehrmalige Torgefahr nach Ecken und Freistößen das letzte Mal gesehen? Fahrenhorst an den Pfosten und zweimal knapp vorbei. Tiago, dessen wuchtigen Kopfball der Fürther Torhüter Max Grün mit einem beeindruckenden Reflex hält. Nicky Adler mit einem Kopfball kurz vor Spielende an den Pfosten. Das sind nur die Chancen, an die ich mich ganz klar erinnere. Es waren mehr, und es ist schade, dass nicht eine dieser Chancen zum Tor wurde.
Will man Kritik üben, muss man in der ersten Halbzeit ansetzen, als nach etwa 25 Minuten mit einem Mal Unsicherheit in der Mannschaft zu spüren war. Der Grund waren Fehlpässe im Mittelfeld. Im Gegensatz zur zweiten Halbzeit, in der die Angriffe des MSV Duisburg erst in Strafraumnähe mit einem zu unpräzisen Pass endeten, wurden in der ersten Halbzeit die Bälle auf einfache Weise hergegeben. Deshalb kamen die Fürther ins Spiel zurück und fühlten sich mit jeder Balleroberung wieder etwas stärker. So kam es zum von Caiuby verursachten Elfmeter, den Tom Starke mit eindrucksvoller Parade hielt. Die Begeisterung, mit der seine Mitspieler ihm danach gratulierten, zeigte ebenfalls, wie motiviert die Mannschaft war.
In einer idealen Fußballwelt würde dieses Spiel gegen die SpVgg Greuther Fürth von den Zuschauern genommen, um sich trotz aller Enttäuschung mit dem MSV Duisburg verbunden zu fühlen. In dieser idealen Fußballwelt könnte der Verein mit ein wenig Abstand die Fehler vor allem der ersten Halbzeit noch einmal benennen. Es könnte überlegt werden, dass im mittelfristigen Trainingsplan auf jeden Fall Laufwege beim Konterspiel einen Platz finden müssten. Und schließlich könnte auf kurze Frist mit dem Vertrauen auf die verbesserte Stimmung im Umfeld an das Spiel in Augsburg gedacht werden – das ja als Auswärtsspiel vielleicht mal wieder mit einem Sieg enden könnte. Ich bin gespannt, welche Momente der idealen Fußballwelt ich in der Wirklichkeit vorfinde.






Hallo, ein schöner und analytischer Bericht. Leider hat diese Art von “Begeisterung” in Duisburg eine Tradition. Wahrscheinlich hätte die gleiche Leistung am Betzenberg oder am Millerntor zum Sieg geführt, weil der zwölfte Mann die eigene Mannschaft gepusht und den Gegner verunsichert hätte…..
Vielleicht sollte es für Duisbuger Fans vor der neuen Saison auch ein Trainingslager geben.
Viele Grüße
Micha (zwexx)
Danke, Micha. Manchmal frage ich mich tatsächlich, wo der Hebel anzusetzen ist, um diese Lust an der Unzufriedenheit aufzubrechen. Natürlich müsste von Seiten des Vereins mehr daran gearbeitet werden. Die Ansage von Bielefelds gegenwärtigem Geschäftsführer hat mir da sehr gefallen, sinngemäß: Verbundenheit wecken unabhängig vom Tabellenstand. Harte Arbeit!
Vor einiger Zeit habe ich an anderer Stelle mal sowas wie eine “MSV 2015″ Aktion vorgeschlagen. Was ich mir darunter vorstelle ist grob umrissen: Schulen mit einbinden, z.B. mit Freikarten Aktionen und Profis in den Sportunterricht, Sponsoren an ein gemeinsames Ziel binden, Kartenverlosungen, eine “ICH-BIN-DABEI” Aktion in der Kleinspenden für den Neuaufbau gesammelt werden, die Spender könnten an einer Wand im Stadion verewigt werden und/oder im Internet genannt werden. Es könnten Spielausschnitte aus “glorreichen Zeiten” in die MSV Seite eingebunden werden und und und….
Jedenfalls muss der Neuaufbau für alle sichtbar gemacht und mit Zielen verbunden werden – und die Fans sollte man daran teil haben lassen. Es gibt doch tausende Möglichkeiten endlich die Fans und den MSV zu einer Einheit zu verbinden und “Ich WÄR DABEI”
Viele Grüße
Micha
Manchmal ist sich erinnern einfach nur schön!
Und was das Projekt Zuschauerbindung angeht, mal sehen, was die Jahreshauptversammlung so mit sich bringt.