Es hat nicht geregnet, und ich habe keinen Tinitus, weil ich nicht in der Nähe von einem der Schwachköpfe stand, die meinten, Böller explodieren lassen zu müssen. So schlecht war also der Abend gestern im Niederrrheinstadion überhaupt nicht. Sicher, der MSV Duisburg erspielte sich bei Rot-Weiß Oberhausen nur ein torloses Unentschieden, und es war eines dieser torlosen Spiele, nach denen man jeden verstehen kann, der Fußball für eine der unattraktivsten Publikumsveranstaltungen der Welt hält. Aber es hat nicht geregnet, und außerdem hat die Mannschaft des MSV Duisburg sich dieses Unentschieden auf eine Weise erspielt, die dem 1. FC Energie Cottbus vor dem Pokalhalbfinale am nächsten Dienstag einige Rätsel aufgibt.
Betrachtet man mit den Augen von Claus-Dieter Wollitz die letzten Spiele des MSV Duisburg, so dürfte die taktische Ausrichtung seiner Mannschaft eigentlich keine Frage mehr sein. Diese Taktik müsste das genaue Gegenteil der sonstigen Cottbusser Spielweise bedeuten. Cottbus dürfte in der ersten halben Stunde des Spiels auf keinen Fall den Eindruck erwecken, die Mannschaft könne einen Angriff sicher vortragen und das Tor des MSV Duisburg in Gefahr bringen. In dieser Zeit wird der MSV Duisburg mehr oder weniger druckvoll versuchen, ein Tor zu erzielen. Erfolgreich werden sie in dieser Spielphase wahrscheinlich nicht sein. Um die 35. Minute herum wird die Mannschaft des MSV Duisburg einen ersten torgefährlichen Angriff zulassen. Selbst wenn in dem Moment der Ball nicht ins Tor geht, wird das Angriffspiel des MSV Duisburg danach erlahmen und immer ideenloser.
Wenn ich die Stimmen vom MSV Duisburg nach dem Spiel gegen Rot-Weiß Oberhausen im Reviersport lese, verstehe ich das mit Blick auf das Halbfinale des DFB-Pokals am nächsten Dienstag als ein Bemühen, die Stimmung in der Mannschaft nicht allzu sehr zu beeinträchtigen. Manchmal benötigen wir Scheuklappen, um anspruchsvolle Aufgaben zu erledigen. Ich hoffe nur, nachdem dieses Halbfinale gespielt ist, werden sportliche Leitung und Mannschaft sich noch einmal etwas gründlicher mit dem Spiel gegen Rot-Weiß Oberhausen beschäftigen und dabei auch wieder an das Spiel gegen den 1. FC Union Berlin denken.
Ein variable Spielkultur besitzt der MSV Duisburg im Moment allenfalls zu Beginn des Spiels. Schon im Verlauf der ersten Halbzeit beginnt sich die Mannschaft dann auf eine einzige Möglichkeit des Ballvortrags zu konzentrieren. Angriff um Angriff wird der Ball hoch nach vorne geschlagen, und während ich das schreibe, merke ich, was ich gestern gesehen habe, bräuchte ein anderes Wort als Angriff. Dieses Wort weckt den Eindruck von möglichem Erfolg. Doch nach der ersten Torchance von Rot-Weiß Oberhausen in der 35. Minute konnten wir uns mit dem Gefühl begnügen, ein Tor des MSV Duisburg fiele nur durch einen Zufall. Es mangelte an Spielideen. Druck auf die Abwehr von Rot-Weiß Oberhausen entstand nicht. Aber es hat wenigstens nicht geregnet, und die Verteidigung spielte so stabil wie in den meisten Spielen dieser Saison.
Die Leistung von Rot-Weiß Oberhausen blieb ebenfalls bescheiden, und man braucht schon eine rot-weiß gefärbte Vereinsbrille, um in so einem Spiel die Spielkontrolle einer Mannschaft zu erkennen. Verbuchen wir so eine Meinung unter Ruhrgebiets-Folklore. Ein Hoch auf die eigene Stadt, was sich auch in den Lokalsportredaktionen der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung zeigen darf. Neutral und die Wirklichkeit treffend liest sich die Berichterstattung im Kicker.
Noch gibt es keine Nachricht, wie schwer Julian Koch verletzt ist. Dass er im Spiel gegen den 1. FC Energie Cottbus nicht dabei sein wird, war selbst von der Kanal-Kurve aus an seiner Reaktion nach dem Zusammenprall mit dem Oberhausener Verteidiger sofort zu erkennen. Die Wucht seines Schussversuchs, der ungünstige Winkel, die Drehung des Körpers, das lässt schlechte Nachrichten erwarten. Für Dienstag gilt, es gab auch schon Siege ohne ihn. Wie lange er voraussichtlich fehlen wird, werden wir am Montag sicher erfahren. Nicht allzuviel länger wird es vermutlich dauern, bis wir wissen, welche Strafe der MSV Duisburg für die Pyro-Aktionen erhält. Da habe ich eine deutliche Meinung. Im besten Fall sind solche Aktionen wie das Abbrennen einzelner bengalischer Feuer Abenteuerspielchen auf Kosten des Vereins, im schlechteren Fall wie beim Böllerwerfen ist das zumindest der Versuch der Körperverletzung.






Gut, dass es Dienstag nicht regnen wird.
Wird aber doch ein hoffentlich zu vernachlässigender Grund zur Zufriedenheit sein.
…für julian, für duisburg, für eine bessere Welt! Wir holen den Pott! NUR DER MSV lg sp
Klingt wie Fürbitten, die mir auch immer mal wieder in den Kopf kommen. Und immer wieder auch dieses Bild des ausverkauften Stadions. ES WIRD GUT WERDEN!