Vor allem tut mir Fromlowitz leid

Da haben sich gestern Abend mehr Menschen als sonst, das Spiel im Netz angesehen. Ab der zweiten Halbzeit ruckelte das Bild doch sehr, und manchmal musste ich bange Sekunden überstehen. Dann fror die Spielsituation genau in dem Moment ein, wenn der FC St. Pauli sich mal wieder eine Großchance erarbeite und der Stürmer gerade abschloss. Hoffnungsvolle Momente mit eingefrorenen Bildern gab es leider für mich nicht. Das sagt schon alles über dieses Spiel des MSV Duisburg beim FC St. Pauli. In der passablen ersten Halbzeit lief das Bild durch. Da konnte ich noch zufrieden sein, zumal ich ja nichts erwartet hatte.

Sicher kann man wie Milan Sasic sagen, ein Unentschieden wäre verdient gewesen. Die Mannschaft hätte sich das Ergebnis aufgrund ihres Kampfes verdient. Man kann aber auch wie der Trainer des FC St. Pauli Andre Schubert sagen, der Sieg sei verdient. Denn die spielerische Überlegenheit gerade in der zweiten Halbzeit war zu offensichtlich, und diese Überlegenheit war nicht nur die Folge der gelb-roten Karte für Vasileios Pliatsikas. Der FC St. Pauli kombinierte von Beginn der zweiten Halbzeit besser. Die einzelnen Spieler hatten weniger technische Schwierigkeiten bei der Verarbeitung des Balles.

Wir müssen der Wahrheit ins Auge sehen. Das angestrebte Saisonziel, eine Platzierung unter den ersten sechs Mannschaften, ist weit entfernt. Diese Mannschaft des MSV Duisburg spielte nicht auf Augenhöhe mit dem FC St. Pauli. Diese Mannschaft wählte das Mittel aller Kleinen einer Liga, sie wollte sich das Unentschieden in einer Abwehrschlacht erkämpfen.

Am meisten tut mir die Niederlage für Florian Fromlowitz leid. Er hätte dieses Unentschieden alleine für seine spektakuläre Fußbabwehr per Flugeinlage auf der Linie eine Spielsituation vor dem Ausgleich vedient. Er hat das gesamte Spiel über eine großartige Leistung gezeigt. Beim Schuss zum Siegtor nach dem kontrolliert herausgespielten Angriff in der letzten Minute der Nachspielzeit (!) war nichts halten. Gar nichts. Dieses Tor, fast in der letzten Sekunde des Spiels, zeigt die Qualität einer Mannschaft, die oben mitspielen kann. Dieser Angriff wurde nicht hektisch vorgetragen. Da gab es das Vertrauen auf das eigene Können. Da gab es klare Strukturen beim Bewegungsablauf im Angriff. Davon ist der MSV Duisburg noch entfernt.

Ich hoffe natürlich weiter, dass diese Mannschaft im Verlauf der Saison so eine Struktur bei den Offensivbemühungen in Gänze auf dem Spielfeld zeigen kann. Gestern ließ sich von so einer Struktur bis in das Mittelfeld in der ersten Halbzeit zwar schon etwas ahnen, doch wenn der Ball dann nur zehn Meter weiter Richtung Tor getrieben wurde, war zu viel vom Zufall abhängig, zerfiel meist die Andeutung von Struktur wieder und der Angriff geriet mal mehr, mal weniger zerfahren. Die Ordnung in der Defensive war dieses Mal nicht so ganz das Problem.

Ich hatte dieses Tor des FC St. Pauli schon früher erwartet, und je länger der MSV Duisburg das Unentschieden hielt, desto größer wurde die Freude über diesen möglich werdenden Punktgewinn. Ich habe gestern Abend tatsächlich den Fehler gemacht, mich zu früh zu freuen. Um so größer war mein  Ärger, der sich heute morgen wieder in dieses leise Kitzeln der Sorgen verwandelt hat. Gegen Dynamo Dresden kann sich der MSV Duisburg nicht so weit zurück ziehen wie gegen den FC St. Pauli. Das wird der Gegner schon selber tun. Zwei Mannschaften in der jeweils eigenen Hälfte sich gegenüberstehend, das verspräche wirklich kein gutes Fußballspiel. Hoffen wir also, dass die gesehenen Ansätze zur Struktur in der Offensive weiter ausgebaut werden können. Allmählich sollte ein vollendetes Erfolgserlebnis für die Mannschaft und uns Zuschauer mal drin sein.

About these ads

11 Responses to “Vor allem tut mir Fromlowitz leid”


  1. 1 Jekylla 23. August 2011 um 08:06

    Fromlowitz tat mir auch leid. Sensationeller “Doppelblock”, er war überhaupt für mich der beste Mann des Spiels. Ansonsten kann ich Ihnen kaum bis nicht irgendwo widersprechen, die Baustellen in Ihrer Mannschaft kennen Sie selbst besser.

    Nicht schön fand ich die “Scheiss St. Pauli”-Chöre aus der Gästekurve, insbesondere, wenn das Gästelied gespielt wird, was viele für eine sehr gastfreundliche Geste halten, kommt das etwas unschön. Dachte auch nicht, dass wir mit Duisburg ein Problem haben, aber was weiß ich schon? Machte es mir natürlich leichter, den Gästemob mit einem gegrinsten Scheiß St. Pauli Richtung Duisburg zu verabschieden. Leider nur vor dem Fernseher. Wieso haben Sie eigentlich nicht Fernsehen geguckt, das war ruckelfrei?

  2. 2 Kees Jaratz 23. August 2011 um 08:46

    Was ist Fernsehen noch mal? Dieses old-fashioned-media? ;-)
    Quatsch, ich war zu faul, um in die Kneipe zu gehen, und zu Hause bin ich mangels Kabel und Schüssel sport1-frei, sky-frei sowieso. Manchmal eben ein Problem.
    Genauso wie Umgangsformen. Der in Duisburg gern gesungene Schmähgesang hat aber auch mit Identität zu tun, Anerkennung und all diesen ganzen Kram außerhalb des Fußballs. Großes Thema! Aber es gibt Gegenbewegung. :-)

    • 3 Jekylla 23. August 2011 um 09:12

      Dank Satellit hatte ich gestern ein 102-diagonales Bild. Hat was. Und wenn es schon Montagsspiele sein müssen, dann wenigstens das.

      Dieser Schmähgesang hat halt auch was mit Langeweile zu tun, das machen halt “alle”. Würde mir an dieser Stelle etwas mehr Kreativität wünschen :-)

      Die erste gelbe Karte für Ihren Griechen war wirklich überzogen, aber die gelb-rote dann halt zwangsläufig. Scheint mir ein wenig heißspornig zu sein. Südländisches Temperament. Herr Fromlowitz war beim Interview danach wirklich extremst enttäuscht. Er darf das.

  3. 4 Kees Jaratz 23. August 2011 um 10:03

    Nach der gelb-roten Karte im ersten Spiel gegen den KSC im Pack mit einer eingetretenen Glastür warb Sasic zu meinem Schrecken um Verständnis für den Griechen und die Scherben: Wegen dieser Mentalität sei Pliatsikas verpflichtet worden. Nun war leider, leider die erste gelbe Karte etwas ungerecht. Jetzt ist Gott sei Dank jemand anderer schuld. Wie leicht kann so ein Fußball-Griechen-Leben sein. Aber das ist ja nur eine kleinere Baustelle.

  4. 5 tina 23. August 2011 um 10:06

    Absolute Zustimmung, lieber Kees, der Wahnsinnskerl Fromlowitz konnte einem wirklich leid tun. Aber was machst Du denn für Sachen – freust Dich vor dem Abpfiff? Wenn unsere Zebras spielen? Ts, ts, ts! ;-)

    • 6 Kees Jaratz 23. August 2011 um 10:09

      Das muss mit dem eingefrorenen Bild zu tun gehabt haben. Die letzte Einwechslung. Wir in Ballbesitz und höchstens noch 30 Sekunden. Dann fror das Bild ein. Als nächstes habe ich den Pass auf halbrechts durch St. Pauli gesehen. Grrr…

  5. 7 Christian Moosbrugger 23. August 2011 um 16:37

    zu Pliatsikas: natürlich waren beide Karten ungerechtfertigt,
    auch das zweite war kein bisschen Gelb. Das erste war nix.
    Wenn schon Psychoanalyse not tut, kann man aus der sehr
    disziplinierten Reaktion des Spielers ableiten, wie sehr dem
    Milan Sasic doch gelingt, die Jungen zu entwickeln. Klar ist
    er dafür angeheuert, im defensiven Mittelfeld dazwischen zu
    gehen. Dafür war auch Jule letztes Jahr zuständig.

    Zu Fanfeindschaft: wer schon weinen muß, wenn er mal einen
    Schmähgesang zu hören kriegt, für den bleibt ausser Hoffenheim
    im Deutschen Profifussball momentan kaum was übrig. Vielleicht
    baut ihr euch aber am Millerntor eine eigene Schallkanone.
    Obwohl: als die Paulianer vorletzte Saison bei uns waren, habe
    ich sie eigentlich als von sympathischer Robustheit erlebt, und
    es waren Leute, die zwischen Schmähung und Krawall super
    unterscheiden konnten. Ich finde,”dissen” gehört dazu, es muß
    aber so sein, das man zur Not sogar noch ein Bier danach
    zusammen trinken könnte. Man meint ja den Gegner als etwas
    abstraktes, als den Gegner an sich, niemals die einzelne
    wirkliche Person. Aber zuviel “Political Correctness” ist da
    auch nicht das Gelbe vom Ei. Ist gut, wie es ist.

    Zur Augenhöhe: Selbst der Trainer von Pauli beurteilte den MSV
    als gleichwertig. Klar, das wir nicht einfach losstürmen würden. Als unser Defensiver runterflog, waren wir gerade
    dabei, in der zweiten Halbzeit wieder besser ins Spiel zu
    kommen. In der ersten waren wir die bessere Mannschaft.
    Pauli blieb da im Spiel, weil wir zweimal direkt hintereinander
    Aluminium trafen, oder sehe ich das falsch?
    Ich fand, wir waren super gestaffelt, und das Umschalten von
    Abwehr auf Angriff klappte dank eines überragenden (!)
    Mittelfeldes 1a. Pauli würde Gjasula und Sukalo im Doppelpack
    sofort blind kaufen, da würde ich einen Monatslohn für wetten.

    Was sich noch entwickeln muss: über die Flügel kommt nicht
    genug Druck, da wird sich zu oft festgerannt. Jula muss fit
    werden, und Shao gehört einfach länger auf das Spielfeld. Aber
    das sah auch alles schon viel besser aus als zu Anfang.
    Die Typen vom Fernsehen und von den Zeitungen können sich
    weiter ersatzweise für mich den Kopf zerbrechen hinsichtlich
    Tabellenplatz und Persektive. Keiner, der sich ernsthaft damit
    befasst, kann wirklich annehmen, das zu diesem frühen Datum
    schon irgendeine mittelfristige Aussage über Aufsteiger und
    Absteiger aus der Tabelle seriös abzuleiten wäre.
    Ich finde, man sollte nicht zu sehr die Not von Journalisten
    hinsichtlich von verbreitungsfähigen Nachrichten für bare
    Münze nehmen. In diesem Zusammenhang ist auch die Sache mit
    Neururer eine reine Luftnummer. Zwei Siege werden das Bild
    komplett drehen, und allerseits wird der MSV sofort wieder
    Aufstiegsaspirant sein und Sasic wird als Fussballgott wieder
    auf alle Throne gesetzt, ob er das mag oder nicht.

    Für den Fan muß anderes massgeblich sein. Ich habe am Montag
    ein Spiel auf sehr hohem fussballerischen Niveau gesehen, ich
    fand, unsere Truppe konnte auch Ausfälle und Schwächungen durch
    den Spielverlauf gut kompensieren und hat sich von abgekochten,
    aber nicht durchweg fair spielenden Gegnern nicht den Schneid
    abkaufen lassen.
    Ich freu mich schon richtig auf den Freitag. Das einzige, was
    einem echt die Stimmung drücken kann, ist so ein überforderter
    Schiedsrichter, der durch anhaltende Spielunterbrechungen die
    Leute dazu provoziert, andauernd beim geringsten Kontakt zu
    Boden zu gehen. Langsam muß man das vielleicht mal im großen
    Ganzen ein bisschen korrigieren, da das Spiel kaum noch mal
    mehr als gefühlt eine Minute am Stück läuft. Wenn es für ein
    Abwehrverhalten wie dem von Pliatsikas schon Karten gibt, dann
    kann man gleich eine Massgabe, “Körperlos” wie beim Basketball
    zu spielen, einführen.
    Ich fand, dem Schiedsrichter konnte man auch anmerken, das er
    Schiss vor dem ausverkauften Stadion hatte. Deshalb hat er sich
    nicht getraut, rechtzeitig abzupfeifen. Menschlich verständlich
    aber trotzdem Bockmist.

    Zu den Baustellen: so denken sie für mein Empfinden intern dort
    gar nicht, weil es nach Flickwerk und Strassenausbesserung
    klingt. Es ist auch nicht angemessen, die Mannschaft so zu
    beschreiben. Im Vergleich der Einzelspieler ergibt sich nicht,
    das der MSV zu den Kleinen gehört. Ich habe auch keine
    Abwehrschlacht gesehen, sondern, das zu einem guten Teil des
    Spielverlaufes sehr ballsicher aus der Defensive heraus nach
    vorne kombiniert wurde über ein bärenstarkes Mittelfeld. Vorn
    waren sie leider nicht alle hundert Pro fit. Ich sehe keine
    Baustellen. Ich finde sogar bemerkenswert, wie gut das schon
    klappt mit der Rotation.

    Ne, ich habe auch noch mal alles für mich reflektiert. Ich habe
    keine rosa Brille auf. Was mich stört, und weshalb ich auch
    nur so viel dazu schreibe, ist eher eine doch bemerkenswerte
    Bereitschaft vieler Anhänger der Zebras, die anderen besser und
    uns selbst schlechter zu bewerten. Gerade jetzt im Moment, wo
    es schwierig ist, müssen wir dem Team für mein Empfinden ohne
    Vorbehalte den Rücken stärken.

    • 8 Kees Jaratz 24. August 2011 um 06:22

      Einmal mehr, lieber Christian, Dank für die ausführlichen Worte, die die andere Perspektive aus ähnlichen Beobachtungen genau nachvollziehbar macht. Ich denke, du legst andere Schwerpunkte bei deiner Wertung und kommst deshalb zur positiveren Wertung, obwohl wir ähnliche Dinge wahrnehmen. Was ich als zerfaserte Angriffe erlebe, siehst du als mangelnden Druck über die Flügel und hebst aber die bis dahin funktionierende Spielweise im Mittelfeld hervor, die ich zwar auch gesehen habe, die ich aber nur als schon vorhandene Leistungssteigerung im allgemeinen in der ersten Halbzeit als passabel vereinnahmt habe.
      Punkto Pliatsikas hast du vielleicht recht, gegenüber dem Spiel gegen den KSC ging er ja beherrscht vom Feld. Abwarten.
      Und was die Mecker-Seite des MSV-Publikums angeht, da bin ich nicht zu finden, auch wenn ich die Leistungen der Mannschaft in dieser Saison bislang kritisch sehe, und ich die Sorge habe, Milan Sasic verfällt in alte Fehler. Ich bin eigentlich immer Seiten der Menschen in diesem Verein, solange sie einem von mir vorausgesetzten Berufsethos folgen und die sportliche Leitung mir ihre Entscheidungen plausibel macht. Erfolg übertüncht natürlich alles, da bin ich opportunistisch. ;-)

  6. 9 Christian Moosbrugger 24. August 2011 um 17:01

    Man muß natürlich auch bewerten, inwieweit einen ein vergangener Erfolg,
    so wie der Lauf, den wir gegen alle Erwartungen zuletzt im Pokal hatten,
    unangemessen Erfolgsverwöhnt macht. Ich merke bei mir schon, das ich
    eigentlich sowieso auf den vorderen Tabellenteil gucke. Ich hoffe auch,
    das wir nicht zuviel liegen lassen, um dann in der Rückrunde irgendwo
    im Mittelfeld umherzudümpeln. Das wir im Abstiegskampf enden, kann
    ich mir aber nicht vorstellen, dazu erscheint mit die Truppe doch zu stark.
    Wenn du dem Sasic nicht richtig traust: Ivo Grlic und Tobias Willi gibt es
    bei den Zebras ja auch noch. Jetzt war zu lesen, es soll vielleicht Rob
    Friend als Knipser kommen. Glaube, das wäre das, was noch zu tun ist,
    insofern Jula und Baljak weiterhin nicht oder nur teilweise dabei sind.

    • 10 Kees Jaratz 24. August 2011 um 21:44

      Abstiegskampf sehe ich auch nicht. Bielefelds Los ist weit weg. Als ersten Beweis dafür am Freitag: 4:1! Wobei mir noch nicht klar ist, ob Bajic alle Tor machen muss. ;-)


  1. 1 Ein Zebra in der Achterbahn Trackback zu 23. August 2011 um 10:43

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ photo

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s




Kees Jaratz im Buchhandel

Die Seite zum Buch

Die Seite zum Buch

Hier geht es zum Fangedächtnis

Kees Jaratz bei Twitter

Bloglisten


Folgen

Erhalte jeden neuen Beitrag in deinen Posteingang.

Schließe dich 412 Followern an

%d Bloggern gefällt das: