Veilchendienstag, Rosenmontag, Tulpensonntag, Nelkensamstag. Und der Freitag? Dieser bedauerliche Tag zwischen Weiberfastnacht und dem blumigen Rest hat keinen besonderen Namen. Was soll so ein Freitag denn nun nur machen? Erst wusste er nicht so recht, ob er fürs Karnevalfeiern geeignet ist, dann strengt er sich seit einiger Zeit an, um zu den tollen Tagen dazu zu gehören und gibt seine Zeit, damit die Menschen in Kneipen feiern können. Den besonderen Namen als Lohn bekommt er aber nicht.
Da geht es dem Freitag nicht anders als dem MSV Duisburg in der Zweiten Liga am selben Tag. Die Mannschaft des MSV wusste im Spiel gegen den FC St. Pauli erst einmal auch nicht so recht, was sie machen sollte. Eine Halbzeit lang wurde da hin und her überlegt, während das Spiel schon lief und die Spieler ja irgendwie auch dabei sein mussten. So bemühten sich die Spieler mit der Geschwindigkeit der Mannschaft aus Hamburg Schritt zu halten, auch wenn sie den Eindruck machten, als hätten sie gehörigen Respekt vor dieser Geschwindigkeit des gegnerischen Umschaltens zwischen Verteidigung und Angriff.
Dabei hätten sie mit ein wenig Ruhe erkennen können, gerade die eigene Langsamkeit in den Versuchen den Ball nach vorne zu bringen, erleichterte diese Geschwindigkeit. Sie hätten vielleicht auch noch gesehen, viel mehr als diese Geschwindigkeit war da nicht. Am Ende war der FC St. Pauli für sich selbst zu schnell in seinen Angriffsbemühungen. Vor dem Tor des MSV Duisburg liefen sie nämlich alle ganz schnell am Ball vorbei. Da brauchte es schon mehr Ruhe im Spiel des FC St. Pauli, um das eine entscheidende Tor zu erzielen. Der FC St. Pauli nutzte die absolute Bewegungslosigkeit eines ruhenden Balles zur gezielten Flanke in den Strafraum. In dieser ersten Halbzeit konnten wir also nicht einen Moment auf Gegenwehr und Ausgleich hoffen. Einmal mehr sah das Bemühen der Mannschaft hilflos aus.
Das Publikum zeigte sich in Teilen aber ebenso hilflos wie die Mannschaft in dieser ersten Halbzeit. Halbherzig machte sich da die Verzweifelung über das erfolglose Spiel im “Wir wollen euch kämpfen sehen” Luft. Das wurde mehrmals angestimmt, ohne große Resonanz, aber für Momente halblbaut genug. Dieses “Wir wollen euch kämpfen sehen” war der Emil-Jula-Sprint des Fangesangs, die Daniel-Brosinski-Flanke und die Bajic-oder-Soares-Spieleröffnung, allesamt bemühten sie sich, und die Erfolglosigkeit dieser Bemühungen war voraussehbar.
Mangelnden Einsatz kann man den Spielern vom MSV Duisburg wirklich nicht vorwerfen. Sie kämpfen, sie versuchen sich einzusetzen. Das Problem der ersten Halbzeit war nur, dass sie nicht so recht wussten, wie sehr sie ihren spielerischen Möglichkeiten vertrauen konnten. Das Problem der zweiten Halbzeit dagegen war erneut der harmlose Sturm. In dieser zweiten Halbzeit kam das Spiel der Mannschaft endlich ins Laufen. Endlich zeigte auch der MSV schnellere Spielzüge, endlich bewegte sich die Mannschaft nicht nur auf geraden Bahnen in der gegnerischen Hälfte. Es wurde gekreuzt, auch auf kurzen Strecken steil gegangen und der aufgenommene lange Ball wurde per Doppelpass verwertet. Der Abschluss war einmal mehr nicht vorhanden. In so einem Spiel fällt ein Ausgleich dann mehr zufällig. Ich bleibe dabei, es gibt keine Wahrscheinlichkeit der Voraussage, wie diese Mannschaft spielt. Alles ist möglich.
Entscheidende Positionen im Spiel besetzen Spieler, die sich ihrer Fähigkeiten zu unsicher sind. Sie brauchen den Lauf des Spiels. Baut der sich auf, wird alles gut. Gibt es den nicht, lastet die Gefahr der Niederlage immer schwerer auf deren Schultern. Es ist mehr als ein billiger Scherz, sich Gedanken über die Frisur von Daniel Brosinski zu machen. Das hat sehr viel mit der Psyche eines Menschen zu tun. Wir kennen die Geschichten von der anderen Frisur, mit der Menschen Wendepunkte ihres Lebens äußerlich unterstreichen. Ohne Haare war Daniel Brosinski ein selbstsicherer Fußballspieler. Das ist nur ein Hinweis, was alles zu den instabilen Leistungen dieser Mannschaft beiträgt.
Die Gefahr erkennen, ohne zu erstarren. Darum wird es für diese Mannschaft in den nächsten Spielen gehen. Deshalb lohnt die Unbeschwertheit der Gegenwart, wie sie die Karnevalsgröße Jupp Schmitz mit kölscher Jelassenheit und ebensolchem Zungenschlag empfahl. Schließlich steht der MSV Duisburg zwei Punkte vor einem Abstiegsplatz: “Wer weiß, was morgen noch alles uns blüht? Wer weiß, wie lange das Lämpschen (!) noch glüht? Komm lass die Sorgen, was immer auch geschieht. Denn wer weiß, was morgen noch alles uns blüht?” Man weiß es eben nicht. Der Abstieg muss nicht dabei sein.






Ich habe das Spiel noch nicht gesehen, weder live noch im Stream, aber schon mal danke für die Zusammenfassung aus Zebra-Sicht.
Ich hörte, es sei kein tolles Spiel gewesen (auch aus st.paulianischer Sicht), aber letztendlich zählen ja die Punkte und nicht die B-Note.
Für uns war es somit der Punktefreitag.
Der MSV kann im Moment nicht viel mehr, und Pauli am Freitag auch nicht. Aber ihr wart verdammt schnell. Bei Ballverlust war der verteidigende Spieler oft sogar schneller als der Pass des MSV. Wobei ich nicht genau weiß, ob das gegen den MSV oder für Pauli spricht.
Mit der Schnelligkeit ist es wie mit dem Ballbesitz: sieht super aus, ist allein aber nicht zielführend. Weiss genau, was Sie meinen. Wahrscheinlich sogar, wen.
Ich konnte das Spiel selber auch nicht sehen, aber die Zusammenfassung ist hier wirklich super präsentiert wurden. Der Schreibstil ist immer wieder lesenswert.
Danke für den Spielbericht.
Grüße
das ist das vernünftigste, das ich in diesen grauen wochen zum MSV gelesen habe.
“Ich bleibe dabei, es gibt keine Wahrscheinlichkeit der Voraussage, wie diese Mannschaft spielt. Alles ist möglich” ist der entscheidende punkt.
das damit einhergehende dilemma: dann können wir jetzt alles ändern, oder alles so lassen. beides lässt sich begründen. und es scheint mir als ginge es Reck, Schubert, Grlic ebenso.
und ich hatte in der pause auf eine zwar hoffnungslose, aber auch angstfreie rückrunde gehofft.
verfluchte, verfluchte angst!
Du sagst es, eigentlich, so dachte ich, plätschert die Saison aus und währenddessen wird schon von Vereinsseite an die kommende Spielzeit gedacht. Die Verpflichtung von Brandby zeigt, dass letzteres auch passiert. Fehlt der erste Teil der Geschichte. Nach zwei, drei Tagen bin ich dann immer erst mal wieder zuversichtlich.