Archiv der Kategorie 'Der literarische Fußball'

Nach dem DFB-Pokalendspiel 1998 – Ein Roman

Die Standardfrage einer Freundin ist seit einem Jahr, und, was macht der Roman? Damals hatte ich die Idee für eine Geschichte, die ich seit Jahren mit mir herumtrage. Endlich hatte ich die mögliche Form für meinen Inhalt gefunden. Sie weiß von der Bedeutung für mich und deshalb fragt sie.

Und ich sage seitdem immer, ich komme nicht dazu. Immer wieder müssen stattdessen neue Ideen fürs Geldverdienen her. Ich erzähle von Exposés, von Textproben, von unbefriedigenden Antworten auf Anschreiben, von geglückten Telefonaten, von der ganzen Palette der Akquise. Sie hört mir dann längere Zeit zu und irgendwann kommt seit einigen Wochen jeweils die Bemerkung, du vergeudest deine Energie, sieh zu, dass du anfängst. Du hast eine gute Geschichte, und du findest mit Sicherheit ein Publikum, das sich für diese Geschichte interessiert. Die Freundin klingt dann immer sehr überzeugend, und für Momente denke ich dann, das wird irgendwie zusammen gehen, diese Geldprojekte und diese Herzensangelegenheit.

Nun hält zum ersten Mal dieser Gedanke länger als einen Abend an. Alles braucht seine Zeit, und ich aber auch eine Art Verpflichtung, die mehr ist als mein eigener Wunsch, diese Idee zu einer berührenden Geschichte auszugestalten. Gerade weil dieser Roman so eine Herzensangelegenheit für mich ist, weiß ich schon im Vorhinein, wie anstrengend dieses Schreiben wird, wie lange es wahrscheinlich dauert und wieviel Ausdauer und Disziplin für dieses Erzählen nötig sein wird.

Vielleicht hilft es mir, dieses Schreiben mit einer Art Werkstattbericht hier zu begleiten. Mir ist noch nicht klar, wie so etwas aussehen wird, wieviel ich von dem Unfertigen und Unausgegorenen schon verrate. All das wird sich zeigen. Was ich aber sicher weiß, dass Durststrecken mit dieser Art Öffentlichkeit einfacher zu überwinden sind. Wir werden sehen. Von nun an gibt es jeden Freitag einen Werkstattbericht über diesen Roman.  So viel vorab, ich werde über eine Familie schreiben, deren Leben vom DFB-Pokalendspiel des Jahres 1998 bis in die Gegenwart bestimmt wird. Es wird hoffentlich in großen Teilen komisch, und natürlich besitzt das Ganze, wie wir Kenner der MSV-Geschichte wissen, den tragischen Kern der Niederlage, die sich in der Familiengeschichte spiegelt. Ich will es wegen der Bedeutung für Spiel und Roman nicht unerwähnt lassen: Eine Niederlage, die durch ein zu gering bestraftes Foul gegen Bachirou Salou ihren Anfang nahm.

Wollen wir doch mal sehen, ob das nicht tatsächlich für mich zusammen machbar ist, die Geld-Projekte und dieser Roman. Und wollen wir mal sehen, ob sich letzterer auf mittlere Frist nicht zu ersterem verwandelt. Das ist vielleicht etwas realistischer als der alternative Vorschlag der Freundin, den sie in einem Feng-Shui Buch gefunden hat. Man solle auf der Fensterbank eines im Westen gelegenen Fensters roten Stoff auslegen und dort Münzen drapieren. Das steigere die Einkünfte eines Haushalts. Andererseits … Ob auch ein rotes T-Shirt geht? Nur fürs erste, bis ich dazu komme, mal einen Meter feines Tuch zu kaufen.

Meidericher Kanon des literarischen Fußballs – 2. Richard Hoyt

Als 1994 die Fußballweltmeisterschaft in den USA stattfand, sollte damit auch ein Markt erschlossen werden. Diese immense Sportbegeisterung der Amerikaner für Baseball, Football, Basketball oder Eishockey musste doch irgendwie auch auf für jenen Sport zu entfachen sein, für den in der Rest der Welt sich die meisten Menschen interessierten und Geld ausgaben. Der Fußball begegnete also damals einem Land, in dem kaum einer wusste, was die Attraktivität dieses in Europa verwurzelten Spiels ausmachte.

So zeichnete sich in der Zeit vor der WM für vorausschauende Menschen eins ab, je näher das Großereignis rückte, desto größer würde das Bedürfnis nach Erklärung. Denn eins war zu vermuten, mit dem ersten Anpfiff würde der Patriotismus der Amerikaner schon für die nötige Aufmerksamkeit im Land selbst sorgen. Diesem vermuteten Bedürfnis nach Erklärung ist wahrscheinlich auch “Spielen und Töten”, der rasante und witzige Kriminalroman des Amerikaners Richard Hoyt geschuldet. Er machte das sportliche Großereignis Fußballweltmeisterschaft in den USA zum attraktiven Aktionsfeld für einen Attentäter und gab gleichzeitig seinen Landsleuten eine kleine Einführung in den fremden Sport.

Von den Attentaten betroffen ist zunächst die deutsche Nationalmannschaft, deren Stürmer Peter Tarchaiskl und Willi Gochnauer nach dem Spiel gegen Südkorea erschossen werden. Der Racheplan eines fanatischen Argentiniers? Schließlich hatte Bundestrainer Jens Steiner eine rote und zwei gelbe Karten im Vorfeld als Warnung erhalten. Jene Kartenkombination, die den Argentiniern im WM-Endspiel 1990 gegen die Deutschen vom Schiedsrichter gezeigt wurde.

“Spielen und Töten” hat Tempo, erinnert an bedeutende Momente der Fußballgeschichte und überrascht mit witzigen Handlungsideen und skurrilen Figuren, allen voran der Attentäter als regelmäßiger Teilnehmer eines Sportquiz per interaktivem TV. Zudem herrscht an Prominenten kein Mangel. Henry Kissinger und Prinz Charles haben Gastauftritte.

Ein Roman wie “Spielen und Töten” lebt nicht vom Realismus einer Ermittlung. Die Aufklärung der Verbrechen geschieht zufällig und das Ende mit den nur wenig gebrochenen Klischees des Agententhrillers á la James Bond ist sicher nicht jedermanns Geschmack. Doch um realistische Polizeiarbeit geht es Richard Hoyt auch nicht. Er will eine witzige Geschichte  erzählen, Szenen voller Komik erfinden und Fußballspieler und -offizielle karikieren. Und wenn manche Fußballszene mit ethnologisch anmutendem Blick geschrieben ist, weiß man, hier wird den amerikanischen Erstlesern Soccer erklärt.

Als ich den Roman seinerzeit besprochen habe, stand für mich fest, “Spielen und Töten” gehört in die Handbibliothek von Fußball- und Krimifans. Heute ist der Roman nur noch antiquarisch zu erhalten. Das Lesen lohnt sich aber noch immer.

Richard Hoyt: Spielen und Töten. Deutsch von Ulrich Wünsch. Rowohlt Verlag 1994. 282 Seiten.

Meidericher Kanon des literarischen Fußballs – 1. Sammy Drechsel

Einen indirekten Vergleich möchte ich an den Anfang stellen. Einen Vergleich, damit die mögliche Bedeutung einer erfundenen Geschichte für ein Leben sofort verständlich wird. Mancher mag diesen Vergleich unpassend finden. Das Risiko muss ich eingehen. Ich weiß nämlich, wo ich war, als die Mauer fiel. Ich weiß, wo ich war, als der Terror das World Trade Center zum Einsturz brachte, und ich weiß auch, wo ich war, als ich vom Tod Sammy Drechsels hörte.

Damals, am 19. Januar 1986, dieses Datum allerdings musste ich nachschlagen, damals also, lief im Schlafzimmer meiner ersten Kölner Wohnung das Radio, während ich irgendwas wegräumte. Es war Nachrichtenzeit, doch den Sprecher hörte ich erst bewusst, als seine Stimme jenen etwas getrageneren Ton annahm, der eine Todesnachricht erwarten lässt. Mit dieser Nachricht überstürzte mich eine Traurigkeit, deren Grund ich wusste, die mich in ihrer emotionalen Wucht aber überraschte.

Sammy Drechsel, Leiter und Regisseur der Münchner Lach- und Schießgesellschaft, war im Alter von 60 Jahren gestorben. Überrascht war ich, weil Sammy Drechsel in meinem Alltag schon Jahre nicht mehr präsent war. Weder als Jugendlicher geschweige denn als Student beschäftigte ich mich mit jenem politischen Kabarett, von dem ich meinte, dass sich dort die Generation meiner Eltern heimisch fühlte. Ich verstand aber, warum mich diese Traurigkeit überfiel. Ich trauerte um den Kinderbuchautor Sammy Drechsel, der mir auf eine Weise nahe gekommen war, wie kein anderer Autor der von mir gelesenen Bücher.  Ich trauerte um Sammy Drechsel als meinen Freund aus Kindertagen Heini Kamke im Fußballroman “Elf Freunde müßt ihr sein … “.

Dieses Buch war für eine lange Zeit ein Teil meiner Heimat. Offensichtlich hatte diese Heimat in mir überdauert und inzwischen weiß ich längst, dass etwas davon bis heute in mir lebendig ist. Unzählige Male hatte ich diesen Kinderroman gelesen, um schließlich nur noch zu den  emotionalsten Stellen von vermeintlich dauerhafter Niederlage und dem dann doch folgenden Triumph Heini Kamkes und seiner Mannschaft als mein Best-of zu blättern.

Die Nähe ergab sich nicht allein aus meiner intensiven Lektüre. Ich muss es mitbekommen haben, dass dieser Kinderroman autobiografisch gefärbt war. Sammy Drechsel hieß mit bürgerlichem Namen Karl-Heinz Kamke und die Geschichte, die er in “Elf Freunde müsst ihr sein …” erzählte, gleicht in groben Zügen seiner eigenen Geschichte. Heini Kamke ist Schüler der “2. Klasse in der 5. Volksschule Berlin-Wilmersdorf” und damit etwa 13 oder 14 Jahre alt. Ich müsste das Buch ganz nachlesen, ob das Alter irgendwo genannt wird. Zum Alter muss man nämlich wissen, in den 30er Jahren, als die Geschichte spielt, wird die Zählung der Schuljahre in zur heutigen Zeit umgekehrten Reihenfolge als Bezeichnung der Klassen genommen. In die 2. Klasse gehen demnach die Schüler ein Jahr vor ihrem Schulabschluss. Natürlich ist deshalb der Unterricht für die Jungen wichtig, doch wichtiger ist der Fußball.

Was in heutiger Bildungsdiskussion immer wieder zum Thema wird, nämlich die notwendige Offenheit des pädagogischen Konzepts für Alltag und Neigungen der Schüler, war damals anscheinend Schulprogramm an der 5. Volksschule – zumindest in der erfundenen Geschichte. So werden, als die Lehrer die Bedeutung des Fußballs für ihre Schüler erkennen, im Mathematikunterricht etwa bei Lehrer Peters Tabellen zur Berliner Fußballmeisterschaft berechnet, und im Deutschunterricht dient die Möglichkeit, Fußball zu spielen, als zusätzliche Motivation. Denn die Klassenmannschaft will nach der Versetzung an der Fußballmeisterschaft der Berliner Schulen teilnehmen. Den wenig interessierten Direktor kann der Deutschlehrer aber nur mit den guten Leistungen der Fußballspieler überzeugen.

Natürlich gibt es auf dem Weg zu dieser Meisterschaft allerlei Rückschläge. Ein wichtiges Spiel wird verloren, ein sehr guter Spieler verletzt sich schwer, Trikots müssen trotz fehlenden Geldes erworben werden oder Eltern nehmen die Hoffnungen der Fußballer nicht ernst. Doch immer gibt es einen Ausweg, den die Jugendlichen entweder aus eigener Initiative oder mit Hilfe eines Erwachsenen finden.

“Elf Freunde müsst ihr sein …” besticht durch die perfekte Dramaturgie. Da gibt es das große zu erreichende Ziel, die Meisterschaft, da sind die zu überwindenden Schwierigkeiten der mittleren Strecke, wie etwa das Geld für die Trikots zu sammeln, und immer wieder erzählt Sammy Drechsel auch kleine Szenen, die als Miniaturen für sich genommen schon spannend sind. Deshalb besitzt der Roman eine Dynamik und Spannung, die sich mit jeder heute geschriebenen Literatur messen kann.

Doch Sammy Drechsel baut nicht nur auf die handwerkliche Perfektion seines Schreibens. Lebendig wird sein Roman durch die Psychologie seiner Figuren. Sowohl Heini Kamke als Hauptfigur und Individuum vollzieht eine Entwicklung als auch die Fußball spielenden Schüler als soziale Gruppe. Rückschläge müssen eingesteckt werden. Hochnäsigen Gegnern wird eine Niederlage beigebracht. Die Aussöhnung mit gegnerischen Spielern findet statt. Vertrauen zu Erwachsenen muss entwickelt werden. Die nun haben Verständnis und sind da, wenn die Not am größten ist.

Sammy Drechsel gestaltet Beispiele von gelungenen zwischenmenschlichen Beziehungen, doch ideal sind die Verhältnisse nicht. Der Roman spielt in Zeiten wirtschaftlicher Not. Die Menschen sind arm, Kinder wachsen als Halbwaisen auf und dennoch vermittelt das Buch unaufdringlich Optimismus. Denn Sammy Drechsel geht es nicht zuerst um eine Botschaft, ihm geht es um eine gute Geschichte und dass diese gelungene Geschichte nebenbei Werte tradiert, mag ein Anlass gewesen sein, diese gute Geschichte zu schreiben.

Nicht zuletzt macht er das Fußballspiel selbst zum Teil der Handlung. Entscheidende Teile des Romans lesen sich wie Spielberichte in Sportzeitungen. Natürlich ist die geschilderte Wirklichkeit von der heutigen weit entfernt. Doch es zeichnet “Elf Freund müsst ihr sein …” als Klassiker aus, dass auch heute noch Kinder vor dem Hintergrund eigener Erfahrungen das Buch als interessant erleben. Der Roman hat auch meinem Sohn gefallen, weil auf eine überzeitliche Weise Fragen und Schwierigkeiten einer Kindheit thematisiert werden. Es gehörte zu jenen Büchern, in denen mein Sohn vom Abbild des Menschlichen und nicht allein von Exotik oder Spannung gepackt wurde.

Als ich begann, mir  Gedanken zu machen, welche Werke im “Meidericher Kanon des literarischen Fußballs” auf keinen Fall fehlen dürfen, waren meine Überlegungen hellgrün eingefärbt. Darüber brauchte ich nicht weiter nachzudenken, “Elf Freunde müsst ihr sein …” mit dem stilisierten Rasen in hellem Grün auf dem Schutzumschlag, der Mannschaft in blauen Trikots und dem roten Balken an dessen unterem Ende müsste ganz am Anfang dieses Kanons stehen. Denn ich wusste,  “Elf Freunde müsst ihr sein …” könnte zu einem Maßstab werden für alle noch kommende Literatur.  Das sollte deutlich geworden sein: Die Latte liegt hoch.

Der gedeutete Fan

Der Fan weiß alles, er ist kein Trottel. In seinem Innersten weiß er um die realen Chancen, er sieht lediglich von ihnen ab. Als Fan zu leben bedeutet, ein poetisches Dasein zu führen.

Péter Esterházy, Deutschlandreise im Strafraum, 2006

Literaturwissenschaft über Fußball-Belletristik – ein Lesehinweis

Nach und nach soll ja hier ein kleines Archiv zur literarischen Auseinandersetzung mit dem Fußball entstehen. So surfe ich durchs Netz, schaue mich um und entdecke die ein oder andere zurückliegende Veröffentlichung zum Thema.  Die Wochen vor Weltmeisterschaften sind ertragreiche Zeiten für Kulturschaffende, die den Fußball im Blick haben. So fand ich den literaturwissenschaftlichen Vortrag von Yvette Sánchez, “Elf Spieler suchen einen Autor”, der am 18. Mai 2006 im Rahmen des Themenschwerpunktes Fußball am Ibero-Amerikanischen Institut, Berlin, gehalten und im Anschluss  gedruckt wurde. Sánchez beschäftigt sich vor allem mit spanischsprachiger Belletristik über Fußball und stellt dabei mit Verweisen auf andere Kulturwissenschaftler Thesen zum literarischen Schreiben über Fußball auf. Der Vortrag ist interessant, allerdings auch sehr wissenschaftlich ausgerichtet. Das ist nichts für nebenher. Die in einem wissenschaftlichen Text nicht fehlende Literaturliste aber lässt sich auch als Leseempfehlung nutzen.

Mit wem hälsse beim Fußball?

Während die Mannschaften im Trainingslager sind, bin ich mal eben im Archiv gewesen und habe zur Überbrückung der Winterpause eine vor langer Zeit geschriebene Glosse hervorgeholt. Die muss Anfang der 90er Jahre entstanden sein, als ich von Köln aus, nicht ganz sicher, ob im Einklang mit der Entwicklung im Ruhrgebiet selbst, mein Regionalbewusstsein für das Ruhrgebiet ausbildete und ich mitsamt meiner Generation zudem  manchen Unterhaltungskünstler wieder hervorholte, der die Kindertage begleitet hatte und von den  Eltern gern gesehen wurde. Wie man leicht feststellen wird, kam auch ich damals an Jürgen von Manger und Wilhelm Herbert Koch mit seinen Kumpel-Anton-Kolumnen nicht vorbei.  Mir schwebte vor, meine Kolumne könne der Auftakt einer langen Serie in der damals noch nicht so lang bestehenden “RevierSport” werden. Dort sah man das dann anders, und so blieb es bei einer Folge meiner Serie. Heute denke ich manchmal, ich kam mit meinem Vorschlag einfach nur zu früh. Außerdem ist es in diesem Zusammenhang noch wichtig zu erwähnen, dass ich den MSV, der in der Bundesliga oben mitspielt, später, zu Funkel-Zeiten, in den Text eingearbeitet habe. Das muss um 1997 gewesen sein. Danach habe ich den Text den jeweiligen Saisonverläufen nicht mehr angepasst, so dass er, wenn ich ihn auch nicht verkauft bekam, mich doch von da an zumindest an die guten Zeiten als Fan des Vereins aller Vereine erinnert.

Mit wem hälsse beim Fußball?

“Kumma Enno”, meinte Groschek, und ich wusste jezz kam widda wat. Und wattan kam, war dat: “Weisse eintlich imma mit weme beim Fußball häls?”
“Wat fürne Frage!”, sach ich. “Aufen Emmess lass  ich nix kommen. Wieso? Hasse Probleme?”
“Enno, dat kanns auch nur du Treudoofen glauhm, dat dat allet so einfach is. Einen der nur en bisken üb­ban Rand von seine Tellers kucken tut, der kommt beide Fa­teilung vonne Sümpatien ganz schön innet Schwitzen. Kuck dich doch ma son Spieltach an. Klaa, da iss dein Faein, deme, egal wat kommen tut, die Daumen drücken tus. Abba wat iss mitti annern Spiele? Wat iss etwa wenn Kaalsruh in Frank­furt spielt? Kannse dich sagen, kein Problem. Wills nich, datt Frankfurt Meista wird, müssense also faliern. Dann iss Le­vakusen gans dran, die Schwatzgelben, der Emmes natülich sowieso, eintlich alle – wennse jeweils selbs die Punkte holen tun. Gleichzeitig iss Kaalsruh abba auch noch imma unten drin. Un wenn kein Westfaein absteigen soll, müssense da auch bleihm – dürfense eintlich also ganich gewinnen.
Watt machse? Nimmsen übanäxten Spieltach dich voa. Wen­net dann da so iss, dat der Ka-Es-Ze die Punkte widda faliern könnt, ist dat vielleicht nichso schlimm, wennse diesmal ge­winnen täten. Da musse dann fürne Woche eem hinnehmen, dat Gladbach odda Bochum widda auf son Apstixplatz sint. Iss schließlich noch wat hin bissum Ende vonne Säsong.
Bei dat Gucken siesse abba auch, dat Dortmund dann gegen Bochum spielt, un da isset noch lange nich sicha, opte Fau-Ef-El gewinnen tut. Und wenn, iss ja Dortmund auch widda oom wech vom Fenster. Frachse dich dann natürlich, isset nicht doch bessa, wenne die Kaalsrua sich orntlich widda reinreiten lässt in dat Apstixgewühl?
Da nimmse dich ersma widda den näxten Spieltach vor un denks, wieet wär, wennde Frankfurta gewinnen täten. Dabei hasse abba imma weita auchen übanäxten Spieltach innen Kopp. Unso übalexe hinunhea bis datte irgendwann sachs, so isset am besten. Un wat fürn Hääzblut ich da schon fagossen hab, wenn ich einen von unsern Faeine nich ma mea en Unen­schieden zuschustern konnte. Na ja, jedenfalls machse dat nich nur bei dat eine Spiel. Dat machse ja bei allen un zwar jeden Spieltach neu. Sint ja imma neue Bedingungen, unta denene sagen muss, wat Sache iss.
Siesse jezz, wat dat schwierich iss, imma zu sagen, mit weme häls? Dat Schlimmste abba iss, dat dat am Ende allet wah­scheinlich übahaupt nix nutzt. Denn wegen sonne wie dich, die nich fürn Fennich übalegen, wemse fürn Sieg dat Glück gönnen, wird Frankfurt doch noch Meista un minstens zwei Westvaeine steigen ab. Datt glaup mich ma.”


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