Archiv der Kategorie 'MSV Duisburg'

Versprechen sind so schöne Worte

Fans werden zufrieden nach Hause gehen, das versprach Milan Sasic, aber das wird schwerer zu verwirklichen sein, als er sich das vermutlich vorgestellt hat. Vielleicht hat er bei seinem Versprechen jene Fans im Kopf gehabt, die ihren Ärger über die Spielweise des Vereins aller Vereine mit dem Klassiker, „Wir wollen euch kämpfen sehen“, herausschreien. Das gellt den Spielern in den Ohren, und ist im Falle des MSV Duisburg dieser Saison leider ein Trugschluss. Wenn es so einfach wäre. Gerade dieser mangelnde Kampf ist den Spielern überhaupt nicht vorzuwerfen, auch wenn die saftlose Spielweise oberflächlich den Eindruck vermittelt. Diese Spieler auf dem Platz wollen kämpfen. Seht sie euch einmal einzeln an und versucht das Spiel außer acht zu lassen. Was seht ihr? Ich bemerke ihren Einsatz sehr wohl. Ich bin auch überhaupt nicht der Meinung, dort Söldner auf dem Platz zu sehen. Diese Spieler wollen etwas geben. Sie geben es nur zur falschen Zeit an der falschen Stelle, weil sie über den Willen zum Einsatz hinaus außerdem glauben, sie besäßen spielerische Mittel, um den Gegner zu schlagen.

Gestern im Spiel gegen Rot Weiß Ahlen lag es nicht an dem mangelnden Willen der Spieler, das Letzte zu geben. Der Misserfolg ergibt sich meiner Meinung nach aus dem Selbstverständnis dieser Mannschaft im Verhältnis zur ihren derzeitigen spielerischen Fähigkeit. Für die spielerische Fähigkeit dieser Mannschaft kam die 2:0-Führung ganz deutlich zu früh. Ab dem Moment der scheinbar sicheren Führung ließ nämlich jener Druck des MSV Duisburg nach, der die Ahlener in ihrer Hälfte hielt. Die Spielanlage der Ahlener veränderte sich ja das ganze Spiel lang überhaupt nicht. Sie suchten mit den immer selben beschränkten Möglichkeiten ihre Chance. Die Ahlener waren schwach, im Sturm ungefährlich und im Mittelfeld ideenlos. Dennoch schwappte das Spiel nach der Führung immer mehr in die Hälfte des Vereins aller Vereine. Der MSV Duisburg wollte das Spiel kontrollieren, doch die spielerische Qualität der Mannschaft ist zurzeit nicht groß genug, als dass sie ohne permanente Anstrengungsbereitschaft ein Spiel sicher beherrschen können. Das Selbstbild dieser Mannschaft ist verzerrt. Deshalb bringt sie dieses Gegentor der Ahlener in der zweiten Halbzeit aus dem Konzept. Diese Mannschaft weiß nicht mehr, was sie überhaupt kann. Diese Mannschaft hat kein gefestigtes Selbstbewusstsein und deshalb bringen Bemühungen einer harmlosen Mannschaft sie in Bedrängnis, wenn diese Bemühungen einfach nicht enden.

Kein Trainer kann auf dieses Selbstverständnis der Mannschaft in wenigen Minuten Einfluss nehmen. Es gab ja die Halbzeitpause. Das war ein Einschnitt, der ein Impuls hätte sein können, um die schon in den letzten zehn Minuten der ersten Halbzeit absehbare Spielweise zu verändern. Das geschah nicht, denn die Gruppe war schon in einer Spielweise verfangen. Da wirken gruppendynamische Prozesse, für deren Änderung es auf der weiten Fläche des Spielfelds mindestens vier Spieler von der Art Christian Tifferts oder Sören Larsens braucht.  Auch Bruno Soares sieht man im übrigen diesen unbedingten Willen an. Allerdings ist er noch zu neu in dieser Mannschaft, um die anderen mitzureißen.

Der MSV Duisburg begann also in der zweiten Halbzeit, wie er in der ersten endete. Die Mannschaft ließ sich zu weit zurückfallen und überließ den Ahlener die Initiative. Der Anschlusstreffer war absehbar und je länger das Spiel dauerte, desto wahrscheinlicher wurde der Ausgleich. Noch einmal, diese Mannschaft funktioniert als Einheit nicht. Deshalb verpuffen die Anstrengungen der einzelnen Spieler. Für mein Gefühl der Enttäuschung macht das keinen so großen Unterschied, warum die Mannschaft das Spiel dem Gegner überließ. Das als Niederlage gefühlte Unentschieden war nun mal  nicht als  heroisches Scheitern einer Mannschaft erlebbar sondern als klägliches Versagen gegen einen eigentlich so harmlosen Gegner. Und das ist tatsächlich schon sehr deprimierend.

Wir älteren Fans konnten gestern übrigens ein wenig in Erinnerung schwelgen. Angefeuert wurde ohne koordinierende Kraft der „Kohorte“. So war das früher im Wedau-Stadion, ein Anfeuern und Rufen, das von unterschiedlichen Fans in einer Gruppe seinen Ausgang nimmt. Dann gerät das nicht ausdauernd und weniger laut, wird aber mehr vom Spielgeschehen getragen. Interessant wie anders das dann ist. Und ebenso interessant, wie sich Fankultur verändert hat, wenn man die Worte der Kohorte liest.  Das aber soll an anderer Stelle Thema sein, weil dazu auch ein paar  grundsätzliche Gedanken über gegenwärtigen Fußball und den MSV Duisburg notwendig sind.

Sehnsucht nach Erfolg

In der Rheinischen Post konnte man es seit einiger Zeit lesen. Bernd Bemmann war mit der Arbeit von Peter Neururer sehr unzufrieden. Der neue Trainer mit seinem Versprechen von zufriedenen Fans kitzelt deshalb vielleicht auch seine Hoffnung:

Das [Fans gehen künftig zufrieden nach Hause] kann schon am Sonntag der Fall sein, wenn es gegen den Tabellenletzten aus Ahlen gilt, eine in Koblenz gestartete Erfolgsserie fortzusetzen.

Vor dem Trainerwechsel hätte ich das Ende des Satzes als bewussten Sarkasmus verstanden oder als resignative Genügsamkeit. Bei einem Sieg von einer Serie sprechen?  Doch nach dem ersten Training der Mannschaft unter Milan Sasic, weiß ich, in diesem Satz schimmert eine Sehnsucht durch, die auch meine ist. Den ganzen Artikel gibt es hier.

Es gab ein Leben vor dem MSV

Wahrscheinlich wird mancheiner von uns beim flüchtigen Blick auf die Trainerbank des MSV Duisburg glauben, er sitze dort noch immer und kurz zuvor hätte er doch diese roten Kunststoffkegel  wieder so zielsicher auf dem Rasen verteilt. Heiko Scholz war von Januar 2003 bis April 2009 Co-Trainer beim MSV Duisburg. Es gibt in der Geschichte des Vereins aller Vereine immer wieder Menschen, die für mich auf eine besondere Weise mit der Geschichte des Vereins zusammenwachsen. Das geschieht unabhängig von allen sportlichen Fragen. Heiko Scholz zählt für mich dazu. Eigentlich müsste man einmal in einem Interview mit ihm versuchen, sein Leben als schnurgerade Entwicklung hin zur Trainerbank vom MSV zu erzählen. An so etwas hat Tim Jürgens natürlich leider nicht gedacht, als er Heiko Scholz für „11FREUNDE“ Fragen stellte. Auch für die Sportpresse bietet der Jahrestag des Mauerfalls Gelegenheit, sich zu erinnern und so erzählt Heiko Scholz vor allem von seinem Leben als Fußballer in der Zeit um die Wende herum. Erinnerungen an die jüngste MSV-Vergangenheit werden für einen Fan der Zebras selbstverständlich dennoch wach.

Aufräumarbeit

Beim MSV Duisburg hoffen nun alle, nach der Verpflichtung von Milan Sasic als Trainer bis 2011 kehrt möglichst schnell wieder Ruhe ein. Gute Idee! Auch ich will mich nämlich hier endlich mal wieder um andere Dinge kümmern als um das tagesaktuelle Geschehen. Allerdings muss ich dazu vorher noch den Schreibtisch freiräumen, so sage ich immer noch gerne, auch wenn die Notizzettel längst in den Ordner des PCs abgelegt sind.  Da befinden sich nämlich noch hastig hingeschriebene Zitate in Dateien und einige Links geben mir ihre Privatvorstellung. Seit der Pressekonferenz vom MSV Duisburg zur Entlassung von Peter Neururer hat sich einiges Unfertiges angesammelt.

Natürlich ist da zunächst die Stellungnahme von Walter Hellmich, die uns einmal mehr zeigt, wenn dem Präsidenten einer auf die Nerven geht, kann er dazu nicht schweigen. Das ist natürlich bereits vielen aufgefallen, dass die Einvernehmlichkeit sich spätestens dann erledigt hatte, als Walter Hellmich beim Trainerprofil des zukünftigen MSV-Angestellten unter anderem von ehrlicher Arbeit sprach und dem hinzufügte, „das passt besser zu uns als große Sprüche zu machen“.

Nun denn, diese so schnell aufgegebene Einvernehmlichkeit eröffnet uns Einblicke in die Arbeitsrechtsverhältnisse von Fußballtrainern. So legt Peter Neururer auf die Einhaltung seines Vertrages großen Wert und sieht sich im Falle eines Aufstiegs des MSV Duisburg trotz der Entlassung auch in der kommenden Saison beim MSV Duisburg angestellt. Denn automatisch verlängere sich ja sein Vertrag in so einem Aufstiegsfall. Eine Einflussgröße mehr, die es zu berücksichtigen gilt, wenn wir über die noch vorhandenen Chancen zum Wiederaufstieg reden.

Lustiger Weise hat Walter Hellmich vielen von uns Fans mit seiner indirekten Neururer-Charakterisierung aus der Seele gesprochen. Aber wir sind Fans, und er ist der Vorstandsvorsitzende des MSV Duisburg und diesem Vorstandsvorsitzenden passiert immer mal wieder etwas, was das Vorhaben erschwert, Ruhe beim MSV Duisburg einkehren zu lassen. Für mich ist die Frage, passiert Walter Hellmich das oder agiert er im Bewusstsein der Folgen? Eine Antwort auf diese Frage ist allerdings nur dann von Belang, wenn es jemanden in Walter Hellmichs Umfeld gibt, den er als korrigierende Instanz des eigenen Handelns akzeptiert. So viel Spekulation gönne ich mir und so viel Glaube an das Gute im Menschen. Ich will nämlich den MSV Duisburg aufsteigen sehen, und da ist es mir lieber,  auf Menschen im Verein zu hoffen, die ihre Fehler einsehen.

Ich hoffe außerdem, Kurt Jara hat Walter Hellmich am Ende seiner Jobnachfrage ungefähr so etwas gesagt wie, ist schon in Ordnung, wenn sie damit zu den Journalisten gehen, um denen mal zu zeigen, welch tolle Trainer unbedingt bei einem MSV Duisburg unterkommen wollen. Mich stört das nicht, wenn sie da mit meinem Namen ein bisschen hausieren gehen. Bringt mich schließlich wieder in die Schlagzeilen. Schaden wird das schon nicht. Ich hoffe sehr, dass es so gewesen ist, und dass diese Mitteilung an die Presse Walter Hellmich nicht erneut einfach mal so passiert ist.  Kurt Jara, hoffentlich war das so, sonst sitzen Sie da jetzt irgendwo in Österreich und ärgern sich, warum sie nur auf die Idee gekommen sind, in Duisburg mal anzurufen.

Außerdem hoffe ich für Kurt Jara, wenn es denn so gewesen sein sollte, dass es ihm tatsächlich nicht schadet. So ein Image ist schnell beschädigt. Denn mancheiner, der vom MSV Duisburg nicht so viel hält, solche soll es ja geben, könnte ganz nebenbei mal fallen lassen, wenn schon der MSV Duisburg den nicht will, wer dann noch? Dabei muss man solch einer Aussage nicht einmal mutwilligen Rufmord unterstellen. Menschen sind manchmal auch nur gedankenlos.

Zu Milan Sasic habe ich auch noch ein paar lose Fäden, die ich hier aber nur zusammenknäuel. Zunächst komme ich noch einmal aufs Image zurück, auch in dem Fall habe ich nämlich erstmal Hoffnungen. Die meisten Menschen wollen es gerne einfach haben. Die Welt soll nicht kompliziert sein, das eigene Leben ist es doch schon genug. Deshalb hoffe ich sehr, dass Milan Sasic Journalisten vor allem eine griffige Formel seiner Person bieten will. Ich hoffe es sehr, dass der „harte Hund“ mehr zu bieten hat als uns diese medienwirksame Chiffre verspricht. Ich glaube nicht an einfache Lösungen für komplizierte Probleme, und eine Mannschaft zur Einheit formen ist ein kompliziertes Problem.

Ich hoffe außerdem, Milan Sasic hat aus seinen Erfahrungen beim 1. FC Kaiserslautern viel gelernt. Lese ich, was  Fans vom 1. FC Kaiserslautern über ihn sagen, weiß ich jetzt schon, ohne eine solche Weiterentwicklung seiner Persönlichkeit, werden wir vor dem Sommer 2011 einen neuen Trainer haben. In Kaiserslautern hat anscheinend nur der Erfolg all jene zwischenmenschlichen Verwerfungen seines Handelns verdeckt. Sobald dieser Erfolg aber gefährdet war, fielen die Blicke aller plötzlich auf die von ihm verbrannte Erde. Das will ich in Duisburg nicht erleben.

Die von ihm  in Kaiserslautern verlangte Spielweise der Mannschaft erinnert sehr an die Funkel-Ära in Duisburg. Hinten sicher stehen, und lang und weit nach vorne spielen. Eine gemächlichere, deutsche Variante des „Kick and Rush“. Ansehlich ist auch das nur im Erfolgsfall. Mal sehen, was er sich für den MSV Duisburg ausdenkt.

Und noch eins war im Kaiserslauterner Fan-Forum auffällig. Natürlich gibt es das häufig, Trainer holen ihnen bekannte Spieler zu ihren neuen Mannschaften. Aber dass derart viele Fans von Kaiserslautern den Transfer von Anel Dzaka nach Duisburg bereits für die Winterpause prophezeien, überrascht dann doch. Doch Fernbeziehungen sind zerbrechlich. Unser Mittelfeld ist gut besetzt. Und schon wieder gibt es eine Hoffnung mehr, nämlich die, dass Milan Sasic sich aus den vorhanden Spielern des MSV Duisburg seine neuen Lieblingsspieler erwählt. Man muss auch mal Schluss machen können, wenn es mit der alten Beziehung nicht mehr klappt. Und dass wir schon vor der Winterpause das Unwort vom Aufstieg wieder in den Mund genommen haben, stimmt mich für diese Woche ganz froh. Schließlich will ich bei aller Hoffnung mit realistischen Einsprengseln auch eine Zeit lang wieder öffentlich träumen dürfen.

Der harte Hund

Er ist ein Rächer. Er ist der Übervater der Fans. Er soll streng und gerecht sein und seine Kinder, die Fans, nie mehr allein lassen. Zu lange waren sie ohnmächtig dem Bösen ausgeliefert. Nun kommt er endlich zum Schutz seiner Kinder. Mit staunenden Augen sehen die Kinder, wie die Bösen gehorchen, was immer er auch sagt. Sein Name lässt diese Bösen vor Ehrfurcht erstarren. Er ist der harte Hund.

Die Mannschaft wieder einen

Während Marco Röhling neun einsilbige Wörter sagt, deren genauen Sinn sich mir erst mit dem zehnten und elften Wort erschließt, habe ich erstaunlich viele Gedanken gleichzeitig. Erst um die zwanzigste Minute herum bin ich zum Webradio von Radio DU gekommen und das erste, was ich hörte, war folgendes: „Und schob den Ball ein zum eins zu null …“ Nicht zu erkennen war in diesem Moment für mich, wer da nun führte. Normalerweise stelle ich das inzwischen an der Stimmlage von Marco Röhling recht schnell fest. Dieses Mal nicht, so neutral sprach Marco Röhling diesen Satz.

In dem Moment fanden Gedanken Worte in meinem Kopf, sie versanken, andere tauchten auf und stürzten augenblicklich wieder ab, übrig gebliebene vermischten sich mit anderen Gedanken und schufen einen Moment des unentschiedenen Stillstands, in dem alles möglich wurde. Das dauerte vielleicht ein bis zwei Sekunden, und in dieser kurzen Zeit hatte ich einerseits die Ahnung aller Gefühle, die dieser Verein in mir immer wieder weckt. Bange Hoffnung, die die Freude ahnen lässt, gefolgt von dem Absturz in Sorge und Enttäuschung. Andererseits hatte auch sofort das Denken über diesen Zustand begonnen. War ich doch kein direkter Beobachter des Spiels. Das Medium der Sportreportage gewährte mir Distanz.

Dieser Zustand eines blitzartigen Nebeneinanders von Gefühl und Rationalität war aber nur deshalb möglich, weil der MSV Duisburg zurzeit selbst nicht weiß, wo er steht. Immer noch wollen wir nach Aussage von Walter Hellmich auf der Pressekonferenz zur Entlassung von Peter Neururer alles tun, um ganz oben mitzuspielen. Wenn Bruno Hübner zu der Frage Stellung nimmt, was die Entlassung bringt, klingt das vorsichtiger. Da wollen wir bis zur Rückrunde alles tun, um zu sehen, was noch möglich ist. Ich hoffe, wir hören bei den beiden nur die Belege für deren unterschiedliche Persönlichkeiten. Sie werden dieselben Ziele haben. Wenn man aber an die Leistung der Mannschaft denkt, ist nichts vorhersehbar in einem Spiel wie dem gegen TuS Koblenz.

Dann hörte ich Marco Röhling sagen: „… für den MSV Duisburg und diese Führung hat immer noch Bestand nach inzwischen 21 Minuten.“ Das klang gut. Ich war eher still zufrieden, als dass ich mich laut freute. Schon in normalen Zeiten wäre dieses Spiel gegen TuS Koblenz ein Pflichtsieg gewesen, gestern war es immer noch ein Pflichtsieg, ohne dass ich wirklich daran glauben konnte. Denn, wie gesagt, erwartbar ist im Moment nichts.

Doch ich hörte gestern und lese heute bei „Der Westen“ und im „Kicker“ von einem „klaren Sieg“ und einer „ansprechenden Leistung“. Das viel beschworene  Potenzial der Mannschaft hat sich anscheinend deutlich gezeigt. Natürlich ist dieser Sieg nicht das Ergebnis der Entlassung von Peter Neururer. Das ist die Geschichte, die in einer kurzen Zeitungsmeldung am einfachsten zu erzählen ist. Dennoch zeigt sich, und zwar nach dem Spiel im Interview mit Christian Tiffert, die Entlassung war richtig.

Christian Tiffert erweist sich in dieser Saison nicht nur auf dem Spielfeld als Stütze dieser Mannschaft. Auch wenn er Stellung nimmt zu den spielerischen Leistungen der Mannschaft, sagt er entscheidende Sätze im richtigen Ton. Im Podcast von Radio DU geht es da mehr um die Einordnung des Sieges, im Interview nach dem Spielbericht von Sky gibt er bei Minute 3:45 aber auch noch einen Einblick in die Stimmungslage der Mannschaft. Christian Tiffert sieht für die Stimmung innerhalb der Mannschaft Verbesserungsbedarf. Stimmung hat etwas mit Zusammenhalt zu tun, und der ist Voraussetzung, um Krisen zu überstehen. Die Bewertung der Entlassung Peter Neururers überlässt er allerdings anderen.

Mir, zum Beispiel: Betrachte ich, wie Peter Neururer mit den Problemen dieser Mannschaft seit Anfang dieses Jahres immer wieder umgegangen ist, dann weiß ich sicher, egal wie gut sein Fußballverstand sein sollte, ihm fehlen geeignete Mittel zur Menschenführung. Er hätte dieser Gruppe von Spielern mit unterschiedlichen Interessen nicht mehr zur Einheit verhelfen können. Da steht sein Umgang mit der Personalie Ben-Hatira vor. Zudem wirkt die Drohung mit seiner Kündigung als Hemmschuh. Hinzu kommt noch sein populistisches öffentliches Auftreten, bei dem er immer wieder zwischen den Extremen schwankte. Einerseits nahm er Spieler gegen jede Kritik von außen in Schutz, andererseits distanzierte er sich grundsätzlich nach dem völligen Versagen von der Mannschaft. Wie soll so jemand integrierend auf die Gruppe einwirken? Derjenige, der integrierend wirken möchte, braucht das Vertrauen aller Gruppenmitglieder. Ich glaube nicht, dass dieses Vertrauen noch gegeben war. Darum wird es einem neuen Trainer vor allem gehen müssen, die Mannschaft wieder zu einen. Dann kann sie das legendäre spielerische Potenzial vielleicht bis zum Ende der Saison häufiger abrufen, als es bislang der Fall war.

Angler spielen kein Golf und reden wenig

Ob Klaus Augenthaler sich für den MSV Duisburg interessiert, wenn der MSV Duisburg sich für ihn interessiert, wird man abwarten müssen. Beim 1. FC Nürnberg in der Ära des Michael A. Roth hat er ja seine Erfahrungen mit einem Unternehmertyp wie Walter Hellmich gemacht. Augenthaler klingt für mich jedenfalls als krasses Gegenprogramm zu Peter Neururer nicht schlecht. Nicht nur weil er zurzeit statt Golf zu spielen fischen geht und Tennis bevorzugt, sondern auch weil er in diesem Interview mit der AZ ein paar Gedanken über den gegenwärtigen Fußball äußert, die ich nachvollziehen kann. Darüber hinaus besitzt er Stil, wenn man sich hier die legendäre Pressekonferenz beim Vfl Wolfsburg ansieht:

Kommt meinen Sätzen von heute morgen etwas in die Quere, aber vielleicht ist er heute ja auch etwas gelassener geworden. Wegen Frank Pagelsdorf mache ich mir allerdings keinen Gedanken, der morgen schon wieder hinfällig sein könnte.

Die Entlassung nutzt nur, wenn …

Deutschland weiß bescheid. Schon beim Frühstück konnte ich es in einer kurzen Meldung des Kölner Stadt-Anzeigers lesen. Laut „Medienberichten“ habe sich der MSV Duisburg von Peter Neururer getrennt. Es sei die sechste Trainerentlassung der laufenden Saison. Mit diesen Medienberichten sind die Meldungen des „Kicker“, der „BILD-Zeitung“ oder diese „NRZ-Informationen“ gemeint. Anscheinend konnte das DSF wegen seiner guten Kontakte zu  Peter Neururer noch einen O-Ton von ihm erhalten, der beim DSF online nicht zu finden ist, aber hier von „Der Westen“, Sektion „NRZ“ indirekt wiedergegeben wird. Peter Neururer wies darauf hin, dass die Trennung „einvernehmlich“ vorgenommen wurde. Und was sagt der MSV Duisburg? Der sagt nichts. Denn die Pressekonferenz ist erst heute um 12 Uhr. Die Redseligkeit von Peter Neururer bei gleichzeitiger Zurückhaltung der Verantwortlichen des MSV Duisburg führt aber mitten hinein in Tinas gemischte Gefühle.

Betrachtet man alleine die Trennung, lässt sich nichts dagegen sagen. Sie kommt zum richtigen Zeitpunkt, so man Trainerentlassungen für ein geeignetes Mittel hält, die Leistung einer bestehenden Mannschaft zu verbessern. Auf den Abstiegskampf bezogene Statistiken zeugen zwar vom Gegenteil, dennoch kann der Einzelfall seine leistungssteigernden Besonderheiten der Trennung aufweisen. Die Trennung kann auch ein geeignetes Mittel sein, wenn die Chemie zwischen Trainer und Vereinsverantwortlichen  nicht mehr stimmt. Mir geht da ein Foto der letzten Woche durch den Kopf, das Walter Hellmich und Peter Neururer nach dem Erfolg gegen Rostock zeigt. Walter Hellmich wirkt auf diesem Foto nicht gerade beglückt durch die Umarmung von Peter Neururer. Das mag ganz andere Gründe haben als das unbewusste Bedürfnis, sich zu distanzieren. Vielleicht fühlte sich Walter Hellmich durch das Kapuzenfell einfach nur gekitzelt, doch gibt es einen Erklärungsrahmen dieses Bildes, der den Versuch der Distanzierung wahrscheinlich macht. Es gibt also viele Gründe für die Trennung und die schlechte Leistung der Mannschaft ist nur einer dieser Gründe.

Warum nun gibt es diese gemischten Gefühle, die nichts mit meinem Wunsch zu tun haben, Peter Neururer möge unbedingt weiter Trainer bleiben. Das hat mit etwas Grundsätzlichem zu tun, mit meinem Eindruck, wie im Verein so etwas wie eine Einheit im Verein selbst und mit dem Umfeld hergestellt wird. Es gibt meiner Meinung nach zu wenig Wissen im Verein darüber, wie dieses in einem finanzschwachen Verein wie dem MSV Duisburg für den Erfolg so notwendige Gefühl befördert werden kann. Wahrscheinlich nehmen es die meisten Beobachter des Fußballs als normal hin, wie die Nachricht von Peter Neururers Entlassung in den Medien ihre Runde machte. Da gibt es keine wirkliche Fehlleistung des Vereins aller Vereine. Die Nachricht als solche ist so wichtig, dass alles andere wenig Beachtung findet. Doch betrachtet man diese Kleinigkeit der Nachrichtenverbreitung genauer, lässt sie Rückschlüsse auf Arbeitsweisen im Verein zu. Ich halte es für nicht richtig, dass Peter Neururer beim DSF irgendetwas bestätigt, was noch kein Verantwortlicher des MSV Duisburg offiziell verkündet hat. Der Verein müsste das Heft des Handelns jederzeit in der Hand halten. Man hätte sich die Frage stellen müssen, kann man Peter Neururer zu Stillschweigen verpflichten? Ich weiß das nicht. Das müssen die wissen, die etwa ein Jahr mit ihm zusammen gearbeitet haben. Mein Eindruck ist aber, da er sein eigenes Interesse stets im Blick behält, warte ich besser nicht auf den kommenden Tag, um etwas zu verkünden, was nicht nur den Verein sondern auch so einen Mann mit Medienkompetenz betrifft.  Dann muss noch am selben Abend der Entscheidung zumindest eine kurze Stellungnahme her. Die offizielle Pressekonferenz in ruhigem Fahrwasser kann dann am nächsten Tag immer noch kommen.

Gerade aus solchen Gründen gibt es diese gemischten Gefühle in mir. Immer wieder kommt es dazu, dass die Verantwortlichen im Verein, und damit meine ich nur die Verwaltung, bei ihrem Handeln knapp daneben liegen. Das wirkt nach außen und gefährdet immer wieder das Gefühl, alle die den Verein unterstützen und alle, die beim Verein angestellt sind und für ihn arbeiten, ziehen an einem Strang. Nur Erfolg überdeckt diesen so grundsätzlichen Mangel. Doch gleichzeitig ist das auch mit ein Grund dafür, dass der Einfluss von Zufällen auf diesen Erfolg größer ist als nötig. Daran etwas zu ändern, braucht Zeit. Das muss wachsen, und zwar indem der Verein sich öffnet und die Verantwortlichen im Verein ihr Handeln mehr erkären. Alleine durch die Erklärung wären sie gezwungen, die interne Arbeit immer wieder zu überprüfen. Wenn sich dieser grundlegende Mangel nicht ändert, könnte Uwe Speidel zum Heiko Scholz der Zukunft werden. Vom Geld habe ich zudem noch gar nicht geredet.

Das muss sein: Recherche, Recherche, Recherche

Wenn du eine Idee zu einer Geschichte hast und dir zu deiner Geschichte zu wenig Szenen einfallen, hast du einfach nicht genügend recherchiert. So was sagen amerikanische Drehbuchautoren zu handwerklichen Grundlagen des Schreibens. Dieser Rat lässt sich zweifellos auch auf journalistisch inspiriertes Schreiben ausweiten. Denn in zwei Zeitungsmeldungen von gestern steckt eindeutig eine Geschichte über den MSV Duisburg. Doch in mir sträubt sich alles gegen erste Sätze. Dazu müsste ich erst zu recherchieren beginnen, um die Geschichte mit Fakten zu füllen und Spekulationen möglichst klein zu halten.

Nach meinem Empfinden gibt es inzwischen nämlich genügend Spekulationen – vor allem zur Zukunft von Peter Neururer. Für Peter Neururer werde die Luft dünner, heißt es in der einen Meldung, in der sich Tatsachenbehauptungen und Spekulationen schon derart vermischen, dass je nach Stimmungslage des Lesers er eine Entlassung als bereits beschlossen verstehen kann. In dem Zusammenhang bleibt aber diese zweite Meldung nicht ohne Bedeutung: Andreas Peters, der vor allem von Fan-Gruppierungen in den Aufsichtsrat gewählt wurde, tritt als Aufsichtsratmitglied zurück. Er beklagt den Verlust des Vertrauens zu anderen Mitgliedern des Kontrollgremiums und macht sich „erhebliche Sorgen“ um die wirtschaftliche Zukunft des MSV Duisburg. Im msvportal werden diese Sorgen schon länger thematisiert, zunächst geschah das in jenem Thread und seit einiger Zeit vor allem in diesem.

Eine mögliche Entlassung Peter Neururers und die wirtschaftliche Situation des MSV Duisburg stehen also vielleicht in einem Zusammenhang. Deshalb wären weitere Recherchen notwendig. Kann sich der MSV Duisburg überhaupt einen neuen Trainer leisten? Denn an Rücktritt scheint Peter Neururer ja nun nicht mehr zu denken. Wenn er sich den neuen Trainer leistet, wie kann dieser Verein wirtschaftlich überleben? Wo kommt das Geld für Abfindungen her? Schließlich wurde nach Beginn der Saison ein wichtiger Spieler verkauft, um DFL-Auflagen zu erfüllen und anschließend wurde  eingenommenes Geld – zum Teil? – in Gehälter investiert.

Fußballvereine seien keine normalen Wirtschaftsunternehmen, las ich neulich als Kommentar eines Finanzfachmanns zur finanziellen Situation vom FC Schalke 04. Da könne immer mal jemand überraschend kommen,  der aus der Klemme hilft. In diesem Zusammenhang mit dem FC Schalke 04 fiel mir sogleich die Systemrelevanz ein. Ob der MSV Duisburg systemrelevant ist oder nur einer der vielen mittelständischen Betriebe, die leider nur für die Region wichtig sind und deshalb diese überraschenden Hilfen – wenn nötig – nicht erhalten, scheint mir eine offene Frage zu sein. Ich sagte ja, ohne Recherche ist das eigentlich keine Geschichte, und dafür dass das noch gar keine richtige Geschichte ist, sind doch schon einige Sätze zusammengekommen.

Das Pokalspiel als Farce

Ihr kennt das geflügelte Wort von den weltgeschichtlichen Ereignissen, die sich immer ein zweites Mal ereignen? Karl Marx hatte dem hinzugefügt, das erste Mal als Tragödie das zweite Mal als Farce. Zwar war es keine Tragödie, die ich im letzten Jahr erlebt habe, als ich das Ausscheiden des MSV Duisburg im DFB-Pokal gegen den TSV 1860 München beim Bier nach dem Basketball mitbekam, gestern aber war es mit Sicherheit eine Farce. Für den MSV Duisburg, aber auch für mich.

Sämtliche Pläne des gestrigen Tages in Sachen DFB-Pokal zerschlugen sich. Für den MSV Duisburg und für mich. Zum Spiel selbst erübrigt sich jedes Wort. Wenn schon Peter Neururer nichts dazu einfällt, dem Mann, der noch jede Niederlage bislang in eine erzählenswerte Geschichte für die Journalisten verwandeln konnte. Da bleibt uns nur zu schimpfen oder die Farce zu erzählen, die man selbst erlebt hat. Denn der Plan war doch gewesen, meine 2:1-Sieg-Vorhersage nach dem eigenen Meisterschaftsspiel in der Kneipe am Deutzer Rheinufer bestätigt zu sehen. Auf dem Weg von der Sporthalle Richtung Deutzer Brücke blitzten dann die Erinnerungen an das letzte Jahr auf. Ich sah mich auf den Flachbildschirm starren, hatte schon das Grün des Rasens vor Augen, sah das Gestochere und die kläglichen Angriffsbemühungen gegen München und mich überkam so ein komisches Gefühl der Scham, weil ich so naiv den Sieg gegen Augsburg mit minutiöser Torfolge-Angabe verkündet hatte. Ich kam mir auf einmal so lächerlich vor, riss mich dann aber zusammen und dachte, das wird schon gut gehen. Selbst wenn die Niederlage kommen sollte, das Kölsch wird schmecken, deine Mitspieler werden frotzeln und du wirst bei allem möglichen Ärger einigermaßen zufrieden nach Hause fahren.

Wir kommen am Rheinufer an, schließen unsere Fahrräder ab und im selben Moment wird es auf der Promenade stockduster. Stromausfall? Nein! Die Kneipe war zu. Nur ein Bewegungsmelder hatte für Licht bei unserer Ankunft gesorgt. Es gab kein Kölsch, dafür aber den Mitspieler, der im Auto gefahren war und nicht nur vom 3:0-Sieg des FC wusste, sondern auch den 3:0-Rückstand des MSV verkündete. Was für eine Wiederholung der Enttäuschung im letzten Jahr. Ich stehe im Dunkeln, nirgendwo erinnert irgendetwas an ein Fußballspiel, nur in mir gibt es dieses bohrende Gefühl, da ist doch was gewesen. Ein 3:0-Rückstand, mehr brauchte ich nicht zu wissen. Haben wir das in dieser Saison eigentlich schon mal gesagt? Man kann verlieren, aber doch nicht so. Haben wir das schon mal gesagt? Ich frage ja nur, weil mir das so bekannt vorkommt. Man kennt den MSV Duisburg allmählich auch als „Aber-Team“. Den Begriff schütze ich als Marke. Da soll mir keiner zuvorkommen.

Ich bedauer alle, die den Weg nach Augsburg auf sich genommen haben oder wie Tina vor dem Fernseher saßen. Eine Farce! Für den MSV Duisburg etwas mehr als für mich. In Deutz gibt es wenigstens noch andere Kneipen. Eine andere Niederlage als diese gestern gibt es für den MSV Duisburg leider nicht.

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