Archiv der Kategorie 'Saison 2012/2013'

Die alte Macht ist frisch und jung

Brechen wir das Geschehen des gestrigen Tages mal auf plakative Begriffe runter. Die Idealisten gehen, die Machtpolitiker mit finanziellen Interessen bleiben. Damit ist noch nichts über den möglichen Erfolg von unterschiedlichen Konzepten gesagt. Gleichwohl gibt es Hinweise. Denn noch immer fehlt in jedem Artikel über die Zukunft des MSV Duisburg irgendeine Aussage zu konkreten Vorhaben, das strukturelle Problem zu hoher Kosten durch die Stadionmiete anzugehen.

Die Idealisten gehen, die Machtpolitiker bleiben. Der Konflikt im Verein reduziert sich auf die Namen Hellmich und Schauinsland-Reisen. Es geht nicht um Personen, die im Verein offizielle Ämter bekleiden. Es geht um Personen, die für Geldzu- und abflüsse sorgen. Ich glaube aber kaum, dass Walter Hellmich ohne Unterstützung in diesem Konflikt als Gewinner hervorgeht. Mir ist völlig unersichtlich, wieso Walter Hellmich – als natürlich großer Anteilseigner der MSV Duisburg Stadionprojekt GmbH & Co. KG – so dasteht, als bestimme er alleine das Geschäft der Stadionbetreiber. Er ist doch nicht Mehrheitseigner, oder irre ich mich? Wieso kann in der Stadt Duisburg niemand so viel Druck auf ihn ausüben, dass er sich einem gemeisamen Weg mit einem Sponsor und Unterstützer des MSV Duisburg nicht verschließt, der sich bislang als sehr guter Partner erwiesen hat? Da habe ich keine Erklärung. Anscheinend kann Walter Hellmich eines auch sehr gut, Netzwerke organisieren und  Personen für sich gewinnen. Er scheint ein guter Machtpolitiker zu sein.

Es ist bezeichnend für die Situation, dass Walter Hellmich, der nach eigenen Worten laut RP ja für kein offizielles Amt im Verein zur Verfügung steht, gestern dennoch wie offiziell auch immer sich als Sprachrohr des MSV Duisburg verstand. Er war es, der verkündete, die Lizenz für die nächste Saison sei gesichert. Weder Roland Kentsch als Geschäftsführer der KGaA noch Udo Kirmse als Vereinsvorsitzender mussten etwas sagen. Das alles entnehme ich der Rheinischen Post, die das Geschehen des gestrigen Tages so umfassend wie möglich und in sachlichem Ton umreißt. Bezeichnend auch, wie schwammig sich Walter Hellmich zur Stadionmiete äußert. Miete werde gestundet oder es werde auf sie verzichtet. Ein Unterschied, der die Zukunft des MSV Duisburg bestimmt. Walter Hellmich jedenfalls ist endgültig ganz zurück.

Kosta auf den Zaun

So hat sich Branimir Bajic seinen Anteil am 3:2-Sieg des MSV Duisburg gegen den SC Paderborn mit Sicherheit nicht vorgestellt. Er hätte wahrscheinlich gerne den wie üblich souverän geschossenen Elfmeter erwähnt wissen wollen. Eine rote Karte aber als selbstloses Opfer für eine bessere Mannschaftsleistung? Das stand bestimmt nicht auf dem Plan. Als er vom Spielfeld ging, überwog noch der Ärger über die Schiedsrichterentscheidung. Da war noch nicht abzusehen, wie sehr sich die Mannschaft vom MSV Duisburg die weitere Spielzeit von knapp 20 Minuten steigerte. Es wurde noch einmal intensiv um jeden offenen Ball gekämpft. Meter um Meter wurden gelaufen. Kombinationen gelangen. Es war all das zu sehen, was zu Beginn der zweiten Halbzeit sich mehr und mehr andeutete und in der ersten Halbzeit kaum vorhanden war.

Es war ein unterhaltsames letztes Spiel der Saison, in dem der SC Paderborn sich zunächst als die kombinationssicherere Mannschaft erwies und sehr früh den Spielaufbau des MSV Duisburg zu stören begann. Wenn fast die gesamte Mannschaft des SC Paderborn in die gegnerische Spielhälfte rückt,  gibt es schon auf Höhe des Strafraums nur wenig  Raum und Ruhe, den Ball sicher dem Mitspieler zuzupassen. Halblange und lange Bälle boten Lösungen für das Problem, obgleich auch die Versuche geordnet nach vorne zu kommen nie eingestellt wurden. So kamen die Chancen des MSV Duisburg nach nur wenigen Ballkontakten zustande, während der SC Paderborn sich kontinuierlich, Mann für Mann durch die Duisburger Defensive spielte. Mit dem Führungstreffer konnte Timo Perthel noch einmal seine Qualität als Distanzschütze beweisen. Das hatte im Hinspiel schon geklappt. Sicherheit gab diese Führung aber nicht, und der Ausgleich schien nur eine Frage der Zeit zu sein.

Auf der linken Abwehrseite scheint es Abstimmungsschwierigkeiten gegeben zu haben. Immer mal wieder hatte Andreas Ibertsberger zwei Paderborner Spieler gegen sich. Dementsprechend konnte er nicht alles richtig machen. Das war aber meiner Meinung nach weniger seinem Stellungsspiel geschuldet als mangelnder Zuordnung auf der gesamten linken Seite beim schnellen Paderborner Kombinationsspiel. Seine Auswechlung war deshalb wohl mehr durch die Platzwunde am Kopf verursacht als durch seine Leistung.

Die zweite Halbzeit begann der MSV Duisburg energischer. Der Druck auf das Paderborner Tor wurde größer, und das Kombinationsspiel der Paderborner konnte sich nicht mehr so eindrucksvoll entfalten. Dennoch erhielt der MSV Duisburg seine Chancen eher durch die steilen Bälle in die Spitze. Einen dieser Bälle erlief sich Daniel Brosinski, der beim Abschluss im Strafraum gefoult wurde. Branimir Bajic als Standardschütze trat zum Elfmeter an und traf. Der erneute Ausgleich fiel durch einen sehr gut geschossenen Freistoß von Mario Vrancic. Beide Mannschaften wollten dieses Spiel weiterhin gewinnen. So wurden die Räume beim Hin und Her offener. Während die Paderborner ihre Kombinationssicherheit etwas einbüßten, gewannen die Zebras sie hinzu.

Sören Brandy war für mich der Spieler dieses Spiels, nicht nur weil ihm das Siegtor dann aus spitzem Winkel beeindruckend cool gelang. In diesem Spiel zeigte er noch einmal alle seine Qualitäten, die ihn für den MSV Duisburg so wichtig machen. Er läuft ungemein viel, schafft Lücken und stößt selbst in freie Räume. Er hat ein Auge für die Entwicklung von Spielsituationen. Das macht seinen Kampf um den Ball so effektiv. Dabei verfügt er über eine gute Technik, und in der Rückrunde ist seine Spielweise zudem offener geworden. Er sucht öfter das Abspiel, was natürlich auch dank das besseren Eingespieltsein der Mannschaft gelingt.

In der Pressekonferenz nach dem Spiel bedankt sich Kosta Runjaic bei allen, die mitgezittert haben in dieser Saison. Wieviel Zeit er sich für die Dankesworte nimmt, weist für mich auf die Zukunft dieses Vereins. Kosta Runjaic denkt in größeren Zusammenhängen. Er sieht nicht nur die sportliche Leistung seiner Mannschaft, sondern er weiß, wie diese sportliche Leistung auch von äußeren Einflüssen wie dem Umfeld des Vereins abhängig ist. In seinen Worten lässt sich erkennen, dass er ebenso weiß, jemand muss sich für die gute Stimmung rund um den Verein einsetzen. Dieser Trainer ist ein Glücksgriff für den MSV Duisburg gewesen. Ich hoffe sehr, dass er noch einige Zeit in Duisburg bleibt und beim MSV weitere Beweise für die Qualität seiner Arbeit abliefert.

Neben der Pressekonferenz sind zudem die Stimmen von Sören Brandy, Goran Sukalo, Timo Perthel, Daniel Brosinski, Julian Koch und Srdjan Baljak zu hören. Über Srdjan Baljak hätte ich natürlich gerne die wunderbare Geschichte von seinem letzten Tor der Saison geschrieben. Einmal blitzte diese Möglichkeit auf, als Daniel Brosinski auf das Tor zog und vielleicht hätte abspielen können. Aber es war ja Daniel Brosinski. Und Ruhmestaten herbeischreiben, das braucht Srdjan Baljak nicht. Auch wenn er souverän kurz vor Ende des Spiels noch einen Eckball für den MSV Duisburg herausgeholt hat. So etwas als besondere Leistung zu erwähnen, wirkt doch übertrieben. Dafür hat der MSV Duisburg diesem Spieler viel zu viel zu verdanken. Der Abschied von ihm schmerzt. Alles Gute, Srdjan Baljak!

Der Spielbericht bei Sky mit einem Klick weiter.

Die schönsten Fußballtorten der Welt – XI: Eintracht Braunschweig – Anlässlich des Aufstiegs

Mit freundlicher Unterstützung von “111 Fußballorte im Ruhrgebiet, die man gesehen haben musspräsentiert der Zebrastreifenblog in loser Reihe die schönsten Fußballtorten der Welt.

Nicht dass Hertha BSC keinen Kuchen verdient hat, aber wenn außer dem Angebot des (semi-)professionellen Konditorenhandwerks im Netz kein Backwerk zu finden ist, kümmer ich mich lieber nur um die Fußballkuchen-Bäckerwelt von Eintracht Braunschweig. Zumal der Erfolg von Eintracht Braunschweig in dieser Saison einem Verein wie dem MSV Duisburg Vorbild sein kann und damit zugleich Hoffnung gibt. Manchmal geschieht etwas, was die Normalität durchbricht. Manchmal werden Erwartungen nicht unterboten, sondern übertroffen. Ivica Grlic will in der nächsten Zeit, das Wort “Aufstieg” nicht mehr in den Mund nehmen. Aber vor einer neuen Saison dürfen wir in Zukunft alle immer mal dennoch kurz an Eintracht Braunschweig denken. Es könnte ja sein, dass etwas ins Laufen kommt, was irgendwann nicht mehr aufzuhalten ist.

Melabelle hat diesen Kuchen gebacken sowie das Foto gemacht, und wer nach Rezepten fragen möchte, muss sich im Forum von Brigitte anmelden.

Jeanette ist im schon bekannten Torten-Talk unterwegs und hat diesen Kuchen für den Sohn einer Freundin gebacken.

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Das Werk von Jeanette ist aber noch umfangreicher. Ein Kuchen für Erwachsene gehört ebenfalls dazu

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Versteckt in einem kurzen Erinnerungsclip zu einem Kindergeburtstag ist bei Minute 0.52 ein weiterer Kuchen zu finden.

Was geschah fünf Monate lang?

Gestern habe ich die Worte von Roland Kentsch nicht wirklich ernst genommen. Offenbar hatte ich ihn nicht richtig verstanden. Das führt nun dazu, dass ich heute etwas anderes noch weniger verstehe. Gestern schien mir die Aufgeregtheit um die mögliche Insolvenz des MSV Duisburg einfach nur die Nebenwirkung des taktischen Handelns von Roland Kentsch zu sein. Heute lese ich bei WAZ/NRZ von Gedankenspielen zum Arena-Erwerb durch die Stadt Duisburg, genauer durch eine Tochter-Gesellschaft der Stadt. Unabhängig davon, ob so eine Lösung überhaupt machbar ist, muss ich erkennen, die Lage scheint  doch recht ernst zu sein.

Ich verstehe deshalb nicht mehr, was nach dem letzten Bedrohungsszenario in den letzten fünf Monaten geschehen ist. War diese Zeit zu knapp, um eine Grundstruktur zur Lösung des Problems zu finden, dass die Stadionmiete viel zu hoch ist. Erinnere ich mich falsch, dass damals die Rettung des MSV Duisburg verkündet wurde und die Zuversicht vorhanden war, eine niedrigere Stadionmiete zu ermöglichen? Wieso gibt es jetzt wieder solch einen Zeitdruck? Folgt das Handeln beim MSV Duisburg dem anthropologischen Grundprinzip, Probleme nur dann richtig anzupacken, wenn die Gefahr am größten ist?  Manchmal gibt es Tage, da möchte ich im vergangenen Alltag dabei gewesen sein. Einfach nur, um zu verstehen, was mir unerklärlich ist.

Was ist nun die Neuigkeit in Sachen Finanzen?

Gestern nun war die Jahreshauptversammlung des MSV Duisburg. Bei dem, was im Live-Ticker des Reviersport und im MSVportal zu lesen ist, wurde die neue Satzung Paragraf für Paragraf verabschiedet.  Sehr umstritten war alleine § 19 der Satzung, der den Einfluss des Vereinsvorstands bei Tochtergesellschaften regelt. In diesem Paragrafen geht es darum, wie weit wird möglichen Investoren ein Mitspracherecht im operativen Geschäft des Wirtschaftsbetriebs MSV Duisburg eingeräumt. Der ursprüngliche Vorschlag des Vorstands erreichte nicht die nötige Zweidrittel-Mehrheit. So weit ich das verstehe, schien der Einflussverlust des Vereins für einige der anwesenden Mitglieder zu groß zu sein. Ohne die Änderung diesese Paragrafs wäre aber nach Ansicht des jetzigen Vorstands der MSV Duisburg auf Dauer nicht überlebensfähig. Denn der Wirtschaftsbetrieb MSV Duisburg braucht neue Investoren. Es wurde ein Kompromiss formuliert, dessen genauen Wortlaut ich noch nicht kenne und der mit der notwendigen Zweidrittel-Mehrheit angenommen wurde. Ob nun also die Rahmenbedingungen so sind, dass neue Investoren demnächst beim MSV Duisburg Schlange stehen? Da stecke ich nicht tief genug im Thema, um das zu bewerten.

Aber sobald es um die Finanzen geht, werde ich auch bei nur halbwegs regelmäßigem Blick auf die Berichterstattung rund um den MSV Duisburg misstrauisch. Fast immer habe ich bei den Aussagen von Verantwortlichen des MSV Duisburg dann das Gefühl, es steckt mehr dahinter, als das was gesagt wird. “Kentsch warnt vor der Insolvenz des MSV Duisburg”, titelt WAZ/NRZ. Bis Donnerstag müsse eine Finanzierungslücke von 2,5 Millionen bis 3 Millionen Euro geschlossen werden. Liest man den Artikel, geht es um nichts Neues. Die Geschichte wandelt sich aber beim Weitererzählen in der Medienlandschaft. Es wirkt mit einem Mal so, als ob nach der Insolvenzgefahr Ende letzten Jahres nun eine weitere neue Schwierigkeit aufgetreten ist. Schon damals aber hieß es, ohne die Senkung der Stadionmiete ist der MSV Duisburg nicht überlebensfähig. An wen richtete sich also die implizite Botschaft in Roland Kentschs Warnung? Sollten die Mitglieder des MSV Duisburg zum Durchwinken der Satzungsänderung überzeugt werden? Oder richtete sie sich an die Stadionbetreibergesellschaft? Druck über die Öffentlichkeit ausüben, um zur Mietsenkung zu gelangen? Fragen über Fragen. Früher ging es mal nur um Sport.

Ich hab noch ein paar Fotos aus Berlin

Ganz einfach ist es heute nicht mehr, eine Spiegelreflexkamera mit Wechselobjektiv in ein Stadion mitzunehmen. Selbst, wenn die Güte des Objektivs mittelmäßig ist und die Kamera für digitale Zeiten uralt. Wahrscheinlich gibt es inzwischen Kompaktkameras, die Fotos von erheblich besserer Qualität liefern. Aber DFL-Vorschrift ist Vorschrift, und nicht alle Vereinsvertreter der Liga machen sich die Mühe der Unterscheidung. Sogar wenn im Fall des Zebrastreifenblogs gleichzeitig der journalistische Identitätsnachweis die Mitnahme befördern könnte. Um so auffälliger war auch in diesem Fall der 1. FC Union Berlin, wo mir durch die Presseabteilung schnell und unkompliziert das Mitnehmen der Kamera ermöglicht wurde. So gibt es noch ein paar Fotos aus Berlin, auch wenn so ein Blick durch den Sucher für mich höchstens vor und nach dem Spiel machbar ist.

Klassenerhalt als Vorprogramm zum Open Air in Köpenick

2013-05-12_union-msv 007Wir alle freuen uns über den endgültigen Klassenerhalt des MSV Duisburg. Das ist keine Frage. Schöner aber fühlt sich so ein Klassenerhalt an, wenn er durch einen eigenen Punktgewinn zustande kommt. Das ging uns auf den Rängen nach der 2:1-Niederlage im Auswärtsspiel gegen den FC Union Berlin genauso wie Kosta Runjaic und den Spielern. Richtig ausgelassen schien mir also niemand gewesen zu sein. Die Stimmung war gelöst. Richtiger Ärger kam über die Niederlage nicht auf. Doch das leichte Bedauern machte sich trotz des Lächelns in den Gesichtern immer wieder bemerkbar.

Zu verstehen war es kurz nach Spielende nämlich nicht, warum der MSV  Duisburg dieses Spiel verloren hat. Mit etwas Abstand sind die Fehler zu erkennen. Doch gestern fühlte sich schon der Ausgleich von Union wie der dramaturgische Fehler in einem Gute-Laune-Familienfilm an. Diese Führung passte einfach nicht zu der zuvor noch gesehenen spielerischen Leistung der Berliner, 2013-05-12_union-msv 035die bis zum Ausgleich aus eigener Kraft heraus zu keiner Chance kamen. Zwei-, dreimal wurde es gefährlich, weil in der Defensive des MSV Verlegenheitsschüsse von Union zu kurz in die Mitte geklärt wurden, an einen Fehlpass kann ich mich auch erinnern und das war es dann. Die Offensive des MSV war in der ersten Halbzeit nicht besser. Wir konnten die Hoffnung aber auf Standards setzen. Denn Eckstöße sind inzwischen variantenreich und an guten Tagen torgefährlich. Gestern war ein guter Tag. Erst ein freier Schuss über das Tor und dann der abgeblockte Seitfallzieher von Sören Brandy als spektakuläre Torchance. Das dürfen Sören Brandy und Jurgen Gjasula gerne wiederholen. Nicht immer steht ein Abwehrspieler im Weg.

2013-05-12_union-msv 047Nach der Pause gelangen zudem die Kombinationen immer öfter auch bis in den Strafraum hinein, zumal die schnelle Führung durch Kevin Wolze diesem Angriffsspiel weitere Sicherheit gab. Das Tor belebte jedenfalls das Spiel. Schnell war zu merken, Union wollte vor dieser fantastischen Heimspielkulisse nicht verlieren. Besser wurde das Berliner Zusammenspiel allerdings zunächst nicht, nur ungestümer und energischer. Das reichte aber, um das Spielgeschehen Richtung Duisburger Tor zu drängen. Die unangenehme Konsequenz war der Ausgleich. Noch immer aber hatte ich nicht das Gefühl, dieses Spiel könne verloren gehen. Jurgen Gjasula erhielt die Chance zur erneuten Führung. Alleine vor dem Torwart stehend zielte er genau in dessen Arme. Wir hatten den Eindruck, weil er schon alleine an der Strafraumgrenze stand, glaubte er für einen Moment, er habe im Abseits gestanden. Zu viel gedacht.

Wer kurz danach aber im Strafraum so ungeschickt foult wie Goran Sukalo,  wird bestraft. Vom Gästeblock haben wir2013-05-12_union-msv 064 dieses Foul nicht sehen können. Für uns kam der Pfiff in einer Spielsituation, die nicht sonderlich gefährlich wirkte. Leider konnte Felix Wiedwald seine Rettungstat aus dem Spiel der letzten Saison nicht wiederholen. Damit war das Spiel knapp zehn Minuten vor Schluss entschieden, auch wenn es auf dem Platz noch hoch her ging. Die Spieler schenkten sich nichts. Es ging für beide Mannschaften bis zum Abpfiff um alles. Nicht nur deshalb war dieses Spiel einen Besuch in Berlin wert. Die Atmosphäre in der Alten Försterei ist jedes Mal großartig.

Für die Fans von Union begann nach dem Spiel schon die Vorbereitung auf die kommende Saison. Die neuen Dauerkarten konnten schon gekauft werden, während die Spieler Autogramme gaben und beim Mini-Open Air lokale Bands ihr Bestes. Wir waren in der Zeit schon auf dem Weg zum S-Bahnhof Köpenick, weil die Rückfahrt Richtung Mitte ebenso lang zu werden drohte wie die Hinfahrt. Pendelverkehr wegen Gleisarbeiten mit Zugwechsel nach jedem zweiten Bahnhof. Wir begnügten uns also mit dem Vorprogramm Fußballspiel und hörten nur von Ferne wie eine Band namens Kietz Keime mit ihrem “irisch inspirierten Folk-Punk” begann. Dank der Band bei youtube könnt ihr euch nun fühlen, als wäret ihr mittenmang dabeigewesen.

Fehlt noch die Pressekonferenz nach dem Spiel sowie die Stimmen von Sören Brandy – mit knapper treffender Spielanalyse im zweiten O-Ton -, Dustin Bomheuer und Jurgen Gjasula. Sehr schön übrigens, wie bei Uwe Neuhaus dessen Pott-Heimat in der Sprachfärbung kräftig durchschlägt, als er zu reden beginnt. Das wirkt so, als sammele der private Uwe Neuhaus auf dem Weg zum zum öffentlichen Trainer Neuhaus eben noch ein paar Gedanken ein.

Der Spielbericht bei Sky mit einem Klick weiter.

Die zweite Ehe Ronnie Worms und M-U-T für Maurice Exslager

Grinsen ist erlaubt. Denn der Fußball ruft manchmal komische Gefühle hervor. Junge Menschen werden dieses spezielle Gefühl kaum mehr kennen lernen, weil sich die Berufsbiografien von Fußballern gegenüber denen meiner Jugend so verändert haben. Aber wer weiß, vielleicht gibt es Dortmunder Fans, denen es  in dreißig Jahren ebenso geht, wenn Mario Götze als Bayern-Legende die Lage seines Vereins kommentiert. In mir kitzelte jedenfalls so eine Mischung aus Eifersucht, Empörung und Groll, als mir vom NDR ein Internet-Artikel zum Aufstieg von Eintracht Braunschweig mit folgender Überschrift eingespielt wurde: “Eintracht-Idol Worm schlägt Alarm”.

Natürlich weiß ich, wie sehr Ronnie Worm mit seinem zweiten Verein Eintracht Braunschweig und der Region heute verbunden ist. Aber diese Ausschließlichkeit! Wir hatten doch auch einmal eine gemeinsame so glückliche Zeit. Wir beim MSV und Ronnie. Darüber darf man doch nicht einfach so hinweggehen. Ich bin sicher, er denkt auch so. Und ist es nicht ein Zeichen, dass wir in Duisburg wissen, niemals war Ronald Worm ein “Ronny”, so wie es die unwissenden norddeutschen Deuter seines Lebens heute in einem Text wie dem oben verlinkten behaupten. Da ich all das schreibe, verliert sich schon mein Groll, weil ich weiß,  er trägt beide Vereine in seinem Herzen.

In dieser beruhigteren Stimmung können Genesungswünsche an Maurice Exslager nun auch ohne Schwierigkeiten geschrieben werden. Die Meldung seiner Verletztung gestern kam doch überraschend. Wann hat er sich im Spiel gegen den FC St. Pauli das Knie verdreht? Gegen Union Berlin wäre er wahrscheinlich wirkungsvoller gewesen als im Spiel am Sonntag. Die Offensivkraft der Mannschaft nimmt also weiter ab. Anscheinend ist mit einer Rückkehr von Ranisav Jovanović auch noch nicht zu rechnen. Angesichts der Lage kommt der folgende Clip passend, sowohl für Maurice Exslager als auch für die Mannschaft vom MSV Duisburg. Er zeigt eine kurze Fassung jenes Videoprojekts von Anke Johannsen und anderen Duisburgern, das ich neulich vorgestellt habe. Das swingt! Mut!

Erledigen, was getan werden muss

Wir hoffen natürlich immer auf das Beste im Spiel des MSV Duisburg und müssen dann im Moment feststellen, besser als “in Ordnung” geht es  nicht. Allerdings lässt sich das das torlose Unentschieden gegen den FC St. Pauli auch mit viel freundlicheren Worten bewerten. Die Mannschaft vom MSV Duisburg geht unter Kosta Runjaic zum ersten Mal durch ein Leistungstief und verliert dennoch nicht. Zudem zeigte sie  gegenüber den letzten beiden Spielen eine verbesserte Leistung, obwohl neben Sören Brandy auch noch Ranisav Jovanović ausfiel. Dem Journalistentrio von WAZ/NRZ ist zuzustimmen, wenn sie in ihrem Spielbericht Jovanovics Anteil an der erfolgreichen Rückrunde des MSV Duisburg hervorheben. Ohne ihn fehlte in der Offensive der durchsetzungsstarke Spieler zum Anspiel. Srdjan Baljak und Maurice Exslager mühten sich und blieben dennoch wirkungslos.

Auf Seiten vom FC St. Pauli war es allerdings nicht besser, wenn der Ball kontrolliert im Kurzpassspiel oder mit halblangen Blällen nach vorne gebracht werden sollte. Der letzte, dann steiler gespielte Pass ging bei beiden Mannschaften immer wieder in die Leere oder landete jeweils beim Gegner. Angesichts der Fehlpassmenge dürfen wir aber eben nicht vergessen, die Zebras gaben nicht auf, sich im kontrollierten Spiel zu versuchen. So kam es in einer – insgesamt zwar weniger aufregenden -  zweiten Halbzeit dennoch zu zwei Chancen aus dem Spiel heraus. Keine Stockfehler in der Pauli-Defensive waren dafür verantwortlich, sondern alleine diese vereinzelt gelungenen Spielzüge. Es überraschte nicht, an einem dieser Spielzüge Kevin Wolze beteiligt war. Gestern bestätigte er mit einer sehr guten Leistung die Vertragsverlängerung mit ihm. Diese ausdauernden Versuche die Grundstruktur des Zusammenspiels zu bewahren sind der Grund, warum ich trotz der vielen Fehlpässe ohne ein Gefühl der Enttäuschung aus dem Stadion gegangen bin.

Beim Thema Vertrag, fällt mir zudem auch noch Dustin Bomheuer ein, der sich bei einem hohen Ball der Paulianer völlig verschätzte und anschließend Branimir Bajic danken konnte für dessen Rettungsgrätsche gegen den alleine aufs Tor zulaufenden Paulianer. Der Sprint von Bajic zurück vor der Grätsche beeindruckte nicht minder. Dustin Bomheuer wirkte nicht nur in dieser Situation leicht verunsichert und so klar vorgezeichnet wie bei André Hoffmann scheint mir sein Weg in die Bundesliga noch nicht zu sein.

Vor allem in der ersten Halbzeit schienen Tore für beide Mannschaften jederzeit möglich zu sein. Nicht durch den kontrollierten Aufbau, sondern durch freie Bälle im Mittelfeld, die hin und her titschten, aufsprangen und wenig geplant bei einem Spieler landeten, der dann freien Raum vor sich sah. Oder Fehler passierten eben. So ergaben sich einige Chancen auf beiden Seiten. Dann ging es knapp neben das Tor bei den Versuchen der Zebras und auf der Gegenseite wehrte Felix Wiedwald jeden Ball auf sein Tor ab.

Damit der MSV Duisburg noch den einstelligen Tabellenplatz erreicht, muss sich die Mannschaft gegen Union Berlin noch mehr verbessern. Nehmen wir es als Zeichen für unsere Zuversicht, dass der SC Paderborn zwei Spieltage vor Saisonende noch den Trainer entlässt. Wahrscheinlich aus Sorge vor den im letzten Spiel dann endgültig wieder auftrumpfenden Zebras. Die Saison könnte also noch vor heimischen Publikum mit einer sehr guten Leistung zu Ende gehen.

Kleine Randbemerkung noch zu  dem in Mode gekommenen Versuch, sich bei Eckbällen die Hockey-Eckenregelung zum Vorbild zu nehmen. Anscheinend gibt es eine Spieler-Bewegung, die auf die Verlegung von Eckbällen hin zur Strafraumgrenze  drängt. Wir in Duisburg sind auf Seiten der Traditionalisten und haben schon mehrmals protestiert gegen diese Versuche die Ecken-Regel aufzuweichen. Gestern endlich fanden wir im Schiedsrichter Robert Kempter einen offiziellen Unterstützer unseres Protestes. Vor Ausführung der ersten Ecke von St. Pauli hatte  sich der ausführende Spieler um keine Kreidemarkierung gekümmert. Weit außerhalb des vorgesehenen Viertelkreises lag auf provozierende Weise der Ball. Aber Robert Kempter nahm die Hinweise aus dem Publikum nach nur kurzer Irritation auf und unterband den Pauli-Versuch, die Ecken-Regel zu ignorieren. Ob so ein vorbildhaftes Zusammenwirken nicht auch andere strittige Situationen  klären könnte? Wie oft haben wir hinter dem Tor doch einen besseren Blick auf das Foulspiel etwa innerhalb des Strafraums.

Die Vierzig

Die Zweite Liga ist verdammt langweilig geworden. Zum dritten Mal nacheinander verspielt der 1. FC Köln seine nun auch wirklich allerletzte Chance, den dritten Tabellenplatz zu erreichen. Nächste Woche wird das mit großer Wahrscheinlichkeit sogar zum vierten Mal passieren. Da will ich mal hoffen, dass sich die Mannschaft unserer Zuneigung diesem Trend nicht anschließt. Mehr als ein viertes Unentschieden nacheinander sollte im Spiel gegen den FC St. Pauli gleich drin sein. Wenn dieses Mehr auch noch durch ein besseres Spiel zustande käme, als wir es bei den letzten beiden Malen gesehen haben, könnte ich auch den symbolhaften Gehalt der Vierzig, wie er im Wikipedia-Artikel zur Vierzig zusammengefasst wird, in Teilen bestätigen.

Dort heißt es, die Vierzig stände in Mythologie und Religion für “Prüfung” und “Bewährung”. Was wir im Fußball ja tatsächlich kennen, wenn die Trainer von den notwendigen Zielen der Saison reden. Doch beides erhält in besagter Mythologie anscheinend auch eine deutende Richtung, die ganz im Gegensatz zur Symbolgestalt der Vierzig im Fußball steht. “Initiation” und “Tod” sollen ebenfalls mit ihr verbunden sein. Manchmal musste in so ein Symbol schon einiges reingepackt werden, damit es für das vielfältige Leben auch ordentlich angewendet werden konnte. Der Fußball fehlt im Wikipedia-Artikel übrigens völlig. In der Rubrik “Kultur, Literatur, Musik und Geistesleben” hätten dazu weitere Sätze ausreichenden Platz.

Denn schließlich gilt die Vierzig im Fußball als Zahl  der Dauerhaftigkeit, des Ligaerhalts und der gemeinschaftlichen Erlösung. In der Vierzig verbindet sich die Hoffnung auf die Zukunft mit dem Blick auf die Mühsal des alltäglichen Frondienstes im sportlichen Wettstreit. Die Vierzig steht für Bescheidenheit und übersteigerten Optimismus zugleich.  Mich interessiert die Vierzig allerdings nur als Schwellenzahl, als eine Zahl des Übergangs und der Vergänglichkeit. Die Zweiundvierzig ist ihrem Wesen nach die sehr viel schönere Zahl. Die Zweiundvierzig steht für Vollkommenheit im Spiel, Sicherheit beim Torabschluss und gemeinschaftliches Feiern an Sonntagen vor Christi Himmelfahrt.


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