Archiv der Kategorie 'Spieler damals und heute'

Die zweite Ehe Ronnie Worms und M-U-T für Maurice Exslager

Grinsen ist erlaubt. Denn der Fußball ruft manchmal komische Gefühle hervor. Junge Menschen werden dieses spezielle Gefühl kaum mehr kennen lernen, weil sich die Berufsbiografien von Fußballern gegenüber denen meiner Jugend so verändert haben. Aber wer weiß, vielleicht gibt es Dortmunder Fans, denen es  in dreißig Jahren ebenso geht, wenn Mario Götze als Bayern-Legende die Lage seines Vereins kommentiert. In mir kitzelte jedenfalls so eine Mischung aus Eifersucht, Empörung und Groll, als mir vom NDR ein Internet-Artikel zum Aufstieg von Eintracht Braunschweig mit folgender Überschrift eingespielt wurde: “Eintracht-Idol Worm schlägt Alarm”.

Natürlich weiß ich, wie sehr Ronnie Worm mit seinem zweiten Verein Eintracht Braunschweig und der Region heute verbunden ist. Aber diese Ausschließlichkeit! Wir hatten doch auch einmal eine gemeinsame so glückliche Zeit. Wir beim MSV und Ronnie. Darüber darf man doch nicht einfach so hinweggehen. Ich bin sicher, er denkt auch so. Und ist es nicht ein Zeichen, dass wir in Duisburg wissen, niemals war Ronald Worm ein “Ronny”, so wie es die unwissenden norddeutschen Deuter seines Lebens heute in einem Text wie dem oben verlinkten behaupten. Da ich all das schreibe, verliert sich schon mein Groll, weil ich weiß,  er trägt beide Vereine in seinem Herzen.

In dieser beruhigteren Stimmung können Genesungswünsche an Maurice Exslager nun auch ohne Schwierigkeiten geschrieben werden. Die Meldung seiner Verletztung gestern kam doch überraschend. Wann hat er sich im Spiel gegen den FC St. Pauli das Knie verdreht? Gegen Union Berlin wäre er wahrscheinlich wirkungsvoller gewesen als im Spiel am Sonntag. Die Offensivkraft der Mannschaft nimmt also weiter ab. Anscheinend ist mit einer Rückkehr von Ranisav Jovanović auch noch nicht zu rechnen. Angesichts der Lage kommt der folgende Clip passend, sowohl für Maurice Exslager als auch für die Mannschaft vom MSV Duisburg. Er zeigt eine kurze Fassung jenes Videoprojekts von Anke Johannsen und anderen Duisburgern, das ich neulich vorgestellt habe. Das swingt! Mut!

Spieler, hör die Signale, auf zum nächsten Vertrag

Passend zum Ersten Mai waren in Duisburg ein paar Signale zu vernehmen. Die waren allerdings nicht ein diffuses gesellschaftliches Lärmen, auf das die anonyme Arbeiterschaft hingewiesen werden muss. Die Signale kamen vom MSV Duisburg, und der Verein als Sender kannte den Adressaten beim Namen. Jürgen Gjasula hat sie sofort aufmerksam gehört, auch ohne das Liedgut einer sich organisierierenden Spielerschaft.

Mir gefallen sowohl die Signale selbst als auch das im WAZ/NRZ-Artikel berichtete Klima, in dem sie in Form von Gesprächen über die Zukunft Jürgen Gjasulas beim MSV Duisburg stattfinden. Ich gebe zu, allmählich kitzelten mich erste Zweifel, wie er und Kostas Runjaics Vorstellungen über das Spiel seiner Mannschaften zusammen passen könnten. Unumstritten ist für mich, dass er als einziger Spieler des MSV Duisburg über die Fähigkeiten verfügt, das Offensivspiel mit kreativen Impulsen zu versehen. Andererseits wirkt es auf mich so, als seien diese Fähigkeiten etwas stimmungsabhängiger als bei anderen Spielern. Es wirkt auf mich so, als habe das Vertrauen des Trainers auf seine Leistung einen recht großen Einfluss. Hinzu kommt die Frage, wie sehr er den Ansprüchen von Kosta Runjaic an das Defensivverhalten seiner Spieler genügt. Natürlich hängt das mit köperlicher Fitness zusammen, aber auch mit mentaler Stärke und Einsatzbereitschaft.

All das ging mir immer mal wieder durch den Kopf, seitdem er wieder gesund war und er bei seinen Einsätzen zwar blitzlichtartig seine Klasse zeigen, aber noch nicht vollends überzeugen konnte. Es war nicht klar abzusehen, wie seine Zukunft beim MSV Duisburg aussah. Andererseits war es auch klar, wenn der Verein ohne ihn in die nächste Saison gehen wollte, war dieses Vorhaben ohne Neuverpflichtung eines Spielers seiner Qualität auch ein Zeichen für die anvisierten Ziele in der neuen Saison. Da hätten wir uns schon gleich wieder mit unteren Tabellenrplätzen anfreunden können. Nun aber hören auch wir die Signale. Ivo Grlic und Kosta Runjaic sind der Überzeugung, es wird Mannschaften des MSV Duisburg in der nächsten Saison auf dem Spielfeld geben, die durch Jürgen Gjasulas spielerische Qualitäten besser werden. Diese Aussicht gefällt mir.

Klickhinweis zur Spielvorbereitung: André Hoffmann im Interview

Uns Anhängern des MSV kann ich das ruhig verraten: Unser Mann in der Bundesliga, André Hoffmann, spielt nur Fußball bei Hannover 96, um seine nachrichtendienstliche Aufgabe für den MSV Duisburg zu tarnen. Als wir ihn in Duisburg spielen sahen, wussten alle, er ist der Auserwählte. Er kann in der Bundesliga ohne Schwierigkeiten die Rolle eines Erstligaspielers übernehmen und uns mit den für die Zukunft des MSV notwendigen Interna der Bundesliga versorgen. Zur Tarnung muss er sein Wissen auch andeutungsweise in Interviews preisgeben. Es gehört eben zum Bild eines Fußballspielers, dass er sich der Öffentlichkeit stellt. Zumal wenn er neu in der Mannschaft ist und dazu jung und so erfolgreich wie André Hoffmann. Die Hannoversche Allgemeine Zeitung führte mit Andé Hoffmann ein lesenswertes Interview. Wenn ich also demnächst in fantasievollen Zeiten von einem Aufstieg des MSV Duisburg träume, wird es dabei immer eine gefühlige Episode geben, bei der sich unter konspirativen Umständen Ivo Grlic und Kosta Runjaic mit André Hoffmann treffen. Sie werden sich mannhaft in den Arm nehmen und Tacheles reden. André Hoffmann wird mit ernster Miene sagen: “Leute, es wird schwer.” Kosta und Ivo gucken sich gleichzeitig bedeutungsvoll an. Schweigen erfüllt für einen Moment den Raum. Dann sagen beide wie aus einem Mund: “Wir schaffen das!” Dann sehen sie André Hoffman ernst in die Augen und sagen: “Erzähl!”

Heute erfahren auch wir schon, in der Bundesliga ist das Spiel “schneller, intensiver, das Spiel ist taktisch ausgeprägter als in der 2. Liga, man muss sehr viel mit dem Kopf arbeiten.” Das ganze Interview mit einem Klick weiter.

Mal ein lyrischer Kommentar zur Zukunft von Dustin Bomheuer

Zukunft

Für D.B.

Gerade haben wir uns erst gefunden.
Für vieles war noch nicht mal Zeit.
Du bleibst, heißt nicht, auf stets gebunden.
Du schaffst dir nur Beständigkeit.

Wir können uns noch sehr viel geben.
Dazu zählt fixes Trennungsgeld.
Wenn du jetzt gehst, wirst du erleben,
wie Unerfülltes dich fest hält.

Ennatz als Ikone auch geeignet für die Linke

Eine Legende, sicher, das ist Bernard Dietz. Doch wir wissen alle, für ihn, für Ennatz braucht es eigentlich mehr, ein bedeutsameres Wort, das ihn noch einmal etwas heraushebt aus all den anderen Spielern des MSV Duisburg, die ebenfalls wichtig für den Verein waren. Dieses Gefühl stellt sich sofort ein, und ebenso schnell stoßen wir an Grenzen.

Ennatz die Superlative hinterher zu schreiben kommt mir nicht richtig vor, obwohl seine Bedeutung für den MSV Duisburg unbestritten einzigartig ist. Bernard Dietz wird heute 65 Jahre alt, gemeinhin ein Geburtstag, der zur Erinnerung einlädt. Das Entscheidende über ihn wird immer wieder neu erzählt und ist doch schon unzählige Male gesagt worden. Die Entwicklung im Profi-Fußball ließ ihn in den 1990er Jahren Abstand nehmen von dem zum Unterhaltungsbetrieb werdenden Teil dieses Sports. Heute wird seine Haltung zum Fußball und zum Leben überhaupt allmählich wieder modern.

Natürlich geschieht das in verwandelter Form, aber für einen Verein wie den MSV Duisburg ist die Hinwendung zu vertrauensvollem Arbeiten mit einer strukturellen Basis in der Region überaus notwendig. In den Glückwunschen für Ennatz schwingt deshalb auch Bewunderung für seine gelebte Haltung mit.

Und wer sich einmal in der Öffentlichkeit gegen kapitalistischen Wildwuchs im Fußball äußerte, gerät auch in den Fokus jener linken Gegenöffentlichkeit, der sich die die Tageszeitung junge Welt zugehörig fühlt. Selbst dort erhält Bernard Dietz einen würdigenden Text. Was als erinnerswert hervorgehoben wird, unterscheidet sich dort nicht von dem, was auch wir in Duisburg an ihm schätzen und was von der lokalen Presse hier bei WAZ/NRZ und hier in der Rheinischen Post nur in sehr viel mehr Worte gefasst wird. Es ist das Maßhalten im Erfolg und ein Festhalten an Werten, die heute wieder mehr gefragt sind als noch in den 1990er Jahren. Herzlichen Glückwunsch, Bernard Dietz!

Versteigerung eines Original-Trikots von Gintaras Staučė aus der Jens Lehmann-Sammlung

Der Fußball in Essen kann seit vielen Jahren auch als eine Geschichte des fortwährenden Messerritts Finanzierung erzählt werden. Rot-Weiß ist aus der letzten Insolvenz gestärkt hervorgegangen. Der Erzrivale aus dem Süden der Stadt, Schwarz-Weiß Essen, hatte unlängst den Insolvenzantrag schon abgegeben und konnte ihn im letzten Moment zurück ziehen. So eine Rettung in letzter Sekunde mindert natürlich nicht die Schwierigkeiten, die zukünftige Finanzplanung in den Griff zu bekommen. Wer wüsste das nicht besser als wir in Duisburg angesichts des Geschehens im Dezember letzten Jahres.

So nimmt ETB Schwarz-Weiß Essen jede weitere Unterstützung gerne an. Jens Lehmann besitzt eine Bindung an den Verein, weil er den größten Teil seiner Zeit als Jugendspieler bei Schwarz-Weiß verbrachte. Nun stiftet er einen Teil seiner Sammlung von Original-Trikots für eine Versteigerung, deren Erlös Schwarz-Weiß zugute kommt.

Für uns in Duisburg ist es deshalb interessant, weil unter anderem auch ein Trikot von Gintaras Staučė versteigert wird. Staučė spielte von 1997 bis 2001 bei den Zebras, zunächst als zweiter Torwart hinter Thomas Gill, bis er ihn in der Saison 1998/99 am 13. Spieltag im Heimspiel gegen den VfL Bochum als Nummer 1 verdrängte.

Wer also seiner Sammelleidenschaft nachgeben will und die freundschaftliche Gabe in die Kasse des Essener Südstadtvereins nicht scheut, kann bis zum 3. März, 15.13 Uhr bei Ebay mitsteigern. Andererseits weiß ich nicht genau, ob bei der Finanzsituation des MSV nicht immer noch das Zebra-Hemd näher sein müsste als die ETB-Jacke. In Merchandising-Artikel investieren statt ins Original-Trikot oder gleich spenden? Eine schwierige Frage der Moral!

Leichter fällt es zu sagen, dass Lemonhaus e.V., der Förderverein des Obermarxloher Jugendzentrums Zitrone, eine gute Adresse für Erlöse von Versteigerungen ist. Ein riesiger Plüscheisbär wird – ebenfalls bei Ebay bis zum 4. März 18.38 Uhr – versteigert, und der Förderverein unterstützt mit dem Erlös die Sommerferienfahrt des Jugendzentrums für Kinder, die sonst keinen Urlaub machen können. Wo wir schon mal bei Versteigerungen für gute Zwecke sind.

 

 

Bewegte Bilder von Eintracht Braunschweig aus dem Jahr 1981 lohnen auch wegen des Voodoo-Zaubers

Jedes Mal, wenn Eintracht Braunschweig als nächster Gegner des MSV Duisburg ansteht, denke ich eigentlich fast immer sofort auch kurz an Ronald Worm. Das wird vielen Fans des MSV so gehen, die ihn in den 1970er Jahren in Duisburg erlebt haben. Für zwei Vereine hat “Ronnie” Worm gespielt, für den MSV Duisburg und für Eintracht Braunschweig. Im Netz sind nicht viele Bilder von ihm in Aktion zu finden.

Da müssen wir statt der blau-weißen Streifen mit dem Jägermeister-Emblem Vorlieb nehmen, wenn wir eins seiner Tore sehen wollen. Ab Minute 2.06 steht Ronald Worm für kurze Zeit im Blickpunkt. Vor der Saison 1979/1980 war er für die damals sehr hohe Ablösesumme von 1 Millionen D-Mark zu Eintracht Braunschweig gewechselt.

Eigentlich müsste jetzt ein Portrait her von dem Spieler, der zu den besten Stürmern zählt, die der MSV Duisburg hatte. Dieses Portrait wird heute nicht geschrieben, stattdessen nur ein paar Stichworte zu seiner Spielerkarriere: Er wuchs in Meiderich auf, wurde mit dem MSV Duisburg  Deutscher A-Jugend-Meister und debütierte als 19jähriger während der Saison 1971/72 im Februar in der Bundesligamannschaft des MSV. Zum Ende der Saison war er Stammspieler. Was in den folgenden Spielzeiten höchstens verletzungsbedingt  gefährdet war. Wahrscheinlich gehört er zu den deutschen Fußballspielern mit der umfangreichsten Nationalmannschaftskarriere, wenn die Berufung in möglichst viele der vorhandenen Mannschaften der Maßstab ist. In drei Jugendnationalmannschaften, in den damals noch vorhandenen Amateur- und B-Nationalmannschaften sowie in der A-Nationalmannschaft kam er zum Einsatz.

Es versteht sich beim Blick auf das kommende Spiel gegen Eintracht Braunschweig, dass für die Bewegtbilder von Ronald Wom heute nur ein Spiel in Frage kommt, das trotz des einen Tores von ihm mit 1:3 verloren ging. Ein wenig Voodoo muß heute sein. Bayern München dient mir da als Nadel für den Plüschlöwen der Eintracht. Und die Randgeschichte über den bei Bayern München unzufriedenen Kalle del Haye gibt es als Bonus dazu. Wir sehen die Schwierigkeiten der Trainer in München ändern sich über die Zeiten nicht sehr.

Europaweite Ausbildungsmängel beim Kopfstoß-Opfer-Sein

Was beim Theaterschauspieler, wie etwa das richtige Fallen, zur regulären Ausbildung gehört, muss sich ein Fußballspieler in eigenständiger Weiterbildung selbst aneignen. Ohne professionelle Unterstützung ist das nicht einfach. Verbände und Fußballvereine beschränken sich meist, zumindest nach außen hin, auf die Vermittlung rein fußballerischer Fähigkeiten.  So überrascht es nicht, wenn wir etwa im Bereich des Kopfstoß-Opfer-Seins große Defizite bei der Aufführung feststellen können.

Deshalb bekommen wir solch gänzlich misslungene Vorstellungen zu sehen wie die Mutter aller Kopfstoßschauspiele im Dezember 2005 während des Bundesligaspiels vom MSV Duisburg gegen den 1. FC Köln.  Norbert Meier bekam nach dieser misslungenen Premiere gerade noch die Kurve und schwor dem Kopfstoßschauspiel ab. Albert Streit erholte sich dagegen von der desaströsen Aufführung nicht mehr. Bei sämtlichen weiteren Engagements auf den Fußballbühnen Deutschlands färbte das Misslingen auf seine fußballerischen Qualitäten ab, so dass er vor kurzer Zeit nur noch bei einer kleinen Privatbühne in Köln Unterschlupf suchte.

Wenige Jahre später kam es im DFB-Pokal bei der Begegnung zwischen Hertha BSC und Borussia Mönchengladbach zu einer Einlage, in der Igor de Camargo seine neu erworbenen Kopfstoß-Opfer-Sein-Kenntnisse dem Publikum zeigen wollte. Mit seiner Darbietung erreicht er schon ein höheres Niveau, auch wenn erneut eine Jury notwendig war, die ein Auge zudrückte, um ihm zum erhofften Erfolg zu verhelfen. Sein Partner bei der Aufführung war damals Roman Hubnik, der bis dahin nur die erste Unterrichtseinheit im Kopfstoß-Opfer-Sein mitgemacht hatte, sich aber zur Mitwirkung dennoch sofort bereit erklärte. Er wollte seinen ambitionierten Kollegen gerne unterstützen.

Der Blick über die Grenze zeigt, auch im europäischen Ausland mangelt es an einer vernünftigen Ausbildung. Vielleicht sollte uns Polen dennoch ein Vorbild sein, urteilt dort die Schiedsrichter-Jury nicht so nachsichtig wie in Deutschland und fordert damit mehr Anstrengung bei der Ausbildung heraus.

Auch Alexander Baumjohann und Goran Sukalo müssen noch viel an ihrer Darbietung arbeiten, die sie letzten Sonntag im Spiel des MSV Duisburg gegen den 1. FC Kaiserslautern zur Aufführung brachten – bei Sky mit einem Klick weiter ab Minute 1’15”. Sie hatten es alleine einer erneut nachsichtigen Schiedsrichter-Jury zu verdanken, dass ihre dilletantische Aufführung nicht in Dieter-Bohlen-Manier in Grund und Boden gestampft worden ist. Ich hoffe, beiden Spielern stehen ehrliche Berater zur Seite, die ihnen den großen Abstand zu einer hervorragenden Leistung deutlich machen. Beide Spieler wirken in ihren Stellungnahmen nach dem Spiel nämlich merkwürdig wirklichkeitsfremd. Goran Sukalo schien gar nicht mehr zu wissen, dass auch er das Kopfstoß-Opfer-Sein in Norbert-Meier-Manier zur Aufführung brachte. Während Alexander Baumjohann trotz des Misslingens weiterhin von der Wirklichkeit eines Kopfstoßes faselte. Das Publikum beider Seiten ist da ehrlicher. Sowohl in Kaiserslautern als auch in Duisburg wissen alle, wie erbärmlich diese Aufführung gewesen ist.

Ohne Sinn für die Realität bleiben wir aber im  Kopfstoß-Opfer-Sein ein Entwicklungsland, geschweige denn dass wir die hohe Schule der Fußballschauspielerei in Deutschland einmal zu sehen bekommen. In Südamerika kann schon mehr gewagt werden, wenn auch das Ergebnis noch nicht vollends befriedigen kann. Zur Aufführung kommt hier sogar: Der Gegner schlägt mir beim Zweikampf ins Gesicht.

Zum ersten Mal einen Standard ausgeführt: Andreas Ibertsberger im Interview

Bei diesen Interviewvorlagen greift nicht nur ein neuer Spieler wie Andreas Ibertsberger auf die Standards der Fußballantworten zurück. Ein bisschen wenig für einen eigenen Post. Deshalb noch der Blick in seine Interview-Vergangenheit, in der man ihn ein wenig mehr kennenlernt. 2008 gehörte Andreas Ibertsberger zum Kader der österreichischen Nationalmannschaft für die Fußballeuropameisterschaft. Im Namen des Sponsors der Nationalmannschaft wurden die österreichischen Spieler in Interview-Portraits vorgestellt. Die Interviewsituation, frontal das Brustbild mit gedoppelter Logo-Werbung auf Shirt und Plakatreiter im Hintergrund, wirkt etwas verkrampft. Wahrscheinlich hat auch das dazu beigetragen, dass Andreas Ibertsberger in den Standards noch nicht ganz so sicher wirkt wie heute.

Und mal ‘n lyrischer Kommentar zu den Maierhofer-Gerüchten

Damals in Belek

Für St. M.

Denkst du noch oft an unser Jahr?
Wir hatten nur diese Zeit.
Vom ersten Spiel an war das klar.
Wie schnell wird was Vergangenheit?

Dein Tor in Köln, Pokal-Euphorie.
Du wolltest uns oft Glück erzwingen.
Damals in Belek dachten wir, nie
wird dir ein Sprint zum Ball misslingen.

Das Ausleihende, welch hässliches Wort.
Die warme Türkei half beim Verdrängen.
Kämst du zurück, du ging’st wieder fort.
Gehalt gehört zu den Sachzwängen.

Doch auch wir sind nicht allein geblieben.
Das scheitert, einfach weitermachen,
als sei noch alles übriggeblieben.
Denkst du denn auch an solche Sachen?


Kees Jaratz im Buchhandel

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