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Die Entlassung nutzt nur, wenn …

Deutschland weiß bescheid. Schon beim Frühstück konnte ich es in einer kurzen Meldung des Kölner Stadt-Anzeigers lesen. Laut „Medienberichten“ habe sich der MSV Duisburg von Peter Neururer getrennt. Es sei die sechste Trainerentlassung der laufenden Saison. Mit diesen Medienberichten sind die Meldungen des „Kicker“, der „BILD-Zeitung“ oder diese „NRZ-Informationen“ gemeint. Anscheinend konnte das DSF wegen seiner guten Kontakte zu  Peter Neururer noch einen O-Ton von ihm erhalten, der beim DSF online nicht zu finden ist, aber hier von „Der Westen“, Sektion „NRZ“ indirekt wiedergegeben wird. Peter Neururer wies darauf hin, dass die Trennung „einvernehmlich“ vorgenommen wurde. Und was sagt der MSV Duisburg? Der sagt nichts. Denn die Pressekonferenz ist erst heute um 12 Uhr. Die Redseligkeit von Peter Neururer bei gleichzeitiger Zurückhaltung der Verantwortlichen des MSV Duisburg führt aber mitten hinein in Tinas gemischte Gefühle.

Betrachtet man alleine die Trennung, lässt sich nichts dagegen sagen. Sie kommt zum richtigen Zeitpunkt, so man Trainerentlassungen für ein geeignetes Mittel hält, die Leistung einer bestehenden Mannschaft zu verbessern. Auf den Abstiegskampf bezogene Statistiken zeugen zwar vom Gegenteil, dennoch kann der Einzelfall seine leistungssteigernden Besonderheiten der Trennung aufweisen. Die Trennung kann auch ein geeignetes Mittel sein, wenn die Chemie zwischen Trainer und Vereinsverantwortlichen  nicht mehr stimmt. Mir geht da ein Foto der letzten Woche durch den Kopf, das Walter Hellmich und Peter Neururer nach dem Erfolg gegen Rostock zeigt. Walter Hellmich wirkt auf diesem Foto nicht gerade beglückt durch die Umarmung von Peter Neururer. Das mag ganz andere Gründe haben als das unbewusste Bedürfnis, sich zu distanzieren. Vielleicht fühlte sich Walter Hellmich durch das Kapuzenfell einfach nur gekitzelt, doch gibt es einen Erklärungsrahmen dieses Bildes, der den Versuch der Distanzierung wahrscheinlich macht. Es gibt also viele Gründe für die Trennung und die schlechte Leistung der Mannschaft ist nur einer dieser Gründe.

Warum nun gibt es diese gemischten Gefühle, die nichts mit meinem Wunsch zu tun haben, Peter Neururer möge unbedingt weiter Trainer bleiben. Das hat mit etwas Grundsätzlichem zu tun, mit meinem Eindruck, wie im Verein so etwas wie eine Einheit im Verein selbst und mit dem Umfeld hergestellt wird. Es gibt meiner Meinung nach zu wenig Wissen im Verein darüber, wie dieses in einem finanzschwachen Verein wie dem MSV Duisburg für den Erfolg so notwendige Gefühl befördert werden kann. Wahrscheinlich nehmen es die meisten Beobachter des Fußballs als normal hin, wie die Nachricht von Peter Neururers Entlassung in den Medien ihre Runde machte. Da gibt es keine wirkliche Fehlleistung des Vereins aller Vereine. Die Nachricht als solche ist so wichtig, dass alles andere wenig Beachtung findet. Doch betrachtet man diese Kleinigkeit der Nachrichtenverbreitung genauer, lässt sie Rückschlüsse auf Arbeitsweisen im Verein zu. Ich halte es für nicht richtig, dass Peter Neururer beim DSF irgendetwas bestätigt, was noch kein Verantwortlicher des MSV Duisburg offiziell verkündet hat. Der Verein müsste das Heft des Handelns jederzeit in der Hand halten. Man hätte sich die Frage stellen müssen, kann man Peter Neururer zu Stillschweigen verpflichten? Ich weiß das nicht. Das müssen die wissen, die etwa ein Jahr mit ihm zusammen gearbeitet haben. Mein Eindruck ist aber, da er sein eigenes Interesse stets im Blick behält, warte ich besser nicht auf den kommenden Tag, um etwas zu verkünden, was nicht nur den Verein sondern auch so einen Mann mit Medienkompetenz betrifft.  Dann muss noch am selben Abend der Entscheidung zumindest eine kurze Stellungnahme her. Die offizielle Pressekonferenz in ruhigem Fahrwasser kann dann am nächsten Tag immer noch kommen.

Gerade aus solchen Gründen gibt es diese gemischten Gefühle in mir. Immer wieder kommt es dazu, dass die Verantwortlichen im Verein, und damit meine ich nur die Verwaltung, bei ihrem Handeln knapp daneben liegen. Das wirkt nach außen und gefährdet immer wieder das Gefühl, alle die den Verein unterstützen und alle, die beim Verein angestellt sind und für ihn arbeiten, ziehen an einem Strang. Nur Erfolg überdeckt diesen so grundsätzlichen Mangel. Doch gleichzeitig ist das auch mit ein Grund dafür, dass der Einfluss von Zufällen auf diesen Erfolg größer ist als nötig. Daran etwas zu ändern, braucht Zeit. Das muss wachsen, und zwar indem der Verein sich öffnet und die Verantwortlichen im Verein ihr Handeln mehr erkären. Alleine durch die Erklärung wären sie gezwungen, die interne Arbeit immer wieder zu überprüfen. Wenn sich dieser grundlegende Mangel nicht ändert, könnte Uwe Speidel zum Heiko Scholz der Zukunft werden. Vom Geld habe ich zudem noch gar nicht geredet.

Das muss sein: Recherche, Recherche, Recherche

Wenn du eine Idee zu einer Geschichte hast und dir zu deiner Geschichte zu wenig Szenen einfallen, hast du einfach nicht genügend recherchiert. So was sagen amerikanische Drehbuchautoren zu handwerklichen Grundlagen des Schreibens. Dieser Rat lässt sich zweifellos auch auf journalistisch inspiriertes Schreiben ausweiten. Denn in zwei Zeitungsmeldungen von gestern steckt eindeutig eine Geschichte über den MSV Duisburg. Doch in mir sträubt sich alles gegen erste Sätze. Dazu müsste ich erst zu recherchieren beginnen, um die Geschichte mit Fakten zu füllen und Spekulationen möglichst klein zu halten.

Nach meinem Empfinden gibt es inzwischen nämlich genügend Spekulationen – vor allem zur Zukunft von Peter Neururer. Für Peter Neururer werde die Luft dünner, heißt es in der einen Meldung, in der sich Tatsachenbehauptungen und Spekulationen schon derart vermischen, dass je nach Stimmungslage des Lesers er eine Entlassung als bereits beschlossen verstehen kann. In dem Zusammenhang bleibt aber diese zweite Meldung nicht ohne Bedeutung: Andreas Peters, der vor allem von Fan-Gruppierungen in den Aufsichtsrat gewählt wurde, tritt als Aufsichtsratmitglied zurück. Er beklagt den Verlust des Vertrauens zu anderen Mitgliedern des Kontrollgremiums und macht sich „erhebliche Sorgen“ um die wirtschaftliche Zukunft des MSV Duisburg. Im msvportal werden diese Sorgen schon länger thematisiert, zunächst geschah das in jenem Thread und seit einiger Zeit vor allem in diesem.

Eine mögliche Entlassung Peter Neururers und die wirtschaftliche Situation des MSV Duisburg stehen also vielleicht in einem Zusammenhang. Deshalb wären weitere Recherchen notwendig. Kann sich der MSV Duisburg überhaupt einen neuen Trainer leisten? Denn an Rücktritt scheint Peter Neururer ja nun nicht mehr zu denken. Wenn er sich den neuen Trainer leistet, wie kann dieser Verein wirtschaftlich überleben? Wo kommt das Geld für Abfindungen her? Schließlich wurde nach Beginn der Saison ein wichtiger Spieler verkauft, um DFL-Auflagen zu erfüllen und anschließend wurde  eingenommenes Geld – zum Teil? – in Gehälter investiert.

Fußballvereine seien keine normalen Wirtschaftsunternehmen, las ich neulich als Kommentar eines Finanzfachmanns zur finanziellen Situation vom FC Schalke 04. Da könne immer mal jemand überraschend kommen,  der aus der Klemme hilft. In diesem Zusammenhang mit dem FC Schalke 04 fiel mir sogleich die Systemrelevanz ein. Ob der MSV Duisburg systemrelevant ist oder nur einer der vielen mittelständischen Betriebe, die leider nur für die Region wichtig sind und deshalb diese überraschenden Hilfen – wenn nötig – nicht erhalten, scheint mir eine offene Frage zu sein. Ich sagte ja, ohne Recherche ist das eigentlich keine Geschichte, und dafür dass das noch gar keine richtige Geschichte ist, sind doch schon einige Sätze zusammengekommen.

Das Pokalspiel als Farce

Ihr kennt das geflügelte Wort von den weltgeschichtlichen Ereignissen, die sich immer ein zweites Mal ereignen? Karl Marx hatte dem hinzugefügt, das erste Mal als Tragödie das zweite Mal als Farce. Zwar war es keine Tragödie, die ich im letzten Jahr erlebt habe, als ich das Ausscheiden des MSV Duisburg im DFB-Pokal gegen den TSV 1860 München beim Bier nach dem Basketball mitbekam, gestern aber war es mit Sicherheit eine Farce. Für den MSV Duisburg, aber auch für mich.

Sämtliche Pläne des gestrigen Tages in Sachen DFB-Pokal zerschlugen sich. Für den MSV Duisburg und für mich. Zum Spiel selbst erübrigt sich jedes Wort. Wenn schon Peter Neururer nichts dazu einfällt, dem Mann, der noch jede Niederlage bislang in eine erzählenswerte Geschichte für die Journalisten verwandeln konnte. Da bleibt uns nur zu schimpfen oder die Farce zu erzählen, die man selbst erlebt hat. Denn der Plan war doch gewesen, meine 2:1-Sieg-Vorhersage nach dem eigenen Meisterschaftsspiel in der Kneipe am Deutzer Rheinufer bestätigt zu sehen. Auf dem Weg von der Sporthalle Richtung Deutzer Brücke blitzten dann die Erinnerungen an das letzte Jahr auf. Ich sah mich auf den Flachbildschirm starren, hatte schon das Grün des Rasens vor Augen, sah das Gestochere und die kläglichen Angriffsbemühungen gegen München und mich überkam so ein komisches Gefühl der Scham, weil ich so naiv den Sieg gegen Augsburg mit minutiöser Torfolge-Angabe verkündet hatte. Ich kam mir auf einmal so lächerlich vor, riss mich dann aber zusammen und dachte, das wird schon gut gehen. Selbst wenn die Niederlage kommen sollte, das Kölsch wird schmecken, deine Mitspieler werden frotzeln und du wirst bei allem möglichen Ärger einigermaßen zufrieden nach Hause fahren.

Wir kommen am Rheinufer an, schließen unsere Fahrräder ab und im selben Moment wird es auf der Promenade stockduster. Stromausfall? Nein! Die Kneipe war zu. Nur ein Bewegungsmelder hatte für Licht bei unserer Ankunft gesorgt. Es gab kein Kölsch, dafür aber den Mitspieler, der im Auto gefahren war und nicht nur vom 3:0-Sieg des FC wusste, sondern auch den 3:0-Rückstand des MSV verkündete. Was für eine Wiederholung der Enttäuschung im letzten Jahr. Ich stehe im Dunkeln, nirgendwo erinnert irgendetwas an ein Fußballspiel, nur in mir gibt es dieses bohrende Gefühl, da ist doch was gewesen. Ein 3:0-Rückstand, mehr brauchte ich nicht zu wissen. Haben wir das in dieser Saison eigentlich schon mal gesagt? Man kann verlieren, aber doch nicht so. Haben wir das schon mal gesagt? Ich frage ja nur, weil mir das so bekannt vorkommt. Man kennt den MSV Duisburg allmählich auch als „Aber-Team“. Den Begriff schütze ich als Marke. Da soll mir keiner zuvorkommen.

Ich bedauer alle, die den Weg nach Augsburg auf sich genommen haben oder wie Tina vor dem Fernseher saßen. Eine Farce! Für den MSV Duisburg etwas mehr als für mich. In Deutz gibt es wenigstens noch andere Kneipen. Eine andere Niederlage als diese gestern gibt es für den MSV Duisburg leider nicht.

Vor dem Pokalspiel gegen den FC Augsburg

Dienstagabend ist Basketballabend. Das wisst ihr allmählich, und eigentlich hatte ich vor, meine guten Erfahrungen beim Spiel gegen Mönchengladbach zu wiederholen. Ich wollte auf Basketball verzichten. Gerade weil es sich im Gegensatz zum letztjährigen Pokalspiel gegen den TSV 1860 München bereits um das Achtelfinale handelt, war ich bereit, den Abend nicht in der Sporthalle zu beginnen, sondern sofort in die Kneipe am Deutzer Rheinufer zu gehen. Dort wollte ich bei der Pokalübertragung vor dem Fernseher auf meine Mitspieler warten. Zu meinem Glück spielt ja der FC bereits um 19 Uhr, so dass ich zumindest die zweite Halbzeit recht ausführlich hätte zu sehen bekommen. Nun haben wir heute ein Meisterschaftspiel und erhebliche Verletzungssorgen. Nicht nur Bernd Korzynietz plagen zurzeit Hüftbeschwerden, auch bei uns ist von grippalem Infekt über Kapselverletzungen an Fingern der rechten Hand bis hin zu Entzündungen der Sehnen an verschiedenen Körperteilen alles an Gründen vorhanden, dass Spieler nicht auflaufen können. Das MSV-Fieber ist da noch am leichtesten zu behandeln, deshalb muss ich in den sauren Apfel beißen und komme erneut erst zum Ende der zweiten Halbzeit vor den Fernseher.

Ich hoffe, zu dem Zeitpunkt steht es bereits 2:0 nach Toren von Larsen in der 51. Minute und Ben-Hatira in der 66. Wir werden noch einen Gegentreffer in der 74. Minute bekommen, damit sich für mich die letzten Minuten vor dem Fernseher auch lohnen. Es wird aber bei dem Ergebnis bleiben. Diese Voraussage an der Stelle hier stellt einen Versuch dar, weil meine Vorhersagekraft vor Auswärtsspielen gegenüber Einzelpersonen bislang nicht weiter wirkte. Vor wichtigen Spielen müssen auch einmal ungewöhnliche Wege gegangen werden.

Wer sich bis zum Abend noch ein wenig die Zeit vertreiben möchte, findet hier eine von der Augsburger Allgemeinen veröffentlichte Zeitungsbeilage anlässlich der Eröffnung des neuen Augsburger Stadions zu Beginn der Saison. Überfliegt man dort die Seiten, werden Erinnerungen wach. So ein Stadionneubau weckt Hoffnungen und beflügelt die Fantasie. Wir, in Duisburg, sind da mit unserem Stadion schon ein wenig in die Jahre gekommen. Bei uns in Duisburg ist ein erwachsenes Gefühl an die Stelle von jugendlichem Optimismus und naivem Ehrgeiz getreten. Ich weiß nicht genau, ob ich dieses erwachsene Gefühl Realismus oder Resignation nennen soll.  So ein neues Stadion schießt auf Dauer auch nicht mehr Tore als die gegnerische Mannschaft. So ein neues Stadion ist nämlich auch nur ein Bauwerk, das vor allem Fußballspieler mit Leben füllen müssen. Wir Zuschauer machen das ohnehin. Der Umgang mit Menschen ist aber nicht so leicht berechenbar wie der Umgang mit Baumaterial. Walter Hellmich kennt sich mit diesem Unterschied inzwischen bestens aus. Wie man bei dieser Pressekonferenz übrigens hören kann, hält Jos Luhukay viel vom MSV Duisburg. Im zweiten Clip antwortet er bei Minute 11:58 auf die Frage, „was macht Duisburg richtig gut?“ Wir hören „Erfahrung“ und „Torgefahr in allen Mannschaftsteilen“. Dann wollen wir mal hoffen, dass sich seine Einschätzung bewahrheitet.

Vom Himmel fiel ein Ball zum Torerfolg – Der Heimsieg gegen Hansa Rostock

Wenn ich derart, nämlich mit präzisen Ergebnisvoraussagen gegenüber Dritten, dazu beitragen kann, den Erfolg des MSV Duisburg zu ermöglichen, bin ich gerne bereit, daran mitzuarbeiten, wovon wir seit letzter Woche bis zur Winterpause nicht mehr sprechen. Dieses Mal kündigte ich den 3:1-Sieg der Bloggerkollegin Tina an, gegen Berlin war es die Tipprunde. An den Auswärtssiegen muss ich allerdings noch was arbeiten, da scheint sich meine wirklichkeitsbestimmende Macht nicht zu entfalten. Vielleicht hat einer der Spieler des Vereins aller Veine eine Idee, woran das liegen kann. Ich bin da ganz offen für Vorhersagebedingungsumstellungen. Peter Neururer sah sich ja vor dem Spiel gegen Hansa Rostock ebenfalls gezwungen, Veränderungen bei der Mannschaftsaufstellung vorzunehmen. Ein anderes taktisches System sollte den Erfolg ermöglichen.

Ob dieser Sieg aber tatsächlich der veränderten Taktik zu verdanken war, lässt sich keineswegs so sicher sagen wie der Sieg für alle aussieht, die nur das Ergebnis kennen. Das war mal wieder ein typisches MSV-Erlebnis gestern im Stadion. Diese Mannschaft gewinnt mit 3:1, doch richtig zufrieden gehen die wenigsten nach Hause. Was war das für ein Gegrummel beim Rausgehen. Grundsätzlich fühlen sich Siege ja besser an als Niederlagen oder Unentschieden, doch um das Stadion herum schwirrten diese unzähligen „aber“  durch die Luft. Ich habe dazu beigetragen. Natürlich ist es in Ordnung, in der zweiten Halbzeit erst einmal abzuwarten, was der Gegner noch macht, wenn man mit drei Toren Vorsprung führt. Dienstag arbeiten wir ja weiter am Projekt „Berlin“. Wenn Rostock nun nur mit gebremsten Schwung aus der Kabine kommt, gibt es eben nicht viel zu sehen. Warum aber habe ich nach dem einen Tor der Rostocker in der 70. Minute bis zwei Minuten vor Spielende die Sorge, der Verein aller Vereine könnte den Sieg noch verspielen? Ich befürchte, das hat dann doch mit der nicht allzu stabilen spielerischen Qualität der Mannschaft zu tun. Andererseits besitze ich ja einen unerschütterbaren Grundoptimismus und sehe, wie diese Zweitligamannschaften, bislang mit Ausnahme von Bielefeld und Kaiserslautern (?), nicht allzu konstant ihre Leistungen zeigen können. Um noch einmal meine stets so lang wie möglich bestehende Hoffnung anzudeuten, von der wir bis auf weiteres schweigen.

Gleichzeitig wird aber auch die Erinnerung an die erste Halbzeit wieder wach, einer Halbzeit, in der wir zwei überaus vorsichtige Mannschaften gesehen haben, die partout keine Fehler machen wollten und natürlich Fehler über Fehler machten. Doch man sah auch eine Mannschaft des MSV Duisburg, die diese Fehler entschiedener ausbügelten als die Rostocker. Spielfluss kam da nicht groß auf. Die Tore ergaben sich ja keineswegs aus dem kontinuierlichen Aufbau von immer mehr Chancen. Mir kommt im Rückblick die erste Halbzeit vor wie der lange Spielzusammenschnitt einer Sportsendung. Zu sehen waren mal längere, mal kürzere Einheiten des Spiels, die aber keinen Rhythmus entwickelten. Alle drei Tore stehen als einzelne Momente des Spiels für sich und fügen sich für mich nicht als Höhepunkte in eine Einheit. Gerade das erste Tor von Frank Fahrenhorst wirkte so,  als ob da ein Ball kurz vor dem Rostocker Strafraum aus dem Himmel gefallen kam. So ein göttliches Zeichen kann dann natürlich zu jenem bewegungslosen Staunen führen, das die Rostocker Verteidigung überfiel. Sie schienen den Angriff des MSV Duisburg für abgeschlossen zu halten, als sie beobachteten, wie Adam Bodzek nach der ersten Klärung des für Rostock wenig gefahrvollen Angriffs zum Volleyschuss ansetzte. Dass er damit nur die kunstvolle Variante eines Passes auf den vor dem Tor völlig frei stehenden Frank Fahrenhorst versuchte, konnten sie natürlich nicht ahnen. Kühl hat Fahrenhorst die Chance verwandelt, und da ich meine Sicht auf die Wirklichkeit den billigen Pointen vorziehe, ist die Torgefahr in beide Richtungen hier völlig fehl am Platz. Denn hinten war Fahrenhorst nicht besser oder schlechter als seine Mitstreiter. Allesamt waren immer mal wieder für ein wenig Ballgeflipper gut, allesamt hatten immer mal wieder kurze Orientierungsprobleme bei der Bestimmung, wie nah der gegnerische Stürmer schon dem Tor gekommen war. Allesamt aber waren immer wieder auch bemüht um kontrollierten Spielaufbau aus der Defensive heraus.

Chavdar Yankov zeigte, wie wichtig er für diesen kontrollierten Spielaufbau ist. Nicht nur wegen seines beeindruckenden Tores war er für mich der beste Mann auf dem Platz. Wenn nach vorne gar nichts ging, konnte ihm der Ball überlassen werden. Raumgewinn brachte das nicht unbedingt, doch die sichere Ballkontrolle war ungeachtet der Zahl der Gegenspieler gewiss. Wie wichtig er für das Spiel des MSV Duisburg ist, wird auch deshalb so deutlich, weil Adam Bodzek zurzeit nur defensiv überzeugt. Unser Sportlehrer hatte sich einmal ein kurioses  Fußballspiel überlegt, bei dem zwei Spieler einer Mannschaft ein Band in der Hand halten mussten und so sich paarweise bewegend einen einzigen Spieler der Mannschaft bildeten. Zwischenzeitlich hatte ich den Gedanken, so einen zweiten Spieler direkt bei sich könnte Adam Bodzek gut gebrauchen. Der übernähme dann den Spielaufbau und Adam Bodzek müsste sich seine gute Defensivleistung nicht immer wieder durch katastrophale Fehler im Spiel nach vorne kaputt machen. Gestern machte er mich immer wieder nervös, sobald er sich den Ball erobert hatte. Dieses Tal der Teilleistung Offensvispiel ist hoffentlich bald durchschritten.

Dass Sören Larsen arbeitet und ackert war von Anfang zu sehen. Inzwischen ist er in der Mannschaft angekommen. Nicht nur wie er sich vor dem zweiten Tor den Ball erobert hat, sondern auch das anschließende, technisch saubere Ausspielen des Torwarts war so sehenswert wie die Reingabe erfolgreich. Ich hätte zudem gerne Änis Ben-Hatira im innigen Jubel mit Larsen gesehen. Schließlich war es hauptsächlich das Tor von Larsen. Zwar gab es den dankenden Fingerzeig, doch auch an Ben-Hatiras  Jubel ist wieder zu erkennen, da gibt es weiter Arbeit bei der Persönlichkeitsbildung. Meiner Meinung nach braucht er während der Woche ununterbrochen jemanden, der ihm sagt, ohne die Mannschaft kannst du nicht glänzen. Sein Spiel war gestern schon mannschaftsdienlicher als in den Wochen zuvor, einiges mehr ist da aber noch möglich. Außerdem darf Christian Tiffert nicht unerwähnt bleiben. Nicht nur, dass seine spielerische Leistung weiter stabil bleibt und über ihn ein schnelles Passspiel immer möglich ist, darüber hinaus zeigt er eine Ausstrahlung und Präsenz auf dem Spielfeld, die andere Spieler mitreißen kann.

War das nun ein Sieg, weil Rostock zu schwach war? Was war die eigene Stärke, um die sich bietende Chance zum Sieg zu nutzen? Verdeckt der Sieg den klaren Blick auf Schwächen? Wie wir die Dinge sehen, bestimmt unsere Gefühle. Weil es keine eindeutigen Antworten auf die gestellten Fragen gibt, gibt es diese gemischten Gefühle in mir. Was wir vom MSV dieser Saison nach so einem Spiel weiter erwarten können, ist wenig vorhersehbar. Was mich nicht hindert, auch in Zukunft meinen Teil zum erhofften Erfolg beizutragen.

DFB mit Lex MSV? Der Grund für mehr Busse und Bahnen?

„DVG setzt mehr Busse und Bahnen ein“. Als ich diese Überschrift las, fragte ich mich sofort, was weiß die Duisburger Verkehrsgesellschaft mehr als ich? Erwartet auch die Polizei einen plötzlichen großen Zuschauerandrang? Nichts deutete die Woche über darauf hin, dass das Spiel vom MSV Duisburg gegen Hansa Rostock morgen ausverkauft sein wird. Den Polizeipressesprecher habe ich nicht mehr erreicht, doch meine weitere Recherche hat mich auf diese Seite von „Der Westen“ geführt:

2009-10-24 DER WESTEN MSV 1. LIGA

(Zum Vergrößern anklicken)

Ganz versteckt, unterhalb der Überschrift,  ist hier der wahrscheinliche Grund für den erwarteten, großen Zuschauerandrang  zu erkennen. Ich nehme an, die entsprechende Pressemeldung zur Aufstockung der Bundeliga um zwei Vereine hat noch eine Sperrfrist bis morgen. Doch bei „Der Westen“ ist man stets der Zeit voraus. Verlinken kann ich den Artikel leider nicht mehr. Anscheinend hat man sich nun doch anders entschlossen und will keinen Ärger mit dem DFB provozieren. Für mich stellt sich die Sache so dar: Der MSV Duisburg und Hansa Rostock spielen die Saison in der 2. Liga zu Ende und haben eine Wildcard für die Bundeliga in der kommenden Spielzeit erhalten. Beim DFB gab anscheinend hauptsächlich die Erstligaausstrahlung von Peter Neururer den Ausschlag, die schon lange geplante Aufstockung der Bundesliga per Wildcard nun endlich in Angriff zu nehmen. Gerade weil  beim MSV Duisburg in den letzten Wochen doch Zweifel deutlich wurden, ob Peter Neururer seinen angestammten Platz in der Bundesliga per Qualifikation des MSV Duisburg in der Meisterschaftsrunde erreichen kann, wollten die DFB-Verantwortlichen auf Nummer Sicher gehen. Als Grund für die Vergabe der zweiten Wildcard an Hansa Rostock kommt aus meiner Sicht nur eine Strukturfördermaßnahme für den Fußball-Osten in Frage. Einen Vertreter vom DFB habe ich an diesem Freitagnachmittag zu dieser sensationellen Entwicklung nicht mehr befragen können. Morgen im Stadion erwarte ich deshalb nicht nur einen Sieg des MSV Duisburg, sondern auch die offizielle Verkündung der heute durchgesickerten Meldung.

25.10. 09 Nachtrag: Der Artikel in „Der Westen“ ist wieder da, und der DFB hat noch immer nichts offiziell vermeldet.

Der Ex hat wieder eine Neue

Wie ich euch kenne, habt ihr das natürlich sofort mitbekommen: Die ist jetzt mit dem Friedhelm zusammen. Lange war der ja nicht allein, wirkt einfach immer noch attraktiv. Schon klar, er kommt nicht bei jeder gut an. Es gibt so viele, die sich für was Besseres halten. Und jünger sind wir auch alle nicht geworden.

Aber wie die jetzt ihre ersten Tage zusammen verbringen, da kriegt man ja richtig Mitleid mit ihm. Wir konnten damals wenigstens noch richtig glücklich sein. Nicht nur eine kurze Zeit!  Uns stand die Welt offen. Das war schön. Damals. Und wir haben nicht rumgesponnen. Wir haben etwas erreicht. Da können die anderen, mit denen er zusammen war, doch nur von träumen.

Mit wem war er zum ersten Mal in einem großen Finale? Als Trainer! Das erste Mal bleibt immer etwas Besonderes. Und dann noch Berlin. Das Pokalfinale! Als wir zusammen waren, konnten wir noch mit Zuversicht in unsere gemeinsame Zukunft gehen. Vernünftig, wie die jetzt heute, das waren wir auch. Aber doch nicht nur. Man kann doch nicht immer nur vernünftig sein. Man muss sich doch auch ein wenig mögen.

Hat er das wirklich verdient, so empfangen zu werden? Schon am Anfang. Bei uns hat er alles das erst am Ende zu hören gekriegt. Wenn es auseinander geht, da gehen einem die Eigenarten des anderen eben auf die Nerven. Aber sich schon am Anfang Gedanken darüber machen, ob das mal gut geht? Ich wünsche es ihm so sehr, dass zu der Vernunft auch ein wenig Zuneigung hinzukommt. So ein neuer Trainer ist doch auch nur ein Mensch.

Die Wahrheit einer Statistik

Auch wenn ich selbst neulich per Auswärtsblog hier ein wenig Statistik ins Spiel gebracht habe, die so beweiskräftig wirkenden Zahlen bilden die Wirklichkeit nur zum Teil ab. Folgendes etwa sollte man beim Lesen von Teilen solcher Statistiken nicht vergessen:

In so eine Statistik fließen ja die Zweikämpfe, die man gar nicht erst bestritten hat, leider nicht mit ein.

Dieser Hinweis ist Jürgen Klopp zu verdanken, als er 75 Prozent gewonnene Zweikämpfe seines Stürmers Lucas Barrios kommentieren musste. Zu lesen in der Süddeutschen Zeitung, gedruckt und nicht online.

Wird ein Muster nun erkennbar?

Seit Jahren spiele ich Basketball. Schon sehr lange gibt es dabei keinerlei Ambitionen mehr,  außer zu gewinnen. Das einzelne Spiel. Das gilt für mich wie für meine Mitspieler, auch wenn wir zum Teil gegen Mannschaften spielen mit Spielern im Alter unserer Kinder. Eine Voraussetzung für dieses Gewinnen wird aber von mir und meiner Mannschaft oft nur etwas nachlässig beachtet: Das Spiel beginnt mit dem Anpfiff. Wir sind es von unseren mannschaftsinternen Basketballabenden – Training ist das längst nicht mehr – nämlich gewohnt, uns ganz allmählich an schnelle Bewegungen heranzutasten und die für das Siegen notwendige Präsenz auf dem Spielfeld in gegenseitigem Einvernehmen nach und nach erst zu entwickeln. Wir brauchen diese Zeit, schließlich sind wir nicht mehr die jüngsten.

Bei einem Meisterschaftsspiel ist das dummer Weise anders. Da gibt es tatsächlich gegnerische Mannschaften, die suchen von dieser ersten Sekunde des Spiels an den Erfolg. Das ist unangenehm für uns, weil wir diese andere, uns so vertraute Haltung einfach nicht aus dem Kopf bekommen, selbst wenn wir uns lange genug aufgewärmt haben. Obwohl wir die Gefahr so gut kennen, liegen wir dann innerhalb von fünf Minuten mit acht bis zehn Punkten zurück. Ändern lässt sich dieser Spielauftakt fast nie. In meiner Mannschaft hat sich eine Kultur der Spielweise etabliert, die mächtiger ist als unser bewusster Wille diesen befürchteten Rückstand zu verhindern. Wir gewinnen manchmal dennoch. Aus unterschiedlichen Gründen. Manchmal ist der Gegner einfach zu schlecht, um den Vorsprung zu halten. Manchmal bringen wir dank unserer Erfahrung eine jüngere gegnerische Mannschaft aus ihrem Spielrhythmus. Manchmal wird der Gegner zu leichtsinnig und nachlässig.

In dieser Saison scheint der MSV Duisburg immer mal wieder mit einem ähnlichen Problem zu kämpfen wie meine Basketballmannschaft. Wenn ich bei Der Westen lese, wie der Verein aller Vereine in München verloren hat, erinnert mich das sehr an das Spiel gegen Rot-Weiß Oberhausen. Das Freistoßtor fiel nur eine Minute früher als im Niederrhein-Stadion. Die Mauer scheint erneut eher mäßig gestellt gewesen zu sein. Tom Starke kommentiert, erst nach 20 Minuten sei der Schalter umgelegt worden. Das verstehe ich so, vorher war die Mannschaft noch nicht mit der Konzentration auf dem Platz wie es notwendig gewesen wäre.

Mehrmals habe ich in den letzten Wochen lesen können, die Mannschaft sei stärker besetzt als in der letzten Saison wahlweise auch als in der letzten Aufstiegssaison. Mir scheint das nicht falsch zu sein. Dennoch stehen diese starken Einzelspieler weder in jedem Spiel nach dem Anpfiff von Anfang an entschlossen auf dem Platz, noch finden sie regelmäßig zur Einheit. Auch das lese ich nämlich vor allem in den Kommentaren zu dem oben verlinkten Artikel oder im msvportal, es mangelt an Geschlossenheit und Zusammenspiel.

Hat sich da nun etwas verfestigt, was den Erfolg verhindert? Gibt es da nun eine mir und meiner Basketballmannschaft so bekannte Kultur der Spielweise. Ist das ein sozialpsychologisches Phänomen, eine Gruppendynamik des Misserfolgs? Gibt es da eine Atmosphäre innerhalb der Mannschaft, die Konzentration verhindert? Einen Geist der Mannschaft? Gerade dann wenn der Gegner spielerisch nicht überlegen ist, macht sich eine solche Kultur der Spielweise bemerkbar. Gerade dann entscheidet das Auftreten der Mannschaft, wie der Gegner sein Spiel entwickeln kann. So war das gegen Rot-Weiß Oberhausen, so muss es gegen TSV 1860 München gewesen sein.

Wie auch immer man diese Eigenart der Mannschaft nennen will, eins ist sicher, wenn schon erste Muster von Niederlagen erkennbar sind, wird es sehr schwer für die Spieler, sich der Wirksamkeit einer solchen sich ausbildenden Kultur der Spielweise zu entziehen. So unbedingt das auch jeder einzelne in dieser Mannschaft will, braucht es Spiel für Spiel mehr Können und mehr Einsatzbereitschaft, je öfter das Vorhaben missrät. Gelingt es einmal mehr nicht, von Anfang an entschlossen auf dem Platz zu stehen, ergeben sich Ratlosigkeit und Ohnmacht. Denn jeder der Spieler fühlt sich als Einzelperson ja bereit dazu, alles beizutragen den erkannten Fehler nicht zu wiederholen. Doch irgendwann geht es der Mannschaft wie einem Fahrradfahrer auf Feldwegen. Der muss die alten Spurrillen weit umfahren, um nicht gleich wieder drin zu landen und dann unweigerlich nach ein paar Metern zu stürzen.

Manchmal möchte ich wissen, wie in einem Fußballverein nach solch einem Spiel, Gründe für die Niederlage gesucht werden. Was macht Peter Neururer konkret? Gibt es ein offenes Reden von vielen? Ich frage mich das, weil ein Verändern der Spielweise nicht alleine durch das Trainieren des Fußballspiels selbst gelingen wird. Zur Einstimmung der Mannschaftspsyche vor einem Spiel reicht es uns als Basketballmannschaft, wenn wir uns nach dem Aufwärmen gegenseitig versichern, dieses Mal aber von Anfang an der Entschlossenheit der gegnerischen Mannschaft etwas entgegen zu halten. Ich hoffe sehr, beim MSV Duisburg wird das Problem etwas grundsätzlicher angepackt. Wir landen nämlich mit unserer Kultur der Spielweise und dem meist nur symbolhaften Aufbäumen dagegen seit ein paar Jahren stets im Mittelfeld der Tabelle.

Ein Zeitloch und Änis Ben-Hatiras Leistung

Merkwürdig, ich bin seit einigen Tagen aus der Zeit gefallen. Nicht ganz, aber in einigen Teilen meines Lebens, nicht zuletzt in Sachen Fußball. Da kamen ein paar Sachen zusammen: Länderspiele, die mich nur mäßig interessieren, dazu Herbstferien in NRW, die den Familienalltag durcheinander bringen, außerdem ein paar Buchmessengedanken, alles gemischt mit leiser Herbstmelancholie und schon gibt es in mir sehr unterschiedliche Geschwindigkeiten gleichzeitig. So sehe ich gestern Peter Neururer auf dem Titelblatt der RevierSport im Kölner Hauptbahnhof und denke, der Ligabetrieb geht weiter. Die erwartete Vorfreude spüre ich nicht.

Der MSV spielt doch in München. Ach, das ist ja gleich schon. In weniger als einer Stunde. Na dann. Ist ja noch was hin. Solche Gedanken gehen mir nicht durch den Kopf, aber wenn ich meinem Gefühl eine Handlung geben müsste, hörte er sich so an, der Dialog zur Handlung. Ob Änis Ben-Hatira eigentlich auch in so einem Zeitloch während des Sommers verschwunden war und deshalb aus dem Tritt geraten ist?

Ich mache mir nämlich Gedanken über den Grund für seine schlechtere Leistung als in der Rückrunde der letzten Saison, seitdem ich ihn im Spiel gegen Arminia Bielefeld gesehen habe. Da kam die Frage zu meiner Meinung über Änis Ben-Hatira von nedfuller aus Hamburg gerade recht, der in seinem Blog zu den ausgeliehenen Spielern etwas schreiben wollte. Was nun in „Damit sie Spielpraxis sammeln“ zu lesen ist, und was ich keineswegs nur deshalb erwähne, weil er meinen Kommentar dort aufgenommen hat. Vielmehr gibt  er bei seiner Sicht auf die Dinge meinem Eindruck eine statistische Grundlage.

Mir kommt es so vor, als glaube Änis Ben-Hatira, beim MSV Duisburg spiele er unter seinem eigentlichen Wert. Der Einfachkeit halber begründe ich diese Meinung mit den an nedfuller geschriebenen Fakten zu dem Ausleihgeschäft: Nichts deutete zum Ende der letzten Spielzeit darauf hin, dass Änis Ben-Hatira daran denkt, den Leihvertrag in Duisburg zu verlängern. Das war ihm von vielen Fans zugestanden worden, war doch noch nicht klar, ob es beim HSV eine Perspektive für ihn gab. Dann gab es das Endspiel bei der U21-Europameisterschaft, wo er sich dem von Wagner angefachten Jubel unter dem Mantel „wir vom MSV“ entzog. Das war schlechter Stil und deutete einige der möglichen Schwierigkeiten bei einer Weiterverpflichtung an. Anschließend wurde von HSV-Seite kolportiert, Ben-Hatira werde angeraten, weiter Spielpraxis bei einem anderen Verein zu suchen. Doch Ben-Hatira erschien trotz weiterhin bestehenden Vertrages nicht zum Training beim MSV. Eines der allmählich beschmunzelten Neururer-Ultimaten ließ Ben-Hatira verstreichen. Die Geschichte schien durch zu sein. Nun wird er in der schon laufenden Saison dennoch wieder per Leihgeschäft verpflichtet. Keine so guten Voraussetzungen, um im Mannschaftsgefüge und bei den Zuschauern wieder anzukommen. Bei diesem Hintergrund muss ein Spieler schon sehr gute Leistungen zeigen, um wieder akzeptiert zu werden. Doch zunächst laufen die Dinge sogar so, dass Ben-Hatira mit dieser Skepsis nicht groß konfrontiert wird. Im Mittelfeld und Sturm fallen Spieler aus und dank seiner individuellen Qualitäten steht Ben-Hatira entgegen der Ansagen von Peter Neururer sofort wieder in der Mannschaft.

Schon im Spiel gegen Bielefeld machte Ben-Hatira den Eindruck, als fühle er sich gegenüber den Mannschaftskollegen in einer überlegeneren Position. Er fühlte sich so stark, um Unwillen zu zeigen und ärgerlich zu sein. Er entdeckte Fehler bei den anderen und suchte sie nicht bei sich. Auch seine viel zu langen Dribblings scheinen mir mit diesem Gefühl zusammen zu hängen, besser zu sein als die anderen. Nur so kann ich mir erklären, warum er im Gegensatz zur letzten Saison sehr viel eigensinniger geworden ist. So lange ist das schließlich nicht her, diese letzte Saison.

Augenscheinlich ist er zwar technisch besser als viele seiner Mitspieler, um eine Mannschaft aber zu dominieren, dazu ist er nicht gut genug. Er braucht seine Mitspieler. Das hat er anscheinend vergessen. So entsteht der Eindruck, ihm fehlt Spielübersicht, sowohl was das mögliche Abspiel zu Mitspielern angeht als auch für die Entscheidung zwischen Schuss und weiterem Dribbling. Auf mich wirkt es so, als überschätze Änis Ben-Hatira seine Leistung. Im Gegensatz zur letzten Saison, wo es eine Möglichkeit für ihn war, sich zu beweisen, scheint er das Ausleihgeschäft dieses Mal als Abstieg zu erleben. Da ist also erstmal wahrscheinlich viel Psychologie gefragt, ehe man sich auf die spielerische Leistung von Änis Ben-Hatira beschränken kann.

Die unterschiedlichen Geschwindigkeiten in mir führen nun dazu, dass ich hier recht plötzlich ende, weil hier jetzt zum Ausflug aufgebrochen wird. Währenddessen führt 1860 bereits mit 1:0 und Nicky Adler vergibt die erste Chance. Allmählich finden die Dinge in ihren unterschiedlichen Geschwindigkeiten zu einem Ganzen. Änis Ben-Hatira wäre das auch zu wünschen. Und nochmal: Psychologie ist da mit Sicherheit aber noch gefragt.

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