Aus so einem Spiel wie gestern Abend gegen den 1. FC Nürnberg gehe ich mit zwiespältigen Gefühlen und bin leider nicht vom späten Ausgleich derart euphorisiert.
Eine sehr mäßige Erste Halbzeit habe ich gesehen, in der vom Platz hinter dem MSV-Tor aus nach meinem Geschmack viel zu viele Momente des Spiels ganz genau zu sehen waren. Viel lieber hätte ich schon zu dieser Zeit nicht genau mitbekommen wollen, was passiert, wie es etwa dann beim Gewusel vor dem indirekten Freistoß in der Zweiten Halbzeit auf der Gegenseite der Fall war. Heute lese ich also zur Erklärung von einem gestreckten Bein und weiß nun auch die bei aller Euphorie verfassten Erläuterungen zum Regelwerk einzuordnen.
Die in Aachen gesehenen Ansätze im Spielaufbau ließen sich erst in der zweiten Halbzeit ein wenig entdecken. Nürnberg hatte sich die Duisburger Erfahrungen des letzten Spieltages anscheinend zum Vorbild genommen und griff zur Freude ihres Torhüters recht erfolgreich in der gegnerischen Hälfte an. Das schaltete zwar nicht jeden Duisburger Angriff aus, doch allzu viel klappte da nicht nach vorne. Andererseits bewegte sich das Spiel dann gerne zwischen Mittellinie und Strafraum des MSV hin und her, weil zu meiner großen Erleichterung der letzte Pass der Nürnberger in die Mitte nicht ankam. Auch das kannten wir aus dem Aachener Spiel vom Verein aller Verein. Da machte es dann auch nichts, wenn in der ersten halben Stunde immer mal wieder ein Nürnberger Stürmer in der Mitte völlig frei stand und ich das Gefühl entwickelte, da stimmt was nicht mit der Innenverteidung. Ehe die Nürnberger das entdeckten, hatten sich Björn Schlicke und Markus Brzenska aber endgültig gut organisiert und das zunächst bedrohlich wirkende, mittige Loch in der Abwehr dauerhaft geschlossen. Vor allem eins war aber mein vornehmlicher Eindruck, genau wie in Aachen letzte Woche lief auch in Duisburg der Ball bei der Gastmannschaft flüssiger.
Von Anbeginn der zweiten Halbzeit war dem Spiel des MSV endlich der Zug zum Tor anzumerken. Auch da klappte noch nicht viel durch ein schnelles Flachpassspiel, aber die langen Bälle wurden vorne nun besser behauptet und der Druck in Richtung Strafraum nahm zu. Dennoch kam die Führung letztlich etwas überraschend, weil der Weg solcher als Flanke gedachten scharf geschossenen, flachen Bälle niemals so genau vorhersehbar ist – schon gar nicht quer durch den ganzen Strafraum.
Wenn ich Makiadi als Torschützen jubeln sehe, erinner ich mich außerdem an eine Szene, in der er nach einem langen Ball auf ihn in den Strafraum dort doch sehr deutlich von seinem Gegenspieler mit dem Arm weggedrückt wurde. Das ist anscheinend nach dieser besonderen Schlussphase gar kein Thema mehr. Oder verfolge ich da gerade das nicht angesagte Gegenprogramm zur englischen Härte?
Bei der Nürnberger Führung habe ich mal wieder gemerkt, wie tiefe Spuren die Spiele der Bommer-Ära bei mir hinterlassen haben. Noch immer hängen mir diese damaligen Enttäuschungen in letzten Minuten nach und ich glaube, das ist auch der Grund, dass ich den Ausgleich gar nicht mehr habe richtig feiern können. Zu sehr war ich zurückgeworfen in diese alten Erfahrungen und haderte mit dem Schicksal.
Da stelle ich fest, die Mannschaft ist da Gott sei Dank weiter als ich, der Fan, und weiß zumindest um ihre kämpferische Qualität. Markus Brzenska erinnert sich auch noch an die Vergangenheit, wenn er sagt, in der Hinrunde hätten sie so ein Spiel noch verloren. Er aber hat diese Vergangenheit gut verarbeitet. Ich bin noch dabei. Gegen Freiburg auf ein Neues.
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