Posts Tagged 'DFB-Pokal'

Chronistenpflichten: Die Niederlage im Pokalspiel

Viel gibt es am zweiten Tag nach der 0:1-Niederlage gegen den Karlsruher SC im DFB-Pokalspiel nicht mehr zu sagen. So einen Verlauf nehmen Pokalspiele. Die Mannschaft vom MSV Duisburg konnte nicht genügend Druck aufbauen, um dauerhaft gefährlich vor das Tor der Karlsruher zu kommen. Hinzu kamen altbekannte Schwächen im Angriffsspiel, wenn der Ball einmal in die vorderste Reihe gebracht wurde. Nicht umsonst kommen die Zebras im Ligabetrieb bislang nur auf eine einstellige Zahl erzielter Tore.  Den Karlsruhern ging es ähnlich. Das Spiel wirkte sehr im Gleichgewicht dieses torlosen Unentschiedens, und deshalb zeigte so eine gelb-rote Karte wie sie der Schiedsrichter des Spiels, Tobias Stieler, gegen Goran Sukalo gezogen hat,  eine Wirkung.

Sie war ein Impuls, auch wenn nicht sofort klar war, für wen sie den Vorteil bringen würde. Im offenen Spiel hätte vielleicht sogar die zusätzliche Kraft für einen Sieg des MSV Duisburg entfacht werden können. Dazu blieb aber zu wenig Zeit. Bei der Standardsituation hingegen war der KSC eindeutig im Vorteil. All das soll nicht von den Schwächen der Mannschaft ablenken. Das sind einfach bei ruhiger Überlegung spielbestimmende Faktoren. Ob der MSV Duisburg hätte besser spielen können, lässt sich danach immer noch diskutieren. Man sollte dabei aber berücksichtigen, durch die Ausfälle von Branimir Bajic und Benjamin Kern gab es keine eingespielte Verteidigung, und so wurde das Risiko größer, den Druck auf den KSC etwa mit stets offensiv agierenden Außenverteidigern zu erhöhen. Die Mannschaft spielt nicht stabil gut, so dass Ausfälle problemlos kompensiert werden können. Es ist aber weiß Gott nicht so, dass da Spieler auf dem Platz stehen, die sich nicht einsetzen und die zu wenig für den Erfolg im Spiel tun.

Zum Schiedsrichter ist inzwischen auch viel gesagt worden. Seine desaströse Leistung bringt es sogar zur prominenten Nachberichterstattung von unser aller Skandalzeitung BILD.  Noch einmal: man kann diese Schiedsrichterleistung als katastrophal bewerten, ohne sie als Entschuldigung für die Niederlage zu nehmen. Sie erinnerte mich an die Pokalwettbewerbe des Westdeutschen Basketballverbandes. Der Verband trägt diesen Wettbewerb mit einem interessanten Malus-System aus. Spielt eine Mannschaft in den Ligen höher als der ihr zugeloste Gegner, startet sie mit je 20 Punkten Rückstand pro höherer Spielklasse. Der MSV Duisburg trug am Mittwoch auch ein Malus mit durchs Spiel. Das war ohne Frage der Schiedsrichter. Ich freue mich auf die Zeit, wenn die Mannschaft wieder so gut spielt, dass sie so ein Malus problemlos wegsteckt.

Ist ein Elfmeter auch ein Standard?

Dieser Pokalsieg beim Hallescher FC gibt mir zu denken. Doch davon erst später. Gesehen habe ich nur die zweite Halbzeit mit Unterbrechungen und nach dem, was ich gesehen habe, fällt dieser Nachmittag in die Kategorie, das Ergebnis zählt. Manchmal wollte ich aber sogar das ferne Glitzern eines Hoffnungsschimmers erkennen. Ich dachte mir das Spiel als ein großes leeres Meer voller Wellen, die sich mal hier und mal dorthin bewegen. Und auf diesem Meer des Spiels meinte ich doch regelmäßig das Treibholz Einsatz und Kampf zu erkennen. Und ich hoffte, dieses Treibholz könnte irgendwo, noch unabsehbar auf das Ufer eines Festlandes Spielanlage hinweisen.  Eine Seekarte hätte ich gerne wieder gesehen, um zu wissen, ob dieses Festland dort eingetragen ist und welche Untiefen auf dem Weg dorthin noch zu bewältigen sind. Vielleicht deutet das Treibholz aber ja zumindest eine Fahrtrichtung an.

Wenn ich zudem daran denke, wie oft ein klassenniedriger Verein den klassenhöheren in dieser ersten Pokalrunde geschlagen hat, hellt sich meine Stimmung noch mehr auf. Allen voran das Ausscheiden der TSG 1899 Hoffenheim! Die Mannschaft war ohne Chance auf ein Weiterkommen gegen den Berliner Viertligisten. Der Superlativ für dieses Spiel mit seinem Ergebnis fehlt noch. Dieses Ergebnis ist nicht sensationell, es ist hoffenheimesk! Da fällt einem die Hertha aus Berlin erst als zweites ein. Die steht von der Stimmung her dem MSV viel näher. Gerade mal ein Punkt mehr zum Saisonstart, dafür aber jetzt ausgeschieden im Pokal. Wir sehen also, vielleicht müssen wir die gegenwärtige Leistung der Mannschaft unseres MSV Duisburg einfach nur ein wenig mehr mit der von anderen Vereinen vergleichen. Dann wird die eigene Stimmung gleich viel besser.

Dass dieser Sieg gegen Halle aber die Stellung von Oliver Reck noch nicht stärken konnte, war schon vor dem Spiel sicher. Im Grunde hat sich also nichts geändert, es bleibt als einziger Beweis seiner Qualitäten, dass diese Mannschaft nicht nur siegt, sondern dabei ein wenig zusammenspielt. Deshalb kommen wir zum Ausblick auf das Spiel gegen Dresden. Zu denken gibt mir der Sieg des MSV Duisburg in Halle nämlich wegen meines Versuchs vom Samstag, vorbildhaft in Sachen Versprechen zu sein. Mangels Zeit musste ja ein Standard her, und nun hat mich die Mannschaft unter Zugzwang gesetzt. Schließlich hat sie auf die standardhafteste Weise eines Standards ein Tor erzielt. Ein Elfmeter ist so selbstverständlich eine Standardsituation, das er beim Reportergerede von gefährlichen Standards gar nicht mal auftaucht. Die Mannschaft aber hatte mein vorbildhaftes Zeichen anscheinend sehr wohl erkannt. Mein Verein und ich gingen also im Gleichschritt bei der Suche nach dem Mittel für den Erfolg. Schön ist aber anders. Und jetzt stehe ich da mit meiner möglichen Verantwortung für die Spielweise des MSV Duisburg. Hat der Gehalt eines Spielvorberichts tatsächlich spielbestimmende Folgen?

Mit Standards mein Versprechen einlösen – DFB-Pokal 1981: MSV – 1. FC Köln

Bevor gleich in Halle das Pokalspiel angepfiffen wird, will ich mit gutem Beispiel vorangehen und mein Versprechen einlösen, damit die Mannschaft es mir mit dem ihren gleichtun kann. Bei knapper Zeit greife ich da auf einen Standard zurück. Wenn gar nichts geht, sollte zumindest das Erfolg versprechen. Auch das könnte den Zebras in Halle vielleicht Vorbild sein. Die Standardsituation für mich ist der Blick in die MSV-Vergangenheit. Und da bietet sich vor einem Pokalspiel natürlich die Pokalgeschichte an. Vor 21 31 Jahren spielte der MSV zu Hause  in der ersten Runde gegen den favorisierten sowie gemäß Reportereindruck “rheinisch-lässig” aufspielenden 1. FC Köln und gewann. In der nächsten Runde wurde noch der Amateurligist FK Pirmansens mit 3:0 besiegt. Die 1:2-Niederlage im Heimspiel gegen den Karlsruher SC bedeutete das Aus in der dritten Runde. MSV und KSC waren damals Bundesligisten, was heute für die jüngeren Leser hier vielleicht noch erwähnt werden muss. Den Rest machen nun zur weiteren Einstimmung aufs Pokalspiel die bewegten Bilder aus dem Bericht des Aktuellen Sportstudios.

Das Fangedächtnis des MSV Duisburg – Zu meiner Zeit. Teil 4: MSV-Fan sein, gestern und heute

Nach der Veröffentlichung von “111 Fussballorte im Ruhrgebiet, die man gesehen haben muss” nahm Manfred “Manni” Wiegandt, ein alter Meidericher, heute in den USA lebend, Kontakt mit mir auf. Wir besuchten dieselbe Schule. Auch wenn er ein paar Klassen über mir war, kamen wir in dem Mail-hin-und-her ins Erinnern. So fragte ich ihn, ob ich diese Erinnerungen zusammenfassen könnte. Tatsächlich waren die Mails dann nur der Anfang eines neuen, sehr umfangreichen Beitrags für das “Fan-Gedächtnis des MSV Duisburg”, den Manfred Wiegandt schrieb. Er ist so lang gewordne, dass ich ihn in mehreren Teilen veröffentliche.

Im heutigen letzten Teil der Erinnerungen von Manfred Wiegandt geht es um sein Erweckungserlebnis im Stadion und deren Folgen bis heute – trotz der inzwischen gewachsenen räumlichen Distanz zu Spielorten des Verein seiner und unserer  Zuneigung. Wir erinnern uns, im Folgenden ist zunächst die Bundesliga-Saison 1970/71 gemeint.

Zu meiner Zeit – Teil 4 –

von Manfred Wiegandt

Am letzten Spieltag der Saison dann beim Kopf-an-Kopf-Rennen um die Meisterschaft zwischen Borussia Mönchengladbach und Bayern München waren die Bayern im brechend vollen Wedau-Stadion zu Gast. Da waren weit mehr als 40.000 Zuschauer drin. Manche hingen in den Bäumen, um etwas sehen zu können. Dies war mein zweites MSV-Spiel, das ich im Stadion sah. Ich hatte ein Schülerticket zum Preis von 1 DM beim Kassierer in der Vereinsgaststätte Worm ergattert. Der MSV gewann 2:0 (zweimal Budde in der zweiten Halbzeit). Obwohl es für den MSV um nichts mehr ging, wurde der Platz damals zweimal von den Fans gestürmt, ohne dass die Bayern-Spieler sich in die Hose machten wie – angeblich – letztens die Herthaner. Borussia Mönchengladbach wurde Meister – verdientermaßen. Dieses Spiel begeisterte mich so, dass ich in der nächsten Saison alle Heimspiele des MSV sah und nur fünf Auswärtsspiele verpasste, darunter das im relativ nahe gelegenen Schalke. Zu den weiten Auswärtsspielen in Bremen, Frankfurt, Stuttgart und Braunschweig schwänzte ich damals sogar mit Wissen meiner Eltern gleich viermal in einem Schuljahr den samstäglichen Unterricht. Ich hatte mir das Würmli-Ticket bei der Bahn (Kinder aus kinderreichen Familien fuhren damals zum halben Preis), die Eintrittskarte und die obligatorische Bratwurst dadurch erspart, dass ich meiner Mutter im Haushalt half, wobei ich mir fürs Abwaschen zehn und fürs Einkaufen zwanzig Pfennig anschreiben konnte. Meine Mutter brauchte in dieser Zeit nie lange um Hilfe zu betteln. Beim ersten Heimspiel des MSV in der Saison 1971/72 gegen den BVB hoffte ich auf ein Unentschieden, weil mein Herz noch etwas an Dortmund hing. Beim Rückspiel in der Kampfbahn Rote Erde war ich dann ganz Meidericher und freute mich über den für lange Zeit einzigen Auswärtssieg der Zebras in Dortmund.

Obwohl ich mit Leib und Seele MSV-Fan war, besaß ich damals aber weder Schal noch Trikot und eigentlich überhaupt keine Fan-Utensilien. Von den bekloppten und betrunkenen Fans hielt ich mich, soweit es ging, fern. In Dortmund mussten wir uns gegenüber den berüchtigten Borussen-Fans auf dem Weg zum Stadion als BVB’ler verstellen, weil wir Angst hatten, verhauen zu werden. Gegen Schalke musste mein kleiner Bruder sogar einmal im eigenen Stadion die Fahne einrollen, weil die Schalker Hooligans über die Zäune in den Duisburger Fanbereich kamen, als deren Niederlage fest stand. Im Wedau-Stadion hatte ich meinen Stammplatz auf halber Höhe auf der Geraden neben dem Marathontor auf der Nordkurvenseite, der Fan-Kurve. Es kamen immer die gleichen Leute; man kannte sich. Meist kam man eine Stunde vor Spielbeginn. Wenn Bayern, Schalke oder Gladbach gastierten, auch mal bis zu zwei Stunden vor Anpfiff. Die Jugendkarten (2 Mark) gab es nicht im Vorverkauf und man musste oft früh genug an der Stadionkasse sein, um sie rechtzeitig zu bekommen. In der Saison 1971/72 gab es bei jedem Heimspiel ein Preisausschreiben in der Stadionzeitung, bei dem Haupttribünenkarten zu gewinnen waren. Ich habe in der Saison gleich dreimal gewonnen und dann auch meinen kleinen Bruder mit auf die Tribüne nehmen können, die bei den meisten Spielen nicht komplett gefüllt war. Ich habe ihn auch mit zu den West-Auswärtsspielen genommen, z. B. nach Oberhausen oder Bochum, wo das Spiel fast wegen Dunkelheit abgebrochen werden musste, was wir erhofften, nachdem Klaus “Caesar” Wunder vom Platz gestellt worden war. Auf der Zugrückreise von Mönchengladbach (0:3) blieb mein Bruder nicht immer an meiner Seite. Als er zu mir zurück kam, berichtete er, dass die Fans Sitze aus dem Fenster würfen. Danach bekamen MSV-Fans für längere Zeit keine vergünstigten Bahnkarten mehr.

Ich hatte eine Cousine in meinem Alter, die in Hattingen wohnte und sich immer freute, wenn ihre drei Cousins zu Besuch kamen. Dann hatte sie endlich geeignete Partner zum Bolzen. Sie hatte nur einen Fehler; sie war Bayern-Fan. Einmal luden wir sie nach Duisburg ein, als Bayern bei uns gastierte. Es war eines der ersten großen Bundesligaspiele des damals erst 17-jährigen Ronnie Worm. Die Zebras wuchsen mal wieder, wie so oft gegen Bayern, über sich hinaus und gewannen 3:0. Alle Treffer fielen in den letzten zwanzig Minuten. Worm erzielte zwei Tore; beim zweiten nahm er den Ball am Strafraum mit der Hacke, hob ihn über einen gewissen Weltklassespieler namens Beckenbauer hinweg und schoss volley gegen den machtlosen Weltklassetorwart Maier zum 3:0-Endstand ein. Mein Lieblingsspieler beim MSV und mein großes Vorbild war indes Bernard Dietz, zumal ich selbst meist Außenverteidiger spielte. Das größte Spiel war natürlich der 6:3-Sieg unter Flutlicht gegen die Bayern, bei dem Dietz vier Tore – sein Gegenspieler ein gewisser Rummenigge – schoss (kicker-Schlagzeile: „MSV Dietzburg gegen Bayern München 6:3“). Auf Ennatz war stets Verlass. Nur einmal habe ich miterlebt, wie er trotz aller Anstrengungen regelrecht an die Wand gespielt wurde. In der Saison 1977/78 kam der hoch gelobte englische Star Kevin Keegan zum HSV und musste sich im ersten Saisonspiel beim MSV von Ennatz den Schneid abkaufen lassen. Beim Rückspiel im Januar – ich war zu der Zeit beim Bund in Schleswig-Holstein und konnte so das Spiel im Volkspark-Stadion besuchen – war es dann aber genau umgekehrt und Keegan spielte Bernhard Dietz regelrecht schwindelig. Irgendwie beeindruckt war ich auch von Eisenfuß Detlef Pirsig, der immer mit herunter gekrempelten Stutzen spielte, aber beinhart zur Sache ging. Ich habe die herunter gekrempelten Stutzen und sein Reingrätschen dann beim Bolzen kopiert; anders als Detlef war ich aber immer fair. Meist foulte Pirsig nämlich seinen Gegenspieler, den Mittelstürmer, in einem der ersten Duelle des Spiels so hart, dass dieser nachher vor Angst nichts mehr auf die Reihe brachte. Er kassierte fast in jedem Spiel eine gelbe Karte. Da es aber noch keine Sperre nach fünf Gelben gab, konnte er sein Unwesen von Spiel zu Spiel weiter treiben. In einem Spiel – so erinnere ich mich – foulte er gleich zwei durchgebrochene Spieler auf einmal, einen mit den Füßen, den anderen mit den Händen, sozusagen Doppel-Notbremse. Rote Karte für Notbremsen sollten jedoch erst viele, viele Jahre später eingeführt werden. Überhaupt trieb es Detlef nie so weit, dass er Rot bekam. Einmal erwischte es ihn dann aber doch – in Mönchengladbach. Er hatte schon Gelb gesehen und flog dann vom Platz, als er den Ball mit der Hand spielte. Was für eine Ironie! Da holzt jemand jahrelang die gesamte Bundesliga weg und erhält seinen ersten Platzverweis für ein Handspiel! Er bekam auch nur zwei Spiele Sperre, weil er vorher immer so fair gewesen war, sprich: noch nie vom Platz gestellt worden war.

Wenn ich daran denke, kann ich ohne Umschweife sagen, dass Alles um den Fußball für mich zu den schönsten Kindheits- und Jugenderinnerungen gehört. Es gibt so viel, über das man noch heute Schmunzeln kann. Inzwischen lebe ich schon seit langem in den USA, aber wenn ich zu Hause in Duisburg anrufe, ist eines der Themen immer noch der MSV. In meine Zeit am MPG fiel auch das Pokalendspiel in Hannover gegen Frankfurt 1975 (0:1, Tor im Platzregen durch Körbel). Ich war natürlich da; im Zug habe ich Mathe für die Schule gepaukt. Das Finale 1998 gegen Bayern in Berlin habe ich verpasst. Mein Schwager schickte mir ein Video, da es damals noch keine Möglichkeit gab, die deutschen Fußballpiele in den USA zu sehen. Den entscheidenden Nicht-Platzverweis für Tarnat halte ich immer noch für eine der übelsten Schiedsrichter-Fehlentscheidungen. Als die Zebras 2011 erneut das Finale erreichten, kam ich von Neuengland eingeflogen. Die erste Viertelstunde des Spiels war ja auch sportlich noch ganz okay, die Atmosphäre in der Stadt insgesamt phänomenal. Ich teilte die Tickets, die ich bekommen hatte, u. a. mit meinem „kleinen“ Bruder und mit meiner Cousine und meinem Cousin aus Hattingen, obwohl sie Schalke-Fans waren, für meine Cousine als ehemaliger Bayern-Fan ja schon ein kleiner Fortschritt. Radio Duisburg hatte sogar ein Live-Interview mit mir aus dem Fan-Quartier, weil ich von so weit her gekommen war. Danach sprach mich ein Fan an, der mir sagte, er komme von noch weiter her, nämlich aus Australien. Er war in Beeck aufgewachsen und hatte im gleichen Jahr wie ich Abi gemacht, allerdings an einem anderen Gymnasium, ich glaube Mannesmann. Wahrscheinlich haben wir in der Schulmannschaft gegeneinander gespielt. Als ich ihn beim Abschied fragte, wie er heiße, sagte er: Manfred. – Toller Name! So heiße ich auch.

Und den nun auch ins Fan-Gedächtnis!

Teil 1 findet sich hier.

Teil 2 findet sich hier.

Teil 3 findet sich hier.

Warum mich Dortmunds Pokalsieg auch freut

Über den Pokalsieg von Borussia Dortmund am Samstagabend haben viele vieles gesagt. Mir fiel dabei auf, es ist tatsächlich schwer, bei einer so deutlichen Niederlage wie dem 2:5 das doch gute Offensivspiel des FC Bayern München während der ersten Halbzeit gebührend zu würdigen. Dieses Vorhaben muss nun Jupp Heynkes während der Woche weiter verfolgen. Die Mannschaft braucht das allerdings mehr als die Öffentlichkeit. Mir fiel aber noch etwas anderes auf: Niemand dachte daran, gute Aussichten des MSV Duisburg in der nächsten Saison zu kommentieren. Dabei boten die Bilder nach dem Spiel genügend Möglichkeiten, um auf das Thema einzusteigen. War doch immer wieder ein junger Mann in Trainingshose und Trikot bei den feiernden Dortmundern zu sehen. Koch stand auf dem Trikot mit der Nummer 2. Ins Aktuelle Sportstudio ging er ebenfalls mit, schien sich zu freuen und ob er führend dabei war, jegliche Standard-Sportstudio-Fragen mit Gröhlen oder Singen zu beantworten, konnte ich nicht so genau beobachten. Müsst ihr hier selbst mal nachschauen

Wahrscheinlich braucht es uns Wissende aus Duisburg, denen sich der Zusammenhang zwischen dem sportlichen Erfolg von Borussia Dortmund und den Aussichten des MSV Duisburg in der kommenden Saison beim Blick auf den feiernden Julian Koch sofort erschließt. Wir wissen Julian Koch wird die nächste Saison in Duisburg verbringen. Wir kennen nicht sein derzeitiges Leistungsvermögen, aber dieses Potenzial des Spielers Julian Koch ist es auch nicht, was meinen Glauben an die Zukunft des MSV Duisburg stärkt. Es ist alleine die Entscheidung selbst, die mich sicher macht, der MSV Duisburg ist auf einem guten Weg. Es war war eine Entscheidung von Julian Koch gegen attraktive andere Vereine, für den MSV Duisburg. Und diese Entscheidung traf Julian Koch mit den Erfahrungen eines Fußballspielers, der das anscheinend doch überwiegend vorhandene Wohlfühlklima im Spielerkader von Borussia Dortmund erlebt.

Wenn wir die Bilder nach dem Spiel sehen, wenn wir lesen, wie Spieler dieser Dortmunder Mannschaft mit wenig Spielzeit, sich über diesen Verein äußern, dann ist die Entscheidung von Julian Koch auch ein Zeichen für die Qualität dessen, was er beim MSV Duisburg erwartet. Es ist ein Zeichen für ein erhofftes Gefühl von Zusammenhalt und Gemeinschaft, die Grundlage des Erfolgs in Dortmund, aber auch in Duisburg während der Rückrunde.

Am Samstagmorgen war in der Printausgabe der Süddeutschen Zeitung ein großes Interview mit Jürgen Klopp zu lesen. SZ-online stellt eine Zusammenfassung ins Netz, bei der die Haltung von Jürgen Klopp zu Erfolg und Gemeinschaft nicht so deutlich wird wie in dessen eigenen Worten. Als ich am Samstag das Interview las, kam mir jedenfalls sofort der Gedanke, ein Spieler, der solche Wertschätzung und eine solche Haltung seines Trainers hat kennengelernt, wird in jedem anderen Verein zu einem Gemeinschaftsgefühl und zu Zusammenhalt beitragen. Natürlich wird in vielen Vereinen dieses Credo von Zusammenhalt und Gemeinsamkeit progpagiert. Die Wirklichkeit sieht aber häufig anders aus. So ein Zusammenhalt stellt sich nicht von alleine ein, ihn herbei zu führen ist eine Aufgabe, und die wird in den letzten Monaten in Duisburg gut bewältigt.  Für mich ist es ein Beleg für das gute Binnenklima im MSV Duisburg, dass sich Julian Koch für diesen Verein entschieden hat. Das wäre mein Kommentar zum Pokalsieg von Borussia Dortmund.

Die Journalisten mit ihren Mikros können nun zum nächsten Interviewpartner marschieren. Doch eins fällt mir noch ein, Julian Koch, das wäre eine gute Geschichte, da hätte ich auch nichts gegen die dann naheliegendste aller Schlagzeilen: Aller guten Dinge sind drei, oder?  Verletzt und traurig.  Ersatzbank und jubelnd. Spielend und siegestrunken.  Schöner Gedanke, willkommen im zweiten Zuhause, Julian Koch.

Alles ist gesagt – fast alles

Nach der 0:2-Pokalniederlage des MSV Duisburg gegen Holstein Kiel habe ich weiterhin wenig Worte. Im Gegensatz zur Berichterstattung in den lokalen Medien klingt der Spielbericht im Kicker übrigens gar nicht mal nach einer so schlechten Leistung des MSV Duisburg. Ich meine aber, das gilt höchstens für die erste Halbzeit und auch nur wegen der reduzierten Ansprüche im Moment. In der zweiten Halbzeit war es jedenfalls wieder ein Desaster. Eine Mannschaft, die so ungefestigt ist, wird absteigen. Das hat Milan Sasic zu verantworten.

Zu Milan Sasic ist alles gesagt. Er hat Qualitäten. Diese Qualitäten kann er aber, wie ich befürchtet hatte, offensichtlich nur mit speziellen Spielertypen zeigen. Anders kann ich das wiederkehrende Muster seiner Arbeit bei nun drei verschiedenen Vereinen nicht erklären. Es scheint mir auch unvorstellbar, dass er gegen den Zuschauerwillen seine Tätigkeit beim MSV Duisburg fortsetzen kann. Das gelingt ja nicht einmal, wenn Verwaltung und Spieler eines Vereins vom Trainer überzeugt sind. Was man beim MSV Duisburg von den Spielern sicher nicht sagen kann.

Es gibt diese als unbedingte Erfolgsvoraussetzung gepriesene Einheit im Verein nicht. Anscheinend eben schon gar nicht im Spielerkader. Diese Einheit herzustellen wird schwierig sein, weil die Spieler mit anderen Erwartungen zum Verein gekommen sind. Auch die Spieler sind enttäuscht. Und diese Enttäuschung sucht nach Auswegen. Deshalb staut sich Aggression mehr noch an als es schon bei normalen Misserfolgserlebnissen der Fall ist. Milan Sasics Umgang mit seinen Spielern bietet ihnen zudem die Gelegenheit viele Sündenböcke im Kader auszumachen.

Das Aus im Pokal ist heute schon nicht mehr so schmerzhaft wie gestern Abend. Ein wenig schmerzhafter ist schon der derzeitige Tabellenstand. Richtig schmerzhaft ist allerdings die Einsicht, meine Zustandsbeschreibungen über den  MSV Duisburg vom Anfang der Saison waren ein großer Irrtum. Der MSV Duisburg hat nicht die nächsten Schritte auf einem strukturierten Weg zurück nach oben gesetzt. Vielmehr hat der Verein dem Ziel den Rücken gekehrt. Der Verein rennt geradezu über den Startplatz hinaus zurück und scheint nicht mehr aufhören zu wollen bei diesem Laufen in die falsche Richtung.

Berlin, Berlin – zur Vorstadt von Berlin

In Paderborn war es gestern kalt und regnerisch trotz der guten Kontakte von vielen Paderbornern, zu der von ihnen immer noch als väterlich-fürsorglich empfundenen himmlischen Macht. Wir haben Ende Juli, und es ist die Zeit der Libori-Festwoche. Wegen des Wetters ließen sich nicht ganz so viele Menschen wie sonst üblich durch die Straßen treiben, um Bier zu trinken, Live-Musik zu hören und über die Kirmes am Libori-Berg zu gehen. Ich gehörte zu diesen wenigen Menschen, ließ mich nass regnen, trank Bier und hörte eine groovige Soul- und Funk-Band mit einem Sänger, bei dessen Stimme ich unpassender Weise immer wieder mal an die gute alte Blues-Röhre denken musste.

Ich bin auf dem Weg nach Berlin – mit meinem Sohn – und mache eine Zwischenetappe in der angeheirateten Heimat. Damit arbeite ich am Projekt, gelingende Saison 2011/2012 für den MSV Duisburg. Ich denke schon das Pokalspiel gegen den SV Babelsberg 03 am Samstag wird die Laune von Milan Sasic erheblich verbessern. Das hat alles mit meinem Sohn zu tun, der sich für Fußball eigentlich nicht interessiert. Doch im letzten Jahr konnte ich ihn zum Besuch des Auswärtsspiels beim VfL Osnabrück überreden. Wir waren auf dem Weg nach Berlin, und machten die Zwischenetappe in Osnabrück. Wir erinnern uns, welche Saison für den MSV Duisburg nach dem damaligen Auftaktsieg folgte. Die zwei Niederlagen im Liga-Betrieb haben mich nämlich darin bestärkt, die mir zur Verfügung stehenden Maßnahmen zur Situationsverbesserung zu ergreifen. Einen Aufenthalt in Berlin findet mein jugendlicher Sohn immer attraktiv. Der Besuch des Pokalspiels braucht dieses Mal keine Zwischenetappe, sondern ist im Städtereisen-Paket als Vorstadtsausflug mit dabei. Wichtig scheint mir die Anwesenheit des sonst fußballabstinenten Sohnes in einem Wettbewerbsspiel zu Beginn der Saison.

Vor diesem Wettbewerbsspiel interessiert sich die Lokalpresse in Potsdam natürlich für den Pokalgegner. Dass Milan Sasics Laune im Moment nicht die beste ist, merkt man auch in diesem Interview für die Märkische Allgemeine. Er wirkt etwas mürrisch bei seinen Antworten. Ich glaube kaum, dass der gestrige 2:1-Sieg gegen den FC Schalke 04 daran etwas geändert hat. Der längere Ausfall von Emil Jula wird sein Nachdenken über die Mannschaftsaufstellung nun auch um die Positionen für den Sturm erweitern. Und die Frage, in welcher Besetzung die Abwehr am besten spielt, scheint ebenso weiterhin offen zu sein. Wieder spielte Sergej Karimow als Linksverteidiger und Benjamin Kern spielte erst einmal nicht. Beides gefiele mir nur, wenn diese Abwehr die nächsten Spiele sehr schnell sich sehr stabil zeigte. Da bin ich opportunistischer Erfolgs-Fan, auch wenn ich Benjamin Kern lieber von Anfang an in der Mannschaft sähe und Sergej Karimow erst einmal nicht. Doch Milan Sasic wirkt in der Öffentlichkeit sehr verärgert über Benjamin Kern, den er für ein Gegentor im Spiel gegen den FC Energie Cottbus verantwortlich macht. So richtig gefällt mir sein mürrisches Grummeln über den Fehler von Benjamin Kern nicht. Den Beweis der Stabilität müsste diese Abwehrformation aus dem Spiel gegen den FC Schalke 04 aber erst einmal wieder in einem Spiel unter Wettbewerbsbedingungen antreten, einem Spiel wie gegen den SV Babelsberg 03.

Das Spiel gegen den FC Schalke 04 verbucht der MSV Duisburg unter der Rubrik “Selbstvertrauen gewonnen”, doch die Bewertung des Spiels geht bei den Beobachtern sehr auseinander. Ich selbst pflegte ja das Brauchtum in Ost-Westfalen und lese heute je nach Perspektive sehr unterschiedliche Meinungen. Auf der Seite vom MSV Duisburg gibt es die Worte “ansehnlicher und temporeicher Testkick”.  Dagegen schlägt Torsten Wieland im Königsblog den Schalker Anhängern vor, das Eintrittsgeld direkt auf das Spendenkonto zu überweisen, so sehr hat er sich über die “lustlose” Spielweise der Schalker Mannschaft geärgert. Mit diesen beiden Informationen lassen sich für mich auch Überschrift des Spielberichts und verärgerte Fan-Kommentare bei Der Westen besser einordnen. “MSV Duisburg schlägt Schalkes B-Elf” erklärt sich vielleicht weniger mit der Klasse der angetretenen Spieler als mit deren anscheinend kaum vorhandener Anstrengungsbereitschaft. Dennoch muss niemand durch so einen Artikel-Titel ein Erfolgserlebnis klein geredet sehen. Ein wenig Einordnung braucht so ein Testspiel-Sieg ja doch, und das gute Gefühl wird nur genommen, wenn Unsicherheit über die eigene Stärke herrscht. Diese Unsicherheit ist im Moment in Duisburg vorhanden. Was hat das Benefizispiel übrigens eigentlich mit dem Pokalfinale sehe zu tun? Ich kann mich gar nicht mehr erinnern, gegen welchen Verein der MSV Duisburg im Mai in Berlin verloren hat. Wir haben das DFB-Pokalfinale nicht gewonnen, das ist richtig. Aber gab es einen Gegner, der DFB-Pokalsieger wurde in der letzten Saison? Ich war in den letzten Minuten dieses Finales so sehr mit dem MSV Duisburg beschäftgt und rätsel immer noch, warum das Spiel gestern eine geglückte “Revanche” hat sein sollen.

Spielvorbereitung FC Energie Cottbus samt letzter Schelte für die DFL

Vor dem Spiel gegen den FC Energie Cottbus denke ich noch kaum an den heutigen Abend. Ständig gehen mir Bilder des Halbfinal-Siegs im DFB-Pokal durch den Kopf. Das sei uns Fans aber gestattet. Schuld daran ist ohnehin die DFL mit ihrer verrückten Idee, den Saisonstart der 2. Liga so früh zu terminieren. Ich wiederhole mich, alles geht ineinander über. Die letzte Saison lappt noch ins Heute hinein, und aus der blieben von der DFB-Pokalrunde die lebendigere Erinnerungen als vom durchwachsenen Rückrunden-Ligabetrieb mit der 3:1-Auswärtsniederlage gegen den FC Energie Cottbus.

Ich sage es jetzt zum letzten Mal in diesem Jahr. Der 1. Weihnachtstag wird ja auch nicht drei Wochen vorverlegt, damit das Hochamt dieses Tages mehr Aufmerksamkeit gegenüber der Christmette am Heiligabend erhält. Nur, um das noch einmal klar zu stellen. Die DFL ist keine hoheitliche Verwaltungsinstitution, die vom Himmel gefallen ist. Der frühe Saisonstart wurde von den Vereinsvertretern im Entscheidungsgremium mit nur der Gegenstimme vom FSV Frankfurt beschlossen. Ich verstehe überhaupt nicht, welche wirtschaftlichen Folgen das diffuse Motiv “mehr Aufmerksamkeit für die 2. Liga” haben soll. Denn alleine darum geht es dann ja doch. Irgendwie soll mehr Geld generiert werden durch die alleinige Präsenz des Zweitliga-Spielbetriebs in der Öffentlichkeit. Aber wie? Mehr Zuschauer werden nicht in die Stadien gehen, und die Fernsehgelder gibt es auch nur im Paket. Sponsoren, die für drei Wochen mal eben was Geld locker machen sollen? Es geht doch immer um langfristige Verträge. Ich verstehe den Gedankengang des DFL-Gremiums nicht. Schmiss da einer vielleicht nur das Wort Alleinstellung in den Raum, und das reichte schon aus? Dieses Wort Alleinstellung hat ja seit ein paar Jahren einen überaus guten Klang, wenn Gründe für wirtschaftlichen Erfolg gesucht werden und damit notwendige Voraussetzungen für den zukünftigen.

Aber FC Energie Cottbus! So heißt der Gegner heute Abend, und so richtig wissen wir nicht, woran wir sind. Einerseits sieht die Niederlage gegen den Karlsruher SC nach noch notwendiger Trainingsmehrarbeit aus, andererseits hatte Milan Sasic vor dem Spiel gegen den KSC ein gutes Gefühl. Für dieses Gefühl fanden auch wir Zuschauer mit dem Auftreten der Mannschaft in den Vorbereitungsspielen Argumente. Ich hoffe natürlich auf einen Sieg, aber dem Realisten in mir reicht nach meinem Eindruck vom Karlsruher Spiel schon eine Mannschaft, in der das Zusammenwirken aller besser funktioniert. Dann wäre ich auch mit einem Unentschieden zufrieden. Die Saison ist lang genug für eine Siegesserie, die erst später beginnt. Meinetwegen ab dem dritten Spieltag.

Zur weiteren Einstimmung für heute Abend sei auf den von youttube-Kanal von luetteyeah verwiesen. Dort findet sich dieser von großem Fan-Pathos getragene Kurzfilm rund um das Halbfinale im DFB-Pokal gegen den FC Energie Cottbus, 13 Minuten 8 Sekunden intensive Atmosphäre und abwechslungsreiche Bilder.

Von einem Zeichen und der Finanzierung von Fußballvereinen

Nur gut, dass ich hier heute keine erfundenen Geschichten um den MSV Duisburg erzähle, sonst würde mir dieser kurze Moment vom Samstagabend um die Ohren gehauen – als zu bedeutungsvoll oder, wie Kritiker gerne schreiben, als überdeterminiert. Doch die Wahrheit bleibt auch in zeichenhafter Form wahr. Denn es kann nur ein gutes Zeichen für die nahe Zukunft des Vereins aller Vereine sein, was mir am frühen Samstagabend passierte.

Ich hatte vergessen, dass die Auslosung des DFB-Pokals in der Sportschau vom Samstag vollzogen wurde. So unterhaltsam finde ich es nämlich nicht, diese unzähligen Vereinsnamen von kleinen Zetteln abgelesen zu bekommen, um danach so wunderbar klare Analysen von Spielpaarungen zu hören wie: Eine lösbare Aufgabe für den Halbfinalisten des letzten Jahres und Das könnte schwierig werden für den Erstligisten  oder Da freut sich der Verein aus der vierten Liga. Aber irgendwann dachte ich kurz an diese Sportschau und einen möglichen Vorbericht zum sechsten Spiel der Dallas Mavericks. So schaltete ich den Fernseher just in dem Moment ein, als wer auch immer da sagte: “MSV Duisburg”. Der Gedanke an den DFB-Pokal und die Auslosung der ersten Runde war da. Nachdem ich mit dem SV Babelsberg 03 auch noch den ersten Gegner des MSV Duisburg mitbekommen hatte, fragte ich mich allerdings sofort, mit welcher Mannschaft der Verein aus Potsdam überhaupt antreten werde.

Das letzte, was ich über den Verein gelesen hatte, war ein Bericht über die drohende Insolvenz. Inzwischen weiß ich, die Gefahren haben sich wohl erledigt. Da unterscheidet sich der Drittligist in Potsdam nicht allzu sehr vom Bundesligist FC Schalke 04 in Gelsenkirchen oder dem damaligem Zweitligisten 1. FC Kaiserslautern. Wenn ein Verein maßgeblichen Politikern vor Ort wichtig scheint, wird nötiges Geld in Stadt oder Region schon irgendwie zusammengekratzt. Manchmal aber hat danach irgendjemand ein Interesse daran, Informationen über den für solche Finanzierungen ebenfalls notwendigen Klüngel an die Öffentlichkeit zu bringen. So entstehen Zeitungsgeschichten. In Potsdam als einer Landeshauptstadt hängt dann sogleich ein etwas umfassender Gestaltungswille an so einem Klüngel, wie man hier in einem Artikel der Potsdamer Neueste Nachrichten lesen kann. 

Ich denke aber erstmal wieder nur an den Fußball und weiß, das Spiel in Potsdam gehört in die Schublade “lösbare Aufgabe”. Will man in der Schublade aber noch mehr Ordnung halten, sollte man das Spiel neben dem Stapel “ganz leicht” auf dem Stapel “etwas schwieriger” ablegen. Für leichte Spannung ist also gesorgt. Damit die guten Zeichen sich noch mehren, sei noch erzählt, ich hatte für Ende August ohnehin geplant, mit unserem Sohn nach Berlin zu fahren. So eine Berlin-Fahrt hatte es im Sommer des letzten Jahres schon einmal gegeben und mein Sohn, der sich zu meinem Leidwesen nur wenig für Fußball interessiert, wurde von mir auf dem Weg nach Berlin beim Zwischenaufenthalt in Osnabrück mit dem Zweitliga-Auftakt des MSV Duisburg gegen den VfL zwangsbeglückt. Wir wissen, welch unerwartet gute Saison danach folgte. In dieser Saison kann Ende August die familieninterne Magie den Verlauf der Zweitliga-Saison nur noch begrenzt bestimmen. Da sind zu viele Spiele schon gespielt worden. Doch im Pokalwettbewerb sollte die Magie wirksam werden können. Wieder wird mein Sohn mich anlässlich eines gemeinsamen Berlin-Aufenthalts zu einem Auswärtsspiel des MSV Duisburg begleiten. Es ist das nächste gute Zeichen.

Fußball gab es im DFB-Pokalfinale auch noch

War da noch was, weswegen wir als Zuschauer in Berlin beim DFB-Pokalfinale gewesen sind? Das Fußballspiel selbst erhält in der Berichterstattung nach dem Samstag nicht nur in Duisburg keine große Aufmerksamkeit. Es lässt sich eben keine originelle Geschichte über dieses Spiel erzählen. Nichts Unvorhersehbares im Spielgeschehen hat den FC Schalke 04 dabei behindert, die vorhandene spielerische Qualität zu entfalten. Diese Mannschaft kam ins Rollen, und diese Mannschaft wollte beweisen, all die schlechten Leistungen der letzten Wochen:  Das waren eigentlich gar nicht wir. Diese Mannschaft wollte sich von ihrem schlechten Wir befreien. Das ist ihr für diesen Tag gelungen.

Ich finde es normal, dass eine Mannschaft wie der FC Schalke 04 einen Zweitligisten wie den MSV Duisburg hoch schlagen kann. Daraus lässt sich kein besonderes Selbstbewusstsein ableiten. Auf der anderen Seite des MSV Duisburg muss das aber auch zu keiner besonders lang anhaltenden Enttäuschung führen. Bleibt mal alle auf dem Boden, in Gelsenkirchen und in Duisburg. Wer sich in Duisburg über die Leistung einzelner Spieler ärgert, hat die Voraussetzungen dieses Spiels völlig aus den Augen verloren. Schweigt stille, und denkt an alle Spieler beim MSV Duisburg, die verletzt gefehlt haben.  Und denkt zudem an den so immens großen Wertunterschied in Euros der beiden Spielerkader als Maßstab für den vom Markt angenommenen  Qualitätsunterschied, den der MSV Duisburg hätte schleifen müssen.

Doch dieser grundsätzliche Qualitätsunterschied zwischen beiden Mannschaften ließ sich am Samstag nicht aufheben. Er zeigte sich fast durchweg beim Tempo der Ballverarbeitung. Die Mannschaft des MSV Duisburg agierte am Samstag entweder langsamer oder beim Versuch schnell zu sein, unpräziser als der FC Schalke 04. Die Spieler des MSV Duisburg beherrschten den Ball erst nach zwei- oder dreimaliger Berührung, während auf Seiten der Schalker fast immer beim ersten Kontakt dieser Ball genau das machte, was der Spieler beabsichtigte. Auch deshalb kamen die Spieler des MSV Duisburg gar nicht erst in den Kampf hinein, der für die Verwirklichung der Pokalträume notwendig gewesen wäre. Der Ball war bis auf die Zeit zwischen dem zweiten und dritten Tor der Schalker meist  schon woanders, sobald der verteidigende Spieler des MSV Duisburg irgendwo ankam. Bei Angriffen der Duisburger hatten die Schalker in der Defensive deshalb fast durchweg ausreichend Zeit, den Verbund der Abwehr zu organisieren.

Ich habe den Verdacht, es wäre besser gewesen, der FC Schalke 04 hätte vor dem DFB-Pokalfinale eine eindrucksvolle Siegesserie gezeigt. Dann hätte die Mannschaft des MSV Duisburg tatsächlich jene Chance gehabt, die wir doch alle mehr oder weniger insgeheim vor dem Finale gesehen sahen. Frei nach dem Motto, wir haben keine Chance und wollen sie nutzen, wäre die Mannschaft des MSV Duisburg wahrscheinlich sehr viel unbelasteter gewesen, als sie in Berlin aufgetreten ist. All das Reden vor dem Finale über den Druck des FC Schalke 04 gewinnen zu müssen, löste anscheinend eine nachteilige psychische Bewegung in Duisburg aus. Gefühle gehen manche komplizierte Wege, und deshalb schien nicht die Mannschaft des FC Schalke 04 nervös auf den Platz gehen sondern die des MSV Duisburg.

Vielleicht beeindruckte ein wenig auch die Kulisse, aber ich glaube, vor allem schien diese Mannschaft eine Chance auf den Sieg zu sehen und ängstigte sich, diese Chance zu verspielen. Die meisten Spieler der Zebras wirkten nicht so, als befänden sie sich nur im Augenblick des Spiels. In diesen Augenblicken schwang der Ausgang des Spiels  mit. Sie hatten Angst diese für sie wahrscheinlich nicht allzu oft vorkommende Chance ihrer Karriere auf einen großen Erfolg zu verspielen. Für mich zeigen das die Minuten nach dem zweiten Tor der Schalker. Dieses Tor war nicht das endgültige Aus für die Mannschaft des MSV Duisburg. Im Gegenteil. Von dem Moment an spielte der MSV Duisburg befreit auf. Von dem Moment an war die Last des großen Erfolges von den Schultern der Spieler gefallen. Jetzt erst ging es noch darum, den einzelnen Angriff gut vorzutragen und nicht darum, den so nahe scheinenden Pokal-Triumph möglich zu machen.  Erst jetzt ging es darum, den gegnerischen Angriff erst einmal zu stoppen und nicht darum, das Tor zu vermeiden, das den Traum zerstören wird.

In diesen Minuten des Spiels hatte sich die Mannschaft gefangen, spielte guten Fußball, und es mangelte, wie wir es alle wussten und es schon oft erlebt hatten, am Abschluss. Erst das dritte Tor kurz vor der Halbzeitpause entschied das Spiel endgültig. In der zweiten Halbzeit ging es dann nur noch darum, nicht unterzugehen. Wir haben am Samstagnacht auf der Sonntagstraße in Friedrichshain beim Bier den Tag ausklingen lassen. An den Kneipentischen auf der Straße wurde es etwas kühl. Doch das hielten wir aus. Denn das junge partyhungrige Friedrichshain machte uns zu Pokalsiegern der Herzen. “Kopf hoch”, hörten wir immer wieder. Und: “Ich hätte es euch so gegönnt”.  Ein Pärchen, in Zebra-Trikots, mittleres Alter, kam ebenfalls an uns vorbei. Ein kurzer Gruß, getragene Stimmung. Doch dann verlangsamte er den Schritt etwas und meinte: “Stellt euch bloß vor, wir hätten heute ‘ne Klatsche bekommen.” Wir grinsten. Samstagabende in Berlin können wunderbar sein.


Kees Jaratz im Buchhandel

Die Seite zum Buch

Hier geht es zum Fangedächtnis

Bloglisten


Follow

Bekomme jeden neuen Artikel in deinen Posteingang.

Schließe dich 44 Followern an

%d Bloggern gefällt das: