Mit 'Duisburg' getaggte Einträge

Die Musik der Bewegung entsteht – II

Streifen zeigen mit Rap. Barracuda haben mit “Zwölfter Mann” ein schönes Stück online gestellt, in dem nicht nur die eigene Bindung an den MSV rappend erzählt wird, sondern auch das Geschehen seit der Lizenzverweigerung. Dazu haben sie einen bewegenden Clip produziert. Ich pack das Ganze auch noch in die erste Folge, damit das gesamte Liedgut dieser Tage mit einem Klick aufrufbar ist.

Fanaktionen, 15.6.2013, im Bewegtbild – Eine Sammlung

Frank-M. Fischer war für Duisburg365.de bei der Drachenboot-Fun-Regatta und hat das Solidaritätsboot der Wanheimer Kanugilde im Bewegtbild festgehalten.


Band der Solidarität, 8.6.2013, im Bewegtbild – Eine Sammlung von bislang einem Clip

Die Reportage bei Duisburg365.de beginnt mit Bildern vom Rathaus und (Wahrnehmung! Ich hatte nur das Bild von OB Sören Link gesehen und Rathaus abgehakt. Rathaus kommt aber gar nicht vor) einem Interview mit Organisator Hajo Schneider. Danach geht es zu der Stelle der Menschenkette auf der Düsseldorfer Straße, an der sich Oberbürgermeister Sören Link zusammen mit Bernard Dietz und MSV-Präsident Udo Kirmse eingereiht hat. Sören Link gibt ebenfalls ein Interview. Welches Gruppenbild  sich dann vor dem Eckfrisör anschließt, wird mir nicht klar. Auf jeden Fall zeigt es die Stimmung nach Auflösung der Menschenkette.

Eins geht mir nach den Worten von Sören Link noch durch den Kopf. Man müsste ihm wahrscheinlich sagen, dass bei der DFL das Argument Tradition wenig Resonanz findet. Im Gegenteil. Neulich wirkte Andreas Rettig sehr genervt, als er in einem Interview – ich weiß nicht mehr wo – auf diesen Gegensatz zwischen Tradition und aufstrebenden Projektvereinen angesprochen wurde. Wenn man strategisch denkt, sollte man die Tradition also mal schnell vergessen und tatsächlich nur auf die Gegenwart verweisen, auf alles, was der MSV Duisburg bei den Menschen heute bewegt. Das reicht vollkommen.

Weitere Clips baue ich gerne ein. Weist mich auf andere Bewegtbilder hin.

Was mir nicht aus dem Kopf geht …

Nie zuvor hatte ich stärker das Bedürfnis, eine Chronologie des Geschehens beim MSV Duisburg während der letzten Jahre zu erstellen. Egal, wie es auch immer mit dem MSV Duisburg weitergeht. Das liegt auch daran, dass nach einem endgültigen Zwangsabstieg des MSV Duisburg mir nur die Wahrheit zu Ruhe verhilft. Nie zuvor habe ich Menschen besser verstanden, die einem Unglück ausgesetzt waren und danach wissen wollten, wie es dazu kam. Natürlich lässt sich der grobe Weg nachvollziehen, aber mir geht einfach nicht die Frage aus dem Kopf, wie es zu dieser Art Zeitdruck hat kommen können. Schon am Tag nach der Jahreshauptversammlung stellte sich für mich die Frage, was hat Roland Kentsch fünf Monate lang gemacht? Liest man ein wenig herum, fällt auf, wie ungerichtet in den wenigen Tagen bis zum Abgabetermin der Bilanzunterlagen in dieser Geschäftsführung gearbeitet wurde. Sowohl Walter Hellmich in seinem Brief als auch Andreas Rüttgers für den Sponsor Schauinsland Reisen im MSVPortal schildern unabhängig voneinander, wie erst Geld nicht gebraucht wird, dann doch und dann wieder nicht. Es ist so bizarr, dass diese beiden Gegenpole im MSV Duisburg ähnliche Erfahrungen gemacht haben. Für mich liegt es auf der Hand, dass bei so einem hin und her Fehler passieren.

Völlig abgesehen von unterschiedlichen konzeptionellen Ansätzen, es ist so bitter, dass im Grunde sowohl Walter Hellmich als auch Schauinsland Reisen bereit gewesen sind, genügend Geld zur Verfügung zu stellen, um auch diese Klippe der Lizenzierung zu überwinden. Brauchte es etwa die Katastrophe um eine endgültige Lösung der Probleme für den MSV Duisburg überhaupt erst zu ermöglichen? Menschen sind so. Menschen machen einfach weiter mit dem, was sie immer schon getan haben. Erst der Leidensdruck schafft die Bereitschaft, Energie und Kraft aufzubringen, um aus dem Trott auszubrechen. Stand das dahinter?

Momentan hoffe ich nur noch auf ein Wunder. Ich träume von einem genialen Rechtsbeistand, der eine kaum vorhandene Schwachstelle im Lizenzierungsverfahren erkennt und sie zum größten Skandal in der Geschichte der DFL ausbauen kann. Manche Dinge lassen sich unterschiedlich beurteilen. Aber es sei noch einmal darauf hingewiesen: Wie ich es verstehe, so kann eine mögliche Nachlizenzierung alleine durch den Nachweis eines formaljuristischen Fehlers geschehen. Wir reden nicht mehr vom Geld. Wir reden jetzt nur noch von Verfahrensfragen.

Daneben überwältigt nicht nur mich die Anteilnahme am Geschehen rund um den MSV Duisburg. Das hätte ich nicht gedacht, wie viele Sympathien die Zebras in Fußballdeutschland besitzen. Oder dieser Gemeinschaftsgedanke Ruhrpott, der sich in einer Facebook-Gruppe entfaltet. Zu einer anderen Gelegenheit hätte ich vor Begeisterung auf den Tischen getanzt. Da geschieht das, was ich mir von den “111 Fußballorten im Ruhrgebiet” erhofft hatte. Da geht es um die Identität einer Region und der Fußball ist tatsächlich eine Möglichkeit sich in der Gemeinsamkeit des Ruhrstadtgedankens zu begegnen. Nur eine andere Gelegenheit dazu hätte es schon sein dürfen.

Halbzeitpausengespräch: Begeisterndes Kom’ma-Theater für das erwachsene Publikum

Als ein Ort für Kinder- und Jugendschauspiel ist das Kom’ma-Theater seit Jahren eine feste Größe in Duisburg. Nun wird das Repertoire  erweitert. Nach einer langen Pause wird wieder erwachsenenes Publikum gesucht und hoffentlich in großer Zahl gefunden. Denn “Gerolimenos”, das erste Stück dieses Neuanfangs, zeigt, welch originelles, frisches Theaterspiel im westlichen Pott möglich ist. Noch muss das weitererzählt werden. Noch blieben bei der Vorstellung am letzten Freitag Plätze frei. Wer das Stück gesehen hat, versteht das nicht.

Die Anfangsszene gibt die Tonlage des begeisternden Abends vor. Auf der karg ausgestatteten Bühne sitzt auf einem Sofa der Usbeke  in Pelzmantel und -mütze, eine Sonnenbrille tragend und strickt. Da macht sich Komik und Groteske sofort bemerkbar, zumal Renate Frisch den Usbeken mit brummiger Stimme,  herbem Charme  und slawischem Akzent gibt. Der Usbeke wartet auf das regelmäßige Treffen mit Chili und Gerolimenos. Die drei sind Labyrinth-Baumeister und erzählen über ihre Pläne für Projekte sowie das Leben.

Wenn dann Hilmi Sözer als Gerolimenos die Bühne betritt, wird noch etwas sofort deutlich. Die Schauspieler treten auch als Erzähler ihres Erlebens auf und durchbrechen immer wieder die Bühnenrealität. Der Rahmen der Handlung wird von Hilmi Sözer abgesteckt, indem er sich zum Publikum wendet. Die Hauptfiguren werden vorgestellt. Später begleitet die beschreibende Erzählung von Helle Hensen als Chili das Spiel der beiden anderen. Pantomime ersetzt Requisite. Einige Register modernen Theaters werden gezogen. Doch geht es dabei nicht um reine Effekte der Distanzierung und der Komik, letztlich dient alles Bühnengeschehen dazu, im kleinen Raum auch eine große Welt erfahrbar zu machen.

In diesen Anfangsminuten braucht das Stück ein wenig Zeit, um Fahrt aufzunehmen. Dann aber kennt die Spielfreude der drei Schauspieler kein Halten mehr. Die Schauspieler nehmen je nach Handlungsort weitere Rollen an, wechseln eindrucksvoll von jetzt auf gleich zwischen ihnen hin und her, und erschaffen auf der Bühne ein imaginäres schottisches Landgut, wo Geromilenos im Auftrag von dessen Besitzerin und auf Anraten Chilis ein einzigartiges Labyrinth erschaffen soll. Das Labyrinth steht aber auch als Sinnbild für  Gefühle. Schließlich ist in Schottland auf einem Landgut voller Frauen unterschiedlichen Alters mit der Liebe zu rechnen. Denn auch wenn Gerolimenos von sich glaubt, er bevorzuge die reiferen Frauen, kann er sich den Avancen von Elena, der ältesten Tochter seiner Auftraggeberin, nicht entziehen. Für sie scheint die Liebe aber ein Spiel zu sein. Und so zeigen sich neben aller Komik auch kleine berührende Momente.

Der belgische Theaterautors Geert Genbrugge hat für Gerolimenos nicht nur originelle Figuren samt verwickelter Handlung geschaffen. Auch seine Sprache ist besonders. Ungewohnt bildhaft lässt er zuweilen seine Figuren reden, und auch diese Sprache ist Quelle von Komik und Witz. Mit der Auswahl des Stückes beweist das Kom’ma-Theater Mut.  Zuschauer müssen für ein Stück gefunden werden, das weder von einem in Deutschland bekannten Namen gestützt wird, noch dass es sich ins im Ruhrpott beliebte Gegenwarts-Boulevardtheater einreiht mit potttypischen Figuren und Themen. Noch einmal: Belohnt diesen Mut. Erzählt weiter, welch wunderbarer Theaterabend am Kom’ma-Theater mit Gerolimenos zu erleben ist. Welch mitreißende schauspielerische Darbietung Renate Frisch, Helle Hensen und Hilmi Sözer auf die Bühne bringen. Welch neue alte Theaterbühne in Duisburg zu entdecken ist.

Mit einem Klick weiter geht es zu der Seite zum Stück samt Informationen zu Terminen und Kartenbestellung.

M – U – T – Anke Johannsen, Jens Otto und andere Duisburger

Schön zu sehen, wenn in Duisburg Menschen voller Energie Kulturprojekte vorantreiben. Auch das beeinflusst die Stimmung in einer Stadt. Anke Johannsen und Jens Otto waren die treibende Kräfte bei einem künstlerisch inspirierten Projekt, das kurz und bündig M – U – T heißt, besagte Haltung zum Leben thematisiert und dessen Essenz der unten eingebundene Video-Clip ist. Beide sind zwei von drei Musikern der Anke Johannsen Band, die laut ihrer Selbstbeschreibung sich im “soulig angehauchten Jazz-Pop” zu Hause fühlt.

Auch wenn ich diesem Projekt Beifall klatsche, reibe ich mich an den Anfangsminuten des entstandenen Clips. Zu Beginn geraten die Macher nach meinem Geschmack zu sehr in das Fahrwasser einer öfter mal gesehenen Werbeästhetik. Ich komme jetzt nicht drauf, für welche Produkte genau auf diese Weise schon geworben wurde. An Autos erinnere ich mich sicher. Diese filmische Ästhetik wird von dem Problem bestimmt, eine innere Haltung als Behauptungen und Selbstaussagen von Menschen erzählen zu müssen. Es gibt eben kein Bild, das für sich spricht und den besagten Mut zeigt.

Damit möchte ich das Projekt keineswegs in Frage stellen. Vielleicht entspricht der Clip gerade deshalb besonders den Sehgewohnheiten und kommt so den Menschen nahe? Vielleicht macht den Clip gerade sein plakativer Anfang populär, nach dem Motto, was die restliche Welt kann, kann Duisburg auch? Wenn ich von meinem Geschmack rede, dann steht dahinter vor allem mein Eindruck, Anke Johannsens eigenständige künstlerische Kraft wird erst ab etwa der Hälfte des Clips erkennbar.  Und natürlich ist mir bewusst, die Musikerin Anke Johannsen stellt sich in diesem Clip in den Dienst einer gewünschten Aussage.

Doch für Menschen mit ähnlichem Geschmack wie meinem gibt es bald Abhilfe. Neulich bin ich Anke Johannsen zufällig auf dem Weg von Ruhrort nach Hause begegnet. Wir kamen ins Gespräch und sie erzählte, es werde demnächst eine kürzere Fassung des Clips geschnitten. In der werde nur der schnellere zweite Teil  zu sehen und zu hören sein. Das klingt nach einer Beschränkung, die mir gut gefällt. Wenn es diesen Zusammenschnitt gibt, sage ich Bescheid.

Nachtrag des Jubels in der Buchhandlung

Am dritten Tag nach dem Spiel des MSV Duisburg gegen den FSV Frankfurt brauche ich nicht mehr viel zum Spiel zu sagen. Es geht auch mehr darum, beim Schreiben zumindest etwas vom Gefühl der Zufriedenheit über das 1:1-Unentschieden zu spüren, für das ich am Wochenende so gut wie keine Zeit gehabt habe. Vom Spiel selbst bekam ich genau vier Schlaglichter mit, eines davon war allerdings von exklusiver Besonderheit. Niemals zuvor habe ich beim Blick auf den Bestellcomputer einer Buchhandlung so gejubelt wie am Samstag. Verwunderte Kundenblicke ignorierte ich souverän. Vielleicht geht Kultur in einer literarischen Buchhandlung ja so? Auch mal bei erfolgreich durchgeführter Bestellung einer Heine-Gesamtausgabe die Fäuste vor Begeisterung ballen und wenigstens warmen Beifall klatschen für einen frühen Krimi von Joy Fielding?

Zum Vorbild für das Eventerlebnis Buchkauf wurde ich durch den Live-Ticker der Sportschau, den Lisa Evertz von der Buchhandlung Scheuermann gerade aufgerufen hatte. In der Duisburger Buchhandlung  war ich während der ersten Halbzeit anlässlich einer Signierstunde. Gerade noch den Namen in ein Exemplar der “111 Fussballorte im Ruhrgebiet, die man gesehen haben muss” geschrieben, schon führte der MSV Duisburg in Frankfurt, und die Sportschau-Tickerer orakelten irgendetwas vom Aufstieg. Die wollten witzig sein. Ich aber nehme so etwas sofort für winzige Momente ernst.  Ich rief mich zur Ordnung und hoffte auf den Fortbestand der frühen Führung. Das Halbzeitergebnis war deshalb eine leise Enttäuschung.

Insgesamt nun bin ich zufrieden. Was ja auch der Stimmung aller entspricht, die das Spiel gesehen haben. Da gibt es keinerlei Meinungsverschiedenheit über die entscheidenden Szenen und die Leistung der Spieler. Vor allem Julian Koch ist seit Samstag endgültig in den Fokus gerückt. Schon vor seiner Gelbsperre war zu merken, wie seine Formkurve abfiel.  Nun war er zudem mitverantworltlich für den Ausgleichstreffer. Mir fällt das schwer zu schreiben: Mit solchen Leistungen wird er sich in der Bundesliga nicht durchsetzen. Dennoch denke ich, das stimmt. Wahrscheinlich gönnen ihm die meisten aus der Zebraherde den Platz in einer Bundesliga-Startelf. Wollen wir mit und für ihn hoffen, dass er noch in dieser Saison ein paar Mal zumindest die Leistungen der Hinrunde wieder zeigt. Um nach der Sommerpause dann – wo auch immer – an das erste eine Jahr beim MSV Duisburg anzuknüpfen.

Das 1000. Zweitliga-Tor des MSV Duisburg ist nun auch gefallen. Für mich persönlich uninteressant, mehr was für die Saure-Gurken-Zeiten der Zukunft, in der man dann auch mal was über die Torschützen der Jubiläumstore des MSV Duisburg schreiben kann. Daniel Brosinskis Verweis auf das Big-Mac-Menü als fälliges Mannschaftsessen ist schon mal im Archiv abgelegt. Wer sich den Brosinski-Humor ansehen möchte, nebst Pressekonferenz und weiterem O-Ton von Ranisav Jovanović, bitte schön:

In eigener Sache: Signierstunde in der Buchhandlung Scheuermann

Die Terminplanung ging schon vonstatten, als die DFL die endgültigen Spielansetzungen des nächsten Spieltages noch nicht festgelegt hatte. Die Folge:  Ganz glücklich bin ich mit einer Signierstunde am Tag des Auswärtsspiels vom MSV Duisburg gegen den  FSV Frankfurt nicht. So lässt sich aber für die Daheimbleibenden die Wartezeit auf den Anpfiff vertreiben mit einem Besuch in der  Buchhandlung Scheuermann, Sonnenwall 30. Ab 11 Uhr kann man sich dort von Frank Baade und mir unser Buch “111 Fussballorte im Ruhrgebiet, die man gesehen haben muss” signieren lassen. Man kann natürlich auch vorbei kommen, um über die nächste Saison zu plaudern, das großartige Fußballereignis in Dortmund gestern Abend in aller Pott-Verbundenheit noch einmal Revue passieren zu lassen oder andere interessante Gespräche zu führen. Bis 14 Uhr sind wir dort, ab 13 Uhr sind also Radio-DU-Kommentar aus Frankfurt und Liveticker mit dabei.

Halbzeitpausengespräch: Der Duisburger Pianist Kai Schumacher

Wenn ein Duisburger Pianist morgen um 20 Uhr auf Zeche Zollverein in Essen, Schacht XII, Halle 12 das Release-Konzert seiner CD spielt, klingt das für mich nach gelingendem Kulturleben in der Ruhrstadt, und so fällt mein Blick auch aus diesem Grund auf den Pianisten Kai Schumacher. Tatsächlich ist im sehenswerten Interview-Clip mit Labkultur neben der Vorstellung seiner Musik auch der Ruhrstadt-Gedanke Thema. Kai Schumacher präsentiert auf seiner CD “Transcription” Rock, Grunge und Metall der 1990er als Klaviermusik, Stücke, die das Lebensgefühl dieser Jahre für viele ausgemacht haben und die er nun eben – CD-Nomen est omen – für das Klavier transkipierte. Im Konzert werden auch einige klassische  Klavierstücke zu hören sein. Sein Repertoire ist vielfältig. Als Pianist der Duisburger Band Mobilée nahm er an der diesjährigen Vorentscheidung zum Eurovision Song Contest teil. 2007 wurde er mit dem Folkwang Klavier-Sonderpreis ausgezeichnet.

Kai Schumacher ist zugezogen. In Erlangen wurde er geboren. Ins Ruhrgebiet kam er, um an der Folkwangschule Klavier zu studieren. Nun lebt er in Duisburg und bereichert hoffentlich noch länger das Kulturleben Duisburgs – sowie der größer gedachten Ruhrstadt. Zu Kai Schumachers Seite im Netz geht es hier entlang. Auf seinem youtube-Kanal gibt er Kostproben seiner Kunst von Klassik bis zu den “Transcriptions”. Als Appetithappen nehme ich mal eine dieser Transkriptionen rüber. Kai Schumacher spielt “Killing in the name” von Rage against the machine.

In dem folgenden Clip stellt sich Kai Schumacher mit seiner Musik und seinen Gedanken dazu vor.

Auch das ist Kultur: Wenn Jugendliche schreiben

Mir kam das Wochenende ohne Fußballspiele mit Einfluss auf die Zweitligatabelle gerade recht. So verpasste ich nur das Freundschaftsspiel gegen Borussia Mönchengladbach, als ich Freitag am frühen Abend  im Duisburger Lokalfernsehen Studio47  fünf kurze Minuten über das Literaturnetzwerk für Kinder und Jugendliche “DU schreib(s)t erzählen konnte. Anlass war die Eröffnung vom jugenstil-club nrw  im Obermarxloher Jugendzentrum Zitrone als Anerkennung dafür, wie Kindern und Jugendlichen vom Jugendzentrum ausgehend Lesen und literarisches Schreiben nahe gebracht und ermöglicht wird. In WAZ/NRZ war – ebenfalls am Freitag – ein Artikel über die Veranstaltung vom Mittwoch zu lesen.

Nun habe  ich in dem Gespräch am Freitag etwas nicht unterbringen können, was mir ebenso wichtig erscheint, wie die Arbeit mit den Jugendlichen selbst. Einerseits gehört dieses Engagement für Literatur von und für Heranwachsende im Duisburger Norden gewiss auch zur Jugendsozial- und zur Bildungsarbeit. In Duisburg, so habe ich habe den Eindruck,  wird es aber zu oft ausschließlich so wahrgenommen. Dabei gehört so ein Projekt zum kulturellen Leben in Duisburg. Du schreib(s)t macht literarisches Schreiben und damit einen Teil der Kultur zum selbstverständlichen Teil des Duisburger Alltags.

Vielleicht gerät dieses Schreiben als eine Form Duisburger Kulturlebens immer wieder aus dem Blick, weil die Welt der Jugendlichen im Duisburger Norden zunächst oft als defizitär wahrgenommen wird. Schnell wird deshalb Lesen und Schreiben darauf reduziert, ein geeignetes Mittel zu sein, Lebenschancen der Kinder in sozial schwierigen Lagen zu verbessern. Für das städtische Kulturleben ist es aber wichtig, das Engagement für Literatur im Duisburger Norden als Zweck an sich zu begreifen. Dort im Duisburger Norden sind nämlich auch Jugendliche zu Hause, die stolz auf ihre Stadt sind und die das Talent haben, diesen Stolz in Worte zu fassen. Sie idealisieren ihre Heimatstadt nicht und sehen in ihr dennoch einen Ort, an dem sie gerne leben.

Diese Jugendlichen brauchen im Alltag der Stadt einen geistigen Ort für ihre Beschäftigung mit der städtischen Wirklichkeit. Sie brauchen Menschen, die ihnen Anerkennung bieten und die sie wahrnehmen. Dann wird die Chance größer, dass diese Jugendlichen auch in Zukunft ihr Talent in Duisburg zeigen. Es geht also um den Lebenswert dieser Stadt, wenn die Beschäftigung mit Literatur auf jeder Ebene erst einmal als Beschäftigung mit Literatur angesehen wird und alles andere eine manchmal wünschenswerte Folge davon ist. Niemand stellt in Frage, dass ein U16-Fußballspiel eines Duisburger Amateurvereins ein Fußballspiel ist. In der Kultur sieht das mit deren Erzeugnissen oft anders aus. DU schreib(s)t möchte daran etwas ändern.


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