Mit 'Eintracht Frankfurt' getaggte Einträge

Die Klatschkolumnen der Sportpresse

Mit der einstigen Fan-Freundschaft zwischen Duisburgern und Frankfurtern wird die lang erwartete Nachricht aus dem Eintracht-Haus nichts zu tun gehabt haben. Armin Veh verlängerte seinen Vertrag bei Eintracht Frankfurt. Sämtliche Sätze über Kosta Runjaic und seine wie-auch-immer-Beziehung zu Bruno Hübner mit Ablösesummen fordernden Folgen für den MSV Duisburg  wurden zu jener heißen Luft, die einem von Anfang an um die Ohren wehte, als in der  Frankfurter Rundschau in einem abschließenden Absatz zum Veh-Vertragspoker mal kurz überlegt wurde, wer denn so als Nachfolger in Frage käme.

Aus dieser Überlegung wurde dann fast schon die Verpflichtung. Was für ein Wahnsinn! Der Zug fährt los und jeder will mit, obwohl keiner weiß, wohin er überhaupt fährt. Hauptsache Bewegung.  Kosta Runjaic muss also irgendwas dementieren, während eigentlich ganz andere Dinge seine Zeit erfordern, wie noch ein Tag zuvor breit berichtet wird. Die neue Saison will vorbereitet werden. Als ich von diesen durchdachten Vorbereitungen las, war ich begeistert. Was mich mich hingegen nicht interessiert, sind  Spekulationen. Unterschriften unter Verträge zählen, alles andere nervt. Solche Pseudo-Meldungen wie die zu Runjaic und Frankfurt kommen mir inzwischen vor wie die Sport-Entsprechung zum Yellow-Press-Celebrity-Klatsch. Wer wurde neulich mit wem gerade hinter dem Rücken seines Partners beim Knutschen gesichtet oder kam es etwa schon zum Äußersten? Von den einen lässt sich dann später die gerettete Ehe erzählen. Die anderen sind mehr der Typ one-night-stand mit der Endlosgeschichte von der heißen neuen nächsten Liebe. Da wird das Melodrama gegeben – mit den Standardzutaten großes Gefühl und  Geld. Aus einer etwas anderen Perspektive stellte Fokus Fußball den Informationsgehalt von Sportnachrichten in Frage. Es gibt keine verlässlichen Informationen mehr.  Da bleibt als Konsequenz doch nur, konzentrieren wir uns auf den Sport.

Doch selbstverständlich gibt es auch Graubereiche des Interesses, wenn es um die Zusammenstellung des Spielerkaders in der neuen Saison geht. Da gibt es ja Fakten durch bestehende Verträge. Allerdings muss auch  im Fall Julian Koch erst einmal die marktschreierische Beklemmung beiseite geschoben werden. Wenn ein Spieler einen Leihvertrag für ein Jahr besitzt, kann es schon mal sein, dass er in der nächsten Saison bei einem anderen Verein spielt. Auch wenn Zeitungsseiten gefüllt werden müssen, es gibt keine Geschichte zu erzählen über Julian Koch. Es geschieht das, was erwartet werden konnte. Die Geschichte wäre zu erzählen, wenn Julian Koch auch in der nächsten Saison für einen MSV Duisburg spielt, dessen Liga-Budget im unteren Drittel der Zweiten Liga angesiedelt ist. Dagegegen ist Dustin Bomheuer tatsächlich eine kleine Geschichte wert. Aber auch in dem Fall fehlt mir jeglicher Sinn für Spekulationen. Es gibt alleine die Geschichte vom schnellen Aufstieg, und ob da jetzt tatsächlich Bundesligavereine Interesse an der Verpflichtung haben, gehört bereits zur Vertragsverhandlung. Der Rahmen der Zukunft ist in meinen Augen klar gesteckt. Ein vernünftiger Spielerberater würde ihm einen Vertrag mit dem MSV Duisburg aushandeln, der einen Ausstieg mit festgelegter Ablösesumme beinhaltet. Er würde Kosta Runjaics Worte vom zu früh kommenden Wechsel in Liga 1  ernst nehmen. Bleiben Dustin Bomheuers Leistungen stabil, könnte er in der nächsten Saison den André Hoffmann geben. Und dann ist da noch Jürgen Gjasula, für den der MSV Duisburg auch mal eine recht attraktive Braut abgibt. Über seine Zukunft wird noch gar nicht spekuliert. Man sieht, Geschichten sind auch ohne große Gerüchte zu erzählen.

Und nun zu etwas ganz anderem: Etwas unverbunden und leicht verspätet komme ich nochmals auf den Geburtstag von Bernard Dietz zu sprechen. Maurice Exslager wurde von den Medienleuten des MSV ein Mikro in die Hand gedrückt, um mit Bernard Dietz ein Gespräch zu führen. So entspannt wie Ennatz wirkt er zwar nicht, aber wer auch immer den Clip noch nicht gesehen hat, sollte ihn sich ansehen. Selten habe ich Ennatz bei einem öffentlichen Auftritt vor einer Kamera derart unbeschwert gesehen. Da ist eine halbprivate Atmosphäre entstanden. Sehr, sehr schön!

Das Fangedächtnis des MSV Duisburg – Zu meiner Zeit. Teil 3: Fußballweltmeisterschaften und Tipp-Kick –

Nach der Veröffentlichung von “111 Fussballorte im Ruhrgebiet, die man gesehen haben muss” nahm Manfred “Manni” Wiegandt, ein alter Meidericher, heute in den USA lebend, Kontakt mit mir auf. Wir besuchten dieselbe Schule. Auch wenn er ein paar Klassen über mir war, kamen wir in dem Mail-hin-und-her ins Erinnern. So fragte ich ihn, ob ich diese Erinnerungen zusammenfassen könnte. Tatsächlich waren die Mails dann nur der Anfang eines neuen, sehr umfangreichen Beitrags für das “Fan-Gedächtnis des MSV Duisburg”, den Manfred Wiegandt schrieb. Er ist so lang gewordne, dass ich ihn in mehreren Teilen veröffentliche.

Heute geht es ums Fanwerden, zwei Fußballweltmeisterschaften, das Tipp-Kick-Spiel und Fritz Walter, der Anekdoten erzählt, während ein Jugendlicher unter vielen Männern sich ein Pils greift.


Zu meiner Zeit – Teil 3 –

von Manfred Wiegandt

Das erste Mal, dass ich etwas vom Profi-Fußball hörte, muss wohl in der ersten Bundesliga-Saison 1963/64 gewesen sein. Ich erinnere mich, dass mein Vater mir sagte, dass Köln Tabellenführer sei, Meiderich sei Zweiter und Borussia Dortmund Dritter. Wenn ich heute darüber nachdenke, ist es schon lustig, dass es für mich gar nichts besonderes war, dass Meiderich, also der Stadtteil, in dem wir wohnten, eines der besten Teams hatte. Ich kannte die Vereinsanlage des MSV wohl noch gar nicht richtig, obwohl sie nur etwa tausende Meter von unserem Haus entfernt war. Mehr beeindruckte mich der Name der Dortmunder. Ich glaube, ich assoziierte Borussia damals mit Russen. Als ich dann etwa zur gleichen Zeit anfing, in meiner Freizeit, also jeden Nachmittag und samstags den ganzen Tag (sonntags durften wir uns nie schmutzig machen), Fußball zu spielen, war das Fernsehen noch nicht so wichtig.

Im Prinzip gab es für uns „Ullige“, was Fußball betrifft, ja ohnehin nur die samstägliche Sportschau mit Ernst Huberty, Dieter Adler oder Adolf Furler (das ZDF-Sportstudio war zu spät), vielleicht mal ein Länderspiel, das übertragen wurde. Probleme gab es bei uns zu Hause, als die Serie Daktari aufkam, die im ZDF zur gleichen Zeit wie die Sportschau im Ersten ausgestrahlt wurde. Meine Brüder und ich wollten Sportschau sehen, aber meine kleine Schwester den schielenden Löwen Clarence und den Affen Cheetah. Es gab regelmäßig riesigen Krach und viel Geschrei. Unfairer Weise entschieden meine Eltern, dass eine Woche Sportschau, die andere Daktari geguckt würde. Von wegen Gleichberechtigung! Meine Schwester hatte genauso viel Gewicht wie ihre drei Brüder zusammen. Am Ende bekamen wir einen kleinen Fernseher, auf dem wir die Sportschau gucken durften, wenn auf dem großen Daktari angesagt war. Leider war der Empfang immer so schlecht, dass es absolut keinen Spaß machte.

Das erste Mal ins Wedau-Stadion kam ich in der Saison 1965/66, als mich der Vater eines Klassenkameraden mitnahm. Wir standen in der Kurve; ich konnte kaum etwas sehen. Ich erinnere mich nur, dass ich Peter Kunter, den Torwart von Eintracht Frankfurt, erkennen konnte. Das Spiel endete 0:0, und ich war vorerst nicht interessiert an einem weiteren Stadion-Besuch.

Das erste Länderspiel im Fernsehen, an das ich mich erinnern kann, war ein Freundschaftsspiel gegen Italien (1:1) im März 1965. Das Datum hätte ich nicht mehr gewusst; ich habe es im kicker-Almanach nachgeschlagen. Wahrscheinlich habe ich das Spiel noch deshalb in Erinnerung, weil der in der zweiten Halbzeit eingewechselte Torhüter ein Meidericher war: Manfred Manglitz. Leider wurde ich erst MSV-Fan, als er schon nicht mehr in Duisburg spielte, und habe daher seine regelmäßigen Eskapaden im Stadion verpasst. Lebhaft in Erinnerung habe ich noch, wie ich an einem Samstag Nachmittag schmutzig und verschwitzt vom Bolzplatz auf der Stolzestraße nach Hause kam und ein neuer Fernseher im Wohnzimmer stand, schwarz-weiß natürlich; Farbe gab es erst 1972 bei der Olympiade in München. Es lief die Sportschau mit den Aufstiegsspielen zur Bundesliga. Mönchengladbach, auch für mich so ein komischer Name damals, servierte gerade Wormatia Worms mit 5:1 ab. Der Gladbacher Spieler Netzer blieb mir wegen seines ungewöhnlichen Namens gleich im Gedächtnis. Das erste Länderspiel, bei dem ich so richtig mit Leib und Seele am Fernseher hing, war das entscheidende Qualifikationsspiel zur WM 1966 in Stockholm gegen Schweden, das die deutsche Mannschaft – auch Dank eines Treffers des Meiderichers Eia Krämer – mit 2:1 gewann. Die WM in England habe ich dann als Neunjähriger intensiv miterlebt. Ich hatte ein kleines Heftchen, das vom World Cup Willy, dem WM-Maskottchen, geschmückt war und in dem ich alle Ergebnisse fein säuberlich notierte. Ich weiß noch wie heute, dass die Urus im Eröffnungsspiel gegen England, das ich trotz des 0:0 äußert aufregend fand, mit Schuhen spielten, die eine weiße oder zumindest helle Sohle hatten. Dann das 5:0 unserer Mannschaft gegen die Schweiz und Emmas Traumtor aus unmöglich spitzem Winkel gegen Spanien („mit der linken Klebe“), die uruguayische Ohrfeige gegen Uwe Seeler im Viertelfinale, last not least das Endspiel. Ich weiß noch, dass ich am Anfang allein vor dem Fernseher hockte und meinen Vater über das 1:0 von Haller informierte. Da ich damals gerne Torhüter spielte, sind mir besonders einige von ihnen im Gedächtnis geblieben: Hans Tilkowski natürlich, der legendäre Lew Jaschin oder auch Gordon Banks. Ich habe immer versucht, sie zu imitieren, mich in die Ecken zu „fletschen“, wie wir es nannten, um die Fingerspitzen noch an den Ball zu kriegen. Bei der WM in Mexiko, als ich schon nicht mehr Torwart spielte, waren meine Torwarthelden Kawasaschwili aus der Sowjetunion und Mazurkiewicz aus Uruguay. Mein Lieblingsspieler bei der WM in England war Siggi Held, in Mexiko, weil es eher meiner Position entsprach, dann Karl-Heinz Schnellinger, von dem ich auch einen kicker-Starschnitt über meinem Bett hängen hatte.

Ach ja, kicker-Leser wurde ich durch einen Ferienaufenthalt auf einem Bauernhof im Bayerischen Wald, als ich zehn war. Der Sohn des Bauern, der aufs Gymnasium ging, zog sich montags immer auf sein Zimmer zurück, um den kicker zu „studieren“. Die Zeitschrift erschien damals kurz vor dem Zusammenschluss mit dem Sportmagazin noch in einem riesigen DIN A 3-Format. Obwohl sie keineswegs billig war für einen Schuljungen, kaufte ich das kicker-sportmagazin, wie die Zeitschrift nach dem Zusammenschluss hieß, jede Woche sowohl am Montag als auch am Donnerstag. Ich hatte für die ersten Jahre sogar Sammelmappen mit den Heften über die Olympiade 1968 und dann auch die WM 1970 in Mexiko. Weil der Platz in unserem Keller eng wurde, haben meine Eltern – ihre wohl größte Sünde gegenüber ihrem Sohn – diese aber irgendwann zusammen mit meinen Bundesliga-Alben weg gegeben. Ich würde einiges dafür geben, besonders die Alben noch zu besitzen.

Meine zwei nicht wesentlich jüngeren Brüder und ich bolzten bei Regen zum Leidwesen meiner Mutter sogar in unserer kleinen Wohnung mit einem Tennisball. Es muss im ganzen Haus zu hören gewesen sein. Manchmal musste sogar meine kleine Schwester mitspielen. Sie trat meinen Brüdern in die Schienbeine und ich schoss die Tore. Unser Wohnungsflur, in dem wir spielten, war schmal. Die Schlafzimmertür auf der einen Seite war ein Tor, die kleine Lücke zwischen den Beinen des Schuhschränkchens unter dem großen Spiegel das andere Tor. Unerklärlicher Weise ging der Spiegel aber nie kaputt, anders als eines der Kirchenfenster der evangelischen Kirche Auf dem Damm, auf deren Kirchplatz ein, zwei Klassenkameraden und ich stets den Nachhause-Weg vom MPG durch ein Spielchen verlängerten. Zu Hause haben wir oft stundenlang Tipp-Kick gespielt. Wir spielten die ganzen Europa-Pokale, den DFB-Pokal, die Bundesliga und sogar den Liga-Pokal durch. Damals waren wir Meister im Tipp-Kick und konnten manchmal sogar Ecken direkt verwandeln. Jeder Ball wurde angeschnibbelt, um eine größere Wahrscheinlichkeit zu haben, dass er auf der eigenen Farbe blieb. Die Spiele mit meinen Brüdern waren so torreich, dass die Resultate eher wie Handballergebnisse erschienen, was wir natürlich nicht mochten, weil es für Fußball eben nicht realistisch wirkte. Deshalb verkürzten wir die eigentliche Spielzeit von 2×10 zunächst auf 2×5 und dann sogar auf 2×3 Minuten, und dennoch gab es oft genug ein 6:5 oder 5:5. Ich als Ältester hatte den MSV als erste Mannschaft, und so kam es, dass die Zebras die Tabelle anführten – ohne einen einzigen Punktverlust auswärts. Zu Hause verlor ich gegen den HSV und musste mich ausgerechnet gegen RWO (meinen kleinen Bruder) mit einem 0:0 zufrieden geben. Ich habe die Kladde mit den Spielergebnissen heute noch. Leider gab es immer viel Nachholspiele, weil mein kleiner Bruder nicht verlieren konnten und daher manchmal die Spieler oder gar das gesamte Spielfeld ins Zimmer warf und nicht weiter machte, angeblich weil der Schiri – das war dann immer der Dritte im Bunde, und wir brauchten immer einen Schiri, wenn er mitspielte – angeblich zu Unrecht auf Tor gegen ihn erkannt hatte. Als wir klein waren, hatten wir alle eine Lieblingsmannschaft; mein kleiner Bruder war für Köln und weinte immer bitterlich, wenn der FC verlor. Wir hatten auch Lieblingstiere und Lieblingsfarben, jeder seine eigenen.

Nicht zu vergessen ist auch das Fußballbilder-Sammeln und vor allem -Tauschen. Meine Freunde in der Nachbarschaft und ich gaben die letzten Groschen für Fußballbilder-Tütchen aus. Am Kiosk beim dicken Koellken an der Meidericher Post konnte man dann für einen höheren Preis von 10 Pfennig sogar einzelne Bilder aus einem Packen aussuchen. Bei der WM 1966 in England gab Aral ein Fußball-Album heraus. Beim Tanken bekam man immer ein postkartengroßes Bild eines Spielers. Obwohl wir damals noch kein Auto hatten, habe ich trotzdem fast das ganze Album voll bekommen. Ich besitze es noch heute. Bei der WM in Mexiko waren dann Shell-Münzen mit den Portraits der deutschen Spieler der große Hit. Wir spielten immer „Latzen“ mit ihnen (die Münzen möglichst nahe an eine Mauer werfen; wer mit seiner am Nächsten an die Mauer kommt, gewinnt alle anderen gelatzten Münzen). Nach meiner Kommunion war ich Messdiener in der Mittelmeidericher St. Michael-Kirche. Wir hatten eine Messdiener-Mannschaft, in der sogar der Kaplan mitspielte. Ein Jahr lang war ich bei den Pfadfindern, genauer gesagt Wölflingen, bei Maria Königin an der Westender Straße, also unweit des MSV-Geländes. Mein Pfadfindername war Scharfzahn, der Seehund, mein nächstjüngerer Bruder war Rama, der Büffel, und mein kleiner Bruder Mogli, der Frosch. Warum Mogli ein Frosch war, weiß ich beim besten Willen nicht. Das Einzige, was mich dabei wirklich reizte, war, dass wir meist Fußball auf dem Rasen um die Kirche spielten.

Im Verein spielte ich eigentlich nie. Das heißt, mit sechzehn habe ich eine Weile beim MSV in der B-Jugend mittrainiert und zwei Freundschaftsspiele in der B-2 absolviert. Das erste lief ganz gut für mich. Ich wurde in Mündelheim als Außenverteidiger eingesetzt. Der Platz war in einer komischen Grube und hatte den gefährlichsten Schotter, den man sich vorstellen konnte. Ich schlug mir das Knie auf und hatte für eine Woche eine schrecklich eiternde Wunde. Die Narbe ist noch heute sichtbar. Das zweite Spiel war in Rheinhausen und ich stellte mich absolut dämlich an und war so frustriert, dass ich das Vereinsspiel sein ließ. Stattdessen wendete ich mich dem Tischtennis zu. Die Stadt hatte es arrangiert, dass Jugendliche, ohne Vereinsmitglied zu sein, in örtlichen Sportvereinen mittrainieren konnten, um einen Eindruck von dem jeweiligen Sport zu bekommen. Neben der Vereinsanlage des MSV war der Meidericher TTC 47 (in dem Gebäude ist heute der Zebra-Shop und war früher auch die MSV-Geschäftsstelle), der damals fünf Jahre hintereinander Deutscher Mannschaftsvizemeister wurde, meist hinter Borussia Düsseldorf, wo der mehrfache Deutsche Einzel-Meister und sogar Vizeweltmeister Eberhard Schöler spielte. Auch der MTTC brachte einige hervorragende Spieler hervor, u. a. Hanno Deutz und Peter Engel, der 1975 sogar das Ranglistenturnier des deutschen Tischtennisbundes gewann. Zusammen wurden beide 1972 mit dem MTTC 47 deutscher Mannschaftspokalsieger. Hans-Jürgen Oploh war zwei Klassen höher als ich am MPG und war bereits als 16-Jähriger Stammspieler im Bundesliga-Team der Meidericher. Zum Teil wurden die wichtigen Bundesligaspiele und Europapokalbegegnungen in unserer Turnhalle ausgetragen, wofür wir oftmals Freikarten bekamen und dann Tischtennis auf höchstem Niveau sehen konnten. Ich selbst war zwar gut genug als Sparrings-Partner für die anderen Jugend-Spieler. Da ich wie Eberhard Schöler ein ausgesprochener Defensiv-Spieler war und mehrere Meter hinter der Platte stehend die Schmetterbälle meiner Gegner zurück brachte, machte es den Top Spin-Spezialisten Spaß, ihre Fähigkeiten bei mir auszutoben. Letztlich zog ich bei diesen Vergleichen trotz großer Hartnäckigkeit aber stets den Kürzeren und brachte es daher nicht sehr weit.

Mein Vater war kein großer Fußball-Kenner und ging nicht auf den Fußballplatz. Aber die Länderspiele hat er immer mit uns angeguckt. Die Nacht-Spiele bei der WM in Mexiko, die wir zusammen mit einem Gast von den Philippinen, den ein Freund meines Vaters mitgebracht hatte, ansahen, war dabei wohl das beeindruckendste Erlebnis. Erst das England-Spiel mit der seitens der Engländer verfrühten Auswechslung von Bobby Charlton und dem Hinterkopf-Tor von Uwe Seeler. Dann noch eine Steigerung der Dramatik beim Halbfinalspiel gegen Italien, dem Jahrhundert-Spiel. Erst schießt Boninsenga, den alle Deutschen im Jahr darauf wegen seiner Schauspielerei beim legendären Dosenwurf während des 7:1 von Mönchengladbach gegen Inter und auch wegen seines Fouls gegen Lugi Müller kurz vor Ende des Wiederholungsspieles, bei dem er dem Gladbacher das Schien- und Wadenbein brach, intensivst zu lieben begannen, das frühe 1:0 für die Azzurri, die daraufhin für eine gute Stunde Beton anmischen, und dann erzielt ausgerechnet der italienische Legionär Schnellinger in der Nachspielzeit das 1:1. In der Verlängerung überschlugen sich dann die Ereignisse. Was haben wir über den Schiri geflucht! Auch der Filipino, der wohl vorher noch nie ein Fußball-Spiel gesehen hatte, fieberte mit uns bis tief in die Nacht mit und war am Ende des Spiels genauso enttäuscht wie wir.

Aus der Saison 1970/71 kann ich eine besondere Anekdote erzählen: Noch bevor ich anfing, regelmäßig zum MSV zu gehen, war ich – wie erwähnt – begeisterter kicker-Leser. In der Tat war zu dem Zeitpunkt mein Lieblingsverein noch Borussia Dortmund, geschürt durch die Fernseherlebnisse um deren Gewinn des Europapokals 1966. In dieser Bundesliga-Skandalsaison (Canellas, Torbruch in Mönchengladbach) veranstaltete der kicker zusammen mit der Schlegel-Brauerei Bochum ein Preisausschreiben: „Wählen Sie den mannschaftsdienlichsten Spieler der Bundesliga“. Fünfzig Einsender konnten den Besuch eines Bundesliga-Spiels in Begleitung von Fritz Walter gewinnen. Ich schickte meinen Vorschlag – Jürgen Grabowski – ein und gewann. So konnte ich einen Samstag nach Bochum fahren, von wo ein Bus die Gewinner und Fritz Walter in die Glückauf-Kampfbahn nach Schalke brachte. Wir sahen das Spiel Schalke–Offenbach. Offenbach gewann überraschend 2:1. Wie sich später rausstellte, war das Spiel verschoben worden. Danach ging es zurück in die Bahnhofs-Gaststätte nach Bochum, wo uns Fritz Walter Schwänke aus seinem Leben erzählte und an jeden ein handsigniertes Buch ausgab. Da es ja auch eine Veranstaltung der Brauerei war, gingen die Kellner mit Tabletts voller gefüllter Pils-Gläser herum. Ich war damals vierzehn und der einzige Minderjährige unter den Anwesenden. Aber außer einem Schmunzeln – wohl auch von Fritz Walter – gab es keine Reaktion darauf, dass ich auch zugriff und mir das kühle Blonde gönnte.

Fortsetzung folgt. Und den schon mal ins Fan-Gedächtnis!

Teil 1 findet sich hier.

Teil 2 findet sich hier.

Warum sich Bruno Soares über Constant Djakpa aufregte – Der Sieg bei Sky

Ausnahmsweise hier einmal der Hinweis auf die Möglichkeit in der Mediathek von Sky, den kurzen Spielbericht zum Sieg vom MSV Duisburg gegen Eintracht Frankfurt in der Endlosschleife sich zu ansehen. Vor allem weil sich für mich erst in diesem Spielbericht bei Minute 2:20 die Frage klärte, warum sich Bruno Soares wenige Minuten nach seinem Tor mit einem Spieler von Eintracht Frankfurt sehr in die Wolle gekriegt hat. Dieser Spieler war Constant Djakpa, und er hat beim Drübersteigen über den am Boden liegenden Bruno Soares mal kurz, aber mit Nachdruck seinen Fuß im Unterleib von Bruno Soares abgesetzt. Hätte mich auch sehr aufgeregt. Der Schiedsrichter und Mitspieler haben die beiden ja schnell voneinander getrennt. Und es hat mich schon im Stadion geärgert, wie Unschuldslamm Djakpa dem Schiedsrichter auf die Schulter geklopft hat, frei nach dem Motto, gut gemacht, Herr Steuer. Aus seiner Sicht natürlich mit der großen Erleichterung erklärbar, nicht erwischt worden zu sein bei seiner groben Unsportlichkeit.

Nachtrag, 11. April: “Das DFB-Sportgericht hat heute Vormittag im Einzelrichterverfahren den Spieler Constant Djakpa wegen eines ‘krass sportwidrigen Verhaltens in Form einer Tätlichkeit gegen den Gegner’ zu einer Sperre von drei Meisterschaftsspielen verurteilt.” Offizielle Meldung von Eintracht Frankfurt

Der MSV, der MSV, der MSV ist wieder da!

Wann ist das einmal so gut gegangen? Die Mannschaft des MSV Duisburg zieht sich nach einer Zwei-Tore-Führung zurück, überlässt dem Gegner das Spielfeld und diesem Gegner gelingt nicht einmal ein Anschlusstor? Dieser Gegner spielt wie eine Handballmannschaft immer um den Strafraum herum, und der Mannschaft fällt nichts ein, wie sie gefahrvoll vor das Tor des MSV Duisburg kommen kann. Dieser Mannschaft, Eintracht Frankurt, gelang ein bedrohlicher Schuss auf das Tor von Felix Wiedwald nach der 2:o-Führung. Er kam verdeckt, und der Ball hätte den Weg ins linke untere Eck  finden können. Doch Goran Sukalo bekam einen Fuß in die Schussbahn und lenkte den Ball zur Ecke ab.

Dennoch hatte ich nie die Sicherheit, mit der Oliver Reck nach dem Spiel vor die Presse trat. Er hatte in dieser zweiten Halbzeit nie das Gefühl, die Eintracht könne noch ein Tor erzielen. Das unterscheidet den Trainer vom Zuschauer, der Zuschauer erinnert sich an all die Spiele des MSV Duisburg, in denen in letzten Minuten – sogar gegen alle Wahrscheinlichkeiten – noch etwas schief gegangen ist. Der Trainer befindet sich mit seinen Gedanken nur in dem einen Spiel.

Wir können uns über den 2:0-Sieg gegen den Aufstiegsfavoriten freuen und über den Klassenerhalt. Da lege ich mich jetzt auch in der Öffentlichkeit fest. Mit etwas mulmigem Gefühl hatte ich das schon unter vier Augen Freunden  nach dem Unentschieden in Ingolstadt zugeflüstert. Nach dem Sieg gegen Eintracht Frankfurt bin ich nun doch aber froh, dass tatsächlich niemand aus der Schicksalsagentur, Sparte Rückschläge im Leben, heimlich mitgehört hat.

Natürlich hat man sehen können, dass Eintracht Frankfurts Spielanlage eigentlich der vom MSV Duisburg überlegen war. Der Ball lief besser, die Spieler schienen genauer zu wissen, wo ihre Mitspieler sich gerade befanden. Doch ahnte man immer wieder nur das Potenzial dieser Mannschaft, denn gleichzeitig spürte man auch, diese Eintracht war sich ihrer vermeintlichen spielerischen Überlegenheit zu sicher. Jederzeit zu sehen war sie ja nicht. Dennoch schien die Spieler der Eintracht zu meinen, ihr Spielaufbau werde sich zu überlegenem Spiel entwickeln In der ersten Halbzeit hatte es diese Möglichkeit der Spielentwicklung auch gegeben. Dagegen standen in der Defensive beim MSV Duisburg Einsatz und Laufbereitschaft. Großartig wieder Goran Sukalo, der von der Mitte aus so oft als zweite Absicherung an die Außenlinie ging und dann dort den Stürmer der Eintracht stellte, wenn die Außenverteidiger überspielt waren. Er war immer überall da, wo die Not wuchs.  Großartig war aber auch sein Volleyschuss zur 1:0-Führung.

Im Spiel nach vorne überzeugte wieder der Mut, die Angriffe kontrolliert vorzutragen und spielerische Lösungen zu suchen. Das brachte zwar keine klaren Chancen, erhöhte aber den Druck auf die Eintracht in der ersten Halbzeit. Die Eintracht konnte sich nie sicher sein, ob nicht einer dieser Angriffe sauber zu Ende gespielt werden würde. Zu Ecken hat das dann ja geführt. Und wie wir gesehen haben, entstand aus einer dieser Ecken im zweiten Anlauf die Führung.

Nach der Halbzeitpause warteten wir auf den beginnenden Sturmlauf der Eintracht, doch deren erstes kurzes Aufbäumen von drei, vier Minuten überstand der MSV und war danach wieder gefährlich im Spiel. Eine Doppelchance machte Oka Nikolov noch zunichte. Doch es gab ja wieder eine Ecke mit Gedränge vor dem Tor, in das Bruno Soares hineinrauschte und dabei den Ball irgendwie ins Tor drückte. Wie unbeschwert diese Spieler nun dort auf dem Spielfeld ihre Siege feiern. Welche Entwicklung ist das in den Wochen seit dem Jahresanfang.

Ein wenig Sorgen bereitet mir Jürgen Gjasulas Auswechlung. Schon zum Ende der ersten Halbzeit schien er Schmerzen in der Wade oder am Fuß zu haben. Hoffen wir, da gibt es nur eine Prellung. Die Mannschaft braucht seine Ballsicherheit, seinen Blick und seine Ideen. Da gibt es für mich keine Frage. Der Mut mit jedem Gegner die Augenhöhe zu suchen, hängt mit seiner wieder gewonnen Spielstärke zusammen. Es wäre doch schön, den Rest der Saison von der Siegeslaune der letzten Wochen noch so oft wie möglich begleiten lassen zu können.

Erfüllte Erwartungen enttäuschen dennoch immer die Hoffnung

Der MSV Duisburg hat das Auswärtsspiel gegen Eintracht Frankfurt 0:3 verloren. Ich kenne nur das Ergebnis und die vielen Worte der Sportberichterstattung. Gestern Nachmittag bedauerte ich erst, dass ich weder etwas sehen konnte, noch etwas von Marco Röhling hören. Vielleicht war es doch eine gute Fügung. Dieses Mal scheint die Entwicklung des Spiels gegenüber dem Sieg gegen den FC Ingolstadt ja genau umgekehrt verlaufen zu sein. Starker Beginn, schwächer werdendes Ende der ersten Halbzeit, miserable zweite Halbzeit.

Mir bleiben also keine eigenen Eindrücke, über die ich schreiben könnte. Mir bliebe es nur, wieder Schlüsse zu ziehen. Doch an diesem Morgen habe ich das Gefühl, es ist alles gesagt. Im Moment sehe ich keinen Ansatz, wie diese Mannschaft sich weiterentwickeln könnte. Diese Mannschaft wird dennoch nicht absteigen. Sie wird bis zur Winterpause zwischen den Abstiegsplätzen und dem Mittelfeld herumeiern und sich im neuen Jahr recht bald im Niemandsland der Tabelle einrichten. Es gibt im Moment zu wenig Spieler im Kader, die in dieser Situation mehr als das unbedingt Notwendige geben können. Der MSV Duisburg wird den Trainer nicht wechseln. Die finanzielle Lage des Vereins lässt den Gedanken gar nicht zu. Ich selbst halte im Übrigen trotz meiner immer wieder aufkommenden Zweifel auch nichts davon. Ob Milan Sasic in einer neuen Saison der geeignete Trainer wäre, ist eine andere Frage. Zwischen Fans und Mannschaft wachsen all die unangenehmen schlechten Gefühle einer enttäuschten Liebe weiter.

Wie wir dem MSV Duisburg Zugeneigten mit der Situation umgehen, hängt mehr von der eigenen Persönlichkeit ab als von Erkenntnissen, die wir aus der Situation ziehen. Dazu sind die Signale aus dem Verein zu widersprüchlich. Ich selbst bin immer schnell damit dabei, das Geschehene zu vergessen. Ich selbst glaube noch in der aussichtslosesten Situation daran, das etwas gut ausgehen könne. Deshalb habe ich die Niederlage gegen Eintracht Frankfurt zwar erwartet, bin aber dennoch enttäuscht. Gegen den TSV 1860 München wird nach einem Sieg im Pokalspiel gegen Holstein Kiel wieder alles möglich sein. Stimmen wir uns also ein wenig auf die kommenden Tage ein. Die Mannschaft lässt es auf dem Spielfeld ja auch immer wieder mal etwas langsamer angehen.

Orientierungsloses Frankfurt – Chance für MSV

Was lese ich da auf der Seite des Hessischen Rundfunks? “Eintracht Frankfurt empfängt am Sonntag als Mannschaft der Stunde den MSV Duisburg zum Duell. Die Westfalen stehen trotz schwachen Saisonstarts bei Eintracht-Coach Armin Veh hoch im Kurs. ” Worüber soll ich mehr staunen? Über das westfälische Duisburg oder über Armin Vehs Einschätzung der Spielstärke vom MSV Duisburg? Gab es da etwa Erdkundelehrermangel an den Schulen des Online-Redakteurs.  Dass Armin Veh an den Ventilen zur Druckregulierung dreht, kann ich ja noch verstehen, aber Duisburg in Westfalen? Das lassen wir uns nicht gefallen, ihr Oberfranken, da in Frankfurt am Rhein. Dafür kriegt die Eintracht das Tor zur 0:1-Niederlage in der 87. Minute eingeschenkt, nach einem Befreiungsschlag. Einfach so. Keiner wird hinterher wissen, wie das passieren konnte.

Wenn Ansgar Brinkmann ins Erzählen kommt

Irgendwann hat im Ostwestfälischen wahrscheinlich mal jemand gedacht, wenn Ansgar Brinkmann über seine Laufbahn als Fußballer ins Erzählen kommt, könnte man eigentlich mal ein Aufzeichnungsgerät mitlaufen lassen. Dann wäre der Grundstock für eine ganz passable Fußballer-Autobiografie gegeben. Schließlich hatte Ansgar Brinkmann großes Talent. Weil er dieses Talent aber nicht dauerhaft zu seinem beruflichen Erfolg nutzte, gäben seine Anekdoten eine schöne Fallhöhe bei der Lektüre her. Es gäbe Brüche in der Laufbahn und Geschichten außerhalb des Fußballplatzes, die Ansgar Brinkmann schon zu aktiven Zeiten in die Schlagzeilen brachte.

Das Aufzeichnungsgerät hat schließlich der Journalist Bastian Henrichs bedient. Er hat das Erzählte vermutlich strukturiert, meist in chronologischer Form, und er hat den mündlichen Ton als Stilmittel beibehalten. “Der weiße Brasilianer” lauten nun die Erinnerungen von Ansgar Brinkmann an seine Zeit als Fußballer. Ansgar Brinkmann beendete seine Laufbahn nach einer letzten Saison für Preußen Münster im Jahr 2007. Zwischen Münster, Bielefeld und Osnabrück war Ansgar Brinkmann verwurzelt. Dorthin zog es ihn als Fußballer immer wieder zurück, auch wenn die Vereine dort nur selten in der ersten Liga zu finden waren. Dort aber hatte er anscheinend das Gefühl, seinen Beruf als Fußballer einigermaßen mit seinem Hang zum Sorglosen und Handeln ohne nachzudenken,  in Einklang bringen zu können. Vielleicht war es auch umgekehrt so, die Verantwortlichen sahen die Chance für ihre Verein einen so talentierten Fußballer zu verpflichten, wie es ohne die Nebentalente als Persönlichkeitseigenschaften Brinkmanns nicht möglich gewesen wäre.

Ansgar Brinkmann erzählt also in “Der weiße Brasilianer” von seinem Weg als Berufsfußballer. Das Wort Karriere scheint mir bei allem Talent von Ansgar Brinkmann angesichts des wechselvollen Hin und Her nicht ganz passend für diese Zeit als Fußballer. Weil Ansgar Brinkmann in so vielen Vereinen gespielt hat und dabei noch mehr unterschiedlichen Menschen im Fußballgeschäft begegnet ist, gibt es auch ohne fußballerische Momente von überregionaler Bedeutung in diesem Fußballerleben etwas zu erzählen.

Das ist gerade deshalb bemerkenswert, weil dieses Erzählen ohne viel reflektierende Distanz geschieht. Normalerweise sind Biografien dieser Art gähnend langweilig, weil das unreflektierte Ich die Banalität des eigenen Lebens aus Selbstverliebtheit überhöht und nie den Mut besitzt, in dunkle Ecken des eigenen Lebens Licht zu werfen. Ansgar Brinkmann und Bastian Henrichs lösen das Problem, indem die Fehler im Leben Brinkmanns mit ihren Konsequenzen auserzählt werden. Das erinnert manchmal an den Versuch einer Schelmengeschichte und dem augenzwinkernden Werben um das wohlwollende Urteil des Lesers über die Person Brinkmann. Wenn Fehler sich aber im Leben wiederholen, dann kommt  die Lebenserfahrung dieses Lesers dem Aufkommen grundsätzlicher Leichtigkeit ein wenig in die Quere.

Ansgar Brinkmann lässt hinter die Kulissen gucken und versucht, möglichst gut dabei wegzukommen. Weil er bei letzterem nicht zu aufdringlich wirkt, steht die interessante Anekdote aus seinem Fußballerleben im Vordergrund. Wir erfahren, so ging es zu im Fußballgeschäft der zweiten bis dritten Reihe dieses Landes ab Ende der 80er bis zum Jahr 2007. Allerdings haben diese schnell gelesenen Geschichten mit fast zwanzig Euro auch einen stolzen Preis.

Ansgar Brinkman – Der weiße Brasilianer. Aufgezeichnet von Bastian Henrichs. Delius Klasing  Verlag, Bielefeld 2011. 208 Seiten. € 19,90.

Saisonvorbereitung – Fragen aus der 11FREUNDE-Redaktion beantworten

Mitte Juni plingte eine Mail aus der 11-Freunde-Redaktion ins Haus. Die wollten noch ein paar Seiten ihres Quasi-Sonderheftes für die neue Saison füllen, und unversehens stand ich vor der Aufgabe “möglichst rasch” einen Fragebogen zu beantworten. In Teilen bietet der Fragebogen Vorlagen für Humor bei den Antworten, was die 11-Freunde-Redaktion wohl als Anreiz für den Arbeitsauftrag Wunsch “unterhaltsam sein” verstanden wissen wollte. Doch natürlich geht es bei solchen Fragen zum Verein der eigenen Zuneigung eigentlich um verdammt ernste Dinge. Den Spagat musste ich erstmal hinkriegen.

Für uns, die wir ab Sonntag das Wort Saisonvorbereitung für knapp ein Jahr wieder vergessen, kommt die Veröffentlichung des Hefts Ende Juli zu spät. Ich vermute jedenfalls, dass dieser Saisonausblick als August-Nummer veröffentlicht wird. Wo sich doch überall zeigt, dass dieser vorgezogene Zweitliga-Start keine sonderlich gute Idee gewesen ist. Ich will euch meine Antworten nicht vorenthalten. Mein Gefühl sagt mir nämlich, in diesem Haus hier kämen sie zeitgleich mit der Veröffentlichung im Print-Magazin viel zu spät. Da ist es längst schon wieder ganz ernst geworden in Duisburg und manch launiger Ton besäße vielleicht Fettnapf-Potential. Alles zu seiner Zeit.

Betretet also ohne Scheu den roten Teppich und kneift die Augen zu, wenn der Wander-Spot euch blendet. Lest unbekümmert weiter. Heute präsentiert der Zebrastreifenblog ohne die freundliche Unterstützung von irgendjemand die exklusive Preview von “11FREUNDE fragt – Kees Jaratz antwortet“.

11FREUNDE: Die neue Saison wird unvergesslich, weil…

Kees Jaratz: … alles so aussieht, als gebe es beim MSV Duisburg nach langer Zeit wieder eine Vorstellung davon, dass im Fußball zwar Siege das Ziel sind, darüber hinaus aber ein Bild innerhalb des Vereins davon vorhanden sein muss, was ihn auch in erfolglosen Zeiten ausmacht. Die souverän herausgespielten Auswärtssiege gegen Fortuna Düsseldorf, Eintracht Frankfurt und den VfL Bochum, sowie die unglaubliche Heimserie von 17 Spielen mit nur einer Niederlage, empfinde ich dagegen als eher nebensächlich.

11FREUNDE: An die alte Saison werde ich mich lange erinnern. Warum?

Kees Jaratz: Siehe oben, erster Satz. Hinzu kommt, es wurde immer wieder schön anzusehender Fußball gespielt. Da waren wir in Duisburg sehr entwöhnt. Zwar konnte dieser Fußball nicht über die gesamte Saison in der Liga gezeigt werden, doch durch die Erfolge im Pokalwettbewerb entstand ein wunderbarer Rhythmus von wechselhaftem Liga-Alltag und Erfolg. Und selbst das  DFB-Pokalfinale endete mit solch einem traumhaften Erfolg, wenn auch den Rest von Fußballdeutschland das wahrscheinlich überraschen wird. Immer wieder wurde ich nämlich von Freunden auf die “hohe Niederlage” angesprochen, doch mir ging es gut. Der Grund dafür waren die letzten zehn Minuten dieses Finales, in dem der ununterbrochene Gesang von 20.000 Anhängern des MSV Duisburg zu hören war. Zehn Minuten, die die Niederlage vergessen machten. In diesen zehn Minuten drückte sich Identität, Zusammengehörigkeit und ein Bewusstsein von Stärke aus; Stärke, die aus den Menschen selbst kam und zu der kein Gegner notwendig war, der als Feind die Masse einte und niedergemacht werden musste. Das war ein utopischer Moment.

11FREUNDE: Drei Wünsche frei:

Kees Jaratz: Erstens: Ich hätte nichts dagegen, wenn der Dreijahresplan innerhalb von zwei Jahren verwirklicht werden könnte. Muss ich hinzufügen, dass ich meine nebensächliche Vision von oben dazu für eine gute Grundlage halte? Zweitens: Möglichst wenig Samstagsspiele, die sind einfach zu früh für Markteinkauf, zweites Frühstück und so einen Kram. Und wenn, drittens, dann noch der MSV Duisburg sein Auswärtsspiel gegen den FC St. Pauli am Montag bestreiten könnte, dann wird das auch was mit der Saison inklusive der Auswärtsfahrt nach Hamburg.

11FREUNDE: Dein größter Albtraum:

Kees Jaratz: Seitdem Ailton Spieler und Peter Neururer Trainer beim MSV Duisburg waren, kann mich nichts mehr schrecken.

11FREUNDE: Lieblingsspieler im aktuellen Team:

Kees Jaratz: Für Anhänger von ambitionierten Zweitliga-Vereinen mit Dreijahresplänen meist eine schwierige Frage, weil es im Kader nach jeder Saison doch sehr viel Austausch gibt und gerade Lieblingsspieler häufig auch Lieblingsspieler von Fans anderer Vereine werden wollen oder müssen. Lieblingsspieler können also für mich grundsätzlich nur Spieler sein, die ich bei meinem Verein schon mehr als ein Spiel spielen gesehen habe. Bleiben mir bei einem Kader von bislang 27 Spielern 10 zur Auswahl, und da sage ich heute Branimir Bajic, weil er in unaufgeregter Weise eine eindrucksvolle Präsenz auf dem Spielfeld zeigt. Morgen könnte es übrigens auch Benjamin Kern sein.

11FREUNDE: Dein Lieblingsspieler aller Zeiten:

Kees Jaratz: Da komme ich an Kees Bregmann nicht vorbei. Für mich als Jugendlichen, der Amsterdam in den 70ern als ein Versprechen auf Freiheit und cooles Leben ansah, war er der lebendige Beweis, dass an diesem Versprechen etwas dran sein musste. Ein Libero aus Holland, der im eigenen Strafraum die Nerven hat, den Ball mit dem Hintern zu stoppen. Ein technisch perfekter Spieler, der in eben diesem eigenen Strafraum auch mal erst zwei, drei Gegenspieler ausspielt, ehe er den Ball in die sichereren Gefilde des Spielfelds passt. Morgen könnte mein Lieblingsspieler übrigens auch Kurt Jara oder Bernard Dietz sein.

11FREUNDE: Lustigster Fanchoral/Spruch der letzten Saison:

Kees Jaratz: Humor war in Duisburg während der letzten Saison nicht unbedingt nötig. Zu sehr bestimmte die Erleichterung über den sich ändernden Verein die Stimmung. Da wurde zudem weniger mit Worten als mit Bildern gearbeitet, sprich: in die eindrucksvollen Choreografien floss die kreative Energie. Dass die Fans in Duisburg sehr wohl witzig sein können, hatten sie in der Saison zuvor bewiesen, die nur mit Witz und Humor ertragbar war. Wer´s versteht: “Außer Ente könnt´ihr alle gehen!”

11FREUNDE: Das schau ich mir nicht mehr an!  Was müsste passieren, damit Du nicht mehr ins Stadion gehst?

Kees Jaratz: Rückenbeschwerden? Ich kann mir Fußballspiele so schlecht im Sitzen ansehen. Ich brauche ein wenig Raum zur Bewegung, um den Ball notfalls mit ins Tor zu schießen und in Gefahrensituationen dazu beizutragen, dass unsere Verteidiger den Ball im letzten Moment wegspitzeln.

11FREUNDE: Auf dieses Auswärtsspiel freue ich mich besonders, weil :

Kees Jaratz: Auf das Spiel beim SC Paderborn. Da geht es in die angeheiratete Heimat.

11FREUNDE: Unser aktuelles Trikot…

Kees Jaratz: Ich bin nicht so sehr der Mann für modische Details und Applikationen. Hauptsache das Heimtrikot hat blau-weiße Streifen und das Auswärtstrikot ist nicht rosa oder Müllmann-orange. Dann ist alles gut.

11FREUNDE: Als Nachfolger für Udo Lattek schlage ich aus meinem Verein vor:

Kees Jaratz: Vor zwei Jahren hätte ich den damaligen Torwart-Trainer Manfred Gloger vorgeschlagen, der mit seiner rustikalen Art noch sehr im Fußball alter Tage verwurzelt ist. Heute ist er bei Fortuna Düsseldorf angestellt. Milan Sasic könnte den Job sicher auch gut übernehmen. Sein bildhaftes und von der kroatischen Muttersprache eingefärbtes Deutsch macht den Fußball dieser Tage immer sehr anschaulich. Zudem besitzt er trockenen Humor und ein gutes Gespür für Timing. Aber der hat keine Zeit, der muss im Moment auch noch Sportdirektor sein.

11FREUNDE: Im Stadion brauche ich nur Wurst, Bier und…

Kees Jaratz: … keinen Schreihals im Rücken, der bei seinem Ärger über das Spiel immer glaubt und das dann auch in die Welt rausbrüllt, schlechte Leistung habe irgendwas mit der Herkunft von Spielern zu tun.

11FREUNDE: Was unserem Stadion / Klub fehlt ist …

Kees Jaratz: … zur Zeit nur noch ein zweiter linker Verteidiger. Da gibt es zwar noch etwas mehr, aber ich müsste länger ausholen und dazu fehlt jetzt die Zeit.

11FREUNDE: Die Zweite Liga verlässt nach oben  ….

Kees Jaratz: … wahrscheinlich doch erstmal nur eine Mannschaft. Und das ist wahrscheinlich bei allem Favoritenstraucheln in diesem Jahr doch wieder der starke Erstliga-Absteiger Eintracht Frankfurt. Sollte ich eine zweite Mannschaft definitiv nennen, müsste ich doch meinem Herzen folgen und da will ich alten Gepflogenheit gemäß, für den MSV Duisburg nicht das Unaussprechliche nennen. Natürlich werden es die Fürther auch mal wieder versuchen und nicht schaffen. Ob der FC St. Pauli als Wundertüte oben dauerhaft dabei sein wird? Der VfL Bochum auf jeden Fall. Es ist wie immer in der 2. Liga, die Vergabe von Platz zwei und drei sind nicht sonderlich vorhersehbar. Schließlich sehen sich bis auf wenige Ausnahmen die meisten Vereine der 2. Liga mittelfristig auf dem Weg in die Bundesliga. Da kann sich der ein oder andere immer auch überraschend kurzfristig Hoffnung machen.

11FREUNDE: Und nach unten:

Kees Jaratz: Dieses Jahr glauben auch die griesgrämigsten Unken in Duisburg nicht, dass der MSV dabei sein wird. Das war im letzten Jahr noch anders. Der Rest interessiert mich heute erstmal nicht.

11FREUNDE: Relegationsspiele sind super, …

Kees Jaratz: … weil wir alle von der Abstiegsangst gebeutelten noch immer das Entsetzen spüren, wenn am letzten Spieltag in der 90. Minute irgendwo auf einem anderen Platz doch noch so ein blödes Kopfballtor zum Ausgleich fällt und da irgendein Schlunzverein gerettet ist, während der hart umkämpfte Auswärtssieg meines Heldenvereins seinen Sturz auf Platz 16 nun doch nicht aufhält. Dank der Relegationsspiele gibt es aber heute unter den Spielern ein allgemeines Durchschütteln, weil das die Sportdirektoren in den Interviews nach dem Spiel so vorgeben, während wir auf den Rängen unser Schweigen nach einem tiefen Atemzug beenden und mit dem hilfreichen Satz weiter hoffen: “Dann gewinnen wir eben die Relegation.” Was für den Erstligisten dann ja auch sehr wahrscheinlich ist.

11FREUNDE: Oder doch nicht so super, …

Kees Jaratz: … weil  sich der Verein meiner Zuneigung in einer höllenlangen Zweitligasaison nach einer desaströsen Hinrunde in einer nie da gesehenen Aufholjagd  am letzten Spieltag  durch einen 7:1-Kantersieg gegen den schon lange aufgestiegenen Zufallsabsteiger der letzten Erstligasaison souverän auf Platz 3 schwingt und  wir wissen, dass das alles doch nichts genützt haben wird. Die Relegationsspiele werden entweder ohnehin vom Erstligisten gewonnen, und wenn der unwahrscheinliche Fall einträte, dass unser Verein siegreich aus den Spielen hervorginge, bliebe einfach viel zu wenig Zeit, um einen ausreichend starken Kader für die Erstliga-Saison zusammen zu stellen. 2. Liga, unser Verein käme wieder.

Saisonvorbereitung – Zweitligavereine wünschen heimlich Aufstockung der Bundesliga ab Saison 2012/2013

Erreichbare Ziele setzen. Das ist eine Grundbedingung für Erfolg. Weder überfordern noch unterfordern, heißt nicht nur die beste Richtschnur beim Lernen. Auch außerhalb von Schulen wäre es schön, wenn sich jede anstehende Aufgabe im Niveau ganz leicht über dem bereits vorhandenen Leistungsvermögen befände. Nie wäre etwas langweilig. Niemals geriete man in Bedrängnis, etwas nicht zu schaffen. Das Leben bestünde aus einem Rundum-Sorglos-Paket von gut abgefederter Weiterentwicklung.

Doch immer tauchen da andere Menschen auf, die einen beim Weiterkommen stören. Besonders stören sie dann, wenn Ranglisten gebildet werden und Tabellen. Denn dann gibt es für Ziele immer auch ein paar Anwärter mehr als Plätze vorhanden sind, und schon können Ziele noch so sehr punktgenau knapp oberhalb des Leistungsvermögens angesetzt werden, das Scheitern wird unweigerlich auf jemanden zukommen.  Zielbestimmung in Konkurrenzsituationen bleibt also einerseits notwendig, andererseits gefährdet diese Zielbestimmung vielleicht bereits den möglichen Erfolg. Ganz zu schweigen davon, wenn noch andere bei dieser Zielbestimmung mitmischen wollen. Dann heißt es für Verantwortliche in den Vereinen, schnell Meinung machen.

Milan Sasics Stellungnahme etwa war spätestens Ende Juni gefordert, als in den Redaktionsräumen vom Kicker die Sportjournalisten die vom MSV Duisburg eingehenden Pressemitteilungen über Spielerneuverpflichtungen kaum mehr  abarbeiten konnten. Die Arbeitsüberlastung ließ sie zum pauschalen Urteil finden, der MSV Duisburg sei endgültig zu einem Aufstiegskandidaten geworden. Milan Sasic gab sein bestes: „Es wäre bei 13 Neuen unprofessionell, vom Aufstieg zu sprechen. Welche Ziele sollen dann Eintracht Frankfurt, Bochum und St. Pauli ausgeben? Ich will mit dem MSV unter die ersten sechs Mannschaften.” Milan Sasic konnte sich auf alte Vorhaben berufen. Drei-Jahres-Plan hieß das Ganze, als noch der Ex die Interviews gab. Und wenn Milan Sasic die ersten sechs Mannschaften erwähnt, wollen wir nicht vergessen, auf diese ersten sechs Mannschaften warten auch der erste, zweite und dritte Tabellenplatz. Es ist ja nicht so, dass in Duisburg nach Siegen gesagt würde: “Och nö, lasst das mal lieber mit den drei Punkten für uns, nachher bleiben wir noch zweiter und das haut uns unsere Aufstiegspläne kaputt.” Da sind wir in Duisburg doch flexibel genug, mitzunehmen, was sich anbietet.

Andere Vereine können da sehr viel weniger flexibel sein. Wahrscheinlich nicht ganz zufällig sind es nur drei Vereine, die das große Ziel der kommenden Saison für die 2. Liga auch wirklich aussprechen. Sie waren entweder schon lange genug flexibel oder hinken ihrem Plan schon ein Jahr hinterher oder brauchen keine Pläne, weil sie gar nicht da sind, wo sie meinen, hinzugehören. Da ist es wieder, das Problem mit den anderen Menschen. Mindestens ein Verein von den dreien wird scheitern beim Streben nach dem sicheren Aufstiegsplatz.

SpVgg Greuther Fürth
“Doch mit dem ansonsten weitgehend unveränderten Kader soll es vielleicht schon 2011/12 endlich klappen mit dem großen Ziel Aufstieg. «Wir werden weiter daran arbeiten und ich bin zuversichtlich, dass ich das in meiner Zeit in Fürth mal erleben darf», sagte Manager Rachid Azzouzi. «Jeder in diesem Verein will das mit jeder Faser seines Körpers.»
dpa-Meldung in
Süddeutsche Zeitung – 16.5. 2011

VfL Bochum
“Der neue Sportchef Jens Todt hat den Aufstieg des VfL Bochum in die Fußball-Bundesliga als das erklärte Ziel bezeichnet.

Der Westen, 3.6.2011

Eintracht Frankfurt
“Es wird nicht einfach werden, aber wir haben ein Ziel, wir wollen aufsteigen.”
Armin Veh, Trainer -
  hr-online.de, 31.5.2011

In Frankfurt, Bochum und Fürth werden für die Saison 2011/2012 also klare Ansagen gemacht. Andere Vereine versuchen sich gleich dem MSV Duisburg an dem Balanceakt, die Kräfte für Aufstiegsanstrengungen zu bündeln, ohne dass die eine einzige Erwartung hemmungslos herumzutollen beginnt.

FC St. Pauli
Mit Eintracht Frankfurt ist eine Mannschaft dabei, die ähnlich wie zuletzt Hertha BSC der Top-Favorit ist. Kommt Gladbach runter, werden auch sie dazu gehören. Greuther Fürth sagt jetzt schon, dass sie den Aufstieg unbedingt schaffen wollen. Cottbus und Duisburg sind ebenfalls mit dabei. Das heißt aber nicht, dass wir die nicht packen können. Wir wollen oben mitspielen. Es wird kein Selbstläufer und wir sind realistisch. Aber es ist alles möglich.
André Schubert, Trainer – spox.com, 17.5. 2011

FC Energie Cottbus
“Lautet das langfristige Ziel Aufstieg?

Natürlich. Cottbus gehört aber nicht zu den Vereinen, die vor der Saison sagen können, dass sie in die Bundesliga wollen. … Wir können nur aufsteigen, wenn wirklich alles passt. Das kann man aber leider nicht planen
“.
Claus-Dieter Wollitz, Trainer – Eckball-Magazin, 20.5.2011

Alemannia Aachen
Eine Steigerung strebt auch für Benjamin Auer an. «Als ich im vergangenen Sommer einen Dreijahresvertrag unterschrieben habe, habe ich gesagt, dass ich gerne mit der Alemannia aufsteigen möchte. Dabei bleibe ich», sagte der Stürmer. «Vielleicht können wir in der neuen Saison die Qualität im Kader noch weiter steigern, damit dann die Plätze 3 bis 6 in der Abschlusstabelle möglich sind. Und dann bleibt ja noch mein drittes Jahr», so Auer: «Spätestens dann geht’s um Platz 1 bis 3.»
Aachener Zeitung, 12.5.2011

Nach der Saison 2011/2012 werden DFL und DFB allerdings nicht mehr daran vorbeikommen, die Bundesliga aufzustocken. Sonst werden deutschlandweit Hoffnungen enttäuscht und tiefe Depressionen werden unzählige Fußballfans arbeitsunfähig machen. Dann sollen ja nicht nur die Pläne oben genannter Vereine Wirklichkeit werden, dann wird auch mit jenen Vereine zu rechnen sein, die im Moment noch auf Wachstum setzen und sich über die deutsche Sprache freuen, in der die wunderbaren Wörter mittelfristig und langfristig die konkrete Zielbeschreibung in die Zukunft verlagern helfen.

TSV 1860 München
In drei Jahren möchen wir in der ersten Liga sein.
Hasan Ismaik, Großinvestor und Anteilseigner TSV 1860 München KgaA   Süddeutsche Zeitung, 8.6.2011

Fortuna Düsseldorf
Düsseldorf ist eine wahnsinnig attraktive Stadt, die sehr viel bietet. Die hat einfach Erstliga-Fußball verdient. Dafür arbeiten wir. Klar, ich würde mit Fortuna sehr gerne aufsteigen, das ist das mittelfristige Ziel.
Wolf Werner, Manager – Express, 13.6.2011

Eintracht Braunschweig
Eintracht Braunschweig besitzt im deutschen Fußball einen solchen Bekanntheitsgrad, dass es unser logisches Ziel ist, in der Bundesliga zu spielen. Allerdings wollen wir uns in den kommenden Jahren erstmal in der 2. Bundesliga etablieren. Denn wichtig ist auch, dass man sich in einem realistischen Zeitplan bewegt. Und ein solcher Zeitplan für die Zukunft existiert selbstverständlich auch bei Eintracht Braunschweig.”
Soeren Oliver Voigt, Geschäftsführer  – sportschau.de, 10.4.2011

FC Ingolstadt
Nun, ich habe eine ähnliche Situation beziehungsweise Entwicklung schon beim FC Augsburg erlebt. Als ich damals dorthin gekommen bin, war der Verein noch in der dritten Liga und hatte wenig Zuschauer. Sechs Jahre später sind sie nun in die Bundesliga aufgestiegen. Ich denke schon, dass man beide Klubs etwas miteinander vergleichen kann: Beide haben eine Perspektive nach oben – und auf Ingolstadt bezogen sollte es in nächster Zeit auf alle Fälle machbar sein, dass man in der 2. Bundesliga zumindest eine sehr gute Rolle und künftig nicht mehr gegen den Abstieg spielt. Was darüber hinaus noch möglich ist, wird man in den nächsten Jahren sehen.
Leo Haas, Neuzugang Saison 2011/2012 (offensives Mittelfeld) – Augsburger Allgemeine, 9.6.2011

FC Erzgebirge Aue
„Ich habe den Traum, mit Aue mittelfristig in die Bundesliga aufzusteigen und damit Einzigartiges für den Verein und die Region zu schaffen“.
Marc Hensel, Spieler (defensives Mittelfeld) – zitiert nach dpa-Bericht in der Leipziger Volkszeitung, 2.6.2011

SG Dynamo Dresden
Langfristig muss die Bundesliga das Ziel sein. Aber da gehört sehr, sehr viel Arbeit dazu. Es ist ja nicht nur die erste Mannschaft, sondern da gehört der gesamte Verein dazu. Ich denke, das wird noch ein paar Jahre dauern.
Hans-Jürgen “Dixie” Dörner, Berater – sid-Interview im RevierSport, 18.5.2011

So richtig zu Hause in der 2. Liga fühlen sich im Moment nur fünf Vereine.

1. FC Union Berlin
Es kann uns auf Dauer nicht genügen, drei oder vier Mannschaften hinter uns zu lassen. Die Mannschaft muss sich ebenfalls entwickeln“, sagt Zingler. „Dafür müssen wir die Strukturen schaffen.“ Das Wort Bundesliga wurde von Unions Präsidenten bewusst vermieden, Union soll auch in Zukunft „langsam wachsen
.
Dirk Zingler, Präsident – Tagesspiegel
, 18.5.2011

FC Hansa Rostock
“Ich bin keiner, der sagt, dass er eine Mannschaft in den nächsten zwei Jahren weiterentwickeln will. Fußball ist ein Ergebnissport, und ich orientiere mich immer an der Realität. Wenn wir es vom ersten Spiel an schaffen, von den Abstiegsrängen entfernt zu bleiben, kommt die Entwicklung automatisch.”
Peter Vollmann, Trainerkicker.de, 25.5.2011

Karlsruher SC
Wir werden wieder ein schweres Jahr haben, was nicht heißt, dass wir nicht ein Stück nach oben rutschen können. Aber die Liga wird brutal schwer. Mit Braunschweig und Rostock kommen sehr gute Aufsteiger. Von oben kommen St. Pauli und Frankfurt. Die Liga wird viel stärker. Da kann niemand ernsthaft erwarten, dass wir mit den oben genannten schwierigen Rahmenbedingungen sofort nach vorne durchstarten. Wir sind unten und wir müssen uns Schritt für Schritt nach oben arbeiten.
Rainer Scharinger, Trainer – Pforzheimer Zeitung, 18.5.2011

SC Paderborn
… Der SC Paderborn hat Mühe, mit dem Mini-Etat die 2. Liga zu halten …
Roger Schmidt, Trainer – Westfalen-Blatt, 4.6.2011

FSV Frankfurt
“Insgesamt 13 Neuzugänge muss Trainer Hans-Jürgen Boysen in diesem Jahr integrieren. “Ich bin davon überzeugt, dass wir im Vergleich zur Vorsaison einen stärkeren Kader haben” zeigte sich der Coach aber durchaus optimistisch. Am Saisonziel Klassenerhalt habe sich dennoch nichts geändert, wie Geschäftsführer Uwe Stöver betonte: “Die Mannschaft und das Umfeld muss dafür viel Geduld und Herzblut aufbringen, damit wir dieses Ziel zusammen erreichen können.”
hr-online.de, 18.6.2011

Der Unterbau der Bundesliga wird in Zukunft wohl also nur noch aus sieben Vereinen bestehen, von denen fünf irgendwann den Rückzug in die Dritte Liga vorziehen. Dann wären die übrig bleibenden zwei Bundesligaabsteiger für ein Jahr endlich da, wo wir alle hin wollen. Selbstbestimmt könnten sie die Zielsetzung für die Saison gemäß des eigenen Leistungsvermögens ansetzen, ohne den Aufstieg und damit die eigene Weiterentwicklung durch zu viel Druck zu gefährden.

Saisonvorbereitung – Lesen, was beim Top-Favoriten der 2. Liga geschieht

“Felix, ruf den Bruno an”, sagte Heribert Bruchhagen im Verlauf des Interviews mit der Frankfurter Rundschau. Es ist ein interessantes Interview auch für uns in Duisburg, weil sowohl einiges  zur zukünftigen  Spielstruktur der Eintracht zu lesen ist als auch zu finanziellen Bedingungen für Erfolg im professionellen Fußball. Zudem geht es nicht selten um die Gefühlslagen von Heribert Bruchhagen – bei Abstieg, Sportberichterstattung und Abschied von verdienten Spielern.


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