Mit 'FC Hansa Rostock' getaggte Einträge

Leben heißt Rhythmus

Neulich überlegte ich noch, wie das Schreiben hier mit der Zeit immer mehr in den Sog der Tagesaktualität geriet und wie das seit der Winterpause für mich nachgelassen hatte. Beim MSV Duisburg schien Normalität eingekehrt zu sein. Über die Verantwortlichen im Verein brauchte man sich erst einmal keine Gedanken mehr zu machen. Und alles deutete darauf hin, dass die Saison ohne große Aufregung zu Ende gespielt werden kann.

Nach den ersten zwei Spielen in diesem Jahr holt mich die Tagesaktualität nun wieder ein. Normalität ist langweilig. Im Sport muss es auch Ziele über den Spieltag hinaus geben, und die heißen beim MSV Duisburg doch wieder, den Abstiegsplätzen entkommen. Damit die Saison auch für uns Zuschauer noch einmal spannender wird, verlor die Mannschaft des MSV auch gegen den zweiten Verein, der sich momentan auf eben einem solchen Abstiegsplatz befindet und das auch direkt mal mit 4:2. Das war keine unglückliche Niederlage gegen den FC Hansa Rostock. Vier Tore hinzunehmen von einer Mannschaft, die zuvor in 20 Spielen gerade mal vierzehn zusammen bekommen hatte, das signalisiert: wir brauchen Druck. Alltag ist nicht das intensive Leben, das wir uns wünschen. Wir wollen, dass es um etwas geht. Am besten um alles. Das hat die Mannschaft vom MSV Duisburg nun, und damit auch wir Zuschauer.

Die Leistung vom MSV Duisburg muss sehr schlecht gewesen sein. Gesehen habe ich nichts, gehört habe ich nichts. Umstritten ist die Meinung aber nirgendwo. Da kommt die Verpflichtung von Sören Brandby zur rechten Zeit. Sie lässt auf Ivo Grlics gute Arbeit rückschließen, vor allem aber erhält  diese Verpflichtung nun eine zusätzliche Bedeutung nach dem Motto: Irgendetwas muss der Spieler im MSV Duisburg erkennen, was wir noch nicht sehen. Schließlich wechselt der Spieler vom SC Paderborn aus einem Verein des Erfolgs in dieser Saison zu einem Verein, der auf den unteren Tabellenplätzen für die nötige Abwechslung im Leben sucht. Allerdings weiß ich nicht, welchen Wert er zurzeit für den Kader des SC Paderborn besitzt. Da muss ich mal in der angeheirateten Heimat nachfragen. Das Interesse am Fußball dort ist in der letzten Zeit ja stetig gestiegen.

Wäre Cricket vielleicht eine Lösung?

Schade, dass ich mit Cricket nichts am Hut habe.  Mein erster Tag wieder zu Hause hätte sonst schwungvoll begonnen. So viel Englishness habe ich nämlich beim Urlaub in Südengland und London bewiesen. Nach Nachrichten, Diskussionen und Expertenmeinungen über die Riots habe ich bei der Sportberichterstattung nicht abgeschaltet. England hat nämlich gerade Indien bei einer Begegnung im Cricket in Grund und Boden gestampft, und irgendwer bei der BBC überlegt sogar, ob es jemals ein besseres englisches Cricketteam gegeben hat. In England benutzt wahrscheinlich niemand solche drastischen Bilder für einen Sieg bei dieser feineren Variante des Sports. In meiner Sprache macht sich mein eigentliches Ziel der Zuneigung eben doch sofort wieder bemerkbar. Aber an solch einen triumphalen Sieg für den MSV Duisburg ist im Moment ja nicht zu denken. Mir würde ein klug herausgespielte 1:0 auch schon völlig reichen. Beim zusammengewürgten Stolpersieg käme ich allerdings weiter ins Grübeln.

Wieder zu Hause sein. Wie schön, wie schrecklich. Ich kenne nun das Ergebnis vom Heimspiel gegen den FC Hansa Rostock, lese die Berichte zum 0:0 und nehme die Stimmung danach zur Kenntnis. Kurz und knackig findet sich diese Stimmung in Tinas Achterbahn – mit übrigens neuer Adresse für den Blog. Da dunkelt am Horizont die Vergangenheit ab dem vorletzten Jahr. So eine Stimmung langt für eine Woche Sorgen und Nachdenklichkeit. Was geschieht da bei Mannschaft und sportlicher Leitung?

Nehmen wir mal ein wenig Abstand und überlegen, wie sich die gegenwärtige Lage von der im letzten Jahr unterscheidet. Da sind zunächst und vor allem die Erwartungen an diese Mannschaft. Letztes Jahr waren alle im Verein und um den Verein herum schon mit kleinen Erfolgen zufrieden. In diesem Jahr schien es, als befände sich der MSV Duisburg auf einem ambitionierteren Niveau. Die Wirklichkeit entspricht den Erwartungen nicht. Im letzten Jahr hätten wir Fans und die Verantwortlichen im Verein mit Geduld auf bessere Zeiten gehofft. In diesem Jahr gibt es diese Zeit nicht. Dementsprechend ist die psychische Situation für alle Beteiligten eine vollkommen andere. Womöglich ist diese veränderte Ausgangssituation von uns allen unterschätzt worden. Diese veränderte Ausgangsposition führt etwa zu auseinander treibenden Energien bei der Wertung zum Spiel. Milan Sasic sagt nach dem Spiel: “Kein Verantwortlicher in diesem Verein übt Druck auf die Mannschaft aus.” Hingegen Goran Sukalo großen Druck  spürt, wenn er sagt: “Der MSV ist ein großer Verein und alle erzählen vom Aufstieg”. Zunächst ist es völlig unerheblich, woher der Druck kommt. Wenn er denn da ist, ist er da, und damit muss Milan Sasic umgehen – auch wenn er sich noch so ärgert. Später mehr dazu.

Sehen wir weiter: In der letzten Saison gab es mehrere Spieler mit Wünschen und Hoffnungen für die Zukunft der eigenen Karriere. Das war natürlich ein Julian Koch, der sich beim MSV Duisburg spielerisch verbessern wollte für seine Zukunft bei Borussia Dortmund. Das war ein Stefan Maierhofer, der seine Karriere bei der österreichischen Nationalmannschaft fortsetzen wollte und deshalb Spielpraxis suchte. Das waren aber auch sogar Filip Trojan oder später Ivica Banovic, die sich ebenfalls sich aus dem Stillstand ihrer Karrieren herausarbeiten wollten. Dazu kamen Olcay Sahan und Sefa Yilmaz. Beide jung, ehrgeizig und mit deutlich nach oben weisenden Leistungskurven. Zu anderen Spielern ließe sich ähnliches sagen, belassen wir es bei dem kurzen Ausflug in die Vergangenheit. Diesen Spielern gemeinsam war aber das klare Wissen, für ihre sehr individuellen Ziele brauchten sie den Erfolg der Mannschaft. Ohne diesen Erfolg der Mannschaft hätten sie sich noch so sehr anstrengen können, ihre individuellen Qualitäten hätten sie nicht zeigen können. Diese Mannschaft startet also mit einer großen psychischen Energie und der Unbelastetheit des Außenseiters.

Die Zusammensetzung des Kaders in dieser Saison sieht völlig anders aus. Bei den Neuverpflichtungen gibt es weitaus weniger Spieler, die sehr konkrete individuelle Ziele haben. Erfolgreich sein will jeder, doch ist diese Zielsetzung viel zu allgemein, um dafür zum einen regelmäßig an Leistungsgrenzen zu gehen, aber auch um sich mit den eigenen Interessen in einer Gruppe einzufügen. Je allgemeiner mein Bild von Erfolg, desto unkonkreter der Anspruch an die eigene Leistung und desto leichter wird der Verweis auf andere für Misslingen. Auf mich macht es den Eindruck, als ob zu viele der Spieler sich des notwendigen Zusammenhalts der Mannschaft ungewiss sind. Bei all dem, was ich bislang gesehen habe, wirkt es oft so, als hätten die Spieler ein Bild von ihrem Spielvermögen, in dem Mühen des Ligaalltags noch keinen Platz haben. Wenn ich zurückdenke an den letztjährigen Saisonauftakt beim Pokalspiel in Lübeck, so war dort die Freude über den Erfolg als Gemeinsamkeit spürbar. Das war ein ausgelassenes Feiern beim Sieg gegen einen niederklassigen Verein. In Babelsberg hat es das in dieser Form nicht gegeben. Sicher war da Freude zu sehen, aber die psychische Energie spendende Gemeinsamkeit konnte ich in der Freude der Mannschaft nicht spüren.

Ich gebe zu, ich befinde mich hier auf dem weiten Feld von Spekulation und diffusem Herumtasten. Mein Grund dafür sind aber die Stellungnahmen von Spielern und sportlicher Leitung. Da erlebe ich ebensolches Spekulieren und Herumtasten auf gleichem Gebiet. Bei der Suche nach Gründen für schlechtes Spiel geht es nach dem Spiel gegen den FC Hansa Rostock wenig um die taktische Ausrichtung. Es geht um individuelle Fehler und die Psyche.

An dem Punkt beginnt mich eine kleine Sorge zu kitzeln und die heißt Milan Sasics Persönlichkeit. Erfolg hatte er mit einer Mannschaft, deren Fehler er verzeihen konnte. Im Moment wirkt es nach außen nicht so, als sei er diesem Kader gegenüber so fehlertolerant wie dem letzten. Nun kann man sagen, das muss er auch nicht sein. Die Spieler kamen mit dem Versprechen auf ein anderes spielerisches Niveau. Doch in der vorletzten Saison gab es solche Spieler dieses Niveaus im Verein ebenfalls, und sein Umgang mit dem Misserfolg damals verbesserte die Situation nicht. Die Situation jetzt gleicht ein wenig der damals. Die Zusammenstellung des Kaders bringt es mit sich, dass nicht mehr alle Spieler aus einer Underdog-Situation kommen und in Milan Sasic den Mann sehen, der ihnen bei ihrem sehr persönlichen Karriereziel per Erfolg der Mannschaft weiterhilft.

Ich hoffe sehr, dass Milan Sasic mehr Möglichkeiten hat, Spieler anzusprechen, als er es nach außen zeigt. In Momenten des Misserfolgs ist es ein schwieriger psychischer Balanceakt, wenn ein Trainer sich mit dem Publikum solidarisiert. Da gehört dann viel Nacharbeit im Trainingsalltag zu, damit eine Gruppe nicht zerfällt. Wenn ich bei Tina zu so einem frühen Zeitpunkt der Saison von einem heftigen Streit zwischen Mannschaftskameraden lese, wird das Kitzeln der Sorge fast schon unangenehmes Bohren. Sicher, ich bin weit weg von der Mannschaft. Ich bin nicht bei den Kabinenansprachen dabei. Ich weiß nicht, wie die Spieler sonst miteinander umgehen. Mir ist unbekannt, wie stabil das Vertrauensverhältnis der einzelnen Spieler zu Milan Sasic ist. Ich will all diese Gedanken nicht, doch sie stellen sich nach diesem Saisonstart ein, und ich beginne mich schon wieder zu fragen, wie das Darüberschreiben zur Stimmung beiträgt. Auch das erinnert mich so unangenehm an alte Zeiten. Andererseits sind diese Stimmungsausschläge mir dann doch lieber, als der spannungsarme Jubel beim Nachmittagstee auf der Tribüne in London, nachdem unten ein weiß gekleideter Mann einen Ball, kunstvoll angedreht, durch die Gegend geworfen hat.

Saisonvorbereitung – Zweitligavereine wünschen heimlich Aufstockung der Bundesliga ab Saison 2012/2013

Erreichbare Ziele setzen. Das ist eine Grundbedingung für Erfolg. Weder überfordern noch unterfordern, heißt nicht nur die beste Richtschnur beim Lernen. Auch außerhalb von Schulen wäre es schön, wenn sich jede anstehende Aufgabe im Niveau ganz leicht über dem bereits vorhandenen Leistungsvermögen befände. Nie wäre etwas langweilig. Niemals geriete man in Bedrängnis, etwas nicht zu schaffen. Das Leben bestünde aus einem Rundum-Sorglos-Paket von gut abgefederter Weiterentwicklung.

Doch immer tauchen da andere Menschen auf, die einen beim Weiterkommen stören. Besonders stören sie dann, wenn Ranglisten gebildet werden und Tabellen. Denn dann gibt es für Ziele immer auch ein paar Anwärter mehr als Plätze vorhanden sind, und schon können Ziele noch so sehr punktgenau knapp oberhalb des Leistungsvermögens angesetzt werden, das Scheitern wird unweigerlich auf jemanden zukommen.  Zielbestimmung in Konkurrenzsituationen bleibt also einerseits notwendig, andererseits gefährdet diese Zielbestimmung vielleicht bereits den möglichen Erfolg. Ganz zu schweigen davon, wenn noch andere bei dieser Zielbestimmung mitmischen wollen. Dann heißt es für Verantwortliche in den Vereinen, schnell Meinung machen.

Milan Sasics Stellungnahme etwa war spätestens Ende Juni gefordert, als in den Redaktionsräumen vom Kicker die Sportjournalisten die vom MSV Duisburg eingehenden Pressemitteilungen über Spielerneuverpflichtungen kaum mehr  abarbeiten konnten. Die Arbeitsüberlastung ließ sie zum pauschalen Urteil finden, der MSV Duisburg sei endgültig zu einem Aufstiegskandidaten geworden. Milan Sasic gab sein bestes: „Es wäre bei 13 Neuen unprofessionell, vom Aufstieg zu sprechen. Welche Ziele sollen dann Eintracht Frankfurt, Bochum und St. Pauli ausgeben? Ich will mit dem MSV unter die ersten sechs Mannschaften.” Milan Sasic konnte sich auf alte Vorhaben berufen. Drei-Jahres-Plan hieß das Ganze, als noch der Ex die Interviews gab. Und wenn Milan Sasic die ersten sechs Mannschaften erwähnt, wollen wir nicht vergessen, auf diese ersten sechs Mannschaften warten auch der erste, zweite und dritte Tabellenplatz. Es ist ja nicht so, dass in Duisburg nach Siegen gesagt würde: “Och nö, lasst das mal lieber mit den drei Punkten für uns, nachher bleiben wir noch zweiter und das haut uns unsere Aufstiegspläne kaputt.” Da sind wir in Duisburg doch flexibel genug, mitzunehmen, was sich anbietet.

Andere Vereine können da sehr viel weniger flexibel sein. Wahrscheinlich nicht ganz zufällig sind es nur drei Vereine, die das große Ziel der kommenden Saison für die 2. Liga auch wirklich aussprechen. Sie waren entweder schon lange genug flexibel oder hinken ihrem Plan schon ein Jahr hinterher oder brauchen keine Pläne, weil sie gar nicht da sind, wo sie meinen, hinzugehören. Da ist es wieder, das Problem mit den anderen Menschen. Mindestens ein Verein von den dreien wird scheitern beim Streben nach dem sicheren Aufstiegsplatz.

SpVgg Greuther Fürth
“Doch mit dem ansonsten weitgehend unveränderten Kader soll es vielleicht schon 2011/12 endlich klappen mit dem großen Ziel Aufstieg. «Wir werden weiter daran arbeiten und ich bin zuversichtlich, dass ich das in meiner Zeit in Fürth mal erleben darf», sagte Manager Rachid Azzouzi. «Jeder in diesem Verein will das mit jeder Faser seines Körpers.»
dpa-Meldung in
Süddeutsche Zeitung – 16.5. 2011

VfL Bochum
“Der neue Sportchef Jens Todt hat den Aufstieg des VfL Bochum in die Fußball-Bundesliga als das erklärte Ziel bezeichnet.

Der Westen, 3.6.2011

Eintracht Frankfurt
“Es wird nicht einfach werden, aber wir haben ein Ziel, wir wollen aufsteigen.”
Armin Veh, Trainer -
  hr-online.de, 31.5.2011

In Frankfurt, Bochum und Fürth werden für die Saison 2011/2012 also klare Ansagen gemacht. Andere Vereine versuchen sich gleich dem MSV Duisburg an dem Balanceakt, die Kräfte für Aufstiegsanstrengungen zu bündeln, ohne dass die eine einzige Erwartung hemmungslos herumzutollen beginnt.

FC St. Pauli
Mit Eintracht Frankfurt ist eine Mannschaft dabei, die ähnlich wie zuletzt Hertha BSC der Top-Favorit ist. Kommt Gladbach runter, werden auch sie dazu gehören. Greuther Fürth sagt jetzt schon, dass sie den Aufstieg unbedingt schaffen wollen. Cottbus und Duisburg sind ebenfalls mit dabei. Das heißt aber nicht, dass wir die nicht packen können. Wir wollen oben mitspielen. Es wird kein Selbstläufer und wir sind realistisch. Aber es ist alles möglich.
André Schubert, Trainer – spox.com, 17.5. 2011

FC Energie Cottbus
“Lautet das langfristige Ziel Aufstieg?

Natürlich. Cottbus gehört aber nicht zu den Vereinen, die vor der Saison sagen können, dass sie in die Bundesliga wollen. … Wir können nur aufsteigen, wenn wirklich alles passt. Das kann man aber leider nicht planen
“.
Claus-Dieter Wollitz, Trainer – Eckball-Magazin, 20.5.2011

Alemannia Aachen
Eine Steigerung strebt auch für Benjamin Auer an. «Als ich im vergangenen Sommer einen Dreijahresvertrag unterschrieben habe, habe ich gesagt, dass ich gerne mit der Alemannia aufsteigen möchte. Dabei bleibe ich», sagte der Stürmer. «Vielleicht können wir in der neuen Saison die Qualität im Kader noch weiter steigern, damit dann die Plätze 3 bis 6 in der Abschlusstabelle möglich sind. Und dann bleibt ja noch mein drittes Jahr», so Auer: «Spätestens dann geht’s um Platz 1 bis 3.»
Aachener Zeitung, 12.5.2011

Nach der Saison 2011/2012 werden DFL und DFB allerdings nicht mehr daran vorbeikommen, die Bundesliga aufzustocken. Sonst werden deutschlandweit Hoffnungen enttäuscht und tiefe Depressionen werden unzählige Fußballfans arbeitsunfähig machen. Dann sollen ja nicht nur die Pläne oben genannter Vereine Wirklichkeit werden, dann wird auch mit jenen Vereine zu rechnen sein, die im Moment noch auf Wachstum setzen und sich über die deutsche Sprache freuen, in der die wunderbaren Wörter mittelfristig und langfristig die konkrete Zielbeschreibung in die Zukunft verlagern helfen.

TSV 1860 München
In drei Jahren möchen wir in der ersten Liga sein.
Hasan Ismaik, Großinvestor und Anteilseigner TSV 1860 München KgaA   Süddeutsche Zeitung, 8.6.2011

Fortuna Düsseldorf
Düsseldorf ist eine wahnsinnig attraktive Stadt, die sehr viel bietet. Die hat einfach Erstliga-Fußball verdient. Dafür arbeiten wir. Klar, ich würde mit Fortuna sehr gerne aufsteigen, das ist das mittelfristige Ziel.
Wolf Werner, Manager – Express, 13.6.2011

Eintracht Braunschweig
Eintracht Braunschweig besitzt im deutschen Fußball einen solchen Bekanntheitsgrad, dass es unser logisches Ziel ist, in der Bundesliga zu spielen. Allerdings wollen wir uns in den kommenden Jahren erstmal in der 2. Bundesliga etablieren. Denn wichtig ist auch, dass man sich in einem realistischen Zeitplan bewegt. Und ein solcher Zeitplan für die Zukunft existiert selbstverständlich auch bei Eintracht Braunschweig.”
Soeren Oliver Voigt, Geschäftsführer  – sportschau.de, 10.4.2011

FC Ingolstadt
Nun, ich habe eine ähnliche Situation beziehungsweise Entwicklung schon beim FC Augsburg erlebt. Als ich damals dorthin gekommen bin, war der Verein noch in der dritten Liga und hatte wenig Zuschauer. Sechs Jahre später sind sie nun in die Bundesliga aufgestiegen. Ich denke schon, dass man beide Klubs etwas miteinander vergleichen kann: Beide haben eine Perspektive nach oben – und auf Ingolstadt bezogen sollte es in nächster Zeit auf alle Fälle machbar sein, dass man in der 2. Bundesliga zumindest eine sehr gute Rolle und künftig nicht mehr gegen den Abstieg spielt. Was darüber hinaus noch möglich ist, wird man in den nächsten Jahren sehen.
Leo Haas, Neuzugang Saison 2011/2012 (offensives Mittelfeld) – Augsburger Allgemeine, 9.6.2011

FC Erzgebirge Aue
„Ich habe den Traum, mit Aue mittelfristig in die Bundesliga aufzusteigen und damit Einzigartiges für den Verein und die Region zu schaffen“.
Marc Hensel, Spieler (defensives Mittelfeld) – zitiert nach dpa-Bericht in der Leipziger Volkszeitung, 2.6.2011

SG Dynamo Dresden
Langfristig muss die Bundesliga das Ziel sein. Aber da gehört sehr, sehr viel Arbeit dazu. Es ist ja nicht nur die erste Mannschaft, sondern da gehört der gesamte Verein dazu. Ich denke, das wird noch ein paar Jahre dauern.
Hans-Jürgen “Dixie” Dörner, Berater – sid-Interview im RevierSport, 18.5.2011

So richtig zu Hause in der 2. Liga fühlen sich im Moment nur fünf Vereine.

1. FC Union Berlin
Es kann uns auf Dauer nicht genügen, drei oder vier Mannschaften hinter uns zu lassen. Die Mannschaft muss sich ebenfalls entwickeln“, sagt Zingler. „Dafür müssen wir die Strukturen schaffen.“ Das Wort Bundesliga wurde von Unions Präsidenten bewusst vermieden, Union soll auch in Zukunft „langsam wachsen
.
Dirk Zingler, Präsident – Tagesspiegel
, 18.5.2011

FC Hansa Rostock
“Ich bin keiner, der sagt, dass er eine Mannschaft in den nächsten zwei Jahren weiterentwickeln will. Fußball ist ein Ergebnissport, und ich orientiere mich immer an der Realität. Wenn wir es vom ersten Spiel an schaffen, von den Abstiegsrängen entfernt zu bleiben, kommt die Entwicklung automatisch.”
Peter Vollmann, Trainerkicker.de, 25.5.2011

Karlsruher SC
Wir werden wieder ein schweres Jahr haben, was nicht heißt, dass wir nicht ein Stück nach oben rutschen können. Aber die Liga wird brutal schwer. Mit Braunschweig und Rostock kommen sehr gute Aufsteiger. Von oben kommen St. Pauli und Frankfurt. Die Liga wird viel stärker. Da kann niemand ernsthaft erwarten, dass wir mit den oben genannten schwierigen Rahmenbedingungen sofort nach vorne durchstarten. Wir sind unten und wir müssen uns Schritt für Schritt nach oben arbeiten.
Rainer Scharinger, Trainer – Pforzheimer Zeitung, 18.5.2011

SC Paderborn
… Der SC Paderborn hat Mühe, mit dem Mini-Etat die 2. Liga zu halten …
Roger Schmidt, Trainer – Westfalen-Blatt, 4.6.2011

FSV Frankfurt
“Insgesamt 13 Neuzugänge muss Trainer Hans-Jürgen Boysen in diesem Jahr integrieren. “Ich bin davon überzeugt, dass wir im Vergleich zur Vorsaison einen stärkeren Kader haben” zeigte sich der Coach aber durchaus optimistisch. Am Saisonziel Klassenerhalt habe sich dennoch nichts geändert, wie Geschäftsführer Uwe Stöver betonte: “Die Mannschaft und das Umfeld muss dafür viel Geduld und Herzblut aufbringen, damit wir dieses Ziel zusammen erreichen können.”
hr-online.de, 18.6.2011

Der Unterbau der Bundesliga wird in Zukunft wohl also nur noch aus sieben Vereinen bestehen, von denen fünf irgendwann den Rückzug in die Dritte Liga vorziehen. Dann wären die übrig bleibenden zwei Bundesligaabsteiger für ein Jahr endlich da, wo wir alle hin wollen. Selbstbestimmt könnten sie die Zielsetzung für die Saison gemäß des eigenen Leistungsvermögens ansetzen, ohne den Aufstieg und damit die eigene Weiterentwicklung durch zu viel Druck zu gefährden.

Saisonvorbereitung – Leichtes Aufwärmen mit Blogs zu den Neuen in Liga 2

Die Sommerpause ist zu kurz. Da haben die Trainer der Zweitliga-Vereine recht. Es gibt einfach einfach zu wenig Zeit, und dazu ist das letzte Wort noch nicht geschrieben. Ich bin völlig aus meinem Rhythmus für die Sommerzeit gekommen. Und wo jetzt noch zu Spielerverpflichtung und Saisonvorbereitung vom MSV Duisburg die Frauenfußball-Weltmeisterschaft hinzukommt, läuft die eigene Saisonvorbereitung völlig aus dem Ruder.

Zwar habe ich schon zwei Tage nach dem letzten Relegationsspiel zwischen Zweit- und Drittligisten mit den Aufräumarbeiten begonnen, doch das geriet irgendwann ins Stocken. Aufgeräumt wird immer bei mir, wenn ein Projekt abgeschlossen ist und Neues bevor steht. Was nicht mehr gebraucht wird, muss zum Wiederfinden abgelegt werden. Das Neue nehme ich in Augenschein durch wildes Herumlesen. Also, habe ich auf der Link-Seite Auf- und Abstiege nachvollzogen und nach Blogs zu den neuen Vereinen in Liga 2 gesucht. Den Faden nehme ich heute wieder auf zu meiner persönlichen Saisonvorbereitung.

Die Absteiger aus der Bundesliga sind bei mir blogwärts schon vorhanden gewesen.  Blog-G. Notizen zu Eintracht Frankfurt hat seine Heimat bei der Frankfurter Rundschau und wird mit entsprechender lokalsportjournalistischer Unterfütterung betrieben. Unabhängig, privat und gehaltvoll bietet sich The Diva and the Kid  dar. Aus Frankfurter Sicht werden wir also bestens versorgt werden.

In der weitläufigen Blog-Landschaft rund um den FC St. Pauli muss man sich ersteinmal zurechtfinden. Mein Orientierungspunkt dort war Jekylla mit ihrem Blog Fabulous Sankt Pauli. Nun teilte Jekylla Ende Juni mit, sie stellen ihren Fußballblog ein. Das ist sehr schade, und man weiß ja nie … Doch ihre Worte klingen sehr endgültig. Nun stehe ich vor der Aufgabe entweder die lange Liste von weiteren Blogs selbst durchzuarbeiten oder sie  unbesehen in diesen Beitrag  zu übernehmen. Weder das eine, noch das andere passt mir ganz in den Kram. Ich verweise deshalb auf die Link-Liste, wo die Blogs erstmal unkommentiert aufgenommen sind.

Übersichtlicher wird es bei den Aufsteigern. Zu Eintracht Braunschweig gibt es einen Blog, der sich auf den ersten Blick sehr auf das Sportliche konzentriert: Eintracht Braunschweig – Analysen, Stellungnahmen und vieles mehr …  Über den FC Hansa Rostock gibt es bei Blog 8 immer mal wieder etwas zu lesen. Fußball ist dort aber nur ein Teil der vielfältigen Interessen des Autors.  Zu Dynamo Dresden habe ich keinen Blog gefunden. Ich hatte doch einen gefunden, aber in der Menge der Lesezeichen wieder vergessen. Auch hier scheint zu gelten, Konzentration auf Verein und das Sportliche:  der Dynamo Dresden Blo(ck)g. Weiterhin gilt auch:  Zur Vervollständigung der Liste sind sachdienliche Hinweise gern gesehen.

Dieser Fußball hat ein Problem

Die einen spielen in der Bundesliga um Platz fünf als Eintrittskarte zum Europapokal, die anderen spielen in derselben Liga und in Liga zwei gegen den Abstieg. Nicht zu vergessen das Mittelmaß in Liga eins. Die Mannschaften haben alle etwas gemeinsam. Sie spielen zu schlecht, um das gesteckte Ziel zu erreichen. Anscheinend spielen sie so unfassbar schlecht, dass es nedfuller in Hamburg in  seinem Blog die  Stimme verschlägt. Dass in Bochum im Blog 18:48 wegen des Schocks ein freiwilliger Abstieg erwogen wird und Ben Redelings in seinem Blog Scudetto Köln und den FC gleich in Mithaftung für die eigene schlechte Stimmung nimmt. Sie spielen so schlecht, dass in Rostock die alten Zuschauer von der Erinnerung an vergangene Zeiten überwältigt werden und die Jüngeren das Wir-sind-und-ihr-nicht-Traditional ausdrucksstark in Erinnerung rufen. So schildert es Ronny Blaschke in diesem Artikel zur Niederlage vom FC Hansa Rostock gegen den FSV Frankfurt. Nicht zu vergessen der vielerorts beschmunzelte “Scheiß-Millionäre”-Gesang der Anhänger in Hoffenheim in der letzten Woche.

Liest man ein wenig herum, ist in Hamburg vor allem der Trainer schuld. In Bochum sind es Spieler und Trainer gemeinsam. In Rostock und Hoffenheim sind es vor allem die Spieler. Dennoch sind die Vorwürfe dieselben. Die Zuschauer erkennen nicht, dass die Spieler ihren Möglichkeiten gemäß Fußball spielen wollen. Das erinnert wiederum auch an den MSV Duisburg. Diese Saison haben wir uns nur recht früh schon an unseren schlechten Gefühlen abgearbeitet. Vielleicht aber ist auch die Leistung der Mannschaft nicht dauerhaft zu schlecht gewesen, als dass bleibende Wut sich entwickeln konnte. Darüber hinaus gab es den  Nebenschauplatz Auseinandersetzung mit den Vereinsverantwortlichen, auf dem viel Energie gebunden war. Auf diese Weise sind zum Ende der Saison rund um den MSV Duisburg für mich eher gemischte Gefühle entstanden.

Zum Beispiel bleibe ich mit meiner Enttäuschung über den nicht gelungenen Bundesliga-Aufstieg vom MSV Duisburg als Zuschauer allein mit anderen Zuschauern. Na gut, Walter Hellmich ist auch enttäuscht. Aber die Spieler? So richtig verlassen will ich mich auf ihre Enttäuschung nicht. Mein Misstrauen richtet sich aber gar nicht an die Spieler persönlich, sondern dieses Misstrauen ergibt sich aus dem Wissen, dass meine Enttäuschung in einem anderen Sinnzusammenhang zu Hause ist als eine mögliche Enttäuschung der Spieler. Meine Enttäuschung ergibt sich aus meiner Verbundenheit mit dem Verein, eine mögliche Enttäuschung der Spieler ergibt sich aus deren Verbundenheit mit ihrer beruflichen Karriere. Mein Misstrauen und die Wut der Anhänger in den anderen Städten sind also Symptome für grundsätzliche Schwierigkeiten des Fußballs durch dessen Professionalisierung als Unterhaltungsbranche. Erreicht eine Mannschaft die gesteckten Ziele nicht, ist für den Berufsfußballer nichts an die Stelle der alten Vereinsverbundenheit getreten. Da gibt es nichts, worauf wir Zuschauer uns verlassen können. Deshalb wird Geld als verbindendes Element von Fußballer und Verein offensichtlich und manchmal dann skandalös.

Auch wenn wir Zuschauer es nicht gerne hören, wir haben Anteil an diesem Skandal und dem doppelbödigen Fußball der Gegenwart. Wir erinnern uns mit Wehmut an die Vereinsverbundenheit alter Zeiten und dem daraus sich ergebenden Vertrauen darauf, dass die Spieler sich für den sportlichen Erfolg anstrengen. Aber wir wollen auch lieber Siege sehen als Niederlagen und zwar nicht morgen oder übermorgen sondern heute. Deshalb hören wir vor einer Saison, es geht um den Klassenerhalt mit jungen Spielern. Den wollen wir aber dauerhaft ungefährdet auf Platz vierzehn, und der Trainer muss gehen, wenn das nicht klappt. So geschehen in dieser Saison in Nürnberg. Deshalb hören wir vom Ziel gesicherter Mittelplatz. Wird der aber mit unattraktivem Fußball erreicht, ist das nicht recht. So geschehen in Köln.

Vielleicht drückt sich in Unzufriedenheit der Zuschauer ein unaufhebbarer Widerspruch der Unterhaltungsbranche Fußball aus? Oder hat sich die Unterhaltungsbranche bislang nur zu viel Gedanken über die Ertragsoptimierung gemacht und zu wenige wie der Geschäftsführer vom DSC Arminia Bielefeld Heinz Anders. “Wir wollen, dass sich Arminia demnächst nicht nur am Tabellenstand messen lässt, sondern vor allem am ‘Arminia-Gefühl’”, hatte er im März gesagt. Auf die Unterhaltungsbranche Bühnenbetrieb angewendet heißt das, die kulturelle Identität des klassischen Schauspiels in einem Musical-Theater des Londoner Westends unterzubringen. Ob das klappt? Dieser Fußball hat jedenfalls ein Problem, und das ist nicht der sportliche Misserfolg einzelner Vereine.


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