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Jagdszenen in Frankfurt? FSV verstößt mit Stolz gegen Straßenverkehrsordnung

Vorsicht! So möchte man Fußgängern im Frankfurter Raum zurufen. Der FSV Frankfurt hat es auf euch abgesehen. Noch ist es nur im halböffentlichen Raum von Facebook zu lesen. Auf der vereinseigenen Seite im Netz gibt es nur die üblichen Meldungen, Nach- oder Vorberichte zu Spielen wie eben dem am kommenden Samstag gegen den MSV Duisburg. Doch bei Facebook lautet die stolze Botschaft im Titelbild der Seite: “Zebrastreifen halten uns nicht auf!”.

Das Verhalten von Verkehrsteilnehmern an denen im Volksmund Zebrastreifen genannten Fußgängerüberwegen regelt § 26 der Straßenverkehrsordnung. Weil wahrscheinlich nicht jeder noch sein Wissen aus der Führerscheinprüfung parat hat, will ich den ersten Absatz  dieses Paragrafen zitieren: “An Fußgängerüberwegen haben Fahrzeuge mit Ausnahme von Schienenfahrzeugen den Fußgängern sowie Fahrern von Krankenfahrstühlen oder Rollstühlen, welche den Überweg erkennbar benutzen wollen, das Überqueren der Fahrbahn zu ermöglichen. Dann dürfen sie nur mit mäßiger Geschwindigkeit heranfahren; wenn nötig, müssen sie warten.” Das ist unmissverständlich, lieber FSV Frankfurt. Wer gegen diese Vorschrift verstößt, begeht zumindest eine Ordnungswidrigkeit. Kommen bei dem Vergehen sogar Menschen zu Schaden, hat das strafrechtliche Folgen.

Wenn es für den FSV Frankfurt am Samstag nicht gegen den MSV Duisburg ginge, interessierte mich ja gar nicht, wie die sich in Frankfurt im Straßenverkehr benehmen. Aber wir hoffen doch auf einen Gegner, der möglichst vollzählig antreten wird und dessen Spieler nicht durch irgendwelche Rechtsstreitigkeiten von ihrer eigentlichen Aufgabe abgelenkt sind. Nicht dass man uns hinterher nachsagt, wir hätten das Spiel nur gewonnen, weil meinetwegen Yannick Stark gerade mal wieder seinen Führerschein abgeben musste. Auch Kosta Runjaic würde ihn nämlich gerne wiedersehen. Yannick Starks Karriereverlauf ist doch sehr typisch für den gegenwärtigen Fußball. Er war ja mal Spieler des MSV Duisburg. Zumindest die  Büroräume des Vereins kennt er von der Vertragsunterzeichnung her. Er war gewissermaßen ein Spekulationsobjekt des MSV, das seinen großen Ertrag erst nach dem Weiterverkauf erzielte. Er wurde ja nach der Verpflichtung sofort wieder ausgeliehen, damit er sich mit Spielpraxis in einer unteren Liga weiter entwickeln konnte. Kurioserweise war der ausleihende Verein Darmstadt 98, und so entwickelte er sich unter Kosta Runjaic weiter, der seine Entwicklung weiter im Auge behält. So ist es der Frankfurter Rundschau zu entnehmen, dass Gratulationen zu Toren per SMS verschickt werden. Mich erfreut so eine SMS aus leicht einsehbaren, wenn auch etwas selbstsüchtigen Gründen. Gute Kontakte zu ehemaligen guten Spielern des Trainers können die Möglichkeiten von Ivica Grlic vergrößern.

Was den MSV am Samstag angeht, so hoffe ich – nach Info durch WAZ/NRZ  – auf Jürgen Gjasula in der Startelf. Ich frage mich übrigens inzwischen, ob ich bei der Schreibweise seines Vornamens der Gewohnheit in Medien und Öffentlichkeit folgen soll, die den Umlaut vorzieht? Oder ob der MSV und auch er selbst nicht die maßgeblicheren Instanzen sind? Jurgen heißt der Mann. Sind zwei Punkte entscheidend für die Fragen der Identität? Drei Punkte auf jeden Fall, so es um den MSV Duisburg geht.  Denn der Fußball der Gegenwart behält bis zum Ende der Spielzeit für jeden Verein auch in der mittleren Tabellenregion ein Ziel bereit. Dabei geht es auch um die Frage, wie sieht die Mannschaft der nächsten Saison aus? Bessere Tabellenplätze bedeuten ja einen höheren Anteil am ausgezahlten TV-Geld. Ich weiß deshalb im Moment nicht, ob ich als Romantiker der Fußballs froh bin, dass dieses für die Spieler eher abstrakte Ziel nicht ganz so viel Wirkkraft hat wie der Kampf gegen den Abstieg oder um Platz 3, also etwas sehr Konkretes. Der Jubel um ein Mehr an 500.000 Euro wird sich in Grenzen halten, auch wenn die Zukunft des Vereins auf diese Weise noch einmal etwas besser aussähe. Da sind sie wieder die Widersprüche dieses Fußballs der Gegenwart, in denen auch wir als Anhänger uns bewegen.

Sinnlos, Sinn und noch das Lego-Männchen

Gestern Abend auf dem Weg nach Hause war ich mir nicht sicher, ob ich nach dieser 2:1-Niederlage des MSV Duisburg gegen den 1. FC Union Berlin überhaupt etwas schreiben sollte. Was gäbe es mehr zu einem Komplettversagen der Mannschaft zu sagen als das, was ohnehin schon unzählige Male gesagt und geschrieben war. Selbst dieses Komplettversagen war ja zudem unwichtig, angesichts der Geldsummen, die da in ganz naher Zukunft nachgewiesen werden sollten.

Ich sah ein großes, weißes Feld als nächsten Blog-Beitrag und alle, wirklich alle, die im Stadion waren, hätten gewusst, was das bedeutet. Für dieses Spiel brauchte es keine Worte! Das war sicher. Wenn der Sinn von etwas ins Wanken gerät, heißt es Schweigen. Dann heißt es aber auch  Dasein, Aushalten und irgendwann mit den Trümmern des Lebens weitermachen. Um im Bild zu bleiben, der Sinn des Projekts Profifußball in Duisburg hing gestern Abend für mich nur noch an einem nicht allzu dicken Sicherungsseil, dessen Reißfestigkeit noch nicht mit der zu tragenden Last geprüft worden war.

Also, Schweigen!

Wenn nicht dieses Schweigen in einem Medium der Schrift auch das Medium selbst überflüssig machte und damit mich als Autor. Wenn einmal der Sinn den Bach runtergeht, gibt es kein Halten mehr. Deshalb: Mit mir nicht! Ich habe eine Idee von dem Schreiben hier. Ich habe auch vom MSV Duisburg eine Idee, die sich, wenn nötig, von der Wirklichkeit löst. Es gibt in mir einen MSV Duisburg, der vom Erzählen lebt, auch wenn dieser MSV Duisburg sich nicht ganz unabhängig von der Wirklichkeit machen kann. Der erzählte MSV Duisburg findet seinen Sinn aber in mehr als dem alltäglichen Geschehen.

Paradoxerweise macht dieses Neufinden von Sinn sogar wieder Worte zum Spiel möglich. Aus Selbstschutz habe ich gestern nach dem Führungstor des 1. FC Union Berlin mich gedanklich aus dem Spiel verabschiedet. Ich hätte mich einerseits sonst zu sehr aufgeregt, andererseits gehört das wieder zum Thema Sinn. Vielleicht haben diesen gedanklichen Abschied die  Spieler auf dem Platz nach dem Selbsttor von Sören Brandy auch vollzogen? Schließlich machten sie nicht den Eindruck, als seien sie jederzeit präsent im Spiel. Es wirkte oft so, als würden sie erst daran erinnert, worum es bei diesem merkwürdigen Hin- und Herrennen mit Ball geht, wenn dieser Ball sich unmittelbar in ihrer Nähe befand. Ansonsten waren sie vielleicht mit irgendwas anderem gedanklich beschäftigt?

Wie gesagt, schließlich ergriff auch mich gestern vor dem Spiel schon sehr viel mächtiger das Gefühl der Sinnlosigkeit als noch vor dem Spiel gegen Aue. Der nahe 1. Dezember als in den letzten Tagen immer wieder beschriebener erster Stichtag für die Nachricht von der Liquiditätssicherung lenkte doch sehr ab. Vielleicht war das Gefühl auch bei den Spielern zu mächtig, gerade etwas zu machen, über dessen Bedeutung außerhalb des Spielfelds entschieden wird. Aber mein Gott, so denke ich dann auch, die Spieler sind doch Sportler. Als Sportler will man gewinnen, jedes Spiel, egal unter welchen Bedingungen. Da geht es doch auch um dieses Glücksgefühl der Gegenwart, den Gegner besiegt zu haben. Da geht es um die Verbindung zu archaischen Erlebnisse der Überlegenheit als Gruppe. Gewinnen bedeutet intensives Glück. Dafür will ich doch alles geben. Außerdem bekommen sie sogar noch Geld dafür.

Doch diese Mannschaft schien nicht dahin zu kommen, alles geben zu können. Sie hatte kein, aber wirklich auch kein einziges Mittel gegen einen nicht allzu guten Gegner zu bestehen. Diese Mannschaft spielte zunächst einigermaßen mit und als es zweimal ernst wurde, führte Union Berlin mit zwei Toren. Zweimal waren die Berliner in der ersten Halbzeit torgefährlich. Zweimal landete der Ball hinter der Linie. Das war die Defensive. Und die Offensive? Wie sollte diese Mannschaft ohne große Hilfe des Gegners ein Tor schießen? Lange Bälle zum Gegner, einsame 60-Meter-Sprints von Maurice Exslager mit Ball am Fuß und drei, vier harmlose Schüsse über und neben das Tor, das war das Spiel nach vorne. Die Mannschaft biss sich nicht ins Spiel. Geordnet sollte es vielleicht sein, kraflos war es. Und aus dem Nichts kann jede Mannschaft wieder gegen den MSV Duisburg ein Tor erzielen. So verlaufen im Moment die Spiele. Die gegnerischen Mannschaften brauchen nur immer mal wieder probeweise den Ball vors Tor zu bringen. Die Spieler des MSV Duisburg werden schon einen Fehler machen, und fällt das Führungstor des Gegners, ist die Niederlage festgeschrieben.

Für mich wird dieses Spiel gegen den 1. FC Union Berlin aber dank des ungeheuer unterhaltsamen Rahmenprogramms in der Halbzeitpause in Erinnerung bleiben. Ente hat im Lego-Männchen einen würdigen Nachfolger gefunden. Vielleicht war es eine Art Übersprungreaktion von mir, und ein wenig hysterisch bin ich mir schon vorgekommen, als ich mich vor Lachen kaum auf den Beinen halten konnte. War das Lego-Männchen blind und brauchte deshalb eine Wettlaufbegleiterin? Auf jeden Fall war es ohne Kniegelenke und scheute trotz dieses großen Handicaps den Wettkampf nicht. Ein Paralympics-Wettkampf der besonderen Art. Vielleicht liegt in diesem Spektakel die Lösung aller Finanzprobleme. Ein Comedy-Kanal bei You-Tube. Google-Adsens-Cents ergänzen das Pfandgeld, und schon ist die Zukunft des MSV Duisburg gesichert. Bis dahin die Frage:  Hat vielleicht jemand ein paar Bewegtbilder vom Lego-Männchen für die Welt?

Komischerweise berührt mich heute Morgen die Nachricht von der wahrscheinlichen Rettung des MSV Duisburg noch nicht sehr. Ganz merkwürdig. Ich muss da mal weiter drüber nachdenken.

Und das haben wir ja auch noch: Pressekonferenz und Stimmen von Ivo Grlic, Sören Brandy und Srdjan Baljak zum Spiel. Ehrliche Wertung von allen, die Ratlosigkeit über die eigene Leistung ist den Spielern deutlich anzumerken.

Auch ohne Tore fühlt sich das nach Sieg an

Im Moment fällt mir kein torloses Unentschieden ein, dass ich derart bejubelt habe wie dieses am Freitagabend gegen den 1. FC Köln. Nachdem der MSV Duisburg ab der 21. Minute nur mit zehn Mann spielte, fühlte sich das Ergebnis nach einem Sieg an. Das ging den meisten in der begeisterten Gästekurve so, aber auch den Spielern, wenn man sich weiter unten anhört, was Julian Koch gesagt hat. Die letzten Minuten hatten es aber auch in sich. Zweimal ging der Ball an die Latte des Duisburger Tores, nach einem Freistoß und nach einer Ecke, und einmal hatten wir gefühlte Ewigkeiten Zeit bei einem wilden Getümmel im Strafraum den jeweils nächsten drohenden Schussversuch der Kölner im Netz einschlagen zu sehen. Doch immer wieder warf sich ein weiterer Duisburger Spieler vor den Ball, bis schließlich der Gewaltschuss nicht mehr zu verhindern war. Aus vielleicht sieben Metern Entfernung knallte der Ball rechts neben das Tor in die Bande. Aufatmen.

Dabei war die Kölner Mannschaft über das Spiel hin gesehen harmlos, verunsichert und ohne Mittel, den Zebras gefährlich zu werden.  Aus Zebra-Sicht  wäre es nach dem Überstehen dieser wenigen wirklich gefährlichen Minuten sogar fast zur perfekten Dramaturgie des Spiels gekommen. Einen ersten Ansatz zum Konter konnten die Kölner gerade noch verhindern, nachdem auf Höhe der Mittellinie der eingewechselte Zvonko Pamic den Ball  einem erneut zögerlichen Kölner Spieler den Ball abgenommen hatte. Doch nach der nächsten Balleroberung  wurde Srdjan Baljak steil geschickt. Aus unserer Perspektive von der Westtribüne auf Höhe des Kölner Strafraums war aber schon nach der Ballannahme zu sehen, dass er nicht in idealer Linie aufs Tor würde schießen können. So hielt sich meine Hoffnung in Grenzen. Vielleicht war ich aber auch nur  zu sehr mitgenommen von den Chancen der Kölner Mannschaft und der Nachricht von vier Minuten Nachspielzeit.

Bis zur 80. Minute hielten sich meine Sorgen aber in Grenzen. Wir sahen eine Kölner Mannschaft, die sehr an den MSV der Heimspiele erinnerte. Es fehlte den Kölnern an Dynamik und Ballsicherheit, um eine die meiste Zeit perfekt verteidigende Mannschaft der Zebras zu überwinden. Alleine Sascha Bigalke zeigte in vergeblichen Einzelaktionen Zug zum Tor. Einzelaktionen bestimmten auch die Entlastungsangriffe beim MSV Duisburg. Vor dem Halbzeitpfiff setzte sich Daniel Brosinski auf der rechten Seite wunderbar durch, doch kam in der Mitte kein Spieler rechtzeitig in den Rückraum, wohin der entscheidende Pass hätte gespielt werden müssen. Sören Brandy versuchte sich unermüdlich, aber vergeblich in langen Sprints mit dem Ball. Auch ihm fehlte die Anspielstation. Das Provozieren eines Foulspiel gelang ihm gar nicht. Ich möchte darauf wetten, dass er beim Schiedsrichter recht bald schon in der Schublade “lässt sich fallen” lag und unklare Situationen nicht mehr für ihn gepfiffen wurden. Mich beruhigte zudem, dass Antonio da Silva  im Mittelfeld gegen die Überzahl pressender Kölner den Ball behauptete und dann den Pass in den freien Raum spielen konnte. So mussten die Kölner vorsichtiger werden bei ihrem frühen Angreifen, konnten nicht mehr so offensiv auf den Ball gehen.

Julian Koch wurde nun das zweite Mal eingewechselt, und erneut war im Ansatz zu sehen, welche Dynamik er dem Spiel des MSV Duisburg verleihen kann. Schon jetzt, wo er natürlich noch etwas langsamer wirkt als in seiner ersten Saison bei uns, schon jetzt besitzt sein Antritt jene Grundschnelligkeit, dass er mit dem Ball am Fuß sicher in die Lücken der Abwehrreihen stoßen kann, um anschließend den entstandenen Freiraum zu nutzen. Er hat dann das Auge für den Pass. Für den ganz langen Sprint braucht er noch etwas Zeit. Noch sorgt mich zudem jeder seiner langen Schritte bei den Balleroberungen in der Defensive. Das ist sein Spiel schon früher gewesen. Aber es ist auch genau dieses Spiel, das zu seiner schweren Verletzung geführt hat. Dann denke ich und hoffe, er wird sehr genau lernen, wann dieser lange Schritt einfach zu risikoreich ist. Felix Wiedwald braucht übrigens nicht nur wegen der vor allem durch ihn verschuldeten roten Karte für Branimir Bajic zusätzliche Trainingseinheiten im weiten Abschlag beziehungsweise Passen.

In diesem Spiel das torlose Unentschieden gehalten zu haben, wird die Mannschaft weiter zusammenschweißen. Dieses Spiel gibt uns Zuschauern aber auch eine Lektion, weil die spielerische Qualität vom 1. FC Köln, wie erwartet, nicht besser war als die des MSV Duisburg. Das Kölner Publikum war unzufrieden mit der Leistung seiner Mannschaft und pfiff sie schon zu Beginn der Halbzeitpause aus, ganz zu schweigen von der Verabschiedung nach dem Spiel. Mich freute diese Unmutsbekundung, weil ich hoffte, sie könnte die Kölner Mannschaft noch mehr verunsichern. Diese Mannschaft bemühte sich. Sie bemühte sich so, wie es der MSV Duisburg in seinen Heimspielen auch immer tat. In solchen Spielen hat es die verteidigende Mannschaft einfach leichter, die Zuschauer  zu begeistern. Sie braucht nichts mehr zu tun, als sich der angreifenden Mannschaft mit Leidenschaft entgegen zu stellen. Die angreifende Mannschaft braucht spielerische Lösungen, um diese Defensive zu überwinden. Die Leidenschaft der angreifenden Mannschaft kann meist nur unsichtbar bleiben. Spieler etwa, die steil laufen und nicht angespielt werden, wirken nicht stimmungshebend. Obwohl sie sich bei ihrem Lauf anstregen, also Leidenschaft zeigen.

Deshalb war ich auch nicht glücklich über diese in der Öffentlichkeit kolportierte Brandrede von Ivica Grlic vor dem Spiel gegen den 1. FC Köln. Es ginge jetzt nur um drei Buchstaben, oder was hat er nochmals gesagt? So etwas geht in Heimspielen nach hinten los, weil es einen ungerechten Vorwurf befördert, eine Stimmung befeuert, die die Mannschaft nur weiter verunsichert. Noch einmal, im Spiel nach vorne sind Mannschaften wie der MSV Duisburg und, wie wir gesehen haben, der 1. FC Köln nicht präzise genug, um leidenschaftliche Eindrücke zu hinterlassen. Um in der Offensive ein Bild von Leidenschaft zu wecken, braucht es Schnelligkeit und Dynamik. Bei engen Räumen auf dem Spielfeld sind dazu große Präzision im Zusammenspiel und sehr gute technische Fähigkeiten nötig. Beides ist beim MSV Duisburg nicht stabil vorhanden. Was nicht bedeutet, dass ein Spiel sich nicht dahin entwickeln kann. Aber die Stimmung trägt dazu mit bei. Deshalb wäre das Duisburger Publikum gut beraten, es nicht dem Kölner Publikum gleich zu tun und die immer mögliche Enttäuschung gegen die Mannschaft zu richten. Man braucht sie nicht zu  bejubeln, wenn sie schlecht spielen. Der Vorwurf mangelndens Einsatzes ist bislang aber durchweg ungerecht. Das Spiel gegen den FC Erzgebirge Aue wird, so meine ich, deshalb nicht nur zur Prüfung für die Mannschaft. Auch wir Zuschauer können uns wieder beweisen.

Und nun noch die Stimmen zum Spiel von Felix Wiedwald, André Hoffmann und Julian Koch.

Lesehinweis: Ivo Grlic im Gespräch mit Michael Wildberg

Kurzer Hinweis auf das bei der Zebraherde veröffentlichte Gespräch, das Michael Wildberg mit Ivica Grlic geführt hat. Das ist eine freundliche Plauderei, bei der Ivo kurze Blicke auf seinen beruflichen Weg vom Spieler zum Sportdirektor gewährt. Inhaltlich geht es viel um Atmosphärisches, um Absichtsbekundungen, die jetzt nicht überraschen, aber für die Stimmung rund um den MSV notwendig sind. Denn letztlich geht es um Wertschätzung der Fans und die Attraktivität des Arbeitsplatzes Duisburg für Berufsfußballer.

Die Zwischenzeit

Machen wir es heute kurz. Das hat also nicht geklappt von “zero to hero” im Auswärtsspiel gegen den TSV 1860 München. Allerdings gehört das von mir erhoffte Mottolied des Tages auch in das Finale des Disney-Films “Hercules” und bis dahin musste unser Held eine Reihe von Prüfungen bestehen. Er musste sich zum Held erst entwickeln. Insofern wäre ein Song aus dem Film, der  früher erklingt, als Mottolied  sehr viel realistischer gewesen. “Bleibt nur eine Hoffnung” wird da in der deutschen Fassung gesungen, und zu dem Zeitpunkt wirkt unser Held noch etwas tölpelhaft, macht viele Fehler, ist aber gewillt sich ausbilden zu lassen, um all die bevorstehenden Kämpfe zu bestehen und als Held in den Olymp zurückkehren zu können. Ich möchte sagen, das beschreibt ungefähr den Eindruck, den die Mannschaft gestern bei der 0:3-Niederlage auf mich gemacht hat.

Zum ersten Mal in dieser Saison habe ich eine Mannschaft gesehen, die sich trotz des Gegentores bemühte mitzuspielen.  Der frühe Rückstand gehört noch in die Kategorie tölpelhafte Fehler. Im Gegensatz zu den ersten Spielen dieser Saison stand danach aber die Niederlage noch nicht fest. Zum ersten Mal konnten wir für einige Zeit auf Chancen zum Ausgleich hoffen. Das ist ein Fortschritt. Egal, ob TSV 1860 München nun schlechter als sonst gespielt hat. Wir wissen aus dem Dresden-Spiel, bislang musste das nicht erwähnt werden, weil das Spiel des MSV Duisburg losgelöst von allen Umständen miserabel war. Nun beginnen wir uns Gedanken zu machen, warum die Mannschaft eine bessere Leistung zeigte. Man geht erfolgreicher durch das Leben, wenn man auch kleine Erfolge wahrnimmt und sie sich als eigene Leistung zuschreibt. Das all denen gesagt, die unken, da habe sich nichts getan, die anderen seien nur schlecht gewesen.

Dennoch hat der MSV Duisburg hoch verloren. Das gehört mit zu dem erhofften Erfolg in der Zukunft: die realistische Einschätzung der eigenen Leistung. Die Mannschaft muss sich weiter verbessern. Mit der in München gezeigten Qualität steigt sie trotzdem ab. Bis Kosta Runjaic die Arbeit aufnimmt, befinden wir uns aber nur in einer Zwischenzeit. Die weitere Verbesserung scheint mir deshalb nicht unwahrscheinlich. Zumal im Laufe der Saison zumindest ein Teil der nun verletzten Spieler zu guter Form finden sollte. Wie anders wirkte die Mannschaft alleine dadurch, dass sie sehr viel früher als in den ersten Spielen den Gegner attackierte. Das trauten Ivica Grlic und Bernard Dietz der Mannschaft trotz all der Verletzten also zu. Diese Einschätzung stimmt mich hoffnungsfroh, weil auch Kosta Runjaic, so seine Verpflichtung morgen hoffentlich verkündet wird, seine Mannschaften wohl meist früh den Gegner angreifen lassen möchte. Die Spieler brauchen also vor allem Orientierung. Kosta Runjaic kann sie ihnen geben und ist damit aber nicht in der Rolle des Herkules, wie die Kollegen von der WAZ prophezeien. Er ist eher der Lehrer des Hercules, Philoctetes, der mit seiner erfolgreichen Arbeit, die Grundlage für die glorreichen Taten unseres Helden legt. Denn die Herkules-Arbeit muss die Mannschaft bewältigen, die bei realistischer Betrachtung nach dem sechsten Spieltag einen Punkt aus dem Spiel gegen den VfL Bochum haben wird. Es versteht sich von selbst, ich erhoffe mir mehr. Noch immer braucht es dazu aber sehr viel Glück.

Halbherziger Boulevard zeigt den Dilettantismus bei der WAZ

Es ist schon schwierig mit den Strukturen. Immerzu gibt es da eine Vergangenheit, die sich in der Gegenwart bemerkbar macht. Bei der WAZ etwa heißt diese Vergangenheit Lokalzeitung für ein sehr gemischtes Lesepublikum, und die schleppt so eine WAZ der Gegenwart immer mit sich, wenn sie es in Krisenzeiten mal so richtig populistisch krachen lässt. Mein Gott, was muss dann da für eine dicke, fette Überschrift noch an Text alles drunter. Die Leser erwarten einfach längere Artikel als in der BILD. Dabei reichen sechs, sieben Sätze für so eine Überschrift: “Der Reck-Rauswurf zeigt den Dilettantismus beim MSV Duisburg”.  Damit wäre die empörte Volksseele auch wunderbar bedient. Daneben das Foto einer nackten Spielerfrau gesetzt, und schon steigen die Klickzahlen ins Unendliche.

Dann fiele auch nicht weiter auf, dass der Dilettantismus mit nicht einem Satz im Text weiter begründet wird. So aber steht der WAZ-Journalist plötzlich nackt da, denn das jedem sichtbare Geschehen soll schon hinreichend für ein Urteil sein? Nachher ist immer alles leicht bewertbar. Was wäre denn, wenn Jürgen Gjasula gesund geblieben wäre? Ich behaupte, dann könnte man von einem mittelprächtigen Saisonanfang berichten und müsste eigentlich das gleiche Urteil fällen. Lauter Dilettanten beim MSV Duisburg! Können nicht mal verhindern, dass die Spieler erkranken und sich verletzen.

So könnten sich die Journalisten bei der WAZ eigentlich in derselben Situation wie die Verantwortlichen beim MSV Duisburg fühlen. Immerzu müssen sie sich mit alten Strukturen auseinander setzen. Sie sind zwar auf einem guten Weg zum Neuen, dem Boulevard, indem sie die letzten zwei Jahre in diesem Verein unterschiedlos zusammenrühren. Der Rest aber wirkt noch etwas dilettantisch. Doch dafür kann ja der einzelne Journalist nichts. Das sind die Strukturen. Das dauert bis eine Lokalzeitung so verändert ist, dass man nur noch Meinung und keine Analyse mehr erwartet.

An der Analyse versuche also ich mich einmal. Zugegeben auch nur per äußeren Ansehen, doch mit nachvollziehbaren Begründungen, so dass überhaupt irgendetwas argumentativ verhandelt werden kann. Die Strukturen, das ist das entscheidende Stichwort auch beim MSV Duisburg. Da gab es einen Verein, dessen Organisationsstruktur ganz auf die Persönlichkeit Walter Hellmichs abgestellt war. Als Erfolge ausblieben, war sogar Walter Hellmich selbst nicht mehr glücklich damit und meinte, es sei besser, zu gehen. Mitentscheiden über das, was kommt, wollte er aber auch.

Wenn Macht so konzentriert war, wie in seiner Vergangenheit, ist es nicht einfach, das entstehende Vakuum zu füllen, besser noch eine Struktur zu schaffen, die in Zukunft gar nicht erst so ein Vakuum entstehen lässt. Andreas Rüttgers erst versucht das, und er geht dabei mit Menschen um, die schon länger als er im Unternehmen MSV Duisburg, diesem dem Verein ausgelagerten Profi-Betrieb, Verantwortung tragen. Das sind schwierige Konstellation. Denn auch diese Menschen, sagen wir Roland Kentsch,  haben Verträge und Vorstellungen von erfolgreichem Arbeiten. Das ist normal und nicht verwerflich. Niemand kann also einfach daher gehen,  irgendetwas Neues in Gang setzen. Nicht einmal ein Wunderonkel mit viel Geld könnte das, um die Hellmich-Linie mit einem neuem Namen fortzusetzen. Auch er müsste mit vorhandenen Strukturen umgehen. Ihm ginge das leichter von der Hand, weil es auf den ein oder anderen Euro nicht ankäme.

Reden wir also vom Geld. Dieses Geld gibt den Rahmen vor. Bruno Hübner ging, weil er ein attraktiveres Jobangebot bekam. Die Modalitäten seines Wechsels sind fragwürdig, aber von den gegenwärtigen Personen im Verein nicht zu verantworten. Was macht also der Name Bruno Hübner in dem oben genannten Artikel? Er ist einfach ein bisschen Feuermaterial für die Stimmung. Weiter im Text. Der MSV Duisburg hat immer noch zu wenig Geld, auch nach dem Weggang von Bruno Hübner. Milan Sasic fehlt zudem der Konterpart, damit er nicht erneut in alte Fehler seiner Persönlichkeit verfällt. Hat damit irgendeiner der derzeit Verantwortlichen etwas zu tun?

Milan Sasic ist nicht erfolgreich. Als kostengünstigste Lösung tritt Oliver Reck die Nachfolge an. Unterstützt wird er von Uwe Schubert. Es ist ein ungewöhnliches Modell. Die Entscheidung ist nachvollziehbar. Inzwischen ist auch Andreas Rüttgers Vereinspräsident geworden und besitzt im Gegensatz zu seinem Vorgänger Dieter Steffen Vorstellungen darüber, welche Voraussetzungen für die zukünftige Entwicklung des MSV Duisburg geschaffen werden müssen.

Doch bei Entscheidungen in diesem Verein stehen die Verantwortlichen immer vor der Frage, wohin fließt das Geld am besten. Geht das Geld in die Verpflichtung eines neuen Spielers oder bringt es uns stattdessen im Jugendbereich weiter? Verpflichten wir einen externen Sportdirektor, der die Gegebenheiten vor Ort erst kennenlernen muss, so also betriebswirtschafltlich gesehen, zusätzliche Kosten produziert oder nehmen wir jemanden, der sich im Verein auskennt, aber nicht ganz so erfahren ist. Die zweite Variante wurde gewählt. Mit Erfolg! Die Verpflichtungen von Ivica Grlic habe ich nach dem ersten Spieltag gelobt. Und ich bleibe bei meinem Urteil. Er hat mit den vorhandenen finanziellen Möglichkeiten, den Kader nicht schlechter gemacht, eher potentiell verstärkt. Die Ausfälle hat er nicht zu verantworten.

Beim Kaderumbau sind lang laufende Verträge zu berücksichtigen. Wieder stehen die Verantwortlichen vor der Frage, was tun? Versprochen war Kontinuität. Diese Kontinuität wurde zum ersten Mal seit längerem erfüllt. Dass das jetzt nicht funktioniert, wusste vorher niemand. Man muss Pläne erst einmal in die Wirklichkeit umsetzen.

Es bleibt alleine ein möglicher Kritikpunkt, und das ist die Verlängerung des Vertrages von Oliver Reck zu einem Zeitpunkt, in dem er erfolgreich war. Ich finde ihn sympathisch, und er hat mit dazu beigetragen, dass dem MSV Duisburg in der letzten Saison der Klassenerhalt gelang. Dafür gilt ihm unser aller Dank. Nun jedoch wird  Oliver Reck von vielen als ein Opfer angesehen. Aber bitte schön, der Mann ist erwachsen. Er kann frei entscheiden. Trage ich die Gegebenheiten mit. Oder denke ich, das kann eigentlich nicht gelingen. Der Kader ist zu dünn. Die Ausfälle werden uns zu Saisonbeginn chancenlos machen. Außerdem spüre ich das Misstrauen meiner erfahrensten Spieler Bajic und Sukalo – was so kolportiert wird. Das mache ich nicht mit. Da habe ich Gesprächsbedarf mit Ivica Grlic. Da geht es nicht um Loyalität. Da geht es um professionelles Arbeiten.

Also, das wäre eine Aufgabe eines ernst zu nehmenden Journalismus. An der Stelle müsste im Verein und bei Oliver Reck nachgefragt werden. Das müsste eingeordnet werden, denn jeder hat auch eigene Interessen in dieser Branche. Leichter ist es natürlich, in den Chor des tobenden Mobs mit einzustimmen. Wie gesagt, das ist schon mal keineswegs dilettantischer Boulevard. Schließlich eröffnen sich Möglichkeiten, wenn diese Stimmung befeuert wird. Platzsturm! Darüber kann man sich dann auch wieder heillos empören. Mit fetten Schlagzeilen. An der Textlänge und den Fotos der nackten Spielerfrauen muss allerdings noch gearbeitet werden.

Ich mache mir den Hoffnungsschimmer selbst

Es hilft nichts, ich muss mir meine Gedanken zum Saisonverlauf erst einmal unabhängig von Ergebnissen machen. Nicht wegen der 2:0-Niederlage, sondern wegen der Spielweise der Mannschaft des MSV Duisburg beruhigt mich die Unabhängigkeit von dieser Mannschaft ein wenig und gibt mir einen versöhnlichen Ausblick auf diese Saison. Vielleicht passt sich die Mannschaft dem ja nach und nach an. Gedanke für Gedanke mit Rückkopplungseffekten ohne Garantie: Auch eine Welt als Wille und Vorstellung.

Im Moment kommt von der Mannschaft nämlich nichts. Von den Trainern kommt ebenfalls nichts. Zudem lässt sich Präsident Andreas Rüttgers von Journalisten aufs Glatteis führen, kommentiert die Trainerfrage im allgemeinen und gibt damit die Möglichkeit, irgendetwas zur Situation von Oliver Reck zu schreiben. Da hilft das Statement von Ivo Grlic auch nicht viel weiter, so etwas gehöre nicht in die Öffentlichkeit. Wo er meiner Meinung nach recht hat, war Andreas Rüttgers vielleicht naiv. Andererseits: Vielleicht war Andreas Rüttgers aber auch zeitgeistgemäß transparent, sodass Ivo und ich unrecht haben. Ach ja, worüber man sich alles so seine Gedanken macht, wenn die Mannschaft entsetzlich spielt. Was aber auch nicht weiter stört, da niemand im Verein anscheinend weiß, was gerade notwendig ist.

Es ist aber etwas notwendig. So dramatisch erlebe ich diese zwei Niederlagen, weil nicht zu begreifen ist, wieso ein wenig veränderter Kader, eine derart unzusammenhängende Spielweise abliefert. Das will ich erklärt haben und nicht mit allgemeinem nichtssagenden Trainer-Gerede. Ich will wissen, was sich das Trainergespann zur Spielweise überlegt hat, sonst kann ich nur den Schluss ziehen, sie können es nicht. Was ich aber nicht vermuten will, angesichts des Rückrundenverlaufs. Ich begreife nicht, was in diesem Kader vorgegangen ist. Ich begreife allerdings auch nicht, warum Maurice Exslager im Spiel gegen Regensburg hoch angespielt werden soll. Oder war das aus der Not mangelnder Spielgestaltung heraus geboren und eigentlich nicht so geplant? So etwas braucht längere Erklärungen der Trainer, sonst wird die Stimmung rund um den MSV Duisburg ganz schnell gekippt sein, so sehr, dass nach einem heute mir doch sehr wahrscheinlich vorkommenden Pokal-Aus gegen Halle nichts mehr geht. Darüber müsste sich Ivo Grlic im Klaren sein. Natürlich müssen Probleme intern geklärt werden. Derart schlechte Leistungen brauchen aber eine Erklärung in der Öffentlichkeit.

Selbst der Sportjournalist der Süddeutschen Zeitung Markus Schäflein widmet angesichts dieses Spiels dem MSV Duisburg einen ganzen Abschnitt Fragen. Man muss sich vor Augen führen, eigentlich erfolgt seine Berichterstattung aus eben jener süddeutschen Perspektive und der Schwerpunkt liegt beim Heimverein. Doch die Leistung des MSV Duisburg war zu schlecht, um sie nach einer freundlichen Einleitung zum Regensburger Erfolg unkommentiert zu lassen: “Es ist schade, dass man dieses kleine Märchen mit einigen Fragen an den MSV Duisburg unterbrechen muss. Wieso wirkte die Duisburger Verteidigung nicht nur bei diesem Gegentor so indisponiert? Warum reichte ein einziger Schlag, um Adli Lachheb in die Not zu bringen, den Elfmeter zu verursachen und mit Rot vom Platz zu fliegen? Wieso holte sich eien Viertelstunde vor Schluss Kevin Wolze mit einer unmotivierten Grätsche einen weiteren Platzverweis ab? Was ist überhaupt mit dieser Mannschaft los, die ja zum Auftakt schon 1:4 im Heimspiel gegen den VfR Aalen verloren hatte? Trainer Oliver Reck wählte jedenfalls die in solchen Momenten üblichen Worte. Man werde ‘jetzt noch enger zusammenrücken, kämpfen, beißen, uns wehren.’” Online ist das noch nicht zu lesen.

Genau solche Worte von Oliver Reck reichen leider nicht aus. Niemand braucht am Anfang einer Saison Durchhalteparolen. Nötig sind Erklärungen zu den Absichten. Wie gesagt, es sind nicht die Ergebnisse dieser zwei Spiele, sondern es ist das völlig hilflose Agieren der Mannschaft. Beim sorgenlosen Blick in die Zukunft muss die Mitwirkung dieser Mannschaft deshalb leider ausgeblendet werden. Wenn die Verantwortlichen beim MSV Duisburg meine Haltung zu diesem Verein kennen würden, müsste dort nicht nur Unzufriedenheit herrschen und die übliche Fehleranalyse betrieben werden. Es müsste Alarm auf allen Vereinsebenen herrschen. Jedem müsste klar sein, die Katastrophe ist nicht mehr unwahrscheinlich, aber wir haben noch Zeit, etwas zu tun. In meinem Leben mit dem MSV Duisburg habe ich bei allen Mannschaften bis zum etwaigen schlechteren Ende immer auch Möglichkeiten erkennen können, wie sie im nächsten Spiel besser hätten spielen können. Wenn ich nun aber nach den ersten zwei Spieltagen an eine nächste Saison mit dem MSV Duisburg in der Zweiten Liga denke, kann ich auf die jetzige Mannschaft nicht zählen. Da muss ich mir meine Mannschaft selbst machen. Als einziger Hoffnungsschimmer mit Bezug zur Realität bleibt die Zeit. Erst der dritte Spieltag steht bevor.

Und wer sich für Oliver Reck im O-Ton nach dem Spiel interessiert:

 

Saisonvorbereitungsabschluss – Applaus für Ivo und Co

Bevor es gleich nach Duisburg geht, möchte ich die Saisonvorbereitung abrunden mit einem Applaus für Ivica Grlic. Wir haben in der letzten Saison erlebt, ohne Jürgen Gjasula blieb die Spielweise des MSV eindimensional, und es musste in einem Spiel auf viel Glück für den Erfolg gehofft werden. Der Ausfall von Jürgen Gjasula hatte also einen erfolgreichen Saisonauftakt sehr erschwert – bei allen immer vorhandenen Hoffnungen auf einen anderen Verlauf des zu Erwartenden. In dieser Situation Antonio da Silva für ein Jahr zu verpflichten, ist eine erste sehr besondere Leistung von Ivo Grlic als Sportdirektor. Der finanzielle Rahmen des Vereins ist eng, und dennoch findet Ivo Grlic nicht einfach nur eine Notlösung. Es kann sein, dass nach der Gesundung von Jürgen Gjasula die Mannschaft insgesamt besser werden kann. Das sind selbstverständlich nur Möglichkeiten, doch angesichts der Rahmenbedingungen ist die Hoffnung auf diese Möglichkeit ein Erfolg.

Der Applaus gilt aber auch dem, was mit der Verpflichtung meiner Meinung nach auch deutlich wird. Ivica Grlic musste dieses Mal zwar nicht direkt mit Michael Zorc verhandeln, dennoch liegt die Vermutung nahe, dass Informationen fließen, wenn ein Spieler zuvor in Dortmund zwei Jahre unter Vertrag war.  Sicher, ich spekuliere ein wenig, aber die geschäftliche Verbindung des MSV Duisburg zu Borussia Dortmund macht diese Verpflichtung sicher nicht schlechter. Das fehlende Netzwerk, das war die einzige größere Sorge nach der Verkündung, Ivica Grlic werde Sportdirektor beim MSV. Ich denke, wir haben gerade miterlebt, wie einige Taue in diesem Netzwerk fest verknüpft und belastbar sind.

Es gibt auch so was von verdreckte Unentschieden

Am 2. März war es, im Spiel gegen die SpVgg Greuther Fürth, an jenem Freitag zeigte die Mannschaft vom MSV Duisburg die für ein paar Wochen vermisste Spielstärke und den Willen wieder, auch in der kommenden Saison in der 2. Liga zu spielen. Die Mannschaft war dem Tabellenführer ein ebenbürtiger Gegner. Das Spiel ging dennoch verloren. Fürths Trainer Mike Büskens sprach damals von einem “dreckigen Sieg” seiner Mannschaft. Seitdem überzeugte die Mannschaft vom MSV Duisburg in weiteren sieben Spielen. Da darf dann auch mal ein schlechtes Spiel an der Reihe sein. Wenn dieses schlechte Spiel nun nicht einmal verloren geht, sollte sich eigentlich niemand ärgern. Mit Mike Büskens im Sinn, ließe sich sagen: Das 0:0 gegen Eintracht Braunschweig war ein dreckiges Unentschieden. Es wurde mit Haken und Ösen erkämpft. Glück kam hinzu. Und schon wieder hatte der MSV Duisburg einen Punkt mehr, als ich in meinem Worst-Case-Tabellenrechner-Szenario angenommen hatte. Es ist alles eine Frage der Perspektive, wie zufrieden einen Ergebnisse stimmen.

Auch Oliver Reck scheint die richtige Perspektive beim Blick auf die Spielweise seiner Mannschaft einzunehmen. Wenn ich mich an seine zur kurzen Freude geballten Fäuste nach dem Abpfiff erinnere, erkenne ich eine von seinen Qualitäten. Da weiß einer Situationen richtig einzuschätzen und die entsprechende Zufriedenheit zu empfinden. Gleichzeitig zeigt seine Stellungnahme nach dem Spiel aber auch, diese Zufriedenheit geht sehr wohl einher mit realistischer Analyse. Auch er weiß, seine Mannschaft hat kein gutes Spiel gemacht. Aber Ärger? Ivica Grlic neben ihm machte mir nach dem Abpfiff auch nicht den Eindruck, als ob sich da einer ärgert. Für DerWesten nimmt Dirk Retzlaff aber diesen Ärger wahr. Irgendwie sieht dort die Welt für den MSV Duisburg immer ein bisscherer düsterer aus, als ich es erkenne. Komisch. “Da klang Ärger durch” heißt es als wertender Zusatz zu Worten, denen kein Ärger inne wohnt, sondern nur realistischer Blick auf das Spiel. Roland Kentsch wird zitiert: “Ein schlechtes Spiel, wir haben Glück gehabt”. Und Ivica Grlic hat gesagt: “Wenn wir die Leistung der letzten Wochen abgerufen hätten, wären wir auch in Braunschweig als Sieger vom Platz gegangen. Dann wäre die Sache erledigt gewesen“. Da müsste mehr Beleg für Ärger kommen, damit mein Eindruck durch die TV-Bilder nach dem Spiel irritiert würde.

Ich kann mit dem Unentschieden also gut leben, und habe auch nicht einen Moment das Gefühl, die Mannschaft habe gestern irgendetwas verpasst. Laut DerWesten soll das die vorzeitige Sicherung des Klassenerhalts  gewesen sein. Alles zu seiner Zeit. Der Spieltag ist erstens noch nicht zu Ende, zweitens lässt sich so ein Klassenerhalt auch nächste Woche problemlos festzurren. Sprich: Schon morgen Abend könnte die Überschrift zum Spielbericht auch lauten: Dreckiges Unentschieden sichert Klassenerhalt! Dazu reicht schon, dass der KSC morgen nur Unentschieden gegen den SC Paderborn spielt. Nicht so unwahrscheinlich. Und wenn nicht, feiern wir am nächsten Sonntag nach dem Sieg gegen Aue im Stadion alle gemeinsam. Auch eine schöne Aussicht.

Stark gespielt, nicht belohnt und kein zögerlicher Vorstand

Eigentlich schien das Spiel nach der ersten Halbzeit schon verloren gewesen zu sein. Der Tabellenführer aus dem Süden besaß die bessere Spielanlage und ließ der Mannschaft aus dem Westen des Ruhrgebiets nur wenig Chancen. Ein Abstiegsplatz drohte. Doch nach dem zwischenzeitlichen 15-Punkte-Rückstand kurz nach der Halbzeitpause drehten die Frauen von New Basket 92 Oberhausen im Bundesliga-Spiel gegen USC Eisvögel Freiburg durch eine konzentrierte, aggressive Defense die Begegnung. Mit einem 66:61-Sieg der Oberhausenerinnen endete das begeisternde Spiel in der Willy-Jürrissen-Halle. Ein Ende voll Glück für die Heimmannschaft, was dem Verein meiner Zuneigung im Männerfußballspiel am Tag zuvor in ähnlicher Konstellation nicht vergönnt war.

Auch wenn ich als Zuschauer zum ersten Mal beim Damen-Bundesligabasketball in Oberhausen dabei gewesen bin, ich habe mich mitreißen lassen und ein wenig von dem nachgeholt, was am Freitagabend ebenfalls lange Zeit möglich schien. Begeisterung über einen Sieg gegen den Spitzenreiter. Ein kleiner Trost.

War das am Freitag gar das beste Spiel der Saison vom MSV Duisburg? Zumindest war so eine Spielkultur von der Mannschaft schon lange nicht mehr zu sehen gewesen. Sie bot abwechslungsvolle Kombinationen, variantenreiches Spiel aus dem Mittelfeld heraus und große Einsatzbereitschaft. Ihr gelang es, das Spiel selbst zu gestalten und die offensiv beginnenden Fürther so in Verlegenheit zu bringen, dass sie gezwungen waren, sich weiter zurück zu ziehen. Nach der Halbzeitpause wurden die Fürther für zehn, fünfzehn Minuten geradezu in ihrer Hälfte eingeschnürt.

Dennoch war es ein Spiel mit nur wenigen wirklichen Torchancen und Fürth steht in der Tabelle oben, weil die Mannschaft aus diesen wenigen Chancen ihr Tor machen kann. Der MSV steht am unteren Ende der Tabelle, weil die wenigen Chancen für genau dieses Tor nicht ausreichen. Wäre das Tor für den MSV gefallen, die Mannschaft hätte sich in einen Rausch spielen können.

Jürgen Gjasula zeigte auch unter Druck im Mittelfeld, was der Verein sich von ihm erhofft hatte. Er forderte den Ball, behauptete ihn und spielte jene überraschenden Pässe, die eine Abwehr vor Schwierigkeit stellt. Maurice Exslager zeigte für mich zum ersten Mal neben seinem immer vorhandenen Einsatzwillen und seiner Grundschnelligkeit jenen Mut zum risikoreichen Spielwitz, der einen Stürmer erst unberechenbar macht für seine Gegenspieler. Natürlich war nicht alles rosig, es gab bekannte Schwächen. Emil Jula etwa war eine Art taktischer Kompromiss in diesem schnellen Kombinationsspiel. Es war ein offenes Spiel, und je länger es dauerte, desto mehr fürchtete ich den einen Fehler, der dieses Spiel entscheiden würde – diesen einen Moment zu viel Raum, der einem Fürther Spieler gelassen werden könnte. In der 78. Minute passierte es, und statt der Mannschaft brach ich als Zuschauer danach vollkommen ein. Die Enttäuschung war für mich in dem Moment zu groß. Dagegen versuchten die Spieler vom MSV Duisburg mit letztem Willen in irgendeiner Weise noch ein Tor zu erzielen. Hoffnung hatte ich keine mehr. Wie sollte das bei der enger gewordenen Abwehr möglich sein, wenn es doch schon im offenen Spiel misslungen war.

Einerseits machen mir diese vergeblichen Versuche der Mannschaft Mut. Die Mannschaft brach nicht auseinander. Wenn die Spieler diese Niederlage psychisch aushalten, werden sie schwächere Gegner mit eben dieser Spielweise schlagen können. Andererseits ließen sich aber auch während des Spiels immer wieder Spuren jener Einstellung erkennen, die den Leistungswillen einer Mannschaft torpedieren. Da wird der Ball verloren, und es wird resigniert der Kopf gesenkt oder mit weit ausladenden Armen lamentiert. Das sollte strikt verboten sein. Da brauchen ein paar Leute, ich kann mich jetzt nur an die Kollegen Brosinski und Gjasula erinnern, noch einmal ein paar deutliche Hinweise.

Natürlich fehlt auch nach diesem Spiel die Zeitungskritik nicht. Als ich gestern diesen Artikel bei Der Westen überflog, las ich sofort die vorgefasste Meinung, wie der MSV Duisburg in der Abstiegsregion journalistisch zu begleiten ist. Schon die Überschrift wirkt tendenziös durch den Griff zum Klischee: “MSV Duisburg taumelt dem Abstieg entgegen.” Gedankenlos? Bewusst? Da taumelte am Freitag nichts beim MSV Duisburg. Wenn wurde da eine Mannschaft gefällt oder was auch immer. Das ist keine beckmesserische Sprachkritik. Wirklichkeit wird auch durch Sprache gemacht. Eine taumelnde Mannschaft ist nicht mehr Gestalter des eigenen Schicksals. Davon konnte am Freitag nicht die Rede sein. Im Text selbst wird zudem am Anfang behauptet, der Vorstand handele zörgerlich. Auch das ist eine Wertung, die an der Wirklichkeit vorbeigeht. Die Wertung erfolgt mit der Begründung, die Grlic-Aussage sei als Ultimatum verstanden worden. Ja, bitte, von wem denn? Doch erst einmal nur von BILD und den Journalisten aus dem WAZ-Konzern, die in dem Absatz des Artikels so tun, als sei das jemand anders gewesen. Sie schufen also die Wirklichkeit erst, mit der sie ihre Wertung begründen. Das scheint mir wenig seriös zu sein.


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