Dieses Netzvirus brauchte drei Monate, um mich zu erreichen. Anfang November letzten Jahres schon veröffentlichte der niederländische Fußballverband KNVB folgendes Video mit der netten Bildidee vom schwulen Fußballer, der beim Spiel im Schrank eingepackt ist. Per Pressekonferenz verschaffte der Verband dem Spot sogar europäische Medienpräsenz. Die Botschaft wie immer, bekenne dich zu deinem Leben.
Die im Spot gezeigte Welt ist ja die des Amateurfußballs und zwar die der unteren Ligen. Nach meiner Erfahrung ist es in dieser Welt des Sports doch etwas einfacher, zu allem zu stehen, was einen ausmacht. Bei der Wahl eines Vereins auf dieser Spielebene mischen sich sportliche mit sozialen und emotionalen Kriterien. Man spielt eher dort, wo die Chemie stimmt und wenn die stimmt, stimmt sie wegen der Persönlichkeit. Daraus entstehen keine großen Geschichten für die Öffentlichkeit. Da geht es um alltägliches Leben, dem Miteinander von unterschiedlichen Menschen, die sich mit ihren Vorlieben und Abneigungen irgendwie arrangieren müssen. Das gelassene kölsche “jeder Jeck is anders” scheint mir da kein schlechter Rat zu sein, um sich für andere zu interessieren.
Vor einem Jahr rief eine Gruppe von Sportbloggern die “Aktion Libero” ins Leben. In der Welt der Sportblogs sollte das Engagement gegen Homophobie, insbesondere in der Welt des Fußballs, einen ständigen publizistischen Ort erhalten. Sportblogger kamen als Unterstützer und Multiplikatoren hinzu. Seitdem wirkt die “Aktion Libero” mit daran, die Diskriminierung von Homosexuellen in der Welt des Fußballs zu mindern.
Anlässlich des Jahrestages der Gründung des Netzwerks veranstaltet die “Aktion Libero” am kommenden Samstag in Köln einen Diskussionsabend. Über die Rolle der Medien bei dem Thema Fußball und Homosexualität soll dabei geredet werden.
Hier das Ganze noch einmal in kompakter Form
»Fußball und Homosexualität – die Rolle der Medien«. Samstag, 17. November 2012 Zeit: 19 Uhr Ort: Musikclub Zum Scheuen Reh,
Hans-Böckler-Platz 2, 50672 Köln
An dem Abend diskutieren: Ronny Blaschke, Journalist und Autor, der in dem Buch “Versteckspieler” die Geschichte des schwulen Fußballers Marcus Urban erzählt. Andreas Stiene, Gründer und Organisator des Come-Together-Cups in Köln und Mitgründer des schwul-lesbischen FC-Fanclubs »Andersrum Rut-Wiess«.Jan F. Orth, Präsidiumsmitglied und Pressesprecher des Fußballverbands Mittelrhein (FVM), sowie Beisitzer des DFB-Bundesgerichts. Dirk Leibfried, Journalist und Autor, der gemeinsam mit Andreas Erb das Buch “Das Schweigen der Männer. Homosexualität im deutschen Fußball” geschrieben hat. Die Gesprächsleitung übernimmt der freie Publizist Alex Feuerherdt, der auch bloggt und die »Aktion Libero« mit initiiert hat.
Schlager- und Popmusikrevuen im Theater sind in Sachen Unterhaltung eine sichere Bank. Denn längst gibt es einen generationenübergreifenden Kanon der Popkultur, der persiflierend genutzt werden kann. Den Herz-Schmerz-Schlagererfolg der 1970er ironisch gebrochen, die Männerthemen Fußball, Mütter, Frauen im Popsong, mal mehr, mal weniger parodistisch dargeboten, da kann man nicht viel falsch machen. So sei bei allen Einwänden vorab gesagt: “Männer – Ein Fußballliederabend” verlässt man in vergnügter Stimmung. Die Schauspieler kitzeln mit großer Spiellaune immer wieder komische Momente aus den typisierten Männerfiguren heraus, die Musik der Millionenhits erweist sich noch in der Parodie als kraftvoll und ein paar choreografierte Szenen parodieren die Ensemblebewegung von Musicals. Dynamik auf der Bühne, Spektakel fürs Auge.
Dennoch habe ich im ersten Drittel des Abends gedacht, gerade in Köln hätten für diese Art Schlager- und Popmusikparodie bessere Vorlagen geschaffen werden können als die mit einigem “FC-Jeföhl” bearbeitete Fassung des Liederabends von Franz Wittenbrink. In der Stunksitzung greifen Köbes Underground den Schlager- und Popmusikkanon meist witziger auf, weil dort das Original im parodistischen Zusammenhang pointierter genutzt wird, der innere Zusammenhang von Original und Parodie klarer herausgearbeitet wird. Denn das Fußballstadion als Ort für die klischierte Männerwirklichkeit geriet im Mittelteil etwas aus dem Blick. Die Vorlage wirkte also unausgegoren. “A propos”, hieß es deshalb öfter, ehe ein neues Lied angestimmt wurde. Das vom Titel des Abends versprochene thematisch konzentrierte Gesamtwerk erwies sich in Teilen als Nummernrevue, die offensichtliche Hilfskonstruktionen benötigte.
Dabei schien der Anfang auf dem Tribünenausschnitt als Bühnenbild die Richtung vorzugeben. Zur Ouvertüre von Don Giovanni durchlebten die Männer ein Fußballspiel mit all seinen Emotionen. Es folgten die per Schlager aufgegriffenen Männerstatements über die besonderen Frauen im Leben eines Mannes, über die großen Lieben, über die Mütter. Selbstbilder wurden mit “Sex Mashine” und “Ich brech die Herzen der stolzesten Frauen” zum Thema. Die “Bohemian” wurde zur “Barbecue Rapsody” und somit das Grillen als Lebensideal des Mannes gefeiert. Die Grönemeyer-Parodie fehlte nicht, bei der “Flugzeuge im Bauch” kongenial mit “Alkohol” geremixt wurde und in einem witzigen Grönemeyer-Zitatemix seiner Songs endete. Soli wechselten sich ab mit Chorgesang, und schließlich musste – wir sind in Köln – von Lukas Podolski Abschied genommen werden. “Time to say goodbye” hieß es, womit sogleich auch das Finale ankündigt war, in dem “Poldi” per Monstranz gehuldigt wurde . In 27 Stücken wurde der Mann also als Klischee dargeboten, und trotz des Rückgriffs auf Don Giovannis Schicksal in diesem Finale darf so ein Abend nicht mit allzu viel Bedeutung überfrachtet werden. Zu fern ist das wirkliche Leben, trotz des Verweises auf den Fußball. Nah ist dagegen die Popkultur, und die will und soll vor allem Stimmung machen.
Weitere Vorstellungen im November 11. und 27. November.
Mehr Duisburger als Kölner wissen durch ihr Mitlesen hier, sie alle leben für mich in benachbarten Stadtteilen einer imaginären Großstadt. So gehört das Literaturfest “Rheinlesen” meiner Meinung nach in die Veranstaltungskalender von Köln bis Hamm, zumal die “111 Fussballorte im Ruhrgebiet, die man gesehen haben muss” bei so einem Schaulaufen der lokalen Wortwerker natürlich nicht fehlen.
Leider ist Frank Baade am Samstag, dem 8. September, unabkömmlich, deshalb halte ich alleine um 14.30 Uhr für unser Buch im Hafenamt des Rheinauhafens die Fahnen hoch, lese daraus, werde womöglich mit dem Jürgen-Klopp-Arbeiterfußballlied ein Geheimnis seines Erfolges lüften und sehen, ob die technischen Gegebenheiten das Einspielen von legendären O-Tönen Joachim Hopps möglich machen. Sprich, wir haben rund um das Buch ein kleines Programm zusammengestellt, das etwas mehr verspricht als die reine Lesung. Zum Notieren nochmals übersichtlich und gebündelt.
111 Fußballorte im Ruhrgebiet, die man gesehen haben muss
Gestern Abend habe ich noch kurz einmal durch die Zeitungen vom Wochenende geblättert. Im Vermischten der Süddeutschen Zeitung fand sich folgende Notiz über das sehr eigenwillige Freizeitverhalten eines Kletterers.
Doch es blieb dem Kölner Stadt-Anzeiger vorbehalten die wahren Hintergründe dieses Vorfalls aufzudecken. Natürlich fällt das Kölner Journalisten leichter. Sie pflegen als Kölner bekanntermaßen ein besonderes Verhältnis zur Landeshauptstadt von Nordrhein-Westfalen und besitzen jenen feinen Sinn für die entscheidenden Eigenschaften, die in dieser Welt ein merkwürdiges Verhalten hervorrufen. Zu viel Alkohol spielt dabei nur eine nachrangige Rolle.
Schneller als im Schauinsland-Wedau-Stadion bin ich im Rheinenergie-Müngersdorfer-Stadion auch nicht. Ich spreche sowohl vom ÖPNV als auch vom Auto. Den vermeintlichen Vorteil einer schnellen Anreise zu einem der Auswärtsspiele bringt der Abstieg vom 1. FC Köln also nicht mit sich. Nun gibt es in meiner imaginären Stadt mit den beiden benachbarten Stadtteilen Köln und Duisburg zwei Zweitligisten. Und nur der eine von beiden wird in der nächsten Saison erst einmal am Anfang etwas vom Aufstieg erzählen. Diesen Aufstieg aber wird es mit großer Wahrscheinlichkeit nicht geben. Da gibt es im Moment niemanden beim FC, der die Planungen für die kommende Saison in die Hand nehmen wird. Da gibt es auch kein Geld. Da gibt es nur große Schulden. Beim Verein unserer Zuneigung sind wir da einiges weiter, wenn ich die noch fehlenden 2 Millionen Euro mal ganz kurz vergesse. Ich meine ja nur. Mit großer Sicherheit gibt es deshalb für lang verdiente Zweitligisten einen Aufstiegsplatz in der nächsten Saison zu vergeben. Ausdrücklich sei hier gesagt, ich denke nicht an den anderen Zweitligisten in meiner Stadt – und bin natürlich wie immer für alle Entwicklungen offen.
In unserer Gegenwart verschaffen Krankheiten manche Erleichterung. Wenn sich viele ganz alleine für das eigene Lebensglück verantwortlich fühlen, weil sie die letzten Jahre der vorherrschenden öffentlichen Meinung zu sehr glaubten, da entlastet es sehr, wenn Ärzte irgendwas entdecken, was einen am doch so möglichen Erfolg gehindert hat. Dann kann fürs erste die pharmazeutische Industrie helfen. Funny van Dannen weiß das. Nach einem sehr schönen Konzert im Kölner Gloria gestern Abend darf sich nun das Ruhrgebiet auf den Samstag in Bochum freuen. Dort heißt es für den Bahnhof Langendreer aber auch schon ausverkauft. Heute deshalb Funny van Dannen live mit seinem Trost für alle, die es nicht zum Fußballprofi geschafft haben:
Und als Zugabe eine Hymne für die Pott-Welt
Mein nachträglicher Dauer-Applaus für Funny van Dannen.
Das ist heute hier reine Werbung, aber keine Anzeige: Dreimal tritt Funny van Dannen in Nordrhein-Westfalen auf. Seine Konzerte versprechen spaßige und melodiöse Abende für überschaubares Geld. Am 21.4. im Bielefelder Kamp, am 26.4. im Kölner Gloria und am 28.4. im Bochumer Bahnhof Langendreer.
Wie immer bin ich hier auch um die Bildung der Jüngeren bemüht: Nana Mouskouri ist die mit der Brille und Mireille Mathieu ist die mit der Pagenfrisur.
In Köln, bei mir um die Ecke, findet in Dellbrück Mitte Oktober bis Anfang November irgendwann die Dellbrücker Jazzmeile statt. Das bedeutete in diesem Jahr zum fünfzehnten Mal bei freiem Eintritt drei Tage lang Musik hören in Kneipen, Ladenlokalen und Werkhallen. Ich weiß, manchen schreckt das Wort Jazz, doch wird der Jazz-Begriff dort sehr weit gefasst. Blues und Funk ist immer auch zu hören neben der ganzen Bandbreite desssen, was sich die meisten vorstellen, wenn sie Jazz hören.
Vermutlich war es ja ein Referent von Oberbürgermeister Jürgen Roters, der das Grußwort im Programmheft verfasst hat. Mir macht es den Eindruck, als müsse er beim Stichwort ersteinmal respektvoll schlucken. Ich habe jedenfalls gelernt Jazzmusiker sind Risikokünstler: “Lebendiger Jazz ist vor allem die Kunst der Improvisation, die Fähigkeit aus dem Moment heraus Musik zu gestalten. Hinzu kommmen Erfindungsreichtum, Liebe zum Detail und das Wagnis, ungewohnte Wege zu beschreiten. Dabei hält die Improvisation unvorhersehbare Glücksmomente bereit, birgt aber auch die Gefahr des Scheiterns. Doch gerade aus dieser Spannung bezieht der Jazz seine Kraft und Lebendigkeit.”
Klingt alles dann doch sehr viel schwerer, als sich die Musik fast immer anhört. Denn darauf will ich eigentlich hinaus: Ich habe ein schönes Konzert gesehen mit einer Künstlerin und ihrer Combo, die auch in Duisburg demnächst auftreten werden. Sabine Kühlich spielte zusammen mit einer Drei-Mann-Combo ihr “Fundstücke”-Programm. Das waren Songs von Swing bis Bossa Nova, bei denen sie sich aus den Standards des Jazz ebenso bedient hat wie bei Schlager- und Pop-Klassikern meistens deutscher Herkunft.
Auf folgendem Clip ist sie mit anderer Band und dem Jazz-Klassiker “Fly me to the moon” zu sehen. Es ist der einzige Clip mit einer einigermaßen vernünftigen Tonqualität, bei dem man sich von ihrer Stimme einen Eindruck machen.
Wem selbst dieser swingige Standard noch zu verjazzt ist, dem sei versichert, beim Fundstücke-Programm ist das, was gemeinhin mit Jazz verbunden wird, noch mehr zurückgenommen.
Das Konzert findet im Rahmen des Kunstsalon-Programms “Musik in den Häusern” statt. Deshalb spielt die Combo in keinem normalen Veranstaltungssaal sondern in den Räumen von aib – agiplan integrale bauplanung, Philosophenweg 31-33 am Innenhafen, das Konzert beginnt um 20.00 Uhr, Einlass ist 30 Minuten vor Konzertbeginn. Einen Klick weiter gibt es Karten für € 18,00 oder ermäßigt € 11,00.
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