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Bündnis „Zukunft durch Vertrauen“ bereits aufgelöst?

Sollte es tatsächlich das Bündnis der Duisburger Sportjournalisten „Zukunft durch Vertrauen“ gegeben haben, hat es sich mit dem heutigen Tag bereits wieder aufgelöst. Heute lese ich bei  Der Westen ein paar Sätze zur Vorbereitung der Mannschaft des MSV Duisburg auf das Spiel gegen Fürth und habe schließlich das altbekannte Gefühl, so richtig rund läuft es beim Verein aller Vereine nicht.

Anscheinend wohnen zwei Seelen in Dirk Retzlaffs Brust. Noch immer möchte er Normalität beschreiben, wenn er darauf hinweist, „dass sich alle Beteiligten naturgemäß erst noch mit den neuen Begebenheiten arrangieren müssen.“ Doch schon im nächsten Satz ziehen ein paar dunkle Wolken auf: “ So etwas geht nicht immer reibungslos über die Bühne.“ Dem können wir uns noch anschließen und denken an sachliche Auseinandersetzungen über jenes Training, das der Mannschaft in den nächsten Wochen zum Erfolg verhelfen soll. Doch der letzte Satz des Artikels entlässt uns einmal mehr in die ohnmächtige Ratlosigkeit: „Dem Vernehmen nach soll es innerhalb des nunmehr neu formierten Trainerteams bereits heftige Differenzen gegeben haben.“

Das klingt beunruhigend.  „Heftige Differenzen“. Sind diese Worte wohl gewählt, wird Uwe Speidel wohl nicht mehr allzu lange dem Trainerteam angehören. Zwischen wem sonst als ihm und dem neuen Trainergespann soll es heftige Differenzen gegeben haben? Etwa mit Manfred Gloger, der Tom Starke den Ball anders zuwerfen soll als früher? Wohl kaum. Nach so einem Satz ist die Presseabteilung des MSV Duisburg sofort gefragt. Solche Worte dürfen nicht nachhallend im Raum stehen bleiben. Das sind Sätze, die gute Stimmungen töten. Solche Differenzen müssen erklärt werden und zwar mit Fakten über die „Differenzen“ und  nicht mit ausweichenden Beschwichtigungen nach dem Motto, wir haben uns in Wirklichkeit alle lieb und es ist überhaupt nicht so schlimm gewesen.

Was ich gestern lesen wollte und heute nicht

Den Freund im Stadion zu wissen und durch ihn per SMS über den Spielstand zwischen dem MSV und Union Berlin informiert zu werden, barg ein Risiko. Das hätte sehr schwierig werden können, sich in mäßiger Stimmung auf Bigband-Sound und Rap einzulassen. So verstand ich es auch zunächst als Geste der Fürsorge, dass mein Handy im Konzertsaal der Kölner Philharmonie ohne  Empfang blieb und ich erst nach dem Konzert vor der Tür lesen konnte, was ich so gern hatte lesen wollen. „3:1 gewonnen!“

Wenn ich mir heute Berichte und Meinungen zum Spiel anschaue, bleibt die gute Stimmung wegen des Sieges vorherrschend. Es zeigt sich aber auch Unsicherheit beim Ausblick auf den weiteren Verlauf der Saison, weil die Spielstärke nicht gefestigt genug gewirkt hat. Tom Starke und Christian Tiffert gehörten einmal mehr zu den besten Spielern der Mannschaft. Der Einsatz von Ivica Grlic muss ein Gewinn gewesen sein. Wenn gerade er zu einer Stütze der Mannschaft wird, wissen wir aber auch, die Anlage des Spiels verändert sich. Er ist zwar derjenige, der die Lücke im Mittelfeld anscheinend als einziger zurzeit wirklich gut schließen kann, allerdings ist er auch nicht mehr der Schnellste. Ein intensives Kurzpassspiel wird mit ihm unwahrscheinlich. Das mindert seine Leistung nicht, sondern erinnert nur an mögliche Grenzen eines Spiels mit seiner Beteiligung. Olivier Veigneau scheint endlich über 90 Minuten konstant an die Leistungen der letzten Saison angeknüpft zu haben. Und natürlich wird auch ein Spieler gefeiert, der drei Tore macht. Sören Larsen konnte dieses Mal anscheinend so im Mannschaftsgefüge spielen, dass seine Stärken zur Geltung gebracht werden konnten. Auch Kristoffer Andersen muss das Spiel nach vorne sehr belebt haben. Wie war Nicky Adler? Über ihn lese ich so gut wie nichts. Schon in der letzten Saison habe ich mich gefragt, wann ich im Spiel einmal das sehe, was die sportliche Leitung im Training von Nicky Adler sieht.

Bei der Berichterstattung über diesen Sieg zeigen Teile der Sportpresse dann eine sehr einfache Vorstellung davon, welche Ursache einer Wirkung vorausgeht. Diesen oder einen Satz ähnlichen Inhalts hatte ich gestern schon befürchtet. Lesen will ich solche Sätze aber nicht: „Die Rücktrittsdrohung von Trainer Peter Neururer hat offenbar Wirkung gezeigt.“ Solche Sätze offenbaren das Verständnis von einer Welt, in der auch die Sonne häufiger scheint, weil viele Eiscafés geöffnet haben. Das gehört zur Folklore der Fußballberichterstattung, die mich genau dann stört, wenn statt der Leistung der Mannschaft schon wieder Peter Neururer im Fokus steht.

Die Medien und Peter Neururers Drohung

Zeit für ein wenig Medienkritik. Im Verlauf der Woche berichtete die überregionale Presse von Peter Neururers Ankündigung zurückzutreten, falls die Mannschaft des MSV Duisburg gegen den 1. FC Union Berlin erneut keine ausreichende Einsatzbereitschaft zeigt. Sogar kleinere Zeitungen überall in Deutschland griffen die Agenturmeldung zu den Artikeln in Bild-Zeitung und Sport-Bild auf. Überfliegt man diese Berichterstattung in den außerhalb des Ruhrgebiets erscheinenden Medien, kann man sich des Eindrucks fast überall nicht erwehren, die Mannschaft des MSV hat sich etwas schwer zuschulden kommen lassen und der Trainer hat damit nichts zu tun. An dieser Stelle habe ich es schon mehrmals geschrieben. Wie gut Peter Neururer seine Mannschaften trainiert vermag ich weniger genau zu beurteilen als seine PR-Kompetenz. Es gibt in Deutschland nicht viele in der Öffentlichkeit stehende Personen, die Öffentlichkeitsarbeit selbst verantworten und das Metier derart beherrschen. Peter Neururer weiß, was er wem sagen muss, damit öffentliche Meinungen entstehen.

Diese außerhalb des Ruhrgebiets stattfindende Berichterstattung wirft kaum die Frage auf, ob Peter Neururer für seine Ankündigung nicht auch weitere Motive gehabt hatte. Gestern habe ich im Tone dieser Sportberichterstattung über Peter Neururer kund getan, dass ich heute Abend nicht ins Stadion gehe und stattdessen ein Konzert besuche. Die von mir vorgebenene Deutung des Konzertbesuchs lässt andere Fragen vergessen. Die andere Wahrheit lautet aber so: Im Juni stand die Frage an, ob ich Konzertkarten für mich und meinen Sohn für den heutige Abend kaufen wollte. Im Juni gab es nicht mal einen Spielplan für diese Saison. Nun kann ich angesichts des Saisonverlaufs dem unter anderen Bedingungen gefassten Vorhaben eine neue Deutung geben. Die ist nun nicht ganz falsch, ganz richtig ist sie aber auch nicht. Vielleicht hätte ich die Karte versucht zu verkaufen, wenn es das Spiel des zweiten gegen den dritten gewesen wäre? Persönliches Interesse besitzt also Entwicklungsfähigkeit. Natürlich geht es Peter Neururer  um den MSV, es geht ihm aber auch verständlicher Weise um sich selbst. In welchem Verhältnis das zueinander steht, ist aber die Frage und die kann nur er selbst beantworten. Erfolg seiner Mannschaft ist wahrscheinlich keine kleine Einflussgröße für seine Haltung.

Wenn Peter Neururers eigene Interessen und die des Vereins aber nicht mehr ganz deckungsgleich sind, wird es schwierig mit seinen Versuchen, sich in den Medien in gutem Licht zu positionieren. Die Journalisten vor Ort haben das ganz gut erkannt. So sieht Thorsten Richter in diesem Kommentar im RevierSport, wie Peter Neururer die erworbenen Sympathien nun verspielt.  Auch Dirk Retzlaff in der NRZ merkt man seine Vorbehalte an, Bernd Bemmann wird in der Rheinischen Post einem Kurzkommentar noch deutlicher, er hält den Trainer für „untragbar“.

Doch die nächste Stufe der Öffentlichkeitsarbeit hat Peter Neururer bereits erklommen. Zum Ende der Woche begann für ihn die Nachbearbeitung der Meldungen zum angekündigten Rücktritt mit Hilfe der überregionalen Sportpresse. Im Interview in 11 Freunde und dem Kicker betont er, seine Worte seien nicht Drohung gewesen sondern Motivationshilfe. Was ich von derartiger Motivation halte, habe ich bereits gesagt. Im Fußball kann dennoch plötzlich alles wieder gut werden. Per SMS werde ich heute Abend auf dem Laufenden gehalten. Die Musik der WDR-Bigband ist laut genug, um leise zu jubeln.

Kees Jaratz macht Drohung wahr

Nun ist es heraus. Wie aus gut unterrichteten Kreisen zu vernehmen ist, macht Kees Jaratz seine Drohung wahr. Am nächsten Freitag im Spiel gegen Union Berlin wird er seinen Platz auf der Stehtribüne nicht einnehmen. Stattdessen soll er sich die WDR-Bigband bei einem Hiphop-Konzert ansehen. Die Krise beim MSV Duisburg spitzt sich vor dem richtungsweisenden Spiel gegen „Eisern Union“ weiter zu.

„Jeder der mich kennt, weiß, dass ich das durchziehe“, sagte Jaratz einem engen Vertrauten mit guten Kontakten zur Sportpresse und fügte hinzu, die Mannschaft wisse nun, dass sie gefordert ist. Nach dem Verkauf von Torjäger Dorge Kouemaha hatte Jaratz vor Wochen schon einmal mit Konzertbesuch gedroht, sich durch die Verpflichtung des Ex-Schalkers Sören Larsen aber besänftigen lassen.

Jaratz fordert vor eigenem Publikum eine klare Leistungssteigerung und kündigt weitere Maßnahmen an, sollten sich die Spieler am Freitag gegen Union Berlin genauso wie gegen Oberhausen präsentieren. „Dann stelle ich mich sofort für den Rest der Hinrunde auch mal vier Stufen höher“, sagte der sichtlich verärgerte Fan, dem enge Kontakte zur Südkurve des 1. FC Köln nachgesagt werden.

Nachdem die „Zebras“ 0:1 bei Rot-Weiß Oberhausen verloren und die dritte Punktspielniederlage in Folge kassiert hatten, deuteten sich schon während der Woche beim Training an der Westender Straße rauhere Zeiten an. Ausdrücklich tauchte Jaratz auch dort nicht auf, wo er schon jahrelang nicht mehr gesehen wurde. Beim Spiel gegen „Eisern Union“ stehen seine Profis nun unter Druck. Doch in Jaratz haben sie ein starkes Vorbild, um mit der Krise fertig zu werden.  „Man muss nur immer wieder darüber reden“, sagte Jaratz und fügte hinzu,  „am besten sollten auch noch Journalisten zuhören.“ Deshalb zeigt sich Jaratz zuversichtlich, dass seine Jungs vom Traditionsklub an der Wedau auf seinen aufrüttelnden Konzertbesuch die richtige Antwort geben werden.

Das ist die Pflicht der Medien

Manchmal ist es ein einzelnes Wort, in dem sich Haltungen offenbaren. In der „News“ auf der Webseite des MSV Duisburg zum DFB-Pokalspiel gegen Mönchengladbach findet sich folgender Satz: „In der Pressekonferenz vor dem Spiel nahm Neururer auch die Medien in die Pflicht“. Was Peter Neururer als an die Medien adressierte Kritik sagte, interessiert hier erst einmal nicht. Dagegen interessiert hier sehr wohl, dass es der MSV Duisburg für richtig hält, diese Kritik sprachlich äußerst ungenau als „in die Pflicht nehmen“ zu bezeichnen.

Mit diesem Wort offenbart sich eine Erwartung von Vereinsseite, der ein Irrtum zugrunde liegt. Es gibt für Journalisten keine Pflicht gegenüber dem MSV Duisburg. Im Idealfall gibt es die Pflicht gegenüber einem journalistischen Ethos, zu dem etwa Wahrhaftigkeit gehört oder auch die Nachvollziehbarkeit der Argumentation und natürlich Unabhängigkeit. Wobei mir klar ist, dass in der Berichterstattung über Fußball, besonders in lokalen Zusammenhängen,  diese Unabhänigkeit etwa ein dehnbarer Begriff ist. Dennoch ist es wünschenswert, dass alle Akteure im Fußballgeschehen diese Spielregeln akzeptieren und wenn sie dagegen verstoßen, sie sich dessen bewusst sind.

Für mich gehören diese Versuche, Journalisten zu instrumentalisieren in die große Abteilung Unterhaltungsbranche Fußball. Doch Fußball ist in dieser Gesellschaft etwas mehr als Unterhaltung und deshalb werden die Kontroll-Mechanismen der Celebrity-Welten von Kino und Fernsehen im Fußball nie ganz funktionieren, selbst wenn es von Vereinsseite immer wieder probiert wird. Der MSV Duisburg versucht das natürlich nicht als einziger Verein, wobei ich  zweifel, ob hinter dem Versuch die öffentliche Meinung zu beeinflussen eine Strategie steht. Auch andere Vereine versuchen eine unabhängige Berichterstattung zu erschweren, wie gestern bei textilvergehen zum 1. FC Union Berlin zu lesen war.

Neben diesen grundsätzlichen Überlegungen weiß ich zudem gar nicht, wen Peter Neururer mit seiner Kritik überhaupt meint, wenn er sagt: „Bei dem ein oder anderen Journalisten habe ich das Gefühl, dass er nur darauf wartet, dass hier etwas schief läuft, um dann ordentlich drauf zu hauen“. Nun lese ich zwar schon viel über den MSV Duisburg aber auch nicht jeden Artikel. Vielleicht habe ich es einfach nicht gelesen, was Peter Neururer missfiel. Vielleicht sind die Sätze aber auch eine Nebelkerze, um den Druck ein wenig von Mannschaft zu nehmen.

Lese ich die geplante Mannschaftsaufstellung für den heutigen Abend, fällt es mir jedenfalls schon leichter, die vergangenen zwei Spiele erst einmal zu vergessen. Die offensive Ausrichtung  zeugt vom Versuch das Selbstbewusstsein zurück zu gewinnen und Caiubys Rückkehr macht Wagners Ausfall erträglich. Und der Gerechtigkeit halber, sei daran erinnert, dass nicht Peter Neururer sondern Thomas Tartemann hier diese Aufstellung „totale Offfensive“ nennt. Eine Formulierung, die natürlich eher Anlass zu Widerspruch gibt als die einfache Feststellung Peter Neururers, wir „möchten dort erfolgreich sein“.

Und noch was zur Erklärung: Auf der Seite vom MSV Duisburg erscheinen einzelnen Texte immer unter der Index-Adresse in der Adresszeile. Anscheinend werden sie nicht mit einer nach außen hin sichtbaren eigenen Adresse geführt. Wenn ich also hier auf bestimmte Seiten vom MSV verlinke, landet man immer erst beim Index und muss die entsprechende Seite selbst suchen.

Lokale Perspektiven

Das Bemerkenswerte an den Zeitungen im Ruhrgebiet des WAZ-Konzerns sind die lokalen Perspektiven. Welcher Artikel kommt aus der Duisburger Redaktion und welcher aus Essen: „Zebras brachten RWE wieder ins Spiel“ oder „RWE-Fehler werden gnadenlos bestraft„? So ein Titel drückt ja Stimmungen aus und die hängen wohl vom grundsätzlichen Vertrauen in den Erfolg des Vereins ab. Darum geht es mir hier aber gar nicht. Mir geht es darum, dass der WAZ-Konzern beide Perspektiven auf „Der Westen“, nämlich demselben Portal, ins Netz stellt. So ein gemeinsamer Auftritt zweier Städte unter einer Internetidentität kann sehr unterschiedliche Folgen haben. Zum einen könnte das einen wahrscheinlich so nicht beabsichtigten Beitrag zur Entwicklung von Ruhrgebietsidentität haben, zum anderen – und das ist mit Sicherheit sehr beabsichtigt – werden Maßnahmen zur Umstrukturierung des Konzerns und insbesondere seiner Redaktionen erleichtert. Menschen, die im Ruhrgebiet die Medien beobachten, haben da so ihre Sorgen um die Qualität des Lokaljournalismus im WAZ-Konzern. Ob die berechtigt sind, kann ich nicht beurteilen. Da sind die Leute vor Ort wie hier bei den „Ruhrbaronen“ oder hier im „Pottblog“ besser informiert. Es wird nur an solchen Artikeln zu einem Derby-Freundschaftsspiel so offensichtlich, dass dieser lokale Bezug der Zeitungen, das Pfund ist, mit dem der WAZ-Konzern weiter wuchern müsste. Ich verstehe die Sorgen um die Qualität. Denn eins ist sicher: Für jemanden, der Kosten reduzieren will, ist es ganz schön verführerisch, zu einem Ereignis an dem zwei Städte des Ruhrgebiets beteiligt sind, nur noch einen Journalisten hinzuschicken. Das brächte Spielraum, um im Lokalen Redakteursstellen abzubauen. Da könnten dann in einiger Zeit zwei Spielberichte zu einem werden. Dieser Spielbericht wäre aus einer wie auch immer aussehenden neutraleren Perspektive geschrieben. Das wäre schade – trotz aller notwendiger Ruhrgebietsidentität.

Die Wirklichkeit hinter der Meldung

Das Netz als Ort aufklärerischen Handelns! Wunderbar, wie Torsten Wieland die Meldung über das Ranking zur Beliebtheit deutscher Bundesligavereine hier mal kurz auseinander nimmt.

Mitten in Meiderich – Abspann

So ganz habe ich mich von „Mitten in Meiderich“ noch nicht verabschiedet.  Das Serielle solcher Formate berührt doch das zutiefst menschliche Bedüfnis nach der Rhythmisierung des Lebens. Wenn ich mir vorstelle, am nächsten Dienstag keinen neuen Clip über den MSV Duisburg mehr zu sehen, fühle ich diesen leichten Stich eines Verlustes. Ich fühle ihn, obwohl ich zum Ende der Saison eher unzufrieden als zufrieden war und sogar meine Lust über die jeweilige Folge zu schreiben keineswegs stabil vorhanden war. Dennoch, das weiß ich jetzt schon,  mir wird in Zukunft das Sehen der Videoclips und genau dieses Schreiben fehlen. Gefühle des Abschieds können schillernd sein.

„Mitten in Meiderich“ gewährte mir nicht nur die kurze, unterhaltsame Pause vom Alltag. Unterhaltsam deshalb, weil auch als gerecht empfundenes  mildes Ärgern unterhält. Das ist meine Perspektive als Fan und es ist offensichtlich, dass meine Ansprüche als Fan durch das Serielle der Form vollauf bedient waren. Einmal in der Woche ein paar bewegte Bilder vom Verein meines Interesses. Das ist gut, egal ob sie jedes Mal mir etwas wirklich Interessantes zeigen. Sie bieten auf jeden Fall Anlass, mich mit etwas zu beschäftigen, was sehr fest mit meinem Leben verbunden ist.

Darüber hinaus habe ich durch „Mitten in Meiderich“ aber auch die Gelegenheit erhalten, meine eigenen Vorstellungen von gelungenen Dokumentationen auf vielfältige Weise zu durchdenken und damit zu schärfen. Sowohl für den MSV-Fan in mir als auch für mich als Nutznießer einer Art Self-Made-Weiterbildung musste aber erst einmal jemand etwas schaffen, das mein Fühlen berührte und mein Denken anstieß. Im Selbstverständnis von Kultur- oder Medienkritik wird das als gegeben vorausgesetzt und gilt als nicht weiter erwähnenswert.  Hier aber sei den  Machern von „Mitten in Meiderich“ auch noch einmal ausdrücklich gedankt. Denn selbst wenn die einzelnen Folgen sich in ihrer Qualität sehr unterschieden, eines war jederzeit spürbar: den Machern lagen die Inhalte am Herzen und ihnen ging es nicht nur um das Erfüllen eines Jobs.

Mitten in Meiderich – Folge 18

Was bisher geschah … „Mitten in Meiderich“ ist die Mini-Doku über den MSV Duisburg. In der ersten Folge hieß es noch, wir begleiten den MSV bei dem Versuch, doch noch aufzusteigen. Die einzelnen Folgen aber sind bislang nicht mehr auf diese starke Grundidee hin ausgerichtet. Einen längeren Erzählfaden gibt es nicht. Das Serielle der Doku baut fast ausschließlich auf die äußere Form der Präsentation und dem unkonkreten Thema „MSV Duisburg“. Deshalb braucht eine jede Folge eigentlich eine einzelne starke Geschichte mit Anfang und Ende.  Wirklich gefunden werden diese Geschichten bislang nur im Ansatz. Deshalb bieten die Folgen ein kunterbuntes Allerlei, das manchmal etwas beliebig wirkt. In diesen Grenzen gewährt „Mitten in Meiderich“ in den besseren Momenten den Blick aufs Tagesgeschäft, der angesichts des Formats natürlich immer etwas flüchtig ist. Doch Anfang April hat die Niederlage des MSV Duisburg gegen Mainz 05 Spuren in der Doku hinterlassen. Flüchtige Blicke auf das Tagesgeschäft sind offensichtlich nur möglich, wenn Zuversicht im Verein und bei den Machern vorhanden ist. Nach kurzzeitiger Orientierungslosigkeit machte man die einzelnen Folgen der beabsichtigten Doku dann zur Kurzreportage der üblichen Sportberichterstattung …

Mit der 18. und letzten Folge von „Mitten in Meiderich“ sollten auch meine medienkritischen Betrachtungen eigentlich ein Ende finden. Die neu eingerichtete DSF-Seite aber lässt mich überlegen, ob ich nicht demnächst noch so was wie Webseiten-Kritik betreibe, den Auftakt könnte dann die Bewertung der DSF-Seitengestaltung sein. Fehlen mir auf der ersten Seite für die TV-Tipps am Rand doch die deutlichen Grenzen der jeweiligen Themen, für die die Bilder als Anreißer funktionieren sollen. „Mitten in Meiderich“ verliert auf diese Weise, weil es zu wenig als eigenständiges Format wahrgenommen wird.  Die als Mini-Doku angekündigte Serie dann auch noch mit dem Portrait von Peter Neururer zu bebildern, halte ich bei aller Mediengewandtheit des Trainers für unpassend, schließlich soll es ja um mehr als um diesen Trainer gehen. Das weist im Übrigen einmal mehr auf Entscheidungsprozesse hin, die die Intensität des Nachdenkens über das Format offenbaren. Bei der Navigation ist „Mitten in Meiderich“ auch eine Hierarchieebene nach unten gerutscht, und ich frage mich, ob die Technik noch nicht ganz sicher funktioniert, weil ich keinen Link zur einzelnen Folge erhalte, sondern nur zum Gesamtmenü von „Mitten in Meiderich“. Ihr müsst euch also gegebenenfalls von hier aus selbst auf der Seite durchklicken.

Genug der Anmerkungen zur DSF-Seite und nun zur Folge 18, die fast ausschließlich aus Interview-Schnipseln zusammengeschnitten ist. Peter Neururer hadert noch einmal mit den Schiedsrichterentscheidungen in den Spielen gegen Mainz und St. Pauli, sieht Verstärkungsbedarf auf allen Positionen mit Ausnahme des Torwarts und telefoniert. Der „Boss“, namentlich Walter Hellmich, zieht das Fazit „Saisonziel nicht erreicht“, glaubt an Verpflichtungserfolge Bruno Hübners, sieht den MSV in der kommenden Saison im Anwärterkreis für den Aufstieg und telefoniert. Bruno Hübner erläutert die Stärke der 2. Liga in der nächsten Saison, sieht den MSV im Favoritenkreis, falls die Leistung der Rückrunde wiederholt werden kann und telefoniert.

Wir erfahren also, die Führungsebene ist immer für den Verein im Gespräch mit der Welt. Sie arbeiten noch an der erhofften Zukunft, während die Spieler schon das Trainingsgelände verlassen, um in den Urlaub zu fahren. Inhaltlich erfahren wir nichts Neues aus der Führungsebene und der kleine Bewertungsunterschied über die Aussichten des MSV in der nächsten Saison zwischen Walter Hellmich und Bruno Hübner verschwindet bei näherem Hinsehen. Bruno Hübner schränkt seine Bewertung „Favorit“ ein, indem er die Leistung der Rückrunde als Voraussetzung ansieht. Das entspricht ungefähr dem „Anwärterkreis“ von Walter Hellmich, der sich anscheinend nach den großen Worten vor der letzten Saison nicht mehr allzu weit aus dem Fenster lehnen will. Wenn er seiner Wertung Anwärterkreis ein „mehr nicht“ beifügt, so spricht hier das gebrannte Kind. Der Anspruch oben mitzuspielen bleibt aber bestehen.

Dazu bedarf es noch Neuverpflichtungen und Vertragsklarheit, so bei Markus Brzenska, der auch noch einmal in die Kamera sagen darf, er fühle sich beim MSV wohl und wolle bleiben. So steht am Ende von „Mitten in Meiderich“ nicht der Blick hinter die Kulisse sondern auf die Köpfe von Entscheidungsträgern und -spielern mit ihren gewohnten Worten der Verlautbarung, wie sie in der üblichen Sportberichterstattung als Hintergrundbericht gern gesendet werden. Wenn es einem nur um das Erscheinen des  MSV in einem öffentlich wahrgenommenen Medium geht, reicht das. Für den Anspruch eine Dokumentation sein zu wollen, ist es zu wenig. Anstatt mich nun weiter zu wiederholen, schließe ich mich lieber den Worten des Kommentators  an, hoffe auf die von Walter Hellmich prophezeite erfolgreiche Arbeit Bruno Hübners und freue mich ebenfalls schon ein wenig auf die nächste Saison.

Mitten in Meiderich – Folge 17

Was bisher geschah … „Mitten in Meiderich“ ist die Mini-Doku über den MSV Duisburg. In der ersten Folge hieß es noch, wir begleiten den MSV bei dem Versuch, doch noch aufzusteigen. Die einzelnen Folgen aber sind bislang nicht mehr auf diese starke Grundidee hin ausgerichtet. Einen längeren Erzählfaden gibt es nicht. Das Serielle der Doku baut fast ausschließlich auf die äußere Form der Präsentation und dem unkonkreten Thema „MSV Duisburg“. Deshalb braucht eine jede Folge eigentlich eine einzelne starke Geschichte mit Anfang und Ende.  Wirklich gefunden werden diese Geschichten bislang nur im Ansatz. Deshalb bieten die Folgen ein kunterbuntes Allerlei, das manchmal etwas beliebig wirkt. In diesen Grenzen gewährt „Mitten in Meiderich“ in den besseren Momenten den Blick aufs Tagesgeschäft, der angesichts des Formats natürlich immer etwas flüchtig ist. Doch Anfang April hat die Niederlage des MSV Duisburg gegen Mainz 05 Spuren in der Doku hinterlassen. Flüchtige Blicke auf das Tagesgeschäft sind offensichtlich nur möglich, wenn Zuversicht im Verein und bei den Machern vorhanden ist …

Das große Ziel ist nicht mehr zu erreichen, aber zum Ende der Saison hin wird noch einmal alles gegeben, so könnte ein Fazit für Folge 17 von „Mitten in Meiderich“ lauten. Bei Fußballern heißt das dann, sie spielen befreit auf. Dieses Mal besitzt der als Doku vorgegebene Reportage-Beitrag auch mehr erzählerische Substanz, weil die Hälfte des Clips Olcay Sahan als Hauptfigur zeigt und in dem was Sahan sagt und wie die Kamera sein Gesicht einfängt, man einen für diese kurzen Minuten tiefen Einblick in die Persönlichkeit Sahans erhält.

Zunächst gibt es aber einen kurzen Rückblick auf das turbulente Auswärtsspiel gegen den 1. FC Kaiserslautern. Tom Starke schildert seine Eindrücke, Peter Neururer findet wieder einmal launige Worte und Christian Tiffert zeigt sich zum dritten Mal hintereinander als ein Spieler, der etwas zu sagen hat und sich hinter keiner der vorgefertigten Sprachhülsen der Branche versteckt. Abgerundet wird das Ganze durch einen kurzen Blick in die Kabine, wo gerade herumgefrotzelt wird. Entspannung allerorten.

Für die Bilder mit Sahan geht es erst ins Auto, dann in den Landschaftspark Nord, wo Spieler und Journalist den Hochofen besteigen. Da soll die repräsentative Industriekulisse des Ruhrgebiets als belebendes Bildmoment wirken für das Gespräch mit dem „Düsseldorfer Jung“. Man erkennt in Sahans tastenden Sätzen über seinen Platz in der Welt auch die Konzentration seines Denkens auf den Fußball. Er spricht über seinen Traum Nationalmannschaft aus, was er wirklich denkt und ich hoffe sehr, dass ihm diese Sätze niemals von irgendwelchen kleingeistigen Idioten zum Vorwurf gemacht werden. Es berührt sehr, wieviel Kraft ihm offensichtlich seine Familie gibt und wie durch die Weise seines Erzählens die tiefe Dankbarkeit für die Unterstützung seines Vaters deutlich wird.

Diese als Reportage angelegte Folge ist deshalb gut, weil ich ich die meisten Bilder und O-Töne nicht vorhersehen konnte. Sie hat mir etwas gezeigt, was ich noch nicht wusste. Das ist meine Erwartung an eine Reportage. Dass eine Dokumentation dann noch ganz anders funktioniert, wiederhole ich nur der Vollständigkeit halber.  Ich hoffe auf eine ähnliche Spielfreude der Macher zum Saisonabschluss.

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