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Mal wieder kölsches Lebensgefühl

Der Kölner glaubt gerne, dass das Leben ihm grundsätzlich gewogen ist. Das ist eine sympathische Eigenschaft, mit der man in viel besserer Laune seine Tage verbringt. Von außen betrachtet wirkt dieser Grundoptimismus aber oft  wie Größenwahn und Selbstverliebtheit. Ich verstehe das. Ich bin beides:  drinnen und draußen. Kölner und Duisburger. Normalerweise. Wenn es hart auf hart geht, bin ich allerdings nur draußen. So fühlt sich das Leben eines um Integration bemühten Immigranten der ersten Generation an.

Da denke auch ich, wo bleibt euer Respekt, ihr Kölner, und ich denke, euch werden wir (!) es schon zeigen, wenn ich bei Radio Köln lese, wie dort die Meldung zur Auslosung der nächsten Runde im DFB-Pokal betitelt wird: “FC im Losglück: Zuhause gegen Duisburg”. Gerade Lokalradios sind natürlich der städtischen Identität des Standortes auf besondere Weise verbunden. Es gehört praktisch zum Geschäftsmodell, zum Selbstbewusstsein und Heimatgefühl der Hörer beizutragen.

Deshalb kann ich inzwischen wieder schmunzeln über diese Erfolgsgeschichte, die Radio Köln über den FC schreibt und bei der der MSV Duisburg ungeachtet der bis zur Auslosung erlebten Wirklichkeit benutzt wird, um gute Laune zu haben. Mit Frank Schaefer gibt es eben einen neuen Trainer, dem Kraft seiner nahezu berufslebenslangen FC-Verbundenheit die Sympathien zufliegen. Da rumpelt die von ihm übernommene Mannschaft einen Tag nach seinem Arbeitsbeginn in die nächste Pokalrunde, und am folgenden Spieltag der Bundesliga gibt es endlich auch dort eine gute Leistung, die sogar mit einem dramaturgisch perfekt inszenierten Sieg endet.  Soll dann etwa ein Gedanke an die Spielstärke des MSV Duisburg stören?  Auf keinen Fall. Die Mannschaft spielt eine Klasse tiefer, es gibt ein Heimspiel. Das reicht, um das Lebensglück eines am 1. FC Köln interessierten Menschen in diesen Tagen zu vollenden. In der übrigen Presselandschaft der Stadt Köln wurde die Pokalauslosung allerdings nicht als Sahnehäubchen des Lebensglücks benutzt.

Natürlich hätte es der 1. FC Köln schwerer treffen können. Es bleibt aber weiter ein Problem der Stadt Köln, dass Radio Köln mit der Wertung zur Pokalauslosung das Grundempfinden dieser Stadt eher widerspiegelt als die anderen Medien mit ihrer nüchternen Berichterstattung. Auch wenn der Einsturz vom Historischen Archivs der Stadt Köln im März 2009 dieses Grundempfinden beschädigt hat, bleibt die etwas zu rosige Sicht auf die Dinge im Alltag Kölns sehr lebendig. In Duisburg ist es übrigens genau umgekehrt. Die Stadt könnte etwas mehr Selbstbewusstsein vertragen. Manchmal vermisse ich dort tatsächlich das rosige Kölngefühl. Gründe für diese Farbe erlebe ich nicht nur bei meiner Arbeit rund um die Kultur in Duisburg immer wieder.

Im Moment interessiert mich dieses Pokalspiel des MSV Duisburg in Köln nicht mehr sehr. Ich weiß, ich werde es mir ansehen, vorher mit Duisburger und Kölner Freunden vielleicht ein Kölsch trinken und vor dem Stadion werden sich Wege trennen. Aber mehr lässt sich jetzt nicht sagen. Denn wie beide Mannschaften in den nächsten Wochen auftreten werden, bleibt etwas ungewisser als noch vor einer Woche. Ob der 1. FC Köln seine einmal gefundene  Stärke öfter zeigen kann, ist ebenso eine offene Frage, wie die, ob der MSV Duisburg mit der Genesung von Srdjan Baljak wieder zurückfindet zu den vor dem Spiel gegen Fortuna Düsseldorf gezeigten guten und sehr guten Leistungen.

Nach zehn Tagen Pause fast kein Wort über Fußball

Vor zehn Tagen verabschiedete ich mich in den Urlaub in der Hoffnung, nach der Pause über die abgeschlossene Personalplanung beim MSV Duisburg schreiben zu können. Diesen Faden des Fußballalltags sofort aufzunehmen ist mir nach dem Geschehen am vorletzten Samstag bei der Loveparade unmöglich. Auch wenn ich weiß, dass inzwischen unzählige Worte schon geschrieben sind, und in Duisburg sich sicherlich eine erste Ruhe nach der Katastrophe eingestellt hat, kann ich nicht einfach zur Tagesordnung übergehen in einem Blog, in dem Duisburg auch als Stadt selbst hin und wieder Thema ist.

Nach Katastrophen hilft es den Menschen in unserer durchrationalisierten Gegenwart, die Frage nach Ursachen und Schuld zu stellen. Antworten auf diese Frage suggerieren, wir Menschen haben dieses Leben eigentlich immer im Griff, und es sind immer nur Fehler einzelner, die unsere umfassende Sicherheit im Leben verhindern. Das stimmt natürlich nicht. Wir verdrängen die stets vorhandenen Gefahren in unserem Leben und wenn wir einem Unglück als Vollendung einer Gefahr begegnen, kehren die verdrängten Ängste zurück. Sie verwandeln sich in ungerichtete Aggression und sobald sich jemand als Projektionsfläche für diese Aggression anbietet, wird diese Aggression ausgelebt. Gebt uns einen Sündenbock! Duisburgs Oberbürgermeister Adolf Sauerland sei Dank, war der schnell gefunden.

Adolf Sauerland war nach den ersten Nachrichten von der Katastrophe völlig überfordert und hat nicht die Größe besessen, so zu handeln, wie es sich in so einem Moment der Fassungslosigkeit und wortlos machenden Entsetzens geziemt. Ungeachtet seiner ebenfalls vorhandenen politischen Verantwortung hat er mit dem Verweis auf die Schuld der Opfer an der Katastrophe jegliche Integrität verspielt, um weiterhin Oberbürgermeister der Stadt Duisburg sein zu können. Ärgerlich ist allerdings die Berichterstattung über seine Person. Sie diente zeitweilig allein der Sensationslust eines vom Schrecken faszierten Publikums. Im Gelsenkirchen Blog gibt es dazu einen Text, der für mich das Thema “Ursache, Schuld und Verantwortung” klug beleuchtet.

Darüber hinaus sind so viele der von den Medien zu Duisburg erzählten Geschichten an der Wirklichkeit vorbei konstruiert, indem die Motivlage um die Loveparade sehr vereinfacht wird. Ich denke, ohne Kulturhauptstadt Ruhr.2010 hätte es die Loveparade in Duisburg nicht gegeben. Fritz Pleitgen bekennt sich zu einer moralischen Schuld, weil die Loveparade in das Programm der Kulturhauptstadt hatte integriert werden sollen. Weitaus mehr in der Verantwortung sehe ich Dieter Gorny mit seinen in den Zeitungen des WAZ-Konzerns strategisch verbreiteten, drängenden Worten, als der Widerstand in Duisburg gegen die Durchführung der Loveparade noch groß war. Er befürchtete eine “Blamage” für das gesamte Ruhrgebiet, wenn die Loveparade ausfiele. Dagegen gab es in Duisburg selbst keineswegs durchweg die Hoffnung auf einen bleibenden Imagegewinn, wie es als Motivation für die Durchführung so oft hieß. Es gab Stimmen – auch auf Verwaltungsebene und in der Politik- die allenfalls den Wert des punktuellen Ereignisses sahen.

Aber Wahrheit ist nur ein Kriterium für die Berichterstattung von Medien über das Geschehen in Duisburg. Ein anderes Kriterium ist schnelle Verständlichkeit und der eingeräumte Platz für die Berichterstattung – egal in welcher medialen Verbreitungsform. Da wird sich dann auf Duisburg konzentriert. Alte Bilder der Lebenswelt im Ruhrgebiet werden zur Illustration der Berichterstattung genommen und komplexe Prozesse des städtischen Wandels werden auf den einzigen Begriff des Imagegewinns gebracht.

In meinen Augen ist die Katastrophe selbst und die anschließende Berichterstattung über Duisburg ein einziger Beweis dafür, dass die Städte im Ruhrgebiet zusammenrücken müssen. Sollte die Umsiedlung der Loveparade nicht ein Ruhrgebietsprojekt sein? Hieß es nicht so, als an Stelle von Berlin ein neuer Veranstaltungsort gesucht wurde? Hier gibt es einen eindeutigen Beweis für den strukturellen Unterschied zwischen den Möglichkeiten der Ruhrmetropole oder wie auch immer man das nennen soll und den einzelnen Städten. Wer das Ruhrgebiet im Mund führt, muss auch  Organisationsstrukturen schaffen, die dem entsprechen. Das Still-Leben Ruhrschnellweg war auch deshalb ein so großer Erfolg, weil das Ruhrgebiet als Ganzes gemeint war, und es nicht nur beim Lippenbekenntnis zur Einheit der Städtelandschaft blieb.

Wenn nun Trostlosigkeit als Klischee zur Beschreibung Duisburgs eine zeitlang wieder populär sein wird, liegt das an dem sinngebenden Erzählmuster für das Geschehen. Das Klischee zur Loveparade heißt jugendliche Lebensfreude. So lässt sich mit dem Gegensatzpaar eine Geschichte der Selbstüberschätzung erzählen. Diese Trostlosigkeit wird durch die Dramaturgie dieser populären Erzählung verlangt. Natürlich ist die Wirklichkeit umfassender.

Viele Duisburger fühlen ihre Stadt nicht angemessen beschrieben. Und wer sich in Duisburg mit den Funktionsweisen von Kommunikation in medialen Zusammenhängen auskennt, will, wie hier beim Hafenmeister, die eigenen professionellen Möglichkeiten nutzen, diesem öffentlichen Bild Duisburgs in den letzten Tagen etwas entgegenzusetzen. Es soll im Netz Raum geschaffen werden, das Geschehen zu verarbeiten. Skeptisch bin ich allerdings bei dem dort erkennbaren, verständlichen Wunsch, gegenüber den düsteren Bildern von Duisburg eine Öffentlichkeit auch für die andere Lebenswirklichkeit der Stadt zu schaffen. Ohne Anschluss an den Ruhrgebietsgedanken halte ich das Anliegen für einen Kampf gegen Windmühlenflügel. Hätte das gesamte Ruhrgebiet hinter der Loveparade gestanden, wäre die Geschichte vom vergeblichen Versuch, die Trostlosigkeit zu überwinden, schon nicht mehr so einfach zu erzählen gewesen. Mich wird das Spannungsverhältnis zwischen Stadtidentität und Ruhrgebiet weiter beschäftigen. An anderer Stelle.

Irgendwann kehren die Gedanken dann wieder in den Alltag zurück. Beim MSV Duisburg etwa sind die Personalplanungen doch noch nicht abgeschlossen. Auf den Mittelfeldspieler warten wir noch. Stefan Maierhofer lässt mich derweil manchmal an hohe und weite Pässe denken, auch wenn ich von Kennern seiner Spielweise zu lesen bekam, dass er eher ein spielerisch gutes Team braucht, um wirkungsvoll zu sein. Damit kann doch nur ein kontrollierter Ballvortrag gemeint sein? Nur noch eine Woche bis zum ersten Pflichtspiel, und in so vielen Vereinen fehlen noch die gewünschten Spieler für die kommende Spielzeit. Früher war das anders. Ich glaube, das habe ich neulich schon mal geschrieben. Auch dazu an anderer Stelle mehr.

Eine Sportredaktion möchte Leser staunen lassen

Das ist in den letzten Tagen noch liegen geblieben. Ich komme auf diesen Zeitungsausschnitt trotzdem zurück, weil mit der kurzen Meldung über Frank Fahrenhorst wieder sehr schön und deutlich gezeigt werden kann, wie Journalismus oft funktioniert und wie auf diese Weise auch Wirklichkeit entsteht.

Da steht also als Essenz der Meldung die Überschrift “Ex-Nationalspieler Fahrenhorst – In Duisburgs Reserve”. Das hat so ungefähr um den Trainingsauftakt vom MSV Duisburg herum für die Sportredaktion der Süddeutschen Zeitung Nachrichtenwert in ganz Deutschland. In Duisburg hat das keinen Nachrichtenwert mehr, weil diese Tatasche jeder am MSV Interessierte seit fast zwei Monaten weiß.

Für Deutschland erhält die Meldung aber auch nur deshalb Nachrichtenwert, weil dank Frank Fahrenhorsts kurzzeitiger Nationalspieler-Vergangenheit der Titel der Meldung möglich gewesen ist. Ansonsten wäre Frank Fahrenhorst  ein Spieler unter vielen, von dem sich sein alter Verein trennen möchte. Für Frank Fahrenhorsts Leistung in der letzten Saison aber war sein Vorleben als Nationalspieler belanglos. Es hatte keine Bedeutung, weil diese Zeit viel zu lang her ist. Bedeutsam wird dieses Vorleben nur, weil der Sportredaktion neben der WM-Berichterstattung noch weitere Sportseiten zur Verfügung stehen, die gefüllt werden müssen. Und so wird aus einem Nichts an Meldung der kleinste Tropfen Besonderheit herausgepresst.

Wenn die Meldung allerdings zu deutschlandweitem unglaublichem Respekt vor der Mannschaft des MSV Duisburg führen sollte, will ich nichts gesagt haben. So stark ist sie, dass nicht mal mehr ein deutscher Ex-Nationalspieler mithalten kann. Ich habe es gerade mal laut vor mich hingesagt. Beeindruckend klingt das nicht. Das “Ex” stört doch sehr. Oder habe ich einfach die Wirklichkeit der letzten Saison zu deutlich vor Augen? Leser der Süddeutschen Zeitung ohne Kenntnisse der Duisburger Verhältnisse helft mir!

Sprache und Wirklichkeit

In der Rheinischen Post “ringt” der MSV Duisburg um die Lizenz und im RevierSport heißt die Zeit von gestern bis heute das “bange Warten”. In Bielefeld titelt die Neue Westfälische: “Arminia Bielefeld vor Rettung in letzter Sekunde.” Das Bedrohliche wächst in Duisburg, die Erleichterung macht sich in Ostwestfalen breit. Beide Vereine befinden sich in derselben Situation. Die DFL verkündet das Ergebnis des Lizenzierungsverfahrens erst in naher Zukunft.

Der Umbruch – Fortsetzung folgt in der Presseabteilung?

Im MSVportal wird es schon weitergesagt, der Pressesprecher des MSV Duisburg Sven Judith wird am 30. Juni zu seinem letzten Arbeitstag für den Verein antreten. Diese Nachricht führt im MSVportal auch zu Überlegungen und Bewertungen der Pressearbeit des MSV Duisburg im Allgemeinen und der von Sven Judith im Besonderen.

Als Grundlage für diese Bewertungen wird allerdings weniger die Pressearbeit selbst genommen als die Öffentlichkeitsarbeit. Das ist verständlich, weil beide Aufgabengebiete nur allzu oft in einer einzigen Organisationseinheit eines Unternehmens zusammen gefasst sind und öffentliche Auftritte von Unternehmensmitarbeitern sehr oft vom Pressesprecher begleitet werden. Dennoch handelt es sich um unterschiedliche Kompetenzbereiche, und ich habe nicht den Eindruck, dass die Presseabteilung des MSV Duisburg in die die Konzeption der Öffentlichkeitsarbeit eingebunden ist. Was direkt die Frage anschließt, wer verantwortet die Öffentlichkeitsarbeit vom MSV Duisburg? Auf mich wirkt es so, als sei diese Verantwortung vor allem in der Marketingabteilung verortet. Was ganz sicher die falsche Stelle wäre, da das Marketing nur Teilaufgaben der Öffentlichkeitsarbeit übernehmen kann. Die Verantwortung für Strategie und  Konzept muss eine Hierarchiestufe höher angesiedelt werden und damit bei der Geschäftsführung. Das wirft sofort die nächste Frage auf. Gibt es dort Zeit und Wissen, sich um ein – so meine ich – weiterhin zu entwerfendes Konzept für die Öffentlichkeitsarbeit zu kümmern? Bis zum Beweis des Gegenteils bleiben mir erst einmal Zweifel. Aber wenn Roland Kentsch morgen die Finanzfragen endgültig geklärt hat, kann er sich ja neuen Aufgaben widmen.

Was die Pressearbeit selbst angeht, so lässt sich aus meinen Erfahrungen sogar schließen, erst seit Sven Judith die Alleinverantwortung für die Pressearbeit des MSV Duisburg übernommen hatte, ist diese Presseabteilung überhaupt erreichbar gewesen. Ich weiß nicht, wofür Tobias Günther sein Geld bekommen hat. Anfragen zu bearbeiten gehörte anscheinend nur dann dazu, wenn diese Anfrage per Mail mehrmals in immer drängenderem Ton gestellt wurde und schließlich in Kopie auch an die Geschäftsführung ging. Telefonisch war er ohnehin so gut wie nie erreichbar. Schlecht für die Außenwirkung des MSV Duisburg, dass Tobias Günther der alleinige Ansprechpartner für diese Anfragen war.

Ich kann nicht beurteilen, ob der Kontakt mit den Journalisten vor Ort besser gewesen ist, ungeachtet dessen gehört auch die sofortige Bearbeitung von auswärtigen Anfragen zur Aufgabe einer Presseabteilung. Erst seit Sven Judith alleine verantwortlich war, funktionierte das reibungslos. Zudem muss man daran erinnern, Sven Judith ist nie offiziell zum Pressesprecher des Vereins gemacht worden. Er war bis zum Weggang von Tobias Günther für die externe Kommunikation nicht verantwortlich, und eigentlich hätte von Seiten des Vereins gehandelt werden müssen. Entweder hätte die offene Position neu besetzt werden müssen, oder Sven Judith hätte eine neue Nummer zwei an der Seite gebraucht.

Was ich somit beurteilen kann, ist die verbesserte Außenwirkung der Pressearbeit seit Sven Judiths Übernahme der Aufgabe. Intern hat es ja anscheinend einen Konflikt mit Milan Sasic gegeben. Dieser reihte sich ein in die vielen anderen Konflikte vom Trainer mit Angestellten in unterschiedlichen Bereichen des Vereins. Ob aus diesem Konflikt Irritationen zurückgeblieben sind, sei dahin gestellt. Beim MSV Duisburg sollte sich die Führungsebene aber bewusst sein, dass die Neubesetzung der Stelle des Pressesprechers eine Gelegenheit wäre, sich noch einmal grundsätzliche Gedanken zur Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Vereins zu machen.

Australien ins WM-Endspiel!

In den letzten Spielen der zurück liegenden Saison hatte Dario Vidosic als rechter Außenverteidiger eine Weiterbildungsmaßnahme durchlaufen. Nun erweist sich für mich heute Milan Sasic nicht als Visionär des Aus- und Weiterbildungsvereins MSV Duisburg sondern als intimer Kenner der FIFA-Verträge zur WM 2010, die mit den teilnehmenden Verbänden abgeschlossen wurden. Sein Bemühen dem australischen Nationalspieler zur Komplettausstattung von Feldspieler-Fähigkeiten zu verhelfen hatte das Ziel Dario Vidosic zum Nutzen des MSV Duisburg einen Stammplatz in der australischen Nationalmannschaft zu sichern.

Denn wie mittels BILD-Zeitung vom Manager des 1. FC Nürnberg Martin Bader zu erfahren ist, erhält der Verein 4.000 Euro Prämie pro Tag der Abstellung für seine Nationalspieler. Das Geld für Dario Vidosic muss sich der Verein mit dem MSV Duisburg teilen. Der MSV Duisburg kann, wie wir wissen, gegenwärtig jeden Euro gut gebrauchen. Was bleibt uns Anhängern dieses Vereins anderes als zu wünschen: Australien ins Endspiel! Mit einem Gegner Deutschland? Auch in dem Fall erinnere ich an die Verantwortung von uns Anhängern. Wir haben eine Wahl zu treffen zwischen lokalen und nationalen Interessen. Für mich ist es deshalb keine Frage, wie ich mich angesichts der Finanzlage vom MSV Duisburg entscheide. Soll sich ganz Deutschland in seiner Enttäuschung doch gegen uns wenden. Dänemark muss ins Endspiel! Wenn für Sören Larsen die FIFA schließlich auch noch zahlte, hätte Bruno Hübner Mitte Juli ein wenig mehr Spielraum für weitere Verpflichtungen. Schließlich wären das unverhoffte Zusatzeinnahmen, die Roland Kentsch doch nicht bei der Erfüllung der DFL-Auflagen schon hatte anführen können, oder? Um Enttäuschungen der Leser hier vorzubeugen, muss ich natürlich den grundsätzlichen Zweifel über den Wahrheitsgehalt einer Meldung in der BILD-Zeitung erwähnen. Vielleicht sollte man mal über einen Beipackzettel zu Risiken und Nebenwirkungen von Worten nachdenken. Der müsste dann heute hier ebenfalls beigefügt werden.

Ungefähr so: Vor der Lektüre des von Ihnen aufgerufenen Textes empfehlen wir das sorgfältige Lesen der folgenden Hinweise zu Risiken und Nebenwirkungen der von uns mit großer Umsicht zusammengestellten Worte. Nach dem Lesen dieses Textes erhält sich die Wirkung durch die im Text verbreitete Information auf längere Frist nur bei Hinzunahme einer weiteren Quelle für diese Information. Sollten Sie sich nicht für das Lesen einer zweiten Quelle entschließen, kann das Wissen zu den behandelten Themen Schaden nehmen. In einigen Fällen kann als Folge von solch beschädigtem Wissen Starrsinn und verstärkte Streitbereitschaft entstehen. Sehr wenige Fälle sind verzeichnet, bei denen sich das beschädigte Wissen zu körperlichen Beschwerden in Form von Prellungen im Gesicht und am Oberkörper ausweitete.

Innere Betriebsamkeit, äußere Ruhe

Selbst wenn wir es uns in vielen Momenten einer laufenden Spielzeit nicht so richtig vorstellen können. Das Leben ist immer auch ein wenig mehr als Fußball, und Fußball ist immer auch ein wenig mehr als der MSV Duisburg. Weil es so ist, gäbe es eigentlich immer was zu schreiben, auch wenn über den Verein aller Vereine nicht viel Neues zu hören ist. Allerdings geht es mir gerade genauso wie dem MSV Duisburg. Ich weiß, es gibt das Datum, an dem das Tagesgeschäft unweigerlich weitergehen wird, doch im Moment besinne ich mich für den Zebrastreifenblog gerade auf alte Ziele und konzeptionelle Arbeit und die Frage, wie diese für mich grundsätzlichen Anliegen mit dem Tagesgeschäft in Zukunft zusammen zu bringen sind. Und so fehlen mir zurzeit die schnellen Worte.

Was gab es nicht alles für Vorhaben? Doch das Festhalten an Konzepten verlangt einfach mehr Zeit, um angestrebte Ziele zu erreichen, sei es der Aufstieg oder Texte mit Substanz zu anderen Themen als dem letzten und dem nächsten Spieltag. Die Ereignisse beim MSV Duisburg in der letzten Saison erforderten allerdings immer auch schnelles Bearbeiten, wenn ich dem hauptsächlichen Anlass dieses Blogs gerecht werden wollte. Gleichzeitig ist diese Notwendigkeit der schnellen Bearbeitung immer auch das einfachere Vorgehen um Worte für diesen Blog zu finden. Man sieht hoffentlich das Dilemma, mit dem sich auch jeder Absteiger aus der Bundesliga bestens auskennt. Konzepte schön und gut, doch das einzig mögliche Ziel nach einer Abstiegssaison, der sofortige Wiederaufstieg, ist mit großer Wahrscheinlichkeit nur durch schnelles Reagieren auf dem Spielermarkt erreichbar.

So lange genügend Geld vorhanden ist, scheinen dann Konzept und kurzfristiges Ziel sogar deckungsgleich zu sein. Vor zwei Wochen noch hieß es, die Schulden von Hertha BSC Berlin seien so hoch, dass aus der Erstliga-Mannschaft kaum Spieler gehalten werden können. Nun bleiben sogar Ramos und Raffael als Teil-“Achse des Aufstiegs“. Der Gedanke an das Geld wird in die übernächste Saison verschoben. Klappt es mit dem Aufstieg, wurde alles richtig gemacht. Klappt es nicht, … Aber an noch größere Schulden will bei dieser Hoffnung jetzt natürlich niemand denken.

Mit diesem von Hertha BSC Berlin angestrebten Balanceakt war der MSV Duisburg während der letzten zwei Jahre nicht erfolgreich. Im Augenblick hat man den Eindruck, nun schwebt der Verein an einem Sicherungsseil, dessen anderes Ende hinter die Kulissen führt. Wir wissen aber, dort hat Roland Kentsch die Kurbel der Drahtseilrolle fest in der Hand, und er bemüht sich, das Sicherhungsseil auf eine Höhe zu ziehen, von der aus der Verein sich wieder auf das Drahtseil begeben kann. Gut ausgestattet ist so eine Sicherungsvorrichtung aber nur mit einen zweiten Mann an der Kurbel, deshalb hat Roland Kentsch den Finanzfachmann Henrik Wiehl, einen Mitarbeiter aus Bielefelder Zeiten, zum Mitanpacken geholt.

Gleichzeitig steht Bruno Hübner in der Manege und beruhigt das Publikum, was auch von Journalisten dankbar aufgegriffen wird und aufmerksame Medienbeobachter angesichts identischer Texte darüber nachdenken lässt, ob die RevierSport bei Der Westen demnächst regelmäßig mit am Newsdesk sitzt. Wie schnell wird doch aus der platonischen Liebe einer Kooperation die verschmelzende Hingabe der Lebensgemeinschaft in der großen Familie des WAZ-Konzerns. Bruno Hübner belässt es nicht nur bei Ansprachen, er holt mit Julian Koch auch schon einen neuen Trapezkünstler in die Manege. Ich meine auch, Bruno Hübner findet sehr passende Worte für die Situation. Wie wir Finanzkrisen-Experten wissen, geht es in solchen Zeit immer um “Psychologie”. Es geht um die stimmige Rede über die Gefühlslage zwischen Besorgnis, Einsicht in notwendige Maßnahmen angesichts der Gegebenheiten und Hoffnung auf die Zukunft. In solch einer Situation geht es um Vertrauen, und Bruno Hübner ist der Mann beim MSV Duisburg, der weiß, dieses Vertrauen verspielt man durch Schönreden. So einen Mann brauchen wir Zuschauer, so lange wir das Sicherungsseil noch belastet sehen.

Hat sich eigentlich noch jemand am Samstag während des Endspiels der Champions League an zwei, drei Heimspiele des MSV Duisburg erinnert? Aachen, Kaiserslautern und wegen des Unentschiedens mit Abstrichen Oberhausen huschten mir immer wieder in den Kopf, als ich die vergeblichen Versuche des FC Bayern München sah, gefährlich vor das Tor von Inter Mailand zu kommen. Es gibt trotz des so großen Unterschieds in der spielerischen Qualität eine grundsätzliche Gemeinsamkeit, den das Spiel als Eindruck bei mir hinterlässt. Die eine Mannschaft versucht das Spiel in die Hand zu nehmen, die andere bewegt sich so perfekt organisiert im Gegenzug, dass es bei dem Versuch bleibt und sich kaum Torgefahr entwickelt. Dagegen ist man sich nach kurzer Zeit fast sicher, mindestens ein Konter dieser sehr gut organisierten Mannschaft wird durch ein Tor abgeschlossen. Das Endspiel im DFB-Pokal, eine Woche zuvor, gehörte hingegen einem anderen “Genre” an und natürlich nicht, weil der FC Bayern München das Spiel gewann, sondern weil hier beide Mannschaften von Anfang an versuchten, das Spiel durch Ballbesitz zu gestalten. Was mich an die erste Halbzeit des Heimspiels gegen den FC St. Pauli erinnerte, in der der MSV Duisburg den Hamburgern wie die Bremer den Bayern hoffnungslos unterlegen war.

Lothar Niemeyer hat übrigens noch nicht auf meine Mail geantwortet, welche gemeinsame Zeit er mit Marcus Feinbier beim MSV Duisburg gehabt hat. Da bleibe ich am Ball.


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