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Sprache und Wirklichkeit

In der Rheinischen Post “ringt” der MSV Duisburg um die Lizenz und im RevierSport heißt die Zeit von gestern bis heute das “bange Warten”. In Bielefeld titelt die Neue Westfälische: “Arminia Bielefeld vor Rettung in letzter Sekunde.” Das Bedrohliche wächst in Duisburg, die Erleichterung macht sich in Ostwestfalen breit. Beide Vereine befinden sich in derselben Situation. Die DFL verkündet das Ergebnis des Lizenzierungsverfahrens erst in naher Zukunft.

Der Umbruch – Fortsetzung folgt in der Presseabteilung?

Im MSVportal wird es schon weitergesagt, der Pressesprecher des MSV Duisburg Sven Judith wird am 30. Juni zu seinem letzten Arbeitstag für den Verein antreten. Diese Nachricht führt im MSVportal auch zu Überlegungen und Bewertungen der Pressearbeit des MSV Duisburg im Allgemeinen und der von Sven Judith im Besonderen.

Als Grundlage für diese Bewertungen wird allerdings weniger die Pressearbeit selbst genommen als die Öffentlichkeitsarbeit. Das ist verständlich, weil beide Aufgabengebiete nur allzu oft in einer einzigen Organisationseinheit eines Unternehmens zusammen gefasst sind und öffentliche Auftritte von Unternehmensmitarbeitern sehr oft vom Pressesprecher begleitet werden. Dennoch handelt es sich um unterschiedliche Kompetenzbereiche, und ich habe nicht den Eindruck, dass die Presseabteilung des MSV Duisburg in die die Konzeption der Öffentlichkeitsarbeit eingebunden ist. Was direkt die Frage anschließt, wer verantwortet die Öffentlichkeitsarbeit vom MSV Duisburg? Auf mich wirkt es so, als sei diese Verantwortung vor allem in der Marketingabteilung verortet. Was ganz sicher die falsche Stelle wäre, da das Marketing nur Teilaufgaben der Öffentlichkeitsarbeit übernehmen kann. Die Verantwortung für Strategie und  Konzept muss eine Hierarchiestufe höher angesiedelt werden und damit bei der Geschäftsführung. Das wirft sofort die nächste Frage auf. Gibt es dort Zeit und Wissen, sich um ein – so meine ich – weiterhin zu entwerfendes Konzept für die Öffentlichkeitsarbeit zu kümmern? Bis zum Beweis des Gegenteils bleiben mir erst einmal Zweifel. Aber wenn Roland Kentsch morgen die Finanzfragen endgültig geklärt hat, kann er sich ja neuen Aufgaben widmen.

Was die Pressearbeit selbst angeht, so lässt sich aus meinen Erfahrungen sogar schließen, erst seit Sven Judith die Alleinverantwortung für die Pressearbeit des MSV Duisburg übernommen hatte, ist diese Presseabteilung überhaupt erreichbar gewesen. Ich weiß nicht, wofür Tobias Günther sein Geld bekommen hat. Anfragen zu bearbeiten gehörte anscheinend nur dann dazu, wenn diese Anfrage per Mail mehrmals in immer drängenderem Ton gestellt wurde und schließlich in Kopie auch an die Geschäftsführung ging. Telefonisch war er ohnehin so gut wie nie erreichbar. Schlecht für die Außenwirkung des MSV Duisburg, dass Tobias Günther der alleinige Ansprechpartner für diese Anfragen war.

Ich kann nicht beurteilen, ob der Kontakt mit den Journalisten vor Ort besser gewesen ist, ungeachtet dessen gehört auch die sofortige Bearbeitung von auswärtigen Anfragen zur Aufgabe einer Presseabteilung. Erst seit Sven Judith alleine verantwortlich war, funktionierte das reibungslos. Zudem muss man daran erinnern, Sven Judith ist nie offiziell zum Pressesprecher des Vereins gemacht worden. Er war bis zum Weggang von Tobias Günther für die externe Kommunikation nicht verantwortlich, und eigentlich hätte von Seiten des Vereins gehandelt werden müssen. Entweder hätte die offene Position neu besetzt werden müssen, oder Sven Judith hätte eine neue Nummer zwei an der Seite gebraucht.

Was ich somit beurteilen kann, ist die verbesserte Außenwirkung der Pressearbeit seit Sven Judiths Übernahme der Aufgabe. Intern hat es ja anscheinend einen Konflikt mit Milan Sasic gegeben. Dieser reihte sich ein in die vielen anderen Konflikte vom Trainer mit Angestellten in unterschiedlichen Bereichen des Vereins. Ob aus diesem Konflikt Irritationen zurückgeblieben sind, sei dahin gestellt. Beim MSV Duisburg sollte sich die Führungsebene aber bewusst sein, dass die Neubesetzung der Stelle des Pressesprechers eine Gelegenheit wäre, sich noch einmal grundsätzliche Gedanken zur Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Vereins zu machen.

Australien ins WM-Endspiel!

In den letzten Spielen der zurück liegenden Saison hatte Dario Vidosic als rechter Außenverteidiger eine Weiterbildungsmaßnahme durchlaufen. Nun erweist sich für mich heute Milan Sasic nicht als Visionär des Aus- und Weiterbildungsvereins MSV Duisburg sondern als intimer Kenner der FIFA-Verträge zur WM 2010, die mit den teilnehmenden Verbänden abgeschlossen wurden. Sein Bemühen dem australischen Nationalspieler zur Komplettausstattung von Feldspieler-Fähigkeiten zu verhelfen hatte das Ziel Dario Vidosic zum Nutzen des MSV Duisburg einen Stammplatz in der australischen Nationalmannschaft zu sichern.

Denn wie mittels BILD-Zeitung vom Manager des 1. FC Nürnberg Martin Bader zu erfahren ist, erhält der Verein 4.000 Euro Prämie pro Tag der Abstellung für seine Nationalspieler. Das Geld für Dario Vidosic muss sich der Verein mit dem MSV Duisburg teilen. Der MSV Duisburg kann, wie wir wissen, gegenwärtig jeden Euro gut gebrauchen. Was bleibt uns Anhängern dieses Vereins anderes als zu wünschen: Australien ins Endspiel! Mit einem Gegner Deutschland? Auch in dem Fall erinnere ich an die Verantwortung von uns Anhängern. Wir haben eine Wahl zu treffen zwischen lokalen und nationalen Interessen. Für mich ist es deshalb keine Frage, wie ich mich angesichts der Finanzlage vom MSV Duisburg entscheide. Soll sich ganz Deutschland in seiner Enttäuschung doch gegen uns wenden. Dänemark muss ins Endspiel! Wenn für Sören Larsen die FIFA schließlich auch noch zahlte, hätte Bruno Hübner Mitte Juli ein wenig mehr Spielraum für weitere Verpflichtungen. Schließlich wären das unverhoffte Zusatzeinnahmen, die Roland Kentsch doch nicht bei der Erfüllung der DFL-Auflagen schon hatte anführen können, oder? Um Enttäuschungen der Leser hier vorzubeugen, muss ich natürlich den grundsätzlichen Zweifel über den Wahrheitsgehalt einer Meldung in der BILD-Zeitung erwähnen. Vielleicht sollte man mal über einen Beipackzettel zu Risiken und Nebenwirkungen von Worten nachdenken. Der müsste dann heute hier ebenfalls beigefügt werden.

Ungefähr so: Vor der Lektüre des von Ihnen aufgerufenen Textes empfehlen wir das sorgfältige Lesen der folgenden Hinweise zu Risiken und Nebenwirkungen der von uns mit großer Umsicht zusammengestellten Worte. Nach dem Lesen dieses Textes erhält sich die Wirkung durch die im Text verbreitete Information auf längere Frist nur bei Hinzunahme einer weiteren Quelle für diese Information. Sollten Sie sich nicht für das Lesen einer zweiten Quelle entschließen, kann das Wissen zu den behandelten Themen Schaden nehmen. In einigen Fällen kann als Folge von solch beschädigtem Wissen Starrsinn und verstärkte Streitbereitschaft entstehen. Sehr wenige Fälle sind verzeichnet, bei denen sich das beschädigte Wissen zu körperlichen Beschwerden in Form von Prellungen im Gesicht und am Oberkörper ausweitete.

Innere Betriebsamkeit, äußere Ruhe

Selbst wenn wir es uns in vielen Momenten einer laufenden Spielzeit nicht so richtig vorstellen können. Das Leben ist immer auch ein wenig mehr als Fußball, und Fußball ist immer auch ein wenig mehr als der MSV Duisburg. Weil es so ist, gäbe es eigentlich immer was zu schreiben, auch wenn über den Verein aller Vereine nicht viel Neues zu hören ist. Allerdings geht es mir gerade genauso wie dem MSV Duisburg. Ich weiß, es gibt das Datum, an dem das Tagesgeschäft unweigerlich weitergehen wird, doch im Moment besinne ich mich für den Zebrastreifenblog gerade auf alte Ziele und konzeptionelle Arbeit und die Frage, wie diese für mich grundsätzlichen Anliegen mit dem Tagesgeschäft in Zukunft zusammen zu bringen sind. Und so fehlen mir zurzeit die schnellen Worte.

Was gab es nicht alles für Vorhaben? Doch das Festhalten an Konzepten verlangt einfach mehr Zeit, um angestrebte Ziele zu erreichen, sei es der Aufstieg oder Texte mit Substanz zu anderen Themen als dem letzten und dem nächsten Spieltag. Die Ereignisse beim MSV Duisburg in der letzten Saison erforderten allerdings immer auch schnelles Bearbeiten, wenn ich dem hauptsächlichen Anlass dieses Blogs gerecht werden wollte. Gleichzeitig ist diese Notwendigkeit der schnellen Bearbeitung immer auch das einfachere Vorgehen um Worte für diesen Blog zu finden. Man sieht hoffentlich das Dilemma, mit dem sich auch jeder Absteiger aus der Bundesliga bestens auskennt. Konzepte schön und gut, doch das einzig mögliche Ziel nach einer Abstiegssaison, der sofortige Wiederaufstieg, ist mit großer Wahrscheinlichkeit nur durch schnelles Reagieren auf dem Spielermarkt erreichbar.

So lange genügend Geld vorhanden ist, scheinen dann Konzept und kurzfristiges Ziel sogar deckungsgleich zu sein. Vor zwei Wochen noch hieß es, die Schulden von Hertha BSC Berlin seien so hoch, dass aus der Erstliga-Mannschaft kaum Spieler gehalten werden können. Nun bleiben sogar Ramos und Raffael als Teil-“Achse des Aufstiegs“. Der Gedanke an das Geld wird in die übernächste Saison verschoben. Klappt es mit dem Aufstieg, wurde alles richtig gemacht. Klappt es nicht, … Aber an noch größere Schulden will bei dieser Hoffnung jetzt natürlich niemand denken.

Mit diesem von Hertha BSC Berlin angestrebten Balanceakt war der MSV Duisburg während der letzten zwei Jahre nicht erfolgreich. Im Augenblick hat man den Eindruck, nun schwebt der Verein an einem Sicherungsseil, dessen anderes Ende hinter die Kulissen führt. Wir wissen aber, dort hat Roland Kentsch die Kurbel der Drahtseilrolle fest in der Hand, und er bemüht sich, das Sicherhungsseil auf eine Höhe zu ziehen, von der aus der Verein sich wieder auf das Drahtseil begeben kann. Gut ausgestattet ist so eine Sicherungsvorrichtung aber nur mit einen zweiten Mann an der Kurbel, deshalb hat Roland Kentsch den Finanzfachmann Henrik Wiehl, einen Mitarbeiter aus Bielefelder Zeiten, zum Mitanpacken geholt.

Gleichzeitig steht Bruno Hübner in der Manege und beruhigt das Publikum, was auch von Journalisten dankbar aufgegriffen wird und aufmerksame Medienbeobachter angesichts identischer Texte darüber nachdenken lässt, ob die RevierSport bei Der Westen demnächst regelmäßig mit am Newsdesk sitzt. Wie schnell wird doch aus der platonischen Liebe einer Kooperation die verschmelzende Hingabe der Lebensgemeinschaft in der großen Familie des WAZ-Konzerns. Bruno Hübner belässt es nicht nur bei Ansprachen, er holt mit Julian Koch auch schon einen neuen Trapezkünstler in die Manege. Ich meine auch, Bruno Hübner findet sehr passende Worte für die Situation. Wie wir Finanzkrisen-Experten wissen, geht es in solchen Zeit immer um “Psychologie”. Es geht um die stimmige Rede über die Gefühlslage zwischen Besorgnis, Einsicht in notwendige Maßnahmen angesichts der Gegebenheiten und Hoffnung auf die Zukunft. In solch einer Situation geht es um Vertrauen, und Bruno Hübner ist der Mann beim MSV Duisburg, der weiß, dieses Vertrauen verspielt man durch Schönreden. So einen Mann brauchen wir Zuschauer, so lange wir das Sicherungsseil noch belastet sehen.

Hat sich eigentlich noch jemand am Samstag während des Endspiels der Champions League an zwei, drei Heimspiele des MSV Duisburg erinnert? Aachen, Kaiserslautern und wegen des Unentschiedens mit Abstrichen Oberhausen huschten mir immer wieder in den Kopf, als ich die vergeblichen Versuche des FC Bayern München sah, gefährlich vor das Tor von Inter Mailand zu kommen. Es gibt trotz des so großen Unterschieds in der spielerischen Qualität eine grundsätzliche Gemeinsamkeit, den das Spiel als Eindruck bei mir hinterlässt. Die eine Mannschaft versucht das Spiel in die Hand zu nehmen, die andere bewegt sich so perfekt organisiert im Gegenzug, dass es bei dem Versuch bleibt und sich kaum Torgefahr entwickelt. Dagegen ist man sich nach kurzer Zeit fast sicher, mindestens ein Konter dieser sehr gut organisierten Mannschaft wird durch ein Tor abgeschlossen. Das Endspiel im DFB-Pokal, eine Woche zuvor, gehörte hingegen einem anderen “Genre” an und natürlich nicht, weil der FC Bayern München das Spiel gewann, sondern weil hier beide Mannschaften von Anfang an versuchten, das Spiel durch Ballbesitz zu gestalten. Was mich an die erste Halbzeit des Heimspiels gegen den FC St. Pauli erinnerte, in der der MSV Duisburg den Hamburgern wie die Bremer den Bayern hoffnungslos unterlegen war.

Lothar Niemeyer hat übrigens noch nicht auf meine Mail geantwortet, welche gemeinsame Zeit er mit Marcus Feinbier beim MSV Duisburg gehabt hat. Da bleibe ich am Ball.

Stimmungen schaffen – Eine schnelle Medienbetrachtung

Zwei Zeitungen vom selben Tag mit jeweils einem Artikel über den MSV Duisburg: zwei Stimmungen, die im Vorfeld des Spiels gegen die SpVgg Greuther Fürth rund um den MSV Duisburg geschaffen werden – zumindest im Netz. Wie es in den Print-Ausgaben aussieht, kann ich nicht beurteilen. Jedenfalls sehen wir bei der Der Westen eine sich auflösende Mannschaft, ohne dass der Blick in die Gegenwart fällt. Wie soll eine solche Mannschaft noch einmal alles geben, um die letzte Chance zu packen? Wenn ich nur diesen Bericht lese, wage ich nicht mehr, der gegenwärtigen Mannschaft zu vertrauen.

Doch die Rettung der Hoffnung naht durch Bernd Bemmanns Vorbericht zum morgigen Spiel in der Rheinischen Post. Nicht nur, dass er in dem Artikel der Hoffnung überhaupt Öffentlichkeit einräumt, mehr noch, er trägt dazu bei, die Stimmung morgen im Stadion zu verbessern, indem er Christian Tifferts Wechsel zum 1. FC Kaiserslautern einordnet und Christian Tifferts Einstellung zum MSV Duisburg zum Thema macht. Das meinte ich gestern mit der Entwicklung eines grundsätzlichen Arbeitsethos von Berufsfußballern. Alleine durch die Beschreibung einer weiter bestehenden Verpflichtung des wechselnden Spielers ergibt sich ein öffentliches Bild, mit dem sich die Berufsfußballer auseinandersetzen müssen. Davon ab habe ich Christian Tiffert ebenfalls mit solchen Eingeschaften und der sich daraus ergebenden Einstellung eingeschätzt, wie sie im Artikel beschrieben werden.

Ich wünsche mir, möglichst viele Zuschauer werden ihre Informationen vor dem Spiel im Netz eher in der Rheinischen Post suchen und traue mich auch wegen solcher Vorberichterstattung zu hoffen, dass die Mannschaft des MSV Duisburg jedes der kommenden Spiele unabhängig von allen Planungen im Verein gewinnen will. Der FC Energie Cottbus und Fortuna Fortuna Düsseldorf haben sich vorhin jedenfalls erneut an meinen Plan gehalten.

Das Larsen-Hin-und-Her

“…für Sören Larsen und Bernd Korzynietz kommt das Spiel gegen den FSV Frankfurt zu früh.”

NRZ, 13.1.2010

“Unglaublich aber wahr. Sören Larsen ist wieder fit. Der Goalgetter wird, wenn er keinen Rückschlag erleidet, gegen Frankfurt sein Comeback feiern.”

Reviersport, 14.1.2010

“Morgen werden Innenverteidiger Frank Fahrenhorst (zuletzt Knieverletzung) und Sören Larsen (Zehenbruch) erstmals wieder dem Kader angehören. [...] Allerdings dürfte vor allem ein Einsatz von Sören Larsen unwahrscheinlich sein.

NRZ, 15.1.2010

MSV-Stürmer Sören Larsen musste die Trainingseinheit am Freitag mit muskulären Problemen frühzeitig beenden. Der Däne klagte über leichte Probleme in der Oberschenkelmuskulatur und wurde deshalb aus Gründen der Schonung aus dem Training genommen. Aus diesem Grund wird Larsen auch nicht dem Kader für das Heimspiel gegen FSV Frankfurt am Sonntag angehören. Eine genauere Untersuchung wird zu Beginn der nächsten Woche erfolgen.

Pressemitteilung MSV Duisburg, 15.1.2010 18.58 Uhr

Und es wär´so schön gewesen …

Bündnis “Zukunft durch Vertrauen” bereits aufgelöst?

Sollte es tatsächlich das Bündnis der Duisburger Sportjournalisten “Zukunft durch Vertrauen” gegeben haben, hat es sich mit dem heutigen Tag bereits wieder aufgelöst. Heute lese ich bei  Der Westen ein paar Sätze zur Vorbereitung der Mannschaft des MSV Duisburg auf das Spiel gegen Fürth und habe schließlich das altbekannte Gefühl, so richtig rund läuft es beim Verein aller Vereine nicht.

Anscheinend wohnen zwei Seelen in Dirk Retzlaffs Brust. Noch immer möchte er Normalität beschreiben, wenn er darauf hinweist, “dass sich alle Beteiligten naturgemäß erst noch mit den neuen Begebenheiten arrangieren müssen.” Doch schon im nächsten Satz ziehen ein paar dunkle Wolken auf: ” So etwas geht nicht immer reibungslos über die Bühne.” Dem können wir uns noch anschließen und denken an sachliche Auseinandersetzungen über jenes Training, das der Mannschaft in den nächsten Wochen zum Erfolg verhelfen soll. Doch der letzte Satz des Artikels entlässt uns einmal mehr in die ohnmächtige Ratlosigkeit: “Dem Vernehmen nach soll es innerhalb des nunmehr neu formierten Trainerteams bereits heftige Differenzen gegeben haben.”

Das klingt beunruhigend.  “Heftige Differenzen”. Sind diese Worte wohl gewählt, wird Uwe Speidel wohl nicht mehr allzu lange dem Trainerteam angehören. Zwischen wem sonst als ihm und dem neuen Trainergespann soll es heftige Differenzen gegeben haben? Etwa mit Manfred Gloger, der Tom Starke den Ball anders zuwerfen soll als früher? Wohl kaum. Nach so einem Satz ist die Presseabteilung des MSV Duisburg sofort gefragt. Solche Worte dürfen nicht nachhallend im Raum stehen bleiben. Das sind Sätze, die gute Stimmungen töten. Solche Differenzen müssen erklärt werden und zwar mit Fakten über die “Differenzen” und  nicht mit ausweichenden Beschwichtigungen nach dem Motto, wir haben uns in Wirklichkeit alle lieb und es ist überhaupt nicht so schlimm gewesen.

Was ich gestern lesen wollte und heute nicht

Den Freund im Stadion zu wissen und durch ihn per SMS über den Spielstand zwischen dem MSV und Union Berlin informiert zu werden, barg ein Risiko. Das hätte sehr schwierig werden können, sich in mäßiger Stimmung auf Bigband-Sound und Rap einzulassen. So verstand ich es auch zunächst als Geste der Fürsorge, dass mein Handy im Konzertsaal der Kölner Philharmonie ohne  Empfang blieb und ich erst nach dem Konzert vor der Tür lesen konnte, was ich so gern hatte lesen wollen. “3:1 gewonnen!”

Wenn ich mir heute Berichte und Meinungen zum Spiel anschaue, bleibt die gute Stimmung wegen des Sieges vorherrschend. Es zeigt sich aber auch Unsicherheit beim Ausblick auf den weiteren Verlauf der Saison, weil die Spielstärke nicht gefestigt genug gewirkt hat. Tom Starke und Christian Tiffert gehörten einmal mehr zu den besten Spielern der Mannschaft. Der Einsatz von Ivica Grlic muss ein Gewinn gewesen sein. Wenn gerade er zu einer Stütze der Mannschaft wird, wissen wir aber auch, die Anlage des Spiels verändert sich. Er ist zwar derjenige, der die Lücke im Mittelfeld anscheinend als einziger zurzeit wirklich gut schließen kann, allerdings ist er auch nicht mehr der Schnellste. Ein intensives Kurzpassspiel wird mit ihm unwahrscheinlich. Das mindert seine Leistung nicht, sondern erinnert nur an mögliche Grenzen eines Spiels mit seiner Beteiligung. Olivier Veigneau scheint endlich über 90 Minuten konstant an die Leistungen der letzten Saison angeknüpft zu haben. Und natürlich wird auch ein Spieler gefeiert, der drei Tore macht. Sören Larsen konnte dieses Mal anscheinend so im Mannschaftsgefüge spielen, dass seine Stärken zur Geltung gebracht werden konnten. Auch Kristoffer Andersen muss das Spiel nach vorne sehr belebt haben. Wie war Nicky Adler? Über ihn lese ich so gut wie nichts. Schon in der letzten Saison habe ich mich gefragt, wann ich im Spiel einmal das sehe, was die sportliche Leitung im Training von Nicky Adler sieht.

Bei der Berichterstattung über diesen Sieg zeigen Teile der Sportpresse dann eine sehr einfache Vorstellung davon, welche Ursache einer Wirkung vorausgeht. Diesen oder einen Satz ähnlichen Inhalts hatte ich gestern schon befürchtet. Lesen will ich solche Sätze aber nicht: “Die Rücktrittsdrohung von Trainer Peter Neururer hat offenbar Wirkung gezeigt.” Solche Sätze offenbaren das Verständnis von einer Welt, in der auch die Sonne häufiger scheint, weil viele Eiscafés geöffnet haben. Das gehört zur Folklore der Fußballberichterstattung, die mich genau dann stört, wenn statt der Leistung der Mannschaft schon wieder Peter Neururer im Fokus steht.

Die Medien und Peter Neururers Drohung

Zeit für ein wenig Medienkritik. Im Verlauf der Woche berichtete die überregionale Presse von Peter Neururers Ankündigung zurückzutreten, falls die Mannschaft des MSV Duisburg gegen den 1. FC Union Berlin erneut keine ausreichende Einsatzbereitschaft zeigt. Sogar kleinere Zeitungen überall in Deutschland griffen die Agenturmeldung zu den Artikeln in Bild-Zeitung und Sport-Bild auf. Überfliegt man diese Berichterstattung in den außerhalb des Ruhrgebiets erscheinenden Medien, kann man sich des Eindrucks fast überall nicht erwehren, die Mannschaft des MSV hat sich etwas schwer zuschulden kommen lassen und der Trainer hat damit nichts zu tun. An dieser Stelle habe ich es schon mehrmals geschrieben. Wie gut Peter Neururer seine Mannschaften trainiert vermag ich weniger genau zu beurteilen als seine PR-Kompetenz. Es gibt in Deutschland nicht viele in der Öffentlichkeit stehende Personen, die Öffentlichkeitsarbeit selbst verantworten und das Metier derart beherrschen. Peter Neururer weiß, was er wem sagen muss, damit öffentliche Meinungen entstehen.

Diese außerhalb des Ruhrgebiets stattfindende Berichterstattung wirft kaum die Frage auf, ob Peter Neururer für seine Ankündigung nicht auch weitere Motive gehabt hatte. Gestern habe ich im Tone dieser Sportberichterstattung über Peter Neururer kund getan, dass ich heute Abend nicht ins Stadion gehe und stattdessen ein Konzert besuche. Die von mir vorgebenene Deutung des Konzertbesuchs lässt andere Fragen vergessen. Die andere Wahrheit lautet aber so: Im Juni stand die Frage an, ob ich Konzertkarten für mich und meinen Sohn für den heutige Abend kaufen wollte. Im Juni gab es nicht mal einen Spielplan für diese Saison. Nun kann ich angesichts des Saisonverlaufs dem unter anderen Bedingungen gefassten Vorhaben eine neue Deutung geben. Die ist nun nicht ganz falsch, ganz richtig ist sie aber auch nicht. Vielleicht hätte ich die Karte versucht zu verkaufen, wenn es das Spiel des zweiten gegen den dritten gewesen wäre? Persönliches Interesse besitzt also Entwicklungsfähigkeit. Natürlich geht es Peter Neururer  um den MSV, es geht ihm aber auch verständlicher Weise um sich selbst. In welchem Verhältnis das zueinander steht, ist aber die Frage und die kann nur er selbst beantworten. Erfolg seiner Mannschaft ist wahrscheinlich keine kleine Einflussgröße für seine Haltung.

Wenn Peter Neururers eigene Interessen und die des Vereins aber nicht mehr ganz deckungsgleich sind, wird es schwierig mit seinen Versuchen, sich in den Medien in gutem Licht zu positionieren. Die Journalisten vor Ort haben das ganz gut erkannt. So sieht Thorsten Richter in diesem Kommentar im RevierSport, wie Peter Neururer die erworbenen Sympathien nun verspielt.  Auch Dirk Retzlaff in der NRZ merkt man seine Vorbehalte an, Bernd Bemmann wird in der Rheinischen Post einem Kurzkommentar noch deutlicher, er hält den Trainer für “untragbar”.

Doch die nächste Stufe der Öffentlichkeitsarbeit hat Peter Neururer bereits erklommen. Zum Ende der Woche begann für ihn die Nachbearbeitung der Meldungen zum angekündigten Rücktritt mit Hilfe der überregionalen Sportpresse. Im Interview in 11 Freunde und dem Kicker betont er, seine Worte seien nicht Drohung gewesen sondern Motivationshilfe. Was ich von derartiger Motivation halte, habe ich bereits gesagt. Im Fußball kann dennoch plötzlich alles wieder gut werden. Per SMS werde ich heute Abend auf dem Laufenden gehalten. Die Musik der WDR-Bigband ist laut genug, um leise zu jubeln.

Kees Jaratz macht Drohung wahr

Nun ist es heraus. Wie aus gut unterrichteten Kreisen zu vernehmen ist, macht Kees Jaratz seine Drohung wahr. Am nächsten Freitag im Spiel gegen Union Berlin wird er seinen Platz auf der Stehtribüne nicht einnehmen. Stattdessen soll er sich die WDR-Bigband bei einem Hiphop-Konzert ansehen. Die Krise beim MSV Duisburg spitzt sich vor dem richtungsweisenden Spiel gegen “Eisern Union” weiter zu.

“Jeder der mich kennt, weiß, dass ich das durchziehe”, sagte Jaratz einem engen Vertrauten mit guten Kontakten zur Sportpresse und fügte hinzu, die Mannschaft wisse nun, dass sie gefordert ist. Nach dem Verkauf von Torjäger Dorge Kouemaha hatte Jaratz vor Wochen schon einmal mit Konzertbesuch gedroht, sich durch die Verpflichtung des Ex-Schalkers Sören Larsen aber besänftigen lassen.

Jaratz fordert vor eigenem Publikum eine klare Leistungssteigerung und kündigt weitere Maßnahmen an, sollten sich die Spieler am Freitag gegen Union Berlin genauso wie gegen Oberhausen präsentieren. “Dann stelle ich mich sofort für den Rest der Hinrunde auch mal vier Stufen höher”, sagte der sichtlich verärgerte Fan, dem enge Kontakte zur Südkurve des 1. FC Köln nachgesagt werden.

Nachdem die “Zebras” 0:1 bei Rot-Weiß Oberhausen verloren und die dritte Punktspielniederlage in Folge kassiert hatten, deuteten sich schon während der Woche beim Training an der Westender Straße rauhere Zeiten an. Ausdrücklich tauchte Jaratz auch dort nicht auf, wo er schon jahrelang nicht mehr gesehen wurde. Beim Spiel gegen “Eisern Union” stehen seine Profis nun unter Druck. Doch in Jaratz haben sie ein starkes Vorbild, um mit der Krise fertig zu werden.  “Man muss nur immer wieder darüber reden”, sagte Jaratz und fügte hinzu,  “am besten sollten auch noch Journalisten zuhören.” Deshalb zeigt sich Jaratz zuversichtlich, dass seine Jungs vom Traditionsklub an der Wedau auf seinen aufrüttelnden Konzertbesuch die richtige Antwort geben werden.


Kees Jaratz im Buchhandel

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