Mit 'Medienkritik' getaggte Einträge

Muss man BILD-Nachrichten über den MSV wichtig nehmen?

Seit heute Morgen brodelt es immer wieder in mir. Doch erst jetzt finde ich Zeit für die Worte, die dieses Brodeln lindern. Grundsätzlich versuche ich, die Berichterstattung und Kommentare dieser Tage über den MSV als willkommenes Spielmaterial für eigene Texte zu nehmen. Das ist der Versuch, aus den Gegebenheiten des Journalismus das Beste zu machen, und ich kann mich nicht beklagen. Die letzten Tage lierferte mir diese Berichterstattung Steilvorlagen für eigene Texte. Da gab es sowohl den oberflächlichen Kommentar mit meiner Reaktion als auch den Kommentar ohne Argument mit denselben Folgen von meiner Seite.

Heute morgen aber fehlten mir solche selbsttherapierenden Möglichkeiten, als ich dem Facebook-Link zur BILD folgte. Diese wenigen Worte ärgerten mich mehr, als ich es zulassen wollte. Warum? Der Schreiber dieser Worte  in der BILD versucht, die in der Fan-Szene unabhängig geschehene Meinungsbildung als Ergebnis eines taktischen Handelns einer im Verein um Macht ringenden Partei darzustellen. Das ist schlichtweg der Versuch, die Wirklichkeit zu verfälschen. Das ist schlichtweg der Versuch, in der Öffentlichkeit die Aktivitäten von Fans des MSV Duisburg in ein schlechtes Licht zu rücken. “Geschickte Aktionen” von Andreas Rüttgers und Markus Räuber hätten die Fans auf deren Seite gebracht. Von welchen Fans spricht der Schreiber dieser Worte? Von den Fans, die schon vor 2009 das Handeln von Walter Hellmich kritisch hinterfragten? Das war Jahre bevor Andreas Rüttgers überhaupt zunächst nur als Vertreter des Sponsors Schauinsland Reisen im MSVPortal in Erscheinung trat.  Andreas Rüttgers hat über lange Zeit heftige Kritik dafür hinnehmen müssen, dass er den Ausgleich mit Walter Hellmich suchte. Was für eine Verdrehung der Tatsachen!

Muss uns das interessieren? Ja! Das  muss uns interessieren, solange beim MSV Duisburg dieser Schreiber der Worte ernst genommen wird aus dem Gedanken heraus, der Schreiber dieser Worte erreicht mit seinem Medium sehr viele Leser. Dieses Argument gilt es im Blick zu behalten. Der Schreiber dieser Worte wirkt mit seinen Worten. Deshalb ist es weiterhin unsere Aufgabe im Gespräch, genau diese Worte als Lüge zu entlarven. Es ist das alte Spiel der BILD, auf das meine Generation in jungen Jahren niemals einen ironischen Blick hat werfen können. Das hat sich geändert. Es war in den letzten Jahren Mode geworden, mit diesem Worte-Produkt spielerisch  umzugehen. Aber nein! Haltet die Maßstäbe der Vergangenheit. Denn die Schreiber der BILD wollen den Ernst, wenn sie die Wirklichkeit so zurecht biegen, wie sie es kraft ihrer Marktposition glauben tun zu können.

Niemand braucht Andreas Rüttgers und Markus Räuber, um sich über das Wirtschaften von Walter Hellmich im MSV Duisburg eine Meinung zu bilden. Niemand! Momentan stehen MSV-Fans hinter dem Verein MSV Duisburg. Sie stehen hinter keinen Personen. Nicht nur diese Wahrheit muss weiter erzählt werden, sondern die grundsätzliche Skepsis in das, was von vielen Menschen noch immer als Zeitung verstanden wird. In dem Fall geht es darum, den Glauben an das Wissen der BILD vom Tisch zu fegen. Ihr seid Teil in diesem Spiel, wenn ihr diesem Wort-Produkt nur einen kleinsten Zugriff auf die Wirklichkeit des MSV Duisburg erlaubt. Es geht nicht diesem Wort-Produkt zuzubilligen, es sei immer gut informiert und gleichzeitig die Haltung dieses Wort-Produkts zu verachten. Ihr müsst ein grundsätzliches Urteil fällen. Und das heißt: dieses Wort-Produkt erzählt mir nichts, aber auch gar nichts über die Wirklichkeit. Und genau das werde ich immer und immer wieder jedem erzählen, der mit mir über den MSV Duisburg ins Gespräch kommt. Vielleicht werden dann die Verantwortlichen im Verein irgendwann einmal weniger Sorge um die Worte in diesem Worte-Produkt haben.

Jetzt ist auch Zeit für billige Worte

Bis zur endgültigen Entscheidung über die Zukunft vergeht noch viel Zeit. In dieser Zeit versuche ich mich von sämtlichen Spekulationen fern zu halten. Das ist mein Naturell. Mir geht es wie einem Schwerkranken, der versucht möglichst gelassen zu bleiben. Dennoch werden Menschen zu ihm kommen, die versuchen ihn aufzumuntern mit Geschichten von anderen Patienten, die es geschafft haben. Diese Geschichten haben aber oft Aspekte, die zu der eigenen Geschichte nicht passen und die bei genauerem Hinsehen manchmal sogar die eigenen Aussichten in schlechterem Licht erscheinen lassen. Deshalb bevorzuge ich Fakten. Mit nichts anderem möchte ich mich beschäftigten. Ich bin sehr dünnhäutig geworden in Sachen MSV Duisburg.

Heute morgen habe ich das wieder gemerkt, als ich dann doch wieder einen Kommentar  in der WAZ überflogen habe. So sind sie, diese Kommentare, habe ich gedacht. Billige Worte. Es war nicht der erste Kommentar dieser Art. Jeder kann ihnen zustimmen, doch konkret werden sie nicht. So viele Journalisten drücken nun ihr Mitgefühl für die Fans des MSV Duisburg aus. Denn seit der Verkündung der DFL, der MSV Duisburg erhalte keine Lizenz für die zweite Liga, gelingt es diesen Fans, in immer wieder neuen, zum Teil aufwendigen Aktionen ihre Verbundenheit mit dem Verein zu zeigen. Leicht fällt da das Mitgefühl. Doch genauso leicht fällt jedes Wort in Richtung eines namenlosen Vorstands. Als ob die Aussage irgendetwas bedeutet, die Fans hätten eine kompetente Vereinsführung verdient gehabt. Artur vom Stein schreibt über die Fan-Aktion: “Ob der Protest allerdings in die richtige Richtung geht, ist eine völlig andere Geschichte.” Ersetzte Artur vom Stein  “Protest” durch “Kommentar” würde er seine eigene Haltung beschreiben.

Ich merke meine Dünnhäutigkeit daran, dass ich unwillig bin, in solchen Kommentaren irgendetwas anderes als Populismus zu sehen. Man könnte  mit gutem Willen die Worte auch so verstehen, dass tatsächlich irgendwer mitgemeint ist bei diesem Pauschalurteil über Verantwortliche beim MSV Duisburg. Vielleicht Walter Hellmich? Vielleicht Andreas Rüttgers? Vielleicht Dieter Steffen? Vielleicht Roland Kentsch? Ich weiß es nicht, ich kann mich aber gut fühlen, wenn ich wütend über alle bin. Gerechte Urteile sind Feines.

Man kann diesen guten Willen aber auch lassen. Ich möchte solche Worte eigentlich nicht lesen, weil sie auch Unmut gegenüber dem derzeitigen Vorstand rechtfertigen. Solche pauschalierenden Worte bedienen jene Stimmung unter Fans, die souveränes Handeln von einem Vorstand erwarteten, der von den Ereignissen überrollt wurde. Denn dieser so ungerechtfertigte Unmut gegenüber Udo Kirmse und seinen Vorstandskollegen blitzte einen Tag nach dem Verkünden der Nachricht über die Lizenzverweigerung vor dem Stadion auch einmal auf. Schon damals habe ich das nicht verstanden. Schon damals habe ich gedacht, was für ein Unsinn!

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Ein Klick- und Lesehinweis: Fragen und Antworten zum MSV Duisburg bei der Rheinischen Post

Heute ergreift mich das Leben neben dem MSV Duisburg umfassend. Deshalb empfehle ich euch fürs erste  einen Blick in die Rheinische Post. Die Kollegen dort haben die Flut der Informationen kanalisiert und diese Flut in viele kleine Überflutungsbecken geleitet. So entstehen beruhigte, überschaubare Informationshochwassergebiete, mit denen man die jeweiligen Zusammenhänge sehr gut in den Blick nehmen kann. Überblick durch vorbildhaften Journalist. Beifall!

Den Tag beginnen mit einer guten Nachricht, in der es vordergründig nicht um Geld geht

Bei all den Sorgen der letzten zwei Tage zur Finanzlage des MSV Duisburg ist der Spielbetrieb und eine andere offene Frage völlig aus dem Blick geraten. Nach dem letzten Spiel des MSV gegen den SC Paderborn suchte die lokale Presse ja nach einer schönen Geschichte, um ihre am MSV interessierten Leser bei Laune und Zeitung zu halten. Diese Geschichte fand sie mit den Vereinen der Bundesliga und Zweiten Liga, die ihre Trainer für die kommende Saison suchten. In so einer Situation passte es gut, dass Kosta Runjaic als der entscheidende Mann für den Erfolg des MSV Duisburg in dieser Saison gilt. So einem Trainer darf man doch wohl auch andere Aufgaben zutrauen. Es war auch nicht weiter wichtig, ob das stimmte oder nicht. Wichtig war, ein bedrohliches Szenario ist allemal eine Geschichte für mehrere Tage. Mir fiel das vor allem beim letzten Satz des oben verlinkten WAZ/NRZ-Artikels auf. Die Geschicke des 1. FC Köln verfolge ich ja vor Ort, und in der hiesigen lokalen Presse habe ich nichts von Kosta Runjaic als möglichem Trainer-Kandidaten des FC gelesen. Ich glaube, ich habe überhaupt keinen Namen gelesen. Die Kontakte der Pott-Presse in die Domstadt müssen verdammt gut gewesen sein, um in diesem namenlosen Kandidatenkreis den Trainer des MSV Duisburg zu finden.

Auf einer Äußerung von Kosta Runjaic konnte sich die Lokalpresse allerdings berufen.Er hatte betont, dass er mit seinen Co-Trainern Ilja Gruev und Sven Beuckert unbedingt weiter arbeiten wollte. Was zunächst auch einfach Ausdruck seiner Wertschätzung hat sein können. Schließlich liefen die Verträge beider Co-Trainer aus. Aber so ein Ausdruck von Wertschätzung lässt sich natürlich in ein Bedrohungsszenario problemlos einbauen.  Doch dann kam die Finanzkrise des MSV Duisburg als die noch viel bessere Geschichte dazwischen. So geht das Happy End für das Bedrohungsszenario “Trainer geht” unter am Morgen nach der wieder einmal hoffentlich gesicherten Zweitliga-Lizenz. “Ilja Gruev bleibt beim MSV Duisburg”, titelt die Rheinische Post. Was im Bedrohungsszenario eine entscheidende dramaturgische Funktion hatte. Entweder wollten andere Vereine den Co-Trainer verpflichten oder der MSV Duisburg wollte nicht auf seine Vertragsvorstellungen eingehen. Nun arbeitet er also beim MSV weiter, und wir können darauf zählen, Kosta Runjaic wird es zufrieden mitbekommen haben. Er wird beim MSV Duisburg bleiben. Bis sich die nächste Geschichte mit seiner Person anbietet.

Fußball, Homosexualität und die Medien – Eine Podiumsdiskussion als Podcast

»Fußball und Homosexualität – die Rolle der Medien«. So hieß das Thema einer Podiumsdiskussion am letzten Samstag in Köln anlässlich des einjährigen Bestehens der “Aktion Libero”. Dort bündelt sich das Engagement der Sportbloggerwelt gegen Homophobie im Fußball. Die Macher von Fokus Fußball, der Blog- und Presseschau zum Fußballhaben die Podiumsdiskussion dankenswerter Weise mitgeschnitten und als Podcast online gestellt. Das Ganze mit einem Klick weiter hier.

Und noch dies: Traut euren Augen am TV-Bildschirm nicht

Im Spiel Deutschland gegen die Niederlande war Joachim Löw beim Stand von 0:0 doch nicht ganz so cool, wie es im Zwischenschnitt während der 22. Minute aussah. Bei stern.de können wir lesen, TV-Zuschauer meinen nur zu wissen, was der Bundestrainer in dieser Minute machte. Einen Balljungen foppen war es jedenfalls nicht. Gut, dass doch alles, was ich bislang über das Spiel gelesen und gehört habe, im Ergebnis nicht von dem 2:1 abwich. Bleibt´s erstmal eine Zukunftsidee: die wild gewordene Bildregie-Crew, die sich den Spielverlauf eines EM-Spiels nach eigenem Gusto zusammenschneidet.

Das geschah jedenfalls irgendwann vor dem Spiel:

Es gibt auch so was von verdreckte Unentschieden

Am 2. März war es, im Spiel gegen die SpVgg Greuther Fürth, an jenem Freitag zeigte die Mannschaft vom MSV Duisburg die für ein paar Wochen vermisste Spielstärke und den Willen wieder, auch in der kommenden Saison in der 2. Liga zu spielen. Die Mannschaft war dem Tabellenführer ein ebenbürtiger Gegner. Das Spiel ging dennoch verloren. Fürths Trainer Mike Büskens sprach damals von einem “dreckigen Sieg” seiner Mannschaft. Seitdem überzeugte die Mannschaft vom MSV Duisburg in weiteren sieben Spielen. Da darf dann auch mal ein schlechtes Spiel an der Reihe sein. Wenn dieses schlechte Spiel nun nicht einmal verloren geht, sollte sich eigentlich niemand ärgern. Mit Mike Büskens im Sinn, ließe sich sagen: Das 0:0 gegen Eintracht Braunschweig war ein dreckiges Unentschieden. Es wurde mit Haken und Ösen erkämpft. Glück kam hinzu. Und schon wieder hatte der MSV Duisburg einen Punkt mehr, als ich in meinem Worst-Case-Tabellenrechner-Szenario angenommen hatte. Es ist alles eine Frage der Perspektive, wie zufrieden einen Ergebnisse stimmen.

Auch Oliver Reck scheint die richtige Perspektive beim Blick auf die Spielweise seiner Mannschaft einzunehmen. Wenn ich mich an seine zur kurzen Freude geballten Fäuste nach dem Abpfiff erinnere, erkenne ich eine von seinen Qualitäten. Da weiß einer Situationen richtig einzuschätzen und die entsprechende Zufriedenheit zu empfinden. Gleichzeitig zeigt seine Stellungnahme nach dem Spiel aber auch, diese Zufriedenheit geht sehr wohl einher mit realistischer Analyse. Auch er weiß, seine Mannschaft hat kein gutes Spiel gemacht. Aber Ärger? Ivica Grlic neben ihm machte mir nach dem Abpfiff auch nicht den Eindruck, als ob sich da einer ärgert. Für DerWesten nimmt Dirk Retzlaff aber diesen Ärger wahr. Irgendwie sieht dort die Welt für den MSV Duisburg immer ein bisscherer düsterer aus, als ich es erkenne. Komisch. “Da klang Ärger durch” heißt es als wertender Zusatz zu Worten, denen kein Ärger inne wohnt, sondern nur realistischer Blick auf das Spiel. Roland Kentsch wird zitiert: “Ein schlechtes Spiel, wir haben Glück gehabt”. Und Ivica Grlic hat gesagt: “Wenn wir die Leistung der letzten Wochen abgerufen hätten, wären wir auch in Braunschweig als Sieger vom Platz gegangen. Dann wäre die Sache erledigt gewesen“. Da müsste mehr Beleg für Ärger kommen, damit mein Eindruck durch die TV-Bilder nach dem Spiel irritiert würde.

Ich kann mit dem Unentschieden also gut leben, und habe auch nicht einen Moment das Gefühl, die Mannschaft habe gestern irgendetwas verpasst. Laut DerWesten soll das die vorzeitige Sicherung des Klassenerhalts  gewesen sein. Alles zu seiner Zeit. Der Spieltag ist erstens noch nicht zu Ende, zweitens lässt sich so ein Klassenerhalt auch nächste Woche problemlos festzurren. Sprich: Schon morgen Abend könnte die Überschrift zum Spielbericht auch lauten: Dreckiges Unentschieden sichert Klassenerhalt! Dazu reicht schon, dass der KSC morgen nur Unentschieden gegen den SC Paderborn spielt. Nicht so unwahrscheinlich. Und wenn nicht, feiern wir am nächsten Sonntag nach dem Sieg gegen Aue im Stadion alle gemeinsam. Auch eine schöne Aussicht.

Stark gespielt, nicht belohnt und kein zögerlicher Vorstand

Eigentlich schien das Spiel nach der ersten Halbzeit schon verloren gewesen zu sein. Der Tabellenführer aus dem Süden besaß die bessere Spielanlage und ließ der Mannschaft aus dem Westen des Ruhrgebiets nur wenig Chancen. Ein Abstiegsplatz drohte. Doch nach dem zwischenzeitlichen 15-Punkte-Rückstand kurz nach der Halbzeitpause drehten die Frauen von New Basket 92 Oberhausen im Bundesliga-Spiel gegen USC Eisvögel Freiburg durch eine konzentrierte, aggressive Defense die Begegnung. Mit einem 66:61-Sieg der Oberhausenerinnen endete das begeisternde Spiel in der Willy-Jürrissen-Halle. Ein Ende voll Glück für die Heimmannschaft, was dem Verein meiner Zuneigung im Männerfußballspiel am Tag zuvor in ähnlicher Konstellation nicht vergönnt war.

Auch wenn ich als Zuschauer zum ersten Mal beim Damen-Bundesligabasketball in Oberhausen dabei gewesen bin, ich habe mich mitreißen lassen und ein wenig von dem nachgeholt, was am Freitagabend ebenfalls lange Zeit möglich schien. Begeisterung über einen Sieg gegen den Spitzenreiter. Ein kleiner Trost.

War das am Freitag gar das beste Spiel der Saison vom MSV Duisburg? Zumindest war so eine Spielkultur von der Mannschaft schon lange nicht mehr zu sehen gewesen. Sie bot abwechslungsvolle Kombinationen, variantenreiches Spiel aus dem Mittelfeld heraus und große Einsatzbereitschaft. Ihr gelang es, das Spiel selbst zu gestalten und die offensiv beginnenden Fürther so in Verlegenheit zu bringen, dass sie gezwungen waren, sich weiter zurück zu ziehen. Nach der Halbzeitpause wurden die Fürther für zehn, fünfzehn Minuten geradezu in ihrer Hälfte eingeschnürt.

Dennoch war es ein Spiel mit nur wenigen wirklichen Torchancen und Fürth steht in der Tabelle oben, weil die Mannschaft aus diesen wenigen Chancen ihr Tor machen kann. Der MSV steht am unteren Ende der Tabelle, weil die wenigen Chancen für genau dieses Tor nicht ausreichen. Wäre das Tor für den MSV gefallen, die Mannschaft hätte sich in einen Rausch spielen können.

Jürgen Gjasula zeigte auch unter Druck im Mittelfeld, was der Verein sich von ihm erhofft hatte. Er forderte den Ball, behauptete ihn und spielte jene überraschenden Pässe, die eine Abwehr vor Schwierigkeit stellt. Maurice Exslager zeigte für mich zum ersten Mal neben seinem immer vorhandenen Einsatzwillen und seiner Grundschnelligkeit jenen Mut zum risikoreichen Spielwitz, der einen Stürmer erst unberechenbar macht für seine Gegenspieler. Natürlich war nicht alles rosig, es gab bekannte Schwächen. Emil Jula etwa war eine Art taktischer Kompromiss in diesem schnellen Kombinationsspiel. Es war ein offenes Spiel, und je länger es dauerte, desto mehr fürchtete ich den einen Fehler, der dieses Spiel entscheiden würde – diesen einen Moment zu viel Raum, der einem Fürther Spieler gelassen werden könnte. In der 78. Minute passierte es, und statt der Mannschaft brach ich als Zuschauer danach vollkommen ein. Die Enttäuschung war für mich in dem Moment zu groß. Dagegen versuchten die Spieler vom MSV Duisburg mit letztem Willen in irgendeiner Weise noch ein Tor zu erzielen. Hoffnung hatte ich keine mehr. Wie sollte das bei der enger gewordenen Abwehr möglich sein, wenn es doch schon im offenen Spiel misslungen war.

Einerseits machen mir diese vergeblichen Versuche der Mannschaft Mut. Die Mannschaft brach nicht auseinander. Wenn die Spieler diese Niederlage psychisch aushalten, werden sie schwächere Gegner mit eben dieser Spielweise schlagen können. Andererseits ließen sich aber auch während des Spiels immer wieder Spuren jener Einstellung erkennen, die den Leistungswillen einer Mannschaft torpedieren. Da wird der Ball verloren, und es wird resigniert der Kopf gesenkt oder mit weit ausladenden Armen lamentiert. Das sollte strikt verboten sein. Da brauchen ein paar Leute, ich kann mich jetzt nur an die Kollegen Brosinski und Gjasula erinnern, noch einmal ein paar deutliche Hinweise.

Natürlich fehlt auch nach diesem Spiel die Zeitungskritik nicht. Als ich gestern diesen Artikel bei Der Westen überflog, las ich sofort die vorgefasste Meinung, wie der MSV Duisburg in der Abstiegsregion journalistisch zu begleiten ist. Schon die Überschrift wirkt tendenziös durch den Griff zum Klischee: “MSV Duisburg taumelt dem Abstieg entgegen.” Gedankenlos? Bewusst? Da taumelte am Freitag nichts beim MSV Duisburg. Wenn wurde da eine Mannschaft gefällt oder was auch immer. Das ist keine beckmesserische Sprachkritik. Wirklichkeit wird auch durch Sprache gemacht. Eine taumelnde Mannschaft ist nicht mehr Gestalter des eigenen Schicksals. Davon konnte am Freitag nicht die Rede sein. Im Text selbst wird zudem am Anfang behauptet, der Vorstand handele zörgerlich. Auch das ist eine Wertung, die an der Wirklichkeit vorbeigeht. Die Wertung erfolgt mit der Begründung, die Grlic-Aussage sei als Ultimatum verstanden worden. Ja, bitte, von wem denn? Doch erst einmal nur von BILD und den Journalisten aus dem WAZ-Konzern, die in dem Absatz des Artikels so tun, als sei das jemand anders gewesen. Sie schufen also die Wirklichkeit erst, mit der sie ihre Wertung begründen. Das scheint mir wenig seriös zu sein.

In Parallelwelten, die wenig voneinander wissen?

Ich verstehe das nicht. Was ist im WAZ-Konzern los? Was wissen die Journalisten dort über den MSV Duisburg, was niemand sonst weiß und warum berichten sie dann nicht diese exklusive Nachricht? Ich will hier jetzt nicht andauernd Medienkritik betreiben, aber diese Woche stoße ich ständig auf journalistische Texte, die ich nicht verstehe. Mancheinem ist es ja egal, welche Behauptung über den MSV Duisburg in Kommentaren und Berichterstattung wahr ist und welche nicht. Das sind die ergebnisorientierten Leser, die glauben bei Erfolgslosigkeit einer Mannschaft folgt die Branche gesetzmäßig dem immer gleichen Verfahren. Mannschaft droht Abstieg, Trainer die Entlassung.

Aber bin ich naiv, wenn ich darauf bestehe, dass auch Sportjournalisten in ihren Kommentaren und in ihrer Berichterstattung zumindest berücksichtigen müssen, was vom Gegenstand ihrer Berichterstattung zu vernehmen ist? Die eigene Meinung dazu äußern kann man danach immer noch. Journalisten müssen doch in irgendeiner Weise auch im Blick halten, was offiziell gesagt wird. Das sind die Spielregeln.

Gerade verstoßen diese Journalisten ununterbrochen gegen diese Spielregeln und mich interessiert wirklich, warum das so ist. Da bin ich ganz neugieriger naiver Betrachter von außen. Das ist mir so unbegreiflich, dass ich mich gar nicht aufregen kann. Da kommt ein Kommentar aus der Essener WAZ-Zentralredaktion und auch in diesem Kommentar wird unter der Überschrift “MSV Duisburg lässt im Abstiegskampf keinen Fehler aus” dieses in WAZ und BILD berichtete Ultimatum des Wochenanfangs aufbereitet: “Zum Beispiel: Ein Ultimatum wie aus dem Kindergarten (Siegen oder Fliegen) für Trainer Oliver Reck”.

Ich verstehe das nicht. Ich verstehe wirklich nicht, wieso folgender Satz auf der MSV-Seite für die Journalisten überhaupt keine Rolle spielt: “Rüttgers bei der PK auf die Frage der Medien nach einem ‘Ultimatum’ für Reck: ‘Unser Sportdirektor Ivo Grlic und auch kein anderer vom MSV hat von einem Ultimatum gesprochen. Das sind Spekulationen. Dass der Sportdirektor sagt, dass wir einen Sieg wollen, ist für mich ganz normal – das wollen wir nämlich immer.’”

Das muss ich doch in irgend einer Weise aufgreifen, wenn ich über ein Ultimatum berichte? Aus Sicht eines Journalisten, der partout die normalen Mechanismen des Fußballgeschäfts beim MSV Duisburg greifen sieht, wirkt sein so kritisch gemeinter Kommentar doch nicht weniger aufrüttelnd, wenn er auch noch diese Spitze losließe: Bleibt die Frage, ob sich der neue Vereinspräsident nicht nur rausreden will? Ich verstehe das einfach nicht. Ich verstehe nicht, wieso sich Ralf Birkhan eine so offensichtliche Blöße gibt.

Macht er das etwa, weil er sich sicher sein kann, niemanden interessiert das Geschehen wirklich. Macht er das, weil er weiß, seinen Lesern geht es auch nur um den Thrill, um die Erregung durch die Sensation? Oder macht er das gar, weil die Genauigkeit für die meisten am MSV Interessierten Menschen inzwischen nur noch zu den Feinheiten gehört? Einzelheiten sind uninteressant, nicht wichtig? Die große Frage ist alleine, überlebt der MSV oder nicht. Fast kommt es mir so vor, weil diese Behauptung im Kommentar, die so offensichtlich den MSV-Aussagen widerspricht, kaum kritische Bemerkungen  hervorruft. Einzelne Stimmen gibt es, wie hier in viel deutlicheren Worten, als sie mir möglich sind. Ich hingegen staune einfach nur, und verstehe diesen Kommentar einfach nicht, weil ich Ralf Birkhahn bislang als ausgewogenen berichtenden Journalisten habe wahrgenommen. Was passiert da im WAZ-Konzern? Ich verstehe es nicht.

Gestern so, heute so und morgen auch noch andersso

Wahrheit. Da haben die Menschen so ihre Probleme mit. Es gibt genügend Denker, die haben die Suche nach Wahrheit wegen widriger Umstände für eingestellt erklärt. Wahrheit? Jibbet nich. Du hast deine, ich hab meine. Irgendwas da draußen können wir eh nicht unabhängig von uns selbst erkennen. Also wird jede Behauptung über die Wirklichkeit dort erst mal richtig sein. Quatsch, die Behauptung ist die Wirklichkeit. Was wir dann als Gemeinsamkeit aushandeln, ist irgendwas Praktikables, aber Wahrheit, das kriegen wir nicht hin.

Andererseits, wir haben ja so was wie einen gemeinsamen Alltag, und da geht es uns doch immer wieder recht hartnäckig um die Frage, stimmt das oder stimmt das nicht? Wahr oder falsch? Da wollen wir es genau wissen. Und weil wir nicht überall gleichzeitig sein können, um alles selbst zu erleben, müssen wir immer wieder jemandem vertrauen, der behauptet, er wisse da etwas, was stimme und plötzlich geht es um Vertrauen.

Denn vor allem vom Vertrauen hängt es in dieser Woche ab, was wir über das Geschehen beim MSV Duisburg zu wissen glauben. Wenn ich aber an die letzten zwei Tage denke, muss ich sagen, mein Vertrauen ist aufgebraucht. Vergesst alles, was über den MSV gesagt und geschrieben wird. Wichtig ist ganz allein auf´m Platz. Anscheinend ist im Moment jede Aussage über den MSV Duisburg weder das Papier wert, auf dem sie steht, noch den Strom, der für die Datenübermittlung im Netz nötig ist.

Kurz stutzte ich schon bei der journalistischen Verkündung des Ultimatums an Oliver Reck. Berichtet wurde über den verlangten Sieg gegen die SpVgg Greuther Fürth nämlich, ohne dass einer der Verantwortlichen für dieses Ultimatum beim Namen genannt wurde, dafür klang es aber um so reißerischer. Gestern sprach MSV-Präsident Andreas Rüttgers mit einigen Fans an der Westender Straße und von dort hören wir nun, es habe kein Ultimatum gegeben. Sind das nun nur Wortklaubereien? Nachzulesen sind Augenzeugenberichte im MSVPortal oder in der Facebook-Gruppe Zebraktiv. Im selben Gespräch erzählte auch Vasileios Pliatsikas seine Geschichte vom Vortag auf ganz andere Weise, als es WAZ-Konzern und BILD berichteten. Im Auto schlafend sollte er die Mannschaftssitzung verpasst haben. Im Journalisten-Deutsch hieß das verpennt. Der MSV Duisburg dementierte schon am gleichen Tag, allerdings ohne die Angelegenheit näher zu erläutern. Aussage stand gegen Aussage. Wahrheit gegen Lüge? Gegen Halbwahrheit? Im Gespräch an der Westender Straße nun gab es die nähere Erläuterung, und die Wahrheit der Zeitungen zerbröselte weiter. Von Schlaf war nun keine Rede mehr. Und teilgenommen an der Mannschaftssitzung hatte er laut MSV am Vortag ja ohnehin.

Und heute lese ich ein Interview bei Der Westen mit Vasileios Pliatsikas, als hätte es den Artikel einen Tag zuvor in Der Westen nicht gegeben. Heute klingt alles harmloser. Die einzige Konsequenz kann doch nur sein, nichts mehr zu glauben, was in den lokalen Zeitungen über den MSV Duisburg berichtet wird. Die Ausnahme macht in dieser Woche die Rheinische Post. Gleichzeitig fehlte mir vom MSV Duisburg eine Reaktion auf die so entscheidende Behauptung vom Ultimatum. Und schon kratzt auch das an meinem Vertrauen. Wie gesagt, am besten verlass ich mich nur noch auf mich selbst und glaube nicht mehr als das, was ich auf dem Spielfeld sehe. Da weiß ich eins sofort, wenigstens das Endergebnis teilt uns eine Wahrheit mit.


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