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Fundstück: Wenn Roger Schmidt erzählt, Kosta Runjaic im Sinn

Roger Schmidt arbeitet  als Trainer von RB Salzburg, um zusammen mit Sportdirektor Ralf Rangnick die Ansprüche der österreichischen Filiale der Red-Bull-Marketingabteilung genüge zu tun. Teilnahme an einem internationalen Fußballwettbewerb heißt die Zielvorgabe. In dieser Saison wurde daraus ja nicht, weil der Verein sehr unerwartet gegen den Luxemburger Kleinstvereins-Meister F91 Dudelange in der Qualifikation zur Champions League ausschied. Eine Saison zuvor hatte Roger Schmidt mit dem SC Paderborn auch sehr unerwartete Ergebnisse vorzuweisen, die damals aber für ihn und seinen Verein sehr viel erfreulicher waren.

Als ich das Interview von Roger Schmidt über seine Arbeit bei RB Salzburg und seine besonderen Probleme dabei las, kam mir Kosta Runjaic und der MSV in den Sinn. Ich vermute, er hätte einige der Antworten fast identisch gegeben. Beide Trainer haben natürlich andere Ziele bei ihren Vereinen, die strukturellen Voraussetzungen dabei klingen aber ähnlich.

Zitate gefällig? Zu den Möglichkeiten, Spieler zu verpflichten:

Die Kunst besteht ja darin, die Spieler in dem Moment zu kennen, wenn sie anfangen, gut zu werden. Sonst wird es für uns schwierig, weil wir das Handicap – unter Anführungszeichen, das soll nicht respektlos klingen – in der österreichischen Liga zu spielen, haben. Viele denken, dass das nicht der richtige Schritt ist, um weiterzukommen. Deshalb muss man früh genug dran sein, dass sich der Wechsel nach Salzburg so rentiert, dass man sich hier weiter entwickelt. Es ist wichtig, den Spielern eine entsprechende sportliche und persönliche Perspektive zu bieten.

Zum Verhältnis Taktik und Qualität der einzelnen Spieler:

… insbesondere das Umschalten von Defensive auf Offensive nach dem gewonnen Zweikampf ist ausschlaggebend, ob er [der Innenverteidiger zum Beispiel] ein höheres Niveau hat als ein anderer. Wenn ich einen Zweikampf gewonnen habe, dann muss es im Prinzip mein Anspruch sein, den nicht geordneten Gegner sofort zu fordern und in die Tiefe zu spielen und das Spiel anzukurbeln. Der gute Innenverteidiger fängt einen Pass ab, bevor er ankommt, und spielt mit dem zweiten Kontakt einen Pass in die Tiefe auf den eigenen Stürmer. Das ist das ideale Verhalten. Natürlich wird ein Spieler daran gemessen, Tore zu schießen, aber was passiert, wenn er vorne den Ball verliert? Da ist es genau so wichtig – wie beim erwähnten Beispiel des Innenverteidigers, dass er die Möglichkeit der Balleroberung sofort ergreift. Er muss ohne Zeitverzögerung damit anfangen. Er ist im Prinzip dafür verantwortlich, dass wir gute Voraussetzungen haben, den Ball sehr weit weg vom eigenen Tor wieder zurück zu bekommen.

Zum 2:2-Ausgleich im Spiel des MSV gegen die Hertha – nein, Quatsch, es geht um vier Gegentore im Spiel von RB Salzburg gegen Admira Wacker:

Leider haben wir Fehler gemacht. Wenn man die erste Linie des Gegners nicht überspielt, sondern ihnen auf den Fuß spielt, hoch steht und sehr weit aufgerückte Außenverteidiger hat, dann hat der Gegner ein Riesenfeld, das er bespielen kann.

Das gesamte Interview mit Roger Schmidt bei 90Minuten.at gibt es mit einem Klick weiter hier.

Tief seufzen mit Stefan Maierhofer

Was für ein Ortsname: Düdelingen. Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Das klingt doch nach einem Vorort von Entenhausen, wo kleine Enten watschelnd Fußball spielen. Aber dort leben tatsächlich Menschen, Luxemburger sind es und Fußballer gibt es dort auch, diese Fußballer des Orts haben es gerade geschafft, RB Salzburg auch dieses Mal in der Qualifikation zur Champions League scheitern zu lassen.

Die Nachricht geht ja schon etwas durch die fußballinteressierte Welt, ruft entsprechenden Spott hervor und bei mir als Anhänger eines nicht so gut betuchten Vereins auch eine gewisse Zufriedenheit. Die europäischen Red-Bull-Konstrukte des Fußballs funktionieren nicht so, wie sie sollen. Das ist gar nicht das Geld, das mich dem entfremdet, sondern die umgedrehten Verhältnisse des Sporsponsorings. Das ist aber vielleicht auch nur Geschmackssache. In Leverkusen und Wolfsburg ist es ja im Grunde genommen genauso, nur mit längerer Tradition.

Wir wissen, bei RB Salzburg spielt nun der Ein-Jahres-Held vom MSV Duisburg Stefan Maierhofer, und auch er konnte sich dieses unbändigen Sogs des Versagens nicht entziehen. Folgende Szene ist wahrscheinlich sinnbildhaft für das ganze Spiel der österreichischen Mannschaft. Aus alter Verbundenheit mit Stefan Maierhofer seufze ich einmal mitleidig tief auf, und danach aber finde ich das Ergebnis völlig in Ordnung.

Warum auch immer, ich kriege den Clip hier heute nicht eingebunden. Nur der Link wird abgespeichert. Müsst ihr also weiterklicken zur TV-Konkurrenz gewordenen Clip-Seite.

Maierhofer gegen Rapid Wien – Hätti, wari, täti

Normalerweise lautet die Rollenverteilung ja meist: böser Verteidiger mit Knochen aus Stahl gegen guten Stürmer mit zerbrechlichem Körper. Es sei denn, der Stürmer heißt Stefan Maierhofer. Wer da als Gegenspieler versucht, den Ball zu erreichen, sollte zumindest einmal beim  FC Erzgebirge Aue mit seinen Kraftsportlern als Verteidiger gespielt haben. In Wien scheint das nicht der Fall gewesen zu sein. Und wenn man den 11 Freunde-Bericht liest zum Spiel von RB Salzburg bei Rapid Wien mit Stefan Maierhofer als einem der Hauptdarsteller dieser Begegnung, werden Erinnerungen an unglaubliche Sprintstrecken wach, die Stefan Maierhofer in Duisburg zurück gelegt hat. Dann denke ich aber auch an einige letzte schwere Schritte, als wir den Absprung zur Grätsche sahen, ich den Freund neben mir am Arm packte und hoffte, dass kein Spieler der anderen Mannschaft mehr an dem Ort sein würde, an dem Stefan Maierhofer anzukommen drohte. Ich denke an Kopfballsprünge, nach denen Verteidiger auf dem Boden lagen und weiß wieder, warum ich damals auch dachte, es gibt neben technischen Qualitäten gute andere Gründe, nicht gegen sondern mit Stefan Maierhofer in einer Mannschaft zu spielen.

Ich kann dann angstvolle Gegner verstehen, die zu Taktiken psychologischer Kriegsführung per SMS greifen, und genauso verstehe ich, warum die beiden beteiligten Fußballer nicht allzu viel darüber sagen wollen. Dafür sagt Stefan Maierhofer nach dem Spiel: »Fußball ist Männersport.«

Die Wiener Zuschauer fanden das gar nicht gut.

Der Grund ist weniger die Rempelei gegen den gegnerischen Torwart bei Minute bei 2`30 als die Bewegung des Maierhofer-Ellbogens bei Minute 3’50. Hätte der Schiedsrichter was gesehen, hätte es das klassische Maierhofer-Kopfball-Tor bei 5′ 50 nicht gegeben. Aber wie sagte Maierhofer ebenfalls nach dem Spiel in diesem für Duisburger nur schwer verständlichen Idiom: “Hätti, wari, täti”. Klingt nach finnisch, oder?

Meine Freude über die Julian-Koch-Rückkehr gibt es übrigens immer noch, mir fehlt nur die Muße, für sie Worte zu finden.


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