Mit 'Serge Branco' verschlagwortete Einträge

Serge Branco bei Radio Zebra

Kurz den Hinweis auf diesen im Königsblog eingestellten Podcast von der letzten „Radio Zebra“-Sendung mit einem O-Ton von Serge Branco, aufgenommen nach dem Ahlen-Spiel. Man sieht, die Duisburger Verhältnisse sind zurzeit auch anderswo von Interesse. Brancos Worte bezeugen jedenfalls, wie sehr der Unmut der Fans die Spieler verunsichert hat. Sicher, man ist in Duisburg und das Publikum ist hier seit jeher als eines der schwierigeren in Fußball-Deutschland bekannt, aber ich kann mich nicht erinnern, den bekannten Unmut als feindliche Stimmung so dauerhaft wie am Sonntag schon einmal erlebt zu haben. Da ist etwas grundsätzliches schief gelaufen in der letzten Zeit, und ich meine, das hat nicht nur mit dem Misserfolg der Mannschaft und der Arbeit Rudi Bommers zu tun. Das hat etwas damit zu tun, wie diese Arbeit nach außen hin kommuniziert wird. Das ist aber später einen eigenen Beitrag wehrt.

Jetzt nämlich noch einmal zurück zur Bestandsaufnahme: Für mich klingen sowohl die Worte Brancos als auch die der beiden Moderatoren Fabian Müller und André Görtz nach heftiger Beziehungskrise, in der beide Seiten die Realität in großen Teilen ausblenden. Branco sieht in der heilen Welt vom MSV die Fans als Unruheherd, und die zwei Moderatoren stellvertretend für die Fans sehen ihr Wirken durch das Spiel der Mannschaft gerechtfertigt und verstehen nicht, wieso sich die Spieler angegriffen fühlen.  Gegen die Mannschaft hätte man sich ja schließlich nicht gewendet. Wie immer haben beide Seiten in Teilen recht und in anderen Teilen unrecht. Dass die MSV-Welt nicht ganz so heil ist, wissen wir angesichts mancher merkwürdigen Spielereinkäufe der letzten zwei Jahre. Und was die Fan-Seite angeht, selbst wenn es nur Bommer-Raus-Rufe gewesen wären und nur die Offiziellenplätze und die Trainerbank das Ziel gewesen wäre, überträgt sich so eine Stimmung doch auf das Spielfeld und damit auf die Spielweise der Mannschaft. Dazu muss man stehen, wenn man seinen Unmut äußert. Zuweilen war es aber sogar mehr, dieser Unmut richtete sich natürlich auch per Repertoiregesang  gegen die Mannschaft – und nur die Mannschaft. Da darf ein Branco auch schon enttäuscht sein. So ist das nämlich in Beziehungen, wenn der eine vom anderen was will, was der ihm partout zurzeit nicht geben kann.

Die Negativserie gegen Mannschaften mit Negativserie

Vor dem Spiel gestern, am frühen Abend, gegen St. Pauli hatte ein Freund aus Duisburg noch geunkt, in der WAZ am Morgen hätte er von der Negativserie St. Paulis bei Auswärtsspielen gelesen. Ob die denn verrückt seien? Das dürfe doch in Duisburg nicht bekannt werden. Diesen Wunsch muss man wohl zukünftig mit Unterschriftenaktionen und Leserzuschriften an die Duisburger Lokalpresse unterstützen. Statistiktabu für jeden MSV-Profi. Anscheinend hat das magische Wirkungen im Umfeld des Vereins aller Vereine, so eine Negativserie des Gegners. Was für eine Enttäuschung gestern Abend!

Eine derart harmlose Mannschaft gewinnt tatsächlich in Duisburg, ohne sich wirklich anzustrengen. Das Spiel ist verschenkt worden. Da reihte sich aber auch Fehler an Fehler an unglücklichen Umstand, um in die Niederlage zu münden. Jeder einzelne Moment für sich betrachtet, wäre kein Problem gewesen. In der Summe machten sie die Niederlage aus. Nehmen wir die Situation, die zum Ausgleich führte. Draußen wird ein Wechsel vorbereitet. Ede soll kommen, damit endlich der Sack zu gemacht wird. Gute Idee! Ede steht schon am Spielfeldrand. Gleichzeitig versucht sich Serge Branco zum zweiten Mal innerhalb von ein paar Minuten an einer Grätsche, die nur dann nicht zur Karte führen würde, wenn sein Gegenspieler schnell genug wäre, um ihm davon zu laufen. Aber er ist natürlich nicht schnell genug, der Stürmer aus St. Pauli. Er ist nicht mal so schnell, dass so eine Grätsche überhaupt notwendig wäre. Aber Branco grätscht, die Beine werden getroffen und dafür erhält er natürlich verdient die gelb-rote Karte. Übermotiviert? Oder was ist das gewesen? Zu einem Zeitpunkt, als das Spiel St. Paulis völlig aus den Fugen war. Unfassbar.

Da hatten sie die Abwehr St. Paulis nach dem 1:0 mehrere Male schwindelig gespielt, ohne das entscheidende Tor nachzulegen. Da kamen schon völlig resignierte Gesten auf Hamburger Seite. Je mehr ich drüber schreibe, desto ungeheuerlicher scheint mir diese Niederlage zu sein. Aber ich wollte ja eigentlich noch diesen Ausgleich in seine niederlagenträchtigen Momente zerpflücken. Zurück zu Branco und zu Ede, der noch am Spielfeld wartet und zu der Mannschaft, die zum Teil schon die beabsichtigte Auswechslung wahrgenommen hat. Nur geschieht jetzt keine Auswechslung. Verständlicher Weise, jetzt muss Branco ersetzt werden. Also, Tobias Willi heran, aber der muss sich erstmal den Trainingsanzug ausziehen. Das dauert. Währenddessen wird der Freistoß ausgeführt. Die Mannschaft aber scheint auf irgendwas zu warten. Anscheinend hat sich dieses Da-steht-jemand-am-Spielfeldrand-und-kommt-herein in manche Köpfe geschlichen. Kleiner Schreck durch gelb-rote Karte kommt hinzu. Konzentration entflieht. Und dann wird Spiel doch schon wieder frei gegeben. Der Ball segelt in den Strafraum, und da können dann zwei Stürmer unbedrängt köpfen. Natürlich nehmen die das Angebot zum Ausgleich gerne an.

Wäre jetzt auch nicht so dramatisch gewesen. Weil St. Pauli auch mit zehn Mann zu schlagen war. Es folgt ja auch fast sofort die Großchance von Sandro Wagner. Und auch die Geschichte vom Siegtor St. Paulis beginnt mit einem guten Angriff über den rechten Flügel. Tobias Willi ist auf und davon. Doch dann hat sich einer von St. Paulis Verteidigern gedacht, was Branco kann, kann ich auch und springt mit Anlauf und gestrecktem Bein in Willis Knochen. Gepfiffen wird nicht, denn Willi springt hoch, wird nur gestriffen und kann sogar trotzdem flanken. Die Flanke ist aber nun zu harmlos. Sie wird problemlos abgefangen und der Abschlag mit erfolgreich abgeschlossenem Konter schließt sich an. Natürlich ist Willi empört über den ausgebliebenen Pfiff des Schiedsrichters. Doch weniger er beim Linienrichter hätte seinen Ärger erst später rauslassen sollen, sondern seine Mitspieler, die ebenfalls anscheinend den Pfiff sicher erwartet hatten, hätten mehr im Spiel sein müssen. Aber sie waren ganz offensichtlich im Kopf in einer anderen Spielsituation. Womöglich hatten sie den Freistoß schon vor Augen. Der ausbleibende Schiedsrichterpfiff ist natürlich ungerecht, aber zwischen Abfangen der Flanke und Abschlag war genug Zeit, um sich wieder zu organisieren. Da fehlte Aufmerksamkeit und Schnelligkeit im Kopf.

Ohnehin war schon in der ersten Halbzeit zu spüren, dass dem Spiel der Mannschaft die kämpferische Note fehlte. Anscheinend braucht diese Mannschaft dieses Feuer, um gefährlich und wach zu sein. Gibt es einen Gegner, der diesen Kampf erstmal nicht nötig macht, weil er zu ungefährlich ist, dann plätschert das Spiel vor sich hin. Konstruktive Angriffe sind dann selten. So landete der Ball gestern immer wieder beim Versuch schnell nach vorne zu spielen beim Gegner. Das war alles nicht schön anzusehen. Und trotzdem hatte man das Gefühl, das kann was werden. Denn als Ergebnis wurde das Spiel zwar langsam, aber auch kontrolliert. Die Abwehr stand sicher. Der Ball wurde gestoppt, dann wurde geguckt, wo ist mein Mitspieler und notfalls auch zurück gespielt. Wie gesagt, nicht schön anzusehen, aber ich war eigentlich sicher, das erste Tor wird fallen.

Ich muss aufhören zu schreiben, ich merke allmählich, wie ich mich wieder gegen dieses Ergebnis aufbäume. Ich will es nicht wahr haben. Und Sandro Wagner, zur ersten Großchance, die er sich ja selbst erarbeitet hat, da will ich ja gar nichts sagen. Alleine auf den Torwart zulaufen und dann der Ball über das Tor. Da fehlt Gelassenheit. Hat im übrigen aus meiner Sicht was mit seiner Persönlichkeit zu tun. Das ist nicht seine Jugend, sondern sein unbedingter Wille im Zentrum zu stehen. Aber dieser zweite Ball, den er er freistehend am Elfmeterpunkt zwar direkt annimmt, aber ohne Kraft dem Torwart direkt in die Arme schießt. Seufz. Und wo ich schon dabei bin, welche Qualitäten hat Dorge Kouemaha, die ich bislang noch nicht gesehen habe und die in einem normalen Spiel des Vereins aller Vereine gebraucht werden. Ich verstehe schon, er soll die Anspielstation in der Spitze sein und mit seinem massigen Einsatz den Ball behaupten. Die kann er aber doch nur sein, wenn das Spiel über den Kurzpass nach vorne kommt. Was eher selten der Fall ist beim MSV. Für lange Bälle ist er viel zu langsam. Und diese hohen Bälle in den Strafraum fürs Kopfballspiel, da stehen die meisten Verteidigungsreihen immer sehr stabil. Also, ich habe da ein wirkliches Erkenntnisinteresse. Wer hilft?

Ein gutes Zeichen übrigens, wie ärgerlich Ivica Grlic im Interview mit Radio Duisburg nach dem Spiel war. Zeugt vom Anspruch und vom Willen zur Änderung. Ein zweites Interview mit Tom Starke hinterlässt bei mir einen faden Beigeschmack. Natürlich verstehe ich seine Enttäuschung und seinen Willen, wieder in der Startelf zu stehen. Aber zu einem guten Torwart gehört auch eine realistische Einschätzung der eigenen Stärken und Schwächen. Starke sieht sich in allen Belangen als den besseren Torhüter an. Im Strafraum ist er das so offensichtlich nicht, dass ihn diese Selbsteinschätzung schon jetzt für die Rückrunde zum zweiten Mann macht.  Seine Stimmung ist jedenfalls schlecht, und er versteht Bommer nicht, der ihm keine Argumente hat liefern können. Da sage ich, frage mal im Publikum. Lese mal die Blogs. Da gibt es schon den ein oder anderen Hinweis auf Schwächen.

Nur gut, dass wenigstens auch der FC gegen Dortmund verloren hat. Muss ich mir zumindest keine dummen Kommentare anhören. Drei Punkte in Koblenz, schön wär´s.

Saison 2008/2009: 3. Spieltag FC Augsburg (H)

Habe die Entspannungsübungen gemacht und die Ruhe bewahrt. Nach dem Anpfiff gestern war die dann aber ganz schnell wieder weg. Warum dürfen denn nur die Jungs auf dem Platz nervös sein, weil sie unbedingt gewinnen wollen? Warum darf ich bitte schön nicht auch nervös werden, wenn deshalb kein Pass ankommt, lange Bälle erstmal konsequent ins Aus geschlagen werden und ein ums andere Male der Ball in einem Gewusel von Spielern wie eine Flipperkugel hin- und hertitscht? Wenn ich schon vor dem Spiel ruhig bleibe, sollte ich dann doch wegen des Stressabbaus während des Spiels hin und wieder mal schimpfen dürfen.

In meinem Alter achte ich schon seit ein paar Jahren auf die Gesundheit. Dafür haben die jungen Leute vor uns auf dem Stehplatz aber kein Verständnis. Sag doch mal was Positives über den MSV, meckert da einer. Kannste doch auch rüber gehen. Zu den Fans von Augsburg? Da hätte ich ja noch mehr schimpfen müssen. Geheimfavorit? Ich glaube es nicht. Wer kann in dieser Liga eigentlich nicht aufsteigen? Ich fühle jetzt also diesen Zweifel, den ich in einem euphorisierten Moment nach dem Spiel gegen Rostock so leicht dahin geschrieben habe. Es braucht noch einige Zeit, bis das spielerische Niveau der Mannschaft sich stabilisiert.

Auf der Rückfahrt im Radio dann das Interview mit Ivo Grlic, das das Spiel von Serge Branco erklärt, der am Anfang völlig neben sich stand, dann allmählich ins Spiel fand und nach dem Spiel in Tränen ausbrach. Seine Mutter ist die Nacht zuvor überraschend gestorben. Er spielte mit und gegen die Trauer. An so einer Stelle kann man eigentlich nur schweigen. Welch ein Gefühlswirrwarr muss es in diesem Mann auslösen, wenn er als Spieler der siegreichen Mannschaft zu den glücklichen Fans mitgenommen wird. Fans, die völlig enthusiastisch den ersehnten Sieg feiern und diesen Sieg zusammen mit den Spielern zelebrieren wollen. Das Schweigen, jetzt! Und Serge Branco nur noch Kraft gewünscht für die kommenden Wochen.