Manchmal ist es ein einzelnes Wort, in dem sich Haltungen offenbaren. In der „News“ auf der Webseite des MSV Duisburg zum DFB-Pokalspiel gegen Mönchengladbach findet sich folgender Satz: „In der Pressekonferenz vor dem Spiel nahm Neururer auch die Medien in die Pflicht“. Was Peter Neururer als an die Medien adressierte Kritik sagte, interessiert hier erst einmal nicht. Dagegen interessiert hier sehr wohl, dass es der MSV Duisburg für richtig hält, diese Kritik sprachlich äußerst ungenau als „in die Pflicht nehmen“ zu bezeichnen.
Mit diesem Wort offenbart sich eine Erwartung von Vereinsseite, der ein Irrtum zugrunde liegt. Es gibt für Journalisten keine Pflicht gegenüber dem MSV Duisburg. Im Idealfall gibt es die Pflicht gegenüber einem journalistischen Ethos, zu dem etwa Wahrhaftigkeit gehört oder auch die Nachvollziehbarkeit der Argumentation und natürlich Unabhängigkeit. Wobei mir klar ist, dass in der Berichterstattung über Fußball, besonders in lokalen Zusammenhängen, diese Unabhänigkeit etwa ein dehnbarer Begriff ist. Dennoch ist es wünschenswert, dass alle Akteure im Fußballgeschehen diese Spielregeln akzeptieren und wenn sie dagegen verstoßen, sie sich dessen bewusst sind.
Für mich gehören diese Versuche, Journalisten zu instrumentalisieren in die große Abteilung Unterhaltungsbranche Fußball. Doch Fußball ist in dieser Gesellschaft etwas mehr als Unterhaltung und deshalb werden die Kontroll-Mechanismen der Celebrity-Welten von Kino und Fernsehen im Fußball nie ganz funktionieren, selbst wenn es von Vereinsseite immer wieder probiert wird. Der MSV Duisburg versucht das natürlich nicht als einziger Verein, wobei ich zweifel, ob hinter dem Versuch die öffentliche Meinung zu beeinflussen eine Strategie steht. Auch andere Vereine versuchen eine unabhängige Berichterstattung zu erschweren, wie gestern bei textilvergehen zum 1. FC Union Berlin zu lesen war.
Neben diesen grundsätzlichen Überlegungen weiß ich zudem gar nicht, wen Peter Neururer mit seiner Kritik überhaupt meint, wenn er sagt: „Bei dem ein oder anderen Journalisten habe ich das Gefühl, dass er nur darauf wartet, dass hier etwas schief läuft, um dann ordentlich drauf zu hauen“. Nun lese ich zwar schon viel über den MSV Duisburg aber auch nicht jeden Artikel. Vielleicht habe ich es einfach nicht gelesen, was Peter Neururer missfiel. Vielleicht sind die Sätze aber auch eine Nebelkerze, um den Druck ein wenig von Mannschaft zu nehmen.
Lese ich die geplante Mannschaftsaufstellung für den heutigen Abend, fällt es mir jedenfalls schon leichter, die vergangenen zwei Spiele erst einmal zu vergessen. Die offensive Ausrichtung zeugt vom Versuch das Selbstbewusstsein zurück zu gewinnen und Caiubys Rückkehr macht Wagners Ausfall erträglich. Und der Gerechtigkeit halber, sei daran erinnert, dass nicht Peter Neururer sondern Thomas Tartemann hier diese Aufstellung „totale Offfensive“ nennt. Eine Formulierung, die natürlich eher Anlass zu Widerspruch gibt als die einfache Feststellung Peter Neururers, wir „möchten dort erfolgreich sein“.
Und noch was zur Erklärung: Auf der Seite vom MSV Duisburg erscheinen einzelnen Texte immer unter der Index-Adresse in der Adresszeile. Anscheinend werden sie nicht mit einer nach außen hin sichtbaren eigenen Adresse geführt. Wenn ich also hier auf bestimmte Seiten vom MSV verlinke, landet man immer erst beim Index und muss die entsprechende Seite selbst suchen.


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