Mit 'SpVgg Greuther Fürth' getaggte Einträge

Stark gespielt, nicht belohnt und kein zögerlicher Vorstand

Eigentlich schien das Spiel nach der ersten Halbzeit schon verloren gewesen zu sein. Der Tabellenführer aus dem Süden besaß die bessere Spielanlage und ließ der Mannschaft aus dem Westen des Ruhrgebiets nur wenig Chancen. Ein Abstiegsplatz drohte. Doch nach dem zwischenzeitlichen 15-Punkte-Rückstand kurz nach der Halbzeitpause drehten die Frauen von New Basket 92 Oberhausen im Bundesliga-Spiel gegen USC Eisvögel Freiburg durch eine konzentrierte, aggressive Defense die Begegnung. Mit einem 66:61-Sieg der Oberhausenerinnen endete das begeisternde Spiel in der Willy-Jürrissen-Halle. Ein Ende voll Glück für die Heimmannschaft, was dem Verein meiner Zuneigung im Männerfußballspiel am Tag zuvor in ähnlicher Konstellation nicht vergönnt war.

Auch wenn ich als Zuschauer zum ersten Mal beim Damen-Bundesligabasketball in Oberhausen dabei gewesen bin, ich habe mich mitreißen lassen und ein wenig von dem nachgeholt, was am Freitagabend ebenfalls lange Zeit möglich schien. Begeisterung über einen Sieg gegen den Spitzenreiter. Ein kleiner Trost.

War das am Freitag gar das beste Spiel der Saison vom MSV Duisburg? Zumindest war so eine Spielkultur von der Mannschaft schon lange nicht mehr zu sehen gewesen. Sie bot abwechslungsvolle Kombinationen, variantenreiches Spiel aus dem Mittelfeld heraus und große Einsatzbereitschaft. Ihr gelang es, das Spiel selbst zu gestalten und die offensiv beginnenden Fürther so in Verlegenheit zu bringen, dass sie gezwungen waren, sich weiter zurück zu ziehen. Nach der Halbzeitpause wurden die Fürther für zehn, fünfzehn Minuten geradezu in ihrer Hälfte eingeschnürt.

Dennoch war es ein Spiel mit nur wenigen wirklichen Torchancen und Fürth steht in der Tabelle oben, weil die Mannschaft aus diesen wenigen Chancen ihr Tor machen kann. Der MSV steht am unteren Ende der Tabelle, weil die wenigen Chancen für genau dieses Tor nicht ausreichen. Wäre das Tor für den MSV gefallen, die Mannschaft hätte sich in einen Rausch spielen können.

Jürgen Gjasula zeigte auch unter Druck im Mittelfeld, was der Verein sich von ihm erhofft hatte. Er forderte den Ball, behauptete ihn und spielte jene überraschenden Pässe, die eine Abwehr vor Schwierigkeit stellt. Maurice Exslager zeigte für mich zum ersten Mal neben seinem immer vorhandenen Einsatzwillen und seiner Grundschnelligkeit jenen Mut zum risikoreichen Spielwitz, der einen Stürmer erst unberechenbar macht für seine Gegenspieler. Natürlich war nicht alles rosig, es gab bekannte Schwächen. Emil Jula etwa war eine Art taktischer Kompromiss in diesem schnellen Kombinationsspiel. Es war ein offenes Spiel, und je länger es dauerte, desto mehr fürchtete ich den einen Fehler, der dieses Spiel entscheiden würde – diesen einen Moment zu viel Raum, der einem Fürther Spieler gelassen werden könnte. In der 78. Minute passierte es, und statt der Mannschaft brach ich als Zuschauer danach vollkommen ein. Die Enttäuschung war für mich in dem Moment zu groß. Dagegen versuchten die Spieler vom MSV Duisburg mit letztem Willen in irgendeiner Weise noch ein Tor zu erzielen. Hoffnung hatte ich keine mehr. Wie sollte das bei der enger gewordenen Abwehr möglich sein, wenn es doch schon im offenen Spiel misslungen war.

Einerseits machen mir diese vergeblichen Versuche der Mannschaft Mut. Die Mannschaft brach nicht auseinander. Wenn die Spieler diese Niederlage psychisch aushalten, werden sie schwächere Gegner mit eben dieser Spielweise schlagen können. Andererseits ließen sich aber auch während des Spiels immer wieder Spuren jener Einstellung erkennen, die den Leistungswillen einer Mannschaft torpedieren. Da wird der Ball verloren, und es wird resigniert der Kopf gesenkt oder mit weit ausladenden Armen lamentiert. Das sollte strikt verboten sein. Da brauchen ein paar Leute, ich kann mich jetzt nur an die Kollegen Brosinski und Gjasula erinnern, noch einmal ein paar deutliche Hinweise.

Natürlich fehlt auch nach diesem Spiel die Zeitungskritik nicht. Als ich gestern diesen Artikel bei Der Westen überflog, las ich sofort die vorgefasste Meinung, wie der MSV Duisburg in der Abstiegsregion journalistisch zu begleiten ist. Schon die Überschrift wirkt tendenziös durch den Griff zum Klischee: “MSV Duisburg taumelt dem Abstieg entgegen.” Gedankenlos? Bewusst? Da taumelte am Freitag nichts beim MSV Duisburg. Wenn wurde da eine Mannschaft gefällt oder was auch immer. Das ist keine beckmesserische Sprachkritik. Wirklichkeit wird auch durch Sprache gemacht. Eine taumelnde Mannschaft ist nicht mehr Gestalter des eigenen Schicksals. Davon konnte am Freitag nicht die Rede sein. Im Text selbst wird zudem am Anfang behauptet, der Vorstand handele zörgerlich. Auch das ist eine Wertung, die an der Wirklichkeit vorbeigeht. Die Wertung erfolgt mit der Begründung, die Grlic-Aussage sei als Ultimatum verstanden worden. Ja, bitte, von wem denn? Doch erst einmal nur von BILD und den Journalisten aus dem WAZ-Konzern, die in dem Absatz des Artikels so tun, als sei das jemand anders gewesen. Sie schufen also die Wirklichkeit erst, mit der sie ihre Wertung begründen. Das scheint mir wenig seriös zu sein.

Gestern so, heute so und morgen auch noch andersso

Wahrheit. Da haben die Menschen so ihre Probleme mit. Es gibt genügend Denker, die haben die Suche nach Wahrheit wegen widriger Umstände für eingestellt erklärt. Wahrheit? Jibbet nich. Du hast deine, ich hab meine. Irgendwas da draußen können wir eh nicht unabhängig von uns selbst erkennen. Also wird jede Behauptung über die Wirklichkeit dort erst mal richtig sein. Quatsch, die Behauptung ist die Wirklichkeit. Was wir dann als Gemeinsamkeit aushandeln, ist irgendwas Praktikables, aber Wahrheit, das kriegen wir nicht hin.

Andererseits, wir haben ja so was wie einen gemeinsamen Alltag, und da geht es uns doch immer wieder recht hartnäckig um die Frage, stimmt das oder stimmt das nicht? Wahr oder falsch? Da wollen wir es genau wissen. Und weil wir nicht überall gleichzeitig sein können, um alles selbst zu erleben, müssen wir immer wieder jemandem vertrauen, der behauptet, er wisse da etwas, was stimme und plötzlich geht es um Vertrauen.

Denn vor allem vom Vertrauen hängt es in dieser Woche ab, was wir über das Geschehen beim MSV Duisburg zu wissen glauben. Wenn ich aber an die letzten zwei Tage denke, muss ich sagen, mein Vertrauen ist aufgebraucht. Vergesst alles, was über den MSV gesagt und geschrieben wird. Wichtig ist ganz allein auf´m Platz. Anscheinend ist im Moment jede Aussage über den MSV Duisburg weder das Papier wert, auf dem sie steht, noch den Strom, der für die Datenübermittlung im Netz nötig ist.

Kurz stutzte ich schon bei der journalistischen Verkündung des Ultimatums an Oliver Reck. Berichtet wurde über den verlangten Sieg gegen die SpVgg Greuther Fürth nämlich, ohne dass einer der Verantwortlichen für dieses Ultimatum beim Namen genannt wurde, dafür klang es aber um so reißerischer. Gestern sprach MSV-Präsident Andreas Rüttgers mit einigen Fans an der Westender Straße und von dort hören wir nun, es habe kein Ultimatum gegeben. Sind das nun nur Wortklaubereien? Nachzulesen sind Augenzeugenberichte im MSVPortal oder in der Facebook-Gruppe Zebraktiv. Im selben Gespräch erzählte auch Vasileios Pliatsikas seine Geschichte vom Vortag auf ganz andere Weise, als es WAZ-Konzern und BILD berichteten. Im Auto schlafend sollte er die Mannschaftssitzung verpasst haben. Im Journalisten-Deutsch hieß das verpennt. Der MSV Duisburg dementierte schon am gleichen Tag, allerdings ohne die Angelegenheit näher zu erläutern. Aussage stand gegen Aussage. Wahrheit gegen Lüge? Gegen Halbwahrheit? Im Gespräch an der Westender Straße nun gab es die nähere Erläuterung, und die Wahrheit der Zeitungen zerbröselte weiter. Von Schlaf war nun keine Rede mehr. Und teilgenommen an der Mannschaftssitzung hatte er laut MSV am Vortag ja ohnehin.

Und heute lese ich ein Interview bei Der Westen mit Vasileios Pliatsikas, als hätte es den Artikel einen Tag zuvor in Der Westen nicht gegeben. Heute klingt alles harmloser. Die einzige Konsequenz kann doch nur sein, nichts mehr zu glauben, was in den lokalen Zeitungen über den MSV Duisburg berichtet wird. Die Ausnahme macht in dieser Woche die Rheinische Post. Gleichzeitig fehlte mir vom MSV Duisburg eine Reaktion auf die so entscheidende Behauptung vom Ultimatum. Und schon kratzt auch das an meinem Vertrauen. Wie gesagt, am besten verlass ich mich nur noch auf mich selbst und glaube nicht mehr als das, was ich auf dem Spielfeld sehe. Da weiß ich eins sofort, wenigstens das Endergebnis teilt uns eine Wahrheit mit.

Der gesungene Kalauer für den Tag

Ultimatum? – “Wunder gibt es immer wieder. Wenn sie dir begegnen, musst du sie auch sehen.” Kalauernd lässt sich auch Eintauchen in den 1970er-Zeitgeist mit Film-Bildern, die  Katja Ebstein dem europäischen TV-Publikum beim damals noch Grand Prix Eurovision de la Chanson genannten Eurovision Song Contest vorstellen sollten.

Und natürlich erkannte die Gegenwart in dem Schlager den Klassiker.  Dieter Thomas Kuhn lieferte  ein Cover.

Und hier zeigt sich Katja Ebstein ganz als Show-Profi im Duett mit Guildo Horn.

Dieses Gefühl habe ich eine Saison lang nicht vermisst

Wenn Niederlagen des MSV Duisburg mir für längere Zeit immer wieder Mal kurz die Laune verderben, bin ich in eine wohl bekannte alte MSV-Stimmung geraten. Eine Saison lang hatte ich mir selbst beweisen können, dass ich das Verlieren irgendwann einmal gelernt habe. Es war nicht schön zu verlieren, doch dieses unangenehme dunkle Gefühl vom Wochenende rund um den MSV blieb dennoch verschwunden. Jetzt ist es wieder da. Es ist ein Zeichen der Unzufriedenheit, nicht weil der MSV Duisburg verliert, sondern weil mein Vertrauen in das Handeln der Verantwortlichen beim MSV Duisburg nicht stabil bleibt. Mein Schiff Vertrauen befindet sich in dieser Saison wieder in unruhigem Gewässer.  Ich muss mich selbst zum Vertrauen überzeugen. Letzte Saison stellte es sich ein. Vielleicht dank glücklicher Umstände.

Vom Spiel gegen die SpVgg Greuther Fürth habe ich nichts gesehen. Nach dem, was zu lesen ist, muss die Mannschaft des MSV Duisburg sehr schlecht gespielt haben. Auch das könnte ich hinnehmen, wenn ich den Umgang mit dieser Spielweise gutheißen könnte. Mir fällt das schwer. Meine Gedanken zu Milan Sasic habe ich hier schon öfter ausgebreitet. Er hat trotz meiner anfänglichen Skepsis meine Sympathie gewonnen. Meine Sorgen ergeben sich dennoch immer wieder aus Milan Sasics Umgang mit anderen Menschen. Ich habe schon einmal vom komplexen Beziehungssystem einer Fußballmannschaft geschrieben, und ich habe Sorge, dass Milan Sasic der Gegenpart Bruno Hübner fehlt. Bruno Hübner fehlt nicht als Sportdirektor sondern als starke Person im Verein, um eine Art Psychohygnie der Gruppe zu gewährleisten. Wenn ich die Reaktion von Milan Sasic auf die Niederlage gegen die SpVgg Greuther Fürth sehe, wenn ich mich an seinen Umgang mit Mihai Tararache erinnere und an meine Mutmaßungen über seinen Umgang mit Benjamin Kern wieder wach werden, dann nimmt das Bild des enttäuschten, strengen Vaters Konturen an.

Versteht ihr, was das bedeutet?! Ich habe schon wieder das Gefühl, ihr strengt euch nicht genug an. Noch einmal nachgedacht: Der entäuschte, strenge Vater! Ich habe das in den letzten zwei Wochen jeden Tag mit euch geübt: Anspielungen, Vergleiche, bildhaftes Sprechen, Sätze mit Nebensätzen. Sätze mit mehr als fünfzehn Wörtern. Gereihte Sätze. Die Grundlagen: Einwortsatz. Die Frage. Der Aussagesatz. Alles. Und jetzt dieses Totalversagen?! Das geht nicht! Wieder sehe ich Leser ohne Bereitschaft, sich anzustrengen, um etwas zu verstehen. Ihr kriegt die Texte ohne einen Cent auszugeben. Auch wenn ihr noch so wenig denken könnt, ich will euch wenigstens ums Verstehen kämpfen sehen.  Mir tuen nur die Blogportale und die Zusammenschauen der Sportseiten leid, die sich das ansehen müssen.

Das fühlt sich doch unangenehm an, so ein Kind eines enttäuschten, strengen Vaters zu sein, oder? Das wird auch durch Geld nicht aufgewogen so ein Gefühl. Das kann zu verhärteten Positionen führen. Erfolg stellt sich im Moment nicht ein. Alles, was die Gruppe auseinander treibt, was Selbstbilder in der Öffentlichkeit beschädigt, all das macht Erfolg in Zukunft nicht gerade wahrscheinlicher.  Immer wieder kann ich nur hoffen, dass Milan Sasic in seinem Verhalten nach innen gegenüber den Spielern mehr Möglichkeiten zu handeln hat, als es nach außen hin oft den Anschein besitzt.

Nach dem Spiel ist vor dem Spiel mit dem Podcast vom letzten Donnerstag

Im Moment gerät der Zebra-Talk zu einem Podcast, über dessen tagesaktuelle Bezüge der Spieltag hinwegrauscht. Es mangelt an Zeit, um Routinen der Produktion und zeitnahen Veröffentlichung zu entwickeln. Während Tina im Urlaub weilt, trafen André und ich uns am Donnerstag vor dem Auswärtsspiel gegen die SpVgg Greuther Fürth und haben erneut das Mikro im “Badezimmer” der Rheinschafe auf den dort vorhanden Tisch gestellt. Am Sonntag konnte André den Podcast dann auf die Facebook-Seite vom Zebra-Talk stellen. Seit dem ersten hier veröffentlichten Podcast habe ich mich noch nicht damit beschäftigen können, warum mein WordPress-Account mir als mögliche Audio-Dateien zum Hochladen ins Medienarchiv nur Bildformate anbietet und deshalb die mp3-Datei nicht erkennt. Darum gibt es erneut nur diesen Link. Wer möchte, höre also:

Zebra-Talk 5

Milan Sasic kann an einer Pointe nicht vorbei gehen

Täuscht mich eigentlich mein Eindruck, dass Komiker heutzutage im Privaten keine Melancholiker mehr sind? Früher war diese Erzählung sehr populär. Die so lustigen Komiker und Clowns guckten im wirklichen Leben immer ganz traurig in die Kameras von Fotografen. Heute gibt es eine andere populäre Erzählung für die Homestory über Komiker oder, zeitgemäßer, Comedians. Clowns spielen inzwischen in einer anderen Liga. Über die will niemand mehr was wissen. Heute neigen Komiker oder eben Comedians auch im Privaten zur Lustigkeit. Sie riskieren eher Freundschaften, als dass sie eine Pointe auslassen. Damals wird es die einen ebenso gegeben haben wie heute die anderen. Ich finde es einfach immer wieder interessant, welche Geschichten in welcher Zeit häufiger erzählt werden. Kleine Belege für die emotionalen Grundbefindlichkeiten einer Gesellschaft.

Milan Sasic hat mich auf diese Gedanken gebracht. Ich halte ihn ja schon seit einiger Zeit für einen Mann mit einem sehr guten Gespür für Komik. Ich denke, auch er gehört eher zu denen, die an den Pointen nicht vorbei gehen können. Ich gehe sogar so weit zu sagen, für einen guten Bühnenkünstler bringt er Talent mit. Er besitzt Witz, einen Sinn für Timing und verfügt über eine sehr gute Kontrolle seiner Mimik. Wenn das mit dem Trainer-Dasein entgegen unser aller Hoffnung einmal nicht mehr funktioniert, könnte er eine weitere Karriere starten.

Bei der gestrigen Pressekonferenz vor dem Spiel gegen die SpVgg Greuther Fürth gab es wieder eine dieser Situationen, in der Milan Sasic sich eine Pointe nicht verkneifen konnte. Das Publikum, sprich die Journalisten, waren auf Komik nicht eingerichtet. Deshalb blieb die Reaktion doch sehr verhalten. Doch wie Milan Sasic ab Minute 16:40 die SpVgg Greuther Fürth mit jedem Wort noch etwas großartiger macht, das schafft eine Fallhöhe für eine Pointe bei Minute 18:22, die mich sehr zum Lachen bringt.

Doch in der Pressekonferenz gibt es mehr als nur die Komik. Darüber hinaus gibt es auch interessante Ausführungen von Milan Sasic zu Vasileios Pliatsikas. Sie machen nicht nur sein Verhältnis zu ihm und dessen Spielweise deutlich, sondern sie analysieren auch noch einmal die Situation, die im Spiel gegen den FC St. Pauli zum Platzverweis führten. Ab Minute 20:10.

Das Wikipedia-Prinzip im Bestand der Duisburger Stadtbibliothek

Im Bestand der Duisburger Stadtbibliothek findet sich das “Lexikon der Fußballmythen” von Christian Eichler. Eigentlich ist es kein Lexikon sondern eine Art Lesebuch. Solche Bücher warten immer auch mit Listen von Besonderheiten auf, und deshalb, so wissen wir alle, sind sie mit der Drucklegung meist schon wieder überholt. So können Mannschaften nach hohem Rückstand immer wieder dennoch gewinnen wie gerade Dynamo Dresden im Pokalspiel gegen Bayer Leverkusen gezeigt hat. 0:3 hinten liegen und dann noch 4.3 gewinnen, Respekt! Auch dieses Spiel fehlt nun bei der Liste unter dem Stichwort “Wende”, mit dem Christian Eichler eben solche Spiele betitelt, die eine Mannschaft nach hohem Rückstand noch gedreht hat. Normalerweise stört es mich immer sehr, wenn ein Ausleiher meint, in einem für jedermann verfügbaren Buch seine sehr persönlichen Anmerkungen machen zu müssen. In dem Fall habe ich aber großes Verständnis für den MSV-Fan, der das Duisburger Exemplar des Buchs auf einen aktuelleren Stand gebracht hat.

Saisonvorbereitung – Zweitligavereine wünschen heimlich Aufstockung der Bundesliga ab Saison 2012/2013

Erreichbare Ziele setzen. Das ist eine Grundbedingung für Erfolg. Weder überfordern noch unterfordern, heißt nicht nur die beste Richtschnur beim Lernen. Auch außerhalb von Schulen wäre es schön, wenn sich jede anstehende Aufgabe im Niveau ganz leicht über dem bereits vorhandenen Leistungsvermögen befände. Nie wäre etwas langweilig. Niemals geriete man in Bedrängnis, etwas nicht zu schaffen. Das Leben bestünde aus einem Rundum-Sorglos-Paket von gut abgefederter Weiterentwicklung.

Doch immer tauchen da andere Menschen auf, die einen beim Weiterkommen stören. Besonders stören sie dann, wenn Ranglisten gebildet werden und Tabellen. Denn dann gibt es für Ziele immer auch ein paar Anwärter mehr als Plätze vorhanden sind, und schon können Ziele noch so sehr punktgenau knapp oberhalb des Leistungsvermögens angesetzt werden, das Scheitern wird unweigerlich auf jemanden zukommen.  Zielbestimmung in Konkurrenzsituationen bleibt also einerseits notwendig, andererseits gefährdet diese Zielbestimmung vielleicht bereits den möglichen Erfolg. Ganz zu schweigen davon, wenn noch andere bei dieser Zielbestimmung mitmischen wollen. Dann heißt es für Verantwortliche in den Vereinen, schnell Meinung machen.

Milan Sasics Stellungnahme etwa war spätestens Ende Juni gefordert, als in den Redaktionsräumen vom Kicker die Sportjournalisten die vom MSV Duisburg eingehenden Pressemitteilungen über Spielerneuverpflichtungen kaum mehr  abarbeiten konnten. Die Arbeitsüberlastung ließ sie zum pauschalen Urteil finden, der MSV Duisburg sei endgültig zu einem Aufstiegskandidaten geworden. Milan Sasic gab sein bestes: „Es wäre bei 13 Neuen unprofessionell, vom Aufstieg zu sprechen. Welche Ziele sollen dann Eintracht Frankfurt, Bochum und St. Pauli ausgeben? Ich will mit dem MSV unter die ersten sechs Mannschaften.” Milan Sasic konnte sich auf alte Vorhaben berufen. Drei-Jahres-Plan hieß das Ganze, als noch der Ex die Interviews gab. Und wenn Milan Sasic die ersten sechs Mannschaften erwähnt, wollen wir nicht vergessen, auf diese ersten sechs Mannschaften warten auch der erste, zweite und dritte Tabellenplatz. Es ist ja nicht so, dass in Duisburg nach Siegen gesagt würde: “Och nö, lasst das mal lieber mit den drei Punkten für uns, nachher bleiben wir noch zweiter und das haut uns unsere Aufstiegspläne kaputt.” Da sind wir in Duisburg doch flexibel genug, mitzunehmen, was sich anbietet.

Andere Vereine können da sehr viel weniger flexibel sein. Wahrscheinlich nicht ganz zufällig sind es nur drei Vereine, die das große Ziel der kommenden Saison für die 2. Liga auch wirklich aussprechen. Sie waren entweder schon lange genug flexibel oder hinken ihrem Plan schon ein Jahr hinterher oder brauchen keine Pläne, weil sie gar nicht da sind, wo sie meinen, hinzugehören. Da ist es wieder, das Problem mit den anderen Menschen. Mindestens ein Verein von den dreien wird scheitern beim Streben nach dem sicheren Aufstiegsplatz.

SpVgg Greuther Fürth
“Doch mit dem ansonsten weitgehend unveränderten Kader soll es vielleicht schon 2011/12 endlich klappen mit dem großen Ziel Aufstieg. «Wir werden weiter daran arbeiten und ich bin zuversichtlich, dass ich das in meiner Zeit in Fürth mal erleben darf», sagte Manager Rachid Azzouzi. «Jeder in diesem Verein will das mit jeder Faser seines Körpers.»
dpa-Meldung in
Süddeutsche Zeitung – 16.5. 2011

VfL Bochum
“Der neue Sportchef Jens Todt hat den Aufstieg des VfL Bochum in die Fußball-Bundesliga als das erklärte Ziel bezeichnet.

Der Westen, 3.6.2011

Eintracht Frankfurt
“Es wird nicht einfach werden, aber wir haben ein Ziel, wir wollen aufsteigen.”
Armin Veh, Trainer -
  hr-online.de, 31.5.2011

In Frankfurt, Bochum und Fürth werden für die Saison 2011/2012 also klare Ansagen gemacht. Andere Vereine versuchen sich gleich dem MSV Duisburg an dem Balanceakt, die Kräfte für Aufstiegsanstrengungen zu bündeln, ohne dass die eine einzige Erwartung hemmungslos herumzutollen beginnt.

FC St. Pauli
Mit Eintracht Frankfurt ist eine Mannschaft dabei, die ähnlich wie zuletzt Hertha BSC der Top-Favorit ist. Kommt Gladbach runter, werden auch sie dazu gehören. Greuther Fürth sagt jetzt schon, dass sie den Aufstieg unbedingt schaffen wollen. Cottbus und Duisburg sind ebenfalls mit dabei. Das heißt aber nicht, dass wir die nicht packen können. Wir wollen oben mitspielen. Es wird kein Selbstläufer und wir sind realistisch. Aber es ist alles möglich.
André Schubert, Trainer – spox.com, 17.5. 2011

FC Energie Cottbus
“Lautet das langfristige Ziel Aufstieg?

Natürlich. Cottbus gehört aber nicht zu den Vereinen, die vor der Saison sagen können, dass sie in die Bundesliga wollen. … Wir können nur aufsteigen, wenn wirklich alles passt. Das kann man aber leider nicht planen
“.
Claus-Dieter Wollitz, Trainer – Eckball-Magazin, 20.5.2011

Alemannia Aachen
Eine Steigerung strebt auch für Benjamin Auer an. «Als ich im vergangenen Sommer einen Dreijahresvertrag unterschrieben habe, habe ich gesagt, dass ich gerne mit der Alemannia aufsteigen möchte. Dabei bleibe ich», sagte der Stürmer. «Vielleicht können wir in der neuen Saison die Qualität im Kader noch weiter steigern, damit dann die Plätze 3 bis 6 in der Abschlusstabelle möglich sind. Und dann bleibt ja noch mein drittes Jahr», so Auer: «Spätestens dann geht’s um Platz 1 bis 3.»
Aachener Zeitung, 12.5.2011

Nach der Saison 2011/2012 werden DFL und DFB allerdings nicht mehr daran vorbeikommen, die Bundesliga aufzustocken. Sonst werden deutschlandweit Hoffnungen enttäuscht und tiefe Depressionen werden unzählige Fußballfans arbeitsunfähig machen. Dann sollen ja nicht nur die Pläne oben genannter Vereine Wirklichkeit werden, dann wird auch mit jenen Vereine zu rechnen sein, die im Moment noch auf Wachstum setzen und sich über die deutsche Sprache freuen, in der die wunderbaren Wörter mittelfristig und langfristig die konkrete Zielbeschreibung in die Zukunft verlagern helfen.

TSV 1860 München
In drei Jahren möchen wir in der ersten Liga sein.
Hasan Ismaik, Großinvestor und Anteilseigner TSV 1860 München KgaA   Süddeutsche Zeitung, 8.6.2011

Fortuna Düsseldorf
Düsseldorf ist eine wahnsinnig attraktive Stadt, die sehr viel bietet. Die hat einfach Erstliga-Fußball verdient. Dafür arbeiten wir. Klar, ich würde mit Fortuna sehr gerne aufsteigen, das ist das mittelfristige Ziel.
Wolf Werner, Manager – Express, 13.6.2011

Eintracht Braunschweig
Eintracht Braunschweig besitzt im deutschen Fußball einen solchen Bekanntheitsgrad, dass es unser logisches Ziel ist, in der Bundesliga zu spielen. Allerdings wollen wir uns in den kommenden Jahren erstmal in der 2. Bundesliga etablieren. Denn wichtig ist auch, dass man sich in einem realistischen Zeitplan bewegt. Und ein solcher Zeitplan für die Zukunft existiert selbstverständlich auch bei Eintracht Braunschweig.”
Soeren Oliver Voigt, Geschäftsführer  – sportschau.de, 10.4.2011

FC Ingolstadt
Nun, ich habe eine ähnliche Situation beziehungsweise Entwicklung schon beim FC Augsburg erlebt. Als ich damals dorthin gekommen bin, war der Verein noch in der dritten Liga und hatte wenig Zuschauer. Sechs Jahre später sind sie nun in die Bundesliga aufgestiegen. Ich denke schon, dass man beide Klubs etwas miteinander vergleichen kann: Beide haben eine Perspektive nach oben – und auf Ingolstadt bezogen sollte es in nächster Zeit auf alle Fälle machbar sein, dass man in der 2. Bundesliga zumindest eine sehr gute Rolle und künftig nicht mehr gegen den Abstieg spielt. Was darüber hinaus noch möglich ist, wird man in den nächsten Jahren sehen.
Leo Haas, Neuzugang Saison 2011/2012 (offensives Mittelfeld) – Augsburger Allgemeine, 9.6.2011

FC Erzgebirge Aue
„Ich habe den Traum, mit Aue mittelfristig in die Bundesliga aufzusteigen und damit Einzigartiges für den Verein und die Region zu schaffen“.
Marc Hensel, Spieler (defensives Mittelfeld) – zitiert nach dpa-Bericht in der Leipziger Volkszeitung, 2.6.2011

SG Dynamo Dresden
Langfristig muss die Bundesliga das Ziel sein. Aber da gehört sehr, sehr viel Arbeit dazu. Es ist ja nicht nur die erste Mannschaft, sondern da gehört der gesamte Verein dazu. Ich denke, das wird noch ein paar Jahre dauern.
Hans-Jürgen “Dixie” Dörner, Berater – sid-Interview im RevierSport, 18.5.2011

So richtig zu Hause in der 2. Liga fühlen sich im Moment nur fünf Vereine.

1. FC Union Berlin
Es kann uns auf Dauer nicht genügen, drei oder vier Mannschaften hinter uns zu lassen. Die Mannschaft muss sich ebenfalls entwickeln“, sagt Zingler. „Dafür müssen wir die Strukturen schaffen.“ Das Wort Bundesliga wurde von Unions Präsidenten bewusst vermieden, Union soll auch in Zukunft „langsam wachsen
.
Dirk Zingler, Präsident – Tagesspiegel
, 18.5.2011

FC Hansa Rostock
“Ich bin keiner, der sagt, dass er eine Mannschaft in den nächsten zwei Jahren weiterentwickeln will. Fußball ist ein Ergebnissport, und ich orientiere mich immer an der Realität. Wenn wir es vom ersten Spiel an schaffen, von den Abstiegsrängen entfernt zu bleiben, kommt die Entwicklung automatisch.”
Peter Vollmann, Trainerkicker.de, 25.5.2011

Karlsruher SC
Wir werden wieder ein schweres Jahr haben, was nicht heißt, dass wir nicht ein Stück nach oben rutschen können. Aber die Liga wird brutal schwer. Mit Braunschweig und Rostock kommen sehr gute Aufsteiger. Von oben kommen St. Pauli und Frankfurt. Die Liga wird viel stärker. Da kann niemand ernsthaft erwarten, dass wir mit den oben genannten schwierigen Rahmenbedingungen sofort nach vorne durchstarten. Wir sind unten und wir müssen uns Schritt für Schritt nach oben arbeiten.
Rainer Scharinger, Trainer – Pforzheimer Zeitung, 18.5.2011

SC Paderborn
… Der SC Paderborn hat Mühe, mit dem Mini-Etat die 2. Liga zu halten …
Roger Schmidt, Trainer – Westfalen-Blatt, 4.6.2011

FSV Frankfurt
“Insgesamt 13 Neuzugänge muss Trainer Hans-Jürgen Boysen in diesem Jahr integrieren. “Ich bin davon überzeugt, dass wir im Vergleich zur Vorsaison einen stärkeren Kader haben” zeigte sich der Coach aber durchaus optimistisch. Am Saisonziel Klassenerhalt habe sich dennoch nichts geändert, wie Geschäftsführer Uwe Stöver betonte: “Die Mannschaft und das Umfeld muss dafür viel Geduld und Herzblut aufbringen, damit wir dieses Ziel zusammen erreichen können.”
hr-online.de, 18.6.2011

Der Unterbau der Bundesliga wird in Zukunft wohl also nur noch aus sieben Vereinen bestehen, von denen fünf irgendwann den Rückzug in die Dritte Liga vorziehen. Dann wären die übrig bleibenden zwei Bundesligaabsteiger für ein Jahr endlich da, wo wir alle hin wollen. Selbstbestimmt könnten sie die Zielsetzung für die Saison gemäß des eigenen Leistungsvermögens ansetzen, ohne den Aufstieg und damit die eigene Weiterentwicklung durch zu viel Druck zu gefährden.

Die wichtige Nachricht ist nicht die von der Niederlage

Am Samstag nach der Auswärtsniederlage gegen die SpVgg Greuther Fürth hätte ich nicht allzu viel zu schreiben gewusst. Die Niederlage war verdient, weil der Mannschaft des MSV Duisburg in der zweiten Halbzeit zu wenig im Spiel nach vorne gelang. Dabei hatten sie die zehnminütige Drangperiode der Fürther nach dem Wiederanpfiff schadlos überstanden. Erst als auch das Angriffsspiel der Fürther allmählich ratlos wirkte, gelang den Fürthern der eine Pass auf den freien Mann, der in den Strafraum dringen konnte und dort zu Fall gebracht wurde. Beim Strafstoß hatte David Yelldell keine Chance. Wenn etwas beim MSV Duisburg nicht durchweg gelingt so ist es das kontrollierte Angriffsspiel. So etwa hätte ich am Samstag geschrieben.

Doch schon am nächsten Tag veränderte eine Meldung vom MSV Duisburg alles. Denn nicht die Niederlage ist die entscheidende Nachricht vom Spieltag, sondern das Ausmaß der Verletzung von Stefan Maierhofer. Er war nach einem weiten Ball in den Strafraum mit dem Fürther Torwart und einem Verteidiger zusammengeprallt. Das hatte gar nicht sehr gefährlich ausgesehen. Er konnte dennoch nicht mehr auftreten und musste ausgewechselt werden. Eine schwerere Prellung vermutete ich und dachte, eine kürzere Pause von ein oder zwei Spieltagen sei für Stefan Maierhofer wieder gar nicht schlecht. Nun hat er einen Mittelfußbruch erlitten, und die Saison ist für ihn beendet. Rumms! Keine Teilnahme am DFB-Pokalfinale von Stefan Maierhofer; keine sich rundende Saison mit einem gut vorbereiteten Abschied, da er den Verein nach einem Jahr Ausleihe wahrscheinlich wieder verlässt.

Mich erinnert die Rückrunde dieser Saison beim MSV Duisburg allmählich an die misslungene Dramaturgie von amerikanischen Kriegsfilmen, wo die Gefahr der Mission auch stets Opfer im Team verlangt. Im MSV-Drehbuch für den Blockbuster “Mission Cup” hat leider jemand übersehen, dass durch den Verlust von mehr als einer tragenden Figur des Teams der Film nicht unbedingt tragischer wird. Wer die großen Namen zu früh rausschreibt, riskiert das Scheitern des Films. Gelingt der Film allerdings dennoch, und zwar mit einem Happy-End, wird er ein Jahrhundertwerk. Da müssten sich dann Nebenfiguren zu Helden entwickeln. Sie müssten etwas tun, was bis dahin von ihnen noch nie gesehen war. Dazu braucht es sehr gute Drehbuchautoren, da sie auf kurzer Strecke diese Nebenfiguren mit Glaubwürdigkeit versehen müssen.

Machen wir uns nichts vor. Bislang war der Sieg in Berlin gegen den FC Schalke 04 durchaus möglich, wenn es auch ein sehr schwieriges Unterfangen geworden wäre. Nun, da der MSV Duisburg ohne Stefan Maierhofer antreten wird, muss ich meine Fantasie verdammt anstrengen, um mir einen Spielverlauf vorzustellen, der mich hoffen lässt. Ich habe diese Fantasie, keine Frage. Doch noch hindert der Schock durch die Verletzung Stefan Maierhofers diese Fantasie. Das braucht noch ein paar Tage, ehe ich diese Egal-dann-eben-ohne-ihn-Zuversicht in Gänze besitze.

Zu deutlich wurde auch im Spiel gegen die SpVgg Greuther Fürth, dass der Spielaufbau beim MSV Duisburg nicht immer sehr variabel ist. Und selbst wenn er variabel ist, zielt er darauf ab, in der Mitte der gegnerischen Hälfte einen Spieler stehen zu haben, der den Ball für einen Moment sichert und schnell wieder abspielt. Das war Stefan Maierhofer. Die Mannschaft muss sich umstellen. Wir haben Spiele in dieser Saison schon ohne Stefan Maierhofer gesehen. Auch in diesen Spielen wurden Bälle hoch abgespielt und von den Verteidigern des Gegners jeweils problemlos erobert. Die spielerischen Möglichkeiten von Stefan Maierhofer sind beschränkt, diese beschränkten Möglichkeiten waren aber im Spiel des MSV Duisburg mindestens ebenso wichtig wie die das Spiel öffnenden Läufe von Julian Koch.

Sechs Spieltage bleiben Milan Sasic, um eine veränderte Spielweise unter Wettbewerbsbedingungen einspielen zu lassen. Es gibt nun auf jeden Fall keine Zwischenzeit mehr als ein Warten auf das einzig noch vorhandene Ziel der Saison, das DFB-Pokalfinale. Nun gibt es nur noch die Vorbereitungszeit. Ich spüre die Hoffnung wieder kommen.

Für Benjamin Kern gibt es keine Zwischenzeit

Mein Schreiben gleicht seit gestern einem Fußballspiel, in dem partout kein Spielfluss entstehen will, in dem Bälle verspringen und ein wildes Durcheinander herrscht. Einzelne Gedanken fliegen wie weit nach vorn geschlagene Bälle quer durch meinen Kopf und finden keinen Mitgedanken, der sie aufnimmt. Ich sehe geradezu, wie all die Mitgedanken sich mühen, das Abspiel aufzunehmen. Doch fehlt da oben nicht nur jegliche Leichtigkeit, jeder vorherige Gedanke wird zudem noch knapp verfehlt. Ich schreibe an sechs Texten gleichzeitig, ohne zum Abschluss zu kommen. Soll ich nun etwa doch auch all diese Einzelgedanken in die Welt rausschreiben und dem alten Tagebuchcharakter des Bloggens neues Leben einhauchen? Oder gar ein Kalendarium führen?

31.3., 10.05 Uhr, Karten für das Finale geordert, anschließend Freunde per Mail über das leichte Gelingen informiert. Mails der Freunde trudeln ein, allseits anerkennende Antworten über reibungsloses Prozedere. Aus Denken an Berlin allmählich wieder in Alltag finden. Abends angesehen, was die MSV-Pressekonferenz vor dem Spiel gegen die SpVgg Greuther Fürth gebracht hat. Im Netz bei LigaundsoeinhalbesTalsZeichen.tv wieder auf zwei Teile aufgeteilt. Der erste Teil: Vorberichts-Routine. Bin zu müde für den zweiten Teil. Irgendwie fühle ich mich in einer Zwischenzeit. Ab Freitag soll tatsächlich wieder überall in Deutschland um drei Punkte gespielt werden?

1.4., immer noch in der Zwischenzeit, habe aber nun den zweiten Teil der Pressekonferenz gesehen, und ich bin sehr froh, dass es den Spielern beim MSV Duisburg nicht so geht, genauer gesagt, Benjamin Kern geht es nicht so. Auf der Pressekonferenz wurde er nach seinem “Gemütszustand” gefragt, wenn er auf die Saison zurückblicke. Zu sehen ist das hier, ab Minute 6.35. Benjamin Kern reagierte großartig. Er suchte nur nach einem passenden ersten Wort, über den Inhalt seiner Sätze brauchte er keine Sekunde überlegen. Sehr bestimmt und dabei freundlich führte er aus, wie falsch er diese Frage zum jetzigen Zeitpunkt findet. Es sei einfach noch nicht an der Zeit, zurück zu blicken. Spiel für Spiel wollten sie Leistungen zeigen. Bei allen Sätzen davor und danach wirkte Benjamin Kern vorsichtig und schickte den Interviewpartner gleichen Namens vor, eine öffentliche Person Profifußballer eben. Bei dieser Frage aber brauchte er den Schutz durch diese öffentliche Person nicht, so eins war er mit dem, was er sagte. Mir ist dieser Wille zur Konzentration auf die anstehende Aufgabe schon auf dem Spielfeld oft aufgefallen. Ihn irritieren da keine Schiedsrichterentscheidungen. Ihn bringt kein schimpfender Gegenspieler aus dem Konzept. Er weiß, was seine Aufmerksamkeit braucht und dorthin richtet er sie, sobald es notwendig ist.

Überhaupt war der zweite Teil der Pressekonferenz eine recht unterhaltsame Angelegenheit. Einmal mehr konnte man einen Eindruck atmosphärischer Art gewinnen. Milan Sasic machte Scherze zu David Yelldells und Benjamin Kerns schwäbischer Grundeigenschaft, und er kam mit grundsätzlichen Worten auf gute und schlechten Zeiten eines Fußballers zu sprechen. Als dann über David Yelldell schon einmal gesprochen wurde, ließ Milan Sasic es sich nicht nehmen, nach Yelldells Länderspielreise noch ein paar Worte den Yelldell-Skeptikern mit auf den Weg zu geben.

Und nun beginnt in einer halben Stunde der Spieltag? So richtig kann ich es immer noch nicht glauben.


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