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Was für eine Aufmerksamkeit für Stefan Maierhofer im richtigen Team

Stefan Maierhofer wird diese Aufmerksamkeit gut gefallen. Ehre wem Ehre gebührt, wenn ein Spieler des 1. FC Köln alleine gegen den MSV Duisburg antritt. Gewinnen will er auch noch. Respekt! Deshalb starren wahrscheinlich nicht nur nur einige Anhänger der Zebras, sondern auch die lokale Presse in beiden Stadtteilen meiner imaginären Heimat am Rhein auf den Stürmer des FC. Fast jeder Artikel zum Spiel beschäftigt sich mit  Stefan Maierhofer. Sei es Express, Kölner Stadt-Anzeiger, Kölnische Rundschau oder Reviersport. Liebe Leute, anscheinend wirkt sich diese eine durch den DFB-Pokalwettbewerb emotionale Saison immer noch aus und das sogar bis nach Köln. Stefan Maierhofer war Teil einer gut funktionierenden Mannschaft und hat damals schon nicht besser gespielt als heute beim FC. Auch damals lebte sein Spiel vom unermüdlichen Einsatz und seiner Körpergröße. Schon damals verstolperte er einen Teil der ihm zugespielten Bälle, und schon damals kam er bei seinen Langsprints über den Platz immer mal wieder zu spät. Die Defensivspieler blieben dann unverletzt, weil er viel zu spät kam. Sie dankten ihm die vorausschauende Langsamkeit wahrscheinlich. Wir haben ihm das nachgesehen, weil das Ganze stimmte. Und zwar fast ausschließlich im Pokalwettbewerb. Morgen wird Stefan Maierhofer in der richtigen Mannschaft spielen. Gott sei Dank! Der MSV Duisburg brauchte keinen Stefan Maierhofer, der sich spielerisch nicht weiter entwickelt hat. Das war mir im Januar sogar einen lyrischen Kommentar wert. Ihm ist da gar nichts vorzuwerfen. Er macht, was er kann, und manchmal gelingt ihm auch etwas als Fußballspieler. Die Wahrscheinlichkeit ist aber im Moment sehr groß, dass seine Versuche morgen auch wie folgt aussehen.

Winterpausenende mit Stefan Maierhofer und einem Lobgedicht

In jungen Jahren habe ich mal neben dem Studium ein Geschäftsmodell verfolgt, bei dessen Erfolg die Lohnschreiberei auch zur pussierlichen kleinen Hinterhoftextmanufaktur mit Butzenscheiben hätte werden können. “Gedichte und Reden für alles und jeden”, bot ich an. Ich war einerseits mit der Hinwendung zum individuell gestalteten Produkt heimischen Handwerks meiner Zeit  voraus, andererseits hatte ich mir zu wenig Gedanken darüber gemacht, wo die damals vielleicht schon vorhandenen Menschen mit entsprechender Kaufkraft zu Hause waren. In den Mietswohnungen von uni-nahen Straßen Kölns war die Streubreite meiner Werbeoffensive jedenfalls so groß, dass sämtliche Dienstleistungskunden mühelos zwischen den Werbebotschaften hindurchschlüpfen konnten.

Flugblatt hieß damals übrigens noch der Flyer, den ich in die Briefkästen schmiss. Ich habe dann das Ganze nur noch zum privaten Amüsement weiter verfolgt. Deshalb kam die Google-Anfrage neulich ein paar Jahre zu spät. Sonst hätte ich sofort laut hier geschrien, mach ich. Preis, reden wir drüber. Folgendes wurde gesucht: “ein vierzeiler zu einem hausmeister der herr günter heist”. Manchmal sind Suchfragen doch sehr speziell, und die Google-Software  ist optimierbar. Denn so einen Vierzeiler hatte ich hier im Haus als zufriedene stellende Antwort nicht parat.

Ich komm auch drauf, weil diese Google-Unschärfen sich im Moment häufen, landen  nach der Verpflichtung von Stefan Maierhofer durch den 1. FC Köln bei mir nun wieder viele Suchende, die sich für dessen sexuelle Orientierung interessieren. Auch in dem Fall tappt Google im Halbdunkeln und schmeißt einfach mal ein paar Begriffe aus meinen Texten zusammen, irgendein schwuler Fußballer wird schon dabei rumkommen. Dabei habe ich mich hier nur für Maierhofer-Tore interessiert, kann deshalb auch nicht allzu viel bieten für Fußballfans auf der Suche nach ihrem Traummann. Auch mal ein Projekt: anhand der Google-Suchanfragen bestimmen, welche Eigenschaften muss ein Fußballspieler haben, damit Fußballzuschauer glauben, er könne schwul sein.

Ich finde es übrigens nicht bedauerlich, dass Stefan Maierhofer die Rückrunde nicht beim MSV Duisburg spielt. Seine Verpflichtung wäre verbunden gewesen mit der Hoffnung auf die Stimmung aus der vorletzten Saison. Auf seine Ausstrahlung und auf seinen Kampfeswillen. Aber das ist nicht mehr als eine Hoffnung. So eine beflügelnde Stimmung bahnte sich ohnehin auch ohne ihn schon an. Spielerisch hätte er die Mannschaft nicht weiter gebracht.  Da hätte die Verpflichtung von Dorge Kouemaha eine andere Klasse. Mal abwarten, ob das klappt.

Zurück zum Hausmeister Günter. Damit demnächst niemand ganz enttäuscht von dannen ziehen muss, wenn er einen Vierzeiler zu besagtem Facility Manager sucht, biete ich ihm und euch stattdessen nun ein neunzeiliges Lobgedicht auf das wunderbare Belek, das in naher Zukunft den Fußballer-Wallfahrtsbetrieb auf das ganze Jahr ausweiten möchte. Neben den Trainingsplätzen sind in diesem Jahr schon erste fliegende Händler aufgetaucht, die das heilige Belekgras, in Dosen abgepackt, den Fußballgläubigen verkaufen. Lourdes brauchte auch ein paar Jahre, bis es das wurde, was wir heute kennen.

Winterpausenlob

O Belek, in deutschkalten Wintern, du heilender Ort.
Wer deine so heiligen Rasen voll Glauben betritt,
dem fegst du die Hinrundenschuld und -fehler hinfort.

So viele gewannen durch dich ihren Glauben zurück.
Die Blinden erzielten die Tore  aus weiter Entfernung,
Die Lahmen erliefen sich Bälle und weinten vor Glück.

O Belek, wir werden dich immerzu  loben und preisen.
Du hilfst bei der Angst vor dem Abstieg und Meisterschaftssorgen.
O Belek, den Zweifelnden werden Siege im Spiel es beweisen.

Und mal ‘n lyrischer Kommentar zu den Maierhofer-Gerüchten

Damals in Belek

Für St. M.

Denkst du noch oft an unser Jahr?
Wir hatten nur diese Zeit.
Vom ersten Spiel an war das klar.
Wie schnell wird was Vergangenheit?

Dein Tor in Köln, Pokal-Euphorie.
Du wolltest uns oft Glück erzwingen.
Damals in Belek dachten wir, nie
wird dir ein Sprint zum Ball misslingen.

Das Ausleihende, welch hässliches Wort.
Die warme Türkei half beim Verdrängen.
Kämst du zurück, du ging’st wieder fort.
Gehalt gehört zu den Sachzwängen.

Doch auch wir sind nicht allein geblieben.
Das scheitert, einfach weitermachen,
als sei noch alles übriggeblieben.
Denkst du denn auch an solche Sachen?

Tief seufzen mit Stefan Maierhofer

Was für ein Ortsname: Düdelingen. Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Das klingt doch nach einem Vorort von Entenhausen, wo kleine Enten watschelnd Fußball spielen. Aber dort leben tatsächlich Menschen, Luxemburger sind es und Fußballer gibt es dort auch, diese Fußballer des Orts haben es gerade geschafft, RB Salzburg auch dieses Mal in der Qualifikation zur Champions League scheitern zu lassen.

Die Nachricht geht ja schon etwas durch die fußballinteressierte Welt, ruft entsprechenden Spott hervor und bei mir als Anhänger eines nicht so gut betuchten Vereins auch eine gewisse Zufriedenheit. Die europäischen Red-Bull-Konstrukte des Fußballs funktionieren nicht so, wie sie sollen. Das ist gar nicht das Geld, das mich dem entfremdet, sondern die umgedrehten Verhältnisse des Sporsponsorings. Das ist aber vielleicht auch nur Geschmackssache. In Leverkusen und Wolfsburg ist es ja im Grunde genommen genauso, nur mit längerer Tradition.

Wir wissen, bei RB Salzburg spielt nun der Ein-Jahres-Held vom MSV Duisburg Stefan Maierhofer, und auch er konnte sich dieses unbändigen Sogs des Versagens nicht entziehen. Folgende Szene ist wahrscheinlich sinnbildhaft für das ganze Spiel der österreichischen Mannschaft. Aus alter Verbundenheit mit Stefan Maierhofer seufze ich einmal mitleidig tief auf, und danach aber finde ich das Ergebnis völlig in Ordnung.

Warum auch immer, ich kriege den Clip hier heute nicht eingebunden. Nur der Link wird abgespeichert. Müsst ihr also weiterklicken zur TV-Konkurrenz gewordenen Clip-Seite.

Maierhofer gegen Rapid Wien – Hätti, wari, täti

Normalerweise lautet die Rollenverteilung ja meist: böser Verteidiger mit Knochen aus Stahl gegen guten Stürmer mit zerbrechlichem Körper. Es sei denn, der Stürmer heißt Stefan Maierhofer. Wer da als Gegenspieler versucht, den Ball zu erreichen, sollte zumindest einmal beim  FC Erzgebirge Aue mit seinen Kraftsportlern als Verteidiger gespielt haben. In Wien scheint das nicht der Fall gewesen zu sein. Und wenn man den 11 Freunde-Bericht liest zum Spiel von RB Salzburg bei Rapid Wien mit Stefan Maierhofer als einem der Hauptdarsteller dieser Begegnung, werden Erinnerungen an unglaubliche Sprintstrecken wach, die Stefan Maierhofer in Duisburg zurück gelegt hat. Dann denke ich aber auch an einige letzte schwere Schritte, als wir den Absprung zur Grätsche sahen, ich den Freund neben mir am Arm packte und hoffte, dass kein Spieler der anderen Mannschaft mehr an dem Ort sein würde, an dem Stefan Maierhofer anzukommen drohte. Ich denke an Kopfballsprünge, nach denen Verteidiger auf dem Boden lagen und weiß wieder, warum ich damals auch dachte, es gibt neben technischen Qualitäten gute andere Gründe, nicht gegen sondern mit Stefan Maierhofer in einer Mannschaft zu spielen.

Ich kann dann angstvolle Gegner verstehen, die zu Taktiken psychologischer Kriegsführung per SMS greifen, und genauso verstehe ich, warum die beiden beteiligten Fußballer nicht allzu viel darüber sagen wollen. Dafür sagt Stefan Maierhofer nach dem Spiel: »Fußball ist Männersport.«

Die Wiener Zuschauer fanden das gar nicht gut.

Der Grund ist weniger die Rempelei gegen den gegnerischen Torwart bei Minute bei 2`30 als die Bewegung des Maierhofer-Ellbogens bei Minute 3’50. Hätte der Schiedsrichter was gesehen, hätte es das klassische Maierhofer-Kopfball-Tor bei 5′ 50 nicht gegeben. Aber wie sagte Maierhofer ebenfalls nach dem Spiel in diesem für Duisburger nur schwer verständlichen Idiom: “Hätti, wari, täti”. Klingt nach finnisch, oder?

Meine Freude über die Julian-Koch-Rückkehr gibt es übrigens immer noch, mir fehlt nur die Muße, für sie Worte zu finden.

Keine Experimente

Aus der Zwischenlösung, Oliver Reck zum Trainer der Mannschaft des MSV Duisburg zu machen und ihm Uwe Schubert zur Unterstützung an die Seite zu stellen, wird etwas anderes, was noch nicht ganz ersichtlich ist. Auf jeden Fall können beide mit der Mannschaft nun erst einmal weiter arbeiten, und in Deutschland wird verkündet, Oliver Reck bleibt Cheftrainer beim MSV Duisburg. Auf der Seite des MSV Duisburg finde ich keine Nachricht über die Dauer dieses Vertrages. Bei  Der Westen wird vage formuliert, bis zur Winterpause solle Oliver Reck die Mannschaft stabilisieren.

Für mich sieht das so aus, als hätten die Verantwortlichen beim MSV Duisburg aus einer unangenehmen Situation das beste gemacht. In den zwei letzten Spielen wurde deutlich, die Mannschaft des MSV gewinnt spielerische Qualität zurück. Dennoch wird in so einer Situation Entscheidungsstärke gefordert. Für die Öffentlichkeit muss es den Anschein haben, als werde etwas entschieden. Lässt sich aber in solch einer komplexen Situation genau genug bewerten, um neue Führungskräfte im Verein zu integrieren? Sie müssten auf Anhieb etwas viel besser machen, als es im Moment geschieht. Realistisch betrachtet, müsste für so einen Trainer viel Geld ausgegeben werden. Für alle anderen Trainer gilt, eine Verpflichtung wäre mit Risiko verbunden gewesen. Sowohl was den sportlichen Erfolg angeht, als auch was die zeitliche Dauer angeht. Welcher namhafte Trainer käme für den Rest der Saison? Was angesichts der finanziellen Situation eine notwendige Vertragsdauer wäre. Denn was wäre, wenn auch diese Verpflichtung scheiterte?

Ich glaube zudem, Oliver Reck kennt den Kader so gut, dass er Stärken und Schwächen der einzelnen Spieler besser mit seinen Vorstellungen von einem Spiel in Einklang zu bringen weiß, als es Milan Sasic konnte. In Aachen haben wir das etwa mit Aufstellung von Benjamin Kern auf der linken Abwehrseite gesehen.  Kurzum, die Entscheidungen haben die Stimmung rund um den Verein beruhigt und die Aussichten auf Erfolg nicht verringert. Jetzt gilt es, die ersten Verbesserungen weiter im Blick zu haben, daraus Selbstvertrauen zu ziehen und im besten Fall im nächsten Spiel gegen Eintracht Braunschweig zu siegen.

Bis dahin können wir beim Abschiedsspiel von Ivo Grlic am nächsten Samstag ein wenig sentimental werden. Da lese ich bei Der Westen die Mannschaftsaufstellungen:

„Ivo & Friends“:  Ivo Grlic (1. Halbzeit), Ivica Banovic, Max Eberl, Manasseh Ishiaku, Ulf Kirsten, Ivan Klasnic, Oliver Kreuzer, Willi Landgraf, Klemen Lavric, Erik Meijer, Karlheinz Pflipsen, Oliver Reck, Hans Sarpei, Olaf Thon, Filip Trojan, Olivier Veigneau, Tobias Willi, Marino Biliskov, Serafino Luzzi. Trainer: Frank Engel.

MSV-Allstars: Ivica Grlic (2. Halbzeit), Aziz Ahanfouf, Sven Beuckert, Stefan Blank, Alexander Bugera, Bernard Dietz, Joachim Hopp, Mo Idrissou, Markus Kurth, Norbert Meier, Olcay Sahan, Tom Starke, Mihai Tararache, Christian Tiffert, Sandro Wagner, Carsten Wolters, Stefan Maierhofer. Trainer: Heiko Scholz.


Wenn ich diese Namen lese, durchlebe ich in wenigen Sekunden nahezu ein ganzes Fanleben. Mit Bernard Dietz ist sogar fast die erste Spielergeneration meines Lebens mit dem MSV auf dem Platz dabei, und wenn ich den Namen Stefan Maierhofer lese, werden bis hin zur jüngsten Vergangenheit Erinnerungen wach. Das fühlt sich heute Morgen ganz merkwürdig an, wenn sich bei diesem Lesen nur noch die guten Erinnerungen der Vergangenheit über diese gegenwärtige Mischung aus Hoffnung und Sorgen rund um den MSV Duisburg schieben. Das fühlt sich groß an, ohne dass ich es genauer fassen kann. Da muss ich schlucken. Diese Namen zu lesen ist schön und macht gleichzeitig auch wehmütig.

Wäre Cricket vielleicht eine Lösung?

Schade, dass ich mit Cricket nichts am Hut habe.  Mein erster Tag wieder zu Hause hätte sonst schwungvoll begonnen. So viel Englishness habe ich nämlich beim Urlaub in Südengland und London bewiesen. Nach Nachrichten, Diskussionen und Expertenmeinungen über die Riots habe ich bei der Sportberichterstattung nicht abgeschaltet. England hat nämlich gerade Indien bei einer Begegnung im Cricket in Grund und Boden gestampft, und irgendwer bei der BBC überlegt sogar, ob es jemals ein besseres englisches Cricketteam gegeben hat. In England benutzt wahrscheinlich niemand solche drastischen Bilder für einen Sieg bei dieser feineren Variante des Sports. In meiner Sprache macht sich mein eigentliches Ziel der Zuneigung eben doch sofort wieder bemerkbar. Aber an solch einen triumphalen Sieg für den MSV Duisburg ist im Moment ja nicht zu denken. Mir würde ein klug herausgespielte 1:0 auch schon völlig reichen. Beim zusammengewürgten Stolpersieg käme ich allerdings weiter ins Grübeln.

Wieder zu Hause sein. Wie schön, wie schrecklich. Ich kenne nun das Ergebnis vom Heimspiel gegen den FC Hansa Rostock, lese die Berichte zum 0:0 und nehme die Stimmung danach zur Kenntnis. Kurz und knackig findet sich diese Stimmung in Tinas Achterbahn – mit übrigens neuer Adresse für den Blog. Da dunkelt am Horizont die Vergangenheit ab dem vorletzten Jahr. So eine Stimmung langt für eine Woche Sorgen und Nachdenklichkeit. Was geschieht da bei Mannschaft und sportlicher Leitung?

Nehmen wir mal ein wenig Abstand und überlegen, wie sich die gegenwärtige Lage von der im letzten Jahr unterscheidet. Da sind zunächst und vor allem die Erwartungen an diese Mannschaft. Letztes Jahr waren alle im Verein und um den Verein herum schon mit kleinen Erfolgen zufrieden. In diesem Jahr schien es, als befände sich der MSV Duisburg auf einem ambitionierteren Niveau. Die Wirklichkeit entspricht den Erwartungen nicht. Im letzten Jahr hätten wir Fans und die Verantwortlichen im Verein mit Geduld auf bessere Zeiten gehofft. In diesem Jahr gibt es diese Zeit nicht. Dementsprechend ist die psychische Situation für alle Beteiligten eine vollkommen andere. Womöglich ist diese veränderte Ausgangssituation von uns allen unterschätzt worden. Diese veränderte Ausgangsposition führt etwa zu auseinander treibenden Energien bei der Wertung zum Spiel. Milan Sasic sagt nach dem Spiel: “Kein Verantwortlicher in diesem Verein übt Druck auf die Mannschaft aus.” Hingegen Goran Sukalo großen Druck  spürt, wenn er sagt: “Der MSV ist ein großer Verein und alle erzählen vom Aufstieg”. Zunächst ist es völlig unerheblich, woher der Druck kommt. Wenn er denn da ist, ist er da, und damit muss Milan Sasic umgehen – auch wenn er sich noch so ärgert. Später mehr dazu.

Sehen wir weiter: In der letzten Saison gab es mehrere Spieler mit Wünschen und Hoffnungen für die Zukunft der eigenen Karriere. Das war natürlich ein Julian Koch, der sich beim MSV Duisburg spielerisch verbessern wollte für seine Zukunft bei Borussia Dortmund. Das war ein Stefan Maierhofer, der seine Karriere bei der österreichischen Nationalmannschaft fortsetzen wollte und deshalb Spielpraxis suchte. Das waren aber auch sogar Filip Trojan oder später Ivica Banovic, die sich ebenfalls sich aus dem Stillstand ihrer Karrieren herausarbeiten wollten. Dazu kamen Olcay Sahan und Sefa Yilmaz. Beide jung, ehrgeizig und mit deutlich nach oben weisenden Leistungskurven. Zu anderen Spielern ließe sich ähnliches sagen, belassen wir es bei dem kurzen Ausflug in die Vergangenheit. Diesen Spielern gemeinsam war aber das klare Wissen, für ihre sehr individuellen Ziele brauchten sie den Erfolg der Mannschaft. Ohne diesen Erfolg der Mannschaft hätten sie sich noch so sehr anstrengen können, ihre individuellen Qualitäten hätten sie nicht zeigen können. Diese Mannschaft startet also mit einer großen psychischen Energie und der Unbelastetheit des Außenseiters.

Die Zusammensetzung des Kaders in dieser Saison sieht völlig anders aus. Bei den Neuverpflichtungen gibt es weitaus weniger Spieler, die sehr konkrete individuelle Ziele haben. Erfolgreich sein will jeder, doch ist diese Zielsetzung viel zu allgemein, um dafür zum einen regelmäßig an Leistungsgrenzen zu gehen, aber auch um sich mit den eigenen Interessen in einer Gruppe einzufügen. Je allgemeiner mein Bild von Erfolg, desto unkonkreter der Anspruch an die eigene Leistung und desto leichter wird der Verweis auf andere für Misslingen. Auf mich macht es den Eindruck, als ob zu viele der Spieler sich des notwendigen Zusammenhalts der Mannschaft ungewiss sind. Bei all dem, was ich bislang gesehen habe, wirkt es oft so, als hätten die Spieler ein Bild von ihrem Spielvermögen, in dem Mühen des Ligaalltags noch keinen Platz haben. Wenn ich zurückdenke an den letztjährigen Saisonauftakt beim Pokalspiel in Lübeck, so war dort die Freude über den Erfolg als Gemeinsamkeit spürbar. Das war ein ausgelassenes Feiern beim Sieg gegen einen niederklassigen Verein. In Babelsberg hat es das in dieser Form nicht gegeben. Sicher war da Freude zu sehen, aber die psychische Energie spendende Gemeinsamkeit konnte ich in der Freude der Mannschaft nicht spüren.

Ich gebe zu, ich befinde mich hier auf dem weiten Feld von Spekulation und diffusem Herumtasten. Mein Grund dafür sind aber die Stellungnahmen von Spielern und sportlicher Leitung. Da erlebe ich ebensolches Spekulieren und Herumtasten auf gleichem Gebiet. Bei der Suche nach Gründen für schlechtes Spiel geht es nach dem Spiel gegen den FC Hansa Rostock wenig um die taktische Ausrichtung. Es geht um individuelle Fehler und die Psyche.

An dem Punkt beginnt mich eine kleine Sorge zu kitzeln und die heißt Milan Sasics Persönlichkeit. Erfolg hatte er mit einer Mannschaft, deren Fehler er verzeihen konnte. Im Moment wirkt es nach außen nicht so, als sei er diesem Kader gegenüber so fehlertolerant wie dem letzten. Nun kann man sagen, das muss er auch nicht sein. Die Spieler kamen mit dem Versprechen auf ein anderes spielerisches Niveau. Doch in der vorletzten Saison gab es solche Spieler dieses Niveaus im Verein ebenfalls, und sein Umgang mit dem Misserfolg damals verbesserte die Situation nicht. Die Situation jetzt gleicht ein wenig der damals. Die Zusammenstellung des Kaders bringt es mit sich, dass nicht mehr alle Spieler aus einer Underdog-Situation kommen und in Milan Sasic den Mann sehen, der ihnen bei ihrem sehr persönlichen Karriereziel per Erfolg der Mannschaft weiterhilft.

Ich hoffe sehr, dass Milan Sasic mehr Möglichkeiten hat, Spieler anzusprechen, als er es nach außen zeigt. In Momenten des Misserfolgs ist es ein schwieriger psychischer Balanceakt, wenn ein Trainer sich mit dem Publikum solidarisiert. Da gehört dann viel Nacharbeit im Trainingsalltag zu, damit eine Gruppe nicht zerfällt. Wenn ich bei Tina zu so einem frühen Zeitpunkt der Saison von einem heftigen Streit zwischen Mannschaftskameraden lese, wird das Kitzeln der Sorge fast schon unangenehmes Bohren. Sicher, ich bin weit weg von der Mannschaft. Ich bin nicht bei den Kabinenansprachen dabei. Ich weiß nicht, wie die Spieler sonst miteinander umgehen. Mir ist unbekannt, wie stabil das Vertrauensverhältnis der einzelnen Spieler zu Milan Sasic ist. Ich will all diese Gedanken nicht, doch sie stellen sich nach diesem Saisonstart ein, und ich beginne mich schon wieder zu fragen, wie das Darüberschreiben zur Stimmung beiträgt. Auch das erinnert mich so unangenehm an alte Zeiten. Andererseits sind diese Stimmungsausschläge mir dann doch lieber, als der spannungsarme Jubel beim Nachmittagstee auf der Tribüne in London, nachdem unten ein weiß gekleideter Mann einen Ball, kunstvoll angedreht, durch die Gegend geworfen hat.

Saisonvorbereitung: Zwei falsch formulierte Fragen an Milan Sasic

Manchmal ist die sportliche Leitung beim MSV Duisburg nicht zu beneiden. Da mäkeln Fans trotz der erfolgreichen letzten Saison über die Spielerfluktutation, und Journalisten hauen in dieselbe Kerbe, wenn sie Fragen so stellen, als missachte die sportliche Leitung den vor einem Jahr aufgestellten Plan.

Den Neuaufbau hatten Sie und der damalige Manager Bruno Hübner schon vor einem Jahr angekündigt. Trotzdem mussten jetzt 14 neue Spieler her. Was ist da schiefgelaufen?

Diese Entwicklung war absehbar. Wir hatten in der letzten Saison viele Leihspieler und zudem nur wenige langfristige Verträge. Jetzt sind wir einen Schritt weiter als vor einem Jahr.

Also ein Neuaufbau im zweiten Anlauf?

Ich habe die Hoffnung, dass wir im nächsten Jahr wirklich an dem Punkt sind, dass wir nur drei oder vier Leute holen müssen. Diesmal sind nur drei Leihspieler dabei, zudem laufen die meisten Verträge jetzt über zwei bis drei Jahre. Wenn wir mal den verletzten Ivo Grlic herausrechnen, haben wir eine sehr junge Mannschaft, die sich entwickeln kann.

Der Westen, 13.7.2011

Ich hätte mir die Antwort von Milan Sasic noch deutlicher gewünscht. Da ist nichts schief gelaufen. Was beim MSV Duisburg geschieht ist kein “Neuaufbau im zweiten Anlauf”, wie es die nachfolgende Frage suggeriert. In der letzten Saison stand der MSV Duisburg doch vor dem Problem mit wenig Geld eine Mannschaft zusammen zu stellen, die mit einem früh gesicherten Mittelfeldplatz Planungssicherheit für die neue  Saison gibt. Dieser Teil des Neuaufbaus ist doch wohl gelungen. Da gibt es keinen zweiten Anlauf. Jetzt wird der nächste Schritt gemacht.

Im Wirtschaftssystem Fußball hat sich in den letzten Jahren der Leihspieler als feste Größe etabliert. Dieser Leihspieler bietet allen beteiligten Parteien Vorteile, wenn der Leihspieler so etwas wie Berufsethos besitzt oder die Ausleihe als große Chance begreift. Manchmal fällt beides zusammen. Bei jüngeren Spielern wie Julian Koch ergibt sich dieses Zusammenfallen meist von selbst. Etwas größer ist das Risiko für den ausleihenden Verein bei etwas älteren Spielern wie Stefan Maierhofer. Da braucht es gute Menschenkenntnis oder genaues Wissen über die konkreten Ziele dieses älteren Spielers, um das Potential der Leihe zu bewerten. Die sportliche Leitung vom MSV Duisburg hat in der letzten Saison aus der Not eine Tugend gemacht. Sie hat mit wenig Geld sehr viel erreicht. Natürlich wäre es schön gewesen, wenn mehr Spieler hätten bleiben können. Doch wenn zwischen wirtschaftlichen und sportlichen Zielen abgewogen werden muss, ergeben sich Veränderungen im Spielerkader.

Der Verein brauchte neue Spieler, weil Ausleihen zu Ende gingen und Spieler mit nicht mehr lange laufenden Verträgen mit Gewinn verkauft werden konnten. Erst in diesem Jahr hat der Verein nun die Möglichkeit durch die konsolidierte finanzielle Situation zusammen mit der zurück  gewonnenen Attraktivität des Fußball-Unternehmens MSV Duisburg junge Spieler längerfristig zu binden. Für mich ist es so offensichtlich, dass nichts anderes geschieht, als den zu Beginn der letzten Saison verkündeten Plan zu erfüllen. Deshalb ist die Frage von Dirk Retzlaff falsch gestellt, selbst wenn sie Milan Sasic die Gelegenheit bietet, seine Sicht der Dinge zu erklären. Die Frage beschäftigt sich mit der Oberfläche des Geschehens. Die Frage müsste anders gestellt werden, damit Fans verstehen, die Ab- und Zugänge dieser Saison haben völlig andere Ursachen als die Ab- und Zugängen in den ersten zwei Jahren nach dem letzten Bundesliga-Abstieg. Die Ab- und Zugänge des MSV Duisburg in diesem Jahr sind werthaltiger.

Dann fahr ich jetzt mal los! Mit Interviews im Kopf und Interviews und …

So, ich fahre jetzt und mache hier bis Montag wahrscheinlich zu. Vielleicht gibt´s aus Berlin was Schnelles zwischendurch mal “reingerufen”. Mal sehen. Da ich auf andere mobile Endgerätebesitzer angewiesen bin, hängt das von noch von einigen anderen Dingen ab als von Lust, Thema und Laune. Also, wer immer auch sich nach Berlin aufmacht, kommt gut an. Wir sehen uns! Am Brandenburger Tor, im Stadion und irgendwo in der Stadt. Wer auch immer sich dieses Spiel an allen anderen Orten ansieht, glaubt mit daran, dass es dieses Mal klappen wird. Diese Energie wirkt. Für drei Tage lass ich hier jeden esoterischen Gedanken zu, wenn nur die kleinste Chance besteht, dass es irgendwie hilft. Schlagt alle mit euren Schmetterlingsflügeln. Bei Stefan Maierhofers Gesundung hat es schon geholfen.

Und wer bis Samstag sich nur noch mit dem MSV beschäftigen will, findet im Netz genügend Stoff zum Zeitvertreib. Denn in diesen Tagen vor dem DFB-Pokalfinale sind Spieler und Trainer des MSV Duisburg viel befragte Menschen. Die Journalisten machen Interviews, und so viele O-Töne werden wir wahrscheinlich nicht so schnell wieder lesen können.

Ein sehr gutes Interview mit Milan Sasic hat Haruka Gruber für spox.com geführt. Es verlangt geradezu nach weiteren Gesprächen mit Milan Sasic.

David Yelldell im Interview mit torwart.de

Stefan Maierhofer im Interview mit spornet.at

Die neue Saison wirf auch schon die Schatten voraus. In der Frankfurter Neuen Presse ist einiges über den Neuzugang Gjasula zu lesen

Und Milan Sasic ist im Interview-Clip bei liga1.tv zu sehen. Zu den anderen Clips klicke man sich dort weiter. Goran Sukalo, Stefan Maierhofer, Benjamin Kern und Ivica Grlic sprechen dort in die Kamera. Der Ton hat unter dem Wind allerdings etwas gelitten.

Außerdem streiten Udos Erben bei der Süddeutschen Zeitung im Clip über den Sieger im DFB-Pokalfinale.

Der Maierhofer

Ab heute sollte in Deutschland die Maßeinheit für eine sehr spezielle Heilkraft  der Maierhofer sein -  abgekürzt mit M. Der Maierhofer könnte dem Verhältnis von Trainingsaufwand in Kilowatt, Anzahl der Arztbesuche, Behinderungsgrad durch eine Verletzung und durchschnittlicher Heilungszeit der Verletzung entsprechen. Wünschenswert wäre die Einführung der neuen Maßeinheit auch, weil der in Deutschland seit 2006 gebräuchliche Rooney damit abgelöst werden könnte.

Eigentlich ist es völlig gleichgültig, wie lange und ab wann Stefan Maierhofer in Berlin spielen wird. Alleine die Nachricht über seinen möglich gewordenen Einsatz im Pokalfinale wird den MSV Duisburg ein Stück weiter tragen hin zum Erfolg. “Stefan Maierhofer gibt grünes Licht für Berlin” titelt Der Westen. Es ist diese immense Energie, die Stefan Maierhofer verkörpert, die der “Gründe-Liste” für den Pokalsieg nun hinzugefügt werden kann. Noch geht es da gar nicht um sportliche Belange. Es geht alleine um Gefühle, die ansteckend wirken und Gruppen durchdringen. Die Geschichte um Stefan Maierhofer ist eine Geschichten mit Symbolkraft für jeden, der dem MSV Duisburg den Pokalsieg wünscht. Diese Geschichte macht die Mannschaft und uns alle stärker. Beim FC Schalke 04 dagegen sollten die Sorgen wieder etwas größer geworden sein.


Kees Jaratz im Buchhandel

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