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René Adlers Hilfe zur Bewertung von Tom Starke

Ist die Mannschaft erst mal qualifiziert, interviewt sich´s gänzlich ungeniert. Die Atmosphäre scheint entspannt nach der WM-Qualifikation durch den Länderspielsieg gegen Russland, und da die meisten Journalisten wohl von Russland aus dem Nationalmannschaftstross zum Heimspiel nach Hamburg gefolgt sind, müssen sie die Zeit bis Mittwoch ja irgenwie rumkriegen.  Im Kölner Stadt-Anzeiger sehen wir Simon Rolfes gezwungen, seine fußballerische Defensivarbeit im Interview fortsetzen zu müssen. Hartnäckig möchte der fragende Journalist eine besondere Abhängigkeit von Rolfes Leistung zu Michael Ballacks Wertschätzung von ihm hören. Doch Rolfes wirkt genauso souverän wie auf dem Spielfeld. Nachdem er bereits einmal geantwortet hat, die Zusammenarbeit mit Ballack sei zwar wichtig, doch genau so wichtig sei die Zusammenarbeit mit der ganzen Mannschaft, bringt ihn die selbe Frage über die andere Hälfte des Spielfelds namens „Vertrauen“ nicht eine Sekunde aus der Ruhe. Das Vertrauen von Michael Ballack sei wichtig, doch grundsätzlich sei es wichtig, von jedem Spieler Vertrauen zu spüren. So leitet er unter hervorragender Frageannahme die Antwort sofort in einen konstruktiven Gedanken um.

Für den MSV fällt bei diesem Rolfes-Interview nicht allzu viel ab, dagegen bleibt mir aus dem Interview der Süddeutschen Zeitung mit René Adler folgende Bemerkung des Leverkusener Torwarts im Gedächtnis. Online gestellt ist das Interview (noch?) nicht:

„Ich schmunzel ja manchmal, wie Torwartspiel in der Öffentlichkeit bewertet wird: Ein gutes Spiel ist ja nicht, wenn man zehn Glanzparaden hat, denn so etwas kommt in großen Mannschaften selten vor. Da kommen gar nicht so viele Bälle aufs Tor. Einen Klassetorwart zeichnet viele Dinge aus, die man gar nicht auf den ersten Blick sieht: dass er gut mitspielt, dass er gezielte Abwürfe macht, dass er etwas ausstrahlt.“

Als Anhänger des MSV Duisburg entnehmen wir den Adlerschen Leistungskriterien, zu einer großen Mannschaft zählt der MSV Duisburg in dieser Saison (noch?) nicht. Was vielleicht mit ein Grund für die stabile sehr gute Leistung von Tom Starke ist. Er erhält genügend Gelegenheiten, seine Leistung dort zu zeigen, wo sein Torwartspiel ohnehin sehr gut ist. So gewinnt er Sicherheit und mit dieser Sicherheit im Rücken wagt er zudem,  sein schon in der Rückrunde der letzten Saison ausgeweitetes Strafraumspiel weiter auszubauen. Die gezielten Abwürfe kennt man von ihm auch. Dass man sie nicht häufiger sieht, liegt nach meinem Eindruck eher am schnellen Umschalten von Verteidigungs- auf Angriffsspiel im Rest der Mannschaft. Im Gegensatz zu René Adler hat Tom Starke noch nicht lange eine so gute Presse und erhält den Beifall der Fans. Gerade für das letzte der Adlersche Leistungskriterien eines Klassetorwarts,  die Ausstrahlung, hat es Zeit gebraucht bis diese bei Tom Starke erkennbar war. Doch im Moment erhält Tom Starke im Adlerschen Leistungskatalog des Klassetorwarts ohne Frage sehr gute Werte.

Was ich gestern lesen wollte und heute nicht

Den Freund im Stadion zu wissen und durch ihn per SMS über den Spielstand zwischen dem MSV und Union Berlin informiert zu werden, barg ein Risiko. Das hätte sehr schwierig werden können, sich in mäßiger Stimmung auf Bigband-Sound und Rap einzulassen. So verstand ich es auch zunächst als Geste der Fürsorge, dass mein Handy im Konzertsaal der Kölner Philharmonie ohne  Empfang blieb und ich erst nach dem Konzert vor der Tür lesen konnte, was ich so gern hatte lesen wollen. „3:1 gewonnen!“

Wenn ich mir heute Berichte und Meinungen zum Spiel anschaue, bleibt die gute Stimmung wegen des Sieges vorherrschend. Es zeigt sich aber auch Unsicherheit beim Ausblick auf den weiteren Verlauf der Saison, weil die Spielstärke nicht gefestigt genug gewirkt hat. Tom Starke und Christian Tiffert gehörten einmal mehr zu den besten Spielern der Mannschaft. Der Einsatz von Ivica Grlic muss ein Gewinn gewesen sein. Wenn gerade er zu einer Stütze der Mannschaft wird, wissen wir aber auch, die Anlage des Spiels verändert sich. Er ist zwar derjenige, der die Lücke im Mittelfeld anscheinend als einziger zurzeit wirklich gut schließen kann, allerdings ist er auch nicht mehr der Schnellste. Ein intensives Kurzpassspiel wird mit ihm unwahrscheinlich. Das mindert seine Leistung nicht, sondern erinnert nur an mögliche Grenzen eines Spiels mit seiner Beteiligung. Olivier Veigneau scheint endlich über 90 Minuten konstant an die Leistungen der letzten Saison angeknüpft zu haben. Und natürlich wird auch ein Spieler gefeiert, der drei Tore macht. Sören Larsen konnte dieses Mal anscheinend so im Mannschaftsgefüge spielen, dass seine Stärken zur Geltung gebracht werden konnten. Auch Kristoffer Andersen muss das Spiel nach vorne sehr belebt haben. Wie war Nicky Adler? Über ihn lese ich so gut wie nichts. Schon in der letzten Saison habe ich mich gefragt, wann ich im Spiel einmal das sehe, was die sportliche Leitung im Training von Nicky Adler sieht.

Bei der Berichterstattung über diesen Sieg zeigen Teile der Sportpresse dann eine sehr einfache Vorstellung davon, welche Ursache einer Wirkung vorausgeht. Diesen oder einen Satz ähnlichen Inhalts hatte ich gestern schon befürchtet. Lesen will ich solche Sätze aber nicht: „Die Rücktrittsdrohung von Trainer Peter Neururer hat offenbar Wirkung gezeigt.“ Solche Sätze offenbaren das Verständnis von einer Welt, in der auch die Sonne häufiger scheint, weil viele Eiscafés geöffnet haben. Das gehört zur Folklore der Fußballberichterstattung, die mich genau dann stört, wenn statt der Leistung der Mannschaft schon wieder Peter Neururer im Fokus steht.

Tom Starke denkt dialektisch über Verlieren nach

Interviews mit Fußballspielern nach einer Niederlage werden im Laufe der Saison immer deutlicher auch zu Übungen im Trost spenden und Hoffnung geben. Das geschieht  zumeist unter Rückgriff auf die Küchenpsychologie und die gesammelten Spruchweisheiten der Menschheitsgeschichte. Für Tom Starke ist es nach der Niederlage gegen Arminia Bielefeld aber für eine Zukunftaussicht, die vor allem auf Hoffnung beruht, eindeutig zu früh. Was ich als gutes Zeichen deute, steht hinter einer solchen Haltung ja auch ein Anspruch an die Spielstärke der Mannschaft.

Im Interview mit Marco Röhling, Radio DU, hält er es nämlich mit dem Aussprechen der gesamten Wahrheit und beweist damit nebenbei seine Grundfertigkeiten im dialektischen Denken. Wir erinnern uns, mit dieser Art Denkfigur werden Widersprüche bei der Beschreibung der Wirklichkeit benannt und in einem weiteren Schritt des Denkens und Beschreibens von Wirklichkeit aufgehoben.

Marco Röhling fragt also Tom Starke, ob das Pokalspiel in Mönchengladbach zur rechten Zeit komme und der MSV Duisburg dort unbeschwert aufspielen könne, weil er nichts zu verlieren habe. Doch Tom Starke lässt sich auf die nebulöse Hoffnung eines Außenseiters nicht ein, sondern spricht jene Wahrheit aus, vor der nicht wenige Zuschauer des Spiels gegen Bielefeld, mich eingeschlossen,  angesichts der völligen Hilflosigkeit der Mannschaft gegen Arminia Bielefeld große Angst haben:

„Du, ich sag´ dir ganz ehrlich, mein Gefühl ist, nach den letzten beiden Spielen glaube ich, haben wir selbst da was zu verlieren. Wenn wir uns da so präsentieren wie hier, und dann … ja, ich sprech´s nicht aus … dann kann es schon sehr bitter werden. Und dann hast du auch in Gladbach was zu verlieren.“

Den ganzen Podcast findet man hier.

Wieviel Ballkontakte hatte Starke? – FC Energie Cottbus (H)

Nach dem Spiel gegen den FC Energie Cottbus schillern meine Gefühle zwischen Begeisterung, Zuversicht und einem leisen und deshalb auch immer wieder verschwindenden Hadern. Was für eine Überlegenheit des MSV und dann steht da ein Unentschieden als Ergebnis. Nur oder gerechter Weise? War es erst um die 32. Minute, als Tom Starke das erste Mal den Ball aufnehmen musste? Und hatte er in der ersten Halbzeit fünf oder sechs Ballberührungen? Das hat sehr gut ausgesehen, was der MSV Duisburg gestern Abend gezeigt hat. Was mich daran besonders zuversichtlich stimmt, ist die Entwicklung, die diese Mannschaft genommen hat. Die Startelf kennen wir bis auf zwei Spieler aus der letzten Saison, und es ist tatsächlich so, dass die Sicherheit des Mannschaftsspiel nach vorne die einzelnen Spieler besser macht und natürlich wirkt das Ganze auch umgekehrt. Die besseren einzelnen Spieler machen den Aufbau des Spiels sicherer.

Die Überlegenheit des MSV ergab sich nun nicht, weil der Gegner so schwach war. Cottbus wollte vorsichtig aus sicherer Abwehr heraus beginnen, doch der MSV Duisburg hat die gegnerische Mannschaft von Anfang in die eigene Hälfte gedrängt. Die Überlegenheit wurde gegen gut stehende Gegenspieler erspielt. Kein Gedanke daran, dass Cottbus nur den ersten, meist eine Viertelstunde dauernden Ansturm einer Heimmannschaft überstehen musste. Die Überlegenheit hielt an. Selbst das Gegentor brachte das Spiel des MSV nicht zum Erliegen.

Die Angriffsbemühungen der Cottbusser wurden normalerweise so im Keim erstickt, dass dieser Angriff, der zum Gegentor führte, wie aus dem Nichts kam und so nicht einmal Gelegenheit bot, sich aufzuregen. Dabei war es gekommen, wie wir es die ganze Zeit befürchtet hatten. Auf solch einen Angriff hatten die Cottbusser offensichtlich gewartet. Wahrscheinlich hätten sie gegen ein paar Chancen mehr nichts gehabt. Sie hätten sich aber auch nicht beschweren können, wenn der MSV in Führung gelegen hätte. Die größte Chance war ein Kopfball von Frank Fahrenhorst, der auf der Linie geklärt wurde. Als Abwehrspieler allerdings strahlt Frank Fahrenhorst noch nicht die Sicherheit aus, die Markus Brzenska in der letzten Saison von Anfang an auszeichnete. Natürlich hat die Abwehr in so einem Spiel nicht viel Gelegenheit, sich im eigenen Strafraum auszuzeichnen. Und an solchen Spielsituationen wie vor den zwei Gegentoren gibt es ist nicht sehr viel zu kritisieren. Es sind weniger die Kleinigkeiten im Stellungsspiel als die der Präsenz des Abwehrsspielers, die mich unruhig machen, wenn ich an Gegner denke, die vielleicht einmal häufiger als Cottbus in die Nähe des MSV-Tores kommen. Die Arbeit des Abwehrsspielers muss längst geschehen sein, ehe ein Stürmer im Strafraum an den Ball gelangt. Bei so einem Spiel wie gestern kann es nach einem Konter zu dem Ballkontakt des Stürmers im Strafraum kommen. Verhindern wird der Abwehrspieler den Torschuss dann nicht mehr völlig, aber er kann ihn erschweren und da scheint es mir für Frank Fahrenhorst noch Verbesserungsbedarf zu geben. Weder strahlt er einschüchternde Präsenz noch Ruhe aus.

In der zweiten Hälfte bot sich das selbe Bild wie in den ersten 45 Minuten. Der MSV blieb weiterhin deutlich überlegen, und dennoch musste wieder ein Gegentor aus dem Nichts weggesteckt werden. Erst da, meine ich, war zu erkennen, der Glaube der Mannschaft an sich selbst, begann zu wanken – trotz des weiter erkennbaren Willens den Ausgleich zu erzielen. Denn von dem Moment an gab es einige wenige Versuche den Ball Richtung Tor zu bringen, die zwar noch nicht verzweifelt, aber auch nicht mehr völlig überlegt waren.

Der Ausgleich dann brachte mir zumindest so etwas wie ein Gefühl von Gerechtigkeit zurück. Gerade wie die Tore vom MSV zustandekamen, zeigt die Qualität des Spiels noch einmal in konzentrierter Form. Beide Tore fielen dank einer ausgewogenen Mischung von Einzelleistung und Mannschaftsspiel. Dieses zweite Tor wurde hervorragend vorbereitet durch Sandro Wagner, der sich gegen zwei eng deckende Cottbuser durchsetzte. Als er nach rechts auf Adam Bodzek ablegte, sah man von unserem Platz aus, im Rücken Bodzeks, wie perfekt sich Bodzek zum Ball hin bewegte. Er musste einfach treffen. Das erste Tor wiederum ergab sich aus einem perfekten Abwurf Tom Starkes fast bis an die Mittellinie in den Lauf von Dorge Kouemaha hinein. Kouemaha überdribbelte die herankommenden Cottbusser Verteidiger dank Schnelligkeit und technischen Geschicks, um im richtigen Moment auf den mitgelaufenen und frei stehenden Sandro Wagner zu passen. Der wiederum brachte den Ball sicher ins Tor.

Noch einmal: Auch wenn in manchen Spielberichten heute Sandro Wagner im Mittelpunkt steht, es waren nicht einzelne Spieler sondern die Mannschaft, die sich in der Vorwärtsbewegung sicher war. Immer wieder gab es auf engstem Raum Ballkontrolle dank technischer Sicherheit der einzelnen Spieler und schnellem Kurzpassspiel. Christian Tiffert zeichnete sich da aus. Die Pässe und die Einsatzbereitschaft von Mihai Tararache waren wieder auf einem Niveau, das wir in Duisburg schon nicht mehr geglaubt hatten noch einmal zu sehen. Die Entwicklung von Sandro Wagner ist hervorragend. Endlich behauptet er den Ball nicht nur aufgrund seiner Schnelligkeit. Endlich blitzt seine Technik nicht nur in einigen wenigen Spielsituationen auf, sondern sie ist das ganze Spiel über erkennbar. Sein Kopfballspiel wird zudem immer besser. Chavdar Yankovs spielerische Qualiäten blieben gestern allerdings meist ein Versprechen. Adam Bodzek knüpft an die starken Spiele zum Schluss der letzten Saison nahtlos an.  Zur Verteidigung wird nach anderen Spielen mehr zu schreiben sein. Nachdem Caiuby eingewechselt wurde, war seinem Spiel die noch nicht genügende Bindung ans Mannschaftspiel anzumerken. Als Einzelspieler ist technisch großartig. Seine Pässe finden aber nicht immer die Mitspieler, mehr noch, vor allem seine Querpässe bringen die eigene Mannschaft in Gefahr, einen Konter hinnehmen zu müssen.

Nicht oft habe ich ein derart gutes Zweitliga-Spiel vom MSV gesehen. Natürlich kitzelt da ganz kurz ein Gedanke an die letzte Saison, in der auch das erste Heimspiel gegen Rostock mit eines der besten Spiele der Saison überhaupt gewesen ist. Meine heutige Hoffnung auf stabile spielerische Verhältnisse beim MSV Duisburg beruht aber darauf, dass dieses Spielvermögen das Ergebnis einer Entwicklung ist und damit alles andere als ein Augenblicksereignis. Da sollten noch einige gute Spiele mehr drin sein. Ich bin dabei.

Gewählt zum Spieler der Saison: Tom Starke

Gestern, kurz vor dem Aufbruch nach Duisburg zum UEFA-Cup-Endspiel der Frauen kommt die Nachricht vom MSV Duisburg herein. Mit einem knappen Vorsprung vor Cedrick Makiadi und Markus Brzenska wurde Tom Starke von den Fans zum „Spieler der Saison“ gewählt. Ist er vielleicht eher der „Spieler der Rückrunde“? Auf der Linie war er ja schon immer sehr gut, doch erst in der Rückrunde hat er auch den Fünfmeterraum als Ort des Torwartsspiels für sich entdeckt. Zu diesen verbesserten Leistungen kommt hinzu, dass er nach den Niederlagen keine Ausflüchte suchte, sondern die Mannschaft in die Verantwortung nahm. Bei seinen öffentlichen Statements schwang immer auch die Perspektive der Zuschauer mit. Es wirkte sehr glaubhaft, dass ihn diese schlechten Leistungen sehr ärgerten und dass er seine Mannschaftskollegen mit seinen Aussagen in die Pflicht nehmen wollte.

Die Hinrunde kannn jedenfalls keinen maßgeblichen Einfluss auf die Stimmabgaben für ihn genommen haben. Da war er sowohl wegen seiner Leistung umstritten als auch später wegen seiner Reaktion auf den Verlust des Stammplatzes unter Rudi Bommer. Seine öffentlichen Äußerungen wirkten wenig sympathisch und schon gar nicht professionell. Was ihn zunächst für die Fans sogar zum Buhmann machte, als Peter Neururer ihm wieder den Vorzug gegenüber Marcel Herzog gab. Doch anscheinend haben Eindrücke zur Leistung der letzten Wochen letztlich die Grundlage gegeben. Wenn es nur um diese Leistung ginge, hätte ich Marcus Brzenska an erster Stelle gesehen. Wahrscheinlich langte es für den Sieg nicht, weil er in der Öffentlichkeit sonst wenig wahrgenommen wurde. Über die gesamte Saison hin war er meiner Meinung nach aber jener Spieler, der am konstantesten sein Können zeigte.

Mitten in Meiderich – Folge 10

Was bisher geschah … „Mitten in Meiderich“ ist die Mini-Doku über den MSV Duisburg. In der ersten Folge hieß es noch, wir begleiten den MSV bei dem Versuch, doch noch aufzusteigen. Die einzelnen Folgen aber sind bislang nicht mehr auf diese starke Grundidee hin ausgerichtet. Einen längeren Erzählfaden gibt es nicht. Das Serielle der Doku baut fast ausschließlich auf die äußere Form der Präsentation und dem unkonkreten Thema „MSV Duisburg“. Deshalb braucht eine jede Folge eigentlich eine einzelne starke Geschichte mit Anfang und Ende.  Wirklich gefunden werden diese Geschichten bislang nur im Ansatz. Deshalb bieten die Folgen ein kunterbuntes Allerlei, das manchmal etwas beliebig wirkt. In diesen Grenzen gewährt „Mitten in Meiderich“ in den besseren Momenten den Blick aufs Tagesgeschäft, der angesichts des Formats natürlich immer etwas flüchtig ist …

Vielleicht denkt sich hier mancher Mitlesende längst schon, kann der Mann denn nicht einmal zufrieden sein? Da zieht er die Grenzen für das Mögliche schon recht eng und hat trotzdem an jeder Folge etwas auszusetzen. Das war bislang so – ich erinner aber auch an die Ausnahme nach Folge  3 – und ich hoffe, ich habe meine Unzufriedenheit immer nachvollziehbar machen können. Nun aber die Folge 10 und natürlich ahnt Ihr schon längst, der Mann kann auch zufrieden sein. Rundum gelungen ist nämlich diese Folge, und ich möchte daher noch einmal auch auf die Produktionsbedingungen hinweisen. Es hat schon Vorteile, wenn nicht ein Spieltag vom Wochenende unbedingt hinein muss bis Dienstag in die nächste Folge. Es hätte schon große Vorteile, wenn der Clip erst Donnerstag erschiene und etwas mehr Zeit bliebe für die Produktion.

Dann könnten vielleicht öfter kleine Geschichten gefunden werden wie die um Tom Starke und die Besetzung der Torwartposition der Mannschaft. Marcel Herzog kommt dabei auch zu Wort, aber kein anderer Spieler stört die Einheit dieser Folge. Dass nach und nach die einzelnen Spieler des Kaders in den Mittelpunkt einer Folge gerückt werden, zeichnet sich ja längst ab. Doch das bietet sich nur dann an, wenn es gelingt, die Persönlichkeit dieser Spieler etwas zu zeigen. Oder aber der Spieler hat eine interessante Geschichte aus seiner Laufbahn zu erzählen. Im besten Fall kommt beides zusammen.

In dieser Folge ist das so, weil es mit der Auseinandersetzung um die Besetzung des Stammtorwarts während der Hinrunde einen konfliktträchtigen Hintergrund für das Starke-Portrait gibt. Wir sehen also, wie Tom Starke als der wahrscheinlich stärkste Zweitliga-Torwart vorgestellt wird. Peter Neururer sagt das, der Kommentator auch. Man scheut aber keinesfalls den Blick auf den Konflikt und lässt Marcel Herzog zu Wort kommen, nachdem seine Qualitäten von Peter Neururer ebenfalls in höchsten Tönen gelobt wurden. Durch sein Statement zeigt Marcel Herzog erneut, dass er nicht nur ein sehr guter Torwart ist, sondern auch auf beeindruckende Weise für seine Angelegenheiten eintreten kann. Es zeugt von großer persönlicher Reife, wie sachlich er seine Unzufriedenheit mit der Situation ausdrückt und gleichzeitig die eigene Leistung mit in Erinnerung ruft. Was für eine professionelle Einstellung steht dahinter! Sie macht verstehbar, wieso die Verantwortlichen im Verein auch Marcel Herzog so sehr loben.

Wenn „Mitten in Meiderich“ erst einmal abgedreht ist, kann man übrigens ein Special zusammenschneiden. Das heißt dann, „Auto fahrende Fußballprofis“.  Denn auch Tom Starke sehen wir im Interview auf dem Weg irgendwohin. Das kommt wahrscheinlich daher, dass nicht allzu viel zusätzliche Zeit der Profis für die Produktion aufgewendet werden soll. Sehr schön ist dann auf dieser Fahrt zu hören, wie das Spiel gegen Mainz einerseits sehr wichtig ist, dann aber kein Endspiel und schließlich könnte es vielleicht doch den Charakter eines K.o.-Spiels annehmen. Was zeigt uns das? Ein Fußballprofi braucht bei der Vorbereitung auf ein Spiel auch große geistige Beweglichkeit, um die Wertung der Dinge kontinuierlich seiner aktuellen Befindlichkeit anzupassen. Das ist ein ständiges Schwanken zwischen Verdrängung und Steigerung des Ehrgeizes. Eine wahrscheinlich sehr schwierige Leistung der Psyche und je perfekter ein Profi das Ausbalancieren hinbekommt, desto konzentrierter wird er im Spiel sein. Folgt man den Aussagen Tom Starkes, sehe ich deshalb seiner Leistung gegen Mainz mit sehr großer Zuversicht entgegen.

Wir sehen Tom Starke und Marcel Herzog auch beim Torwart-Training, was uns nicht nur das Wissen zu ein paar Übungseinheiten bescherrt, sondern auch beweist, im Fußball haben traditionelle Männerbilder unserer Gesellschaft weiterhin ihren Platz. Torwart-Trainer Manfred Gloger bevorzugt jedenfalls die derbe Ansprache und auch seine O-Töne zur Leistung von Tom Starke machen ihn zu einer sehr originellen Person dieses Vereins. Schon immer fiel uns Manfred Gloger durch seinen sehr individuellen Laufstil auf, wenn er vor den Spielen den Torwart eintrainiert. Nun hat er zudem eine Stimme bekommen, und ich weiß, in welchen Worten er über den Fußball spricht. Ich erkenne da eine Unverwechselbarkeit, die an einen Fußball anderer Tage erinnert, an einen Fußball ohne Interviewtraining für Profis. Ich wage zu behaupten, Manfred Gloger ist ein unentdeckter Schatz des Vereins aller Vereine. Im Hinblick auf die Öffentlichkeitsarbeit sollten sich die Verantwortlichen einmal Gedanken über Manfred Gloger machen. Und ich weiß natürlich von der Paradoxie dieses Vorschlags und dem möglichen Zynismus, der sich daraus ergibt, die authentische Haltung eines Menschen zu instrumentalisieren. Da geraten wir jetzt ganz schnell zu einem anderen Thema, über das sich das Nachdenken immer auch lohnt. Das aber soll erst dann geschehen, wenn es nötig ist und ich sehe nun lieber voller Vorfreude dem Freitag entgegen, wenn Manfred Gloger in seiner unnachahmlichen Art auf unsere Plätze hinter dem Tor zutraben wird, um dort Tom Starke für einen hoffentlich grandios heraus gepielten Heimsieg warm zu spielen.

Saison 2008/2009 – 24. Spieltag SC Freiburg (H)

Bevor ich irgendeinen Spielbericht lese, möchte ich noch einmal im Gefühl des gestrigen Abends schwelgen, jenem umfassenden Hochgefühl, das nur den Nachteil der Totalen hat und den zur genaueren Spielanalyse notwendigen Blick auf das Detail, die Nahaufnahme, sehr erschwert. Es passierte außerdem in diesem Spiel zu viel, als dass es ein Leichtes wäre, dieses Geschehen ohne spielbegleitende Notizen und den Blick auf Einzelne gerecht zu beurteilen. Das, als Vorrede, sei gestattet, um das Folgende einzuordnen.

Auch wenn Erinnerungen oft trügen können und ich vielleicht später andere Quellen zur Überprüfung zu Rate ziehe, das muss ich erst einmal ungedeckt schreiben. So ein Spiel habe ich in Duisburg sehr lange nicht mehr erlebt. Ein Spiel, bei dem über die gesamte Spielzeit beide Mannschaften etwas riskierten und dabei nicht planlos wirkten. Ein Spiel, das aus diesem Grund ansehlichen Fußball bot (In Klammern gesprochen für alle, die bereits wieder den Blick nach vorne werfen: Natürlich ist da Luft nach oben beim Verein aller Vereine).  Und vor allem ein Spiel, das trotz allen Bangens mit einem von glücklichem Jubel begleiteten Ergebnis für den MSV endete. Kurzum, es war ein Spitzenspiel, das man nicht mit den sonst so häufig notwendigen Standardsätzen der Berichterstattung einschränken muss.

Manchmal kommt es mir so vor, als erreichte ich ein Alter, in dem es immer schwerer für mich wird, die Spannung solcher Spiele zu ertragen. Zum ersten Mal ist mir das bei zwei, drei Spielen in der letzten Erstliga-Saison so gegangen und auch heute kam ich ab ungefähr der 65. Minute an einen Punkt, ab dem ich für ungefähr fünf Minuten aus dem Stadion flüchten wollte und nur die beruhigenden Worte der Freunde mich davon abhielten. Ich hatte das Gefühl, zwar könnte ich eine mögliche Niederlage aushalten, aber keinesfalls mehr sehenden Auges. So viel investierte der MSV in das Spiel, so groß wurde der Druck in der zweiten Halbzeit und so sehr ergaben sich die Konterchancen für die Freiburger, die ich schon beim MSV-Angriff gleichsam mitdachte. Der Höhepunkt war ein Freistoß  von halbrechts, der ja eigentlich Gefahr für die Freiburger sein sollte und bei dem sich sämtliche Freiburger in den Strafraum zurück zogen, aus diesem Freistoß, befürchtete ich, würde das erste Tor der Freiburger unweigerlich folgen. Schon wieder wurden die Last-Minute-Gegentore der letzten Saison wieder lebendig und die Angst vor der Enttäuschung drohte, mich zu überwältigen. Andererseits wuchs ja gerade dadurch das mögliche Glück,  je länger ich diese Angst aushielt und es sich dann doch schließlich zum Guten wendete, desto mächtiger konnte mich die Freude erfüllen. Man sieht, es gibt dieses Gefühl der großen Begeisterung nicht ohne das Risiko ebensolch großer emotionaler Gefahren.

Ohne journalistische Stimmen zum Spiel gehen mir nun nur einzelne Momentaufnahmen durch den Kopf, die höchstens Ansätze bilden für Urteile. Wann habe ich mich etwa das letzte Mal so einig im Urteil mit dem Trainer meiner Mannschaft gefühlt wie in dem Moment, als Sandro Wagner schon zu Beginn der zweiten Hälfte tatsächlich für Dorge Kouemaha eingewechselt wurde?  Kouemahas Spiel erinnerte an die Leistungen der Hinrunde. Da sah man ein paar altbekannte Stockfehler und die fehlende Schnelligkeit, um dem dann wegspringenden Ball hinterherzujagen. Wagner zeigte zunächst ebensolche Stockfehler, aber war im Antritt so schnell, dass er dem dazwischengehenden Verteidiger den Ball wieder abnehmen konnte. Eine sehr gute Auswechslung, zumal die hohen Bälle auf Kouemaha nicht wirklich Gefahr brachten. Dazu stand die Freiburger Abwehr zu gut. Diese Abwehr war nur mit schnellem flachen Spiel zu überwinden, und das erste Tor lieferte den Beweis dazu. Dennoch ergaben sich für den MSV wie Freiburg schon auch in der ersten Hälfte Chancen auf ein Tor. Zwar war Kouemaha daran beteiligt, hatte aber zu wenig Spielübersicht, um den völlig frei stehenden Mitspieler zu sehen. Stattdessen schloss er selbst ab, ohne wirklich gefährlich zu werden.

Tom Starke war ja schon in der Erstliga-Saison auf der Linie sehr gut. Diese Klasse hat sich gestern wieder gezeigt. Zudem ist seine Strafraumbeherrschung besser geworden. Er läuft entschlossener raus, auch wenn immer wieder mal die alte Schwäche aufblitzt.

Dann fällt mir Adam Bodzek ein, der immer besser wird. Unzählige Bälle im schnellen Spiel der Freiburger hat er ungefährlich gemacht und kontrollierte danach den Ball. Das war kein Retten, sondern konzentriertes Erobern, sein Stellungsspiel wird von Spiel zu Spiel besser und der anschließende Pass findet den Mitspieler. Manchmal geht das dann sofort in den Angriff über, auf jeden Fall wird aber nahezu immer ein sicherer Pass gespielt und sogar nur das wäre bereits ein großer Fortschritt. War es bislang im Spiel des MSV doch häufig so, der Angriff des Gegners wird zwar zerstört, aber die Anschlusshandlung bringt den Ball nahezu augenblicklich wieder in die Reihen des Gegners.

Auch die Einwechslung von Marcel Heller ergab sich zwangsläufig aus dem Versuch, das Spiel nach vorne weiter zu beschleunigen. Änis Ben-Hatira war mit seiner am Dribbling orientierten Spielweise nicht sehr erfolgreich und wie sich das Spiel entwickelte, wurde er immer wirkungsloser. Das zweite Tor war übrigens jenes Wagner-Tor, das er in der Hinrunde gegen St. Pauli bereits hätte machen können. Wie vor ein paar Monaten erkämpft er sich den Ball und macht dieses Mal alles richtig. Ich bin mir jetzt nicht mal sicher, ob Makiadis Einsatz noch nötig gewesen wäre.

Dass ich andere Namen nicht erwähne, liegt nicht an mangelnder Leistung sondern an mangelndem Ausdrucksvermögen, ach Quatsch, Phrasen her, ich will keinen Spieler mehr herausheben, weil die Mannschaft gewonnen hat. Das hat den Eindruck einer funktionierenden Gemeinschaft gemacht, in der jeder deshalb so gut spielen konnte, wie er spielte, weil er sich der Mitspieler sicher war. So soll es weiter gehen, und dann wäre es natürlich enttäuschend, wenn es am Ende doch nicht klappt, aber Fußball ist eben nicht bis ins Letzte planbar. Zufrieden wäre ich nach einer auf diese Weise gespielten Saison dennoch.

Saison 2008/2009 – 19. Spieltag SV Wehen Wiesbaden (H)

Nun wird sicher überall vom glücklichen Sieg des MSVs geschrieben nach dem  Spiel gegen SV Wehen Wiesbaden. Was war das in der zweiten Halbzeit eine Zitterpartie! Das hat mich wieder die Nerven gekostet, die sich seit der letzten Saison gerade regeneriert hatten. Aber da war sie wieder, diese Angst vor dem so enttäuschenden Gegentor in der Schlussminute. Vielleicht drei, vier Minuten vor dem Schlusspfiff erst war ein wenig Resignation zu spüren bei den Gästen. Bis dahin aber spielte Wehen Wiesbaden nach dem zweiten Tor des MSVs, wie wir es vom Verein aller Vereine nach der erneuten Führung eigentlich erhofft hatten. Schnell, direkt und präzise ging es immer wieder ein ums andere Mal Richtung Duisburger Strafraum. An gefährliche Entlastungsangriffe der Duisburger kann ich mich bis auf zwei in den letzten zehn Minuten nicht erinnern. Die Regel waren eher Befreiungsschläge, die beim Gegner landeten oder gestolperte Angriffsversuche, die kurz hinter der Mittellinie endeten. Ergebnis war dasselbe, der nächste Angriff der Wehener als Vorbild für rasantes Passspiel mit – Gott sei Dank – nicht ganz so vorbildhaftem Abschluss. Denn „glücklich“ halte ich für nicht alleine zutreffend als Erklärung für den Sieg. Dieser Sieg ist also mindestens genauso sehr der mangelhaften Verwertung der erarbeiteten Chancen zu verdanken wie dem Glück bei vielleicht zwei, drei Schüssen. Ich erinner mich da etwa an einen Kopfball eines Wehener Stürmers freistehend, im Fünfmeterraum. Dieser Kopfball war eher die Rückgabe eines Verteidigers und Tom Starke nahm ihn dankbar auf.

Tom Starke im übrigen ein guter Rückhalt, rettete zwei, dreimal mit sehr guten Reflexen. Ein einziges Mal nur die altbekannte Unsicherheit beim Rauslaufen, ansonsten hat er am Rauslaufen anscheinend gearbeitet. Da traut er sich jetzt mehr zu.

Dabei hat das Spiel großartig begonnen. Der MSV war ungeheuer druckvoll, und dann gelingt Dorge Kouemaha nach einer Ecke in der sechsten Minute per Fallrückzieher im Fünfmeterraum der Führungstreffer. Wann erhält schon mal ein Stürmer die Gelegenheit zum Fallrückzieher im sonst dicht gestellten Fünfmeterraum? Da droht doch fast immer der Abpfiff wegen gefährlichen Spiels. Ein Klassetor!  Eine Minute später erobert sich der MSV durch sehr gutes Pressing den Ball, den Tiffert halblinks erhält. Sein um den Torwart gezirkelter Schuss aus etwas ungünstigem Winkel geht leider nur an den Pfosten und anschließend in die Arme von Walke.

Danach überlässt der MSV den Wehener zu sehr das Mittelfeld, die kommen ins Spiel und nach misslungener Abseitsfalle erzielen sie den Ausgleich. Der Abseitsfalle werden wir bestimmt noch öfter begegnen. Ich erinner mich da an Peter Neururers Bochumer Zeiten, als der Vfl damit über lange Zeit überaus erfolgreich war. In der Abstiegssaison war dann der Wurm drin, ein paar Tore haben sie damals wegen misslungener Abseitsfallen bekommen und diese Abseitsfalle wurde für ein Teil des Publikums zum roten Tuch.

Zurück zum Spiel, das ging dann in der ersten Halbzeit hin und her. Ein wenig konnte man schon vom Wehener Kombinationsspiel erkennen. Doch da der MSV zumindest etwas dagegen hielt, konnte man zufrieden sein. Zumal in der 39. Minute der erneute Führungstreffer fiel. Doch Wehen wollte einen Punkt und nach der Halbzeitpause erhöhten sie den Druck. Die Abwehr begann zu schwimmen und die Zitterpartie nahm Formen an.

Zum Fazit fallen mir vor allem Angriff und Verteidigung ein: Der Angriff war in der ersten Halbzeit gegenüber der Hinrunde stark verbessert. Vor allem Dorge Kouemaha verbreitete mehr Gefahr. Einer der schnellsten ist er zwar immer noch nicht, aber durch seine körperliche Präsenz zusammen mit einem sehr viel schneller gewordenen Antritt, der Fähigkeit zu längeren Sprints und einer feineren Technik hat er es den Wehener schwer gemacht, ihn zu kontrollieren. Die Verteidigung war dieses Mal eher etwas mau. Da gab es immer wieder mal leichte Abstimmungsprobleme und Schwierigkeiten die ballfernen Außenstürmer der Wehener im Blick zu halten, wenn der Angriff über die andere Seite kam und prompt sorgten diese freien Außenstürmer nach langen Pässen für die Gefahr. Zudem machte das frühe Pressing der Wehener der Abwehr Schwierigkeiten beim Spielaufbau. Da gab es ein paar heikle Situationen, nachdem sie den Ball erorbert hatten und ihn in der Vorwärtsbewegung fast augenblicklich wieder zum Gegner spielten.

Große Erleichterung nach dem Schlusspfiff und die Gewissheit, gegen eine der drei ersten Mannschaften hätte das nicht gereicht. Aber das kann ja noch kommen.

Mit neuem Trainer Punktgewinn gegen sicheren Siegeskandidaten

Bei der Heimfahrt nach Köln dachte ich eigentlich genügend Zeit zu haben, eine aufbauende Perspektive für die Wertung des Spiels gegen FSV Frankfurt zu finden. Doch erst hier am Schreibtisch, erkannte ich den Sinn dieses Kältespiels. Mit Peter Neururer als neuem Trainer wurde nämlich tatsächlich ein Schritt nach vorne getan! Obwohl FSV Frankfurt noch harmloser war als der FC St. Pauli, haben sie es nicht geschafft, drei Punkte aus Duisburg mitzunehmen. Damit war  eigentlich nach 60 Minuten zu rechnen gewesen. Fand der MSV in der zweiten Halbzeit doch keine Mittel mehr, gefährlich vor das Tor der Gäste zu kommen. Dagegen brachte die Gästemannschaft nach und nach sogar zwei, drei Angriffe in die Nähe des Strafraums vom Verein aller Vereine. Nun, im warmen sitzend, weiß ich endlich, der Bann wurde also gebrochen. In Duisburg heißt es nun erstmal nicht mehr, je harmloser der Gegner, desto sicherer die Niederlage.  In Duisburg heißt es jetzt erstmal, je harmloser die Gäste, desto torloser und unentschiedener das Ergebnis. Vielleicht fällt mir morgen noch mehr zu diesem Spiel ein, außer dass Olcay Sahan in der ersten Halbzeit ein Lichtblick war, und Tom Starke trotz Neururer-Votum kein Publikumsliebling geworden ist. Was für eine Kälte! Was für ein Spiel! Zum ersten Mal fällt es mir trotz meiner Erkenntnis schwer an die nächsten Wochenenden zu denken.

Die Negativserie gegen Mannschaften mit Negativserie

Vor dem Spiel gestern, am frühen Abend, gegen St. Pauli hatte ein Freund aus Duisburg noch geunkt, in der WAZ am Morgen hätte er von der Negativserie St. Paulis bei Auswärtsspielen gelesen. Ob die denn verrückt seien? Das dürfe doch in Duisburg nicht bekannt werden. Diesen Wunsch muss man wohl zukünftig mit Unterschriftenaktionen und Leserzuschriften an die Duisburger Lokalpresse unterstützen. Statistiktabu für jeden MSV-Profi. Anscheinend hat das magische Wirkungen im Umfeld des Vereins aller Vereine, so eine Negativserie des Gegners. Was für eine Enttäuschung gestern Abend!

Eine derart harmlose Mannschaft gewinnt tatsächlich in Duisburg, ohne sich wirklich anzustrengen. Das Spiel ist verschenkt worden. Da reihte sich aber auch Fehler an Fehler an unglücklichen Umstand, um in die Niederlage zu münden. Jeder einzelne Moment für sich betrachtet, wäre kein Problem gewesen. In der Summe machten sie die Niederlage aus. Nehmen wir die Situation, die zum Ausgleich führte. Draußen wird ein Wechsel vorbereitet. Ede soll kommen, damit endlich der Sack zu gemacht wird. Gute Idee! Ede steht schon am Spielfeldrand. Gleichzeitig versucht sich Serge Branco zum zweiten Mal innerhalb von ein paar Minuten an einer Grätsche, die nur dann nicht zur Karte führen würde, wenn sein Gegenspieler schnell genug wäre, um ihm davon zu laufen. Aber er ist natürlich nicht schnell genug, der Stürmer aus St. Pauli. Er ist nicht mal so schnell, dass so eine Grätsche überhaupt notwendig wäre. Aber Branco grätscht, die Beine werden getroffen und dafür erhält er natürlich verdient die gelb-rote Karte. Übermotiviert? Oder was ist das gewesen? Zu einem Zeitpunkt, als das Spiel St. Paulis völlig aus den Fugen war. Unfassbar.

Da hatten sie die Abwehr St. Paulis nach dem 1:0 mehrere Male schwindelig gespielt, ohne das entscheidende Tor nachzulegen. Da kamen schon völlig resignierte Gesten auf Hamburger Seite. Je mehr ich drüber schreibe, desto ungeheuerlicher scheint mir diese Niederlage zu sein. Aber ich wollte ja eigentlich noch diesen Ausgleich in seine niederlagenträchtigen Momente zerpflücken. Zurück zu Branco und zu Ede, der noch am Spielfeld wartet und zu der Mannschaft, die zum Teil schon die beabsichtigte Auswechslung wahrgenommen hat. Nur geschieht jetzt keine Auswechslung. Verständlicher Weise, jetzt muss Branco ersetzt werden. Also, Tobias Willi heran, aber der muss sich erstmal den Trainingsanzug ausziehen. Das dauert. Währenddessen wird der Freistoß ausgeführt. Die Mannschaft aber scheint auf irgendwas zu warten. Anscheinend hat sich dieses Da-steht-jemand-am-Spielfeldrand-und-kommt-herein in manche Köpfe geschlichen. Kleiner Schreck durch gelb-rote Karte kommt hinzu. Konzentration entflieht. Und dann wird Spiel doch schon wieder frei gegeben. Der Ball segelt in den Strafraum, und da können dann zwei Stürmer unbedrängt köpfen. Natürlich nehmen die das Angebot zum Ausgleich gerne an.

Wäre jetzt auch nicht so dramatisch gewesen. Weil St. Pauli auch mit zehn Mann zu schlagen war. Es folgt ja auch fast sofort die Großchance von Sandro Wagner. Und auch die Geschichte vom Siegtor St. Paulis beginnt mit einem guten Angriff über den rechten Flügel. Tobias Willi ist auf und davon. Doch dann hat sich einer von St. Paulis Verteidigern gedacht, was Branco kann, kann ich auch und springt mit Anlauf und gestrecktem Bein in Willis Knochen. Gepfiffen wird nicht, denn Willi springt hoch, wird nur gestriffen und kann sogar trotzdem flanken. Die Flanke ist aber nun zu harmlos. Sie wird problemlos abgefangen und der Abschlag mit erfolgreich abgeschlossenem Konter schließt sich an. Natürlich ist Willi empört über den ausgebliebenen Pfiff des Schiedsrichters. Doch weniger er beim Linienrichter hätte seinen Ärger erst später rauslassen sollen, sondern seine Mitspieler, die ebenfalls anscheinend den Pfiff sicher erwartet hatten, hätten mehr im Spiel sein müssen. Aber sie waren ganz offensichtlich im Kopf in einer anderen Spielsituation. Womöglich hatten sie den Freistoß schon vor Augen. Der ausbleibende Schiedsrichterpfiff ist natürlich ungerecht, aber zwischen Abfangen der Flanke und Abschlag war genug Zeit, um sich wieder zu organisieren. Da fehlte Aufmerksamkeit und Schnelligkeit im Kopf.

Ohnehin war schon in der ersten Halbzeit zu spüren, dass dem Spiel der Mannschaft die kämpferische Note fehlte. Anscheinend braucht diese Mannschaft dieses Feuer, um gefährlich und wach zu sein. Gibt es einen Gegner, der diesen Kampf erstmal nicht nötig macht, weil er zu ungefährlich ist, dann plätschert das Spiel vor sich hin. Konstruktive Angriffe sind dann selten. So landete der Ball gestern immer wieder beim Versuch schnell nach vorne zu spielen beim Gegner. Das war alles nicht schön anzusehen. Und trotzdem hatte man das Gefühl, das kann was werden. Denn als Ergebnis wurde das Spiel zwar langsam, aber auch kontrolliert. Die Abwehr stand sicher. Der Ball wurde gestoppt, dann wurde geguckt, wo ist mein Mitspieler und notfalls auch zurück gespielt. Wie gesagt, nicht schön anzusehen, aber ich war eigentlich sicher, das erste Tor wird fallen.

Ich muss aufhören zu schreiben, ich merke allmählich, wie ich mich wieder gegen dieses Ergebnis aufbäume. Ich will es nicht wahr haben. Und Sandro Wagner, zur ersten Großchance, die er sich ja selbst erarbeitet hat, da will ich ja gar nichts sagen. Alleine auf den Torwart zulaufen und dann der Ball über das Tor. Da fehlt Gelassenheit. Hat im übrigen aus meiner Sicht was mit seiner Persönlichkeit zu tun. Das ist nicht seine Jugend, sondern sein unbedingter Wille im Zentrum zu stehen. Aber dieser zweite Ball, den er er freistehend am Elfmeterpunkt zwar direkt annimmt, aber ohne Kraft dem Torwart direkt in die Arme schießt. Seufz. Und wo ich schon dabei bin, welche Qualitäten hat Dorge Kouemaha, die ich bislang noch nicht gesehen habe und die in einem normalen Spiel des Vereins aller Vereine gebraucht werden. Ich verstehe schon, er soll die Anspielstation in der Spitze sein und mit seinem massigen Einsatz den Ball behaupten. Die kann er aber doch nur sein, wenn das Spiel über den Kurzpass nach vorne kommt. Was eher selten der Fall ist beim MSV. Für lange Bälle ist er viel zu langsam. Und diese hohen Bälle in den Strafraum fürs Kopfballspiel, da stehen die meisten Verteidigungsreihen immer sehr stabil. Also, ich habe da ein wirkliches Erkenntnisinteresse. Wer hilft?

Ein gutes Zeichen übrigens, wie ärgerlich Ivica Grlic im Interview mit Radio Duisburg nach dem Spiel war. Zeugt vom Anspruch und vom Willen zur Änderung. Ein zweites Interview mit Tom Starke hinterlässt bei mir einen faden Beigeschmack. Natürlich verstehe ich seine Enttäuschung und seinen Willen, wieder in der Startelf zu stehen. Aber zu einem guten Torwart gehört auch eine realistische Einschätzung der eigenen Stärken und Schwächen. Starke sieht sich in allen Belangen als den besseren Torhüter an. Im Strafraum ist er das so offensichtlich nicht, dass ihn diese Selbsteinschätzung schon jetzt für die Rückrunde zum zweiten Mann macht.  Seine Stimmung ist jedenfalls schlecht, und er versteht Bommer nicht, der ihm keine Argumente hat liefern können. Da sage ich, frage mal im Publikum. Lese mal die Blogs. Da gibt es schon den ein oder anderen Hinweis auf Schwächen.

Nur gut, dass wenigstens auch der FC gegen Dortmund verloren hat. Muss ich mir zumindest keine dummen Kommentare anhören. Drei Punkte in Koblenz, schön wär´s.