Fußballvereine, das Internet und die Fans

Heute morgen lese ich im nachträglichen Spielbericht zum Frankfurter Sieg gegen Karlsruhe auch etwas über das Verhältnis der Eintracht-Fans zum Verein und umgekehrt. Zu Beziehungen gehören ja auch im Fußball immer zwei, und auch in Frankfurt lieben die einen den Trainer nicht und bringen das unmissverständlich zum Ausdruck. Das wurde anscheinend auch im Internet immer drastischer formuliert. Die anderen halten am Trainer fest und meinen, wir geben euch doch die Gelegenheit zur Meinungsäußerung, aber wir sind nun mal anderer Meinung, und ihr vergreift euch im Ton, das muss ein Ende haben. Und schon ist das Fan-Forum auf der Vereinsseite im Internet abgeschaltet. Kommt euch das bekannt vor? Und auch aus Bochum habe ich vor drei, vier  Wochen von Verstimmungen zwischen Verein und Fans gelesen.

Da scheint etwas im Verhältnis zwischen Fans und Fußball weiter in Bewegung zu geraten. Immer mehr wird auch auf Fanseite deutlich, wie sich der Fußball insgesamt verändert hat. Das konnte nicht ohne Einfluss auf die alten Verhältnisse von Anhängerschaft und Heimatverein bleiben. Wie das in Beziehungen so ist, es gibt immer Wechselwirkungen zwischen beiden Seiten. Auf Seiten der Vereine ist die Entwicklung bis heute offensichtlich. Der Weg führte zu immer mehr ökonomischem Denken im Rahmen des Sports, und dass Fußballvereine mittelständische Unternehmen sind, daran gibt es doch inzwischen keine Zweifel mehr.

Was aber sind Fans? Sind das noch immer die treu zu ihrem Verein stehenden Anhänger oder sind das Kunden, die schließlich bezahlt haben und nun für ihr Geld etwas sehen wollen? Sind die scharfen Worte in Internet-Foren alleine dem Bangen um den Erfolg des eigenen Vereins und der Anonymität des Mediums geschuldet? Ich glaube, im Selbstbild der meisten Fans überwiegen zwar noch die fest in Traditionen des Fantums verwurzelten Haltungen, doch ein Teil ihrer Energie beziehen Fans aus den veränderten Bedingungen im Fußball. Zu dem Gefühl, das ist mein Verein, ist etwas hinzugekommen, was früher als Anspruch nicht vorhanden war. Dieser Anspruch ist nicht scharf umrissen. Das ist nicht das Verhältnis von Kundschaft zu Anbieter, aber es gibt einen Anspruch auf eine vom Verein zu erbringende Leistung, die beim Ausbleiben von sportlichem Erfolg vehement eingefordert wird und das ist das eigentlich Verwirrende an der Situation, dieser Anspruch wird vornehmlich als Sorge um den sportlichen Erfolg formuliert.

Ich glaube aber, hinter dem Protest verbirgt sich etwas anderes, was den Beteiligten nicht bewusst ist. Wahrscheinlich ist das überhaupt der Grund, warum es inzwischen so oft und so heftig hoch hergeht. Weil es an der Oberfläche nur um den sportlichen Erfolg des Vereins geht, braucht nicht weiter darüber nachgedacht zu werden, ob nicht ein anderer Inhalt, also ein entsprechendes Verhalten auf Seiten der Vereine, diesem  verdeckten Anspruch gerecht wird.  Bei den Vereinen kommt dieser Anspruch als Zumutung an, wenn er wahrgenommen wird. Inzwischen gibt es eine lange Reihe von Konflikten in den meisten Bundesligavereinen zwischen Fans und Offiziellen, die in genau diesem unscharfen Anspruch ihren Ausgang haben. Die äußere Form des Anspruchs ist das Mitreden als Protest und Schimpfen. Für mich stellt sich die Frage, ob dieser Anspruch auch in einer positiv bestimmten Form einen Ausdruck finden könnte. Darüber könnten Vereine einmal nachdenken. Sportlicher Erfolg ist natürlich auch eine Lösung, in dem Moment fallen alle Ansprüche in einem zusammen. Aber das ist für die meisten Vereine nur ein Rezept mit begrenzter Reichweite.

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