Die Negativserie gegen Mannschaften mit Negativserie

Vor dem Spiel gestern, am frühen Abend, gegen St. Pauli hatte ein Freund aus Duisburg noch geunkt, in der WAZ am Morgen hätte er von der Negativserie St. Paulis bei Auswärtsspielen gelesen. Ob die denn verrückt seien? Das dürfe doch in Duisburg nicht bekannt werden. Diesen Wunsch muss man wohl zukünftig mit Unterschriftenaktionen und Leserzuschriften an die Duisburger Lokalpresse unterstützen. Statistiktabu für jeden MSV-Profi. Anscheinend hat das magische Wirkungen im Umfeld des Vereins aller Vereine, so eine Negativserie des Gegners. Was für eine Enttäuschung gestern Abend!

Eine derart harmlose Mannschaft gewinnt tatsächlich in Duisburg, ohne sich wirklich anzustrengen. Das Spiel ist verschenkt worden. Da reihte sich aber auch Fehler an Fehler an unglücklichen Umstand, um in die Niederlage zu münden. Jeder einzelne Moment für sich betrachtet, wäre kein Problem gewesen. In der Summe machten sie die Niederlage aus. Nehmen wir die Situation, die zum Ausgleich führte. Draußen wird ein Wechsel vorbereitet. Ede soll kommen, damit endlich der Sack zu gemacht wird. Gute Idee! Ede steht schon am Spielfeldrand. Gleichzeitig versucht sich Serge Branco zum zweiten Mal innerhalb von ein paar Minuten an einer Grätsche, die nur dann nicht zur Karte führen würde, wenn sein Gegenspieler schnell genug wäre, um ihm davon zu laufen. Aber er ist natürlich nicht schnell genug, der Stürmer aus St. Pauli. Er ist nicht mal so schnell, dass so eine Grätsche überhaupt notwendig wäre. Aber Branco grätscht, die Beine werden getroffen und dafür erhält er natürlich verdient die gelb-rote Karte. Übermotiviert? Oder was ist das gewesen? Zu einem Zeitpunkt, als das Spiel St. Paulis völlig aus den Fugen war. Unfassbar.

Da hatten sie die Abwehr St. Paulis nach dem 1:0 mehrere Male schwindelig gespielt, ohne das entscheidende Tor nachzulegen. Da kamen schon völlig resignierte Gesten auf Hamburger Seite. Je mehr ich drüber schreibe, desto ungeheuerlicher scheint mir diese Niederlage zu sein. Aber ich wollte ja eigentlich noch diesen Ausgleich in seine niederlagenträchtigen Momente zerpflücken. Zurück zu Branco und zu Ede, der noch am Spielfeld wartet und zu der Mannschaft, die zum Teil schon die beabsichtigte Auswechslung wahrgenommen hat. Nur geschieht jetzt keine Auswechslung. Verständlicher Weise, jetzt muss Branco ersetzt werden. Also, Tobias Willi heran, aber der muss sich erstmal den Trainingsanzug ausziehen. Das dauert. Währenddessen wird der Freistoß ausgeführt. Die Mannschaft aber scheint auf irgendwas zu warten. Anscheinend hat sich dieses Da-steht-jemand-am-Spielfeldrand-und-kommt-herein in manche Köpfe geschlichen. Kleiner Schreck durch gelb-rote Karte kommt hinzu. Konzentration entflieht. Und dann wird Spiel doch schon wieder frei gegeben. Der Ball segelt in den Strafraum, und da können dann zwei Stürmer unbedrängt köpfen. Natürlich nehmen die das Angebot zum Ausgleich gerne an.

Wäre jetzt auch nicht so dramatisch gewesen. Weil St. Pauli auch mit zehn Mann zu schlagen war. Es folgt ja auch fast sofort die Großchance von Sandro Wagner. Und auch die Geschichte vom Siegtor St. Paulis beginnt mit einem guten Angriff über den rechten Flügel. Tobias Willi ist auf und davon. Doch dann hat sich einer von St. Paulis Verteidigern gedacht, was Branco kann, kann ich auch und springt mit Anlauf und gestrecktem Bein in Willis Knochen. Gepfiffen wird nicht, denn Willi springt hoch, wird nur gestriffen und kann sogar trotzdem flanken. Die Flanke ist aber nun zu harmlos. Sie wird problemlos abgefangen und der Abschlag mit erfolgreich abgeschlossenem Konter schließt sich an. Natürlich ist Willi empört über den ausgebliebenen Pfiff des Schiedsrichters. Doch weniger er beim Linienrichter hätte seinen Ärger erst später rauslassen sollen, sondern seine Mitspieler, die ebenfalls anscheinend den Pfiff sicher erwartet hatten, hätten mehr im Spiel sein müssen. Aber sie waren ganz offensichtlich im Kopf in einer anderen Spielsituation. Womöglich hatten sie den Freistoß schon vor Augen. Der ausbleibende Schiedsrichterpfiff ist natürlich ungerecht, aber zwischen Abfangen der Flanke und Abschlag war genug Zeit, um sich wieder zu organisieren. Da fehlte Aufmerksamkeit und Schnelligkeit im Kopf.

Ohnehin war schon in der ersten Halbzeit zu spüren, dass dem Spiel der Mannschaft die kämpferische Note fehlte. Anscheinend braucht diese Mannschaft dieses Feuer, um gefährlich und wach zu sein. Gibt es einen Gegner, der diesen Kampf erstmal nicht nötig macht, weil er zu ungefährlich ist, dann plätschert das Spiel vor sich hin. Konstruktive Angriffe sind dann selten. So landete der Ball gestern immer wieder beim Versuch schnell nach vorne zu spielen beim Gegner. Das war alles nicht schön anzusehen. Und trotzdem hatte man das Gefühl, das kann was werden. Denn als Ergebnis wurde das Spiel zwar langsam, aber auch kontrolliert. Die Abwehr stand sicher. Der Ball wurde gestoppt, dann wurde geguckt, wo ist mein Mitspieler und notfalls auch zurück gespielt. Wie gesagt, nicht schön anzusehen, aber ich war eigentlich sicher, das erste Tor wird fallen.

Ich muss aufhören zu schreiben, ich merke allmählich, wie ich mich wieder gegen dieses Ergebnis aufbäume. Ich will es nicht wahr haben. Und Sandro Wagner, zur ersten Großchance, die er sich ja selbst erarbeitet hat, da will ich ja gar nichts sagen. Alleine auf den Torwart zulaufen und dann der Ball über das Tor. Da fehlt Gelassenheit. Hat im übrigen aus meiner Sicht was mit seiner Persönlichkeit zu tun. Das ist nicht seine Jugend, sondern sein unbedingter Wille im Zentrum zu stehen. Aber dieser zweite Ball, den er er freistehend am Elfmeterpunkt zwar direkt annimmt, aber ohne Kraft dem Torwart direkt in die Arme schießt. Seufz. Und wo ich schon dabei bin, welche Qualitäten hat Dorge Kouemaha, die ich bislang noch nicht gesehen habe und die in einem normalen Spiel des Vereins aller Vereine gebraucht werden. Ich verstehe schon, er soll die Anspielstation in der Spitze sein und mit seinem massigen Einsatz den Ball behaupten. Die kann er aber doch nur sein, wenn das Spiel über den Kurzpass nach vorne kommt. Was eher selten der Fall ist beim MSV. Für lange Bälle ist er viel zu langsam. Und diese hohen Bälle in den Strafraum fürs Kopfballspiel, da stehen die meisten Verteidigungsreihen immer sehr stabil. Also, ich habe da ein wirkliches Erkenntnisinteresse. Wer hilft?

Ein gutes Zeichen übrigens, wie ärgerlich Ivica Grlic im Interview mit Radio Duisburg nach dem Spiel war. Zeugt vom Anspruch und vom Willen zur Änderung. Ein zweites Interview mit Tom Starke hinterlässt bei mir einen faden Beigeschmack. Natürlich verstehe ich seine Enttäuschung und seinen Willen, wieder in der Startelf zu stehen. Aber zu einem guten Torwart gehört auch eine realistische Einschätzung der eigenen Stärken und Schwächen. Starke sieht sich in allen Belangen als den besseren Torhüter an. Im Strafraum ist er das so offensichtlich nicht, dass ihn diese Selbsteinschätzung schon jetzt für die Rückrunde zum zweiten Mann macht.  Seine Stimmung ist jedenfalls schlecht, und er versteht Bommer nicht, der ihm keine Argumente hat liefern können. Da sage ich, frage mal im Publikum. Lese mal die Blogs. Da gibt es schon den ein oder anderen Hinweis auf Schwächen.

Nur gut, dass wenigstens auch der FC gegen Dortmund verloren hat. Muss ich mir zumindest keine dummen Kommentare anhören. Drei Punkte in Koblenz, schön wär´s.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.




JETZT BESTELLEN
Das Buch über den Sommer 2013 in Duisburg rund um den MSV bis zum Wiederaufstieg zwei Jahre später

Kees Jaratz im Buchhandel

Die Seite zum Buch

Statt 14,95 € nur noch 8,90 €
Hier bestellen

Hier geht es zum Fangedächtnis

Kees Jaratz bei Twitter

Sponsored

Bloglisten


%d Bloggern gefällt das: