Archiv für November 2008



Saison 2008/2009 – 12. Spieltag RW Ahlen

Schon vor der Bommer-Entlassung wurde das Spiel gegen Rot-Weiß Ahlen abgehakt unter der Rubrik, es geht immer noch schlimmer. Auch wenn das jetzt vielleicht nicht mehr so interessiert, mir ging das nicht ganz so und die Fan-Gesänge gegen die Mannschaft habe ich in der ersten Halbzeit überhaupt nicht nachvollziehen können. Natürlich schien diese Mannschaft oft hilflos zu sein, doch mangelnder Einsatz, nach dem Motto, wir sind Duisburger und ihr nicht, konnte man ihr nicht vorwerfen. Mag in Koblenz so gewesen sein, gestern war das nicht so.

Gestern wurde nur einmal mehr deutlich, die Mannschaft kennt kein schnelles Spiel. Und sie hat keine Laufroutinen, auf die zurückgegriffen werden kann. Einen Konter wie Ahlen ihn zum Tor vollendet, sieht man vom Verein aller Vereine nur dann, wenn die Mannschaft mit drei Toren Unterschied führt. Vorher gibt es das nicht. Da fehlt Vertrauen darauf, dass der Mitspieler in den freien Raum läuft. So gelingt Raumgewinn meist nur über Dribblings. Da läuft der Spieler fünf bis zehn Meter in die sich zusammen ziehende Verteidigung hinein, und dann wird gepasst. Kann auch ein Plan sein, erfordert aber angesichts der immer perfekteren Verteidigungsreihen ein sicheres Zusammenspiel und das Laufen der Mitspieler lange vor dem notwendigen Abspiel. Wird erst als Reaktion auf das Verteidigungsverhalten gelaufen, ist es längst zu spät. Zumal gestern nur Gregory Christ mit seinen Dribblings zunächst etwas Erfolg hatte. In der ersten Halbzeit ist es ihm und Olivier Veigneau ein paar Mal gelungen ein schnelles Spiel auf der linken Seite hinzubekommen. Das waren gute Ansätze, die angesichts der desaströsen zweiten Halbzeit völlig aus dem Blick geraten.  In dieser ersten Halbzeit war auch Adam Bodzek noch hin und wieder Anspielstation im Mittelfeld, ehe er in der zweiten Halbzeit sichtbar Angst vor jedem Ball hatte, der in seine Nähe hätte kommen können. Das sollte all jenen zu denken geben, die sich immer mal wieder über Ivica Grlic aufregen. Ich halte ihn für das derzeitige Spiel des Vereins aller Vereine für völlig unverzichtbar. Wenn er nicht da ist, gibt es niemanden, der im Mittelfeld den Ball überhaupt annehmen will.

In der zweiten Halbzeit kam dann nichts mehr. Ibrahim Salou für den schwachen Dorge Kouemaha war ein Totalausfall, und da rege ich mich in der ersten Halbzeit über die Stockfehler von Kouemaha auf, dem bei Pässen auf zwei Meter der Ball fünf Meter verspringt. Aber zumindest ist das nicht jedes Mal so, und wenn er dann am Ball ist, hält er ihn meist. Salou aber hebt abseits des Spielgeschehens schon mal gerne den Arm, um sich als Anspielstation anzubieten. Das scheinen mir Übersprungshandlungen zu sein in grenzenloser Verzweifelung angesichts völligen Versagens. Einsatz signalisieren: Ich könnte, wenn ihr mich liesset. Am besten dann, wenn die Gefahr den Ball tatsächlich zu erhalten, möglichst gering ist.

Ein zukünftiger Trainer wird die meiste Arbeit mit diesem Angriffsspiel haben. MIt der Abwehr plus Marcel Herzog in weiterhin großer Form kann man zufrieden sein. Also, ich bin gespannt, wer´s wird. In diesen besonderen Momenten zeigen sich natürlich auch die Machtverhältnisse, und das Ego von Walter Hellmich geht wieder mit ihm durch. Während Bruno Hübner noch vom Gespräch in der nächsten Woche redet, entlässt Hellmich Bommer. Das verweist auf keine gute Grundlage für kommenden Erfolg. Ganz egal, wie man zur Entlassung steht, so was muss doch geschlossen vermittelt werden. Was für Signale sind das? Wie soll da in einer noch vielfältigeren Mannschaft eine Einheit entstehen, wenn das Patriarchalische in diesem Verein immer wieder mit einer Idee oder einem Geist des Vereins konkurriert?

Volkes Stimme trifft auf Einsehen

Spielbericht auf später verschieben, Tinas Brandmeldung nachlesen und mich dabei an den Spielanfang erinnern, als vor Spielbeginn nach dem ersten Bommer-Raus-Intermezzo kurz in unserer Runde die Frage aufkam, und dann? Luhukay fiel mir dazu ein. Nicht ganz ernst, aber bei genauem Hinsehen eigentlich ein Mann mit Perspektive. Denn dieser Trainer steigt gerne mit seinen Mannschaften auf, um dann unverzüglich oder kurz nach Saisonstart dem Nachfolger Platz zu machen. Gibt es eigentlich so was wie einen informellen Austausch zwischen den Vereinen? Was für ein Verhältnis pflegen wir mit Paderborn und Mönchengladbach? Und dem FC natürlich? Dort war Luhukay Co-Trainer unter drei verschiedenen Chefs von 2002 bis 2005. Sofort wird er noch ein wenig sympathischer, denn mir kölsche stonn zusammen, also, Hellmich und Hübner müssten bei der Vertragsgestaltung nur berücksichtigen, dass er nach dem Aufstieg maximal ein halbes Jahr bleibt. Tina berichtet übrigens, dass der Hollandse Nieuwe in spe bei uns gesehen wurde. Networking zwecks Arbeitsplatzsuche oder private Weiterbildung? Denn an nichts anderem lernt man besser als an dem, was nicht gelingt. Zu letzterem werde ich erst morgen früh mehr schreiben.

Fortsetzung Ishiaku – Teil 4

Wir haben anhand der Erzählungen vom ehrgeizigen und talentierten Fußballspieler Manasseh Ishiaku ja schon einige Gesetzmäßigkeiten von Fortsetzungsgeschichten kennengelernt. Nun weist das nächste Kapitel dieser Fortsetzungsgeschichte darauf hin, dass die Macher der Serie sich allmählich sorgen und dem erzählerischen Potential ihrer Hauptfigur Ishiaku nur noch eingeschränkt vertrauen.

Denn wenn die Figurenkonstellation der Serie grundsätzlich überdacht wird, um den Publikumserfolg zu sichern, ist fast immer auch ein Ende der Fortsetzungserie möglich. Was im Hochgefühl von Stärke und Sicherheit umsatzträchtig zwei Absatzmärkte vereint, wird in Zeiten der Auflagennot zum vermeintlichen Hoffnungsschimmer: Zwei Super-Helden begegnen sich in ein- und derselben Geschichte. So gibt es weiterhin Hinweise darauf, dass der Fortsetzungsserie um Ishiaku durch eine Begegnung mit Super-Lukas neues Leben eingehaucht werden soll. Zwar reagiert der den FC-Trainer spielende Christoph Daum genervt über diese ewig gleiche Idee mit dem Superhelden Lukas Podolski, doch Michael Meier, der den FC-Manager spielt, will sich diese erzählerischen Möglichkeiten nicht verbauen. „Im Winter sind keine Änderungen geplant,“ wird er zunächst im Kölner Stadt-Anzeiger zitiert und hat dann hinzugefügt: „Es sei denn verletzungsbedingt, also gezwungenermaßen.“ Es hat den Anschein, als ob Meier bei den Autoren der Fortsetzungsgeschichte um Ishiaku keine kreative Kraft mehr erkennt. Man kann seine Äußerungen so deuten, dass er vom Schlimmsten ausgeht. Auch in den nächsten zwei Monaten keine zündende Idee mehr aus der Autorenwerkstatt.

Der Herausgeber einer Fortsetzungserie muss dann vorbauen. Natürlich darf die erfolgreichere Serie nicht von jener in der Kreativkrise in Mitleidenschaft gezogen werden. Möglicherweise kommt es deshalb auch gar nicht zur dauerhaften Vereinigung der Super-Helden, sondern Meier muss sich mit einem Cameo-Auftritt von Super-Lukas bei der Weihnachtsfeier des 1. FC Kölns zufrieden geben. Dennoch besäße selbst solch ein Auftritt großes Entwicklungspotential. Super-Lukas könnte zum Beispiel zufällig neben Ishiaku zu sitzen kommen und nach den ersten gewechselten Worten spüren, hier geschieht gerade eine einzigartige Begegnung. Der Beginn einer langen Freundschaft könnte sich dann abzeichnen. Zwei junge Männer, die endlich bei jemandem völliges Verstehen für enttäuschte Hoffnungen finden. Ein reger Mail- und SMS-Austausch zwischen Super-Lukas in München und Ishiaku in Köln könnte der Serie den Weg in ein neues Medium eröffnen. Eine Handy-Soap statt Print. Vorstellbar ist vieles. Man sollte drüber nachdenken. Das Training dauerhaft aufnehmen, das bleibt selbstverständlich als weitere überraschende Wendung im erzählerischen Repertoire der Serie. Doch vielleicht kommt diese Wendung für deren Fortbestand zu spät. Schließlich enttäuscht man die Zuschauererwartungen nicht ungestraft.

Klagechor hat eine Stimme mehr

Der dreistimmige Klagegesang in der Besetzung Jochen, Tina und Thorsten wird ja bereits von einem vielstimmigen Hintergrundchor unterstützt. Da muss ich nur noch leise mitsummen. Es gibt also kein stabiles Leistungsvermögen dieser Mannschaft. Da bleibt nicht mehr als resigniertes Seufzen nach einem Sonntagnachmittag bei Kaffee, Kuchen und Duisburger Familienbesuch in Köln, während einmal mehr im Hintergrund Marco Röhling ununterbrochen um Worte rang, die schlechte MSV-Leistung erzählbar zu machen. Und dann: „Was für ein Graupentor! Aber egal…!“ So ganz egal war es mir nicht, weil so ein Tor dann immer wieder meine Hoffnung kitzelt, wenn ich nichts mit eigenen Augen sehe. Der Glaube versetzt dann schon mal den ein oder anderen Hügel auf dem inneren Weg zum Anschluss an die Spitzenplätze. Vielleicht sollte ich ja ohnehin demnächst eher die Spiele des Vereins aller Vereine imaginieren. Dann sind die Niederlagen wenigstens schön anzusehen. Ach, es war ja ein Unentschieden gegen TuS Koblenz. So etwas vergisst man angesichts der gehörten Worte und der im SWR gesehenen Bilder ganz. Andererseits, dieses Tor zum Ausgleich wird mir im Gedächtnis bleiben. Das hatte was vom choreografierten Chaos einer Slapstick-Komödie, als Mihai Tararache an die linke Eckfahne schoss, um ins Tor zu treffen, und Björn Schlicke da hineinrannte, flankte und in der Mitte Cedrick Makiadi einschoss.  Leider ist so was ja beim Verein aller Vereine eher selten wiederholbar. Denn im Gegensatz zur Slapstick-Komödie, in der dann das Spiel auf perfektem Timing beruht, scheint es sich beim MSV ja meist eher doch um Zufall zu handeln.


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