Archiv für Dezember 2008

Vakanzen entstehen, wenn Spieler gehen

Kürzlich erwähnte ich ja die in NRW sehnlichst erwarteten Schüler Sachsens, die den Klassenschnitt in den jeweiligen Schulformen heben könnten, und fragte mich, ob Lehrer Peter nicht doch auch insgeheim auf solche Sachsen-Schüler des Fußballs hofft. Das darf man nämlich guten Gewissens, wenn man seine Hausaufgaben macht. So heißt das immer. Ein Teil der Hausaufgaben ist bekannter Weise erledigt, vier Schüler sind nach unten weitergereicht, und so kann man anfangen, auch mal lauter über die Zukunft nachzudenken.

Dieses laute Nachdenken verwirrt allerdings meine Gefühle einigermaßen. Spüre ich doch einerseits auf einmal die angenehme und beruhigende Gewissheit, dass alle Dinge so bleiben, wie sie immer schon waren. Gerade als nicht mehr ganz so junger Mensch setze ich ja auf die Kraft des Vertrauten. Es wird alles gut, so denke ich gerne, wenn tatsächlich jedes Jahr sich der 24. Dezember als Heiligabend entpuppt und wenn nun auch beim MSV in der Winterpause Neuverpflichtungen zu einem Thema werden. Andererseits ziehen alle aus dem derzeitigen Weltgeschehen die Lehre, wegen dieser Krise dürfe es keineswegs so weitergehen wie bisher. Also doch besser dem  Neuen entgegensehen und ganz gegen die Winterpausengewohnheit niemanden verpflichten? Wenn ich mich recht entsinne, war das noch vor kurzer Zeit die Marschrichtung. Darum geschieht das Nachdenken über Neuverpflichtungen mittels vager Worthülsen des Politikersprechs. „Wenn Vakanzen entstehen, sind Neuverpflichtungen möglich“, sagt Neururer laut NRZ-Bericht.

Habe ich übrigens in Duisburg bei Muttern auf richtigem Papier gelesen, nachdem wir das Theater Freudenhaus in Essen-Steele besucht hatten. Für alle, die es noch nicht kennen, dort spielt man Volkstheater für jedes Alter mit Ruhrgebietswirklichkeit als Handlungsvorlage für die Stücke. Sonntagabend lief „Koplecks gehn am Stock“, inzwischen zum Klassiker geworden. War nach ein paar Anlaufschwierigkeiten der Handlung ein Abend zum Schmunzeln. Ist keine große Geschichte, aber nette Unterhaltung.

Was man von den Spielen des Vereins aller Vereine ja nun nicht durchweg behaupten kann. Ist meist auch keine große Geschichte und gerade deshalb zum Abgewöhnen. Aus diesem Grund spricht der vorausschauende Peter Neururer ja auch von Vakanzen, obgleich ja alle Spieler, die aussortiert wurden – und es sollen ja immer noch welche gehen – gut genug gewesen sind, um es beim Verein aller Vereine zu schaffen. Auch ein schönes Ritual, dieses Eiertanzen um die Qualität der geleisteten Arbeit – in diesem Fall der Verwaltungsarbeit. Zum selben Ritual gehört noch der Tätigkeitsnachweis, deshalb dürfen auf jeden Fall in der Winterpause die Testspieler vorspielen. Welchen Zusammenhang es da mit den Vakanzen gibt, bleibt allerdings offen. Denn mit der Außendarstellung hapert´s immer wieder. Der einzige konkrete Namen, der fällt, ist ausgerechnet ein ukrainischer Torwart names Yuriy Martyshuk. Da auf dieser Position ja auch dringend  was getan werden muss. Selbst, wenn da mal wieder perspektivisches Denken hinter stehen sollte, als Lösung für ein Sturmproblem taugt ein Torwart ja wohl nicht, nur weil er gerade vereinslos ist. Wenn jemand eine Brille braucht, geht er doch auch nicht zum HNO-Arzt, nur weil ausgerechnet da gerade keiner im Wartezimmer sitzt.

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Manni Breuckmann über das Schicksal von MSV-Fans

Am letzten Samstag nach 36 Jahren Radioreportagen noch zum letzten Mal als Fußballreporter im Bochumer Stadion, ein paar Tage später schon im Interview mit „schwatzgelb.de“, dem Dortmunder Fanzine, und einer kleinen Zebra-Nebenbemerkung bei all dem Schalke- und Dortmundgedöns:

Zollst Du den Fans vom BVB Respekt, dass sie die letzten Jahre durchgehalten haben?

Ja, da habe ich höchsten Respekt vor den Fans. Es gibt ja bestimmte Fans, die müssen immer leiden, Rot-Weiss Essen und der MSV Duisburg zum Beispiel. Das gilt für Dortmunder und selbst für Schalker nicht in dem Maße, weil ab und zu Erfolge da sind. Aber was die Dortmunder Fans damals mitmachen mussten, das war schon heftig.

Heißt das jetzt in etwa, der Duisburger ist es  gewöhnt, deshalb hat er es nicht ganz so schwer. Aber der Dortmunder, dem geht es wirklich dreckig, wenn er denn mal dran ist, so richtig am leiden, bei so ´nem Grottenkick.  Mensch Manni, denk´ mit Respekt auch uns! Das ganze Interview gibt es hier.

Erste Ausscheidungsrunde beendet

Nun wurden vier Spieler vom Jury-Vorsitzenden Peter Neururer in enger Absprache mit Jurymitglied Bruno Hübner benannt, vier Spieler, die es nicht in den Kader für die Rückrunde geschafft haben. Dabei handelt es sich um Fernando Avalos, Mounir Chaftar, Serge Branco und Valentine Atem. Wie immer, wenn jemand erst einmal bis in die Endrunde gekommen war, fiel es den Jury-Mitgliedern sehr schwer ein Urteil zu fällen. Eine „knappe Entscheidung“ sei es gewesen, war von Bruno Hübner zu hören und er versicherte: „Diese Spieler haben zwar die Qualität den Ansprüchen in unserem Kader gerecht zu werden, allerdings wollen wir mit einem kleineren Kader in die Vorbereitung auf die Rückrunde gehen.“

Der Abschied von Avalos, Chaftar und Atem war zu erwarten gewesen, alleine Branco war für mich ein Wackelkanditat. Hinten immer ein Unsicherheitsfaktor, aber gelegentlich blitzte Qualität im Spiel nach vorne auf. Avalos werde ich für mich in Ehren halten, als Sinnbild der Einkaufspolitik dieses Vereins aller Vereine in den letzten fünf Jahren ebenso wie als Prototyp jenes Nomadentums unter den Berufsfußballern, für das es hoffentlich in naher Zukunft nur noch im begrenztem Umfang einen Arbeitsmarkt geben wird. Denn auch wenn immer wieder Mäzene einzelne Vereine nach oben führen oder etablierte Vereine stabilisieren,  patriarchalisch geführte Vereine werden weniger, je erfolgreicher jene Vereine sind, in denen Aufgaben klar strukturiert auf möglichst viele Schultern verteilt werden.

Aber zurück zu Avalos: Ein Spieler wie er landet mit größerer Wahrscheinlichkeit bei einem Verein, in dem tagesaktuelle Ereignisse auf Entscheidungen größeren Einfluss haben als die mittelfristige oder gar langfristige Planung. Normale Vorkommnisse wie Verletzungen und Spielsperren haben dann auf so ein Fußballerleben viel größere Auswirkungen als bei anderen Spielern, Torhüter einmal ausgenommen. Der spontanen Verpflichtung folgt dann spontanes Vergessen. Das ist im Grunde die Kehrseite seiner Flexibilität auf dem Arbeitsmarkt Fußball. Andererseits wird er demnächst wieder bei einem anderen Verein einen Arbeitsplatz einnehmen. Womöglich bauen ja Fußballvereine das Selbstverständnis als Wirtschaftsunternehmen weiter aus und entdecken die auf dem restlichen Arbeitsmarkt üblichen und beliebten Methoden der Beschäftigungspolitik. So könnte ich mir zum Beispiel eine Art randstad für Fußballer vorstellen, eine Leiharbeiter-Firma, die auf die plötzlichen Bedürfnisse in der Branche wie Linderung von Abstiegsangst oder Verteidigersuche wegen verletzungsbedingten Engpässen schnell reagieren kann. Avalos wäre dann für mich so ein typischer Fußballer, der dort unter Vertrag steht, einer, der dann ausgeliehen wird, solange die Aufregung im Hilfe suchenden Verein groß ist.

Erste Ansätze dieses Wirtschaftens zeigen ja die Vereine selbst, die doch inzwischen vermehrt ihren „Perspektiv-Spieler“ zu Spielpraxis bei der etwas schlechteren Konkurrenz verhelfen. Beim MSV führt das ja dazu, dass die vermeintlich etwas schlechtere Konkurrenz wie Ahlen nun in der Tabelle vor dem Verein aller Vereine platziert ist. In Ahlen erhält ja bekannter Maßen MSV-Spieler Nils-Ole Book seit Anfang der Saison seine Spielpraxis.

Nun ja, meine Zukunftsvision hat außerdem noch einen Nebeneffekt. Im Gegensatz zu den Ausbeuter-Verhältnissen, die in der Leiharbeiter-Branche normal sind und bei denen es aber immer heißt, einige schwarze Schafe verderben den Ruf der Branche, könnte eine Fußballer-Leihagentur sogar etwas für den Ruf der Branche tun. Einem Leiharbeiter wie Avalos würden nämlich sogar vernünftige Gehälter gezahlt.

Bleibt noch die Frage, wen es in der nächsten Runde trifft, denn 31 minus 4 ist immer noch 27. Weniger 2 – Terodde und Boland sollen ausgeliehen werden – macht 25. Auf 22 Spieler will man kommen.

Ishiaku – Das Ende einer Fortsetzungsserie

Nun haben die Macher der Fortsetzungserie um den talentierten und ehrgeizigen Fußballspieler Manasseh Ishiaku  gerade noch einmal die Kurve gekriegt. Zwei Folgen der Serie sind nahezu unter Ausschluss der Öffentlichkeit auf den Markt gekommen. Das war keine Überraschung, mangelte es den Produzenten doch am Einfallsreichtum, um ansprechende Geschichten für diese Folgen zu finden. Die erste Einwechslung in einem Bundesligaspiel ohne wirklichen Höhepunkt. Dazu hatte man das Auswärtspiel des 1. FC Kölns  gegen Hertha BSC Berlin ausgewählt. Die Einwechslung geschah in der 74. Minute, und natürlich strahlte Ishiaku sofort Gefahr im Angriffsspiel der Kölner aus. Das war soweit vorhersehbar und konnte noch als Anlauf für den wahren Höhepunkt in der nächsten Folge durchgehen. Doch welch vergebene Chance in dieser nächsten Folge, in der man Ishiaku sogar für eine ganze Halbzeit auf den Platz schickte. Im Heimspiel der Kölner gegen Hamburg kam er in der 46. Minute und wieder ging von ihm Gefahr aus. Das war wiederum nicht überraschend, das kannte man und weil nichts anderes erzählt wurde, verpuffte diese Folge im Nichts der Langeweile. Ishiaku änderte nichts an den zwei Niederlagen, obgleich auf den persönlichen Erfolg Ishiakus alle Fans der Serie seit Wochen warten.

Erst in dieser dritten Folge seit seiner Gesundung haben es die Macher der Serie endlich begriffen. Zuschauererwartungen darf man nur dann enttäuschen, wenn kurze Zeit später ein sehr viel imposanterer und beeindruckenderer Einfall der Geschichte eine dann auch wirklich überraschende Wendung gibt. Diese Regel von Fortsetzungsgeschichten missachtet man nicht ungestraft. Nur die treuesten Fans halten dann einer Serie noch die Stange. So sind zwar die Kölner unter den Fans unserer Serie ganz begeistert über die letzte Folge. Wir Zuschauer ohne „kölsches Hätz“ aber müssen sagen, das war es nun. Die letzte Anstrengung der Macher erfüllt nur noch die mindesten Anforderungen an Spannung und Wohlgefühl der Show. Im Auswärtsspiel gegen den VfL Bochum wurde Ishiaku in der 82. Minute eingewechselt. Die Macher hatten sogar den Blick auf die Zuschauer geworfen und ließen diese vehement nach ihm rufen. So war es mehr als vorhersehbar, dass er in diesem Spiel tatsächlich den Siegtreffer nach 5 Minuten Spielzeit erzielen konnte. Auch das Freudenmotiv seines Saltos wurde wieder hervorgeholt. Aber die Vorarbeit zum Tor lieferte ein ganz anderer. Ishiaku brauchte nur einzuschieben. Welch müheloses Tor wurde ihm da auf den Leib geschrieben. Das hätte uns vor zwei, drei Wochen vielleicht noch mitgerissen, am letzten Wochenende aber kam diese letzte Anstrengung der Serienmacher für ein Happy End zu spät. Mein Rat: Beschränkt euch auf das Absatzgebiet um Köln. Dort hat die Serie vielleicht noch Chancen. Der Kölner kauft ja alles, sobald da nur irgendwas entfernt an den Dom erinnert, selbst wenn es nur ein imaginärer Dom im Herzen einer Serienfigur wie Ishiaku sein sollte.  Überlassen wir also Manasseh Ishiaku endgültig dem Kölner Publikum und wünschen den Machern der Serie viel Glück. Wir wenden uns nun der Entwicklung einer neuen Serienfigur zu, einer Serienfigur, für die sich auch das Publikum im Ruhrgebiet begeistern kann. Als Berater für diesen Neustart hoffen wir, den engagierten Trainer des MSV Duisburgs Peter Neururer zu gewinnen. Wir halten euch auf dem Laufenden.

Kleine Einführung in die Küchenpsychologie

Genauso sicher wie ich mir vor dem Spiel gegen Oberhausen beim Sieg war, genauso sicher war ich mir vor dem Spiel gegen Osnabrück, dass die  Ankündigung, wir wollen drei Punkte, nicht zu halten sein wird. Das hat eine einfache psychologische Erklärung. Diese Mannschaft ist so verunsichert, dass in genau überprüfbaren Zahlen ausgesprochene Erwartungen zu einer Angst führt, dieser Erwartung nicht gerecht werden zu können.

Im Grunde kommt es zurzeit darauf an, einzelne Spieler mit feinfühliger Ansprache starkzureden. Und da sind es manchmal Nuancen des Gesagten, die über Sieg, Unentschieden oder Niederlage entscheiden. Ist für einen Lautsprecher wie Peter Neururer natürlich eine Herausforderung. Aber auch er wächst wie wir alle an seinen Aufgaben. Ich möchte jedenfalls für ihn festhalten, wer das Ergebnis, drei Punkte mitzunehmen, als Forderung ausspricht, macht den Sieg im gegenwärtigen Zustand der Mannschaft zu einem Glücksspiel.

Vor dem Spiel gegen Oberhausen waren die öffentlichen Äußerungen zwar auch auf Sieg ausgerichtet. Aber das Ergebnis blieb in der Prognose im Hintergrund, und damit war es gleichzeitig weniger endgültig. Es ging vor allem um das Auftreten der Mannschaft in Oberhausen und um das Vorhaben, angreifen zu wollen und damit um den Verlauf des Geschehens. Damit war es jedem einzelnen Spieler weitaus besser möglich, sich seinen Einfluss auf ein gutes Spiel vorzustellen. Das Spiel wurde so formbar im Voraus-Denken und selbst ein Moment des Versagens konnte ausgeglichen werden. Sagen wir mal, ein Kouemaha sieht sich, wie er den Ball annehmen will und dann schießt so ein blöder Gedanke quer nach dem Motto, hoffentlich klappt das. Da kann man dann  schon mal als nächstes denken, der Verteidiger ist schon wieder dagewesen oder Mist, wieder ist der Ball mir fünf Meter weggesprungen. Aber wenn sich ein Kouemaha dann statt des Ergebnisses den Spielverlauf vorstellt, dann schüttelt er sich innerlich und denkt weiter, denk doch mal an was Besserers, und einen kurzen Moment später strahlt er übers ganze Gesicht und Sandro Wagner, der das sieht, fragt ihn, hab ich den Ball gerade reingemacht? So eine Frage wird natürlich ignoriert, denn innerlich jubelt Kouemaha, weil er mit einem wunderbaren Dropkick den Ball selbst im Winkel versenkt hat.

Hat man aber das Ergebnis im Kopf, heißt es nur, ja oder nein. Wer keine drei Punkte mitnimmt, verliert. So ein Ergebnis bleibt starr beim Denken. Da ist nichts dran zu rütteln, wenn sich ein anderer Ausgang der Prognose einmal in den Kopf geschlichen hat. Eine Mannschaft, die in den letzten Monaten zu häufig das Erlebnis gehabt hat, wir haben versagt, entwickelt mit der Zeit eine gewisse Empfindsamkeit. Da finden sich zarte Gemüter, die keinen Fehler machen wollen.

Aber  nur wer Fehler macht, lernt. Halt! Da muss ich jetzt überlegen. Denn im Wettkampf gilt ja was was ganz anderes: Wer Fehler macht, verliert. Heißt das also, erschwerend kommt für Peter Neururer hinzu, dass er seinen Spielern beibringen muss, wann Fehler gemacht werden dürfen? Dann aber ist es tatsächlich schwieriger, Fußballer auf das nächste Spiel einzustellen als Grundschülern das Lesen beizubringen. Wahrscheinlich hat mich ein jüngst gelesenes Interview mit einem Bildungsforscher gerade auf eine falsche Fährte gebracht. In so einem Interview kommt man ja an den alten Spruchweisheiten zu Motivation und Lernbereitschaft nicht vorbei. Zu viel zu fordern ist nicht gut, zu wenig zu fordern aber auch nicht. Für einen Lehrer vor einer Klasse mit 30 Schülern ist das ganz schwierig, jedem einzelnen gerecht zu werden. Und was ist ein Spielerkader denn anderes als so eine Schulklasse? Gut, dass Lehrer Peter es da genauso macht wie die Gymnasiallehrer in unserem Schulsystem, die verkleinern ja auch schon mal dann gerne den Kader. Wer nichts lernt, fliegt raus. Leistungsbereitschaft alleine genügt aber für den Erfolg leider nicht, das weiß nicht nur Lehrer Peter sondern auch wir Fans und Zuschauer, die wir die Schule kannten, kennen oder als Eltern schon wieder kennengelernt haben. Die Gymnasiallehrer in NRW hoffen übrigens, dass in den Weihnachtsferien der ein oder andere Schüler aus Sachsen ins Einzugsgebiet der eigenen Schule zieht. Das hebt den Klassendurchschnitt und macht sich gut bei den Abschlussklausuren. Mal sehen, ob für Lehrer Peter nicht auch noch was drin ist und irgendwo Geld her kommt für die Zuzugsprämien.

Saison 2008/2009: 16. Spieltag 1. FC Kaiserslautern (H)

Immer noch insgeheim  – oder war das nicht eher doch ganz offen? Doch, das war offen! Ganz offen wurde da auch auf Vereinsseite von Möglichkeiten geredet, oben wieder den Anschluss zu finden – Also, für alle, die auf die ersten drei Tabellenplätze schielen – ich gehöre natürlich, wenn ich ehrlich bin, dazu – ich verhedder mich gerade im Satz, weil ich ja ehrlich sein will und der Realist in mir aber ganz heftig an die Tür klopft – ich fange nochmals von vorne an: Für alle, die nach oben geschielt haben, ist das torlose Unentschieden eine Enttäuschung. Für alle, die die Mannschaftsleistungen der anderen Heimspiele – Ausnahme Rostock und Aachen – im Kopf haben, ist die Spielanlage des MSV heute ein Fortschritt gewesen.

Es gab den Willen, schnell zu spielen. Das hat immer wieder auch geklappt, obwohl die die Abwehr vom 1. FC Kaiserslautern gut stand. Sicher, wirklich torgefährlich wurde das nicht, dennoch war die Spielanlage in den anderen Spielen mit ähnlicher Ausgangssituation auch schon ganz anders. Ganz am Anfang, als Kaiserslautern noch nicht richtig auf dem Platz stand, gab es ein wenig Gefahr. So ein Spiel macht dann mehr Freude als dieses: Ball stoppen, gucken, wo ist mein Mitspieler, Pass und der Mitspieler ist leider nicht mehr da, wo ich gedacht habe, dass er war oder meinem Mitspieler ist gerade der Gegenspieler auf den Leib gerückt, also, passt er mal besser wieder zurück.

Aus Kaiserslauterner Perspektive sah das etwas anders aus. Da hörte ich auf der Rückfahrt nach Köln die ein oder andere unzufriedene Stimme von Fans im voll besetzten RE. Zu wenig Druck nach vorne, sei gemacht worden. Zu wenig hätte man sich um ein Tor bemüht.  Da sage ich drauf, das wäre vielleicht auch gefährlich für Kaiserslautern geworden, als in der 1. Halbzeit das Spiel des MSV ganz ansehlich nach vorne ging.  Wie gesagt, nach den anderen Spielen der Hinrunde bin ich eigentlich gar nicht so unzufrieden. Ein Sieg wäre schön gewesen, war aber nicht drin und als in der 2. Halbzeit Kaiserslautern versucht hat, mehr nach vorne zu spielen, hat der MSV ganz gut gegengehalten. Torchancen gab es auf beiden Seiten nicht viele. Sprich: die Abwehrreihen haben gut gestanden. Jedenfalls war der Auftritt der Mannschaft ein ganz anderer als im ersten Spiel unter Neururer gegen Frankfurt oder diese viel zu vielen anderen Spiele der Hinrunde unter Bommer.

Zu einzelnen Spielern fällt mir als erstes meine leichte Gereiztheit gegenüber Maicon ein. Ich weiß, es ist ein bisschen gemein, wenn einem ein Spieler wegen einer Art Tick missfällt. Aber Maicon mit seinem Die-Sohle-auf-den-Ball-und-dann-erst-abspielen regt mich doch manchmal so sehr auf, weil deutlich ist, schnell geht es über ihn ganz sicher nicht. Andererseits schien er im vorderen Mittelfeld dann doch auch wieder eine mögliche Anspielstation zu sein. Bodzeck hat in der Abwehrreihe ein gutes Spiel gemacht. Grlic, heute mit manch unpräzisem Pass nach vorne, aber auch bei Bedrängnis in eigener Hälfte immer derjenige, der den Ball übernimmt und damit die Verantwortung. Sahan mit Luft für 70 Minuten, aber mit Zug nach vorne und einigen sehr schönen Aktionen. Technisch sehr gut.  Bei Kouemaha denke ich immer noch, effektiv ist er nur an der Strafraumgrenze. Für alle anderen Bereiche des Spielfelds fehlt ihm die Schnelligkeit. Vielleicht fällt mir zu einzelnen später noch was ein. Jetzt ist erstmal Schluss!

Doch eins noch: Der FCK-Fanclub Rodte Teufel hat bei mir was gut. Einen von drei freien Plätzen ihres Wochenendticketsammelkaufs habe ich freundlicher Weise bis Köln erhalten, auch wenn sich das im überfüllten RE als völlig überflüssig erwies.  Schöne Grüße nach Trier! Trier hat mich außerdem nochmals daran erinnert, welch großes Einzugsgebiet der 1. FC Kaiserslautern besitzt. Andererseits MSV-Fans gibt es auch überall auf dieser Welt. Demnächst auch wieder hoffentlich wegen des attraktiven Spiels. Das wollen wir doch aus diesem Spiel mal heute mitnehmen.

Brillantes Fußballbuch: „Oranje brillant“

Für uns aus dem Ruhrgebiet liegt Holland ja direkt um die Ecke und der Nordseeurlaub gehörte zumindest früher zur Kindheit wie Zahnwechsel und Einschulung. Heute bin ich mir da nicht mehr so sicher, ob sich das noch alle Familien leisten können. Aber das führt hier zu weit. Mir geht es um ein Buch, das ein absolutes Muss für jeden Fußballfan ist und das für uns Ruhrgebietler außerdem manches Wiedererkennen der netten Nachbarsleute von nebenan mit sich bringt. Der Brite David Winner hat mit „Oranje brillant“ ein Buch über den holländischen Fußball ab Ende der 60er geschrieben. Gleichzeitig ist das eine Kulturstudie über die Niederlande. Außerdem steckt da ein Erinnerungsbuch drin für alle, die in den 70ern mit Ajax-Trikots rumgerannt sind. Was schon ganz was besonderes war, wenn ich mich an die Klassenspiele im Meidericher Stadtpark erinnere. Mit „Oranje brillant“ kauft man für wenig Geld ganz viel Buch. Eine ausführlichere Besprechung findet sich hier.

David Winner: Oranje brillant. Das neurotische Genie des holländischen Fußballs. Aus dem Englischen von Kristian Lutze. Kiepenheuer & Witsch, Köln 2008. 363 Seiten. € 7,95


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