Archiv für Februar 2009

Was verbindet MSV Duisburg, 1.FC Köln und Borussia Mönchengladbach?

Die eine Antwort auf die oben gestellte Frage wird euch sofort einfallen, und ihr werdet genauso schnell vermuten, dass es mir wahrscheinlich darum hier nicht geht. Regelmäßiger Auf- und Abstieg in den letzten Jahren soll nicht das Thema sein. Es geht im weitesten Sinn um Musik und im engeren Sinn um die Aktivitäten einer populären Kölner Karnevalsband in Sachen Fußball.

Dazu muss ich nun etwas ausholen. Gestern wurde vom Kölner Stadt-Anzeiger ein Resumée der zurück liegenden Karnevalsaison gezogen. Das geschah nun nicht in einem rückblickenden Artikel, sondern ganz im Zeichen einer journalistischen Mode der jüngsten Vergangenheit als Ranking von „Hits und Flops der Session“. Was ich als Platz 5 bei den Minuspunkten las, empfand ich aber als etwas kleingeistig. Man schimpfte nämlich darüber, dass die „eingefleischten FC-Fans“, De Höhner, auf der Karnevalssitzung von Borussia Mönchengladbach mit einem Fanschal der Borussia um den Hals aufgetreten sind. Die moralische Keule wurde herausgeholt und den anscheindend heftig diskutierenden FC-Fans nach dem Mund geredet. „Wes Brot ich ess, des Lied ich sing“ hieß es da abschätzig und vergessen wurde, dass die Musiker der Karnevalsband in erster Linie als Unterhaltungskünstler einen Beruf ausüben und nicht beim 1.FC Köln angestellt sind. Das ist purer Populismus, wenn dieser Auftritt in eine Reihe mit  Karneval-Hooligans und „Kids“, die „saufen“, gestellt wird. Ich kann das nicht ernst nehmen, hatte aber ein Thema für den Blog.

Ich fragte mich nämlich, was nur werden solche Fans sagen, wenn sie etwas ganz anderes über De Höhner erfahren, etwas, was sich bislang, nun fast schon fünf Jahre, anscheinend unterhalb des Empörungsradars befunden hat. Und vielleicht gibt es MSV-Fans, die demnächst genauso heftig schimpfen, wenn ich an dieser Stelle wieder zur Musik komme, genauer gesagt zur MSV-Hymne. Als diese Hymne 2004 zum ersten Mal gespielt wurde, traute ich meinen Ohren nicht. Ich war kurze Zeit zuvor bei einem Heimspiel des 1. FC Kölns gewesen und erinnerte mich noch gut an das beeindruckende Spektaktel kurz vor dem Spiel mit dem Zusammenschnitt des kölschen Liedguts. Nun hörte ich in Duisburg etwas, was mir vom Sound her durch meine Kölner Stadionbesuche sehr bekannt vorkam.

Gab es da etwa ein Verbindung nach Köln? Woher kam diese Hymne nach Duisburg zum MSV?  Kurze Zeit später erhielt ich die CD mit der Hymne geschenkt und wusste sofort des Rätsels Lösung. Wer in Köln lebt, kennt unweigerlich nach einiger Zeit die Namen Henning Krautmacher und Janus Fröhlich und weiß sie als Mitglieder von den Höhnern einzuordnen. Unter dem zweiten Stück auf der CD nun fand ich beide Namen. Für Komponist und Texter der MSV-Hymne habe ich erst heute dann noch ein wenig gegoogelt. Der neben C. Ledwig für Text und Musik verantwortliche H. Schöner erweist sich als Hannes Schöner und ist Bassist bei den Höhnern.

Jetzt wisst ihr, was den MSV Duisburg, den 1. FC Köln und Borussia Mönchengladbach verbindet. Und tatsächlich stimmt es wortwörtlich, wes Brot ich ess, des Lied ich sing. De Höhner sind Musiker und verdienen ihren Lebensunterhalt mit Musik. Damals, als ich die Hymne das erste Mal hörte, hatte das ein G´schmäckle für mich, aber heute ist dieser Kölner Hintergrund der MSV-Hymne für mich verschwunden.  Sie klingt durch das ausdauernde Abspielen vor jedem Spiel so, als sei diese Art Musik immer schon nur in Duisburg gespielt worden.

Wie es genau dazu gekommen ist, dass De Höhner die MSV-Hymne eingespielt haben, kann ich natürlich einmal mehr nur vermuten. Ich weiß nur, dass in jenem Jahr 2004 im Innenhafen die „Höhner Rockin´ Roncalli Show“ gastierte. Für Duisburg war das ein kulturelles Ereignis, das sich bestimmt auch die lokale Prominenz samt Walter Hellmich angesehen hat. Damals wurde der MSV Duisburg ja rundum erneuert. Und wenn man schon mal beim After-Show-Event mit jemanden zusammensteht, der schon einmal sein Fußballhymnen-Können bewiesen hat, warum nicht auf dieses Know-How für die aufgefrischte corporate identity zurückgreifen? So stelle ich mir vor, ist es dazu gekommen, dass es nun zwei Vereinshymnen gibt, für die sich De Höhner-Musiker verantwortlich zeichnen. Dass De Höhner bei der Hymne für den MSV diskreter sein mussten und nicht als ausführende Band auf die CD wollten, kann ich angesichts des G´schmäckles natürlich verstehen. Jetzt aber, wo diese Hymne vom Publikum längst angenommen ist, sollte die Wahrheit auf den Tisch. Da könnten dann auch neue Zeiten anbrechen. Was wäre etwa mit einer Fan-Freundschaft zwischen dem FC und dem MSV, die mit einem Höhner-Medley besiegelt wird. Ich, als Vermittler zwischen beiden Kulturen, hätte da nichts gegen.

Mitten in Meiderich – Folge 5

Für „Mitten in Meiderich“ zeichnet sich der stete Wechsel zwischen schlechter und guter Folge ab. Spielt der MSV zu Hause, folgt ein ansehlicher Clip, nach den Auswärtsspielen die Clips konnte man sich bislang schenken. Über die Gründe spekuliere ich gerne, und vielleicht folge ich bei Gelegenheit dem journalistischen Ethos und überprüfe meine Vermutungen ganz einfach durch eine kurze Nachfrage in der Redaktion. Vorher aber genießen wir noch eine Weile die Macht des journalistischen Verdachts.

Ich glaube nämlich, man ist der Ansicht, die Produktionskosten für das Material im Vorfeld der Auswärtsspiele sind zum einen zu hoch für das vorhandene Budget, zum anderen erfordert der Dreh auswärts trotz des leicht handhabbaren Arbeitens mit der Videoausrüstung einen viel höheren logistischen Aufwand als der Dreh auf heimischen Terrain. Da müsste vielleicht recherchiert werden und vor Ort gibt es immer die Gefahr von Unwägbarkeiten, die ohne das Wissen über lokale Gegebenheiten geklärt werden müssen. All das ist in Duisburg unnötig, da gibt es den direkten Draht zum Verein und schnelle Hilfe, wenn etwas für die Produktion erforderlich ist. Deshalb behilft man sich bislang mit Notlösungen nach den Auswärtsspielen.

Aber da der Spielplan am letzten Wochenende ein Heimspiel vorsah, das zudem souverän bestritten wurde, wird dieses Mal der Vorhang wieder etwas beiseite geschoben. Wir sehen 6 Minuten 47 Sekunden, in denen die Stunden vor dem Spiel gegen TSV 1860 München in den Blick genommen werden. Angefangen vom morgendlichen Training am Spieltag über die Frage, was macht Zeugwart Manfred Piwonski in der Umkleidekabine?, bis hin zur flüchtigen Begegnung der Mannschaft mit dem Karneval im Hotel vor dem Mittagessen. Dazu erleben wir eine wenn auch kurze, aber elegante Kommunikationsoffensive für die Fans durch ein Gespräch zwischen Peter Neururer und  Bruno Hübner, das eher Neururer-Monolog ist. Kommunikationsoffensive deshalb, weil sich so ein Gespräch natürlich nicht ergibt, sonder für die Kamera gewollt ist und darum die Inhalte natürlich von besonderer Bedeutung sind, wenn sie sich auf die Situation im MSV beziehen. Deshalb ist diese Art Öffentlichkeitsarbeit auch so elegant, weil hier indirekt die Bedingungen für die Arbeit thematisiert werden und diese in Bezug zu den Erwartungen der Fans gesetzt wird. Ich sagte es schon einmal, in Sachen PR ist Peter Neururer ein Naturtalent. Das meine ich nicht abschätzend. Alles, was er sagt, vermittelt, wir wissen, was wir tun und wir kennen ebenfalls die verständlichen Meinungen und Sehnsüchte der Fans. Was das jetzt für die Arbeit selbst bedeutet, ist schon nicht mehr ganz so verständlich. Wichtig ist aber ohnehin der vermitteltet Eindruck, wir kümmern uns. Da dürfen nach dem 4:1-Sieg auch ein paar abschließende launige Worte von Peter Neururer nicht fehlen.

Nächste Woche geht es nach Aachen. Das ist ja nicht ganz so weit von Duisburg entfernt wie etwa Rostock und vielleicht muss ich meine Vermutungen zur Beziehung zwischen Clip-Qualität und Auswärtsspiel danach dann ändern. Vielleicht, so hoffe ich sogar, gibt es den schlechten Clip ja nur nach Auswärtsspielen ab einer Entfernung von über 150 Kilometern?

Mein Opfer für den direkten Wiederaufstieg?

Neidlose Freude kommt auf, wenn ich vom souveränen Sieg gegen den TSV 1860 München bei denen lese, die dabei waren. Spielschluss und Veedelszugende in Köln fielen zusammen, so dass ich nach dem letzten Alaaf am Straßenrand schleunigst an den PC eilen konnte und feststellen durfte, der Sieg fiel sogar ein Tor höher aus, als ich gehofft hatte. Stark waren sie ja anscheinend nicht, die Münchner Löwen, aber in der Hinrunde ist es uns ja gelungen, wie ich schon öfter erwähnt habe, gegen all diese schwachen Mannschaften dennoch zu verlieren. Deshalb habe ich das Gefühl, der Verein aller Vereine ist auf dem richtigen Weg. Im RevierSport- Spielbericht gibt mir allerdings der letzte Absatz noch ein wenig zu denken.

Peter Neururers magisches Denken scheint immer mehr Lebensbereiche zu erfassen. Nicht nur, dass – zumindest bis zum letzten Spieltag noch  – das letzte Essen der Profis vor dem Spiel seit Beginn der Serie ohne Niederlage Bockwurst mit Kartoffelsalat sein muss. Nicht nur, dass er seit dem ersten Spiel unter seiner Regie immer denselben Mantel am Spielfeldrand trägt – zumindest wird es in der Presse so kolportiert. Nein, jetzt kommt auch noch hinzu, dass  er solange nicht mehr zum Friseur geht, wie der MSV nicht verliert.

Nun frage ich mich, ob es nicht an der Zeit ist, dass auch ich Opfer bringe für die große Aufholjagd. Die letzten drei Jahre habe ich bei allen Heimspielen die unterschiedlichsten Rituale versucht, das Glück für den Verein aller Vereine zu erzwingen. Ich konzentrierte mich dabei vor allem auf die Form der Halbzeitpausen-Zwischenmahlzeit. Kurze Zeit war ich der festen Überzeugung, das Verspeisen des Salzgebäcks TUC, das Original, habe klar erkennbare Einflüsse auf das Ergebnis. Schnell wurde ich eines anderen belehrt und fand danach weder in übrig gebliebenen Schokoladeneiern noch in fastender Askese wieder eine Verbindung zwischen meinem Verhalten und der Güte des Spiels vom Verein aller Vereine.

Nun, da ich das erste Heimspiel seit Jahren nicht im Stadion war und dieses erste Heimspiel seit Monaten ungefährdet über die Zeit gebracht wurde, frage ich mich, ob das ein Wink des Schicksals ist und ich Peter Neururer bei seinen selbstlosen Bemühungen unterstützen muss. Kein Stadionbesuch mehr sondern jeden Spieltag am Straßenrand stehen und Alaaf rufen? Oder bin ich nicht nah genug an der Mannschaft dran, dass mein magisches Denken seine gewinnbringende Energie für sie verströmen kann? Zumal es wirklich schwierig wird, sowohl den Veedelszug jeden Spieltag zu wiederholen als auch die den Zug begleitende Karnevalsparty der Nachbarn. Vielleicht reicht es aber ja auch, wenn ich alleine das Ritual wiederhole? Sieht wahrscheinlich schon ein bisschen komisch aus, aber für den Wiederaufstieg …? Ich denk weiter drüber nach und freue mich derweil noch ein wenig.

Was am Karneval feiern in Köln schlimm sein könnte

Eins könnte gewiss ganz schlimm sein am Karneval feiern in Köln, wenn mir nicht die schon erwähnte Nachsicht und der Großmut zu eigen wären. Das will ich am Morgen des erhofften sicheren 3:1-Sieges über den TSV 1860 München noch erzählen, und dann ist aller Voraussicht nach aber auch Schluss mit dieser ganzen Brauchtumserklärerei.

Neben dem, was schlimm sein könnte, gibt es natürlich nicht wenig, was wirklich schlimm ist.  Die Polizeistatistik des Freitagmorgens oder die Bläck Föös in der Süddeutschen Zeitung vom Samstag geben einen Eindruck davon, warum ich die Kölner Innenstadt an den Karnevalstagen seit Jahren großräumig umfahre. Das  hat jedenfalls nicht nur mit dem dort das Fahrradfahren sehr behindernden Glasscherbenmeer zu tun. Wer mich also fragt, Karneval feiert man am besten in seinem Veedel. Das ist entspannt, unbeschwert und dennoch ausgelassen. Für die Karnevalsexzesse der Innenstadt reichen meine Nachsicht und mein Großmut längst nicht aus.

Beides allerdings brauche ich, gepaart mit Gelassenheit, dennoch beim Feiern und zwar weil das Karneval feiern zu einem großen Teil auch bedeutet, textsicher jedes angestimmte Lied mitzusingen. Grundsätzlich ist das die reine Freude. Es lässt auch mich so gefühlsduselig über Köln werden, wie es der eingeborene Kölner ja ohnehin grundsätzlich ist. Selbstverliebt glaubt der ja allen Ernstes, dat alles, was er gerade so wunderbares erlebt, „et so nur, nur, nur in Kölle jibt“.

Im zeitgenössischen Liedgut des Kölner Karnevals macht sich diese Selbstverliebtheit seit ein paar Jahren unangenehm bemerkbar. Ganz im Gegensatz zur textlichen Vielfalt des klassischen Karnevalsschlagers der 20er bis 60er Jahre gibt es in der Gegenwart eine thematische Verengung beim Karnevalsschlager. Als Auslöser für überbordende Heimatgefühle gibt es den Dom, das Kölsch, kölsche Mädcher und den FC. Und hier erhält ein MSV-Fan im Kölner Karneval eben reichlich Gelegenheit seine Nachsicht und seinen Großmut tatsächlich auf die Probe zu stellen. Wenn mal wieder so ein selbstverliebtes Nirjendwu-suns-iset-su-schön-wie-in-Kölle-am-Rhing-Lied angestimmt wird, heißt es natürlich mitsingen. Aber wenn solche Strophen als deutlicher Versuch mich zu einer hier vorherrschenden Leitkultur zu bekehren angestimmt werden, lächel ich in die Runde und stelle mir für einen Moment zum Beispiel das Tor von Markus Daun beim ersten Spiel des FC unter Christoph Daum vor.

Diese Erinnerung passt auch deshalb so wunderbar, weil ich den sagenhaften 3:1-Sieg im Dezember 2006 inmitten von FC-Fans spielfeldnah auf Höhe der Mittellinie bejubeln durfte. Als einziger sprang ich in dieser Menge jeweils hoch. Und wo mich beim ersten Tor noch gönnerhafte Blicke trafen, nach dem Motto, mal sehen, wer zuletzt lacht, gab es nach meinen impulsiven Aufspringen nach dem dritten Tor schon leicht feindselige Blicke mit dem unausgesprochenen Vorwurf, ich würde meine Freude wohl als Provokation zelebrieren. Stimmte natürlich überhaupt nicht, sondern entsprach einfach meinem Grundgefühl, eines der besten Erlebnisse in meinem ganzen MSV-Fan-Leben mitzumachen.

Gelandet bin ich in dieser FC-Fan-Masse übrigens, weil ich ansonsten ein Beispiel für gelungene Integration bin. Die Grundlage für den kölschen Klüngel, wir kennen uns, wir helfen uns, weiß ich nämlich zu schätzen und nehme gerne die angebotene zweite Tribünendauerkarte des Kölner Freundes und FC-Mitglieds an, wenn der MSV mal wieder hier vor Ort spielt.

Ich hoffe natürlich, heute wird weiter daran gearbeitet, dass das möglichst bald wieder geschieht. Wie es so aussieht, muss der Verein aller Vereine dazu aber aufsteigen. Denn der FC festigt ja gerade seinen Platz im Mittelfeld der Tabelle. Ich hoffe also wider besseren Wissens weiter und übe mich statt des Stadionbesuchs wie angekündigt in Sangesfreude und Schunkeln am Straßenrand. Nachsicht und Großmut werden mir dabei natürlich erneut bei allerlei FC-Bejubel-Textstellen helfen.

Alaaf! – „Wegen dem Brauchtum“

Bevor ich mich gleich zur Eröffnung des Straßenkarnevals  begebe – in meinem Veedel wohlgemerkt – möchte ich schnell noch einmal ein wenig zur Völkerverständigung im Rheinland beitragen. Den Fußball berührt das zwar auch, doch nur am Rande, wichtiger scheint mir heute einmal mehr der Wahrheit von  Statistiken die Wahrheit einer ausgewählten Wirklichkeit entgegenzuhalten. Wer hier schon einmal „Über Blog und Autor“ gelesen hat, weiß warum.

Heute morgen erfahre ich nämlich im Vermischten des Kölner Stadt-Anzeigers, die Zahl der aktiven Karnevalisten nehme ab. „Während vor 40 Jahren noch mehr als jeder Dritte (38 Prozent) an Karnevals- und Faschingsveranstaltungen selbst teilnahm, ist es heute nur noch jeder Fünfte (22 Prozent)“. Damit können eigentlich nur solche Aktivitäten gemeint sein, die etwa den Besuch eines  Duisburger Kinderprinzenpaares beim Spiel gegen SV Wehen Wiesbaden im Stadion möglich machen. Die erwachsenen Tolitäten lassen sich wahrscheinlich im Spiel am Sonntag gegen 1860 München blicken und pflegen damit das, was in Köln in meinem Milieu mit einem Lächeln aus Sympathie das Brauchtum genannt wird und das  Köbes Underground, die Hausband der Stunksitzung, unter anderem auch zu jenem Liedtext inspiriert hat, dessen Titel sich in der Überschrift wiederfindet. Dort also, in Köln nehme ich nämlich eine ganz andere Entwicklung wahr.

Damit meine ich nicht, dass der Karneval sich in den letzten zwanzig Jahren anscheinend den Fußball zum Vorbild genommen hat und ein florierendes Unterhaltungsgewerbe geworden ist. Diese Parallelen finde ich allerdings schon auch bemerkenswert. Da gibt es die Konzentration der Menschen auf die großen Marken. Köln als Deutschlands führende Karnevalsmarke entspricht da dem FC Bayern. Fans gibt es überall in Deutschland und zu den großen Ereignissen wird angereist. Die Medienpräsenz ist in beiden Unterhaltungssparten ebenfalls gleich inflationär geworden. Inzwischen beginnt die Sitzungszeit im Fernsehen ja schon lange vor der eigentlichen Karnevalswoche und Karneval im Fernsehen gleicht zum Höhepunkt um Rosenmontag einer TV-Berichterstattung über Fußball zu einer Weltmeisterschaft. Ich muss mir da noch mal ein paar mehr Gedanken machen.

Denn eigentlich will ich ja davon erzählen, dass ich in Köln in den letzten zwanzig Jahren eine eher zunehmende Bereitschaft erlebe, Karneval zu feiern und zwar unabhängig vom organisierten Sitzungskarneval der Karnevalsgesellschaften. Dieses Karnevalsfeiern greift das Verkleiden auf und die ausgelassene Stimmung. Und dieser Karneval wird eher in Kneipen gefeiert und in den Veedeln als in der von Karnevalstouristen überfluteten Innenstadt. Je mehr ich schreibe, desto interessanter finde ich diese Entwicklung. Das braucht ausführlichere Überlegungen über soziales Geschehen an anderer Stelle. Denn dazu gehört das Ankommen eines alternativen Milieus in der Mitte der Gesellschaft ebenso wie die Veränderungen in den Karnevalsgesellschaften und noch einiges mehr. Schon nehme ich wieder einem Soziologen die Arbeit ab.

Natürlich gibt es in Köln auch weiterhin Karneval in organisierten Bahnen. Und auch da, scheint mir, gibt es nur Veränderung und keine Abwendung, eher gehört es weiterhin zur gesellschaftlichen Verpflichtung für bestimmte Kreise an solch einem Karnevalsgeschehen teilzunehmen. Wenn man etwa Fußballprofi beim 1. FC Köln werden will, gibt es bestimmt einen Passus im Vertrag, der den Spieler verpflichtet, bei der alljährlich stattfindenden Karnevalssitzung des 1. FC Kölns, kurz auch FC-Sitzung genannt, dabei zu sein. Vielleicht reicht ja auch die Anweisung des Trainers und der Vereinsführung. Anders als beim beruflichen Sport wird ein Profi von der Teilnahmepflicht nur entbunden, wenn der Vereinsarzt eine schwerwiegende Verletzung im Armbereich diagnostiziert. Denn auch mit Gipsbein kann man immer noch schunkeln. Deshalb zählt jeder FC-Profi neben Trikots  auch Karnevalsorden zu den Erinnerungsstücken seiner Karriere. Was vielleicht auch die lang anhaltende Erfolgslosigkeit des FCs erklären könnte. Haben die des Kölschen nicht mächtigen Fußballnomaden aller Nationen doch vielleicht gedacht, der Karnevalsorden sei so eine Art Medaille für irgendeine errungene Meisterschaft. Die waren einfach über Jahre zu satt die Profis vom FC. Aber egal, von allen, die es nicht auf die große FC-Bühne schaffen, lässt sich diese entsprechende Erinnerung natürlich auch umsatzsteigernd im FC-Fanshop erwerben. Das Geld dient wahrscheinlich immer noch dem Kölner guten Zweck des letzten Jahres. Denn noch wird jeder Cent wegen dieses Shopping-Feelgood-Erlebnisses wieder gebraucht.

Mein Blick auf die Uhr sagt mir, ich muss los. Deshalb mache ich es jetzt wie die Profis unter den Büttenrednern und erzähle noch schnell eine letzte Pointe. Die muss nicht unbedingt gut sein, das Orchester spielt ja ohnehin den Tusch und das hat dann wiederum liturgische Wirkung.  Man weiß einfach besser, was zu tun ist, wenn einem ein paar Signale helfen. Der eine kniet in der katholischen Messe eben nieder, der andere klatscht. Die Karnevalsmuffel unter den hier lesenden Fußballfans kennen so was Ritualhaftes ja auch vom Stadionbesuch. Also,  als MSV-Fan weiß ich nämlich, kollektive Begeisterung ist nicht so oft zu haben und wird deshalb natürlich besonders genossen oder durch den Sitzungspräsidenten des Fußballspiels, den Stadionsprecher, animiert. Ich weiß nur nicht, was es öfter gibt zurzeit, gute Pointen beim Sitzungskarneval oder Tore für einen Sieg vom MSV.

Tusch! Und der Sitzungspräsident sagt an solch einer Stelle, Kees, wir danken dir für deinen so humorvollen Beitrag, der uns Kölsche mal so richtig gezeigt hat, wie wir su sinn – hier ganz wichtig, ein bisschen Kölsch einfließen lassen – un so viel Spass an d´r Freud haben. Kees, do häss en kölsches Hätz un ne Duisburger Seele. Mach et joot und fiere prächtig Fastelovend. Eein dreeifach  Kölle alaaf für Kees.

In dem Sinne! Schöne Karnevalstage auch in den Regionen mit den abnehmenden Karnevalsaktivitäten.

Mitten in Meiderich – Folge 4

Heute also  sehen wir die Walter-Hellmich-Bejubel-Folge. Mehr braucht man eigentlich nicht zu wissen. Walter Hellmich wird das Bundesverdienstkreuz verliehen. Sektempfang. Enatz lobt, Duisburg-OB Sauerland lobt, und – man muss sich ja wenigstens kurz auch zu kritischen Stimmen positionieren – namenloser Fan gibt O-Ton zu zweifelnder Stimmung unter Fans, Stichwort weiterhin der „Sonnenkönig“, ja oder nein. Allerorten Meinung  eben. Eine Meinung hat auch Walter Hellmich zu Fans und erzählt, was so einen richtigen Fan ausmacht. In guten und in schlechten Zeiten sollte er doch, wenn er denn richtig und Fan ist. Ach! Dieser O-Ton ist im Auto gedreht und suggeriert, da ist einer in Bewegung. Ist ja auch egal, wohin. Dazu der leidige Kommentar. Peter Neururer in seinem Auto kennt sich in Folge 1 übrigens ja noch nicht so gut aus in Meiderich, Walter Hellmich dagegen weiß, wo man abbiegen muss. Der Mann hat alles im Griff.

„Mitten in Meiderich“ ist natürlich angesiedelt in der Grauzone zwischen PR und Unterhaltung. So schrieb ich in den Kommentaren zu meinen Anmerkungen nach der dritten Folge. Heute gab es nun etwas zuviel PR. Dieses Bild von Walter Hellmich kennen wir. Der Clip hätte auch ein Imagefilm für die Hellmich Unternehmensgruppe sein können. Dass Walter Hellmich immer „Gas geben“ muss, weiß ich seit Jahren. Ich weiß auch, dass sein Verdienst um den MSV nicht zu gering eingeschätzt werden darf. Ich habe heute also nichts Neues erfahren. Ist das die Zukunft der Mini-Doku, eine gute Folge und eine schlechte Folge im Wechsel? Die Macher orientieren sich zu wenig an ihrem Versprechen in der ersten Folge: Wir begleiten den MSV beim Projekt Wiederaufstieg. Davon war heute mal wieder nichts zu sehen. Das durchgearbeitete Konzept für die gesamte Strecke scheint es nicht richtig zu geben.

Als WDR2 mich kurz hinter Bielefeld zum Deppen machen wollte

Was ist die Erkenntnis vom gestrigen Spieltag? Ich kann erzählen, warum ich seit Jahren WDR2 trotz Zielgruppenverträglichkeit fast nur noch am Samstagnachmittag bei der Fußballkonferenz höre, und ich fühle mich einmal mehr als optimistischer Realist. Denn wider besseren Wissens gebe ich die Hoffnung erst auf, wenn – und nun alle im Chor – rein rechnerisch nichts mehr möglich ist. Aber der Reihe nach.

Da sind sich ja alle einig, ob Sportjournalisten oder Tina im Liveblog, der Verein aller Vereine schrappte zum zweiten Mal hintereinander an einem enttäuschenden Ergebnis vorbei. Oder ist das Uentschieden nicht doch eine halbe Enttäuschung, wenn man hinfährt, um zu gewinnen? Oder ist es nicht doch enttäuschend, dass ich mit allen geschriebenen Worten sehr an die zweite Halbzeit gegen Wehen erinnert werde? Vor allem im Bericht des „Kickers“ springt mich das „Probleme im Spielaufbau“ an und zeigt mir, um oben mithalten zu wollen, fehlt es weiterhin an spielerischer Qualität als Mannschaft. Sprich: Ich sehe zwar die Verbesserung, aber die Zeit zur weiteren Vervollkommnung braucht es auch und damit ganz, ganz viel Glück, um die kleine Chance zum Aufstieg weiter zu haben. Denn mindestens bei den ersten drei Mannschaften hängt ein mangelhafter Spielaufbau von der schlechten Tagesform ab, grundsätzlich stimmt er dort. Beim MSV ist es genau umgekehrt. Ein guter Spielaufbau hängt von sehr guter Tagesform ab, grundsätzlich stimmt er nicht. Noch, sagt der Optimist in mir.

Und damit wende ich mich den ganz unerfreulichen Dingen des gestrigen Nachmittags zu, dem Moment, als ich mir kurz hinter Bielefeld vom WDR, vertreten durch die Programmmacher von WDR2,  sehr verarscht vorkam. Denn wie ich am Freitag vermutet hatte, saß ich mitsamt Familile während des Spiels gegen Augsburg gestern im Auto. Die Fahrt begann allerdings mit einem wunderbaren Erweckungserlebnis. Nach fast durchfeierter Geburtstagsfestnacht und wenig Schlaf setze ich mich gegen halb drei müde und zerschlagen ans Lenkrad, schalte das Radio ein, und als erstes höre ich bei NDR2 ungefähr das hier: In Osnabrück steht es zurzeit – ich hab´s schon wieder vergessen – und in Augsburg führt der MSV mit 1 : o. Jaaaa! Ich war so wach, dass es für die fast vier Stunden Fahrt reichte.

In der zweiten Halbzeit begleitete uns dann WDR2, wo die Moderatorin die Spielstände zweimal durchgab zusammen mit einer Kürzestschalte nach Aachen, das aber jedes Mal als irgendwie besondere Leistung für die zahlreichen Fußballfans verkaufen wollte. Zudem erinner ich mich an die sensationsheischende und spannungserweckende Ankündigung, bei der Schlussphase live dabei zu sein. Nur in Aachen versteht sich. Ich schätze mal für ca. 30 Sekunden. Fast ohne Spielgeschehen. Aber mit anschließendem Jingle, der etwa halb so lang war wie diese Pseudo-Liveschalte. „WDR2 – Hier schlägt das Herz des Fußballs“. So heißt das doch, glaube ich. Auch das weiß ich nicht mehr ganz so genau und habe auch keine Lust, nun deshalb bei der WDR-Pressestelle Zeit zu vergeuden. Ja, halten die mich für debil? Denken, die dass ich das Zeitgefühl eines Kleinkindes habe? Jeder ist Moment ist ein ewiger Moment?

Der Sender hat natürlich alle Freiheit bei Programmentscheidungen. Ich kann ja schließlich abschalten. Der WDR braucht – aus welchen Gründen auch immer – über Fußball am Sonntagnachmittag nicht ausführlich zu berichten. Es gab ja auch schon mal andere Zeit. „Sport und Musik“ hatte aber anscheinend nicht genug Hörer. Sei´s drum. Was mich nun wirklich aufregt, ist diese unverfrorene dicke Tünche Eigenwerbung, die die kaum vorhandene sonntägliche Berichterstattung für den Hörer einordnen soll. Samstags mag das funktionieren, aber sonntags wirkt das zynisch von den Verantwortlichen, weil ich vermuten muss, sie halten mich, den Hörer, für so dumm, auf diese werbende Lüge hereinzufallen.  Sie nehmen meine Intelligenz nicht ernst.  Deshalb höre ich dieses Programm natürlich auch so gut wie nicht mehr. WDR2 erreicht mich hin und wieder für maximal drei bis vier Stunden. Samstagsnachmittag.

Die Männerbegegnung Neururer und Fach

Nicht nur wenn Peter Neururer gerade mal keinen Verein trainierte, war er immer mal für eine öffentliche Stellungnahme in Sachen Fußball gut. Seine kleine Auseinandersetzung mit Holger Fach über die Bande des Boulevards hatte ich ganz vergessen. Die Unterhaltungsbranche Fußball give the people what they want, oder so ähnlich. Uns doch am Sonntag hoffentlich etwas Handfesteres als Meinungen.

Auswärtssieg, Auswärtssieg, Auswärtssieg!

Allmählich müsste es allen hier Lesenden klar sein, vor einem Spiel bin ich wie der Trainer. Übers Verlieren reden kann man nämlich immer noch, wenn es denn geschehen sein sollte. Bis dahin ist jeder Gedanke an einen Sieg aber ein schöner Gedanke. Hören kann ich dieses Mal leider nicht die Reportage von Marco Röhling bei Radio DU. Denn wie es jetzt aussieht, befinde ich mich in der alles entscheidenden Zeit auf der A2 vom Wolfenbütteler Familienfest kommend. Und was das Mobile-Web angeht, bin ich sowas von ein last consumer, so last, dass ich demnächst schon wieder first bin.

Wenn Peter Neururers Ärger verraucht

Manchmal lässt sich über so ein unangenehmes Gefühl wie das sich Ärgern eine schöne Geschichte erzählen, besonders wenn dieses Ärgern einige Tage zurück liegt und der Verursacher des Ärgers inzwischen Hoffnung auf ganz andere Gefühle macht. So bekommen wir in einer einzigen kurzen Meldung des Fußballfachorgans „Kicker“ all jene dramatischen Zutaten, für die man sonst einen ganzen Liebesroman lesen muss.

Mitten in Meiderich – Folge 3

Das habe ich mir vorgestellt, als ich hörte, der MSV wird Mittelpunkt einer Mini-Doku. Liebe Leute vom DSF, die dritte Folge, das ist der Weg für „Mitten in Meiderich“. Ich möchte nicht wie in Folge 2 Bilder vom Trainer beim Interview mit den gleichen Worthülsen, wie ich sie jedes Wochenende in den Sportsendungen sehe. Und schon gar nicht möchte ich die xundnöffzigste Wiederholung vom immergleichen Fandasein. Ich möchte Bilder und Töne, wie ich sie sonst im Fernsehen nicht sehe. Wenn wie in dieser Folge nun die alten Kumpel Tobias Willi und Bernd Korzynietz am Innenhafen in der Sonne spazieren gehen und frotzelnd ein wenig vor sich hin erzählen, ist das im Grunde genommen  egal, was sie erzählen, weil durch die Art und Weise ihres „Gesprächs“ die Menschen hinter den Fußballspielern erkennbar werden. Wenn Peter Neururer nach dem Sieg gegen Wehen in die Präsidentenlounge geht und dort über Ben-Hatiras Freistoß in der Schlussminute schimpft, erkennen wir, ein Teil seines Trainerdaseins wurzelt immer noch in einem Leben als Fan von  – ich muss es hier sagen – wahrscheinlich Schalke 04. So reden wir alle auch über Fehler der Spieler unseres Vereins und die brenzligen Situationen, die dann doch noch gut ausgegangen sind. Deshalb ist Peter Neururer ein anderer Trainer als die Schwaben- und Badenser-Fraktion der deutschen Trainergilde wie sie von Ralf Rangnick, Joachim Löw oder Hans Flick verkörpert wird. Was ich nebenbei gesagt, hier nicht werte. Das alles will ich sehen. Dazwischen geschnitten ein Fan mit Resumee nach dem Sieg. Perfekt. Der Erzählbogen, der alles zusammenhält, ist der Sieg. Das ist dünn, aber mehr braucht man nicht, um die unterschiedlichen Sequenzen in 4 Minuten 44 Sekunden runter zu erzählen. Und noch eins: So wenig Kommentar wie möglich, auf keinen Fall versuchen witzig zu sein. Lasst die Bilder für sich sprechen. Gebt nur Orientierung, wo wir gerade sind im Clip. Erst dann wird es vielleicht auch für Leute interessant, die nicht so unbedingt mit dem Verein aller Vereine etwas am Hut haben. Meine Sorgen über die wenige Zeit, die zwischen Spieltag und Produktionstag zur Verfügung steht, waren dieses Mal unbegründet. Also, am nächsten Dienstag das Niveau halten, dann wird das was auf die lange Strecke.


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