Mitten in Meiderich – Folge 7

Sieben Folgen „Mitten in Meiderich“, zum siebten Mal schreibe ich meine Anmerkungen und nun stehe ich selbst allmählich vor einem Problem, das jenem ähnelt, über das sich die Kollegen der Doku nicht genügend Gedanken gemacht haben. Es ist das Grundproblem jeglichen seriellen Arbeitens in kulturellen Zusammenhängen. Wo finden neu hinzukommende Leser oder Zuschauer den Anschluss? Wo wiederhole ich mich deshalb und langweile das Stammpublikum? Für die Macher hieße das ins Positive gewendet, was sind die Momente meiner Produktion, die das Serielle verdeutlichen? „Mitten in Meiderich“ besitzt für diese Frage nur eine unzureichende Antwort. Es gibt keine starke Grundidee für diese Produktion. Was diese Grundidee hätte sein können, wurde in der ersten Folge formuliert: Wir begleiten den MSV Duisburg beim Versuch, das Unmögliche doch noch zu schaffen. Die einzelnen Folgen sind auf dieses Grundthema hin nicht ausgerichtet. Das Serielle der Doku baut nahezu ausschließlich auf die äußere Form der Präsentation und dem unkonkreten Thema „MSV Duisburg“.

So wiederhole ich mich, wenn ich erneut diese Grenzen der siebten Folge von „Mitten in Meiderich“ festhalte. Wie ich das in Zukunft löse, weil es ja zwangsweise mein serielles Grundthema ist, weiß ich noch nicht. Vielleicht ein Standardabsatz in Kursiv, nach dem Motto, das ist bisher geschehen? Mal sehen. In diesen Grenzen sehen wir dieses Mal jedenfalls ein buntes Allerlei, bei dem es zunächst mit dem Blick auf Ivica Grlic und seinen Sohn beim Kegeln im „Zebrastall“ etwas menschelt. Da erhält das Ganze den Hauch einer Home-Story, wobei das als Sequenz genommen sympathisch wirkt und keineswegs ins Boulevardeske umkippt. Zumal Ivica Grlic in seinen Statements sowohl seine Rolle als Kapitän der Mannschaft beschreibt als auch seine Einschätzung dessen, was die Duisburger Fans von einem Fußballspieler vor Ort erwarten. Natürlich sind diese Erkenntnisse nicht überraschend, doch manchmal sind Wahrheiten nun mal nicht überraschend und originell. Es ist ein beliebiges Mosaiksteinchen aus der Welt des MSV Duisburg.

Dann nähern wir uns wieder dem Fußball und sehen, wie sich vor dem Spiel gegen Nürnberg Peter Neururer und Ewald Lienen begegnen. Wobei die Ausführungen von Ewald Lienen, weil aus dem Zusammenhang gerissen, etwas rätselhaft bleiben. Er spricht von „Chaos“, das hier getrieben wird, das Wort „Verpflichtungen“ fällt, und er redet von öffentlichem Druck. Hatte er da etwa kritische Gedanken im Kopf zur Situation beim MSV?

Jedenfalls sind das Bilder, die uns Atmosphärisches unter Berufskollegen zeigen. So etwas sieht man auch, wenn sich das Führungspersonal anderer Branchen auf Kongressen trifft. Man flachst, erzählt in die Kamera Gutes über die, mit denen man es kann und streift dabei ein wenig die Inhalte seiner Branche. In diesem Fall ist Peter Neururer für Ewald Lienen „ein alter Fahrensmann“, der „es wirklich gut macht“.

Abgerundet wird das Ganze durch die Stimmung nach dem Spiel. Erneut die Trainerrunde im halböffentlichen Raum, in der es ohne Interviewaura ebenso zugeht wie überall unter Fußballzuschauern. Vor allem bleibt aber ein anderes Bild bei mir hängen. Wir sehen eine Gruppe Männer in den Gängen der Tribüne beim Blick auf den Fernseher, während der Ausgleich für den MSV fällt. Dieses Bild hat mich einige dieser Menschen doch etwas bedauern lassen, weil deutlich wird, wie sehr der zum Teil sicher auch berufliche Zusammenhang, in dem sie sich dort befinden, das emotionale Erleben ausbremst. Frei Jubeln können sie dort unten in den Gängen der Tribüne nicht. Ganz im Gegensatz zu allen draußen. Was man nicht sieht, was ich als Zuschauer des Spiels im Stadion aber natürlich im Kopf habe. Für weiteres Nachdenken über alte Fragen von Arbeit und Entfremdung ist das hier aber jetzt nicht der richtige Ort.

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