Bilic weiß sich seines Glückes zu erwehren

Über die derzeitige Orientierungslosigkeit beim FC Schalke 04 haben sich ja inzwischen allerorten die Sportjournalisten mit staunendem Unverständnis und Kritik geäußert. Heute komme ich erst dazu auf jenen Satz vom Schalke-Vorstandsvorsitzenden Josef Schnusenberg hinzuweisen, der den einen Teil des Problems in aller Kürze zusammenfasst.

Etwas unglücklich, weil in einer Mischung aus indirekter Rede und Zitat, heißt es in der Süddeutschen Zeitung vom Wochenende: „Ein Kanditat sei im Visier, doch ´er weiß noch nichts von seinem Glück. ´“ Das ist die eine Wurzel des Geschehens, eine Trainersuche im Bewusstsein, für ein Ehrenamt im deutschen Vereinswesen den Kandidaten finden zu müssen.

Das erinnert doch sehr an all die Vereine des Breitensports, in denen kurz vor Ende der Saison sich meinetwegen der U16-Trainer daneben benimmt und deshalb plötzlich die gesamte Mannschaft sich aufzulösen droht. Deshalb wird schnelle Rettung gesucht, und wer wird angesprochen? Der U14-Trainer! Wo sich im Breitensport die meisten seufzend breit schlagen lassen, zumindest noch die drei Monate bis zum Ende der Saison das Training zu übernehmen, erwehrt sich U14-Trainer Slaven Bilic seines Glücks und bleibt lieber ausschließlich bei seinen Leuten.

Die andere Wurzel des Geschehens ist offensichtlicher und ruft Spott hervor. Schalke-Aufsichtsratsvorsitzender Clemens Tönnies sieht sich anscheinend in derselben Liga wie ein Roman Abramowitsch, dem Gus Hiddink beim FC Chelsea, als es nicht lief, zur Seite sprang. Der erfolgreiche Unternehmer Tönnies fühlt sich offensichtlich ganz in seinem Element. Krisen werden gelöst, indem man zupackt. Da zeigt sich wahrscheinlich jene Persönlichkeit, die aus ihm einen erfolgreichen Unternehmer der Lebensmittelbranche gemacht hat. Wenn nun aber strategische Entscheidungen getroffen werden müssen, stehen ihm diese Eigenschaften in der Unterhaltungsbranche Fußball womöglich im Weg.

Dieses Phänomen kennen wir ja in Teilen auch aus Duisburg, wo Walter Hellmich den Verein ja immer wieder wie seine Unternehmensgruppe zu leiten versuchte. Es ist das Schicksal solcher Männer wie Tönnies und Hellmich, Nürnbergs Roth fällt mir gerade auch noch ein, dass die Qualitäten ihrer Persönlichkeit in Zeiten großer Not des Vereins stets gebraucht werden. Vor allem denke ich da an Entscheidungen, alleine, schnell und mutig zu treffen und gleichzeitig keine Grenzen des Möglichen zu sehen.  Wenn der Krise aber das Tagesgeschäft folgt, drohen genau diese Qualitäten die Stabilisierung des Erreichten zu verhindern.

Wo das in Schalke noch hinführt, werden wir sehen. In Duisburg sieht es zurzeit so aus, als habe Walter Hellmich mit der gleichzeitigen Verpflichtung von Peter Neururer und Bruno Hübner es nun tatsächlich geschafft, etwas loszulassen, was bei seinem ersten Antreten beim Verein aller Vereine noch dringend nötig gewesen ist. Für die Struktur des Vereins kann das nur von Vorteil sein.

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