Die Erstkommunionfeier vom MSV Duisburg

Wenn ich jetzt von einer Erstkommunionfeier in Paderborn zu erzählen beginne, bedeutet das keineswegs, dass das Spiel vom MSV Duisburg gegen TuS Koblenz hier nur am Rande interessiert. Ganz im Gegenteil, beim obligatorischen Essen im Restaurant konnte ich etwa auf der Toilette das 1:0 bejubeln. Auf der Toilette deshalb, weil dort WDR 2 vor sich hindudelte und die Schwingungen des Jubels im Stadion mich anscheinend so erreichten, dass ich genau zur Verkündung der 1:0-Führung diese Toilette betrat. Unnötigerweise! Einfach nur, um mal Pause vom Tafelgespräch zu machen. Da ich nicht rauche, gebe ich in solch einem Fall einer notwendigen Auszeit gerne vor, ich gehe mal eben … Jeder hat da Verständnis.

Den enttäuschenden weiteren Verlauf habe ich dann einmal mehr nur am Live-Ticker bei der zweiten Kommunionfeier mitbekommen, zu der wir ebenfalls eingeladen waren. Man sieht, unsere Verbindungen nach Paderborn sind nicht nur zahlreich sondern die katholische Kirche dort hat noch einigen Einfluss auf das alltägliche Leben. Über den Live-Ticker-Text als Puffer zwischen dem Geschehen und meinem Erleben bin ich heute allerdings recht froh, wenn ich lese, wie enttäuschend das Spiel gewesen ist.

Ich möchte hier keine religiösen Gefühle verletzten, aber anscheinend haben die Zuschauer im Stadion und ich gestern in Paderborn etwas ähnliches gesehen. Bei der einen Kommunionfeiern war ich nämlich in der Messe und hatte den Eindruck, einem Geschehen beizuwohnen, bei dem nicht alle Teilnehmer so genau wussten, was da ihre Aufgabe ist und wie sie selbst als Persönlichkeit für das abstrakte Ziel des Geschehens einzustehen haben. Ob es nun um „die letzte Chance für den Aufstieg“ (Peter Neururer) oder um den „Beginn einer neuen Gemeinschaft mit Gott und der Kirchengemeinde“ (Paderborner Pastor) geht, beides verlangt neben der inneren Haltung auch das Wissen um Abläufe. In der Kirche habe ich jedenfalls viel Aufregung gesehen und stetes Bemühen aller Beteiligten. Dennoch scheiterten sowohl Kinder als auch zusehende Erwachsene an der Aufgabe, sich sowohl auf den von der Kirche vorgesehen religiösen Wert der Feier zu konzentrieren als auch sicher, die verlangten rituellen Handlungen zu erfüllen. Der Pastor fühlte sich sogar in der Pflicht, als eine Art Einpeitscher des richtigen Glaubens aufzutreten und erinnerte eindringlich an den Sinn der Kommunionfeier. Es gab einen in den Kirchenbänken ausgelegten Ablaufplan der Messe mit dem schriftlich festgehalten Sinn der Feier als Motto. Alles das nutzte nur bedingt und in der gemeinschaftlichen Feier rückten die Kinder als Einzelne in den Vordergrund und wussten Erwachsene nichts von den Abläufen in der Gemeinschaft. Ganz zu schweigen vom weltlichen eventhaften, das sich als Atmosphäre über die Feier zog.

So kommt es mir vor, als sei ich gestern doch bei der Niederlage anwesend gewesen. Nun von Planungssicherheit zu sprechen, wirkt auf mich völlig unpassend. Planungssicherheit heißt für mich etwas mehr als die Gewissheit, der MSV Duisburg spielt in der nächsten Saison erneut in der 2. Liga. Zur Planungssicherheit gehört für mich auch ein professioneller Umgang mit der Niederlage, sich sachlich anzusehen, wo die Verantwortlichen des Vereins stehen, was sie sich wünschen und wie das zu erreichen ist. Die heutige Berichterstattung über die Zukunft von Peter Neururer beim MSV Duisburg lässt mich allerdings Böses ahnen. Was ich als Bericht aus dem Verein lese, vermittelt den Eindruck, dass nun nicht sachlich die Zukunft beredet wird. Wieder werden die Sachfragen mit allerlei Nebenbemerkungen gewürzt, die Rückschlüsse auf persönliche Befindlichkeiten lassen. Diese persönlichen Befindlichkeiten von Walter Hellmich und Peter Neururer scheinen die Professionalität des weiteren Ablaufs zu bedrohen. Wo Bruno Hübner dabei positioniert ist, wird nicht ersichtlich. Schweigen wollen wir darüber, wie die Vertragsverlängerung bislang in der Öffentlichkeit dargestellt wurde. All das bereitet mir Sorge und ich merke eine leichte Gereiztheit. In solche einem Zustand beginne ich jeder Meldung vom MSV Duisburg zu misstrauen. Denn eins und eins ist in diesem Verein manchmal aus irgendeinem mir unersichtlichen Grund doch drei.

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