Mitten in Meiderich – Folge 13

Was bisher geschah … „Mitten in Meiderich“ ist die Mini-Doku über den MSV Duisburg. In der ersten Folge hieß es noch, wir begleiten den MSV bei dem Versuch, doch noch aufzusteigen. Die einzelnen Folgen aber sind bislang nicht mehr auf diese starke Grundidee hin ausgerichtet. Einen längeren Erzählfaden gibt es nicht. Das Serielle der Doku baut fast ausschließlich auf die äußere Form der Präsentation und dem unkonkreten Thema „MSV Duisburg“. Deshalb braucht eine jede Folge eigentlich eine einzelne starke Geschichte mit Anfang und Ende.  Wirklich gefunden werden diese Geschichten bislang nur im Ansatz. Deshalb bieten die Folgen ein kunterbuntes Allerlei, das manchmal etwas beliebig wirkt. In diesen Grenzen gewährt „Mitten in Meiderich“ in den besseren Momenten den Blick aufs Tagesgeschäft, der angesichts des Formats natürlich immer etwas flüchtig ist …

Kritisch wollte ich „Mitten in Meiderich“ begleiten und über die Zeit merke ich, wie mir mein Schreiben immer mehr zu einer Art Weiterbildung in Sachen Medienkompentenz gerät. Das geschieht, weil ich mich in der Rolle des tadelnden oder lobenden Kritikers unwohl fühle. Denn gleichzeitig macht sich der Fan in mir immer wieder bemerkbar und will jedem kritischen Wort Einhalt gebieten. Schließlich gefällt es mir als Fan zunächst ungeachtet aller Qualität, dass der MSV Duisburg überhaupt Aufmerksamkeit von einem Fernsehsender erhält. Indem ich also auf Entstehenszusammenhänge verweise und Gezeigtes, wann immer es geht, eher einordne als werte, entgehe ich einerseits dem inneren Konflikt ein wenig und gebe andererseits den Zuschauern damit hoffentlich Mittel an die Hand, Produktionen ähnlicher Art besser einzuordnen.

Für den so entstehenden „Baukasten zur Medienkompetenz“ (Anfragen bitte unter „Kontakt“) ist diese Folge mit ihren 4 Minuten und 55 Sekunden ein gelungenes Beispiel für Etikettenschwindel. Denn aus der beabsichtigten Dokumentation ist unter der Hand Tagesjournalismus geworden, der sich vor allem die Zukunft von Peter Neururer beim MSV Duisburg zum Thema gemacht hat. Mancheiner mag nun denken, warum hat er nun daran wieder etwas auszusetzen, wo er doch die ganze Zeit einfordert, die Doku müsse den Alltagsbetrieb beim MSV Duisburg zeigen? Diese Unstimmigkeiten und Schwierigkeiten nach der Niederlage gegen Koblenz zwischen Vereinsführung und Trainer sind doch ein gelungenes Beispiel für den Alltagsbetrieb.

Das stimmt grundsätzlich, doch in dem Clip missfällt mir die Perspektive des Gezeigten und das liegt einmal mehr daran, dass den Machern meist das dokumentarische Bewusstsein für ihr Produkt fehlt.  Und damit wären wir wieder beim Thema Medienkompetenz. Von einer Dokumentation, sei die einzelne Folge auch noch so kurz, erwarte ich mehr als Verlautbarungsjournalismus. Folge 13 ist aber nichts anderes als der Versuch der im Betrieb des MSV beteiligten Hauptpersonen, Walter Hellmich und Peter Neururer, sich ein gutes Bild in der Öffentlichkeit zu schaffen. Diesen beiden Personen räumen die Macher den Platz ein, um unhinterfragt ihre Positionen darzustellen. Dazu kommen ein paar Standard-O-Töne von Spielern zu Spielwertung und dem Ausblick auf die Zukunft. Dieser Clip ist wie ein Standardnachrichtenbeitrag der Tagesschau, der den Menschen das Gefühl von Sicherheit gibt. Das Leben ist ein langer, ruhiger Fluss.

Auch von einer Mini-Doku erwarte ich etwas anderes. Und nun kommt der entscheidende Moment in Sachen Medienkompetenz. Die Form, in dem wir über die Wirklichkeit erfahren, bestimmt den Inhalt mit. In diesem Fall verleiht das Format Dokumentation dem Gezeigten eine überdauernde Wahrhaftigkeit, die sich in den Aussagen von Walter Hellmich und Peter Neururer aber nicht findet. Sowohl Walter Hellmich als auch Peter Neururer positionieren sich in dem Clip für die zukünftigen Verhandlungen. Die Wahrheit ihrer Worte ist gefärbt durch Interesse und Taktik. Ihre deutlichen Worte darf man in diesem Clip, selbst wenn man zugesteht, dass beide sie für wahr halten, zu diesem Zeitpunkt nicht glauben. Der Überbau Dokumentation macht sie wahrer als sie zu diesem Zeitpunkt sein können. Im Format  Tagesjournalismus wären sie als Momentaufnahme sofort richtig einzuordnen.

Wenn die Macher ihren Anspruch vom Anfang ernst nehmen würden, hätten sie selbst diese Einordnung in diesem Fall vorgenommen. Es bewahrheitet sich wieder, dass die Macher ihre eigene Position innerhalb der Produktion, ihr Verhältnis zum Thema und damit die Perspektive ihrer Berichterstattung immer wieder neu suchen. Das Bewusstsein über diese Position aber bestimmt die Qualität der Bilder. Vielleicht haben die Zuschauer ohnehin längst dieses Versprechen der dokumentarischen Form aus dem Blick verloren und nehmen die Dinge wie sie sind. Wenn sich für mich wie von selbst ein „Baukasten zur Medienkompetenz“ entwickelt, können sich bei den anderen Zuschauern ihre Erwartungen an die Doku doch ebenfalls den Gegebenheiten angepasst haben.

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