Mitten in Meiderich – Folge 14

Was bisher geschah … „Mitten in Meiderich“ ist die Mini-Doku über den MSV Duisburg. In der ersten Folge hieß es noch, wir begleiten den MSV bei dem Versuch, doch noch aufzusteigen. Die einzelnen Folgen aber sind bislang nicht mehr auf diese starke Grundidee hin ausgerichtet. Einen längeren Erzählfaden gibt es nicht. Das Serielle der Doku baut fast ausschließlich auf die äußere Form der Präsentation und dem unkonkreten Thema „MSV Duisburg“. Deshalb braucht eine jede Folge eigentlich eine einzelne starke Geschichte mit Anfang und Ende.  Wirklich gefunden werden diese Geschichten bislang nur im Ansatz. Deshalb bieten die Folgen ein kunterbuntes Allerlei, das manchmal etwas beliebig wirkt. In diesen Grenzen gewährt „Mitten in Meiderich“ in den besseren Momenten den Blick aufs Tagesgeschäft, der angesichts des Formats natürlich immer etwas flüchtig ist …

Der Tagesjournalismus hatte in Folge 13 Einzug in das als Mini-Doku angekündigte Format von „Mitten in Meiderich“ gehalten. Das setzt sich nun mit einem nächsten Clip fort, der bereits letzte Woche, am Donnerstagabend, ohne weitere Zählung in die Doku-Folgen eingereiht wurde. Die Vertragsverlängerung von Peter Neururer wurde zur „Doku Breaking News“. Das Zerfasern des Inhalts erhält nun also eine gleichsam folgerichtige Entsprechung bei der Präsentation der Doku. Allmählich denke ich daran, meinen Einleitungstext umzuschreiben.

Soll ich es noch einmal sagen? Der Grund für dieses Ausfransen des Formats ist der Verzicht auf die starke Idee, auf die alle Folgen hin ausgerichtet sind. Weil  ein Leitinstrument für das Erkenntnisinteresse fehlt, gerät mit der Zeit und unter dem Produktionsdruck nicht nur jedes beliebige Bild mit dem Oberbegriff „MSV Duisburg“ zum potentiellen Sendematerial, sondern auch die tagesaktuellen Meldungen werden zum Wert an sich für die Macher. Da wir uns ohnehin im Graubereich hin zur PR bewegen, ist aus der Mini-Doku eine Art Zebra-TV mit Sendefenster auf der DSF-Seite geworden.

Auch in Folge 14 kreisen die Macher vor allem um Peter Neururer. Erst ist nochmals die Vertragsverlängerung Thema samt neuerlichen Trainingskiebitze-als-des-Volkes-Stimme-O-Töne zur allgemeinen Lage, dann sehen wir den boulevardesken Mittelteil „Harley-Fahren ist das große Hobby von Peter Neururer“, um schließlich bei nichtssagenden Statements von Spielern über Ziele des Vereins zu landen.

Die Macher haben anscheinend endgültig Abschied von jedem dokumentarischen Interesse genommen und sehen stattdessen den Fünf-Minüter der sonntäglichen ZDF-Sportreportage in noch weicher gespülter Form als leuchtendes Vorbild für ihr Produkt. Solche O-Töne etwa, wie ich sie heute gehört habe, schreibe ich im Schlaf, falls Nachwuchsfußballer beim Interviewtraining Textvorlagen brauchen. Die Zukunft vom MSV? Wir wissen, der Verein will in die 1. Liga, und wir sehen, wie alle alles dafür tun. Und es ist gut, dass Peter Neururer nun weiter dabei ist. Ach, und die Saison ist noch gar nicht zu Ende? Lasst doch Peter Neururer noch was dazu sagen, der nimmt kein Blatt vor den Mund. Aber auch der O-Ton von Peter Neururer hätte in meinem Script gestanden. Es sind noch fünf Spiele und der MSV hat nicht vier Punkte Rückstand auf den Dritten in der Tabelle. Drei besser platzierte Mannschaften wollen auch Dritter werden.

Wollten die die Macher nochmal ein bisschen an den Aufstieg erinnern? Sollte schließlich vor langer Zeit mal das Thema der Doku sein, der MSV und sein Versuch wieder aufzusteigen. Und da ist die stets nahe liegendste Frage, geht noch was? Auf den Fan als Zuschauer kann man bei solchen Fragen auf jeden Fall zählen. Denn welcher Fan hört nicht gerne aus des Trainers Munde, was er ohnehin zwar weiß, was aber immer noch die heimliche Hoffnung einfärbt? Ist schließlich der Trainer, der erst realistisch die Lage klärt und dabei ohne wirklich etwas zu sagen, doch vage etwas Zukunft aufscheinen lässt. Wie gesagt, Medienprofi ist Peter Neururer auch, und es deutet sich an, die Macher der Doku wissen, wen sie zur Not fragen müssen, damit noch irgendwas geht. Für sie selbst und weniger für den Verein aller Vereine.

2 Responses to “Mitten in Meiderich – Folge 14”


  1. 1 Bregman 29. April 2009 um 14:16

    Hallo Kees!

    14mal lief jetzt schon „Mitten in Meiderich“, 14mal hast du dich damit auseinandergesetzt. Einige Kritikpunkte kann ich nachvollziehen, bei anderen habe ich das Gefühl, dass es nur um die Kritik der Kritik wegen geht. Mir persönlich gefällt die Doku richtig gut, sie ist nah dran, zeigt viele Facetten des Clubs und seiner Protagonisten, ist dabei aber natürlich auch darauf angewiesen, wie viel Nähe der Verein zulässt.
    Was mir bisher bei den Besprechnungen fehlt, ist ein Vorschlag, wie die Macher es denn umsetzen sollen!? Wäre mal interessant zu hören, wie du dir eine ideale Folge vorstellen würdest.

    Viele Grüße,

    Bregman

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    • 2 Kees Jaratz 29. April 2009 um 15:23

      Hallo Bregmann,

      erstmal: Kritik nur um der Kritik Willen mache ich nicht und wenn der Eindruck einstanden ist, soll er hiermit korrigiert sein. Ich möchte mich nämlich eigentlich gerne begeistern lassen und bin da auch recht schnell von meinen Ansprüchen runtergegangen. So gab es ja bis zur Niederlage gegen Mainz hin und wieder Folgen, mit denen ich zufrieden war – bei den zurückgeschraubten Ansprüchen.
      Und deine Bemerkung, alles ist auch ein Frage, wieviel Nähe der Verein zulässt, habe ich auch immer wieder als Erklärung für Produktionsverhältnisse angeführt. Nur genau da befindet sich auch ein Schwachpunkt der Produktion. Die Macher haben sich meiner Meinung darüber nicht genügend Gedanken gemacht, was sie genau im Verhältnis zu den Rahmenbedingungen der Produktion wollen. Wo stehe ich als „Dokumentarist“? wäre die Frage, die sie sich stellen müssten. Mir kommt es aber so vor: Sie schauen mal, was sich so ergibt und wenn es dann eben das eine oder andere ist, nehmen sie beides.

      Jetzt zu deiner Frage nach meiner idealen Folge, ich hätte mir ein Konzept für die gesamten 18 Folgen gewünscht, so wie es der Kommentar in Folge 1 auch anklingen ließ. In diesem Konzept stände als Überschrift: „Der MSV und der Aufstieg“. Das bedeutet jede einzelne Folge müsste dieses Thema immer wieder neu aufnehmen und zwar bezogen auf die kontinuierliche Arbeit im Verein. Ansonsten bleibt das Serielle ohne Sinn. Jetzt werden beliebige Bilder aneinander gereiht, und da der Erfolg, nun zum Ende hin, nicht mehr die Doku trägt, gibt es nicht mal mehr einen Blick hinter die Kulissen. Mich interessiert Peter Neururers Harley-Hobby nicht als nette Anekdote aus seinem Leben, sondern dieses Hobby müsste im Idealfall in Bezug gesetzt werden zu seinem Trainer-Dasein. Warum ist ihm Harley fahren wichtig und meinetwegen nicht das über Felix Magath kolportierte Schachspielen. Wenn solche Fragen beantwortet werden, wird es für mich interessant. Das reine Bild, Neururer auf der Harley, finde ich langweilig.

      Reicht das erst mal? So richtig festgezurrt kriegt man so eine ideale Folge auch nur im steten Hin und Her. Zu viele möglichen Missverständnisse liegen da auf dem Weg.

      Mir geht da gerade auch noch mal die zweite Folge durch den Kopf, bei der sie nur die Fans im Zebra-Stall zeigen. Da gab es auch schon konstruktive Kritik mit dem Vorschlag, sie hätten dem Zebra-Stall-Inhaber die Geschichte widmen müssen.

      Also, sagt Kees zu Bregman, hauptsächlich geht es mir eher um das große Ganze als um die einzelne Folge, und sehe dabei übrigens wie ein Zebradress im eigenen Strafraum in aller Ruhe zu dribbeln beginnt, mit kurzem Stop und Fuß auf Ball und so 😉

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