Von Trainerwissen und dem Berufsethos der Profifußballer

Peter Neururer fehlt beim MSV die Spannung„, so betitelt „DerWesten“ vorgestern einen Artikel, in dem von der Unzufriedenheit des Trainers mit seiner Mannschaft berichtet wird. Als Ersatz für die im Montagsspiel gegen SpVgg Fürth ausfallenden Kouemaha und Tararache bietet sich anscheinend kein Spieler richtig an. Es fehlt an Anstrengungsbereitschaft, so verstehe ich Peter Neururers Kritik.

Ich denke ja gerne darüber nach, was mir solche Meldungen über den eigentlichen Informationswert hinaus alles erzählen. Und da sehe ich als erstes einmal mehr, wie sehr Peter Neururer die Medien und die Öffentlichkeit in seine Arbeit als Trainer einbindet. Ob er sich mit Medienwirkung und Massenpsychologie auch theoretisch auseinandersgesetzt hat oder ob er rein intuitiv vorgeht, vermag ich natürlich nicht zu sagen, aber es scheint mir ganz offensichtlich zu sein, dass für die Wirksamkeit des Trainings von Peter Neururer dessen Wissen über den Umgang mit Medien ebenso wichtig ist wie sein Wissen über Konditionstraining oder die Übungsformen zu Technik und Taktik. Medien sind demnach für Peter Neururer nicht nur einfach Übermittler von Nachrichten. In der Art, wie und welche Informationen er weitergibt, zeigt sich sein Bewusstsein darüber, dass Medien mit der Informationsübermittlung gleichzeitig Einfluss auf die Wirklichkeit nehmen und sie formen.

Mir fällt jetzt kein anderer Trainer ein, der so viel Mut besitzt als Einzelperson, andere würden vielleicht Chuzpe oder Frechheit schreiben, es zu versuchen, Medien für die eigenen Interessen zu nutzen; Interessen, die in Peter Neururers guten Zeiten in einem Verein mit den Interessen dieses Vereins zusammen fallen. Mut nenne ich das deshalb, weil diese Medien vertreten durch die Journalisten selbstverständlich eigene Interessen haben und auch diese Interessen gehen über die reine Vermittlung von Informationen hinaus.

Außerdem erfahre ich durch diesen Bericht etwas darüber, dass für einen Profifußballer Fußballspielen Arbeit heißt. Man kann die von Peter Neururer vermisste Anstrengungsbereitschaft nämlich auch so deuten, in dem Moment, wo es im mittelständischen Unternehmen keine großen Umsatzziele mehr gibt und wo Zukunftsvisionen ins nächste Jahr verschoben werden, in dem Moment ist das Berufsethos jedes einzelnen Angestellten gefragt. Man kann es auch so verstehen, dass die Unterhaltungskünstler, Sparte Profifußball, noch nicht das Selbstverständnis von Schauspielern, Artisten oder Musikern haben. Das sind jetzt flüchtige Gedanken und wahrscheinlich komme ich später nochmals drauf zurück. Die Basketballer von den Harlem Globetrotters oder Wrestler gehören ja weitaus mehr zu den Schauspielern als zu Sportlern, Fußballer im Niemandsland der Tabelle gehören anscheinend nirgendwo mehr hin. Fühlen sie sich selbst verpflichtet, eine gute Show zu bieten? Das hielte ich für angemessen. Aber ich glaube, so weit sind sie noch nicht diese Angestellten des Unterhaltungsgewerbes. Ihre Motiviation für den alltäglichen Beruf beziehen sie hauptsächlich aus der Frage nach Sieg oder Niederlage. Mich interessiert das sehr, welchen Einfluss die Entwicklung des Fußballs auf das Selbstverständnis der Sportler hat. Das jedenfalls wird auch angestoßen, durch diesen Artikel. Später kontinuierlich mehr dazu.

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