Saison 2008/2009 30. Spieltag – SpVgg Greuther Fürth (H)

Vor ein paar Tagen noch habe ich mir Gedanken über das Berufsethos von Fußballspielern gemacht und wie die Motivation von Profifußballern für ihren Berufsalltag von der Frage nach dem großen Saisonziel abhängig ist. Meine Überlegungen hatten einen leicht scheltenden Unterton. Deshalb wäre es eigentlich gerecht, auch ein paar kritische Wort zu meiner anfänglichen Haltung beim gestrigen Spiel gegen die SpVgg Greuther Fürth zu finden. Als ich im Stadion ankam, war auf den Stehplätzen jedenfalls viel Platz und mir fehlte jegliche innere Anspannung, die mich bislang in dieser Saison noch vor jedem Spiel eingeholt hat. Was mir wiederum deutlich macht, wie sehr auch meine Konzentration im Stadion durch die Bedeutung von Sieg oder Niederlage bestimmt wird.

Was mich gestern Abend als Fan bestimmte, war trotz Peter Neururers öffentlichen Worten zur Motivation seiner Spieler auch in der Mannschaft zu spüren. Greuther Fürth war in den ersten zwanzig Minuten jene Mannschaft, der anzumerken war, sie wollten etwas erreichen. Der MSV war zwar bereit das zu verhindern, viel mehr wollten sie aber auch erstmal nicht. Denn das hätte bedeutet, sich mehr anzustrengen, als sie es zu diesem Zeitpunkt taten. Nach vorne ging also nicht viel, hinten wackelte es zunächst sogar zweimal, weil der Garant für Sicherheit Markus Brzenska leicht patzte. Erst nachdem sich Änis Ben-Hatira am linken Flügel um die 19. Minute herum durchsetzte und gefährlich in die Mitte passte, geriet das Spiel in ein Gleichgewicht ohne viel Torgefahr auf beiden Seiten.

Was aber wieder einmal auffiel, der Gegner zeigte das bessere Kombinationsspiel. Wenn die Fürther den Ball eroberten, schloss sich sofort druckvolles Passspiel nach vorne an. Beim MSV ist dieses Passspiel weiterhin gehemmt. Sicher, es gibt ein funktionierendes Konterspiel mit Pässen in den Raum, wenn in der Abwehr der Ball erobert wird. Aber nach dem Ballgewinn im Mittelfeld fehlt für den schnellen Ballvortrag Mut und Sicherheit, um auch bei der dann vorhandenen engeren Deckung im Kurzpassspiel den Ball Richtung gegnerisches Tor zu bewegen. Die nach vorne sprintenden Spieler laufen dann meist vergeblich, weil fast immer die Geschwindigkeit aus dem Spiel herausgenommen wird und der Pass auf gleicher Höhe erfolgt.

In der zweiten Hälfte war ich dann genauso wie die Spieler bereit, den Sieg zu wollen. Natürlich kann es sein, wie in Zeitungsberichten vermutet wird, dass Peter Neururer laute Worte fand, aber wenn ich mein eigenes Erleben betrachte, brauchte es auch das Spiel selbst, um den Ehrgeiz zu entfachen. Erst im direkten Vergleich wird Wettkampfinstinkt geweckt und wenn man Glück hat, führt bis dahin der Gegner noch nicht.

So kam der MSV mit dem deutlichen Willen, das Spiel zu gewinnen aus der Kabine. Die Führung durch den Freistoß von Änis Ben-Hatira war deshalb nicht unverdient. Auch wenn die Spielsituation vor dem Freistoß eine komödiantisch anmutende Einlage brachte. Sandro Wagner trieb den Ball parallel zur Strafraumgrenze, wollte stoppen und rutschte aus. Glücklicherweise übernahm Ben-Hatira den Ball und fiel fast augenblicklich an fast gleicher Stelle ebenfalls um. Dieses Mal allerdings durch ein Foul verursacht.

Dass für Ben-Hatira nicht kurz danach erneut ein Tor zu verbuchen war, liegt am Linienrichter. Ben-Hatira eroberte sich den Ball in der Fürther Hälfte in der Nähe der Mittellinie und sah, dass der Fürther Torwart Loboué weit vor dem Tor stand. Es folgte ein präzise gelupfter Schuss und zunächst sah es so aus, dass Loboué den Ball zwar mit Mühe, doch vor der Linie fangen konnte. Doch durch das schnelle Zurücklaufen hatte Loboué anscheinend zu viel Schwung, um sofort zu stehen. Das drohende Stolpern versuchte er mit Rückwärtsschritten ins Tor hinein zu verhindern.  Dabei behielt er den Ball in den Händen. Kurzum, von rechts hinter dem Tor aus war Loboué mitsamt Ball hinter der Linie. So deutlich, wie es deutlicher nicht sein kann.

Natürlich wollten die Fürther den Ausgleich und boten dem MSV deshalb mehr Raum im Angriff. Raum, der für Kombinationsspiel genutzt wurde. Man merkte, der MSV wollte das Spiel kontrollieren. Weite Pässe auf Sandro Wagner wie der vor dessen Tor zum 2:0 blieben die Ausnahme. An zwei gute Chancen der Fürther kann ich mich noch erinnern. Vor allem bei einem Weitschuss, halb verdeckt, war es verblüffend, wie schnell Tom Starke in der linke Ecke seines Tores auf dem Boden lag und das Anschlusstor so verhinderte. Auch wenn die Fürther noch drei neue Leute brachten, kontinuierlich druckvoll war ihr Spiel nicht mehr. Zum einen stand die Abwehr vom MSV sehr sicher, zum anderen gelang es der Mannschaft immer wieder, den Ball über längere Zeit in den eigenen Reihen zu halten und dann gefährlich vor das Fürther Tor zu kommen.

Das Ausmaß vom Fanjubel hat mich nach dem Spiel dann doch etwas überrascht. Das hatte tatsächlich Anklänge von Aufstiegsfreude. In solch ausgelassener Stimmung war ich dann doch nicht, zumal ich es wie Tina halte und Energie brauche, um den Impuls des Rechnens zu unterdrücken. Allerdings kann ich es nicht verhindern, dass mir zurzeit ein Wort immer wieder durch den Kopf geht: Restprogramm.

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