Vor dem Spiel zum besseren Menschen werden

Eigentlich wollte ich gerade von ein paar widersprüchlichen Gefühlen vor dem Spiel gegen den FSV Frankfurt schreiben. Dann ließ ich mich aber von dem Gedanken verführen, vielleicht ein wenig kulturgeschichtlichen Puderzucker drüber zu streuen und bin nun völlig vom Weg abgekommen. Überkam mich doch das Interesse für die Kulturgeschichte der Selbstbeobachtung und wurde beim Googeln stattdessen in die Tiefen von Persönlichkeitsformung und Soft-Skill-Perfomance geführt, weihevoller Ton der jeweiligen Seiten inklusive.

Deshalb singt nun mit mir kurz das Loblied der Selbstbeobachtung und werdet bessere Menschen! Hallelujah, hallelujah! Ob inneres Wachstum für ein erfülltes Leben oder zweckorientierte Leistungssteigerung der sozialen Kompetenzen, alles ist möglich, wenn ihr euer Verhalten und die innersten Gefühle dabei nur ganz genau betrachtet. Tolle Manager könnt ihr werden oder jahrelang auf nur einem Bein stehende Yogis. Beobachtet euch selbst und der Himmel auf Erden wird euch gewiss sein. Allerdings sei euch auch gesagt, egal, wozu ihr euch entschließt, kostenlos ist dieses irdische Glück nie zu erlangen. Denn wer seiner selbst sehend werden will, braucht Anleitung durch die erleuchteten Meister der Selbstbeobachtung.

Sie schreiben Bücher und geben Kurse und lassen mich wissen, auch ich kann vor einem Auswärtsspiel bei der Beobachtung meiner widersprüchlichen Gefühle zum MSV Duisburg noch sehr viel lernen. Mit ihrer Hilfe kann ich frei werden vom Bangen um den Auswärtssieg, weil Änis Ben-Hatira nicht antreten kann in Frankfurt. Ben-Hatira, der erste jener Spieler, die im Spiel gegen Fürth eindeutig zeigten, ich will hier gewinnen. Ich kann aber auch frei werden von meinen Sorgen um den unbedingten Willen zum Aufstieg. Ich kann es dann hinnehmen, dass es Momente in der Saison gibt, in denen die vielfältigen Wünsche der beteiligten Personen nicht mehr alle in eine Richtung gehen und es völlig unmöglich wird, vorauszusagen, welche Kräfte im Verein und in der Mannschaft sich gegenseitig aufheben, ganz zu schweigen davon, welche die Oberhand behalten. Sie werden mir beibringen, meine Sorgen sind nicht selbst verschuldet durch unsteten Charakter sondern wohl begründet. Denn im modernen Fußball hat eine Frage wie die folgende selbstverständlich ihre Berechtigung. Gibt es bei allem öffentlichen Reden von winziger Hoffnung auf den Aufstieg nicht vielleicht auch einzelne Menschen, vielleicht gar Fraktionen beim MSV Duisburg, die den  Wunsch haben, der Verein möge ein weiteres Jahr in der Zweiten Liga verbringen? Mancher Spieler hat es in der Zweiten Liga bequemer für gleiches Geld, mancher Offizielle möchte gerne mehr Vorbereitung auf eine Erstliga-Saison als es nunmehr möglich ist? So viele Fragen am Ende der Saison, so viele Gedanken und so viel Selbstbeobachtung, bei der ich immer merke, die Hoffnung bleibt, egal welcher Zweifel kitzelt und schon höre ich mitten in dieser Selbstbeobachtung von Ferne Marco Röhlings Stimme beim Torjubel. Ein Tor für den MSV! Erleichtert stelle ich fest, auch ohne die Bücher und Kurse bin ich in Selbstbeobachtung schon so gut, dass ich erkenne, bislang ist das nur ein Traum. Die Wirklichkeit beginnt in einer Stunde.

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