Von der Hoffnung, dass die Psychologie alles erklärt

Seit dem letzten Spieltag denke ich auch an die nächste Saison. Das habe ich nicht beschlossen, das ist geschehen. Als Trost hat sich das eingestellt, nachdem der Verein aller Vereine derart willenlos seine winzige Möglichkeit auf den Aufstieg aus den Händen gegeben hat. Und nun kriege ich diese Gedanken an die Zukunft nicht mehr aus dem Kopf. Das ist seit heute sehr unangenehm. Das Leben im Hier und Jetzt wäre einfacher. Dann müsste ich mich nicht sorgen um die Qualität dieser Mannschaft. Dann müsste ich mir keine Gedanken darum machen, wie es Peter Neururer gelingen soll, dieser Mannschaft, wahrscheinlich zudem ohne ein bis drei der bisherigen Stammspieler, ein  schnelles und sicheres Kurzpasssspiel beizubringen. Dann müsste ich mir keine Gedanken darum machen, wie der Anspruch „eine schlagkräftige Mannschaft“ zusammen zu bringen ist mit der Leistung jener Spieler, die ich heute in Duisburg habe sehen müssen. Denn die meisten dieser von mir gesehenen Spieler werden in der nächsten Saison wieder auf dem Platz stehen.

Was für ein Desaster! Gab es in dieser Saison ein schlechteres Spiel der Mannschaft als in der ersten Halbzeit gegen Rot-Weiß Oberhausen? Auch wenn ich schlechte Leistungen gerne schnell vergesse, das glaube ich eigentlich nicht. Was gab es für den MSV auf der Habenseite? Eine geschenkte Chance! Der Oberhausener Torwart schießt nach einer Rückgabe den eigenen etwa 20 Meter vor ihm stehenden Mann an. Den Richtung Oberhausener Tor zurückprallenden Ball kann Sahan  aufnehmen und vergibt diese Chance, ohne wirklich gefährlich gewesen zu sein. Das war alles, was der MSV Duisburg in der ersten Halbzeit nach vorne hin aufzuweisen hatte.

Wann habe ich das letzte Mal ein Spiel gesehen, in dem die Spieler beider Mannschaften derart häufig nicht wussten, wo der zwischen ihnen herumtitschende Ball gelandet ist. Das Sinnbild der ersten Halbzeit ist der im Getümmel sich verwirrt umschauende Fußballer. Ein Mahnmal der Hilflosigkeit. Ein bisschen weniger hilflos waren dann die Oberhausener, auch wenn man vor allem im Abschluss erkennen konnte, warum diese Mannschaft gegen den Abstieg spielte. Im Spiel gegen den MSV war es aber abzusehen, dass sie wahrscheinlich zu einem Tor kommen könnten. Die Angriffe wurden schnell vorgetragen und kamen zumindest in die Nähe des Tores vom MSV. Zudem brachte jede Ecke der Oberhausener Gefahr. Wie war nochmal das Eckenverhältnis in der ersten Halbzeit? 6:1 für Oberhausen? Ich weiß es nicht mehr genau. Über den Führungstreffer für RWO konnte ich mich schon gar nicht mehr richtig aufregen.

War die Auswechslung von Olcay Sahan in der Halbzeitpause richtig? Marcel Heller als Totalausfall hätte für mich eigentlich viel früher ersetzt werden müssen. Hat er einen einzigen erhaltenen Pass wenigstens mit dem Rückpass in den eigenen Reihen halten können? Bei jeder Bewegung von ihm mit Ball nach vorne konnte sich jedenfalls die MSV-Abwehr auf den nächsten Oberhausener Angriff einstellen. Das gab dem Spiel des MSV natürlich gewisse Sicherheit. Aber was greife ich einen Stürmer heraus, genauso könnte man die Unsicherheiten in der Verteidigung nennen. Olivier Veigneau deutete in der ersten Spielminute mit zwei Fehlern auf der Außenbahn die zu erwartende Qualität an. Die Innenverteidung ließ sich da nicht lumpen und lud die Oberhausener Stürmer immer wieder mal zum Kopfballspiel ein. Von herumtitschenden Bällen im Mittelfeld war schon die Rede.

In der zweiten Halbzeit konnte man dann zumindest Bemühen feststellen. Aber jeder, der selbst einmal Mannschaftssport betrieben hat, weiß, wie schwer es ist, sich als einzelner dem Sog nach unten zu widersetzen, wenn das Spiel selbst zu keiner Sicherheit verhilft. Man sah den Einsatz der meisten Spieler, doch der einzige Plan, den es gab, war Dorge Kouemaha einmal mehr mit hohen Bällen zu versorgen. Das klappte nur in Ansätzen, auch wenn ihm dann der Ausgleich gelang.

Ich wiederhole mich, wenn ich feststelle, die Spielanlage des MSV ist zu langsam. Soll das Spiel anders als über die hohen Bälle in die Spitze geführt werden, wird der Ball zu lange von einzelnen Spielern im Dribbling gehalten. Es fehlen sichere Laufwege für das Kurzpassspiel. Denn das wurde gerade in diesem Spiel ganz deutlich. An der Abwehr der Oberhausener hat das nicht gelegen, dass so ein schnelles Passspiel nicht zustande kam. Sie haben weder sehr dicht hinten gestanden, noch war ihr Abwehrverhalten perfektioniert.

Ich komme nun in die Lage auf die Psychologie solcher Spiele als Erklärung für das Unvermögen des MSV Duisburg zu hoffen. Nur so lässt sich der Blick nach vorne ertragen. Auch wenn es mir als Zuschauer zum Ende einer Saison hin nicht gefällt, so kann ich mir wenigstens sagen,  die Psyche der Angestellten im Profifußball braucht tatsächlich das große Ziel, um als Mannschaft geschlossen eine gute Leistung zu zeigen. So kann ich mir sagen, das Können der einzelnen Spieler ist vorhanden. Sie müssen nur irgendwie dran kommen an ihr Können. Peter Neururer, bis zum August haben Sie Zeit, den Spielern bei der Suche zu helfen.

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