Mitten in Meiderich – Folge 16

Was bisher geschah … „Mitten in Meiderich“ ist die Mini-Doku über den MSV Duisburg. In der ersten Folge hieß es noch, wir begleiten den MSV bei dem Versuch, doch noch aufzusteigen. Die einzelnen Folgen aber sind bislang nicht mehr auf diese starke Grundidee hin ausgerichtet. Einen längeren Erzählfaden gibt es nicht. Das Serielle der Doku baut fast ausschließlich auf die äußere Form der Präsentation und dem unkonkreten Thema „MSV Duisburg“. Deshalb braucht eine jede Folge eigentlich eine einzelne starke Geschichte mit Anfang und Ende.  Wirklich gefunden werden diese Geschichten bislang nur im Ansatz. Deshalb bieten die Folgen ein kunterbuntes Allerlei, das manchmal etwas beliebig wirkt. In diesen Grenzen gewährt „Mitten in Meiderich“ in den besseren Momenten den Blick aufs Tagesgeschäft, der angesichts des Formats natürlich immer etwas flüchtig ist. Doch Anfang April hat die Niederlage des MSV Duisburg gegen Mainz 05 Spuren in der Doku hinterlassen. Flüchtige Blicke auf das Tagesgeschäft sind offensichtlich nur möglich, wenn Zuversicht im Verein und bei den Machern vorhanden ist …

Wie wir wissen, hatte „Mitten in Meiderich“ am Dienstag zum Zeitpunkt des ersten Netzauftritts der Folge 16 starke Konkurrenz. Das Spiel in der MSV-Arena ließ die Klick-Zahlen für diese Folge sicher später als sonst die gewohnten Höhen aufweisen. Denn wahrscheinlich machten es die meisten Zuschauer der Doku doch wie ich, die real erfahrbare Wirklichkeit ging vor. Eine Entscheidung, die ich im übrigen trotz aller im Nachhinein damit verbundenen ärgerlichen Gefühle nie in Zweifel zöge.

Zum Ende der Saison hin scheinen die Macher das Dokumentarische völlig aufgegeben zu haben. Womöglich ist sowohl ihnen als auch dem Verein als Akteur nicht klar gewesen, was es wirklich bedeutet, einen dokumentarischen Blick auf den Alltag beim MSV zu gewähren. So bleiben Macher und MSV Duisburg auf der sicheren Seite, und auch diese Folge lehnt sich in ihrer Machart jetzt deutlich an die Standardbeiträge der Sportsendungen öffentlich-rechtlicher Anbieter an.

Den thematischen Schwerpunkt der Folge finden die Macher mit dem Blick auf einen Fan. Über den MSV selbst wird so gut wie nichts mehr erzählt. Hier gibt es Versatzstücke aus der TV-Berichterstattung  über einen Fußballverein, der sich in enttäuschter Stimmung befindet. Das sind Standardbilder und -O-Töne vom ärgerlichen Trainer, von ratlosen Spielern und ein resumierender zweiter Fan als Stimme des Volkes.

Dennoch ist die Folge nicht belanglos, weil der im Zentrum stehende Willy B. – ich kürze seinen Namen mal im naiven Aufbegehren gegen Datensammelei ab – Willy B., also, ist in seinem sehr speziellen Sammelfieber und der aufscheinenden akribischen Ordung seines Fantums ein besonderer Fan. Nicht jeder Fan hat einen Archiv- und Reliquienraum für sein Interesse. Und nicht jeder Fan kauft sich Panini-Bilder in vierfacher Ausführung, weil er vier verschiedene Möglichkeiten sieht, sie zu sammeln. Mit und ohne Unterschrift, einmal ins Sammelheft eingeklebt und einmal nicht eingeklebt. Die Macher erzählen also weniger eine Geschichte über den MSV Duisburg als dass sie einen Ausschnitt des Menschseins vorstellen.

Am Rande dieser Geschichte über den Fan Willy B. erfährt man aber indirekt dennoch auch etwas über die Wirklichkeit beim MSV. Denn zum Gespräch mit dem Fan hatte sich Tobias Willi bereit erklärt. Das ist kein Zufall und hat mit seiner Persönlichkeit zu tun, die wiederum Einfluss auf seine Berufsauffassung hat. Auf eine andere Weise als Peter Neururer kann Tobias Willi den Machern der Doku jede Folge retten. Stellt ihn vor die Kamera, lasst ihn reden, egal über was,  und ihr bekommt mit Sicherheit sendefähige Bilder. Ohne dass irgendetwas über den MSV erzählt wird, hält er durch sein Auftreten im Clip den MSV-Alltag präsent. Denn tatsächlich ist er einer der wenigen Spieler, die beim öffentlichen Auftritt nicht alleine als Repräsentanten ihrer selbst wirken, sondern auch als Repräsentanten des Vereins. In Tobias Willis Haltung spürt man die Verantwortung des Profifußballers gegenüber den Fans und den Zuschauern, gegenüber denjenigen, ohne die das Berufsfeld Profifußball nicht existieren würde.

Eins muss ich noch zugeben, allmählich überkommt mich nach dem Ansehen einer Folge eine gewisse Lustlosigkeit, mich ans Schreiben zu begeben. Unbegründete Pauschalurteile sind ganz schön verführerisch. Anscheinend sitzen die Fußballer des MSV Duisburg, die Macher von „Mitten in Meiderich“ und ich alle in einem Boot. Serienarbeit ist nämlich schwer. Besonders wenn man meint, schon alles einmal durchlebt zu haben und nun nicht mehr genau weiß, wo es noch hingehen soll. Das als Trost vor allem an die Macher von „Mitten in Meiderich“.

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