Das Verfallsdatum von pädagogischen Mitteln

Gestern kam unser Sohn nach Hause und erzählte, der Mathematiklehrer habe die letzte Arbeit zurückgegeben. Diese Mathematikarbeit der siebten Klasse war sehr schlecht ausgefallen, was der Mathematiklehrer anscheinend persönlich nahm. Mein Sohn berichtete jedenfalls weiter, wie sehr er sich in Rage geredet  hätte und androhte, die nächste Arbeit werde noch schwerer. Mein Sohn war über die Reaktion seines Lehrers empört. Dazu muss man wissen, seine Klasse ist eigentlich eine leistungsstarke Klasse. Es herrscht dort also eine Atmosphäre vor, in der gute Noten einen Schüler in den Augen seiner Mitschüler nicht zum Außenseiter machen. Zudem muss man wissen, der Mathematiklehrer richtet immer wieder auch moralische Appelle an die Schüler und verlässt schon mal wütend die Klasse, wenn er meint, die Kinder hätten sich nicht angemessen verhalten.

Die Reaktion meines Sohnes auf die pädagogischen Mittel seines Mathematiklehrers machten mir mit einem Mal deutlich, warum mir die Überschrift des NRZ-Artikels, „Peter Neururer knallt die Tür zu“,  nach dem Spiel gegen RWO bis heute immer wieder mal durch den Kopf geht. Einerseits, so muss ich zugeben, entspricht dieses Verhalten meinem Bedürfnis als Fan, dem Ärger über die Spielweise der Mannschaft einen Ausdruck zu geben. Dennoch hat mich gleichzeitig etwas am Verhalten Peter Neururers gestört. Bis gestern habe ich vor allem gedacht, das sei womöglich eine Frage der Persönlichkeit. Ich könnte mir jedenfalls nicht vorstellen, Türe knallend aus einer Mannschaftskabine rauszulaufen. Wenn ich aber nun meinen Sohn erzählen höre, weiß ich, hinter meinem Unbehagen steckt mehr.

Solch eine pädagogische Maßnahme wie der moralisch unterfütterte Beziehungsabbruch gegenüber dem Kollektiv wirkt auf den Pädagogen zurück. So ein Verhalten greift die pädagogische Beziehung in ihrem innersten Kern an. Deshalb nutzt sich solch eine Maßnahme ab. Die „Schüler“ werden ihre Persönlichkeit vor solch einem Verhalten schützen wollen, gerade wenn sie sich selbst als eigentlich leistungsstark erleben. Natürlich hinkt der Vergleich zwischend den Mathematikschülern und den hoch bezahlten Fußballlern, doch mein Unbehagen entsteht genau aus dieser Sorge um die Bedrohung des pädagogischen Verhältnisses zwischen dem Fußballlehrer Peter Neururer und seiner Mannschaft. Vielleicht zeigt sich mit diesem so zwiespältigem pädagogischen Mittel ja ein Grund für den nicht sehr dauerhaften Erfolg von Peter Neururer mit seinen Mannschaften.

Es versteht sich von selbst, entgegen solcher Sorgen wünsche ich natürlich, dass für Peter Neururer beim MSV Duisburg alles anders wird und seine Arbeit, egal mit welchen Mitteln, fruchtet. Schließlich machen Kinder auch heute weiterhin Abitur, obwohl gerade Gymnasien in einer gegenüber den 70er Jahren so völlig veränderten Gesellschaft zu den wenigen Orten gehören, wo man das Gefühl bekommt, die Zeit ist stehen geblieben.

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