Archiv für Juni 2009

Wie hat Sandro Wagner noch mal seine Tore geschossen?

Das Finale der U-21-Europameisterschaft gestern Abend habe ich mir nicht durchgehend ansehen können. Erst in der zweiten Halbzeit blieb Zeit für längere Spielabschnitte, bei denen hier heute Morgen nur die Perspektive MSV Duisburg zählt. Ich fühle mich nämlich bestätigt, wenn ich das Spiel von Sandro Wagner noch einmal Revue passieren lasse. Er ist trotz seiner Größe bis jetzt kein guter Kopfballspieler. In der Bedrängnis kann er sich nicht durchsetzen. Seine Stärke ist die gute Ballkontrolle beim Sprint. Deshalb ist das Sturmzentrum auch nicht sein Platz. Welche Großchance hat er vertan und wie hat er seine beiden Tore gemacht? Hoffen wir also, in der nächsten Saison können seine deutlich bemessenen Stärken in der Spielanlage vom Verein aller Vereine jederzeit berücksichtigt werden. Hoffen wir ebenfalls, der Schwung seiner zwei Tore im Finale und des damit verbundenen Titelgewinns trägt ihn noch in der nächsten Saison. Hoffen wir aber außerdem, Peter Neururer holt ihn wieder auf den Boden des Zweitliga-Alltags zurück. Die Gefahr der Selbstüberschätzung sehe ich angesichts seines Torjubels nämlich wieder aufziehen. Schließlich hatten wir diese Art inszenierten Torjubel von ihm bei seinen ersten Toren für den MSV ebenfalls gesehen, ohne dass seine Leistungen konstant blieben. Stolz soll er ruhig sein, aber um sich so egozentrisch zu feiern, wie er es im Überschwang dann manchmal tut, dazu fehlt ihm dann doch die alles überragende spielerische Klasse. Da bin ich ganz opportunistischer Fan, erst in einem solchen Fall würde ich es ihm nachsehen. Sympathisch wäre es mir dann immer noch nicht.

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Während PR-Offensiven baut der kluge Trainer vor

In den Sommerwochen zwischen den Spielzeiten sehe ich mich immer wieder gezwungen, für meine Texte Anleihen bei den Kollegen aus dem Wirtschafts- und Politikressort zu nehmen. Auch alle anderen Fans betrachten mit solchen übergreifenden Perspektiven ihren Verein, selbst wenn sie sich darüber nicht im klaren sind. Für Artikel über die zukünftige Wirtschaftslage etwa werden Wirtschaftsdaten mit Expertenstimmen zu einer unterhaltsamen Prognose zusammengemischt, und nichts anderes geschieht, wenn wir uns über die Aussichten des MSV Duisburg in der nächsten Saison Gedanken machen. Bislang erzielte Tore von neu erworbenen Stürmern werden in Bezug gesetzt zu der möglichen Abwehrleistung und Aktivitäten der sportlichen Leitung werden auf ihre den Erfolg unterstützende Wirksamkeit genauestens abgeklopft.

Bei Texten über Vereine wie dem MSV Duisburg kommt aber auch noch die Politik ins Spiel. Denn wie in der Großen Koalition geht es innerhalb der sportlichen Führung auch immer um die Frage nach der groben Richtung und der Zuschreibung von Verantwortung. Zurzeit erleben wir eine PR-Offensive der Verwaltungsebene. Bruno Hübner verwandelt nicht nur die PR-Vorlagen der eigenen Leute, er stellt sich wie hier im Reviersport-Interview auch dem halbwegs kritischen Journalismus oder gibt wie hier in der NRZ dem nachfragenden Journalisten Auskunft. Sogar Ivica Grlic erhält einen Interview-Termin mit der Rheinischen Post. Die Grundhaltung allerorten ist Zuversicht. Ich habe es bereits gesagt, solche Aktivitäten kommen ein wenig spät und wirken nachgeschoben. Dadurch erscheint Bruno Hübners Handeln weniger planvoll. Das wäre  sogar dann so, wenn etwas genau so gekommen ist, wie es gewünscht war. Das Misstrauen wird auf diese Weise also nur ein wenig geringer. Wir Fans suchen nach weiteren Zeichen, die uns zuversichtlich stimmen könnten.

Peter Neururer ist da auch keine große Hilfe. Im Netz steht das NRZ-Interview mit Peter Neururer nicht, da gibt es nur den Kommentar zur DFB-Pokalauslosung, die nebenbei gesagt nicht die angenehmste ist. Offline aber habe ich am Samstag ein Interview mit Peter Neururer in der NRZ gelesen, bei dem ich erneut seine Fähigkeit bewundert habe, sich in Szene zu setzen und zu versuchen, das eigene Bild in der Öffentlichkeit zu steuern. Grundsätzlich zeigt er sich loyal gegenüber dem Verein aller Vereine und erklärt mit allgemeinen Worten über finanzschwache Vereine noch einmal die misslungene Weiterverpflichtung von Markus Brzenska. Dann aber geht es um Perspektiven und da geht es natürlich auch um die Verantwortung für den Fall, dass in Zukunft etwas nicht so läuft wie gewünscht. Und was sagt Peter Neurer zu möglichen Spielerverpflichtungen auf die Frage, wer solle denn noch kommen:

Namen will ich in der Öffentlichkeit natürlich nicht diskutieren. Aber vollkommen klar ist, dass wir nach dem Weggang von Cedrick Makiadi noch einen Stürmer brauchen. Andererseits müssen wir noch Transfererlöse erwirtschaften. Aber aus diesen administrativen Dingen halte ich mich raus.

Das steht keineswegs im Widerspruch zu der „engen Abstimmung“, die es zwischen Peter Neururer und Bruno Hübner ja geben soll. Aber so ein Satz gibt Peter Neururer die Möglichkeit, später Verantwortung zurück zu weisen. So ein Satz ist gute Politiker-Tradition, nach dem Motto, wir haben da unsere Vorstellungen, aber das fällt in den Verantwortungsbereich des Koalitionspartners. Deshalb will Peter Neururer auch noch nichts über die Saisonziele sagen. Ob der Aufstieg ein realistisches Ziel sein kann, das weiß er erst Anfang August, wenn der Kader steht. Und damit es auch keiner vergisst: Aus diesen administrativen Dingen hält er sich ja raus. Sportliche Belange finden später statt.

Neururer und Labbadia gründen Selbsthilfegruppe

Peter Neururer möchte anscheinend angesichts der Entwicklungen in den letzten zwei Wochen seine Position im MSV-Geschehen etwas verdeutlichen. Dazu nutzt er seine Verbindungen zum regionalen Fußball-Fachorgan Reviersport. Angesichts des reißerischen Titels vom Artikel ist man geradezu erleichtert, wie moderat Peter Neururer hier dann mit dem Journalisten über Bande spielt und er in wohl gewählten Worten, seine Ansprüche auf den Erfolg in der nächsten Saison reklamiert.

Dennoch erschrecke ich immer wieder aufs Neue vor dem zerfahrenen Handeln der sportlichen Leitung. Wenn ich solche Artikel lese, frage ich mich, wie da die Energie der Arbeit in eine Richtung kanalisiert werden soll. Diese sportliche Leitung wird jedenfalls keine Krise durchstehen. Wenn es in der nächsten Saison nicht von Anfang gut läuft, fliegt da alles auseinander. Es ist natürlich überhaupt nicht auszuschließen, dass es auch gut laufen kann – entgegen der Wahrscheinlichkeit. Ohne Frage ist dieser glückliche Ausgang mein Wunsch. Unangenehm an dem Gedanken ist nur, dass sich die sportliche Leitung so einen Erfolg in Gänze an die Brust heften wird, obwohl der Zufall dabei eine größere Rolle spielte als in anderen Vereinen. Erfolg wäre jedenfalls aus unserer MSV-Sicht in diesem Fall das Unberechenbare und Schöne am Fußball.

Das Schöne an Vereinen wie dem MSV Duisburg ist aber, dass man als Fan seine sozialen Fähigkeiten kontinuierlich schult. Schließlich gibt es in so einem Verein der unterschiedlichen Machteinflüsse keine eindeutige Wirklichkeit des Geschehens. Es gibt bestenfalls Aussagen zu  Vorkommnissen, die müssen aber gedeutet werden. Der Fan beginnt auf Mimik und Gestik der sportlichen Leitung  zu achten, sofern er Stellungnahmen im Bewegtbild betrachtet. Weil einzelne Wörter des Gesagten oft die Aussage über die Maße bestimmen, legt er Texte aus und wird zum Exegeten mit wachsenden textkritischen Fähigkeiten. Ein Fan in einem  Vereinen wie dem MSV Duisburg erhält also, ohne dass es ihm bewusst ist, eine umfassende Weiterbildung seiner sozialen Intelligenz.

Aber es ist ja nicht so, dass es anderswo grundsätzlich besser wäre als in Duisburg. Eine Etage höher, beim HSV,  scheint Herr Hoffmann  auch höchst ungern nur Macht zu teilen. So ein bisschen sportliche Leitung braucht auch ein Vorstandsvorsitzender und das macht er mit links. Ich verstehe, dass Dietmar Beiersdorfer sich dann bei seiner Arbeit behindert fühlt. Dietmar Beiersdorfer hatte eine viel stärkere Position innerhalb des Vereins und vor allem bei den Fans als sie Bruno Hübner inne hat. Das Ergebnis der Kompetenzstreitigkeiten ist aber nun dasselbe: Unruhe, keine konzentrierte Saisonvorbereitung, die Einheit ist nicht vorhanden. Und weil Dietmar Beiersdorfer ein starker sportlicher Leiter war, kommt es zur Trennung.

Da ist es doch ein schönes Bild, wenn Peter Neururer und Bruno Labbadia sich zufällig im Flugzeug nach Mallorca begegnen. Geschieht so etwas, beginne ich zu glauben, Zufälle gibt es nicht. Da erkenne ich göttliche Fügung. Da wollte eine milde, tröstestende himmlische Macht zwei leidgeprüfte Männer zu einer Mini-Selbsthilfegruppe zusammenführen. Wahrscheinlich wird in nicht allzu ferner Zukunft Mallorca zum Mekka „fassungsloser“ Fußballtrainer. Sie werden dort in Runden sitzen, von ihren Erfahrungen erzählen und sich endlich einmal richtig verstanden wissen. Das Rahmenprogramm umfasst übrigens Tarot-Karten-Skat unter der Leitung von Peter Neururer himself.

Bis es so weit ist, beginne ich einfach mal ein paar Worte zu deuten. In Sachen Ben-Hatira hat Peter Neururer jedenfalls den ersten Zug gemacht. Ein mutiger Zug, der Bruno Labbadia und damit den HSV etwas unter Druck setzt. Vertrauen baut das allerdings nicht auf, wenn so ein Flugzeuggespräch plötzlich in der Zeitung steht.  In den Medien lanciert, nennt man so etwas, und das hat einen unangenehmen Beiklang. Vielleicht kommt es doch nicht zur Selbsthilfegruppe auf Mallorca. Ist Peter Neururer einfach nicht der Typ zu. Eine andere Problembewältigungsstrategie fällt mir zu ihm augenblicklich ein: Hilf dir selbst, sonst hilft dir keiner.

Sandro Wagners Kopfballspiel – Ich will´s wissen

Weil bei der U-21-Europameistermeisterschaft zurzeit drei Spieler im Kader der deutschen Nationalmannschaft  stehen, die in der letzten Saison beim MSV Duisburg spielten, blicken die Öffentlichkeitsarbeiter beim Verein aller Vereine gerne auch mal nach Schweden. Ein wenig Glanz der Auswahlmannschaft könnte ja vielleicht die Schwierigkeiten im Alltag überstrahlen. So richtig zum Zug kommt von den Duisburger Spielern allerdings niemand, nur Änis Ben-Hatira hat Spielzeit erhalten. Von ihm heißt es in Teilen der überregionalen Sportpresse übrigens auch, er sei ein Spieler des Hamburger Sportvereins. Da sollten sich die Sportjournalisten vielleicht an die hoffentlich vorhandene rudimentäre juristische Bildung erinnern und für ihre Kurzinfo den Unterschied zwischen Eigentümer und Besitzer hervorkramen. Fünf Tage noch ist der MSV Duisburg Besitzer von Änis Ben-Hatira, obgleich der Hamburger Sportverein in einem Eigentumsverhältnis zu dem Spieler steht. Wenn im gegenwärtigen Fußball Spieler von ihrem Stammverein mal hierhin, mal dorthin geschickt werden, „um Erfahrungen zu sammeln“, ist es vielleicht sinnvoll, die Berichterstattung um diese zusätzliche Feinheit des Rechtsverhältnisses bei Spielerverträgen zu erweitern.

Ich komme aber ganz vom Thema ab, denn eigentlich sprang mir ein Satz in diesem gestrigen Kurzbericht ins Auge, der in so deutlichem Widerspruch zu meiner eigenen Wahrnehmung steht, dass ich um Hilfe bitte:

Der 1,94 Meter große Wagner, zu dessen Stärken unter anderem das Kopfballspiel zählt, passt momentan nicht ins Konzept.

Habe ich mich da etwa vor kurzem zu weit aus dem Fenster gelehnt? Fußball ist ja ein komplexes Spiel und wie Roland Loy in seinem Statistikbuch betonte, könne eigentlich kein Zuschauer eines Fußballsspiels die Leistungen der Spieler korrekt bewerten. Niemand habe elf Spieler gleichzeitig im Blick. Zur korrekten Leistungsbeurteilung brauche es Datenerhebungen, wie er sie mit seinen Helfern vollzöge. Ich habe Sandro Wagner in den Spielen des MSV Duisburg trotz seiner Größe bislang nicht als starken Kopfballspieler erlebt. Seht ihr das anders? Vielleicht kann man so eine Leistungsbewertung ja auch mit einer Meinungsumfrage schaffen. Ich bin immer dazu bereit, falsche Meinungen zu korrigieren und hinzuzulernen. Ich will´s wirklich wissen.

Die Wirklichkeit hinter der Meldung

Das Netz als Ort aufklärerischen Handelns! Wunderbar, wie Torsten Wieland die Meldung über das Ranking zur Beliebtheit deutscher Bundesligavereine hier mal kurz auseinander nimmt.

Zu spät, um die Wogen zu glätten?

So könnte das mit der Öffentlichkeitsarbeit funktionieren, wenn jemand beim MSV die Idee früher gehabt hätte, das Geschehen der letzten Zeit sollte doch auch einmal erklärt werden. Bruno Hübner wird dazu vorgeschickt. Was eigentlich sinnvoll ist, aber nur zur halben Wahrheit führt, wenn er über die misslungene Verpflichtung Markus Brzenskas erzählt. Wir kennen eine andere Geschichte zu dem Geschehen und dazu kann er verständlicher Weise keine Stellung beziehen. Sonst müsste er über Machtverhältnisse im Verein reden und über konzeptionelles Arbeiten unter erschwerten Bedingungen. Und so färbt dieser verschwiegene Teil der Wahrheit auf alles andere ab, was Bruno Hübner erzählt. Ohne dieses andere Wissen würde das nämlich sehr vernünftig und überlegt klingen. Erst das nicht Ausgesprochene mindert das Vertrauen in Hübners Worte. Solche Stellungnahmen führen dann zu Zeitungsartikeln bei der NRZ, die die Wogen glätten könnten und verhinderten Artikel wie bei der Rheinischen Post, die den MSV einmal mehr als Verlierer dastehen lassen. Noch ist nämlich alles Meinung, und das Unberechenbare des Fußballs führt immer wieder auch zu zeitweiligem Erfolg trotz der verbesserungswürdigen Arbeit eines Vorstandes.

Halbzeit – Ein Clip

In der Welt des professionellen Fußballs wird nicht nur gespielt, sondern auch viel geredet. Interviews bringen dann manchmal schiefe Sätze hervor, die zu geflügelten Worten werden. Legendär ist die Sammlung solcher Fußballersprüche auf der nicht mehr aktiv betriebenen Seite Blutgraetsche.de. Wenn man eine Auswahl dieser komischen Sätze in einen Zusammenhang bringt, entsteht so etwas wie surrealer Sinn,  eine minimale Handlung und damit ein gelungener Kurzfilm.


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