Archiv für Juni 2009

Wie hat Sandro Wagner noch mal seine Tore geschossen?

Das Finale der U-21-Europameisterschaft gestern Abend habe ich mir nicht durchgehend ansehen können. Erst in der zweiten Halbzeit blieb Zeit für längere Spielabschnitte, bei denen hier heute Morgen nur die Perspektive MSV Duisburg zählt. Ich fühle mich nämlich bestätigt, wenn ich das Spiel von Sandro Wagner noch einmal Revue passieren lasse. Er ist trotz seiner Größe bis jetzt kein guter Kopfballspieler. In der Bedrängnis kann er sich nicht durchsetzen. Seine Stärke ist die gute Ballkontrolle beim Sprint. Deshalb ist das Sturmzentrum auch nicht sein Platz. Welche Großchance hat er vertan und wie hat er seine beiden Tore gemacht? Hoffen wir also, in der nächsten Saison können seine deutlich bemessenen Stärken in der Spielanlage vom Verein aller Vereine jederzeit berücksichtigt werden. Hoffen wir ebenfalls, der Schwung seiner zwei Tore im Finale und des damit verbundenen Titelgewinns trägt ihn noch in der nächsten Saison. Hoffen wir aber außerdem, Peter Neururer holt ihn wieder auf den Boden des Zweitliga-Alltags zurück. Die Gefahr der Selbstüberschätzung sehe ich angesichts seines Torjubels nämlich wieder aufziehen. Schließlich hatten wir diese Art inszenierten Torjubel von ihm bei seinen ersten Toren für den MSV ebenfalls gesehen, ohne dass seine Leistungen konstant blieben. Stolz soll er ruhig sein, aber um sich so egozentrisch zu feiern, wie er es im Überschwang dann manchmal tut, dazu fehlt ihm dann doch die alles überragende spielerische Klasse. Da bin ich ganz opportunistischer Fan, erst in einem solchen Fall würde ich es ihm nachsehen. Sympathisch wäre es mir dann immer noch nicht.

Während PR-Offensiven baut der kluge Trainer vor

In den Sommerwochen zwischen den Spielzeiten sehe ich mich immer wieder gezwungen, für meine Texte Anleihen bei den Kollegen aus dem Wirtschafts- und Politikressort zu nehmen. Auch alle anderen Fans betrachten mit solchen übergreifenden Perspektiven ihren Verein, selbst wenn sie sich darüber nicht im klaren sind. Für Artikel über die zukünftige Wirtschaftslage etwa werden Wirtschaftsdaten mit Expertenstimmen zu einer unterhaltsamen Prognose zusammengemischt, und nichts anderes geschieht, wenn wir uns über die Aussichten des MSV Duisburg in der nächsten Saison Gedanken machen. Bislang erzielte Tore von neu erworbenen Stürmern werden in Bezug gesetzt zu der möglichen Abwehrleistung und Aktivitäten der sportlichen Leitung werden auf ihre den Erfolg unterstützende Wirksamkeit genauestens abgeklopft.

Bei Texten über Vereine wie dem MSV Duisburg kommt aber auch noch die Politik ins Spiel. Denn wie in der Großen Koalition geht es innerhalb der sportlichen Führung auch immer um die Frage nach der groben Richtung und der Zuschreibung von Verantwortung. Zurzeit erleben wir eine PR-Offensive der Verwaltungsebene. Bruno Hübner verwandelt nicht nur die PR-Vorlagen der eigenen Leute, er stellt sich wie hier im Reviersport-Interview auch dem halbwegs kritischen Journalismus oder gibt wie hier in der NRZ dem nachfragenden Journalisten Auskunft. Sogar Ivica Grlic erhält einen Interview-Termin mit der Rheinischen Post. Die Grundhaltung allerorten ist Zuversicht. Ich habe es bereits gesagt, solche Aktivitäten kommen ein wenig spät und wirken nachgeschoben. Dadurch erscheint Bruno Hübners Handeln weniger planvoll. Das wäre  sogar dann so, wenn etwas genau so gekommen ist, wie es gewünscht war. Das Misstrauen wird auf diese Weise also nur ein wenig geringer. Wir Fans suchen nach weiteren Zeichen, die uns zuversichtlich stimmen könnten.

Peter Neururer ist da auch keine große Hilfe. Im Netz steht das NRZ-Interview mit Peter Neururer nicht, da gibt es nur den Kommentar zur DFB-Pokalauslosung, die nebenbei gesagt nicht die angenehmste ist. Offline aber habe ich am Samstag ein Interview mit Peter Neururer in der NRZ gelesen, bei dem ich erneut seine Fähigkeit bewundert habe, sich in Szene zu setzen und zu versuchen, das eigene Bild in der Öffentlichkeit zu steuern. Grundsätzlich zeigt er sich loyal gegenüber dem Verein aller Vereine und erklärt mit allgemeinen Worten über finanzschwache Vereine noch einmal die misslungene Weiterverpflichtung von Markus Brzenska. Dann aber geht es um Perspektiven und da geht es natürlich auch um die Verantwortung für den Fall, dass in Zukunft etwas nicht so läuft wie gewünscht. Und was sagt Peter Neurer zu möglichen Spielerverpflichtungen auf die Frage, wer solle denn noch kommen:

Namen will ich in der Öffentlichkeit natürlich nicht diskutieren. Aber vollkommen klar ist, dass wir nach dem Weggang von Cedrick Makiadi noch einen Stürmer brauchen. Andererseits müssen wir noch Transfererlöse erwirtschaften. Aber aus diesen administrativen Dingen halte ich mich raus.

Das steht keineswegs im Widerspruch zu der „engen Abstimmung“, die es zwischen Peter Neururer und Bruno Hübner ja geben soll. Aber so ein Satz gibt Peter Neururer die Möglichkeit, später Verantwortung zurück zu weisen. So ein Satz ist gute Politiker-Tradition, nach dem Motto, wir haben da unsere Vorstellungen, aber das fällt in den Verantwortungsbereich des Koalitionspartners. Deshalb will Peter Neururer auch noch nichts über die Saisonziele sagen. Ob der Aufstieg ein realistisches Ziel sein kann, das weiß er erst Anfang August, wenn der Kader steht. Und damit es auch keiner vergisst: Aus diesen administrativen Dingen hält er sich ja raus. Sportliche Belange finden später statt.

Neururer und Labbadia gründen Selbsthilfegruppe

Peter Neururer möchte anscheinend angesichts der Entwicklungen in den letzten zwei Wochen seine Position im MSV-Geschehen etwas verdeutlichen. Dazu nutzt er seine Verbindungen zum regionalen Fußball-Fachorgan Reviersport. Angesichts des reißerischen Titels vom Artikel ist man geradezu erleichtert, wie moderat Peter Neururer hier dann mit dem Journalisten über Bande spielt und er in wohl gewählten Worten, seine Ansprüche auf den Erfolg in der nächsten Saison reklamiert.

Dennoch erschrecke ich immer wieder aufs Neue vor dem zerfahrenen Handeln der sportlichen Leitung. Wenn ich solche Artikel lese, frage ich mich, wie da die Energie der Arbeit in eine Richtung kanalisiert werden soll. Diese sportliche Leitung wird jedenfalls keine Krise durchstehen. Wenn es in der nächsten Saison nicht von Anfang gut läuft, fliegt da alles auseinander. Es ist natürlich überhaupt nicht auszuschließen, dass es auch gut laufen kann – entgegen der Wahrscheinlichkeit. Ohne Frage ist dieser glückliche Ausgang mein Wunsch. Unangenehm an dem Gedanken ist nur, dass sich die sportliche Leitung so einen Erfolg in Gänze an die Brust heften wird, obwohl der Zufall dabei eine größere Rolle spielte als in anderen Vereinen. Erfolg wäre jedenfalls aus unserer MSV-Sicht in diesem Fall das Unberechenbare und Schöne am Fußball.

Das Schöne an Vereinen wie dem MSV Duisburg ist aber, dass man als Fan seine sozialen Fähigkeiten kontinuierlich schult. Schließlich gibt es in so einem Verein der unterschiedlichen Machteinflüsse keine eindeutige Wirklichkeit des Geschehens. Es gibt bestenfalls Aussagen zu  Vorkommnissen, die müssen aber gedeutet werden. Der Fan beginnt auf Mimik und Gestik der sportlichen Leitung  zu achten, sofern er Stellungnahmen im Bewegtbild betrachtet. Weil einzelne Wörter des Gesagten oft die Aussage über die Maße bestimmen, legt er Texte aus und wird zum Exegeten mit wachsenden textkritischen Fähigkeiten. Ein Fan in einem  Vereinen wie dem MSV Duisburg erhält also, ohne dass es ihm bewusst ist, eine umfassende Weiterbildung seiner sozialen Intelligenz.

Aber es ist ja nicht so, dass es anderswo grundsätzlich besser wäre als in Duisburg. Eine Etage höher, beim HSV,  scheint Herr Hoffmann  auch höchst ungern nur Macht zu teilen. So ein bisschen sportliche Leitung braucht auch ein Vorstandsvorsitzender und das macht er mit links. Ich verstehe, dass Dietmar Beiersdorfer sich dann bei seiner Arbeit behindert fühlt. Dietmar Beiersdorfer hatte eine viel stärkere Position innerhalb des Vereins und vor allem bei den Fans als sie Bruno Hübner inne hat. Das Ergebnis der Kompetenzstreitigkeiten ist aber nun dasselbe: Unruhe, keine konzentrierte Saisonvorbereitung, die Einheit ist nicht vorhanden. Und weil Dietmar Beiersdorfer ein starker sportlicher Leiter war, kommt es zur Trennung.

Da ist es doch ein schönes Bild, wenn Peter Neururer und Bruno Labbadia sich zufällig im Flugzeug nach Mallorca begegnen. Geschieht so etwas, beginne ich zu glauben, Zufälle gibt es nicht. Da erkenne ich göttliche Fügung. Da wollte eine milde, tröstestende himmlische Macht zwei leidgeprüfte Männer zu einer Mini-Selbsthilfegruppe zusammenführen. Wahrscheinlich wird in nicht allzu ferner Zukunft Mallorca zum Mekka „fassungsloser“ Fußballtrainer. Sie werden dort in Runden sitzen, von ihren Erfahrungen erzählen und sich endlich einmal richtig verstanden wissen. Das Rahmenprogramm umfasst übrigens Tarot-Karten-Skat unter der Leitung von Peter Neururer himself.

Bis es so weit ist, beginne ich einfach mal ein paar Worte zu deuten. In Sachen Ben-Hatira hat Peter Neururer jedenfalls den ersten Zug gemacht. Ein mutiger Zug, der Bruno Labbadia und damit den HSV etwas unter Druck setzt. Vertrauen baut das allerdings nicht auf, wenn so ein Flugzeuggespräch plötzlich in der Zeitung steht.  In den Medien lanciert, nennt man so etwas, und das hat einen unangenehmen Beiklang. Vielleicht kommt es doch nicht zur Selbsthilfegruppe auf Mallorca. Ist Peter Neururer einfach nicht der Typ zu. Eine andere Problembewältigungsstrategie fällt mir zu ihm augenblicklich ein: Hilf dir selbst, sonst hilft dir keiner.

Sandro Wagners Kopfballspiel – Ich will´s wissen

Weil bei der U-21-Europameistermeisterschaft zurzeit drei Spieler im Kader der deutschen Nationalmannschaft  stehen, die in der letzten Saison beim MSV Duisburg spielten, blicken die Öffentlichkeitsarbeiter beim Verein aller Vereine gerne auch mal nach Schweden. Ein wenig Glanz der Auswahlmannschaft könnte ja vielleicht die Schwierigkeiten im Alltag überstrahlen. So richtig zum Zug kommt von den Duisburger Spielern allerdings niemand, nur Änis Ben-Hatira hat Spielzeit erhalten. Von ihm heißt es in Teilen der überregionalen Sportpresse übrigens auch, er sei ein Spieler des Hamburger Sportvereins. Da sollten sich die Sportjournalisten vielleicht an die hoffentlich vorhandene rudimentäre juristische Bildung erinnern und für ihre Kurzinfo den Unterschied zwischen Eigentümer und Besitzer hervorkramen. Fünf Tage noch ist der MSV Duisburg Besitzer von Änis Ben-Hatira, obgleich der Hamburger Sportverein in einem Eigentumsverhältnis zu dem Spieler steht. Wenn im gegenwärtigen Fußball Spieler von ihrem Stammverein mal hierhin, mal dorthin geschickt werden, „um Erfahrungen zu sammeln“, ist es vielleicht sinnvoll, die Berichterstattung um diese zusätzliche Feinheit des Rechtsverhältnisses bei Spielerverträgen zu erweitern.

Ich komme aber ganz vom Thema ab, denn eigentlich sprang mir ein Satz in diesem gestrigen Kurzbericht ins Auge, der in so deutlichem Widerspruch zu meiner eigenen Wahrnehmung steht, dass ich um Hilfe bitte:

Der 1,94 Meter große Wagner, zu dessen Stärken unter anderem das Kopfballspiel zählt, passt momentan nicht ins Konzept.

Habe ich mich da etwa vor kurzem zu weit aus dem Fenster gelehnt? Fußball ist ja ein komplexes Spiel und wie Roland Loy in seinem Statistikbuch betonte, könne eigentlich kein Zuschauer eines Fußballsspiels die Leistungen der Spieler korrekt bewerten. Niemand habe elf Spieler gleichzeitig im Blick. Zur korrekten Leistungsbeurteilung brauche es Datenerhebungen, wie er sie mit seinen Helfern vollzöge. Ich habe Sandro Wagner in den Spielen des MSV Duisburg trotz seiner Größe bislang nicht als starken Kopfballspieler erlebt. Seht ihr das anders? Vielleicht kann man so eine Leistungsbewertung ja auch mit einer Meinungsumfrage schaffen. Ich bin immer dazu bereit, falsche Meinungen zu korrigieren und hinzuzulernen. Ich will´s wirklich wissen.

Die Wirklichkeit hinter der Meldung

Das Netz als Ort aufklärerischen Handelns! Wunderbar, wie Torsten Wieland die Meldung über das Ranking zur Beliebtheit deutscher Bundesligavereine hier mal kurz auseinander nimmt.

Zu spät, um die Wogen zu glätten?

So könnte das mit der Öffentlichkeitsarbeit funktionieren, wenn jemand beim MSV die Idee früher gehabt hätte, das Geschehen der letzten Zeit sollte doch auch einmal erklärt werden. Bruno Hübner wird dazu vorgeschickt. Was eigentlich sinnvoll ist, aber nur zur halben Wahrheit führt, wenn er über die misslungene Verpflichtung Markus Brzenskas erzählt. Wir kennen eine andere Geschichte zu dem Geschehen und dazu kann er verständlicher Weise keine Stellung beziehen. Sonst müsste er über Machtverhältnisse im Verein reden und über konzeptionelles Arbeiten unter erschwerten Bedingungen. Und so färbt dieser verschwiegene Teil der Wahrheit auf alles andere ab, was Bruno Hübner erzählt. Ohne dieses andere Wissen würde das nämlich sehr vernünftig und überlegt klingen. Erst das nicht Ausgesprochene mindert das Vertrauen in Hübners Worte. Solche Stellungnahmen führen dann zu Zeitungsartikeln bei der NRZ, die die Wogen glätten könnten und verhinderten Artikel wie bei der Rheinischen Post, die den MSV einmal mehr als Verlierer dastehen lassen. Noch ist nämlich alles Meinung, und das Unberechenbare des Fußballs führt immer wieder auch zu zeitweiligem Erfolg trotz der verbesserungswürdigen Arbeit eines Vorstandes.

Halbzeit – Ein Clip

In der Welt des professionellen Fußballs wird nicht nur gespielt, sondern auch viel geredet. Interviews bringen dann manchmal schiefe Sätze hervor, die zu geflügelten Worten werden. Legendär ist die Sammlung solcher Fußballersprüche auf der nicht mehr aktiv betriebenen Seite Blutgraetsche.de. Wenn man eine Auswahl dieser komischen Sätze in einen Zusammenhang bringt, entsteht so etwas wie surrealer Sinn,  eine minimale Handlung und damit ein gelungener Kurzfilm.

Peter Neururers Übersprunghandlung

Wie war das noch mit der Übersprunghandlung? Mein Biologieunterricht liegt nämlich auch schon einige Jahre zurück und nur langsam bekommen die schemenhaften Bilder der Erinnerung kräftigere Farben und deutlichere Konturen. Ich bitte also um Ergänzung und Korrektur, wenn meine Ausführungen zur Übersprunghandlung nicht ganz stimmen. Da gab es sowohl Hähne als auch Stichlinge, deren Verhalten damals als Beispiel für diesen ethologischen Teil der Grundbildung Biologie dienten. Wenn ich von Peter Neururers Reaktion auf das Geschehen um Markus Brzenska heute lese und etwas nachdenke, sehe ich jedenfalls Frau Schürmann an ihrem Pult über Hähne und Stichlinge redend wieder ganz lebendig vor mir.

Für die Schulbiologie sind Hähne Vögel, die vor allem mal hierhin, mal dorthin gehen und für die Hackordnung eine große Sache ist. So ein Hahn droht  dann schnell in der Gegend herum und läuft Attacke, wenn ein daherkommender Hahn mal schauen will, ob der Platz anderswo nicht doch ein bisschen schöner ist. Dann wird aus dem „mal schauen“ des einen und dem „hier nicht“ des anderen ein heftiges Gerangel, bei dem sich in der Regel die Hähne nicht schwer verletzen. Denn einer von beiden Hähnen hat irgendwann die Nase voll und beginnt ein bisschen auf dem Boden herumzupicken. Alles in Ordnung, heißt das, und irgendwas muss ich ja jetzt tun, denn flüchten will ich eigentlich auch nicht.  So ein paar Hormone sind nämlich noch in Wallung. Statt zu kämpfen oder zu flüchten werden also nicht vorhandene Körner gefressen. Und damit jeder Schüler auch versteht, worum es geht, haben die Verhaltensforscher unter den Biologen so ein Verhalten Übersprunghandlung genannt.

Ich erzähle das alles, weil wir heute wieder einmal erleben können, wir Menschen sind nicht so besonders, wie wir es gerne von uns glauben. Wir Menschen sind auch nur eine Säugetierart und Säugetiere, der Name sagt es, gehören zur Tierwelt. Daran besteht kein Zweifel. Warum sonst sollte Peter Neururer nach seiner Rückkehr aus dem Urlaub sauer auf die Verantwortlichen beim FC Energie Cottbus sein? Zumindest liest sich das in oben verlinktem Artikel so. Zu dieser Verärgerung gibt es keinen Grund. Aber die Hormone sind nun mal in Wallung, weil Markus Brzenska nicht verpflichtet wurde. Und wohin mit dem Ärger, wenn man die Machtprobe mit dem Auslöser des Ärgers zunächst mal nicht will. Wer war es nochmal, der die Verhandlungen zum Scheitern brachte. Das war nicht Bruno Hübner, das war der „Boss“ selbst. Da kann es dann schon mal zur besagten Übersprunghandlung kommen.

Ich weiß jedenfalls jetzt, wo Peter Neururer in dem Durcheinander steht.  Anscheinend hält er es im Gegensatz zu Walter Hellmich eher mit dem Einhalten von angekündigten Plänen. Bei Hähnen ist es übrigens so, dass sie gerne auch mal ein wenig weiterlaufen, bis sie ein passendes Revier für sich gefunden haben. Manchmal verbünden sich aber auch Hähne, die sich bei ihren Übersprungshandlungen zufällig treffen, gegen den alten Revierinhaber. Oder erinner ich das jetzt völlig falsch?

21.6. Nachtrag: Mit ein wenig Abstand bin ich mir immer unsicherer, ob Peter Neururer eine Übersprunghandlung im streng biologischen Sinn gezeigt hat. Handelt es sich doch um so etwas wie Aggressionsverschiebung und die Handlung selbst entspricht ja der ursprünglichen Form. Er hat ja nicht mit der Pflege einer imaginären Brut begonnen oder den nicht vorhandenen Döner in den Mund geschoben. Und wie ich bei Wikipedia nachlese, wird das Konzept inzwischen grundsätzlich kritisiert. Eine schöne Veranschaulichung gibt die Übersprunghandlung aber trotzdem her. Einigen wir uns also auf deren poetische Wahrheit und vernachlässigen wir Peter Neururers Verhalten als Beispiel für die Verhaltensforschung.

Die Last einer erwartbaren Verhandlungsniederlage

Manchmal frage ich mich für einen kurzen Moment, wo Peter Neururer in diesem Durcheinander steht. Markus Brzenska spielt also nächste Saison in Cottbus. So etwas war vorhersehbar nach diesem Dumping-Preis, den Walter Hellmich mal eben so in die Verhandlungen von Bruno Hübner dazwischen geworfen haben soll. Das ist schon komisch mit so einem Geschehen. Da steht der MSV Duisburg nun als Verlierer der Verhandlungen da. Ich hatte es schon einmal gesagt, aber vielleicht nicht deutlich genug. Die nicht erfolgte Verpflichtung von Markus Brzenska ist nicht das Problem. Auch wenn die eingespielte Innenverteidigung der letzten Saison nun nicht wieder auf dem Platz der MSV-Arena stehen wird. Wir haben die Spieler für eine wahrscheinlich funktionierende Verteidigung.

Als eigentliches Problem erweist sich in meinen Augen dieses so unnötige Gefühl der Niederlage. So etwas wirkt atmosphärisch und muss erst einmal wieder beiseite geräumt werden. Zu dieser Atmosphäre passt dann die Meldung gut, dass auch David Strihavka nicht kommen wird, weil er nach Pilsen zurückgekehrt ist. Das wird gegenüber der NRZ von Bruno Hübner sogleich als normaler Vorgang im Fußballgeschäft beschrieben. Hübner erwartet also weiter das Kommen Strihavkas. Er mag ja kommen und vielleicht wird Kouemaha gehen. Aber wieviel Energie wird mit all dem Dementieren und Zurechtrücken gebunden. Wieviel Energie wird in diesem Verein damit verbraucht, in einem manchmal richtungslos wirkenden Arbeiten einen Weg zu finden. Wie oft steht ein Handeln in der Gegenwart entgegen öffentlichem Reden der Vergangenheit? Dann braucht es wieder neue Worte.

Immer geht es alleine um das Vertrauen in die Arbeit der sportlichen Leitung. Das wiederum hat nur in Grenzen mit Bruno Hübner zu tun, sondern vor allem damit wie Walter Hellmich immer wieder in die Arbeit seines Managers hineinredet und gleichzeitig im Verein aber das Bild aufrecht gehalten wird, Bruno Hübner und Peter Neururer arbeiten in enger Abstimmung allein verantwortlich.  All diese Widersprüche brauchen viele Erklärungen und deshalb fällt es außerdem noch auf, dass die Öffentlichkeitsarbeit des Vereins aller Vereine im Grunde nicht stattfindet. Wenn erklärt wird, dann meist im nachhinein als letzte Maßnahme, die Meinung einer schon skeptischen Öffentlichkeit zu beeinflussen. Aber vielleicht ist es so, dass mehr Erklärungen von der sportlichen Leitung des MSV die Fans nur weiter verunsichern würden? Vielleicht ist die Wahrheit des Geschehens so bedrohlich für den erhofften Erfolg in der nächsten Saison, dass sich niemand traut sie zu erzählen.

Dass sich solche Gedanken einstellen und man darüber zu spekulieren beginnt, ist die eigentliche Bürde, mit der der MSV nun umzugehen hat. Markus Brzenskas Abwesenheit als Innenverteidiger in der nächsten Saison fällt dabei schon gar nicht mehr ins Gewicht.

Material für Kaffesatzleser: Änis Ben-Hatira

Wie es um den MSV und Änis Ben-Hatira in der nächsten Saison bestellt ist, weiß niemand. Einfluss auf die Chancen des MSV, den Spieler weiter ausleihen zu können, hat vielleicht auch das Auftreten Ben-Hatiras bei der U-21-Europameisterschaft. Vielleicht. Nichts Genaues weiß man nicht. Auf jeden Fall liefert Dietmar Beiersdorfer auf der HSV-Seite neues Material für die Kaffeesatzleserei. Und mancher Fan tut ja nichts lieber in dieser Zeit mangelnder Aktivitäten seines Lieblingsvereins. Deshalb sei dieses Zitat hier bekannter gemacht. Mehr sagt Herr Beiersdorfer zu Ben-Hatira allerdings nicht.

hsv.de: Herr Beiersdorfer, im ersten Spiel bei der U21-Europameisterschaft kamen gleich drei HSV-Spieler zum Einsatz. Wie haben Sie die Leistung unserer Spieler beim Unentschieden gegen Spanien gesehen?

Dietmar Beiersdorfer: Jerome Boateng und Dennis Aogo standen ja in der Startelf und beide haben von der ersten Minute an sehr konzentriert gespielt und auf mich einen sehr guten Eindruck gemacht. Aber auch Änis Ben-Hatira hat nach seiner Einwechslung das deutsche Spiel belebt und konnte gute Akzente setzten. Änis merkt man deutlich an, dass ihm die Spielpraxis, der er in Duisburg sammeln konnte, sehr gut getan hat.

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