Archiv für Juli 2009

Caiuby-Nachrichten lindern Schwindel im Kopf

Seitdem ich vom Bemühen um Caiuby Francisco da Silva gelesen habe, ist das Fenster meiner Wohnung geöffnet.  So ein Mann weckt Hoffnungen. Ich bin dann immer mal wieder am Fenster vorbei gegangen, um einen Blick hinaus zu werfen – aus sicherem Abstand. Auf keinen Fall wollte ich es mir auf der Fensterbank bequem machen, gar hinauslehnen, um etwas besser erkennen zu können. Wie oft bin ich dabei schon fast rausgefallen, wenn der MSV Duisburg an meinem Fenster beachtenswerte Fußballspieler vorbei ziehen ließ. Aber nach dieser Nachricht bleibe ich allmählich jetzt stehen, auch wenn ich kurz danach noch das hier bei „Der Westen“ las. Doch schließlich melden die beteiligten Vereine auf ihren Seiten jeweils auch Vollzug. Der MSV schränkt im Gegensatz zum VfL Wolfsburg noch etwas ein. Richtig bequem mache ich es mir deshalb erst nach dem medizinischen Test. Hoffentlich.

Angesichts des letzten Rests Unsicherheit erfasst mich vor dem Fenster für einen winzigen Moment zuweilen ein leichter Schwindel. Es handelt sich dabei um eine Zivilisationserscheinung. Ich will diesen Schwindel nicht Erkrankung nennen, sonst stehen die zu Wellness-Anbietern werdendende Ärzte schon vor meiner Tür und versprechen gegen ein leider selbst zu zahlendes  Honorar die vielleicht doch einmal bedrohlich werdende gesundheitliche Beeinträchtigung zu beseitigen. Sie müssen es selbst wissen, höre ich schon und weiß nicht mehr, ob die Ärzte dabei meine Gesundheit im Blick haben oder ihren Umsatz. Und schuld sind auch  die Verhältnisse im modernen Fußball. Denn wie das Beispiel VfB Stuttgart und Klas-Jan Huntelaar zeigt, werden nicht nur die Fans vom MSV Duisburg bei Verhandlungen um einen neuen Spielern in ihren Hoffnungen hin und her geworfen. Alleine die verhandelten Summen machen einen Unterschied und natürlich das Niveau des Spiels, auf das sich der umworbene Spieler einlassen soll. Der Schwindel des Fans bleibt gleich.

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Stimmungsschwankungen überall

Vor einigen Jahren habe ich mich einmal mit dem Begriff der öffentlichen Meinung beschäftigt. So eine öffentliche Meinung ist ja nicht ein Naturereignis. So eine öffentliche Meinung ist menschengemacht. Und weil sie menschengemacht ist, müssen die gesellschaftlichen Verhältnisse so sein, dass Meinungen öffentlich gesagt werden dürfen. Aufklärung und in Deutschland vor allem die zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts sind hier die Stichworte. In jener Zeit begann also ganz zaghaft so etwas wie öffentliche Meinung zu entstehen, und die Menschen haben sich sehr intensiv darüber Gedanken gemacht, was diese öffentliche Meinung eigentlich ist und wie sie idealer Weise zu befördern sei. Ganz aufklärungsoptimistisch, wie gerade Popularphilosophen damals so waren, glaubten diese an einen vom Verstand geleiteten Prozess.

Die Menschen – damit war das Bürgertum gemeint – sollten ihre Meinungen mit Texten in die Welt bringen. Die Leser sollten aber auch zu Verfassern von neuen Texten werden und somit zum einen das Flüchtige  der öffentlichen Meinung verfestigen und ihr zudem zu größerer Wahrheit verhelfen. Ein kleines Problem war der Irrtum in Gemeinsamkeit. Den kannte man, und Bildung sollte die Lösung  dieses Problems sein.

Klingt alles doch sehr aktuell und moderner denn je, da im Zeitalter des Internets wir endlich jenen Zustand erreichen, den die Popularphilosophen des 18. Jahrhunderts als Voraussetzung für eine aufgeklärte öffentliche Meinung eigentlich als notwendig angesehen hatten und der damals natürlich überhaupt nicht gegeben war. Heute kann jeder Leser zum Verfasser eines veröffentlichten Textes werden. Jede Stimme, sofern sie des Produktionsmittels PC und Internetzugang habhaft ist, kann gehört werden.

Allerdings war seinerzeit so etwas wie wechselhafte Stimmung eine etwas vernachlässigte Einflussgröße zur Herausbildung von öffentlicher Meinung.  Das geht mir nämlich durch den Kopf, wenn ich versuche die öffentliche Meinung zur Saisonvorbereitung beim MSV Duisburg zu erfassen. Mir kommt das so vor, als seien die der Meinung zugrunde liegenden Tatsachen keine so große Einflussgröße wie die Sorge um den Erfolg des Vereins. War es um das vorletzte Wochenende herum, als die Berichterstattung in den Print-Medien für mich aus unerklärbaren Gründen plötzlich einen positiven Klang bekam? Ende der letzten Woche nun schwankte diese Stimmung wieder in die andere Richtung. Peter Neururer wird mit seinen Aussagen zum nicht-aufstiegsfähigen Kader in den Blick gerückt. Die Situation selbst war aber überhaupt nicht verändert. Alle – die sportliche Leitung, die Spieler und die Fans –  wissen, ohne weiteren Stürmer wird es schwer. Das ist aber schon die ganze Zeit bekannt.

Es gab kein Ereignis nach dem Verhandlunsdesaster mit Markus Brzenska – das in großen Teilen ein Kommunikationsdesaster war -, das für sich genommen den zukünftigen Erfolg des MSV Duisburg wahrscheinlicher oder unwahrscheinlicher gemacht hätte und das der sportlichen Leitung anzulasten war. Der Strihavka-Wechsel scheiterte, Ben-Hatira-Verpflichtung wurde sehr unwahrscheinlich. Dafür geriet die Ausleihe von Caiuby Francisco da Silva in den Blick. Die sportliche Leitung machte also ihre Alltagsarbeit. Und da vertraut man entweder oder man vertraut nicht. Fakten werden nur durch Anwesenheit von Spielern geschaffen.

In den herkömmlichen Medien gilt, Seiten müssen gefüllt werden und immer das gleiche zu schreiben wird als uninteressant bewertet. Wie öffentliche Meinung sich verfestigt, wie also Texte der herkömmlichen Medien nun zusammenspielen mit den Texten von Lesern, die heute ebenfalls Sender oder einfacher Verfasser von Texten sein können, das lernen wir gerade erst. Die Popularphilophen der Vergangenheit hätten jedenfalls ihren großen Spaß an dem Geschehen heute, und wahrscheinlich stellten sie dann recht schnell auch fest, womöglich mit ein wenig Wehmut, neben Bildung und Verstand spielen die Emotionen beim Zustandekommen der öffentlichen Meinung keine kleine Rolle. Welche Chancen der MSV Duisburg zum Aufstieg hat, wird sich jedenfalls nicht schon jetzt endgültig entscheiden.

Lokale Perspektiven

Das Bemerkenswerte an den Zeitungen im Ruhrgebiet des WAZ-Konzerns sind die lokalen Perspektiven. Welcher Artikel kommt aus der Duisburger Redaktion und welcher aus Essen: „Zebras brachten RWE wieder ins Spiel“ oder „RWE-Fehler werden gnadenlos bestraft„? So ein Titel drückt ja Stimmungen aus und die hängen wohl vom grundsätzlichen Vertrauen in den Erfolg des Vereins ab. Darum geht es mir hier aber gar nicht. Mir geht es darum, dass der WAZ-Konzern beide Perspektiven auf „Der Westen“, nämlich demselben Portal, ins Netz stellt. So ein gemeinsamer Auftritt zweier Städte unter einer Internetidentität kann sehr unterschiedliche Folgen haben. Zum einen könnte das einen wahrscheinlich so nicht beabsichtigten Beitrag zur Entwicklung von Ruhrgebietsidentität haben, zum anderen – und das ist mit Sicherheit sehr beabsichtigt – werden Maßnahmen zur Umstrukturierung des Konzerns und insbesondere seiner Redaktionen erleichtert. Menschen, die im Ruhrgebiet die Medien beobachten, haben da so ihre Sorgen um die Qualität des Lokaljournalismus im WAZ-Konzern. Ob die berechtigt sind, kann ich nicht beurteilen. Da sind die Leute vor Ort wie hier bei den „Ruhrbaronen“ oder hier im „Pottblog“ besser informiert. Es wird nur an solchen Artikeln zu einem Derby-Freundschaftsspiel so offensichtlich, dass dieser lokale Bezug der Zeitungen, das Pfund ist, mit dem der WAZ-Konzern weiter wuchern müsste. Ich verstehe die Sorgen um die Qualität. Denn eins ist sicher: Für jemanden, der Kosten reduzieren will, ist es ganz schön verführerisch, zu einem Ereignis an dem zwei Städte des Ruhrgebiets beteiligt sind, nur noch einen Journalisten hinzuschicken. Das brächte Spielraum, um im Lokalen Redakteursstellen abzubauen. Da könnten dann in einiger Zeit zwei Spielberichte zu einem werden. Dieser Spielbericht wäre aus einer wie auch immer aussehenden neutraleren Perspektive geschrieben. Das wäre schade – trotz aller notwendiger Ruhrgebietsidentität.

Spielt Ben-Hatira gut genug für eine allerletzte Chance?

Eltern kennen das.  Lehrer kennen das. Außenminister kennen das auch, und Trainer einer Fußballmannschaft natürlich. Mancheiner denkt  an Erziehung, andere an die Durchsetzung von Interessen. Immer geht es aber um Konsequenz und um den Einfluss des Handelns auf die Art der sozialen Beziehung. Denn nichts bestärkt jemanden so sehr in seinem, nennen wir es mal ganz allgemein unerwünschten Handeln, wie eine Drohung, die ohne Folgen bleibt. Wenn also ein unerwünschtes Handeln eingetreten ist, muss sich derjenige, nämlich in dem Fall der MSV, der entgegen eines ausgesprochenen Ultimatums „Ben-Hatira eine letzte Schonfrist“ gibt, sehr viel einfallen lassen, wie er unbeschädigt aus der Geschichte herauskommt. Das kann gelingen. Doch es gelingt nicht ohne viele Worte und vor allem nicht ohne eine Art Friedensangebot von der anderen Seite.

Liest und hört man die Kommentare der Fans, haben sie ein untrügliches Gespür dafür, was auf dem Spiel steht. Da geht es um die Autorität von Peter Neururer, und da geht es um die Stimmung in der Mannschaft. Es geht um den Zusammenhalt einer Gruppe von Menschen mit sehr unterschiedlichen Interessen. Es geht um die Einheit des Kaders. Änis Ben-Hatira spielt nicht so gut, als dass das Bemühen um seine Weiterverpflichtung den Prozess des weiteren Zusammenwachsens dieses Kaders gefährden dürfte. Das hat auch mit Selbstachtung zu tun. Wie sehr erachtet es die sportliche Führung für notwendig einen Spieler wie Änis Ben-Hatira zu verpflichten? Diese Frage steht im Raum. Das Bemühen um Ben-Hatira nehmen seine Kollegen wahr und das wirkt auf ihr Selbstbild zurück. Sie setzen ihre eigene Spielstärke in Bezug zu diesen Bemühungen. In der letzten Saison gab es keinen Spieler beim MSV Duisburg, dessen spielerische Fähigkeiten als Einzelspieler die Mannschaft auf ein anderes Niveau gehoben hätte. Zu diesem Zeitpunkt der Saisonvorbereitung  muss das Hauptaugenmerk auf das Wachsen von Einheit gelegt werden. Das Training des Fußballs ist dazu Mittel zum Zweck. Die Einheit entsteht indem die Spieler feststellen, hier herrschen klare, nachvollziehbare Regeln und hier gibt es eine gerechte Wahrnehmung der erbrachten Leistung mit der entsprechenden Wertschätzung. Dieser Prozess wird gefährdet durch die allerletzten Chance, die jemanden gewährt wird, der gut Fußball spielt, aber nicht so gut, dass ihm die Kollegen alles nachsehen werden.

Ben-Hatira weiß nichts, doch ihm wird geholfen

Oft bevorzugen wir Menschen ein schnelles Urteil. Das ist ein Urinstinkt. So ein schnelles Urteil war einmal verdammt hilfreich, um jene einzige  Entscheidung zu treffen, die nötig war, um nicht der nächsten Raubkatze das Tagesmahl abzugeben. Andererseits ist das Leben seitdem ein wenig komplizierter geworden, heute heißt das nicht mehr bei dem einen deutlich erkennbaren Signal zu flüchten, sondern eigene Hoffnungen für die Zukunft, abgeschätzte Möglichkeiten zur Verwirklichung der Hoffnungen und die Bewertungen von vielen anderen Menschen zur Situation im Besonderen und dem Leben im Allgemeinen zueinander in Bezug zu setzen. Deshalb kann es schon mal sein, dass ein Änis Ben-Hatira an dem einen Tag nicht glaubt, eine ganze Saison beim Zweitliga-Verein MSV Duisburg passten zu seinen hochfliegenden Zukunftsplänene und er am nächsten Tag denkt, es könne ihn vielleicht doch weiterbringen in der Zweiten Liga mit großer Wahrscheinlichkeit mehr Spielzeit zu erhalten als in irgendeinem Verein der Ersten Liga. Er steht also vor der Frage, tausche ich eine gewisse Sicherheit gegen ein unkalkurierbares Risiko? Er steht vor der Frage, bin ich gut genug, dieses Risiko auf mich zu nehmen? Er steht vielleicht auch vor der Frage, was macht das für einen Eindruck, wenn ich den scheinbar leichteren Weg in Duisburg gehe als mich der stärkeren Konkurrenz in einem Erstliga-Verein zu stellen? So viele Einflussgrößen bei einer Entscheidung, einem Urteil! In so einem Fall von Entscheidungsstarre ist es immer gut, wenn Einflüsse von außen die Sache voranbringen.

Der Fressfeind als Entscheidungszwang von einst erweist sich heute für Änis Ben-Hatira als die sportliche Führung des MSV Duisburg. Und einmal mehr überzeugt mich die Zusammenarbeit von Peter Neururer und Bruno Hübner – in diesem Fall  im Umgang mit der Personalie Änis Ben-Hatira. Es ist ihr Zusammenspiel, das einem Menschen wie Änis Ben-Hatira Orientierung bietet und zwar in zweierlei Hinsicht. Zum einen braucht er nie zu grübeln, was für Menschen Peter Neururer und Bruno Hübner sind und welche Motive sie bewegen. Er wird anhand des Ultimatums von Peter Neururer sofort erkennen, das ist der harte Hund, der um meine Fähigkeiten weiß, der mir aber auch Grenzen setzt. Peter Neururer gibt den „bösen Cop“ als Teil der sportlichen Leitung. Änis Ben-Hatira kann aber gleichzeitig erkennen, bei Bruno Hübner findet er Verständnis und Zuwendung. Er steht für die Nestwärme und die Heimat. Bruno Hübner gibt den guten Cop. So kann Änis Ben-Hatira über die Menschen der sportlichen Leitung schnelle Urteile fällen, weil sie die Interessenlagen des MSV Duisburg in der komplexen Entscheidungssituation unter sich aufteilen. Gleichzeitig geben aber beide zusammen Änis Ben-Hatira die notwendige Orientierung, sein Urteil über die Zukunft beim MSV zu fällen.

Peter Neururer und Bruno Hübner ergänzen sich in ihrer Arbeit perfekt. Das steht nicht im Widerspruch zu den Distanzierungen Peter Neururers, die es ja auch gegeben hat. Manchmal gibt es auch in einem gut zusammen arbeitenden Team Dinge, die nicht jeder tragen will. Ich merke, das wird mir hier angesichts so häufiger heftiger Kritik an Bruno Hübner zu einer kleinen Solidaritätsadresse für ihn. Wenn ich lese, wie er im RevierSport-Interview seine Arbeit erklärt, sehe ich planvolles Handeln und nachvollziehbare Gründe für seine Aktivitäten. Die Grenzen, in denen er arbeitet, hat er nicht zu verantworten. Deshalb kann es eigentlich nur heißen, lasst Bruno Hübner mit der Presse sprechen, dann verstehen wir, was beim MSV zumindest geschehen soll.

Fußballer am Theater

Dass Fußballer sich mit Haut und Haaren einem Verein verschrieben, das gäbe es fast nicht mehr. Es würden schon bei den ganz jungen Sonderbedingungen ausgehandelt. Die Situation beträfe aber alle Vereine, sogar den FC Bayern München, der ja nun wirklich in Geld schwimme.

Das, so meine ich, hat gestern Karin Beier, die Intendantin des Kölner Schauspielhauses, in einem Interview mit dem Kölner Stadt-Anzeiger gesagt. In dem Interview war sie auf die Perspektiven ihrer Arbeit zu sprechen gekommen. Da ging es um sie überraschende Publikumsbegeisterung, Probleme durch den anstehenden Neubau des Schauspielhauses, aber auch um allgemeine Entwicklungen in der Theaterlandschaft und das Verhältnis zu den Schauspielern. Aber wieso hat sie denn dann über Fußballer geredet?

Quatsch, das waren natürlich gar nicht Fußballer. Und ich begann gerade schon zu denken, mit ihren Bemerkungen hinkt sie der Zeit aber ganz schön hinterher. Damit keine Missverständnisse aufkommen, hier das Originalzitat:

Bei unserem vorhergehenden Gespräch bedauerten Sie, dass so etwas wie eine Ensemblebildung kaum noch stattfindet.

BEIER: Dass Schauspieler sich mit Haut und Haaren einem Theater verschreiben, das gibt es fast nicht mehr. Es werden schon bei den ganz jungen Sonderbedingungen ausgehandelt. Die Situation betrifft aber alle Bühnen, sogar das Burgtheater, das ja nun wirklich in Geld schwimmt. Ich verstehe es, aber ich finde es schade.

Einige Ihrer Schauspieler sind bereits an größere Häuser gewechselt.

BEIER: Da guckt einfach jeder für sich nach dem Besten. Ich versuche damit so umzugehen, dass ich mich nicht persönlich gekränkt fühle. Das ist mitunter nicht leicht. Man hat ja diesen Menschen auch eine Chance gegeben, sie groß gemacht. Aber das wird immer wieder passieren. Deshalb muss man auch eine gewissen Distanz halten. Was man so gemeinhin Professionalität nennt.

Kölner Stadt-Anzeiger, Nr. 156, 9. Juli 2009

Mit den Bindungen in unserer Gegenwart ist das also so eine Sache. Interessant und natürlich auch schon oft beredet und beleuchtet ist jedenfalls der Widerspruch zwischen dem tatsächlichen Verhalten und dem, was als Sehnsucht der Menschen immer wieder zum Ausdruck kommt. Da zeigt man sich im einen Augenblick flexibel und sucht die Chance zum nächsten Karriereschritt. Im nächsten Moment, eher als Konsument möchte man auf Kontinuität vertrauen, sucht man das Ideal der Dauerhaftigkeit. Da geht es um innere Bindung, die das Fortkommen hemmt und diesen Widerspruch tragen wir in uns selbst. Und schon gehen die wildesten Gedanken wieder durcheinander von Richard Sennets Kapitalismuskritik mit dem Blick auf die heute von Arbeitnehmern geforderte Flexibiliät bis hin zur Frage nach den persönlichen Werten.

Was mich am FC Bayern München erstaunt

Wenn ich in München nach Ausflugszielen für junge, hippe Städtetouristen suche, komme ich am FC Bayern München nicht vorbei. Denke ich zumindest angesichts des Unterhaltungswerts von Fußball für diese Gesellschaft und des Erfolgs des Vereins. Ganz selbstverständlich bin ich also davon ausgegangen, dass der FC Bayern München all seinen überall in Deutschland wohnenden Fans während ihres München-Aufenthalts Gelegenheit gibt, die Geschichte und vor allem auch die Pokale dieses Vereins in einer entsprechend aufbereiteten Ausstellung bestaunen zu können. Dem ist nicht so. Es gibt kein Vereinsmuseum. Die Pokale stehen in der Geschäftsstelle. Da kann ein Blick drauf geworfen werden, wenn man mal beim öffentlichen Training vorbeischaut. Aber Vereinsgeschichte? Nichts davon. Merkwürdig. Dabei sind sie doch sonst immer ganz vorne dabei gewesen in der Entdeckung möglicher Geschäftsfelder über den eigentlichen Sport hinaus. Zumal ich mit Uli Hoeneß gerade dort jemanden erlebe, dem traditionelle Werte nicht egal sind. Zu diesen traditionellen Werten gehört doch aber auch das Bewusstsein für die Vergangenheit.


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