Nein, noch kein Urlaub …

Im Stadionbus herrscht keine Urlaubsstimmung, auch wenn es in den letzten Tagen vielleicht so aussah. Der Urlaub wird demnächst kommen, das ist sicher. Doch zurzeit fliegen Fakten und Gerüchte weiter durch die Luft, nur muss ich zeitgleich die Voraussetzungen für besagten Urlaub schaffen. Deshalb nehme ich Fakten und Gerüchte nur an der Oberfläche wahr und nehme die Wirklichkeit einmal so, wie sie zu sein vorgibt. Ich habe keine Zeit sie zu deuten.

Allerdings braucht es auch keine weitere Information als diese: „MSV hat noch Lücken in Kader und auf der Brust„? Sonst im Leben halte ich mich ja auch an Tatsachen und verschwende meine Energie nicht an Unwägbarkeiten. Wenn selbst jene Spieler nicht den Weg nach Duisburg finden, die bereits Verträge unterzeichnet haben, habe ich einfach keine Lust mehr, mir bis zum Saisonanfang weitere Gedanken über den Kader zu machen.

Da muss ich dann feststellen, die sportliche Leitung arbeitet nun mal in einem Segment unserer Volkswirtschaft, in dem Verträge nicht ganz so viel wert sind wie in anderen Bereichen unseres Wirtschaftssystems. Man befindet sich in diesem Segment inzwischen nicht weit weg von jenen Kulturen des Wirtschaftens, wo neben dem offiziellen Preis noch allerlei andere geldwerte Vorteile beim Geschäft eine Rolle spielen. Notfalls darf so was Geldwertes dann auch schon mal in kleinen Scheinen rübergereicht werden, also bleibt so ein Strihavka dann doch bei dem einen Verein, für den er nächste Saison so gerne spielen wollte. Beim anderen Verein, auf den sich der Spieler ebenfalls sehr freute, ist das Thema laut Peter Neururer ja durch. Ich hätte gerne ungebrochenes Mitleid mit der sportlichen Leitung. Das wäre ein Ausdruck meines Vertrauens in sie. Ihr könnt euch aber denken, dass ich mich zur Ordnung rufe, wenn dieses Mitleid aufkommt? Ungebrochenes Mitleid lasse ich erst zu, wenn ich über einen längeren Zeitraum hinweg erkennen konnte, das planvolle Arbeiten wird in Geschlossenheit versucht.

Solches Kritisieren stellt sich einfach ein. Ich will das nicht und würde gerne über all diese mich störenden Dinge hinwegsehen. Das gelingt mir aber nur im Stadion selbst. Vorher muss ich mich damit auseinandersetzen, ob die Unwägbarkeiten der Spieltagplanung in mein Leben hineinpassen und ich die Dauerkarte in diesem Jahr dann doch besser sein lasse. Dann denke ich, wie geht man mit mir doch kaufbereiten Kunden eigentlich um? Bin ich so viel weniger wert als der potentielle Fernsehzuschauer? Anscheinend schon. Da konkurriere ich also beim Ringen um die Gunst der DFL als Kunde im Stadion mit den Kunden am Fernseher. Wenn ich noch länger darüber nachdenke, bekomme ich so schlechte Laune. Dann fühle ich mich zum unbezahlten Statisten degradiert. Meine Anwesenheit im Stadion ist für die Inszenierung des Unterhaltungsprogramms notwendig. Und für meine Statistenrolle werde ich nicht einmal bezahlt. Dieses Nachdenken über meine Rolle als Zuschauer des professionellen Fußballs schmeißt mich hin und her und führt hier mal wieder viel zu weit. Auch das kennt ihr inzwischen. Da müssen grundsätzliche Texte her. Ob die dann geschrieben werden? Bald beginnt die Saison. Vorher der Urlaub.

Vorher aber auch noch die Meldung vom Samstag im Kölner Stadt-Anzeiger zu Lukas Podolski. Ein Lehrstück darüber, wie eine Sportredaktion eine mögliche, lang laufende Geschichte vorbereitet. Titel des Artikels: „Podolski muss weiter warten“. Der 1. FC köln hat nämlich das zweite Testspiel absolviert und Lukas Podolski hat in den jeweils zwei Halbzeiten, die er spielte, kein Tor geschossen. Die nicht vorhandene Nachricht wird selbst in Köln auch durch den Namen Lukas Podolski nicht berichtenswerter. Das weiß  auch der namenlose Journalist oder die Redaktion und es wird zu den wenigen Sätzen über den 7:0-Sieg des FC gegen eine Rhein-Erft-Auswahl  ein entscheidender Satz hinzugefügt, der je nach Lage der Dinge zum Spielball der zukünftigen Berichterstattung werden kann: „Es gibt bereits Leute, die die Minuten zählen, denn die Gegner werden ja nicht leichter.“

Wenn einer von über 20.000 Menschen bei seinem ersten Training beobachtet wird, können Texte über diesen Mann viele Seiten füllen und entsprechend viele Menschen zum Kauf einer Zeitung anregen. Der Keimling für die tragische Geschichte um den so erfolglosen Heimkehrer Lukas Podolski ist jedenfalls gesetzt.

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