Fußballer am Theater

Dass Fußballer sich mit Haut und Haaren einem Verein verschrieben, das gäbe es fast nicht mehr. Es würden schon bei den ganz jungen Sonderbedingungen ausgehandelt. Die Situation beträfe aber alle Vereine, sogar den FC Bayern München, der ja nun wirklich in Geld schwimme.

Das, so meine ich, hat gestern Karin Beier, die Intendantin des Kölner Schauspielhauses, in einem Interview mit dem Kölner Stadt-Anzeiger gesagt. In dem Interview war sie auf die Perspektiven ihrer Arbeit zu sprechen gekommen. Da ging es um sie überraschende Publikumsbegeisterung, Probleme durch den anstehenden Neubau des Schauspielhauses, aber auch um allgemeine Entwicklungen in der Theaterlandschaft und das Verhältnis zu den Schauspielern. Aber wieso hat sie denn dann über Fußballer geredet?

Quatsch, das waren natürlich gar nicht Fußballer. Und ich begann gerade schon zu denken, mit ihren Bemerkungen hinkt sie der Zeit aber ganz schön hinterher. Damit keine Missverständnisse aufkommen, hier das Originalzitat:

Bei unserem vorhergehenden Gespräch bedauerten Sie, dass so etwas wie eine Ensemblebildung kaum noch stattfindet.

BEIER: Dass Schauspieler sich mit Haut und Haaren einem Theater verschreiben, das gibt es fast nicht mehr. Es werden schon bei den ganz jungen Sonderbedingungen ausgehandelt. Die Situation betrifft aber alle Bühnen, sogar das Burgtheater, das ja nun wirklich in Geld schwimmt. Ich verstehe es, aber ich finde es schade.

Einige Ihrer Schauspieler sind bereits an größere Häuser gewechselt.

BEIER: Da guckt einfach jeder für sich nach dem Besten. Ich versuche damit so umzugehen, dass ich mich nicht persönlich gekränkt fühle. Das ist mitunter nicht leicht. Man hat ja diesen Menschen auch eine Chance gegeben, sie groß gemacht. Aber das wird immer wieder passieren. Deshalb muss man auch eine gewissen Distanz halten. Was man so gemeinhin Professionalität nennt.

Kölner Stadt-Anzeiger, Nr. 156, 9. Juli 2009

Mit den Bindungen in unserer Gegenwart ist das also so eine Sache. Interessant und natürlich auch schon oft beredet und beleuchtet ist jedenfalls der Widerspruch zwischen dem tatsächlichen Verhalten und dem, was als Sehnsucht der Menschen immer wieder zum Ausdruck kommt. Da zeigt man sich im einen Augenblick flexibel und sucht die Chance zum nächsten Karriereschritt. Im nächsten Moment, eher als Konsument möchte man auf Kontinuität vertrauen, sucht man das Ideal der Dauerhaftigkeit. Da geht es um innere Bindung, die das Fortkommen hemmt und diesen Widerspruch tragen wir in uns selbst. Und schon gehen die wildesten Gedanken wieder durcheinander von Richard Sennets Kapitalismuskritik mit dem Blick auf die heute von Arbeitnehmern geforderte Flexibiliät bis hin zur Frage nach den persönlichen Werten.

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