Archiv für August 2009

Mit zwei Stürmern durch die Saison?

Da will ich nur ein paar Ergebnisse nachsehen und was lese ich da bei Kicker online? Und hier steht es beim MSV Duisburg auch offiziell auf der Seite. Wenn ich schon Brügge höre! Wir sehen also morgen Cayubi in der Startelf und Dorge Kouemaha erwartet eine große Zukunft für sich in Flandern. Ich bin schon mit ganz anderen Nachrichten fertig geworden. Und ob das schlecht ist, wird sich noch erweisen. Schlecht ist allerdings die Tatsache, dass dem MSV Duisburg nun allmählich die Stürmer ausgehen. Darf nicht allzu viel passieren den zwei antretenden Spielern Wagner und Caiuby. Und wenn ich da beim MSV lese, in Kürze hoffe man einen neuen Stürmer zu verpflichten, ist das die altbekannte  Schwurbel-PR. Denn wenn ich das recht verstanden habe mit dem Transferschluss, bleibt da ja nicht allzu viel Zeit. Aber vielleicht klärt mich ja einer über Ausnahmen auf und ich lege mich wieder entspannt zurück. Der 31. August ist doch morgen oder befindet sich Duisburg in einer anderen Zeitzone?

Nachtrag: Gerade lese ich auf „Der Westen“ vom mittrainierenden Franzosen David Gigliotti vom AS St. Etienne. Aber in Zeiten wie diesen glaubt man ja nur noch dann etwas, wenn der Mann im Stadion bei seinem ersten Spiel gesichtet wurde. Ich gucke mir das also jetzt nicht näher an, was man so über ihn im Netz lesen kann.

Mir geht aber noch erneut die Wertung des Geschehens durch den Kopf. Es ist ja nicht der Wechsel als solcher sondern der Zeitpunkt und die Dringlichkeit, die eine sich gerade findende Mannschaft in ihrer Spielstärke zumindest am morgigen Tag bedroht. Nicht, weil Kouemaha so gut spielte, sondern weil die Stimmung innerhalb der Mannschaft den größten Teil des Erfolgs eines Vereins in der Zweiten Liga ausmacht.

Es geht tatsächlich um die Einheit, die nun erst einmal wieder hergestellt werden muss. Das bedeutet Arbeit. Das ist noch längst keine Verunsicherung, sondern so etwas kennt jeder in seinem Leben, wenn die gewohnten Zusammenhängen unabhängig des eigenen Dazutuns sich ändern. Die Beschäftigung mit der Veränderung braucht Aufmerksamkeit. Aufmerksamkeit, die die Konzentration auf die eigentliche Arbeit vielleicht etwas stört. Hoffen wir also, dass Peter Neururer die Mannschaft schnell mit der veränderten Lage vertraut macht und der andere Spielertyp Caiuby im Spiel der Mannschaft aufgeht.

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Umfassende Spielvorbereitung II: Das Stadion wird voll

Über die Zuschauerzahl am kommenden Montagabend machte sich auch Peter Neururer  seine Gedanken. So ist in der Rheinischen Post zu lesen, dass er bei Begegnungen mit Journalisten die ganze Woche über immer wieder um die Unterstützung der Fans warb. Die Atmosphäre eines Auswärtsspiels in der MSV-Arena  schien ihm möglich.

Dabei frage ich mich ja, wo so eine Vermutung von zehntausend anreisenden Düsseldorfern das erste Mal ausgesprochen wurde. Das hat wahrscheinlich auch mit Zeitvertreib zu tun. Denn irgendeine Zahl muss ja mal in den Raum gestellt werden. Erst dann haben wir den Knochen, den man hin und hertreibt, um mit viel Lust dran rumzunagen, sobald man ihn wieder gepackt hat.

Auch bei den Fans im MSVPortal wurden angesichts der bedrohlich wirkenden Zahl Krisengespräche getippt. Und wie bei jedem anderen Katastrophenthema auf der Welt, bei dem die Faktenlage unklar ist,  bestimmt die Persönlichkeit, das Ausmaß der beschriebenen nahenden Gefahr. Wer eher beruhigend wirken will, berechnet die Zahl von Düsseldorfer Fans bei Auswärtsspielen in Relation zu den absoluten Zuschauerzahlen bei den Heimspielen der Fortuna und lässt als die Zahl bestimmende Variable zudem noch eine allgemeine Reiseunlust von Düsseldorfern zum Tragen kommen. Die Prognose landet dann bei etwa 5000 Düsseldorfer Fans. Die Apokalyptiker unter den Duisburger Fans vernachlässigen die Heimspielbesucherzahlen und rücken sowohl die Nähe der beiden Städte in den Blick als auch eine weiterhin bestehende, die Reiselust gerade steigernde Begeisterung über den Wiederaufstieg. So jemand könnte sicher auch mehr als  die genannten 10.ooo Düsseldorfer Fans erwarten, aber um keine Panik aufkommen zu lassen, belässt er es bei den 10.000. Diese Zahl ist schon Besorgnis erregend genug und zwingt zum Handeln.

Wie nun der MSV Duisburg mitteilt, sind die Krisengespräche nicht ohne Wirkung auf die Duisburger Fans geblieben. Die König-Pilsener-Tribüne ist ausverkauft. Man ist also bereit der möglichen Stimmgewalt der Düsseldorfer Fans etwas entgegenzusetzen. Schaut man sich bei der Fortuna im Netz ein wenig um, kommt es mir angesichts von bislang 22.000 verkauften Eintrittskarten so vor, als könnten wir ganz zuversichtlich auf den Montag blicken. Bei der Fortuna war gestern nämlich zu erfahren, „mehr als 4.000“ Düsseldorfer Fans haben Karten erstanden. Und ich hoffe, auch diese Fans werden spätestens dann schweigen, wenn der MSV Duisburg seine Leistungen der letzten zwei Spiele wiederholt, sich dabei deutlichere Chancen erarbeitet und zwei von diesen Chancen schon in der Ersten Halbzeit zur Führung nutzt.

Umfassende Vorbereitung auf den nächsten Gegner

Allmählich wird es auch hier Zeit an das Spiel gegen Fortuna Düsseldorf  am nächsten Montag zu denken. Die letzte Begegnung ist nun schon ein paar Jahre her, und da bemerke ich nun, wie wenig ich inzwischen über den Verein noch weiß. Es gibt aber Abhilfe. Bei Interesse an Hintergrundinformation über Fortuna Düsseldorf  verweise ich gerne auf janus und dessen zu Beginn der Saison geschriebenen Einschätzung über seinen Lieblingsverein. Ihm geht es neben den sportlichen Belangen um ganz viel Führungsarbeit des Vereins. Sehr informativ also nicht nur für Fußballfans sondern auch für alle mit Interesse an der Organisation von Macht.

Ihr seid das Ruhrgebiet

Frauenfußball, so kommt es mir heute morgen vor, ist bestens dazu geeignet als Beispiel dafür zu dienen, dass es beim Sport nie (!) immer nur um den Sport geht. Es geht immer auch um vieles andere mehr. Manchmal soll der Sport als Großereignis dazu dienen, Missstände einer Gesellschaft zu verdecken. Manchmal fokussieren sich in ihm aber auch soziale Entwicklungen und kann der Sport dazu beitragen, etwas voranzubringen, was auch in anderen Bereichen der Gesellschaft gewünscht wird.

Die Fußballerinnen des FCR 2001 Duisburg wollen für ihre Heimspiele in der Champions League  in die Nachbarstadt Oberhausen ausweichen. Die Betriebskosten der MSV-Arena sind ihnen angesichts vager Einnahmen zu hoch, ein kleineres Stadion, tauglich für die Abendspiele der Champions-League, steht in Duisburg nicht zur Verfügung. Das Niederrheinstadion als Heimat von Rot-Weiß-Oberhausen bot sich daher als Spielort an. In Duisburg wird nun sehr bedauert, dass ein Duisburg repräsentierender, erfolgreicher Verein die Stadt für wichtige Spiele verlässt. Das kann ich verstehen und wohnte ich noch in Duisburg, fehlte mir vielleicht jene Perspektive, die ich als zukunftsweisend empfinde und die man in Duisburg und Oberhausen probeweise einmal einnehmen könnte.

Das Bedauern in Duisburg speist sich ja nicht nur aus der Klage über die unzureichende Beachtung der Fußballerinnen sondern auch aus dem Gefühl, in einer Art Wettbewerb, dem Konkurrenten unnötigerweise einen Vorteil gewährt zu haben.  Wir wissen, städtische Identitäten im Ruhrgebiet sind trotz allen öffentlichen Redens um eine Einheit des Ruhrgebiets sehr lebendig. Für mich bietet nun gerade die Stadionsuche des FCR 2001 Duisburg die Gelegenheit, bei einem alltäglichen Geschehen die Perspektive der Einheit einmal einzunehmen. Probiert aus, wie sich das anfühlt, die Nachbarstadt nicht als Konkurrenten sondern als Partner wahrzunehmen.

Selbstverständlich wandelt sich so etwas wie städtische Identität nur über eine langen Zeitraum hinweg, und die Eliten der Ruhrgebietsstädte gehen da nicht immer mit gutem Beispiel voran, um die als positiv gewertete Idee einer stärkeren Einheit des Ruhrgebiets voranzubringen. Um so wirkungsvoller kann der Perspektivwechsel bei einem so bodenständigen Thema wie dem Sport sein. Sicher müssten beide Städte, das heißt ihre Bewohner, in ihrem Selbstbild etwas aufgegeben. Weil man gewohnte Dinge nun mal nicht gerne aufgibt, müsste gesagt werden, was man stattdessen erhält. Aus meiner Sicht wird in den Städten Handlungsspielraum hinzugewonnen. Und da geht es letztlich um Geld, um die möglichen städtischen Angebote und damit um die Lebensqualität der Bewohner des Ruhrgebiets.

Unabhängig von den genauen Umständen, warum es die Flutlichtanlage im Homberger Stadion noch nicht gibt, stellt sich mir mit dem Kölner Abstand die Frage, muss diese Flutlichtanlage wirklich notwendig sein. Es liegt auf der Hand, dass eine Antwort dann anders ausfällt, wenn die Zusammenarbeit von Duisburg und Oberhausen eine Selbstverständlichkeit wäre. Was gewinnt Duisburg aber hinzu, wenn der Ruhm der Fußballerinnen nach Oberhausen für einzelne Abende abgegeben wird? Eine Flutlichtanlage kostet Geld, und wenn ich die lokalen Gegebenheiten in Duisburg beobachte, kommt es mir so vor, als sei dieses Geld etwa viel besser im geplanten Neubau für Stadtbibliothek und VHS angelegt. Man mag einwenden, da gibt es noch ganz andere unsinnige Projekte in der Stadt. Mir geht es aber nicht um den Wert einzelner Projekte, sondern darum anhand eines Beispiels zu zeigen, warum eine andere Haltung zur Identitätsfrage im Ruhrgebiet ganz konkrete, für die Bewohner der Region  positive Folgen haben kann.

Auswärts beim FC St. Pauli oder Die Spielbewertung herauslesen

So groß ist meine Familie nun auch nicht, und nun kam es schon zum zweiten Mal in diesem Jahr zum Zusammentreffen von bedeutender Familienfeier und Spiel des MSV Duisburg. Alles nur Schuld dieser so kurzfristig terminierten Spieltage, da ich beim Datum der Familienfeier sogar ein wenig Mitspracherecht hatte. Und da das Samstagspiel in dieser Saison zudem so früh stattfindet, gab es nicht einmal die Möglichkeit, eine Radioreportage zu verfolgen. Zu Beginn einer Feier geht das einfach nicht.

Deshalb Meinung bilden wie in alten Zeiten beim Lesen von journalistisch inspirierten Spielberichten bei RevierSport, Kicker, Rheinische Post, Der Westen; von Blogs: Tina oder von Augenzeugenberichten im  MSVPortal. Aus dieser Melange von Fakten und unterschiedlichen Meinungen schließlich Schlüsse ziehen. Das ist in diesem Fall gar nicht so schwierig, weil die Bewertung des Spiels nur in wenigen Fällen auseinander geht. Ein paar Mal lese ich etwas von Enttäuschung, weil aus dem Überzahlspiel bei einer empfundenen Überlegenheit des MSV in der zweiten Halbzeit mehr hätte herausspringen müssen. Lese ich aber gleichzeitig auch von den Chancen St. Paulis in der ersten Halbzeit und der Riesenmöglichkeit zum 3:1, denke ich eher, Leute, seid zufrieden. Das Ergebnis ist genau das vorher Erhoffte. Für mich ist es sogar noch mehr: Es ist erneut ein Beleg dafür, dass die Mannschaft an sich glaubt. Genau das zählt auf die lange Frist der gesamten Saison. Genau das stimmt mich für die nächsten Spieltage zuversichtlich.

Natürlich wirkt die wacklige Defensive weiter bedrohlich, wobei hier unterschiedlich Gewichtungen der Hauptgefahrenquelle gesehen werden. Peter Neururer rückt das defensive Mittelfeld in den Blick, Bodzek und Tararache hätten ihre Arbeit dieses Mal nur unzulänglich erfüllt. Bei seiner Meinung muss man aber auch im Blick halten, er spricht auch als Manipulator der öffentlichen Meinung zum Schutz seiner Spieler. Da möchte er vielleicht Druck von den Abwehrspielern auf jene umverteilen, die ihn dank guter Leistungen in den letzten Spielen besser vertragen können. Liest man die Journalisten, hatte Olivier Veigneau keinen guten Tag. Was ein paar Zuschauerstimmen bestätigen. Frank Fahrenhorst dagegen muss nicht so schlecht gewesen sein wie im Spiel gegen Cottbus, auch wenn erneut manche heftige Kritik von Zuschauern auf ihn niedergeht. Dennoch gibt es zum ersten Mal auch andere Stimmen, die ihm eine eher solide Leistung bescheinigen. Das  scheint mir ein Hinweis darauf, dass es mit seiner Spielqualität in die richtige Richtung geht.

Im Spiel nach vorne wirkt der MSV anscheinend weiter gefestigt und das bei eher mäßigen Leistungen der Einzelspieler. Auch das ist etwas, was mich positiv stimmt. Das Spiel des MSV Duisburg wird durch diese Geschlossenheit weniger anfällig. Selbst ein nicht ganz so guter Sandro Wagner macht dann noch sein Tor. Darauf kommt es an. Und wann hat es zuletzt so viel Spaß gemacht, dem MSV bei seinem Spiel zuzusehen? Denn das ist die übereinstimmende Meinung überall, es war erneut ein Spiel, bei dem beide Mannschaften guten Fußball gezeigt haben.

Maicon-Fans der Fans werden unruhig

Am Anfang einer Saison weiß noch niemand genau, was eine Leistung zu bedeuten hat. Ergebnisse und  Spielweise des MSV bei den ersten drei Pflichtspielen lassen zwar Verbesserungsbedarf erkennen. Ganz offensichtlich ist der aber nur bei Frank Fahrenhorst. Alle anderen Spieler waren auf ihren Positionen mindestens so gut, dass sie das gelingende Zusammenspiel der Mannschaft zumindest nicht behinderten. Es gab darüber hinaus sehr gute Spieler, und nun könnte eigentlich jeder Fan angesichts der vorhandenen Leistung erwartungsvoll nach vorne sehen, ob beim Spiel gegen den FC St. Pauli der MSV Duisburg seine Leistung gegen Cottbus bestätigt.

Allerdings gibt es da einen Spieler, der wie ein kleiner Stachel manche Fan-Seele immer wieder piekt. Maicon ist auch gegen den FC St. Pauli erneut nicht im Kader. Wir wissen, der Mann spielt technisch gut, und es gibt einige Fans, die seine Fähigkeiten im Spiel des MSV Duisburg vermissen. Die Krux bei der Sache Maicon ist allerdings die, dass die Befürworter seines Einsatzes die gleichen guten Argumente haben wie diejenigen, die sagen, die Mannschaft hat gut gespielt und nun soll sie erst einmal ihre Leistung wiederholen dürfen. Im Forum vom Transfermarkt werden die Argumente sehr differenziert ausgetauscht, was mir dann doch besser gefällt als jene Kommentare bei Der Westen, wo es ja gerne auch mal grobschlächtig zur Sache geht.

Ich selbst bin da mehr auf der Seite derer, die Maicon zwar ballsicher, aber in schnellen Spielen immer auch langsam gesehen haben. Deshalb gibt es für mich auch keine Notwendigkeit ihn schon jetzt in der Startelf für Yankov zu bringen. Yankov ist neben Fahrenhorst für mich der einzige Spieler, der in Gefahr geriete, seinen Platz räumen zu müssen. Aber schon nach zwei Spielen? So schafft man keine Stabilität im Mannschaftsgefüge. Denn so schlecht war er nun auch wieder nicht. Es ist natürlich für einen Mann wie Maicon schwer, wenn er aus taktischen Gründen wieder nicht zum Zug kommt. Ein professioneller Umgang mit der Situation ist natürlich, sich dennoch leistungsbereit zu zeigen. Peter Neururer lanciert genau das in den Medien und erklärt, warum er Maicon nicht berücksichtigt. Am Anfang einer Saison weiß also niemand so ganz genau, was eine Leistung wert ist. Was am Anfang einer Saison aber klar zu erkennen ist: Ein Trainer muss seine Mannschaft nicht nur trainieren, sondern auch Stimmungen im Blick haben – bei seinen Spielern natürlich, aber auch bei den Fans.

Der Wolfgang Clement vom FC Schalke 04

Wo die SPD mangels wöchentlicher Heimspiele sofort mit einem Ausschlussverfahren aufwarten musste, langt bei einem Fußballverein wie dem FC Schalke 04 auch erst einmal der Verlust der Ehrenkarte samt Parkberechtigung. Irgendwann ärgern  sie einfach zu sehr, diese älteren Männer, die es immer noch besser wissen wollen und ihren Mund nie halten können, wenn ein Journalist gerade vorbei läuft. Diese älteren Männer kennen eben nur zu genau die richtigen Worte und Zeitpunkte, um öffentlich gehört zu werden. Was ihren Nachfolgern im Amt die tägliche Arbeit nicht gerade erleichtert.

Rudi Assauer muss nun also zwar nicht wie jedermann in die Arena gehen, aber doch ohne Anerkennung seiner für Schalke 04  einst geleisteten Arbeit. Im Königsblog ist darüber gestern eine kleine Diskussion entstanden, wie dieser Entzug der Ehrenkarte Assauers zu bewerten ist. Ich habe das gelesen und meine eigene Meinung machte eine ähnliche Bewegung wie die von mir gelesenen Beiträge. Am Ende habe ich mich dann gefragt, warum ich zunächst Torsten Wieland recht gab, der diesen Entzug der Ehrenkarte für unsouverän hielt und ich schließlich auch mit gleicher Entschiedenheit den Befürwortern des Entzugs folgen konnte, die meinten, bei allen Verdiensten darf niemand den Verein derart mit Kritik überziehen, wie es Assauer ständig machte.

Ich glaube nun, in meiner eigenen Unentschiedenheit offenbart sich das Doppelgesichtige des modernen Profifußballs. Traditionen alten Vereinslebens sind im modernen Fußball trotz aller offensichtlichen Veränderungen der Vereine hin zu Wirtschaftsunternehmen weiterhin lebendig. Mehr noch, auf Traditionen muss in den meisten Vereinen Bezug genommen werden, damit sie als Wirtschaftsunternehmen überhaupt erfolgreich sein können. Denn Fußball ist keine unterhaltsame Freizeitgestaltung an sich, sobald der Ball nicht von den allerbesten Spielern kontrolliert wird. Die Attraktivität des Fußball-Angebots eines Vereins muss also meist auf andere Quellen zurückgreifen. Natürlich ist so eine Quelle die Frage nach Sieg oder Niederlage. Auf dieser Ebene geht es dann auch um die Bedeutung des Vereins, und die lässt sich einfacher herstellen, indem auf die Tradition zurückgegriffen wird. Da spielt dann das öffentliches Reden über die Bedeutung des Vereins ebenso eine Rolle wie Gesten der Verbundenheit mit Fans bei den Akteuren auf Vereinsseite.

Wenn diese Formen von Tradition aufgegriffen werden, wissen Fans um die mögliche Scheinhaftigkeit eines solchen Redens. Dennoch gibt es eine Sehnsucht nach genau solchen Stimmen. Assauers Ehrenkarte gehört in die Rubrik Vereinstradition, Sparte Umgang mit verdienten Mitgliedern. Interessanter Weise enthüllt die Meldung im RevierSport eine zweite mögliche Deutung des Geschehens, die das Wirtschaftsunternehmen Schalke 04 wieder in den Blick rückt: „Im Mai diesen Jahres endete wohl die letzte vertragliche Verpflichtung zwischen Assauer und den „Knappen”, die es nun bei der Ehrenkarten-Vergabe offensichtlich ganz knapp halten.“ Selbst in diesem Vorgang um den Entzug der Ehrenkarte vermischen sich also die Beweggründe des Handelns. Vielleicht handelt der Verein einfach nur als Unternehmen, das Kosten einsparen will? Fans reden darüber natürlich anders.

Rudi Assauer selbst, so meine ich sicher, würde sich bestimmt mit seinem  Reden über den FC Schalke 04 ganz und gar der Tradition alten Vereinslebens angehörig fühlen, eines Vereinslebens, das auch im Breitensport übrigens seit einiger Zeit nicht mehr sehr lebendig ist. Solche alten Männer wie Rudi Assauer kannten wir in fast allen Vereinen. Dort saßen sie bei den Sommerfesten an einem Tisch ein wenig abseits. Sie rauchten, tranken ihr Bier und erzählten von alten Zeiten. Und wenn jene in der Runde, die es immer noch besser wissen wollten, lauter wurden, unterbrachen sie die Weiseren ihrer Vereinskollegen mit der Bestellung eines weiteren Bieres. Das verhinderte auf jeden Fall solche Mäkeleien, die im Unterhaltungsbetrieb Profifußball Teil des Alltags wurden, weil sie für die Medien umsatzfördernd sind.

Und wenn ich als neutraler Beobachter nun endgültig entscheiden müsste, hätte ich von Rudi Assauer die Ehrenkarte auch zurück gefordert.


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