Wieviel Ballkontakte hatte Starke? – FC Energie Cottbus (H)

Nach dem Spiel gegen den FC Energie Cottbus schillern meine Gefühle zwischen Begeisterung, Zuversicht und einem leisen und deshalb auch immer wieder verschwindenden Hadern. Was für eine Überlegenheit des MSV und dann steht da ein Unentschieden als Ergebnis. Nur oder gerechter Weise? War es erst um die 32. Minute, als Tom Starke das erste Mal den Ball aufnehmen musste? Und hatte er in der ersten Halbzeit fünf oder sechs Ballberührungen? Das hat sehr gut ausgesehen, was der MSV Duisburg gestern Abend gezeigt hat. Was mich daran besonders zuversichtlich stimmt, ist die Entwicklung, die diese Mannschaft genommen hat. Die Startelf kennen wir bis auf zwei Spieler aus der letzten Saison, und es ist tatsächlich so, dass die Sicherheit des Mannschaftsspiel nach vorne die einzelnen Spieler besser macht und natürlich wirkt das Ganze auch umgekehrt. Die besseren einzelnen Spieler machen den Aufbau des Spiels sicherer.

Die Überlegenheit des MSV ergab sich nun nicht, weil der Gegner so schwach war. Cottbus wollte vorsichtig aus sicherer Abwehr heraus beginnen, doch der MSV Duisburg hat die gegnerische Mannschaft von Anfang in die eigene Hälfte gedrängt. Die Überlegenheit wurde gegen gut stehende Gegenspieler erspielt. Kein Gedanke daran, dass Cottbus nur den ersten, meist eine Viertelstunde dauernden Ansturm einer Heimmannschaft überstehen musste. Die Überlegenheit hielt an. Selbst das Gegentor brachte das Spiel des MSV nicht zum Erliegen.

Die Angriffsbemühungen der Cottbusser wurden normalerweise so im Keim erstickt, dass dieser Angriff, der zum Gegentor führte, wie aus dem Nichts kam und so nicht einmal Gelegenheit bot, sich aufzuregen. Dabei war es gekommen, wie wir es die ganze Zeit befürchtet hatten. Auf solch einen Angriff hatten die Cottbusser offensichtlich gewartet. Wahrscheinlich hätten sie gegen ein paar Chancen mehr nichts gehabt. Sie hätten sich aber auch nicht beschweren können, wenn der MSV in Führung gelegen hätte. Die größte Chance war ein Kopfball von Frank Fahrenhorst, der auf der Linie geklärt wurde. Als Abwehrspieler allerdings strahlt Frank Fahrenhorst noch nicht die Sicherheit aus, die Markus Brzenska in der letzten Saison von Anfang an auszeichnete. Natürlich hat die Abwehr in so einem Spiel nicht viel Gelegenheit, sich im eigenen Strafraum auszuzeichnen. Und an solchen Spielsituationen wie vor den zwei Gegentoren gibt es ist nicht sehr viel zu kritisieren. Es sind weniger die Kleinigkeiten im Stellungsspiel als die der Präsenz des Abwehrsspielers, die mich unruhig machen, wenn ich an Gegner denke, die vielleicht einmal häufiger als Cottbus in die Nähe des MSV-Tores kommen. Die Arbeit des Abwehrsspielers muss längst geschehen sein, ehe ein Stürmer im Strafraum an den Ball gelangt. Bei so einem Spiel wie gestern kann es nach einem Konter zu dem Ballkontakt des Stürmers im Strafraum kommen. Verhindern wird der Abwehrspieler den Torschuss dann nicht mehr völlig, aber er kann ihn erschweren und da scheint es mir für Frank Fahrenhorst noch Verbesserungsbedarf zu geben. Weder strahlt er einschüchternde Präsenz noch Ruhe aus.

In der zweiten Hälfte bot sich das selbe Bild wie in den ersten 45 Minuten. Der MSV blieb weiterhin deutlich überlegen, und dennoch musste wieder ein Gegentor aus dem Nichts weggesteckt werden. Erst da, meine ich, war zu erkennen, der Glaube der Mannschaft an sich selbst, begann zu wanken – trotz des weiter erkennbaren Willens den Ausgleich zu erzielen. Denn von dem Moment an gab es einige wenige Versuche den Ball Richtung Tor zu bringen, die zwar noch nicht verzweifelt, aber auch nicht mehr völlig überlegt waren.

Der Ausgleich dann brachte mir zumindest so etwas wie ein Gefühl von Gerechtigkeit zurück. Gerade wie die Tore vom MSV zustandekamen, zeigt die Qualität des Spiels noch einmal in konzentrierter Form. Beide Tore fielen dank einer ausgewogenen Mischung von Einzelleistung und Mannschaftsspiel. Dieses zweite Tor wurde hervorragend vorbereitet durch Sandro Wagner, der sich gegen zwei eng deckende Cottbuser durchsetzte. Als er nach rechts auf Adam Bodzek ablegte, sah man von unserem Platz aus, im Rücken Bodzeks, wie perfekt sich Bodzek zum Ball hin bewegte. Er musste einfach treffen. Das erste Tor wiederum ergab sich aus einem perfekten Abwurf Tom Starkes fast bis an die Mittellinie in den Lauf von Dorge Kouemaha hinein. Kouemaha überdribbelte die herankommenden Cottbusser Verteidiger dank Schnelligkeit und technischen Geschicks, um im richtigen Moment auf den mitgelaufenen und frei stehenden Sandro Wagner zu passen. Der wiederum brachte den Ball sicher ins Tor.

Noch einmal: Auch wenn in manchen Spielberichten heute Sandro Wagner im Mittelpunkt steht, es waren nicht einzelne Spieler sondern die Mannschaft, die sich in der Vorwärtsbewegung sicher war. Immer wieder gab es auf engstem Raum Ballkontrolle dank technischer Sicherheit der einzelnen Spieler und schnellem Kurzpassspiel. Christian Tiffert zeichnete sich da aus. Die Pässe und die Einsatzbereitschaft von Mihai Tararache waren wieder auf einem Niveau, das wir in Duisburg schon nicht mehr geglaubt hatten noch einmal zu sehen. Die Entwicklung von Sandro Wagner ist hervorragend. Endlich behauptet er den Ball nicht nur aufgrund seiner Schnelligkeit. Endlich blitzt seine Technik nicht nur in einigen wenigen Spielsituationen auf, sondern sie ist das ganze Spiel über erkennbar. Sein Kopfballspiel wird zudem immer besser. Chavdar Yankovs spielerische Qualiäten blieben gestern allerdings meist ein Versprechen. Adam Bodzek knüpft an die starken Spiele zum Schluss der letzten Saison nahtlos an.  Zur Verteidigung wird nach anderen Spielen mehr zu schreiben sein. Nachdem Caiuby eingewechselt wurde, war seinem Spiel die noch nicht genügende Bindung ans Mannschaftspiel anzumerken. Als Einzelspieler ist technisch großartig. Seine Pässe finden aber nicht immer die Mitspieler, mehr noch, vor allem seine Querpässe bringen die eigene Mannschaft in Gefahr, einen Konter hinnehmen zu müssen.

Nicht oft habe ich ein derart gutes Zweitliga-Spiel vom MSV gesehen. Natürlich kitzelt da ganz kurz ein Gedanke an die letzte Saison, in der auch das erste Heimspiel gegen Rostock mit eines der besten Spiele der Saison überhaupt gewesen ist. Meine heutige Hoffnung auf stabile spielerische Verhältnisse beim MSV Duisburg beruht aber darauf, dass dieses Spielvermögen das Ergebnis einer Entwicklung ist und damit alles andere als ein Augenblicksereignis. Da sollten noch einige gute Spiele mehr drin sein. Ich bin dabei.

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